
NZZ Akzent· Folge 1662
Schüsse auf Technoparty in Aarau: Was über Tat und Täter bekannt ist
Donnerstag, 3. September 2026 · 11 min
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Shownotes
Nach dem Amoklauf bei einem Technofestival in Aarau hat die Polizei nun zwar den mutmasslichen Täter gefasst. Doch der - ein 43 Jahre alter Schweizer - gibt den Ermittlern Rätsel auf. Die Tatwaffen besass er legal, trotz psychischer Probleme. Von einem Motiv für seine Tat ist bislang nichts bekannt. Nach der Tat, wegen der eine Frau aus Italien starb und sechs weitere verletzt wurde, gerät nun das Waffenrecht in der Schweiz wieder in den Blick.
Gast: Samuel Tanner, NZZ-Redaktor
Host: Dominik Schottner
Redaktion: Alice Grosjean
Den NZZ-Newsticker zu der Tat in Aarau findet ihr hier (nzz.ch/schweiz/schuesse-in-aarau-polizei-infor…).
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Und inzwischen wissen wir, das Ziel der Schüsse waren wehrlose Menschen. Die auf einem Technofeste will gerade noch fröhlich gefeiert haben. eine junge frau ist gestorben sechs weitere menschen wurden verletzt Etwas weniger als einen tag nach der tat In der nacht von sonntag auf montag. dann wurde ein verdächtiger festgenommen ein drei vierzig jahre alter schweizer Samuel.
drei lange tage später hat die polizei erste ermittlungsergebnisse bekannt gegeben. war der dreinvierzigjährige denn auch wirklich der täter? Darauf deutet alles hin. Das haben heute die Behörden, die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Schafis heim außerhalb von Aarau so gesagt. Das Worthing war mit An-Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – das war dieser Mann.
Wir gehen also davon aus, mit hoher Sicherheit dass die Schießerei die Tat eines Einzelnen war sein Einzeltäter. wir haben keinerlei Hinweise auf Mittäter oder Gehilfen. Was folgt aus dem Anschlag auf das Technofestewell in Aarau und warum hat die Polizei so lange, so wenige Details zur Tat und zum mutmaßlichen Täter veröffentlicht?
Das bespreche ich jetzt mit unserem Reporter Samuel Tanner. Ich bin Dominik Schottner. Ereignisreiche Tage liegen hinter uns und wir werden heute versuchen auf möglichst viele Fragen eine Antwort geben zu können. Samuel, wir zeichnen am späten Mittwoch Nachmittag auf. Du hast die Pressekonferenz eben vor Ort verfolgt.
sitzt jetzt im Auto und machst damit uns die Aufnahme. Wie war dein Eindruck von dieser Presse Konferenz? Es war eine sehr angespannte Situation in diesem eher kleinen Polizeirahmen, der aber gestopft voll war. Mit lokalen, nationalen, aber auch internationalen Medien. vor allem die italienischen Journalistinnen und Journalisten waren zahlreich vertreten.
es ist das Land wo das Opfer herkommt, das Todesopfer aus dieser Samstagnacht. Der Tathergang war schon relativ kurz nach der Tat Einigermaßen bekannt wegen Zeugenaussagen, aber hat die Polizei denn heute bei dieser Pressekonferenz noch irgendwas Substenziell Neues dazu bekannt gegeben? Nein nicht im Engeren Sinn.
Sie hat gesagt dass der Täter aus dem Kanton Jura also aus einiger Distanz nach Aarau gefahren ist und da vierzigmal wahrlos auf diese Leute geschossen hat, die noch an diesem Techno-Festival waren Und dass er dann wieder zurück in den Jura geflüchtet ist, relativ bald darauf. Viel mehr Neues wurde nicht gesagt.
Dieser Ort wo er herkommt oder diese Gegend wo er hierher kommt, ist so ein bisschen über eine Stunde mit dem Auto entfernt von dem Ort, wo er dann am Ende geschossen hat? Was weiß man denn sonst noch über den Täter? Relativ wenig, also man muss sagen dass die Behörden hier vor einem großen Rätsel stehen.
So hat es zumindest den Eindruck hier erweckt an dieser Medienkonferenz. Man weiß relativ wenig und man sagt noch weniger würde ich sagen. Dieser Mann war psychisch krank sagen die Behörden, aber viel mehr weiß man nicht. Also keinerlei Hinweise auf irgendein Manifest dass er irgendwo geschrieben und hinterlassen hat?
Keinerlei Hinweisen auf Mitgliedschaften in irgendwelchen extremistischen Organisation oder dergleichen. Genau Es wurde auch danach gefragt, die Polizei sagt es gab weder Hinweise auf links extremistische, rechts extremistisch noch islamistische Hintergründe. Die Polizei hat eigentlich keine Ahnung was der Grund für diesen Anschlag war zu diesem Amoklauf wie er hier genannt wird und dieser Mann ist ja auch aus einer anderen Sprachregion aus dem Westschweizer Teil in Deutschland gekommen um diese Tat zu verüben.
auch warum er das gemacht hat, wissen die Behörden nicht. Was man aber weiß ist dass er und das war schon relativ schnell ja klar, dass er mutmaßlich nicht nur eine sondern mehrere Waffen verwendet hat. welche Waffen sind das denn jetzt? Ja er hatte zwei Pistolen dabei und einen Kalaschnikoff also ein Gewehr auch.
Mutmaßlicherweise hat der Zwei davon benutzt. mit dem Gewehr hat er in die Menge geschossen. Pistole hat er anschließend noch auf ein Auto gezielt, also wieder geflüchtet ist. Das waren die Waffen, die er dabei hatte. Das weiß man weil man ihn jetzt hat. aber wie haben sie ihnen bekommen diesen mutmaßlichen Täter?
Der Täter hat sich gestellt eine Nacht nach seiner Tat nach seinem Amoklaus und er fuhr mit seinem Auto, mit dem Fluchtauto, mit einem Tatauto und den Waffen im Auto zum Polizeiposten in Duillemont Wo er gesagt hat, er sei der Täter gewesen in Aarau. Und wo befindet er sich jetzt? Der Täter ist jetzt in Untersuchungshaft und wird einvernommen und dann einen Prozess zugeschürt am Ende.
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Dazu hat sich der Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold so geäussert. Jetzt, heute können wir Ihnen mit sehr hoher Sicherheit sagen dass die mit dieser Amoktat verbundenen Gefahren gebannt sind. Es gibt aus diesem Verbrechen keine spezifischen Gefahren mehr für die Bevölkerung im Raum Aarau, im Kanton Argau oder anderswo.
Das klingt jetzt erstmal plausibel das man also erst mal wartet bis die Gefahr wirklich gebannte ist. aber es hat ja durchaus auch Kritik auf sich gezogen, vor allem seitens der Presse. Ja genau, v.a. seitens italienischen Presse würde ich sagen die Kolleginnen und Kollegen haben bemängelt das viel zu lange viel zu wenig klar war.
dazu muss man vielleicht sagen Ich habe dazu auch mit Polizei Insider gesprochen dass es in der Schweiz Fristen und Verfahren gibt zum Beispiel bis ein Haftantrag gestellt ist Die man hier wahrscheinlich hat verstreichen lassen wollen dann sagen konnte, die Sicherheitslage hat sich verändert und verbessert.
Wir haben diesen mutmaßlichen Täter inhaftiert.". Also jetzt hat man den mutmaßenlichen Tater in Haft. Die Gefahr ist gebannt. Die Menschen können zum Beispiel am kommenden Wochenende sagt zumindest die Polizei auf die Pride in Aarau gehen. aber trotzdem aus einer Außenperspektive würde ich sagen das hat vielleicht schon auch neue Qualität in der Schweiz oder?
Ja, ein, würde ich sagen. Einerseits gab es in der Schweiz schon mehrere auch noch viel verheerendere Anschläge zum Beispiel im Jahr-Zertausendeins sehr berühmt einen Anschlag auf ein kantonales Parlament mit mehreren Toten und andererseits ist das doch eine neues Erreignis! In dem Sinn dass hier ein Mann warlos in eine Menge schießt und eigentlich kein Motiv dahinter erkennbar ist.
Ich glaube, das wird schon auch die Leute in der Schweiz weiter nachhaltig erschüttern, dass man sich nicht zusammenreimen kann, warum diese Tat passiert ist.". Die Waffen über die wir vorhin kurz gesprochen haben hatte er ja legal erworben – die Polizei hat bei der Presseinformation auch gesagt, dass das vor zwanzig Jahren der Fall war.
Und heute wahrscheinlich nicht mehr! Nachdem das Waffenrecht verschärft wurde in der Schweiz, heute wahrscheinlich nicht mehr die Chance hätte diese Waffen zu erwerben. Glaubst du da geht jetzt auch eine Diskussion los um ne neuerliche Verschärfung des Waffenrechts gerade mit so einem Seitenaspekt psychischer Erkrankungen möglicherweise?
Das ist im Moment noch schwer abzuschätzen. Wie Du gesagt hast sind Diese waffenrichtlinien verschärfte Orten in den letzten zwanzig Jahren seit dieser mutmaßlichen Täter seine Waffe erroben hat. und inwiefern im Moment immer noch Sicherheitslücken bestehen, wird jetzt sicher Teil der politischen Aufarbeitung sein.
Aber die beginnt erst jetzt. Ja dann lass uns zum Schluss noch auf Aarau selber schauen ein Ort, der wahrscheinlich vielen Menschen außerhalb des Schweiz vorher gar keinen Begriffe jetzt aber eben leider schon. wie gehen die Leute dort vor Ort mit diesem Ereignis um? Wir waren diese Woche in Arau und haben mit Menschen gesprochen.
Die Verunsicherung ist natürlich groß und war vor allem in den vergangenen Tagen groß. Es wird wahrscheinlich sein, wie immer nach solchen Reignissen die Sicherheitsdispositive werden jetzt erhöht. man hat ein besonderes Auge auf vielleicht spezielle Leute die sich irgendwelchen Veranstaltungen nähern und dann wird aber schrittweise wahrscheinlich auch die Normalität wieder zurückkehren denn das hat dieser Fall schon auch gezeigt.
dass ich einen solcher fall verhindern lässt ist fast nicht möglich. Sonst müsste man die offene Gesellschaft, wie wir sie leben eigentlich für beendet erklären.