NZZ Akzent· Folge 1670

El Niño kommt – stärker als je zuvor?

Freitag, 11. September 2026 · 13 min

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Shownotes

Das Wetterphänomen El Niño kehrt in diesem Jahr zurück und könnte nach aktuellen Prognosen außergewöhnlich stark ausfallen. Schon jetzt erwärmt sich der Pazifik vor Peru drastisch, mit spürbaren Folgen für Meerestiere und Menschen vor Ort. Doch welche weltweiten Auswirkungen sind in den kommenden Monaten zu erwarten?

Wissenschaftsredaktor Sven Titz erklärt die Ursachen von El Niño, drohende Dürren in Asien sowie ungewöhnliche Regenfälle in Südamerika. Ausserdem klären wir in dieser folge von NZZ Akzent, was El Niño für die globale Nahrungsversorgung bedeutet und ob seine Stärke in einem klaren Zusammenhang mit dem Klimwandel steht.

Gast: Sven Titz, NZZ-Wissenschaftsredaktor
Host: Alice Grosjean

Produktion: Lillybelle Eisele

Svens Analyse zu El Niño findest du bei der NZZ (nzz.ch/wissenschaft/el-nino-koennte-diesmal-so…).

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Dieser Podcast wird präsentiert von Konteky Reisen, dem Spezialisten für Ihr Reiseerlebnis im Norden. Lassen Sie sich für Ihren nordischen Sommertraum inspirieren. auf konteky.ch. Der El Nino, der ist fix. Die Frage ist nur wie heftig wird er das machen? Szenen wie diese kriege auch ich im Moment regelmäßig in meinen Social Media Feed reingespült.

Es geht um El Nio Ein Wetterphänomen dass alle zwei bis sieben Jahre vorkommt und das Auswirkungen auf den ganzen Planeten hat. Und dieses Jahr soll El Nino besonders extrem werden. Wenn der Ton in diesen Videos kann schon Angst machen, ist teilweise sehr dramatisch. Genau deswegen wollen wir uns das heute ein bisschen genauer anschauen.

Du hast selber Meteorologie studiert? Wenn du jetzt das Phänomen El Nio einem zwölfjährigen Kind erklären müsstest... Was würdest du sagen? Was ist El Ninho? Ja dann würde ich sagen alle paar Jahre wird das Wasser im Pazifik sehr warm, und zwar um den Äquator herum. Und dieses warme Wasser löst dann in der Region Trockenheit aus oder Überschwemmungen.

Dieses Phänomen nennt man El Nino.". Das Wetterphänomen El Nio kommt – und könnte dieses Jahr stärker werden als je zuvor! Was die Prognosen tatsächlich aussagen? Und worauf sich die Welt einstellen muss? Das bespreche ich heute mit unserem Wissenschaftsredakteur Sven Teetz. Ich bin Alice Kujan Elinio findet also alle paar Jahre unregelmäßig statt, aber man kann es eigentlich vorhersehen.

Jetzt dieses Jahr wird es vorhergesehen. Welche Anzeichen beobachten Meteorologen denn im Moment konkret? Also am deutlichsten ist eigentlich die Erwärmung des Meeres vor der Küste von Peru. da ist die Wassertemperatur schon bis zu sieben Grad höher als normalen Jahren und das hat dann für die Lebewesen im Meer starke Folgen, die Sardellen, die sonst vor der Küste herumschwimmen.

Die fliehen einfach in Meeresregionen mit tieferen Temperaturen und stattdessen kommen dann vielleicht Makrelien, die mit wärmerem Wasser besser zurechtkommen.". Wir hören hier ein Nachrichtenvideo aus Peru. Da sieht man viele Pelikane auf einem Haufen sicher, zwanzig, dreißig... ...die sich auf einen Markt zu oben einen Mann herumscharren, der sie mit Fischen füttert!

Was ist da los? Diese Pelikene, die fressen sehr gerne Sardellens. Und diese Sardellen sind ja nun wegen El Nino, wegen dieser hohen Wassertemperaturen weggeschwommen quasi. Und dann fehlt den Pelikan einfach die Nahrung. und dann denken sie Ja, dann versuchen wir das mal im Hafen bei den Menschen. Also Pelikane, die sich auf einem Markt um Fische streiten, die noch da sind, die nicht weggeschwommen sind also auch eine indirekte Folge von den steigenden Wassert Temperaturen in diesem Fall in Peru.

Peru an der Westküste Südamerika. Du hast gesagt, da sind die Temperaturen momentan um sieben Grad höher als normal. Ist das ein typisches Phänomen für El Nino? Das ist eigentlich sogar das Typischste! In Peru wurde El Nio sehr früh erkannt einfach weil die Fischer gemerkt haben dass ihnen die Fische ausgingen und diese Jahre mit diesen hohen Wassertemperaturen haben sie dann quasi extra bezeichnet und haben das Phänomene überhaupt beschrieben schon vor Jahrhunderten.

Und diese sieben Grad, die das Wasser eben wärmer ist als normalerweise. Ist das einigermaßen im Rahmen oder ist es komplett extremen? Das ist schon sehr außergewöhnlich vor allen Dingen für diese Zeit im Jahr. jetzt im September wäre normalerweise die Wassertemperatur noch nicht so hoch. der Höhepunkt von El Nino ist ja erst im Herbst und im Winter also gegen Dezember.

dann erreichen die wasser Temperaturen den höchsten Wert und nicht schon jetzt. Lass uns kurz noch mal auf das Gesamtphänomen El Nino schauen, damit wir das ein bisschen besser verstehen. Man kann sich das vorstellen als wäre der Pazifik eine große Badewanne. Links ist Australien und Asien rechts der amerikanische Kontinent und von rechts nach links bläst einen Wind – also zum Beispiel ein Ventilator, der so über die Badewanne drüber bläßt.

In einem El Nioja ist der Ventilador viel schwächer eingestellt oder blässt fast gar nicht mehr! Sven was hat das dann für folgen? Für den Pazifik? In einem El Nino-Jahr fließt dann quasi dieses warme Wasser, das sich sonst immer im Westen des Pazifik sammelt. Das fliesst dann tendenziell eher auch nach Osten und steigt nicht so viel kaltes Wasser vor der Küste von Südamerika auf.

Das ist sonst auch der Normalfall. Warum passiert das? Einfach weil das Wasser oben weggeweht wird Richtung Westen, muss ja Wasser nachsteigen. Und in einem El Ninja Jahr ist es eben nicht der Fall, da ist oben warmes Wasser Und das verändert dann das Wetter sowohl im Westen als auch im Osten des Pazifiks.

Im Westen wird es trockener und vor der Küste von Südamerika, zumindest in Peru oder auch in Ecuador, wird es für euch da. Es gibt häufiger heftige Regenfälle. Wir sind gleich zurück! Der nordische Sommer ist eine Einladung die Sehnsucht nach Weite- und Abenteuer zu stillen und ein neues Kapitel ihrer Reisegeschichte zu schreiben.

Erleben Sie die endlosen Wälder Laplans, das kulturreiche Baltikum? Die imposanten Schlösserschottlands oder die faszinierenden Landschaften Islands. Planen sie jetzt ihr Nordenabenteuer auf kontiki.ch. Also in Ländern wie Peru wird es feuchter und das Wasser ist wärmer als normal. Und auf der anderen Seite in Australien, Indonesien da ist es viel trockner als normal.

Das ist problematisch Weil die Regionen daran nicht angepasst sind. oder wo genau ist das Problem? In Peru kann es dann einfach so heftig regnen, dass es sehr starke Überschwemmungen gibt. Die so selten auftreten, dass das Land daran eben nicht richtig angepasste ist. Kleine Bäche werden zu reißenden Strömen und es gibt wirklich heftige Überschwemmung.

Und in Indonesien kommt es dann zu einer so starken Dürre, dass größere Waldbrände, größere Buschbrände sich ausbreiten können. Häufig gibt es in den Neniyo-Jahren auch große Smokewolken im indonesischen Raum, die sogar in andere Länder ziehen. Also weil der Regen fehlt, der alles runter waschen würde – in normaleren Jahren?

Nein, in normalen Jahren würde es einfach gar nicht zu so großen Bränden kommen. Das wäre in normaler Jahren gar nicht möglich weil das viel mehr regnet. In normalen jahren. in vielen tropischen Ländern gibt es jeden Tag Gewitter die den Bodensättigen die die Vegetation feucht halten. dass ist gar nichts zu diesen Brändnen kommen kann.

Und jetzt naiv gefragt also dieses Phänomen das verändert das Wetter an vielen Orten auf dem Globus Kann das auch positive Auswirkungen haben? Also wenn es an einem Ort der sonst sehr trocken ist halt ein bisschen mehr regnet als normalerweise? Eine sehr bekannte positive Folge, die spielt sich in Nordamerika ab.

Es gibt ja in den USA immer wieder diese Hurricanes, die über Land ziehen vom Golf von Mexiko oder direkt vom Nordatlantik und die Zahl dieser Hurricanes nimmt in El Nino Jahren stark ab. Und positive Folgen kann es zum Beispiel auch im Osten von Afrika geben. da kann es in El Ninja Jahren einfach mehr regnen als sonst Also zum Beispiel in Somalia, in Äntiopien und wenn es nicht zu viel Regen gibt dann ist das da für die Bauern ganz gut.

Das Vieh hat dann sehr gute Bedingungen auf der Weide. Die Weiden sind schön grün aber das ist nicht ganz so sicher als kann dort auch zur Überschwemmung kommen. Also wenn's ja wieder zu viel ist, ist es auch nicht gut? Genau! Wenn wir jetzt davon sprechen dass es eben dieses Jahr der stärkste je gemessene El Nino werden könnte und wie die möglichen Folgen ein bisschen weiterdenken.

Was könnte das für außergewöhnliche Folgen haben? Diese Folgen ganz konkret schon zu benennen, dass viele mir schwer und das fällt vielen Fachleuten schwer – das lässt sich so früh noch nicht vorhersagen! Man kann aber sich orientieren an anderen Elninius, die früher schon sehr stark ausgefallen sind zum Beispiel der von Damals gab es zum Beispiel in Südafrika eine lange Zeit der Trockenheit von Oktober bis Dezember.

Und in dieser Zeit konnte man auf einer riesigen Fläche von einem Million Hektar quasi keinen Mais aussehen, so trocken war's und dadurch ist dann die Maisernte in Südafrika um die Hälfte eingebrochen.". Was hat das für konkrete Auswirkungen für die Menschen in Südamit? Ja, also zunächst mal steigen dann die Preise natürlich von Mais.

Man muss mehr Getreide oder Mais importieren und Ermerhaushalter werden sich dann vielleicht gar keinen Mais leisten können wenn die Preisen so hochsteigen. Es sind vor allem solche indirekten Effekte die auch sehr schwer vorhersehbar sind, die starke Folgen mit sich ziehen können. und apropos Ernährungslage.

Im Moment ist die Lage da ja eh schon angespannt weil wegen der Blockade in der Straße von Hormuz weltweit Dünger fehlt. Es gibt viel weniger Dünger als normalerweise, das wird auch schon Auswirkungen auf die Ernten haben. Also kann es sein dass in diesem Jahr diese Folgen noch mal schlimmer ausfallen weil sich jetzt eben solche Effekte zum Beispiel addieren?

Das kann schon sein! Die Sache ist aber nicht ganz so schwarz-weiß weil eben es auch langfristige Entwicklungen gibt. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich viele Länder immer besser darauf eingestellt mit Wetterkapriolen umzugehen Und deswegen werden in solchen, sagen wir mal, in Entwicklungsländern und Schwellenländern weniger Menschen direkt unter den Folgen leiden.

Auf der anderen Seite haben wir in diesem Jahr eine wirklich extreme Situation weil zu El Nino diese Sperrung in der Straße von Hermus hinzukommt und auch noch der Krieg in der Ukraine – eine große Kornkammer der Welt, von wo aus weniger Getreide-Exporte in alle Welt gehen. Das heißt, die Ernährungslage ist sicherlich schwieriger als in anderen Jahren.

Und noch was, was ich bis jetzt noch gar nicht gefragt habe – dass dieses Jahr der El Nino eben besonders extrem wird? Hat das auch etwas mit dem Klimawandel zu tun? Diese Frage wird von Forschern schon seit vielen Jahrzehnten diskutiert und grundsätzlich sind sie sich einig, dass der Klimawandel wahrscheinlich El Ninos stärker macht.

Aber um wie viel?! Das ist doch sehr unsicher! Also, ob das vielleicht nur fünf Prozent sind oder zwanzig Prozent sind. Und es liegt daran, dass die Rechenmodelle mit denen man die Veränderungen von El Nino durch den Klimawandel berechnet einfach sich noch sehr schwer tun, El Nio überhaupt wiederzugeben und das macht dann die Resultate zum Klimawandeln eben auch unsicherer.

Wenn wir jetzt noch von Europa aus denken, El Niño ist ein Phänomen im Pazifik hart aber globale Folgen. Werden wir in Europa auch was davon mitbekommen oder wie werden wir es mitbekommen? Grundsätzlich ist der Einfluss von El Nino auf Europa, oder auf das europäische Wetter sehr schwach. Wo es allerdings schon eine gewisse Wirkung geben könnte – das ist der Nordwesten von Europa also vor allem die britischen Inseln vielleicht auch Frankreich oder so – dort könnte es mehr Wind und mehr Regen geben im Winter.

sodass wir indirekt ökonomische Folgen spüren könnten. oder ist das noch zu unsicher, dass man da was drüber sagen könnte? Wie es genau sein wird. Das werden wir abwarten müssen. aber eine typische Folge ist, dass die Preise bestimmter Nahrungsmittel, die für uns auch interessant sind steigen. Das kann Kaffee sein, das kann Kakao sein – das werden wir sehen.

Tendenziell ist es schon so, dass in Elinio Jahren diese Preise ansteigen, auch bei uns im Supermarkt. Und wann werden wir das alles sehen? Also, wann wird der Höhepunkt dieses Jahr, dieses El Nino erreicht sein. Den Höhelpunkt wird El Nio am Anfang des Winters erreichen und dann werden wir auch sehen welche Folgen dieses riesige Phänomen hat.

Sven, danke für deine Einschätzung! Danke Alice, dass ich zu Gast sein durfte. Das war unser Akzent heute zusammen mit Sven Tietz aus der Wissenschaftsredaktion. Mein Name ist Alice Grosjean. Schön habt ihr zugehört Bis bald.

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