
NZZ Akzent· Folge 1657
«Das Leben im Libanon ist schizophren» – Nahost-Korrespondent Daniel Böhm
Samstag, 5. September 2026 · 26 min
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Shownotes
Als Korrespondent für die NZZ berichtet Daniel Böhm über die arabischen Länder im Nahen Osten und in Nordafrika. Es ist eine Region im Krisenmodus, die komplexer nicht sein könnte. Obwohl er etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Lesen verbringe, sagt Böhm: «Es wäre vermessen zu behaupten, ich hätte den Nahen Osten verstanden.»
Das sei nur schon im Libanon der Fall, ein Land etwa ein Viertel so gross wie die Schweiz. In Beirut fühle sich das Leben manchmal komplett normal an. Wenige Kilometer südwärts wohnen Menschen in zerbombten Dörfern und leben im Ausnahmezustand. Wie Daniel Böhm sich in diesen Realitäten zurechtfindet und wie er bei Reportagen in Krisengebieten vorgeht, erzählt er in dieser Podcastfolge.
Gast: Daniel Böhm, Nahost-Korrespondent der NZZ
Host: Alice Grosjean
Krasse Kontraste im Libanon
Wie man den Alltag in eienr Krisenregion organisiert
Vorbereitung und Sicherheitsrisiken bei Reportagereisen
Den Überblick behalten im Nahen Osten
Gastfreundschaft, Kultur und gesellschaftliche Schranken
Zwischen dem Nahen Osten und Europa
Die NZZ-Akzent-Folge mit Daniel (nzz.ch/podcast/syrien-nach-asad-zwischen-hoffn…), nachdem er das erste Mal nach Syrien gereist war.
NZZ-Akzent-Folge mit Daniel, (nzz.ch/podcast/libanon-warum-die-neuen-staatli…) der mit öffentlichen Bussen einmal durch den Libanon gereist ist.
Die Repo aus Syrien (nzz.ch/international/syrien-eindruecke-aus-dem…), als Daniel und sein Kollege in eine Schiesserei gerieten.
Daniels Reportage aus Ceuta (nzz.ch/international/die-stadt-der-enttaeuscht…) in der NZZ.
Noch mehr Texte von Daniel hier bei der NZZ (nzz.ch/impressum/daniel-boehm-ld.1861409).
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Dieser Podcast wird präsentiert von der SBB. Wir chauffieren sie täglich direkt nach Bologna, Mailand und Venedig – dorthin wo die Abende länger sind! Es sind krasse Kontraste, die er bei seiner Arbeit immer wieder zu sehen und zu spüren bekommt. Nicht nur im Libanon! Da sind ganz viele Touristen unterwegs und ich hatte einen totalen Overkill in dem Moment.
Das ist jetzt so wie ein anderer Planet. Wie wenn du durch eine Grenzmauer reingekommen bist und plötzlich bist du im Paradies? Der NCZ-Korrespondent Daniel Böhm lebt und arbeitet im Libanan. Von dort aus bereist er den gesamten Nahen Osten und versucht immer wieder Ordnung ins Chaos einer sehr, sehr komplexen Region zu bringen.
Und wenn du denkst ist alles in Ordnung und du fühlst dich jetzt sicher in irgendeinem Konfliktgebiet dann ist es an der Zeit sofort zu gehen. Wie man das Risiko im Krisengebieten abschätzt und wie Daniel das für sich persönlich managt darüber sprechen wir gleich. Ihr hört die Samstagfolge von NZZ-Aktzent.
Mein Name ist Alice Grosjean. Herzlich Willkommen Und schön bist du da. Daniel, für einmal nicht remote zugeschaltet aus Beirut sondern ganz physisch hier bei uns im Studio in Zürich. Schön bist Du da! Ja vielen lieben Dank für die Einladung. Daniel du lebst schon seit sieben Jahren in Libanon und seit ungefähr drei Jahren befindet sich das Land so in einer Art Kriegszustand der mal mehr mal weniger präsent ist dass Leben beeinflusst.
wenn du bei dir zu Hause in Beirutt bist so ein einem ganz normalen wochentag an was merkst du dass das Land eben nicht im Friedenszustand ist? Ja, das interessante Frage. Weil der Krieg im Libanon ist ja nicht überall gleich präsent. Man stellt sich ja immer vor bei Krieg, dass es überall explodiert und überall die Bomben fallen.
Und meistens ist es ja so, dass ganz viele Bereiche – und das sind in den meisten Ländern dann der Krieg halt, dass man ihn nur so indirekt mitbekommt. Ich bekomme es vor allem mit wie der Kriegsauf des Leben indirect einschlägt. also das Land ist den Leuten geht's nicht gut. Es gibt eine dauernde Unsicherheit selbst bei den Leuten die nicht direkt von den Kriegshandlungen betroffen sind.
ich lebe ja im Osten von Beirut ein christlich geprägtes Viertel. Das wurde eigentlich nie bombardiert oder fast nie. Im Moment ist es ja so, dass offizielle Art Waffenstillstand herrscht zwischen Hisbollah und Israel – so ein Auto-Unerklärter an dem sich über die Israelis zum Beispiel auch nicht halten und auch hisbollah nicht hält.
Das ist alles bisschen unklar! Und man merkt vor allem halt daran das die Leute gestresst sind, dass niemand Zukunftspläne macht, dass alle ja auch so ein bisschen zynisch sind, sich zum Teil eben dann in Sachen... Fliehen, also man hat viele Partys die dann auch stattfinden. Die Leute leben für einen Tag und da ist natürlich sobald man aus der Stadt rausfährt.
wenn ich dann zur Arbeit gehe, also wenn ich zum Beispiel Reportage mache, da kommt natürlich dann in die Gegenden, wo der Krieg noch herrscht, wo die Dörfer zerstört sind, wo diese Leute fliehen mussten. Man priff Glüchtlinge... dem Leute direkt betroffen sind und hat dann diesen Gegensatz zwischen diesem indirekt Betroffene und dem Direktbetroffener.
Das finde ich macht's am Aus, also diese eine Normalisierung die dann stattfindet und aber der Krieg der trotzdem weitergeht. Also du hast gesagt man lebt so ein bisschen von einem Tag zum nächsten. Planung ist schwierig. Du hast letztes Jahr geheiratet. wie macht man das? Eine Hochzeit planen in so nem Zustand?
Ja meine Frau Eventplanerin von der Arbeit, die hat ein Firma. Also es ist professionell und sie ist Libanesin und hat deswegen leider also musste sich mit dem halt immer sehr viel auseinandersetzen dass sie halt einfach unter sehr schweren Bedingungen arbeiten musste. Deswegen wusste sie ziemlich genau wie man das macht.
aber es war natürlich eine Herausforderung zumal meine Hochzeit auch stattgefunden hat dann ausgerechnet in der Woche in der der Krieg zwischen Iran und Israel losgegangen ist. Das heißt, ich hatte dann viele Gäste die kamen aus Europa und die waren dann erstmal damit konfrontiert dass die Airlines die Flüge gestrichen haben.
Das war natürlich alles ein bisschen kompliziert. Dann kamen die meisten dieser Leute dann am Schluss trotzdem nach Beirut, aber am Ende hat es dann ganz gut geklappt. und das ist eben wieder ein bisschen wahrscheinlich diese Besonderheit des Libanons in so einer Krisensituation, dass viele Leute im Land gewöhnt sind mit dem Umzugehen – leider gewöhnte sie mit dem umzugehen!
Und die Dinge dann trotzdem sehr gut funktionieren. Es war eine sehr schöne Hochzeit, die einwandfrei funktioniert hat obwohl halt ... das Land so in der Art Vorkriegszustand war, obwohl alle Angst hatten dass es vielleicht damals reingezogen werden könnte in diesen zwölf Tage Krieg zwischen Israel und Iran.
Aber am Schluss sind unsere Gäste dann gekommen und haben mal gesehen wie die iranischen Raketen über das land geflogen sind und von den israelischen Abrerraketten ab runtergeholt wurden waren aber selber nicht direkt betroffen. also eigentlich haben denn die Leute diese seltsame Situation auch gleich mitbekommen.
aber die Hochzeit an sich hat gut funktioniert. Das war schon eine Herausforderung wenn man so will. Also denkst du, kann man das lernen? Dann so flexibel zu werden oder hat man gar keine Wahl. Ich glaube, man hat keine Wahl und ich meine...ich muss ja auch sagen, ich bin ja privilegiert! Ich habe einen Schweizer Pass.
Ich kann hier immer weg. Ich bin ja freiwillig in dem Land. Die Libanesen die keinen ausländischen Pass haben, die nicht weggönnen, die sind dem immer ausgeliefert. Die müssen es immer machen für dieses Jahr Alltag. Man lernt das und man kommt dann damit besser zurecht. aber ist auch etwas was einem den Nerv raubt und was auch selben ermüdend ist.
Und wenn ich jetzt gerade das Beispiel meiner Frau nehme, die eben eine kleine Firma hat dem lieber noch ein Die leidet halt darunter. Das zum fünften Mal jetzt wahrscheinlich dass ihre Firma Bach abgeht aus irgendeinem Grund. mal ist es ne Hafenexplosion malen Wirtschaftskrise mal einen Krieg und sie kam dann auch schon zu dem Schluss Dass sich gesagt hat.
so Ich weiß nicht ob ich in diesem Land weiter jetzt leben will und wieder alles von null aufbauen. Also es ist schon auch etwas, was an den Nerven zerrt. aber das betrifft natürlich die Libanesen, die wirklich ein Opfer dieser Umstände sind viel mehr als jetzt uns Ausländer, die dort leben und die ja immer weggehen können.
Und den Kontrast zu den Menschen, die außerhalb in deinem Fall von Beirut wohnen in Kriegsgebieten wo der Krieg da ist? Gibt's da so eine Verbindung wie die Leute miteinander umgehen? Da ist einfach ganz krass Schizophren im Libanon. Es sind ja hunderttausende Leute aus dem Südlibanon geflohen vor den Krieg, also auch vor den israelischen Bomben.
Die Israelis haben dort in ihrem Kampf gegen die Spoller ganz viele Dörfer zerstört und Städte und die Bewohner dieser Orte sind jetzt alle Flüchtlinge. Die sind natürlich dann in die anderen Gebiete Libanons geströmt. das heißt man bekommt natürlich mit dass diese Leute da sind Und ansonsten ist es Schizophrenien.
Also man muss sich vorstellen man fährt aus Beirut raus Und in Beirut ist das Leben normal. Es machen neue Luxusrestaurants auf, es gibt Partys... Die Leute leben eigentlich ein normales Leben und blenden das aus. Und dann fährt man in den Süden und so ab SIDA, dass eine Stadt ne halbe Stunde südlich von Beirutt fängt an die Kriegszone an.
Das sind die Gegenden wo dann die Israelis immer wieder mal bombardieren. Da sind die Orte wo diese Dörfer kaputt sind und dort ist halt die Lagende völlig andere. Dort leben die Leute mit dem Krieg. Manche der Leute sind zurückgegangen oder haben versucht zurückzugehen Und das sind wie zwei Welten, wie zwei Planeten.
Wenn man manchmal mit den Leuten im Süden redet in dem Kriegsgebiet und dann frag ich die auch so ja? Wie geht ihr damit um? Die sagen natürlich Ja wir sind natürlich vergessen worden. wenn wir jetzt nach Beirut fahren ist eine Stunde entfernt es mit dem Auto oder anderthalb Dann haben wir den Eindruck wir sind in einem anderen Land.
Andererseits sagen sie aber manchmal auch, wir können es ja auch verstehen. Wenn wir jetzt dort wären würden wir auch versuchen einfach weiterzuleben. Also das ist eine seltsame Schizophrenie die man dann erlebt und das ist auch bizarr weil das Land sehr klein. Ja also physisch als eigentlich sehr nah beieinander?
Ja man muss sich vorstellen in St. Gallen ist alles kaputt und wir sind hier in Zürich und dann fährst du halt mit dem Auto und bei Winterthur fängt's an und den Zürch ist das Leben normal auf dem See unten. Das ist halt sehr sehr seltsam aber wahrscheinlich ist das ein Teil der menschlichen Natur dass die Menschen Anpassen an solche Situationen, mit solchen Widersprüchen leben können.
Sie haben ja keine Wahl.". Im kleinen Libanon hat Daniel Böhm seine Base und von dort aus bereiste die ganze Region – vom Irak über den Jemen zu den Golfstaaten bis hin nach Nordafrika. Auf seinen Reportagen trifft er dabei auf Kriegsopfer, Militionäre oder Schmuggler in der Straße von Hormuz. Dabei ist Planung das eine was vor Ort dann wirklich passiert das andere.
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jetzt online buchen auf sbb.ch. Wenn du jetzt so eine Reportage-Reise planst, dir oft auch in komplizierte Regionen und Konfliktregionen zum Teil Kriegsgebiete führt. Wo fängst du an? Also ganz konkret was sind deine ersten Schritte? Das erste ist halt die Frage ob man überhaupt hinfahren kann. das im Nahen Osten schon immer so eine Herausforderung und es hat ja zwei Gründe.
also eines kann sein dass eben Krieg herrscht oder dass die Sicherheitslage sehr gefährlich ist wenn man's nicht weiß und die zweite Möglichkeit ist schlicht und einfach dass man kein Wiesn bekommt. Viele der Länder im Nahe Osten sind autoritär geführt Und sind Journalisten allgemein gegenüber nicht sehr freundlich eingestellt.
Das heißt, es ist nicht einfach ein Pressevisum zu bekommen und zum Teil dann auch noch nicht so einfach dort zu arbeiten.". Und dann gibt es die Fälle, dass man dieses Visum beantragen muss. Das ist zum Teil ein sehr komplizierter Prozess. Man muss herausfinden wie man da rankommt und dann halt irgendwie mit Leuten zusammenarbeiten, die sich da auskennen und einem helfen können diese Visum zu bekommen.
Und das ist schon mal eine Grundvoraussetzung ob man überhaupt hinfahren kann. Wie lange dauert das? Es kommt immer darauf an. aber ich hatte zum Teil Länder so jemens. Zum Beispiel hat's manchmal wirklich Monate gedauert oder fast ein halbes Jahr oder ein Jahr. also das kommt immer drauf an wie kompliziert die Lage ist vor Ort Manchmal hat es politische Gründe.
Es gibt zum Beispiel in Algerien, weil ich für die Präsidentschaftswahl und bei der Präzidentschaftswahl hatte man Stellenvisum bekommen, weil die Regierungen auch gesagt hatten wir wollen da das Journalisten kommen darüber berichten so dass der eine und dann gibt's natürlich eben diese Sicherheitsfrage.
Und Das ist zum Teil schwierig, weil wenn wir jetzt einen Fall haben, dass ein Krieg ausbricht oder ein bewaffender Konflikt oder so Dann ist sie oftmals so, dass eine völlig neue Situation entsteht. das heißt Alte Erfahrungen müssen nicht unbedingt noch gültig sein. Und dann meist fährt man auch sehr schnell, also man hat dann sagt sich ja ich möchte jetzt am nächsten Tag oder sofort hin zum Beispiel ist das Assad-Regime gefallen ist in Syrien im Winter.
Ich bin glaube ich am zweiten Tag oder einen Tag danach hingefahren und da hast du da ein Visum gekriegt? Oder hast du erst gar nicht beantragt was gab niemanden der das hätte ausstellen können? Genau da war zum Beispiel so ein Fall, weil eben so eine Veränderung war. Ich habe vorher immer versucht, einen Wisum zu bekommen irgendwann für Syrien, hab es natürlich nie bekommen.
und als das dann zusammengebrochen ist bin ich einfach hingefahren und dann ist man halt zur Grenze gekommen zwischen Libanon und Syrien und auf der libaneslesischen Seite wurde man ausgestempelt und auf die anderen Seite war halt nichts mehr. Da standen halt leere Panzer und irgendwelche Uniforme auf dem Boden und später kamen dann irgendwelches Bertike Giardis mit Karaschikovs und kontrolliert hat eigentlich niemand wirklich.
Man ist einfach reingefahren. Fährst du jemals alleine in so Situationen oder in so Orten? Also, ich bin oft mit Fotograf. Aber das hat eher auch die Gründe, dass wir in solche Geschichten dann eben auch bildnerisch abbilden wollen mit dazu. Ich bin auch alleine gefahren aber ich war dann mit lokalen Mitarbeitern.
also meistens in solchen Situationen fahre ich auch in Syrien zum Beispiel, war ich dann oft mit einem syrischen Freund mit dem ich zusammenarbeite Der halt Syrer ist und schlicht und einfach deswegen, weil er das Land besser kennt. Und dann auch oft besser einschätzen kann wo vielleicht die Grenzen sind dessen was man machen kann und was nicht.
Ich finde aber wenn es wirklich eine unsichere Situation ist hilft's dann oftmals wenn man sich mit anderen Journalisten zusammen tut oder vielleicht zu zweit oder zu dritt ist Dann ein bisschen sicherer. Aber es schwierig ist zu generalisieren. Es kommt wirklich auf diese Situation drauf an Und oftmals muss man eben Die Entscheide auch wirklich so im Moment fällen.
Macht man das auch intuitiv? Oder hast du so ein paar, ich weiß nicht, Regeln Maxime für dich. Wenn das und das passiert dann ist fertig, dann fahre ich zurück? Also ich habe für mich so'n bisschen die Regel, dass ich mir sage... Und es hat mir in die Banese der als Kameramann den ganzen Bürgerkrieg gemacht hat, auch verwundet wurde.
Der hat mir das mal eingebläut vor Jahren und immer gesagt wenn Du irgendwo bist bleib einfach nicht länger als das absolute Minimum. und wenn Du merkst, dass Du Dich entspannst Und wenn du denkst, es ist alles in Ordnung und du fühlst dich jetzt sicher in irgendeinem Konfliktgebiet dann ist es an der Zeit sofort zu gehen.
Hat sich das bewahrheitet in der Realität? Hast du Erfahrung gemacht? Ja also ich habe schon die Situation gehabt wo ich dann... Wenn man so im Konflikgebiet ist Dann ist man ja auch ein bisschen auf einem hohen Atrialianinpegel und ist sehr wach und sehr bewusst und guckt sich immer an was passiert und passt auf in diese Richtung und ist einfach sehr reaktiv.
Und da gibt's diese Momente wo dann Ein bisschen dieser Alarmbereitschaft runterfährt, wenn man so den Eindruck hat. Jetzt ist eigentlich okay es läuft ja alles und das war da gab's schon ein paar Situationen wo dann ausgerechnet was passiert ist. Was ist denn passiert? Ja ich war in Syrien mal von einem Jahr... Das war eine Lage wo es Konflikt gab zwischen der jetzigen Regierung und der Drusenmilit.
Es ist ne Minderheit in Syrin Und es wurde sehr schnell sehr blutig und da bin ich mit unserem Fotograf mit Dominik Nahr sind wir an die Front gefahren und wir haben da eben auch unsere Sicherheitsabteuerung gemacht. Wir waren nicht alleine da. wenn wir uns da vorgearbeitet haben, haben wir wirklich überall gefragt und immer jeden Checkpoint nachgefragt wie die Sicherheitslage ist.
Man hat diese ganze Arbeit vorgemacht und dass wir dann da vorne waren bei so einer Vor- oder Maschinengewehrposition wo wir waren. es war eigentlich alles ruhig das Sonne hat geschehen und da gab's auch zum Moment wo ich mich ein bisschen zurückgelehnt habe und so gedacht hab so ja eigentlich ist jetzt okay der Fotograf macht noch ein paar Bilder drehen wir um und fahren zurück.
Und in dem Moment ist halt die Hölle losgebrochen, dann gab es halt so eine Position, eine Vorausposition von den Regierungstruppen. Es gab einen Angriff von den Rusenmeditionären... ...und dann sind wir da halt in so ein Gefecht reingeraten. Also eine Schießerei? Ja! Es gab halt so einen richtigen Angriff.
also die anderen hatten auch Scharfschützen dabei und so. Wir waren auf dieser Position und haben natürlich gewusst.. In einer Maschinen-Gewährposition ist das ein klassisches Ziel. man muss versuchen da irgendwie rauszugehen. Dann sind wir relativ schnell damit herausgearbeitet. Was heißt das rausgearbeitet?
Man muss halt dann gucken, dass man halt zwischen diesen Hauswänden irgendwie rausgeht. Dass man sich nicht exponiert, muss halt wissen aus welcher Richtung die Schüsse kommen. und dann ging es halt darum, dass jetzt eine Straße bequeren mussten. und wenn wir die Straße überquert haben hat uns halt ein Regierungsaltort Feuerschutz gegeben.
also der geht dann halt auf die Mitte und schießt in der Hoffnung, dass von der anderen Seite die Leute in Deckung gehen müssen. da kannst du halt hinten durchrennen. Und so haben wir uns halt raus gearbeitet und sind dann weggefahren von dieser Situation. Und das war so ein Moment, wo ich mir noch mal gesagt habe, man kann es nicht vorhersehen.
Man versucht sowas zu vermeiden aber es kann einfach passieren und muss dann mit klarem Kopf reagieren. Aber wo ich mich noch einmal gesagt hab in dem Moment, in den du denkst, ist alles gut, dann musst du sofort gehen.". Die quintessenz der Geschichte ist immer halt auch ein bisschen demütig zu bleiben und zu sagen, lieber vorsichtiger zu sein, eins weniger zu machen oder vorhin nochmal umzutreten einen Wegruf sich dessen noch mal bewusst zu werden.
Zu wenig ist bei Daniele definitiv nie los. Und bis vor drei Jahren meinten wir mit dem Naost-Konflikt, ja v.a. die Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten. Im September XXIV kollabierte dann das Assad-Regime in Syrien, ein halbes Jahr später griff Israel Iran an und dann tratten die USA in den Krieg mit ein.
Und im Moment schaut die halbe Welt auf die Meerengen rund um die arabische Halbinsel – weil dort die Durchfahrt für Transportschiffe blockiert ist. Da ist in den letzten Jahren extrem viel passiert, an extrem vielen Orten in ziemlich kurzer Zeit! Wie schaffst du das? Nichts verpasst. Ja, das ist eine gute Frage und es ist natürlich die krasse Herausforderung.
Ich versuche natürlich immer ein bisschen Aschur zu bleiben was in welchen Ländern passiert. aber wenn man... ...fünfzehn Länder hat oder noch mehr dann ist es halt schwierig überall gleich tief drin zu sein Und am Schluss diktiert da ein bisschen auch des Weltgeschehen was man macht. also ich habe jetzt sehr viel Syrien gemacht im letzten Jahr Natürlich ich war am Golf relativ viel dieses Jahr und ich versuch halt dann soviel wie ich kann zu lesen.
Verbringst du mit Lesen? Relativ viel. Und auch halt... Also die Hälfte oder...? Ja, ich würde schon sagen und ich glaube eine der Gründe warum ich viel reise. Ich reise ja wirklich viel glaub' ich und ich fahr jetzt sicher in jedem Arabischen Land mindestens ein oder zweimal. und ich mach das auch nicht nur weil ich sage ich muss über was berichten sondern auch wenn ich der Meinung bin mich will halt wissen wie's da aussieht und ich will wissen wie es vor Ort ist wenn ich darüber schreibe.
und selbst wenns nur einmal ist aber auch bei allem Einsatz und bei allem Lesen und bei allen Reisen ist es natürlich unmöglich, dem tatsächlich voll gerecht zu werden. Es ist einfach zu viel! Ich meine jedes dieser einzelnen Länder würde das eigentlich verdienen, dass man sich wirklich eingiebig damit auseinandersetzt und da ist man dann in seiner Fähigkeit auch begrenzt.
Gibt's ein bestimmtes Thema? Dass dich irgendwie beschäftigt aber dass du selber bis heute noch nicht gecheckt hast oder noch nicht verstanden hast? Ja ganz viele. also ich würde jetzt ehrlich gesagt sagen... Es wäre völlig vermessen zu sagen, dass ich den Nahen Osten verstanden habe. Ich wohne im Libanon und bin mit der Libanesien verheiratet.
Ich finde selbst der Libanone ist einfach zu kompliziert um ihn wirklich zu checken. Also es hat so ein komplexes Land, achtzehn Regionsgemeinschaften... Und ich hab den Eindruck, ich kenn's jetzt wirklich gut. Ich hab viel gelesen darüber. Ich war auch überall im Land. dann passiert wieder irgendwas und ich bin wieder daran denkst, warum?
Was ist jetzt wieder passiert? muss man das wieder so aufdrücken. Also ich glaube, es ist halt ein ewiges Lernen! Ich vergleiche sie immer so mit einem Puzzle... Man setzt halt immer ein neues Stück dazu aber fertig wird's halt nie weil ich glaub' es hat einfach mehr als eine Lebensaufgabe das auch nur ansatzweise zu verstehen.
Das ist eigentlich ein sehr schöner Schlusssatz, aber ich möchte noch nicht aufhören. Wir haben jetzt viel so bisschen über die Herausforderungen und die Schwierigkeiten bei deiner Arbeit geredet. wenn wir die Perspektive ein bisschen wechseln gibt Sachen, die du richtig Geil findest du an deinem Job und deinem Gebiet?
Ja, ganz viele. Also ich glaube wenn man das Gebiet in dem man sich bewegt nicht liebt dann kann man auch den Job nicht machen. Ich finde halt... Was denn? Erst mal ich mag den Libanon gerne. Es hat seine Schwierigkeiten aber ich liebe es landlich wie die Leute. Ich meine ich habe jetzt libanesische Familie.
Und es gibt viele Dinge einfach die im Nahen Osten alt schön sind. Es ist ein wahnsinnig reiches Gebiet, reicher in Kultur und Geschichte. Wenn man nach Syrien geht es ist faszinierendes Land. Wie gesagt, ich war nie in Syrien vor dem Fall des Assad-Regimes. Danach war es so, dass man eben nie ein Wiesn bekommen hat oder wir nie einen Wiesnen bekommen haben und das war immer so ein riesiges schwarzes Loch um den Libanon rum.
Ich habe schon allein einfach nur um dieses Land zu bereisen bin ich so viel letztes Jahr dahin gefahren weil ich fand es faszinierend erlebbar zu sehen die Küste zu sehen. Und ich muss halt auch immer sagen dabei trifft man dann auf die Leute und die Leute im Nahen Osten. Menschen sind halt Unfassbar gastfreundlich und unfassbar warm, also das ist etwas was man sonst nie erlebt.
Also es gibt auch zum Beispiel was man in anderen Ländern an der Gegend hat dass wenn wir aufpassen muss das bestohlen wird oder so. das kommt in arabischen Ländern kaum vor. Es gibt wirklich eine Art extreme Gastfreundschaft. ich war bei Leuten habe ich in Syrien zu Hause geschlafen als kein Hotels gab und so.
Das ist eigentlich unvorstellbar dass das umgekehrt jemandem der aus dem arabischen Land kommt in der Schweiz passieren würde. und Findest du schwierig dann? Leute auch ranzukommen, also jetzt nochmal auf deine Arbeit bezogen bei Reportagen. Ist es einfach mit Leuten ins Gespräch zu kommen oder gibt's auch Situationen wo es schwierig ist?
Also ich sag mal so, es ist einfach mit den Leuten in das Gespräch zukommen, dass sie in den meisten arabischen Ländern die Leute sehr offen und freundlich sind. Man kommt leicht ins Gesprächen mit jemandem auf der Straße. aber weil halt viele dieser Länder autoritär geführt sind Deswegen auch eine gewisse Paranoia herrscht in vielen Ländern, weil die Leute auch Angst haben.
Weil sie ihr Gewöhn sind das es ein Geheimdienst gibt dass wenn man sich politisch äußert das Konsequenzen hat und dann ist es natürlich so. ich meine ich bin am Ende des Tages immer noch schweizer das heißt ich habe eine andere Kultur und dem Ist auch schwierig dann zum Teil da reinzukommen. also Beispiel jetzt die golfstaaten Wenn man im land fährt wie Die Vereinigten Arabischen Emirat oder Katar.
die leute dort sind sehr freundlich aber es ist halt in sich dann tief drin schon auch eine geschlossene Gesellschaft, wo es nicht so einfach ist, einfach reinzukommen. Und das merkt man dann schon auch. Gibt's auch gewisse Themen oder Situationen, wo du nicht so gut reinkommst? Weil du ein Mann bist?
Ja auf alle Fälle natürlich! Ich war in Syrien Anfang dieses Jahres als der Krieg zwischen den kurdischen SDF-Medizin und Regierungstruppen war und da bin ich in der Nähe von DSR habe ich in einem Dorf geschlafen also im Haushalt von Freunden, und dort habe ich in den Tagen nie eine von den Frauen gesehen.
Weil das war halt komplett getrennt. Und entsprechend ist es für mich dann natürlich extrem schwierig oder unmöglich zu erfahren wie halt eine Frau in so einem Dorf des Lebens sieht. Also man kommt dann schon bis zum Wissengrad ran und kann Interviews führen aber ist nicht das gleiche als wenn ich jetzt als Frau dahin reisen würde und auf der anderen Seite dieser gesellschaftlichen Trennung die er nach außen hinherrscht wäre?
Und ich meine am Ende des Tages, wie gesagt. Ich bin blond europäisch also meiner Fähigkeit da reinzugehen ist auch begrenzt. natürlich das ist einfach muss man sich glaube ich bewusst sein und ich glaub man muss auch wissen so selbst wenn ich zwanzig Jahre im Nahen Osten leben würde oder in Beirut. Ich werde halt nie die Banese, ich bin immer Schweizer und es ist einfach so und daran ändert sich glaube nicht.
Womit wir wieder bei der Demut wären? Jetzt bist du gerade eben wieder in der Schweiz auf Heimatbesuch Wenn du in Zürich so aus dem Flugzeug steigst, jedes Mal wenn das passiert. Wie schnell kannst du umswitchen von deiner Realität zu Hause im Nahen Osten und der alten Heimat in der Schweiz? Also ich freue mich eigentlich immer in die Schweiz zu kommen!
Ich mag's Land ja sehr gern... Und wenn man lange weg ist dann hat man auch ein bisschen Heimweh manchmal. Dann ist es irgendwie schön nach Hause zu kommen. Ja natürlich, die Sachen laufen anders, alles ruhig, funktioniert alles. Meine Frau zum Beispiel, wenn sie kommt Dann sind wir in Bern bei der Familie und dann sagt sie oftmals so nach einer Woche, das ist zwar sehr schön aber es ist auch ein bisschen langweilig.
Also ja, es ist schon anders. Aber was ich stärker empfinde, ist manchmal wenn man von diesen Reportagereisen zurück kommt... Also zurück nach Beirut? Nach Beirutt aber auch nach Europa, dann ist irgendwie der Kontrast noch stärker. also Ich kann so ein Beispiel geben Letzter Woche war ich in Südlibernan, habe eine Reportage gearbeitet in so einem Dorf.
Das ist der von den Israelis besetzten Zone Da können die Leute nicht mehr wirklich auf die Felder und es ist sehr schwierig die Lage Angst wirtschaftlich katastrophal Ja, das ist wirklich, wirklich schlimm. Und da bin ich von dort nach Ceuta gefahren In diese spanische Exklaven und hab dann eine reportage gemacht über die Flüchtlingskrise wo halt neben vielen Marokkanen auch sehr viele schwarzafrikaner sudanesen gestrandet sind.
Von dort bin ich dann um in die Schweiz zu fliegen, bin ich über nach Malaga und hab von Malagaz Flugzeug genommen nach Zürich. Ich kann mich erinnern... ...ich bin in Malaga angekommen und Malaga ist ja so eine malerische schöne spanische Stadt mit kleinen Gassen- und Tapas-Läden. Da sind ganz viele Touristen unterwegs und ich hatte einen totalen Overkill im Moment.
Das ist jetzt wie ein anderer Planet. Wie wenn du durch so ne Grenzmauer reingekommen bist und plötzlich bist du im Paradies? Und das war schon zum Moment wo ich noch einmal gedacht habe es ist einfach ziemlich spektrum! von eben dieser außereuropischen Realität zu dieser europäischen Realität. Das ist natürlich auch immer nur Teile abbildet jeweils, aber das ist dann schon ziemlich ein Kontrast und da habe ich es dann wieder gemerkt in was für Welten man sich bewegt.
Daniel vielen Dank. warst du hier im Studio und hast mir all das erzählt? Danke schön für die Einladung! Daniel wartet übrigens gerade auf seinen Visums Bescheid aus Russland. Nach vier Jahren als Naos-Korrespondent wird er nämlich bald nach Moskau wechseln, um für die NZZ aus Russlands zu berichten – wenn das Visum denn bewilligt wird!
Bis auf weiteres bleibt uns Daniel also als Stimme aus dem Nahen Osten erhalten. und falls ihr noch mehr von ihm hören oder lesen wollt in der Folgenbeschreibung zu dieser Folge findet ihr alle Hintergrundtexte und Links zu Daniels Reportagen und Podcastfolgen über die wir gerade geredet haben. Das war unser Akzent am Samstag, ich bin Alice Crojon.
Schön habt ihr zugehört und bis bald!