NZZ Akzent· Folge 1674

Warum Trump einen Deutschen zu einem der wichtigsten US-Diplomaten macht

Donnerstag, 24. September 2026 · 15 min

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Shownotes

Ein gebürtiger Deutscher soll für die USA einen der wichtigsten Diplomatenposten im Nahen Osten übernehmen: Der 48-jährige Jurist Dr. Nick Oberheiden wurde von Donald Trump als US-Botschafter in Ägypten nominiert. Aufgewachsen in Oberhausen, absolvierte Oberheiden sein Jurastudium in Deutschland und den USA, bevor er in Texas eine Kanzlei gründete. Dort spezialisierte er sich darauf, hochrangige Politiker und Führungskräfte zu vertreten, wodurch er ein einflussreiches Netzwerk in Washington knüpfte und das Vertrauen des US-Präsidenten gewann. Auch seine Wahlspenden an Donald Trump werden ihm wohl geholfen haben. Der NZZ-Redaktor Melchior Poppe erklärt im Gespräch mit Simon Schaffer, warum diese Personalie beispielhaft für den Wandel in der amerikanischen Diplomatie steht. Während Kairo traditionell von erfahrenen Karrierediplomaten besetzt wurde, setzt Trump verstärkt auf politische Vertraute und Wahlkampfspender.

Gast: Melchior Poppe, NZZ Redaktor, Berlin
Host: Simon Schaffer
Redaktion: David Vogel

Hier ist Melchiors ganzer Text zu Oberheiden bei der NZZ (nzz.ch/deutschland/politik/trump-macht-einen-g…).

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Dieser Podcast wird präsentiert von PostFinance, ihrer Schweizer Partnerin für moderne Zahlungslösungen und einfaches Einkassieren im Geschäftsalltag. Man hört es vielleicht, diesen leichten amerikanischen Einschlag von Dr. Nick Oberheiden. Der ist zwar Deutsche aber erlebt schon seit über zwanzig Jahren in den USA.

Wie Sie hören klappt das mit dem Deutsch noch relativ gut? Er hat eine eigene Kanzlei in Texas und dieser Nick Oberheim soll jetzt Botschafter werden. Ja richtig, Botschafta, aber eben nicht vom Deutschland sondern Botschahta der USA. Das heißt er soll eine Botschaft leiten Und das Ganze nicht irgendwo, sondern er wird Botschafter in Ägypten.

Das ist einer der wichtigsten Botschaftaposten im ganzen Nahen Osten in der Region.". Der gebürtige deutsche Nick Oberheiten soll zu einem der wichtigste Botschafte der US-Regierung genannt werden. Was das über den Zustand der amerikanischen Diplomatie aussagt, erklärt der NCZ-Redaktor Melchior Poppe – ich bin Simon Schaffert!

Also wer ist denn dieser Nick Oberheiden? Deutscher, ein heute-achtundvierzigjähriger Deutscher. Er ist in Oberhausen aufgewachsen – das ist eine Stadt im Ruhrgebiet nahe Bochum. Er entstammt einer Arztfamilie und er hat auch in Deutschland ganz normal Jura studiert bis hin zur Promotion in Heidelberg.

Und das erzählt er auch selber auf seinem YouTube Kanal! Er ist danach in die USA ausgewandert und heute würde man meinen, er sei immer schon Amerikaner gewesen. Also so wirkt er! Also man hat den Eindruck, dass er sehr zielstrebig daran gearbeitet hat in Amerika etwas Großes zu erreichen. Das unterstelle ich ihm mal, denn er kann sich derzeit aufgrund dieses Nominationsverfahrens für den Botschafterposten gar nicht selber äußern.".

Auf jeden Fall ist er ein Auswanderer, der jetzt aufsteigt oder aufgestiegen ist. Genau! Er ist vor ca. von den Jahren Anfang der Jahrzehnte ausgewandert nach dem Studium und hat dann in den USA noch mal studiert um einen weiteren juristischen Abschluss zu erwerben – einem amerikanischen. Das war die Voraussetzung, dass er in den US als Rechtsanwalt arbeiten durfte.

Und dann noch ein paar Jahre später, so vor fünfzehn Jahren hat er in Texas eine eigene Kanzlei gegründet. Aber das ist nicht irgendeine Kanzlei sondern er hat sich schon relativ rasch darauf spezialisiert hochrangige Beamte und Führungskräfte vor Gericht zu verteidigen. und da zählt wirklich das Who is who des amerikanischen politischen Establishments dazu.

Das ist ja schon eine sehr besondere Issche oder? Ja definitiv! Besonders auch insofern Als er dadurch natürlich ein großes Netzwerk, persönliches Netzwerk aufbauen konnte. durch diese Kontakte. Und dazu gehören auch Leute von den Geheimdiensten vom FBI zum Beispiel. Zusammen mit meinem Team aus ehemaligen Bundesstaatsanwälten und hochrangigen Agenten des FBI and the Secret Service bieten wir amerikanischen und internationalen Mandanten nicht nur die Erfahrung hunderte gewonnener Verfahren an, sondern auch die strategische...

Und er trifft sich eben regelmäßig bis heute mit Kongressabgeordneten, Senatoren, Leuten aus dem Pentagon. Außerdem durch diesen Job hat er Zugang erhalten zu geheimen Dokumenten. Er selber sagt davon, dass das nur ganz wenige Anwälte überhaupt in den USA bekommen diesen Zugang und ist es natürlich umso ungewöhnlicher als er Deutscher ist.

Ja, er ist eigentlich ein Vertrauter nicht nur weil er Kunden da hat also Mandanten ehemaliger sondern auch er wird von verschiedenen Seiten ins Vertrauen gezogen. Richtig! Es geht sogar darüber hinaus. also er arbeitet Natürlich in erster Linie als Anwalt, als Jurist. Aber er nutzt diese Arbeit auch dafür aus dem Kreis seiner Mandanten Leute für die amerikanischen Geheimdienste zu rekrutieren.

also er weiß worauf es ankommt durch seine Kontakte mit den Geheimnienstmitarbeitern weiss was für die relevante Informationen sind und wer dieser hat und da zählen eben häufig dann auch seine Mandanten dazu. Heißt das auch dass er zur jetzigen Regierung besonders gute Kontakte hat? in dem Fall? Also, dass es ja eben auch eine gewisse Nähe zu Donald Trump gibt und den Republikanen.

Ohne Zweifel! Das sieht man so einen auf seine Social-Media Kanälen also da Wimmels von Posts, von Fotos, von ihm mit Donald Trump, JD Vans und wie sie alle heißen. das war aber auch schon während Trump's erster Präsidentschaft so. also schon damals standen beide in Kontakt miteinander Ja, und später hat Oberheiden dann an Trumps politisches Lager zum Beispiel für den Wahlkampf gespendet.

Insgesamt eine siebenstellige Summe wurde mal ausgerechnet Und es sind sogar manche hochrangige Politiker Republikaner ganz konkret Mitglieder in seiner Kanzlei geworden. dazu zählen der frühere Außenminister und CIA-Chef Mike Pompeo oder der jetzige CIA Chef John Ratcliffe. Der ist das jetzt natürlich nicht mehr Aber dafür ist eine Frau Mitglied in der Kanzlei von Oberheiden geworden.

Ja, und das sind alles Leute die eben auch durch Trump auf diese Posten kamen? Genau! Das heißt auch dass jetzt ein neuer Posten ober eines neuer posten eine Art Vertrauensbeweis ist oder einen Dank vielleicht auch wenn man spekulieren möchte genau Man könnte auch sagen Freundschaftsdienst oder ganz einfach es ist ein Geschäft.

Jedenfalls hat Trump Oberheiden jetzt zum amerikanischen Botschafter in Ägypte nominiert Und das ist nicht nur insofern bemerkenswert, als Oberheiden ja Deutscher ist. Sondern Trump lässt seit Jahren einen Großteil der weltweiten Botschaft verposten unbesetzt. Wir sind gleich zurück! Eben dieser Posten in Cairo, der ist wohl kein Zuckerschlecken nehme ich mal an oder?

Ist das testwichtig. Das sind nicht irgendeine! Der US-Botschafter an Cairo hat eine besondere Rolle inne. Ägypten ist von großer Bedeutung durch seine geostrategische Lage am Suezkanal. Es übernimmt immer wieder politische Vermittlerdienste im Nahen Osten. Und ja, es weist einfach eine sehr große Bevölkerung auf und ist dadurch nicht zuletzt auch eine bedeutende Wirtschaftskraft in Afrika.

Darum haben die USA bis jetzt eigentlich immer erfahrene Diplomaten nach Cairo geschickt Leute, die sich sehr gut in der Region auskannten, die da lange Zeit gedient hatten Belohnung als Krönung ihrer Karriere dann den US-Botschafterposten in Cairo bekommen haben. Und Oberheiten kann man sagen ist sehr gut vernetzt und sicher auch ein schlauer Mensch, aber er isst kein altgediente Diplomat mit Jahrzehnten im Nahen Osten?

Nein absolut nicht! Ihm fehlt nicht nur die Erfahrung im diplomatischen Dienst sondern ihm fehlt auch die formelle Ausbildung als Diplomat. Immerhin spricht er mehrere Sprachen und lernt nun, wo? seit einigen Monaten intensiv arabisch. Das ist nicht selbstverständlich. Außerdem hat er als Jurist zumindest einen guten theoretischen Hintergrund und er hat auch als Anwalt mit internationalen Konflikten Erfahrung gesammelt – nicht zuletzt mit dem Nahen Osten.

Aber es zeigt natürlich trotzdem dass der amerikanische Präsident sich über Traditionen und Geplogenheiten hinweg setzt Und stattdessen bringt da Leute in Amt und Würden die ihm genehm sind Also solche, die ihm Geld gespendet haben bei denen er sich sicher sein kann dass sie seine politischen Verbündeten sein werden.

Ja ich frage mal eine naive Frage ist das gut oder schlecht wenn Sie so mit ihm verbündet sind? Die Diplomaten an einem Ort. Das kommt natürlich darauf an wie man fragt aber ganz objektiv kann man sagen dass es bei Trump schon sehr krass ist. Oberheim ist ja nicht der einzige Kandidat ich sage mal mit Geschmäckle.

Neunzig Prozent der Leute die er nominiert hat haben Geld für Trumps Wahlkampf gespendet oder sie sind Mitglied in Trump's Club Mara Lago. Naja, und das sollte natürlich eigentlich nicht entscheidend dafür sein ob jemand Botschafter wird. Aber naja es sieht ganz danach aus dass er genau das jetzt probiert also wirklich innerhalb weniger Monate dann doch einige Posten nachzubesetzen.

der Grund dafür ist dass ja demnächst die Midterm-Wahlen in den USA anstehen Und Trump befürchten muss dort die Demokraten stärker herausgehen, als sie das jetzt sind und dann ein Wörtchen mitreden dabei wer für die USA als Botschafter ins Ausland geht. Okay naja und die Experten befürchten dass auf diese Weise viel Expertise verloren geht und der diplomatische Dienst quasi politisiert wird.

Und nun das jetzt auch nochmal deutlich zu machen. Also wenn man bei uns auf nc.ch in den Artikeln dazu die Grafiken anschaut, auf dem man sieht wie jede vergangene US-Regierung seit Jimmy Carter, Clinton, Obama und so weiter, wie sie den Anteil der Profi-Diplomaten von Jahr zu Jahr leicht gesenkt haben – Der Anteil politisch nominierter steigt leicht an.

Auch Trumps erste Amtszeit führt diesen Trend weiter Aber in der zweiten Amtszeiten ist einfach Alles anders, also noch zehn Prozent sind Klasse-Diplomaten und die restlichen neunzig Prozent sind alle politisch nominiert. Wenn Sie denn überhaupt erst besetzt wurden – du hast ja vorhin gesagt Trump lässt auch sehr viele Posten unbesetzt!

Was hat das damit auf sich? Ja, das ist tendenziell immer noch so. Also knapp die Hälfte aller Posten sind jetzt eineinhalb Jahre nach der zweiten Amtseinsetzung von Trump weltweit nicht besetzt maßgeblich dazu beigetragen, dass dem so ist. Es war nie so, dass alle Posten der USA die Botschafterposten besetzt sind aber er hat zu Beginn seiner Amtszeit Dutzende Diplomaten aus der ganzen Welt zurückgerufen Aus mutmaßlich politischen Gründen und das hat dazu geführt, dass es jetzt eine so hohe Zahl von Vakanten gibt wie es in einer neuer Geschichte der USA noch nie gegeben hat.

Also knapp die Hälfte schon verrückt. Das ist sogar in den Hauptstädten wichtiger amerikanischer Alliierter so. Zum Beispiel in der Ukraine, die haben keinen Botschafter der USA auch nicht in Berlin und im arabischen Raum fehlt nicht nur ein Ägypten der Botschafta, sondern auch in die Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Qatar, in Irak, Kuwait... Okay!

Und wer übernimmt dann die Geschäfte? Also gearbeitet wird ja wohl doch in den Botschaften. Ja das klar. Wenn diese Botschafterposten unbesetzt bleiben, dann übernehmen sogenannte chargé d'affaires. Das sind Karriere-Diplomaten aber aus dem zweiten Glied die dann als Geschäftsträger zumindest mal vorübergehend die Verantwortung übernehmen.

Aber zum Beispiel hier in Berlin das sind jetzt zwei Jahre in denen ein Botschafte fehlt und in den dann einen chargés d'afaire die Geschäfte führt. Die haben aber weniger Vollmachten und zum anderen genießen sie weniger Ansehen in dem Land, in dem sie stationiert sind.". Und warum lässt Trump diese ganzen Positionen eigentlich offen?

Für Trump hat es erstmal den Vorteil dass er vielleicht direkt damit mischen kann also vielleicht einen direkteren Draht hat und zum Teil Leute aus einem engsten Kreis um die ganze Welt schickt statt das er die geschäfte einem ihm politisch vielleicht nicht wohl gesondenen Botschafter anvertrauen muss den er gar nicht kennt.

Und um Geschäfte geht's bei Trump sowieso auch immer, aber manche Experten halten das für gefährlich. Sie sagen dass spiele China in die Hände denn China hat in praktisch jedes Land der Welt einen Botschafter entsand und verfolgt auf diese Weise seine Interessen. Ja also zunächst mal wartet er darauf, Das gilt aber als Formsache.

Er selber rechnet damit, dass er noch in diesem Jahr im Amt sein wird und dann wird er sich vielleicht auch wieder stärker zu Wort melden. Momentan kann er, darf er quasi nichts sagen? Und so lange lernt der eben arabisch!

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