
NZZ Akzent· Folge 1679
Kosovo: Warum die Menschen seit über einer Woche protestieren
Freitag, 25. September 2026 · 14 min
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Shownotes
Am Mittwochabend versammeln sich Tausende Menschen im Zentrum von Pristina. Sie schwenken, Fahnen, zünden Pyros und rufen im Chor. Unter dem Motto «Nicht in meinem Namen» solidarisieren sich die Demonstrierenden mit ihrem Ex-Präsidenten Hashim Thaçi. Dieser wurde vergangene Woche von einem Sondertribunal in Den Haag für Kriegsverbrechen verurteilt. Die Strafe sieht 25 Jahre Haft vor.
Viele Kosovaren sehen in Thaçi aber in erster den Anführer der Befreiungsbewegung UCK, die damals für die Unabhängigkeit von Serbien kämpfte. Hashim Thaçi sei im Kosovo noch immer ein Held, sagt Ausland-Redaktor Markus Ackeret: «Dass diese Lichtgestalt nun verurteilt wird, ist für sie nicht nachvollziehbar.»
In Pristina hatten Tausende Menschen den Prozess aus Den Haag live verfolgt – die Empörung nach der Urteilsverkündung war gross. So gross, dass sich die Menschen seither bereits den neunten Tag in Folge zu abendlichen Kundgebungen treffen. In dieser Folge von «NZZ Akzent» analysiert Markus Ackeret, woher die Wut der Menschen kommt und was das für den Kosovo bedeutet.
Gast: Markus Ackeret: Redaktor für Südosteuropa
Host: Alice Grosjean
Redaktion: Simon Schaffer
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Der oberste Befehlshaber dieser Ucheca wurde letzte Woche in Den Haag verurteilt. Deswegen protestieren die Menschen hier weil sie es nicht fassen können dass ihrem Hashim Sachi Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Markus Fürwas wurde Sachi in Den Hague genau verurteilten. Ja, Ehrung III seiner engsten Mitstreiter wurden für Verbrechen verurteilt.
Die im Zeitraum von nineteenhundertdacht und neunzigneinundneunzig in Kosovo verübt wurden. zum Ende des Kosovokrieges gab es schwere Übergriffe auf Zivilisten vonseiten dieser UJK Entführungen Folter-Morther Und trotzdem ist Sachi aber für die Menschen in Kosovo ein Held. Seit Tagen demonstrieren Menschen in Kozovo gegen die Verurteilung des ehemaligen Widerstandskämpfers und Ex-Präsidenten Hashim Thachi.
Warum dieses Urteil in Kossovo so große Empörung auslöst, das erklärt unser Redaktor für Südosteuropa Markus Akkarinth – ich bin Alice Goloch. Dieses Anlegen, dieses sich solidarisieren mit Thaci, wofür die Leute seit Tagen auf die Straße gehen. Von wie vielen Menschen in Kosovo wird das mitgetragen?
Ja, es ist natürlich schwer zu beziffern. Aber das wird schon die Mehrheit sein! Und wie kann man sich das erklären? Also dieser Mensch der jetzt verurteilt wurde für Kriegsverbrechen – wer isst Hashim Sachi für die Leute im Kosoho? Naja er ist eben tatsächlich für sie ein Held weil er eine wichtige... Rolle gespielt hat für die Freiheit Kosovoz, kann man sagen.
Für die Unabhängigkeit Kosovos von Serbien und für diesen Befreiungskampf. Er ist eingetreten gegen die Vertreibungspolitik der Serben. Gesicht der UGK im Kosovo-Krieg. Er trat auf internationaler Bühne auf, er war vor der heißesten Phase des Krieges, bevor dann DINATO in dem Jahr und neunundneinzig eingegriffen hat, war eher an Friedensverhandlungen mit den Serben der Verhandlungsführer der Kosovaren.
Er ist dadurch bekannt geworden als Vertreter ihrer Interessen. Danach auch war er Minister, Er war Regierungschef. Er war am Schluss bis vor sechs Jahren Präsident. Also kann man sagen, er war einerseits gegen Außen aber dann auch nach innen. für das Land so diese eine Identifikationsfigur die mit der Unabhängigkeitsbewegung so in Verbindung gesetzt wird?
Ja auf jeden Fall! Das würde ich so sagen. und schon für sehr viele Kosovaren ist er eine Lichtgestalt ihres noch sehr jungen. Eine Lichtgestalt, das ist oder war er zumindest bis zum Jahr. In diesem Jahr wurde nämlich gegen ihn Klage erhoben. Der fünftigjährige Tatschi weiße Haare blauer Anzug steht hier im Gericht und hört sich den Urteilspruch an Und dann nach dem Urteil, macht er etwas wie ich finde befremdlich ist.
Er zuckt nämlich so mit den Schultern, setzt sich wieder hin ein bisschen als würde er sagen wollen okay, dann halt! freigesprochen werden muss. Er war da selber daran beteiligt, dass dieses Gericht überhaupt möglich wurde und hat dann der Ansicht, dass eigentlich er getäuscht wurde, dass das Gericht unfair mit ihm umgeht.
Und ich denke diese Reaktion ist so ein bisschen... Einerseits Ungläubigkeit über das Ausmaß der Strafe, aber gleichzeitig auch so dieses Gefühl. Ich kann ja sowieso nichts mehr machen. Ich bin jetzt hier. den Verurteilen die mich halt... Das ist nun mal halt so. ich bin jetzt denen ausgeliefert. So diese Reaktion lese ich eigentlich.
Findest du das gerechtfertigt? Eigentlich nicht weil es gibt natürlich genügend... Also der Prozess hat gezeigt dass es genügend belege gibt, dass die Anklage stichhaltig ist. Die Verantwortlichkeiten von Sachi und seinen Mitangeklagten wurden hergeleitet, dokumentiert. Es gibt Zeugenaussagen über diese Gewalt, die da geherrscht hat – diese Exzesse, die es gegeben hat.
Diese Zeugeraussagen sind auch dokumentiert, sie sind anonym weil Zeugen inkonservopolitisch verfolgt." eingeschüchtert wurden und insgesamt bestätigt das ein Bild von Gewalt gegen Zivilisten, die es gegeben hat in diesem Krieg. Wir sind gleich zurück! Profitieren Sie bis zum dreißigsten November, zwanzig sechsundzwanzig vom Sonderrabatt.
Mehr Informationen und Bedingungen unter postfinance.ch-terminal. Trotzdem gab es dann diese bestürzende Reaktion auch von den Leuten in Kosovo also zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung. da fand in Prichina ein Public Viewing statt. Und wenn man sich die Szene anschaut dann wirken die Leute da wirklich bestürzt traurig.
sie können es nicht fassen. Warum macht dieses Urteil die Leute so emotional? dieser Mann, der eben ihr Held ist. Der sie so etwas pathetisch gesagt vor dem Untergang bewahrt hat als Volk und auch diesen Staat mitgeschaffen hat dass so jemand für solche Verbrechen verurteilt wird das ist für Sie eigentlich nicht nachvollziehbar.
Hat es auch was damit zu tun? Dass dieses Gericht also ein Kosovo Sondertribunal Urteil aus dem Ausland verlesen wird über eine Person, die so stark identifiziert ist mit dem Land selber? Ja sicher. Ich denke schon dass das eine wichtige Rolle gespielt hat weil dieses Gericht formal gesehen ein kosovarisches Gericht, also das stützt sich auf nationales kosovarisches Recht.
Aber wurde aus Sicherheitsgründen um Zeugen besseren Schutz gewährleisten zu können im Ausland eingerichtet mit ausländischen Richtern und auslängdischen Ermittlern und Staatsanwälten? Und natürlich ist es dadurch schwerer für die Leute das zu akzeptieren dass das Urteil eben nicht von eigenen Bürgern gefällt wird.
Du hast vorhin auch noch erwähnt, dass man schon diskutieren kann wie verhältnismäßig dieses Urteil denn ist im Gesamtkontext? Wie meinst du das genau? Ja Kosovo und die Kosovaren waren ja die Opfer von serbischer Aggression in dem Kosovokrieg also in diesem ganzen Konflikt der seit Ende der achtziger Jahre sich entfaltet hat und eben dann Ende der neunziger Jahre den Höhepunkt erreichte.
Das ist unbestrittenermaßen so. Die Aggression kam nicht von den Kosovaren, sondern von den Serben, von außen quasi und wenn jetzt trotzdem wichtige Vertreter des kosovarischen Befreiungskampfs für Kriegsverbrechen verurteilt werden dann suggeriert das für viele Kosovan eine Art Umschreibung der Geschichte.
plötzlich sind die Opfer die Schuldigen und das zu akzeptieren ist natürlich schwierig. Also kann man sagen, Sie empfinden das Urteil auch als Umfähr oder eben unverhältnismäßig weil sie sozusagen auf dieselbe Stufe gestellt werden wie die Leute gegen diese sich damals gewährt haben? Das schwingt auf jeden Fall mit.
Es wurden ja tatsächlich Serben verurteilt für ihre Rolle im Kosovo Krieg – auch in den Haag aber nicht vor dem selben Gericht sondern vor dem Kriegsverbrecher tribunal für das ehemalige Jugoslawien. Da wurden auch Strafen gesprochen, die ähnliche Höhe haben wie die Strafen, die gegen Tatsche und seine Mitstreiter gesprochen wurden.
Allerdings der Hauptverantwortliche Slobodan Milosevic, der frühere serbische Präsident wurde nicht verurteilt weil er noch vor dem Urteil starb in Den Haag. Also was dann am Ende geblieben ist, auf dem Papier ein gefühlt ähnliches Strafmaß für einen Konflikt der aber ja deutlich von einer Seite ausgegangen ist.
Von der Seite Serbians? Ja! Serbien war der Auslöser für die Gewalt. da wurden zehntausend Zivilisten getötet und hunderttausende Vertrieben Und gleichzeitig gab es eben die Exzesse der UGK. Da geht es um einige hundert Personen, die willkürlich festgenommen wurden und misshandelt wurden. Um etwa Hunder, die ermordet wurden.
aber klar ist natürlich auch dass auch wenn sich die Kosovaren gewährt haben Gewalt an Zivilisten rechtfertigt das nicht Und dafür wurden sie jetzt zur Rechenschaft gezogen. Jetzt mal von einem Best Case Szenario ausgedacht. Was könnte man aus dieser Situation Lernen. Gibt's da drinnen Potenzial? Grundsätzlich bietet es natürlich die Chance und dazu dient ja auch die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen, dass man sich mit der eigenen Vergangenheit kritisch auseinandersetzt und auch bei sich nach den Fehlern sucht, die begangen wurden und die Opfer, die es auf der eigenen Seite gab das man diese Opfer denen auch Gerechtigkeit widerfahren lässt.
Die Schwierigkeit In Kosovo ist das Land immer noch ein sehr politisch junges Land. Der Konflikt mit Serbien ist weiterhin nicht gelöst, Serbian erkennt Kosovow nicht. Kosova ist sehr stark vom Westen abhängig. Deshalb auch darauf angewiesen, dass es ja auch das akzeptieren muss was auch westlichen Vorstellungen entspricht und politisch im Moment auch in einer Sackgasse innenpolitisch.
Das heißt, das ganze Umfeld um zu reflektieren über die eigene Vergangenheit ist im Moment sehr kompliziert und noch nicht so gut vorbereitet. Und trotzdem, dass man zuerst Opfer von außen von auswertiger Gewalt wurde Das bedeutet halt auch, dass eigene Leute zu tätern werden konnten. Dass anzuerkennen ist sehr schmerzhaft aber auf Dauer geht daran kein Weg vorbei.
Vielen Dank Markus für deine Einschätzung und dein Besuch hier im Studio. Danke dir!