NZZ Akzent· Folge 1668

Angst vor Trump? Warum Europa sein Gold nach Hause holt

Donnerstag, 10. September 2026 · 17 min

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Shownotes

Die Aktion der niederländischen Notenbank hat international viel Aufsehen erregt. Über Monate hat sie insgesamt 78 Tonnen Gold aus den USA abgezogen und nach London verlegt. Und die Niederlande sind damit kein Einzelfall. Immer mehr Notenbanken ziehen ihre Goldreserven aus den USA ab. Eine reine Vorsichtsmassnahme für Finanzkrisen, oder bröckelt das Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA?

Gast: Matthias Benz, Wirtschaftsredaktor
Host: Nadine Landert
Redaktion: David Vogel

Matthias' Artikel findest du hier (nzz.ch/wirtschaft/die-niederlande-ziehen-78-to…)

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Dieser Podcast wird präsentiert von Konteky Reisen, dem Spezialisten für Ihr Reiseerlebnis im Norden. Lassen Sie sich für Ihren nordischen Sommertraum inspirieren. auf konteky.ch. Es ist ein gewaltiger und sehr geheimer Umzug – mitten in der Nacht tief unter den Straßen von New York hinter tonnenschweren Stahltüren.

unter strengster Überwachung werden Goldbaren um Goldbaren rausgenommen, gescannt und verpackt. Schwerbewachte Kisten verlassen die Tresore im Untergeschoss der US-Notenbank. In Spezialtransportern rollt das Gold zum Flughafen, wird in die unauffällige Frachtmaschine verladen und fliegt über den Atlantik nach London.

Matthias so ähnlich dürfte es abgelaufen sein oder? Ja, wahrscheinlich schon. Wir wissen es nicht genau weil die Aktion hat unter großer Geheimhaltung stattgefunden. zwischen März und August sind da offensichtlich neunzehntolmen Gold über den Atlantik geflogen worden. Wer hat das gemacht? Es war die Niederländische Notenbank, die dieses Gold physisch nach Europa zurückgeholt hat.

Sie hat erst kürzlich darüber informiert dass sie das gemacht hat. Sie hat aber auch gesagt, dass sie einen größeren Teil des Goldes in New York verkauft hat und in London wieder gekauft. Nämlich neunundfünfzig Tonnen. Also insgesamt sind der seventy- acht Tonnen Gold von New York nach London verschoben worden.

Und das hat international schon für viel Aufsehen gesorgt weil diese Aktion ist kein Einzelfall sondern es ist ein Teil eines globalen Trends. Wir sehen, immer mehr Staaten machen sich beim Thema Gold unabhängig von den USA. Immer mehr Notenbanken ziehen ihre Goldreserven aus den USA ab – eine reine Vorsichtsmaßnahme für Finanzkrisen.

oder bröckelt das Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA? Das besprechen wir mit Wirtschaftsredaktor Matthias Wenz. ich bin nach dem Landort Matthias, als erstes die Niederlande verfrachtet. Achtundsiebzig Tonnen von ihrem Gold aus den USA nach London. Das klingt noch viel? Ist es das auch? Ja, das hat tatsächlich eine relativ große Bedeutung.

Man sieht daran ... die Niederlande jetzt vierzig Prozent aller Goldreserven, die sie bisher in den USA eingelagert hatten, jetzt von New York abgezogen haben. Das heißt es ist nicht alles weg aber man sieht dass die Niederein der New York quasi durch London ersetzt haben weil jetzt von den gesamten Goldresern des Landes und ein Drittel in London liegt.

Ein Drittel haben Sie zu Hause in den Niederländern und auch je nachdem, dass sie in New York oder Kanada liegen. Gehen wir vielleicht einen halben Schritt zurück? Wie kommt es denn überhaupt, dass so viel Gold in den USA war? Das hat viel mit der Geschichte zu tun – die Europäischen Notenbank und auch andere Lagen seit langem Gold in Den USA.

Das hat vor allem während des Kalten Krieges begonnen. Die Europäer hatten einerseits Angst vor einem möglichen Einmarsch der Sowjetunion und da war es einfach sicher, wenn das Gold in den USA lag. Es gibt auch noch einen anderen Grund, der ist fast wichtiger. die europäischen Länder hatten nämlich nach dem Weltkrieg also in den neunzehntfünfzig- und sechzigerjahren hohe Handelsbilanzüberschüsse mit den USA.

Das heißt sie haben den Amerikanern sehr viele Waren verkauft und dadurch viele Dollar eingenommen. Und diese Dollar haben sie zum Teil in den USA in Gold getauscht und das in den Kellern in den USA gebunkert. Der Dollar war damals ja auch ganz goldgekoppelt. Also hat sich das Gold angesammelt, eigentlich?

Genau! In dieser Zeit haben sich hohe Goldbestände angesammelten in den U.S.A.. Ein weiterer Vorteil dem man gerne mitgenommen hat ist dass New York ein globales Finanzzentrum ist. es ist weiterhin der zweitwichtigste Handelsplatz für Gold Und das heißt auch, dass man im Krisenfall dort das Gold sehr schnell und sehr einfach in Dollar umtauschen kann.

Auch das war ein Grund warum man es da in den USA liegen lassen hat. Jetzt aber haben die Niederlande beschlossen so viel Gold aus New York nach London abzuziehen? Warum denn? Da ist wirklich interessant was die niederländische Notenbank Anfang September offiziell gesagt hat. Sie haben nämlich mitgeteilt, es gebe zunehmende geopolitische Unruhen und in dieser Zeit wolle man Zitat die eigene Krisenvorsorge verstärken.

Die Notenbarke sagt wir gehen davon aus dass wir diese Goldreserven nicht einsetzen müssen aber wenn wir das dann mal tun müssten dann ist das Gold in London einfach besser handelbar. man kann es leichter verkaufen. also es geht darum dass die Notenbank offensichtlich ihre Krisenvorsorge stärken will und auch die Risiken breiter streuen will über die Weltkugel hinweg.

Ist das tatsächlich so? Kann man im Krisenfall in London schneller Gold in eine Fremdwährung tauschen als jetzt in New York? Ja, das ist nicht nur ein Scheinargument. London ist tatsächlich der Handelsplatz mit der größten Liquidität im Goldhandel weltweit. Da wechseln pro Woche Gold im Wert von neunhundert Milliarden Dollar die Hand also schon wahnsinnig viel.

auch New York ist ein wichtiger Handels Platz. weiterhin aber in London ist die Liquidität sehr hoch. Jetzt hast du angedeutet, die Niederlande stehen nicht alleine damit dieser Großaktion. Wer hat denn sonst nach Gold aus den USA abgezogen? Da haben wir schon andere gesehen. Letztes Jahr hat die französische Zentralbank ihr gesamtes Gold sogar aus New York abgezogen, hundertundzwanzig Tonnen.

Sie haben alles nach Paris zurückgenommen. Das ist auch deshalb außergewöhnlich. Die französische Zentralbank jetzt alles rollt in Paris hart. Es ist also nicht gestreut auf andere Handelsplätze. Warum das die Franzosen genauso gemacht haben, wird wahrscheinlich ihr Geheimnis bleiben? Offiziell sagen sie, dass hat nichts mit politischen Gründen zu tun, dass wir das gemacht haben.".

Also schon eine andere Strategie ersetzt – die Niederlande, die ja auch damit argumentiert, dass Sie eigentlich das Risiko streuen wollen! Genau. Und wie sieht es noch bei weiteren europäischen Ländern aus, was ist da der Trend? Wir sehen keine anderen bis jetzt die tatsächlich Gold abgezogen haben. aber in Deutschland beispielsweise gibt es jetzt eine Debatte darüber ob man das tun soll.

Es gab Forderungen vom Bund der Steuerzahler von den AfD auch von Linksparteien wurde gesagt die Deutsche Bundesbank solle doch ihre Golbestände vollständig in die Heimat zurückholen. und Ein Argument, das da auch immer wieder kommt ist, dass das Gold unter Trump eben in den USA nicht mehr sicher sei.

Da liegt ja schon die Vermutung nahe also, dass die Aktionen von Frankreich und den Niederlanden das Gold aus den USA abzuziehen, auch mit Donald Trump zu tun haben könnte? Ist da was dran? Absolut! Diese Vermutungen liegen natürlich nahe aus zwei Gründen. Einerseits hat Trump die Unabhängigkeit der Notenbank immer wieder in Frage gestellt, also der Ort wo das Gold physisch lagert in New York.

Trump hat zum Beispiel der Notendbank immer gesagt was für eine Zinspolitik machen soll. es hat eine Anklage gegeben gegen den vorherigen Notenbankschef. Das hat die Leute schon stark verunsichert. Es gibt auch die Vermutung, dass Trump die Goldreserven als Druckmittel einsetzen könnte. Zum Beispiel im Zollstreit.

Man kann sich da ja vieles vorstellen bei Trump das er zum Beispiel Post absetzt in den sozialen Medien wo er einem Land sagt wenn ihr euch nicht auf ein Handelstil einlässt dann habt ihr ja übrigens noch viel gold bei uns lagern. dann einfach offen lassen, was das jetzt bedeutet. Aber natürlich ist es ein Vermögenswert der schon als potenziell Druckmittel eingesetzt werden könnte.".

Was ist denn deine Einschätzung? Ist Gold in den US erhalten unter Donald Trump oder diesen möglichen Unsicherheiten und dieser vielleicht auch Unberechenbarkeit ein Risiko? Ich glaube es gibt immer noch gute Gründe warum eine US-Regierung nicht ihre Hand auf ausländisches Gold legen wird. Goldreserven sind zum Beispiel völkerrechtlich besonders geschützt.

Man darf es nicht einfach beschlagnahmen und Trump würde auch selbst ein gewisses Risiko eingehen mit so einer Aktion, dass er womöglich eine Finanzkrise auslöst. Warum? Wenn sogar das goldausländische staatliche Notenbanken in den USA nicht mehr sicher wäre, dann würden sich viele Investoren aus der ganzen Welt fragen.

Sind jetzt auch andere Anlagen in den USA nicht mehr sichert? Zum Beispiel amerikanische Staatsanleihen. Viele Leute kaufen ja den USA ihre Schulden ab aber dort gibt es jetzt schon wachsende Unsicherheit weil die USA sehr stark verschuldet sind. Die Leute sind nicht mehr sicher, ja können die USA das irgendwann auch wieder zurückzahlen?

und in so einer Situation wäre es sicher nicht gescheit, wenn Trump zusätzliche Zweifel an der Verlässlichkeit der USA schüren würde. Und man muss ja schon betonen also dass Fed ist nach wie vor unabhängig von der US-Regierung? Natürlich! Trotz aller Zweifeln, die Trump da immer wieder gesagt hat, ist die Fed weiterhin unabhängig.

Also der Abzug des Goldes raus aus New York kann man nicht nur mit Donald Trump und seine Regierung begründen? Nein, da würde man sich das tatsächlich viel zu einfach machen. Natürlich ist es so. die USA werden derzeit als nicht mehr so verlässlich wahrgenommen aber dieser Trend hat schon deutlich vor Trump begonnen, schon lange vor Trump Nämlich, dass die Notenbanken ihre Goldreserven anpassen.

Wir sehen zwei Dinge vor allem nach der Finanzkrise von eight haben weltweit viele Zentralbanken gold gekauft und so ihre Reserven aufgestockt Und sie haben die auch zunehmend bei sich selbst gelagert also nicht mehr in den USA sondern wirklich in der Heimat. weil Ja, vor allem Schwellen und Entwicklungsländer wollen sich so vom Dollar unabhängiger machen.

Der ja faktisch immer noch die weltweite Reservewährung ist aber man will sich da unabhängig machen. Typisches Beispiel dafür ist China. China hat sehr viele Goldreserven hier zugekauft um eben auch die eigene Währung bis hin als Alternative zum Dollar zu positionieren. Es gibt aber noch einen anderen Faktor.

Viele Länder haben Angst, dass sie unter amerikanische Sanktionen geraten könnten und dann keinen Zugriff auf ihre Serven im Ausland mehr haben. Das spricht dafür, Gold zu halten und es im eigenen Land zu halten. Auch China ist ein Beispiel dafür. Aber auch Russland hat das sehr stark gemacht. Auch Türkei oder Indien haben die Goldreserven stark aufgestockt.

Weil die USA sonst die Gold-Reserven blockieren könnte? Genau! Wir sind gleich zurück. Kann man den insgesamt belegen oder zeigen, dass die USA in den letzten Jahren als Lageort von Gold immer weniger wichtig geworden ist? Ja. Die Zahlen zeigen das wenn wir zwanzig Jahre zurückblicken im Jahr Zwei-Tausendfünf lagen noch etwa dreißig Prozent der weltweiten Goldreserven in den USA.

heute sind es nur noch ungefähr zwanziger Prozent. Das legt eben auch daran, dass mehr Länder tatsächlich physischen Zugriff auf ihre Goldvermögen haben wollen. Es ist dann sicherer und man hat die volle Kontrolle darüber – es kann einem niemand wegnehmen. Gleichzeitig ist das aber auch nicht sinnvoll wenn man alles goldbar sich hat.

Die Notenbanken stecken da in einem Dilemma. von der einen Seite Sicherheit Auf der anderen Seite will man mit dem Gold ja auch etwas machen können und in einem Krisenfall ist es wichtig, dass Notenbanken dieses Gold schnell zu Geld machen können. Dass sie sich jetzt schnell in Fremdwährung umtauschen können zum Beispiel in Dollar.

Das hilft dann unter Umständen in einer Krisensituation die finanzielle Lage im eigenen Land zu stabilisieren – die Wirtschaft zu stabilisiere. Also diese Handelbarkeit ist wichtig. Und handeln ist einfacher, wenn das Gold physisch an den weltweit wichtigsten Handsplätzen in London und New York lagert.

Matthias, jetzt hast du uns gesagt, dass eben im Zuge der Finanzkrise-Zweiteihtausend acht da gab es eine große Welle wo viel Gold aus den USA abgezogen wurde? Dass europäische Länder das jetzt wieder tun oder auch zumindest die Debatte darüber führen ob sie's tun sollen mögliche Finanzkrise? So weit würde ich nicht gehen, aber ich glaube es ist ein Symptom für einen Breitresphänomen das wir beobachten nämlich dass sich die Welt zunehmend in Blöcke aufteilt.

In Blöcken die ja auch Spannungen haben miteinander. Wir sehen eine gewisse D-Globalisierung also eine wirtschaftliche Entflechtung der Welt. Die USA sind nicht mehr so verlässlich und was die Notenbanken da tun, ist glaube ich ein Spiegel davon. Dass sie eben ihre Risiken breiter streuen wollen, dass sie sich auch vorbereiten auf mögliche Konflikte... ...die Niederländische Notenbank hat gesagt, eben die geopolitischen Unruhe Entspannungen nehmen zu.

Da möchte man einfach vorbereitet sein! Und wo steht denn in all dem die Schweiz? Ja, die Schweiz ist wieder mal ein Sonderfall auch in dieser Ansicht. Interessant ist das, dass die Schweizerische Notenbank überhaupt kein Gold in den USA hat? Die Schweizerischen Nationalbank hat von zweitausend bis zweitausendfünf alles gold in den US verkauft.

Der Nationalbank hat damals ihren Goldbestand mehr als halbiert insgesamt. Das hat verschiedene Gründe, man sah goldas Stabilität nicht mehr so wichtig und da hat man weil es am einfachsten war das gold in den USA verkauft. Die Schweiz ist seither auch ein Sonderfall geblieben. die national Bank hat kein gold zu gekauft und auch keines verkauft.

der gold bestand liegt unverändert bei tausend und vierzig tonnen Und davon liegen siebzig Prozent in der Schweiz selbst, in Kellen, zwanzig Prozent in London bei der Bank of England, der englischen Zentralbank und zehn Prozent in Kanada. Die Schweizerische Nationalbank hat gar kein Gold mehr, das sie aus den USA abziehen könnte.

Sie hat es damals für einen im Vergleich zu heute Sportpreis verkauft, oder? Das ist richtig. Es gibt Leute die sagen man hätte das nicht machen sollen aber das ist eine hochpolitische Diskussion. Genau! Die Schweiz und ihr Gold – das ist ein anderes Kapitel. Matthias vielen Dank. Sehr gerne.

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