NZZ Akzent· Folge 1663

Alkoholverbot? Wie Syrien trockengelegt wird

Freitag, 4. September 2026 · 16 min

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Shownotes

In Syrien gibt es unter der neuen islamistischen Regierung von Ahmed al-Sharah offiziell kein Alkoholverbot. Trotzdem hat Gladees Moussa bereits aufgegeben. Die junge Christin führt mit ihren Eltern eine kleine Bar und verkauft dort seit einigen Wochen keinen Alkohol mehr. Es sei zu teuer. Vor allem aber habe sie Angst, Islamisten könnten ihre Bar stürmen.

Der NZZ-Korrespondent Rewert Hoffer ist nach Syrien ins Tal der Christen gereist, um herauszufinden, wie sich der Alkoholkonsum unter der neuen syrischen Regierung verändert hat.

Host: Nadine Landert
Redaktion: Sarah Ziegler

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Dieser Podcast wird präsentiert von der SBB. Wir chauffieren sie täglich direkt nach Bologna, Meiland und Venedig – dorthin wo die Abende länger sind. Coffee. Ahoy! Du hast Rechnerdien, es war nämlich nicht nur früh am Tag sondern wir waren dort ja auch nicht zum Trinken sondern zum Arbeiten. und wir waren eben bei Erbudi diesem Wirt der dort sein Lokal Double Black betreibt wo hinten eine Bar wirklich voller Whiskyflaschen stand.

Und ich war dort weil ich herausfinden wollte ob trinken in Syrien unter der neuen islamistischen Regierung von Präsident Ahmed Al-Shara noch möglich ist. Sehen noch da, was hat Abu Di Di erzählt? Er meinte anfangs in den ersten Wochen als diese neue islamistische Regierung unter Ahmed al-Sharra die Macht gekommen ist.

Da hatte er schon Angst und tatsächlich sind dann relativ schnell zwei Shays in seine Bar gekommen also konservative Muslime mit langen Berten die eben für diese neue Regierung arbeiten und die haben die Hände über den Kopf zusammengeschlagen als sie da seine Wand mit den Whiskeyflaschen gesehen haben.

Und Aboudi ist zu ihnen hingegangen und hat gesagt, ihr könnt auch gerne in einem hinteren Bereich des Restaurants gehen. Dann müsstet ihr den Whiskey nicht sehen! Sie haben sich dann darauf eingelassen, etwas bestellt, haben dort Zeit verbracht und ihn da noch mal zurückgerufen zu ihrem Tisch und ihn auch gefragt ob sie nicht auch Alkohol trinken könnten.

Also eine schöne Anekdote die er dir da erzählt hat... Genau. Und sie steht so ein bisschen dafür, dass vordergründig oder hier in dieser Bar von Aboudi sich nicht so sehr viel verändert hat unter dieser islamistischen Regierung.". In Syrien gibt es unter den neuen Machthabern bisher kein offizielles Alkoholverbot – aber die Regierung scheint einen anderen Weg gefunden zu haben, Syrien leise alkoholfrei zu machen, sagt Korrespondent Rehvat Hoffa.

Ich bin auch den Landwirt! Am Anfang alles gut, keine Anekdote von den Scheiß hat das gezeigt. Hat sich denn seither, dass sind jetzt doch eineinhalb Jahre hier etwas geändert? Er meinte zu mir eigentlich nicht. Seit diesem Schäch sei eigentlich niemand von der neuen Regierung hergekommen. Niemand verbiete es ihm Alkohol zu verkaufen.

er kann den Whiskey offen stehen lassen an seiner Bar. Er meintet zu mir hier in seiner Bar läuft alles so weiter wie bisher. Wissen, das zu erklären? Einerseits erlebt in einem sehr bestimmten Gebiet in Syrien. Nämlich im Tal nordwestlich von der syrischen Stadt Homs und dieses Tal wird auf Arabisch das Tal der Christen genannt.

dort leben eben die meisten der dreihundert bis vierhundert tausend Christen die es noch gibt Und das ist gefühlt ein anderer Planet als der Rest von Syrien. Du siehst überall eben Kirchen, Kreuze. kaum eine Frau trägt einen Kopftuch dort. und es ist auch so dass Ahmed al-Sharah versprochen hat um darin scheint er sich weitgehend bisher zu halten die konservativen islamischen Regeln die seine Bewegung vertreten hat.

Die werden niemanden aufgezogen. Er hat eben gesagt, alle Religionen, alle Minderheiten sind Teil Syrians und werden respektiert. Und er gibt sich bis heute moderat. Und Abudi hat deswegen auch so weitergemacht wie bisher. für ihn scheint das zu funktionieren aber es sehen längst nicht alle so gelassen als Abudi.

Ich habe Gladys Moussa getroffen und ich bin mit ihr im Auto durch eben dieses ganze Gebiet, durch das Tal der Christen gefahren. Und Gladys ist auch eine Christin und sie lebt über der Bar in einem kleinen Ort Massiaf die sie mit ihren Eltern betreibt Und seit einigen Monaten schenken sie aber in dieser Bar keinen Alkohol mehr aus.

Ich habe sie gefragt, warum und einen Grund den Sie genannt hatte war einerseits die Wirtschaftskrise. In Syrien sind die Preise sehr stark in die Höhe geschnellt. Die Leute haben weniger Geld um auszugehen und die neue Regierung hat auch die Steuern auf Alkohl erholt. Das heißt es gibt einfach weniger Nachfrage.

Also hier die Situation schon anders als jetzt für Abudi. Die ist schon anders und vor allem ist auch ihre Herangehensweise eine andere, denn während Abudi gesagt hat es eigentlich alles so wie immer ist das kein Problem. Da sagt sie eben, Sie fühlt sich schon eingeschränkt. Sie hätte eben Angst. Sie hatte zum Beispiel Angst das hat sie mir gesagt dass irgendjemand kommen würde und ihre Bar stürmen würde weil sie dort Alkohol verkauft.

und dann sagt sie, sie sei dort allein mit ihren Eltern. die sind schon recht alt niemand könnte sie dann verteidigen. Und sie hatten jetzt schon bevor es irgendein Verbot war aufgehört Alkohl zu verkaufen. Und so wie Gladys geht es noch recht vielen Christen. Sie wissen eben, dass Ahmed Al-Shahrer war mal Mitglied von Al Qaeda nicht nur von irgendeiner islamistischen Organisation sondern von einer der Buthalzen und Radikalzen die es gegeben hatte.

Und deswegen auch wenn er sich jetzt heute im Moderat gibt handeln eben viele Mitglieder von Minderheiten, viele Christen wir aus einem vorausseilenden Gehorsam und hören dann eben auf Alkohol zu verkaufen sowie auch Gladys Also das Angst vor möglichen Repression, die sie im Alltag aber bislang nicht spüren mussten.

So ist es. bisher sieht es danach aus als könnten auch diejenigen wie weiter Alkohol verkaufen das ganz unbehellig tun. Rewert also alles gar nicht so schlimm? Erst mal sieht es danach aus. Also in Syrien, wenn du in ein christliches Gebiet gehst dann kannst du dort Wein bestellen, Whiskey bestellen und Bier bestellen.

Es wird dir ausgeschenkt Du bezahlst vielleicht etwas mehr als noch früher der Fall war Aber eigentlich ist das kein Problem. aber Wenn man etwas tiefer schaut wenn man zum Beispiel an die Quelle des syrischen Alkohols geht sozusagen Dann sieht man schon was dieser Regierungswechsel bewirkt hat. Wo bist du dahin gereist?

Ich habe auch in diesem Tal der Christen eine Schnapsfabrik besucht, eine Destillerie. Die muss man sich eigentlich so vorstellen wie eben auch eine Destillerie in Europa. also das sind so große Tanks wo eben vor allem Anis fermentiert wird, wo dann Arak daraus hergestellt wird. Also es ist ein Schnaps der eben so Lakritz ähnlich schmeckt und in Syrien im Libanon eigentlich an der ganzen Levante getrunken wird.

Dann wird dieser klare Schnaps in Flaschen abgefüllt. Die laufen so über ein Fleeceband, dann werden die zugemacht und abgepackt in weiße Kartons. In der einen Destillerie, die ich gesehen habe, werden sie seit Neuestem in Kartons gepackt, wo kein Logo mehr draufgedruckt ist. Also in ganz weiße Kartons, damit man von außen nicht sieht was sich da drin befindet.

Was haben dir die Alkoholproduzenten vor Ort gesagt? Warum machen Sie das? Zunächst einmal war es gar nicht so einfach mit ihnen zu sprechen. Sie haben uns zwar reingebeten, haben uns alles gezeigt und soweit wir uns dann hingesetzt haben oder miteinander zu sprechen hat uns dieser Alkoholproduzent gesagt Wir können gerne sprechen aber ihr dürft meinen Namen auf keinen Fall vererwenden Und ihr dürfte auch nicht sagen um welche Firma ist sich handelt?

Ja! Wir haben dann eben trotzdem mit ihm gesprochen und das wurde dann auch relativ schnell klar warum er solche Angst hatte. Denn seit dem Fall des Regimes, des Assad-Regimes arbeitet er quasi illegal. Er hat keine Lizenz, um Alkohol zu produzieren oder zu verkaufen. also die ist schon lange abgelaufen und immer wenn er versucht eine neue zu erhalten dann wird er nur vertröstet.

das gibt Entschuldigungen aber es ändert sich seit anderthalb Jahren gar nichts. So Verzögerungstaktik der Regierung? Es ist eine totale Verzögernungstakte der Regierung und sie pokern eben darauf, dass sie weil Sie ihn in die Illegalität schieben er irgendwann von alleine aufhören wird. Und aktuell ist es auch so, er arbeitet illegal.

Er arbeitet illegal weiter aber er sagt eben das Niveau ist ein komplett anderes. also unter der Herrschaft von dem säkularen Diktator Bashar al-Assad hat er über drei Millionen Flaschen pro Jahr produziert. jetzt sei es so gut wie fast gar nichts mehr denn einen Großteil von seinem Arak der ist für den Export bestimmt.

Den Export die neue Regierung unter Ahmed Ashara verboten und er denkt eben jetzt daran wirklich aufzugeben in Syrien. Er hat schon Pläne eine Destillerie im Libanon zu errichten, und er meinte wenn sich diese Situation hier nicht ändert dann wird er seine Fabrik, seine Schnapsfabrik In Syrien schließen.

Und der Plan der Regierung würde aufgehen, ist das bei allen Alkoholproduzenten in Syrien so? Bei den meisten ist es so. also Ihnen hat es jetzt besonders heftig getroffen. wir haben dann noch eine weitere Schnapsfabrik eine weite Dyssylerie nur wenige hundert Meter entfernt besucht. Da lief die Produktion noch auf etwas höheren Niveau, aber die Manager dort haben uns von ähnlichen Problemen berichtet.

Also sie haben jetzt es zwar geschafft nach sehr langer Zeit eine Lizenz für die Produkation vom Alkohol zu bekommen allerdings haben sie immer noch keine Lizenz dafür. den Verkauf und der Export ist auch verboten Und ihr Umsatz sei zum Beispiel auch um die Hälfte eingebrochen seitdem eben die neue Regierung die Macht übernommen hat.

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Planen sie jetzt ihr Nordenabenteuer auf kontiki.ch Schwer. Welche Auswirkungen hatten das auf die Bars und Restaurants? Sind sie stark abhängig vom Alkohol, der selbst in Syrien produziert wird? Von dem Arak von diesem Anis-Schnapp schon. Der wird in Syrin hergestellt und den verkaufen Sie dort. Und diese Fabriken könnten natürlich jetzt eingehen.

Und dazu kommt auch noch, dass vieles von dem restlichen Alkohl importiert wird. Also man sieht im Syrien oft libanesisches Bier oder eben Whisky, der aus dem Ausland kommt. Und dieser Import von Alkohol ist offiziell auch verboten, seitdem die neue Regierung die Macht übernommen hat. sehr viel geschmuggelt.

Das haben mir zum Beispiel Besitzer von Alkoholäden erzählt, die ich in Syrien auch anonym befragt habe und das führt natürlich dazu dass es noch mal teurer wird denn wenn etwas geschmoggelt wird dann muss natürlich irgendjemand bestochen werden und da wird also noch mehr Geld quasi bei jedem Transport Schritt draufgeschlagen.

Es scheint für mich so als würde die Regierung beim Produzenten ansetzen und nicht bei den Konsumenten. kann man das so zusammenfassen? Absolut und das ist etwas, was ich bei dieser Recherche auch verstanden habe. Weil meiner an sich nach die Regierung genau weiß beim... Alkohol schaut der Westen ganz genau hin, weil für den Westen natürlich der Alkohl auch so ein Symbol ist.

Für Freiheit, wenn dann Alkol verboten wird das meiste erste Schritt dafür dass Frauen das Haus nicht mehr alleine verlassen dürfen, dass eben so eine islamistische Agenda umgesetzt wird und wenn sie zum Beispiel jetzt wie die Taliban oder andere Islamisten in diese Basis reingehen würden ich weiß es nicht mit Gewehren die Whiskeyflaschen zerschlagen würden dann würde natürlich sofort alle westlichen Medien darauf springen vielleicht auch Regierungen überlegen, wollen wir jetzt in diesem Land noch investieren?

Wollen wir sie wirklich zum Beispiel von bestimmten Terroristen runternehmen? oder schauen warten wir erst mal ab. Wenn Sie aber die Whiskeyflaschen in den Bars intakt lassen, aber für die Schnapsproduzenten keine neuen Dokumente ausstellen ist es vielleicht am Ende sogar sehr viel wirksamer und viel leiser.

Ist das eine Entwicklung, die dazu führt dass Syrien wenn auch leise alkoholtechnisch trocken gelegt wird? Ich glaube, was man sieht ist dass diese Regierung möchte das Alkohol kein normales Produkt ist. Dass es nicht frei verfügbar ist außerhalb von Gegenden wo jetzt mehrheitlich Christen leben hat wie zum Beispiel in diesem Tal der Christen im bestimmten christlichen Viertel in Damaskos.

Und sie wollen auf jeden Fall, dass kein Alkohol in Syrien produziert wird und das es auch keine profitable Alkohlindustrie gibt. stürzt sie, als wenn auch Moderate aber doch Islamisten in ein Dilemma. Denn wenn Sie diese Lizenzen ausstellen würden, wenn Sie den Export erlauben würden dann müssten sie ja mit einer Unterschrift die Alkoholproduktion gut heißen.

und wenn Sie dem Export erlauben würden, dann würden sie ja auch noch an Alkohl durch Zölle, durch Steuern eben verdienen. das heißt sie würden von etwas, was von Gott verboten ist mitverdienen. Und das ist natürlich etwas, wenn du ein gläubiger Muslim bist und dazu noch Islamismus bist, was überhaupt nicht geht.

Das heißt, das wollen Sie auf lange Frist nicht.". Es ist eine Entwicklung mit dem Alkohol, denn auch möglicherweise als Vorbote zu verstehen einer größeren islamistischen Transformation in Syrien – obwohl die Regierung sagt, dass wollen wir eigentlich nicht! Ich glaube bis heute ist dieser Regierung und dem Präsident Achmed Ershara immer noch viel wichtiger, dass sich das Land erholt.

Dass es sich entwickelt nach diesem langen Jahren blutigen Bürgerkrieg als das jetzt im ganzen Land islamistische Regeln durchgesetzt werden. Die Gefahr ist aber natürlich nur, dass wenn zum Beispiel die Investitionen aus dem Westen ausbleiben. Wenn die wirtschaftliche Hilfe ausbleibt. Wenn sich die Wirtschaft einfach nicht schnell genug entwickeln und die Leute ungedürdig werden.

Und vor allem nicht irgendwelche Leute sondern die islamistische Basis von Ahmed Al-Sharra, die ihn an die Macht gebracht hat Dann könnte natürlich irgendwann die Versuchung für ihn groß sein, stärker den Islamismus aufzudrehen. Seiner Basis etwas zu geben wie zum Beispiel wir schließen jetzt diese Bar oder verbieten die Produktion von Alkohol um diese Bailaune zu halten Und ich glaube, das ist so ein bisschen einen Rennen gegen die Zeit.

Also wenn sich die Wirtschaft entwickelt dann muss er glaub' ich nicht zu diesen Instrumenten greifen von denen er meines Erachtens auch überzeugt ist dass sie falsch wären für Syrien. Robert vielen Dank für deinen Bericht auf Syrien und heute ganz besonders schön dich hier im Studio zu haben ausnahmsweise!

Ja gerne mal wieder Nadine. Das war unser Akzent. Ich bin Adin Landert Bis bald.

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