
NZZ Akzent· Folge 1664
Die AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt: Ist das der Anfang vom Ende für Kanzler Merz?
Sonntag, 6. September 2026 · 21 min
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Shownotes
Sven Schulze, amtierender Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, wirkt sehr geknickt, als er am Abend vor seine Parteikollegen tritt. Kein Wunder, schliesslich hat seine Partei bei der Wahl am Sonntag die Hälfte ihrer Wählerstimmen verloren. Dennoch ist es ihm wichtig, in seiner Rede dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zu gratulieren; mit dem Vorwort: «Wir leben in einer Demokratie.»
Ob diese Glückwünsche eine erste ausgestreckte Hand über eine Brandmauer hinweg sind, wie es für die einzelnen Parteien weitergeht und welche Auswirkungen die Wahl auf die gesamtdeutsche Politik hat, das analysiert Florian Eder, Chefredaktor der NZZ Deutschland, in dieser Folge von «NZZ Akzent».
Gast: Florian Eder, Chefredaktor NZZ Deutschland
Host: Dominik Schottner
Produktion: Dominik Schotter, Sarah Ziegler
Alle Analysen und Hintergründe zur Wahl findest du bei der NZZ (nzz.ch/deutschland).
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Coypright Foto: Fabrizio Bensch / REUTERS
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der Wahlverlierer gratuliert dem Wahl Gewinner. Und zuallererst leben in einer Demokratie möchte ich dem Walsiger gratulieren Derweilsiger, die AfD ist jetzt stärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt. Sachseneinhaltsministerpräsident Sven Schulze war das kurz nachdem die ersten Ergebnisse der Landtagswahl in seinem Bundesland bekannt geworden waren.
Ergebnisse, die ihnen mutmaßlich sehr stark schmerzen dürften – seine Partei, die CDU, ist von gut thirty-seven Prozent bei der vergangenen Wahl auf jetzt achtzehn Prozent Zustimmung gefallen -, die AfD hingegen von etwas über zwanzig auf fast fünfundvierzig Prozent gewachsen. Es ist aber auch so, das möchte ich hier sagen.
Auch als Ministerpräsident weil manche sagen es wäre ein Schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage, dass ist Demokratie und die Menschen sind heute zur Wahl gegangen. Wir haben eine Wahlbeteiligung, die wahrscheinlich zwischen seventy und eighty Prozent liegt. Das hatten wir für einen Landtagswahl. so auch noch nie.
Florian Sven Schulze sah natürlich muss man sagen sehr geknickt aus Als er das eben gesagt hat. Hast du aus diesem Demokratiebekenntnis auch so ein kleines Zugehen auf die AfD raus gehört? Das würde ich jetzt nicht überinterpretieren. Schulze macht dazu nichts wirklich tatsächlich etwas sehr Selbstverständliches, nämlich erkennt Wahlergebnis und den Walziger an.
Das bemerkenswerte finde ich eher dass es ausgesprochen werden muss denn in allen anderen Wahlen wäre das völlig normal. aber hier geht's um die AfD der Landesverband um den Skete. In Sachsen-Anhalt ist er vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Gleichzeitig hat ihn für das jeder Zweite gewählt.
Es ist natürlich ein Ergebnis, dass den Ministerpräsidenten nicht gefällt. Er sagt damit zunächst, es gefällt mir überhaupt nicht, aber es ist demokratisch zustande gekommen. Insofern würde ich da nichts weiter hinein interpretieren als genau das.". Die AfD hat die Landtagswahl im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt klargewonnen – gut vierzig Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten für sie.
Ob und wenn ja, wie und mit wem sie regieren wird's? Und ob das eventuell auf Friedrich Merz sein Job kosten könnte. Darüber spreche ich jetzt mit dem Chefredakteur der NSZ-Deutschland Florian Eder. Ich bin Dominik Schottner. Herzlich willkommen! Das was wir eben gehört haben – das war der Jubel der AfD bei der Wahlpartie in der Landeshauptstadt kurz nachdem die Ergebnisse bekannt gegeben worden waren.
Alle Umfragen hatten wirklich diesen Sieg vorher Gesehen. hat er dich in der Deutlichkeit überrascht? Unbedingt, in dieser Deutlichkeit. Der Sieg selbst natürlich nicht! Aber ein Ergebnis der AfD das sich verdoppelt hat und gleichzeitig ein Ergebnis von der CDU, dass sie sich halbiert hat ist qualitativ wirklich.
noch einmal was anderes fand ich. Das ist ja nicht nur ein Sieg der AfD sondern einen Zusammenbruch eigentlich der bisherigen Kräfteverhältnisse. Das sehen wir an der Zusammensetzung des Landtags. es braucht wirklich wenn's überhaupt gelingt von allen anderen quasi jede einzelne Stimme um stärker zu werden als die AfD, das ist eine ganz neue Ordnung.
Das Entscheidende finde ich auch dass die hohe Wahlbeteiligung die AfD anders als früher auf die Hoffnung war nichts rückgedrängt hat sondern tatsächlich die Mobilisierung vor allem der AfD entgegengekommen ist. Die hohe Mobilisierung wir haben Zahlen gesehen von den Wahlforschern das ein großer Anteil der Menschen der die AfD gewählt hat aus den Nichtwählern kam also genau deswegen diesmal zur Wahl gekommen ist.
Das widerlegt natürlich eine recht bequeme Hoffnung, dass man als die Parteien der Mitte nur die Nichtwähler mobilisieren muss hat sich als umgekehrt herausgestellt. Ein Faktor bei der Wahl auch entscheidend war für die AfD war der Spitzenkandidat Ulrich Siegmund immens populär. Welche Themen waren denn aber entscheidender für die Wählerinnen und Wähler?
Man muss aufpassen das man den Wahlsieg nicht monokausal erklärt. Wir denken ja oft in Berlin hat man auch derlei Stimmen gehört. Überfremdung, Migration und so. was war? das schien gar nicht der Fall zu sein. Soziale Sicherheit und wirtschaftliche Sorgen waren tatsächlich wichtig und zwar nicht Sorgen um die Zukunft des Landes sondern sehr persönliche Sorgene Menschen ist.
es gilt nicht bis zum Ende des Monats reicht. Um siebzig Prozent haben sich laut Infratestimen ab darum gesorgt dass ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Das ist insbesondere wichtig in einem Bundesland das im Durchschnitt sehr niedrige Einkommen hat die Niedrigsten in Deutschland und eine recht alte Bevölkerung die sich natürlich relativ viele Sorgen macht.
Dazu eine sehr massive Unzufriedenheit mit Berlin und der Bundesregierung. Das sieht man in allen möglichen Werten. Friedrich Merz, der Bundeskanzler kommt tatsächlich nur auf neun Prozent Zustimmung bei den Menschen im Sachsen-Anhalt. Also das ist desaströs für ihn – es ist auch nahezu peinlich! Natürlich spielt Migrationenrolle Russland Energiepolitik Identitätspolitische Dinge aber ich glaube was darüber liegt und was das eigentlich zusammenhält wie ein Schirm ist so ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem bestehenden politischen Angebot.
Und Sigmund hat dieses Gegenangebot eben sehr, sehr gut personalisiert und auf sich bezogen – sehr präsent in Social Media, sehr jung auch im Vergleich zu den anderen Mitte dreißig. erst einer der von hier ist kein Berliner Berufspolitiker, der entzahnt wurde oder wie der Ministerpräsident Schulze vorher in Brüssel war.
das hat ihm offenbar sehr geholfen und interessant fand ich dass die AfD Praktisch quer durch alle Alters- und Geschlechtegruppen voran lag. Das war kein Phänomen von jungen rechten Männern oder alten Leuten, das ist offenbar ein Angebot des viel Interesse gestoßenes. also keine einen Themenwahl ja so dass sehr viele Menschen wollten es so nicht weiter geht.
was mich überrascht hat jetzt in diesem Wahlabend wir nehmen um kurz vor einundzwanzig Uhr auf ist so ein bisschen das Narrativ, dass die AfD-Spitzenpolitikerinnen und Politiker so platziert haben an der einen oder anderen Stelle. Ulrich Siegmund hatte ja vor der Wahl, so erinnere ich mich jedenfalls gesagt, er würde eigentlich am liebsten alleine regieren wollen also mit einer absoluten Mehrheit.
danach sieht es jetzt um eben kurz vor einem zwanzig Uhr nicht aus. da fehlt wohl eine oder zwei Stimmen oder ein paar mehr vielleicht sogar noch hat er deswegen wie wir es jetzt vielleicht gleich hören werden doch die Handrichtung Union ausgestreckt Und ich werde jetzt, nach der Wahl, egal wie es heute Abend weitergeht genau das machen was ich vorher angekündigt habe.
Ich würde sagen als Demokrat werde ich immer und das haben wir seit zehn Jahren gemacht immer allen Kräften die Handausstrecken die mit uns eine grundsätzliche politische Kehrtwende in diesem Land herbeiführen möchten. wenn es diese Kräfte im neuen Landtag von Sachsen halt geben sollte dann ist das völlig in Ordnung.
Ist das ne ausgestreckte Hand? Das ist natürlich ne aus gestreckte hand! Ich würde nicht sagen dass sie nur an die Union ausgestracktes die ja genauso wie alle anderen Kräft die stand jetzt im Landtag sind ausgeschlossen hat mit der AfD zu arbeiten. Aber wenn man ihm zuhört, kann das zum Beispiel eine Einladung an das BSW sein.
und dann das Bündnis nach Wagenknicht. Die stand jetzt nicht sicher drin sind auch nicht sicher. draußen sind so um fünf Prozent herum. Wenn sie drin sind ist es noch mal alles komplizierte. aber diese eine Kraft die nicht explizit ausgeschlossene hat mit den AfD zur Arbeiten. Ich glaube aber, dass was Größeres passiert ist heute Abend.
Tatsächlich hat Sigmund in der vergangenen Woche nicht nur ausgeschlossen eine Koalitionsregierung zu führen sondern er hat auch noch mal sich ein kleines Türchen offen gelassen zu sagen wenn ich keine stabile absolute Mehrheit habe dann will ich nicht es müssen schon irgendwie ausreichend Leute sein nichts mehr jemand krank wird solche Dinge sowas hatte heute nicht wiederholt.
Ich glaube das er schon zum Teil verstanden haben muss mit diesen forty vier Prozent über die wir reden eine Verantwortung einhergeht, die man nicht wegschieben kann zu sagen das ist der Wahlsieger und er muss sich entsprechend verhalten. Man produziert ja nur Enttäuschung gegenüber den eigenen Leuten wenn man also so nah ran kommt an Regierungsverantwortung und dann sagt aber jetzt tue ich nichts damit.
Ich glaube dass es mein Verhalten, dass man einen Wahlsiger zuschreibt. Wenn ich mir jetzt aber in die Schuhe eines AfD-Wielers versetzen würde der vielleicht gesagt hat ich wähle die jetzt weil ich die anderen alle satt habe Die vergangenen Jahre haben ja nicht gepasst Die sollen das jetzt mal alleine machen.
Und jetzt steht da Siegmund und sagt, naja ich brauche vielleicht doch Partner weil das Ergebnis eben doch nicht so war. Würdest du sagen dass es Wählertäuschung? Das wäre mir zu groß Dominik. Er hat gesagt erlei regiert ist dein Ziel. Das sagt man wenn man's irgendwie greifbar ernäh hat. Das hat er wahrscheinlich verfehlt aber nach einer Wahl muss man natürlich mit dem Ergebnis arbeiten.
Es geht allen so. Ich finde interessanten Widerspruch ist vielleicht noch ein anderer nicht, dass er der Koalition ausgeschlossen hat sondern den Kompromiss eigentlich als Verrat dargestellt hat. Jetzt muss er womöglich selbst welche schließen. das finde ich ein interessanten Fakt weil darin für mich die demokratische Prüfung der AfD auch liegt.
heute Abend haben wir viel gehört sogar von Extrempolitiker wie Björn Höcke, dass man die Spaltung überwinden muss in diesem Land und so weiter. Also das kann man ihm abnehmen oder ich würde es eher nicht tun. Das ist aber ein Scheideweg jetzt. Man sehen will ob die AfD tatsächlich Interesse hat mit anderen regieren zu können oder eben nicht.
Dann noch eine letzte Frage zur dieser ausgestreckten Hand. Ob man die sieht oder nicht? Aber die CDU... In Person von Sven Schulze, also dem noch Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt hat ja eben so ein Glitz klein wenig aus meiner Sicht jedenfalls die Hand ausgestreckt. Aber die Generalsekretärin der Bundes-CDU Franziska Hoppermann, die war da sehr klar, als sie von dem Kollegen von der ARD gefragt wurde ob die CDU-Fraktion in Sachsen Anhalt denn geschlossen steht gegen die AfD Vollnismus.
Glauben Sie es steht Ihre Fraktion hier in Sachsens Anhalt und Magdeburg? Ja selbstverständlich steht das. Berlin oder Magdeburg? Formal ist es natürlich so, dass die CDU-Fraktion im Magdeburger Landtag jemanden zu Ministerpräsidenten wählt. Da kann niemand den Stimmzettel führen. aber es ist völlig ausgeschlossen das bei einer Frage dieser Dimension Sachsen-Anhalt CDU bestimmt völlig unabhängig von Berlin irgendwas entscheidet und in dem Fall entscheiden würde mit der AfD zusammenzuarbeiten.
Hoppermann hat die Bundeslinie sofort wirklich maximal festgezürzt. Das ist schon ein Unterschied auch in der Wortwahl, das ist mir auch aufgefallen. Keine Zusammenarbeit. Die Spekulation über Abweichler hat sie sofort sehr klar und hart zurückgewiesen. Es ist natürlich ein interessanter Konflikt. Je schwieriger die Arithmetik in Magdeburg wird, dass man irgendwie eine Art von Mehrheit hinkriegt, desto nervöser wird man in Berlin weil man sich nicht sicher sein kann, dass alle dieser sehr festgezurten Linien jetzt einfach folgen werden.
Oder man könnte sagen, man hat aus den Fehlern von zwanzigzwanzig gelernt als man in Thüringen mit den Stimmen der AfD und der CDU Thomas Gämmerich von der FDP zum Ministerpräsidenten gewählt hat. Und Angela Merkel hinterher, ich sag mal reingegreetscht ist? Ich denke die Ausgangslage war natürlich vielleicht eine andere, weil das ein gewisser parlamentarischer Kuh war, der da in einem späteren Wahlgang den FDP-Kandidaten mitstimme der AfD zum Ministerpresidenten kurzzeitig gemacht hat.
Hier ist ja die AfD selbst, die die Regierungalspruch hat. Also wir sind zwar einiger Jahre weiter aber das ist noch mal krasser als Ausgangslage. Angela Merkel ist reingegrätcht von einer Dienstreise aus Afrika aus, wenn ich mich recht erinnere... Hoch ungewöhnlich? Hoch ungewöhnlich weil AKK, die damals die Ufa-Sitzende Annegret Kamm Karrenbauer extra hingefahren ist und es nicht vermocht hat diese Entscheidung zurückzutreten.
also Da ist die Ausgangslage auch eine andere, weil Friedrich Merz sowohl Parteivorsitzender als eben auch Bundeskanzler ist. Seine Autorität aber auch enorm geschwächtig durch den heutigen Abend und ich gar nicht sicher wäre ob er es unbedingt versuchen möchte hat die Bundes-CDU ja bereits durch seine Generalsekretärung erst einmal eingreifen lassen.
Aber es ist schon wahr wenn einzelne CDU Abgeordnete tatsächlich von der Fahne gehen Partei wechseln oder jedenfalls in der Abstimmung für den AfD-Kandidatenstimme, dann hätten wir sofort eine nicht nur sachsen-anhaltinische CDU-Krise sondern eine richtig ausgewachsene Krise der CDU als Bundespartei.
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jetzt hat in Sachsen-Anhalten nach der Landtagswahl eine Koalition, eine mögliche Koalition aus CDU, SPD, Grünen und Linken eine sehr wackelige Mehrheit mit zweiundvierzig der dreiundachtzig sitzen im Landtag. Trotzdem, Florian, lass uns mal auf die SPD und die Grünen schauen. Die haben ein ziemlich respektables Ergebnis mit gut acht und neun Prozent erzielt.
Beiden war deutlich weniger vorausgesagt worden. Hast du eine Erklärung dafür, warum es so relativ gut gelaufen ist? Die Mobilisierung würde ich auch da als Erklärungen sehen. Die extreme Polarisierung hilft natürlich nicht nur der AfD sondern mobilisiert auch Menschen, Man auf Teufel kommt raus, dass man die AfD verhindert.
Ich meine deswegen hat die Wahlbeteiligung und die Mobilisierung auch der CDU vor allem nicht geholfen. den anderen dann eben schon ein bisschen, die sich als sehr unterschiedliche aber doch vor allem an Anti-IFT Angebote gesehen haben. ich würde aber die acht oder neun Prozent auch nicht als großer Renaissance jetzt missverstehen.
angesichts von so einem Ergebnis einstellig natürlich eine bemerkenswert niedrige Definitionen von Erfolg. Dann lass uns noch eine Etage tiefer gehen. zur FDP. Die ist aktuell eigentlich noch Regierungspartei. In Sachsen-Anhalt hat aber jetzt nur so ein bisschen über zwei Prozent bekommen, ist das in Sachsen Anhalt zumindest das Aus der FDP?
Also keine Ahnung, ob es das aus ist. Aber es ist natürlich verheerend. Eine Regierungspartei die rund zwei Prozent nur in der Wahl bekommt hat überhaupt nicht bewiesen wofür sie da sein möchte? Wofür Sie gut ist? Wovon man sie braucht? Das ist nicht bloß ein Verlust. Es ist tatsächlich die Marginalisierung zumindest wenn ich der politische tot.
Das Problem ist aber nicht nur eines dieses Landesverband, sondern bundesweit. Wie wir sehen niemand weiß richtig oder es wissen nur eine sehr geringe Zahl von Menschen wofür sie die FDP im Moment brauchen. Der Wirtschaftsliberalismus für den Sie gestanden hat wird teilweise von der Union besetzt. Protest von rechts wird von der AfD besetzt.
am Gesellschaftsliberale Wähler haben irgendwie andere Angebote. Die Mitte ist ja breiter findet sich was. Aber natürlich können Parteien zurückkommen, das haben wir schon gesehen. Die FDP hat es selbst schon einmal bewiesen. aber zwei Prozent sind natürlich nicht ein weiterer Warnschuss sondern richtiger Einschlag.
Über eine Partei haben wir am Rande schon gesprochen, aber noch nicht explizit und das ist das Bündnis Sarah Wagenknecht kurz BSW. du hast es schon angedeutet wenn das BSW reinkommt ändert sich eigentlich fast alles im Landtag in der Zusammensetzung des Landtags. was will diese Partei? Interessant ist es tatsächlich, dass das BSW mit dem Zehntelprozent am Ende, weil sie rund um fünf Prozent sind, das Ganze nochmal verändern und verkomplizieren kann.
eigentlich noch mal. Wenn das BSV reinkommt, ist es so, dass man auch das eigentlich noch braucht, kurz zu sagen, um eine Mehrheit gegen die AfD zu organisieren. Und es wird angesichts der politischen Positionen dieser Partei noch ein bisschen schwieriger daran gemeinsam eine Linie zu finden. Politisch sind sie wirtschaftlich eher eine linke Partei, sehr restriktiv.
bei Migrationen wollen fundamental andere Russland und Ukraine-Politikern die etablierten Parteien. da wiederum ist man relativ nah an der AfD. Partei, die rund um ihre Vorsitzende herumgebaut ist und deren Programm eigentlich vertritt. Sie wollen auch einen anderen Politikstil. Jedenfalls propagieren sie das ein Markteburger Weg wie das BSW das genannt hat mit Wechsel in Mehrheiten.
Sie würden auch einem Ministerpräsidenten zusammen mit der AfD wählen wenn es ein unabhängiger Ministerpräsentant ist. also lauter Dinge, die im jetzigen Parteiensystem, im jätzigen politischen System der Bundesrepublik wir es kennen nicht vorgesehen sind. Aber das können wir stand jetzt, einundzwanzig Uhr neun ist es inzwischen eben noch nicht abschließend bewerten.
Florian in zwei Wochen wird auch in Berlin der Bundeshauptstadt und in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. In Berlin glaube ich kann man so sagen dass die AfD eine Partei unter vielen die so plus minus zwei Prozent von den zwanzig Prozent entfernt ist. In Mecklmburg Vorbormern aber könnte sie die SPD auch überholen als stärkste Partei?
dieser heutige Wahlsonntag hat ja irgendeinen Effekt auf diese beiden anderen Wahlen. Ich glaube schon, dass er einen Effekt hat und ein ziemlich unmittelbaren Effekt. Ein Mobilisierungsschub für die AfD würde ich vor allem in Mecklenburg-Vorpommern sehen, reden wir erst über dieses Land weil es zwei sehr unterschiedliche sind.
So ein Erfolg erzeugt natürlich eine gewisse Erwartung in zwei Wochen. Vor allem ein Erfolg der nicht einfach ein Wahlsieg ist sondern der so eine psychologische Schwelle überschritten hat von vierzig Prozent. Das ist kein Umfrage gespenst mehr, sondern einfach ein sehr reales Wahlergebnis und das weckt natürlich Begehrlichkeiten.
In Mecklenburg-Vorpommern glaube ich schon dass es den Kampf um Platz eins beeinflussen kann. Berlin ist aber natürlich deutlich anders. Urbana eine andere Sozialstruktur nicht einfach übertragbar. die AfD ist starker war bei weitem in dieser Größenordnung gehört zu den größeren Parteien wo von drei oder vier ungefähr gleich stark sind.
in der Stadt Und in Berlin würde ich tatsächlich eher damit rechnen, dass dieser AfD-Erfolg die Gegner mobilisiert. Die insgesamt zusammengenommen einfach deutlich stärker sind in Berlin. Dann lass uns noch eine Ebene nach oben schauen auf die Bundesebene. Alice Weidel ist einer der beiden Bundessprecherinnen der AfD hat es bei den Kolleginnen und Kollegen der ARD eben noch weiter in die Zukunft geschaut auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, die im kommenden Frühjahr, im Jahr twenty siebenundzwanzig stattfinden wird.
Ich werde hier noch eins sagen Womit ich rechne, dass die CDU niemals wieder mehr eine Wahl gewinnen wird. Bei einem Bundestagswahl nicht und in keinem Land wird die CDU noch irgendwas holen können – vielleicht noch in Nordrhein-Westfalen so ein bisschen. Wenn man dann nicht den Hendrik Wüstern gegen den Friedrich Merz tauscht...
Da war ne Menge drin Florian! Austausch Friedrich Merz gegen Hendrik Wüst, aber vor allem auch sie wird nie wieder eine Wahl gewinnen. Die CDU hat Alice Weidel recht? Ich glaube nicht dass man aus diesem heutigen Wahllabend den Sachsen-Anhalt extrapolieren kann das die CDU nie wieder einer Wahl gewinnt.
Das ist natürlich wahlpartierritorik die Weidel da fährt und der zweite Teil ist schon interessanter. Merz ist durch den Abend enorm geschwächt. Es ist natürlich sehr wahr in Sachsen Anhalt sagen fast sechzig Prozent die Bundesregierung verdiene ein Denkzettel. März bekommt nur neun Prozent Zustimmung.
Die CDU wird von fast sechzig Prozent als Hauptverantwortlich für die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung genannt, da ist Feuer auf dem Dach und es ist große Nervosität zum Kanzlertausch. Ich glaube das wäre mir ein bisschen früh. Wüstes natürliche Name. CDU-Politiker regiert ein großes Land und verkörpert einen ganz anderen Stieler als März, einen den wir vielleicht auch schon hatten aber es ist was anderes als Merz.
Aber von seiner Ablösung zu sprechen ist natürlich spekulativ. allein, wenn man das Grundgesetz kennt und wie die Mechanismen der Kanzlerwahl gehen. Wenn man die Partei kennt – wenn man weiß was jetzt geschehen müsste damit es schnell geht – glaube ich, dass es wirklich für früh ist. aber entscheidend sind in den nächsten Wahlen auch die in zwei Wochen schon und Mehrzfähigkeit irgendwie den Eindruck umzukehren, dass seine Regierung nichts tut als ein Serie Weller Erwartungen zu enttäuschen.
Ich glaube, wenn ihm das nicht gelingt dann wird's wirklich auch für ihn langsam ernst. Was glaubst du zum Abschluss, welche Karriere wird der Begriff Brandmauer nehmen? Ich glaube dass der Abend auch zeigt das die Brandmauern eine Illusion ist. Natürlich kann man sich zu Mauern gegenüber dem was auf der anderen Seite dieser Mauer passiert.
aber es ist inzwischen so groß dass man ziemlich eingemauert ist sagt Florian Eder Chefredakteur der NZZ Deutschland. vielen herzlichen Dank! Danke dir Und alle Wahlergebnisse und natürlich einige Analysen und Kommentare zur Abstimmung in Sachsen-Anhalt findet ihr bei uns auf NZZ.ch und in der App, und in die Folgenbeschreibung packe ich euch noch einen Link zu einem Gratisabruhr.
Ich bin Dominik Schottner, vielen Dank fürs Zuhören!