On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5
Auf einen Kaffee mit Sebastien Tausch (Saxophon, Lehrer) - Wieso machst du neben deinem Lehrerjob noch so viel Musik?
Montag, 11. August 2025 · 59 min
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Shownotes
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Sebastian Tausch ist, wie ich, Musiklehrer an einem Gymnasium. Nicht nur, dass wir zusammen studiert haben, sondern es verbindet uns noch einiges mehr. Er macht, genauso wie ich, nebenbei noch sehr sehr viel Musik und ist etliche Wochenenden im Jahr mit einer Profiband unterwegs. Wieso das so ist, wieso das vielleicht auch so sein MUSS und wie das geht, erfahrt ihr jetzt.
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Willkommen hier beim Blasmusik Podcast. Es gibt eine neue Folge und es ist seit langem mal wieder ein Thekengespräch. Was ist ein Thekengespräch? Ein sehr lockeres Gespräch, das zeitlich gar nicht so begrenzt ist, wie zum Beispiel auf einen Kaffee mit. Und bei meinem heutigen Gast handelt es sich um Sebastian Tausch.
Ich habe mit ihm Schulmusik studiert und wir kommen eigentlich tatsächlich auch aus der gleichen Ecke, haben uns aber erst im Studium kennengelernt. Und ich wollte mit ihm tatsächlich geplant als Kaffeegespräch darüber reden, warum er nebenbei als Lehrer noch so viel macht und wie das auch geht und warum das vielleicht auch nötig ist.
Und aus diesem kurzen Gespräch ist ein sehr langes Gespräch geworden. Und dann dachte ich, ich veröffentliche das einfach mal wieder als Thekengespräch, denn ich wollte den Fluss nicht einfach abbrechen und sagen, okay, jetzt sind wir fertig. Und ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß mit Sebastian Tausch hier beim Glasmusik-Podcast.
Wie trinkst du deinen Kaffee?
Ich musste selber lachen, als ich es gelesen habe. Denn ich trinke gar keinen Kaffee.
Okay, ich habe schon einige gehabt, die gesagt haben, sie trinken Kaffee.
Du hast befürchtet schon, dass die Antwort jetzt kommt. Ja, ja. Was trinkst du tief? Ach, Katze, geh doch mal weg. Ich trinke tatsächlich morgens einfach ganz langweilig Wasser. Und es war es schon. Und wenn ich dann mal unterm Tag, ich trinke auch unterm Tag eigentlich ziemlich viel Wasser, einfach nur.
Und ab und zu brauche ich dann mal was mit Geschmack und dann, keine Ahnung, Apfelschorle oder vielleicht auch mal ein Soft-Getränk wie Cola oder sowas. Aber das reicht mir dann den Tag über tatsächlich.
Ja. Okay. Ist ja keine Schande, wenn man keinen Kaffee trinkt.
Nee, soll so Leute geben, so ungewöhnliche, seltsame Leute.
Genau. Ich habe dich eingeladen, weil du ja auch Musiklehrer bist und wir uns aus dem Studium kennen. Obwohl wir ja lustigerweise aus dem gleichen Landkreis kommen und aber vorher nichts miteinander zu tun hat.
Wahnsinn, ne? Also tatsächlich war ich dir kein Begriff und du mir nicht. Und ja, man existierte wohl so nebenher. Genau. Ich weiß gar nicht, in welchem Musikverein du angefangen hast.
Ich habe in Rosbach tatsächlich angefangen, aber ich glaube, das liegt auch ein bisschen daran, dass ich mehr nach Aschaffenburg orientiert war als nach Miltenberg.
Ja, genau. Das war bei uns dann eher nicht so der Fall. Aber jetzt, ich meine, wenn du jetzt sagst Rosbach, dann kennt man einige Leute. Naja. So, und jetzt sind wir hier. Und jetzt sind wir hier und haben studiert und sind Lehrer geworden. Genau.
Wie hat es mit der Musik bei dir angefangen?
Ganz grob. Oh, angefangen. Oh, jetzt kommt so der typische Werdegang, glaube ich, eines jeden. Ich musste mit sieben Jahren Blockflöte lernen. Ich weiß nicht, ob das überhaupt jemand freiwillig machen möchte auf dieser Welt. Keine Ahnung. Das verweigert nicht. Aus Gewissensgründen.
Nee, ich habe verweigert, weil mein Bruder das schon gemacht hat und es klang einfach fürchterlich. Und ich habe gesagt, ich mach das nicht. Und das Lustige ist, dass die Grundschullehrerin damals, weil er ja älter ist, gleich zwei Blockflöten bestellt hat, weil sie wusste, der Kleine kommt ja auch noch und jetzt habe ich gar nicht gespielt.
Ja, Mist, das ist ja doof. Das ist doof gelaufen. Naja.
Naja, dann, ich war sieben, die Blockflöte wurde mir mal aufgezwungen und dann, ja, es war so, meine Eltern hatten eine Gastwirtschaft und in dieser Gastwirtschaft war oben drüber ein Saal und in diesem Saal hat zufälligerweise der örtliche Musikverein geprobt, also einer der beiden aus dem kleinen Kaff-Bürkstadt, wo ich herkomme, gibt es ja zwei.
Und einer hat da geprobt und dann war eigentlich klar, unser Bub muss da natürlich auch jemand mitmachen, das ist ja klar. Also Dorf, Vereinsleben und so ist ja super. Und dann war ja nur die Frage, Blockflöte, vielleicht nicht ganz so passend. Und dann wurde für mich die Klarinette gewählt. Ich glaube, das war ganz einfach deswegen, weil wahrscheinlich ein sehr gut befreundeter Musiker aus dem Musikverein meiner Eltern, der hatte tatsächlich eine Klarinette abzugeben und hat eine recht günstig hergegeben und dann war klar, okay, mit neun Jahren jetzt steige ich auf die Klarinette um.
Ja.
Und dann. Aber wie cool fandest du das? Also du, ich hab da keine Erinnerungen dran. Also entweder fand die so schlimm, dass ich es verdrängt habe. Nee, ich glaube nicht. Ich weiß nicht, ich glaube, ich habe mir mit neun darüber einfach null Gedanken gemacht. Das war einfach, du lernst jetzt mal Klarinette.
Und ich weiß aber, dass so die ersten zwei Jahre, ich glaube, das war gar nicht so leicht und toll. Das kam dann erst so mit 12, 13, als ich gemerkt habe, hey, wenn ich eigentlich gut übe, wenn ich mich immer vorbereite, dann ist der Lehrer ganz zufrieden, da gibt es ein positives Feedback und das fand ich irgendwie ganz cool.
Und dann ist es irgendwie so ein Selbstläufer geworden. Du übst jetzt, es macht Spaß, es ist irgendwie toll, du bekommst, wie gesagt, positives Feedback, cool, ne? Und dann ging es ja weiter, dann kam, wie alt war ich da? 14, dann habe ich mir noch, was heißt ich, ja genau, ich mit 14. Meine Eltern haben mir dann ein Altsaxophon gekauft, was ja mit Klarinette-Saxophon relativ nah beieinander liegt.
Das habe ich dann so nebenbei laufen gehabt, immer ein bisschen. Nicht wirklich Unterricht gehabt. Also mein Klarinettenlehrer hat mir natürlich immer ein bisschen da auch was gezeigt, aber das war jetzt nicht so konsequent verfolgt. Und dann hatte ich tatsächlich so mit 15 schon anscheinend den festen Wunsch, irgendwas mit Musik zu machen später mal.
Weil dann auch völlig klar war, und das habe ich mit 16 Jahren angefangen, du musst Klavier noch zusätzlich lernen. Und das ist ja ein absolutes Muss, was ja auch gut ist und was ja auch klar ist. Ja, und das kam dann dazu, als ich 16 war, und dann war es irgendwie drauf ausgerichtet, Studium Musik, irgendwas in die Richtung willst du machen.
Also üben, üben, üben, neuen Klarinettenlehrer bekommen, Solo-Klarinettist in Mannheim damals. Okay. Im Klavierunterricht ziemlich viel gemacht oder ziemlich viel geübt auch. Dann ging einige Stunden pro Tag halt. Ich meine, was erzähle ich dir das? Dann waren halt einige Stunden pro Tag weg einfach.
Also natürlich für eine gute Sache, es hat ja Spaß gemacht, aber ja, so war dann der Werdegang erstmal. Und es war jetzt nicht unbedingt darauf angelegt, dass ich Lehramt studieren möchte.
Okay. Da kommen wir gleich noch dazu. Ich würde gerne noch ein bisschen vorne bleiben. Du bist ja jetzt quasi dann mit einem Blasorchester einerseits groß geworden. Was war die Musik, die du gehört hast?
Wow, das war ein wilder Mix, weil ich da alles mitgenommen habe, was irgendwie in meiner Jugend um mich herumschwirrte. Also ich sag mal aus frühester Kindheit von meinem Vater her ein bisschen geprägt, der eher, ich will jetzt nicht sagen, volksmusikalisch unterwegs war, aber da schon ein bisschen so angehaucht war, da habe ich als Jugendlicher die Zillertaler Schützenjäger geliebt und kennengelernt.
Hey, mit Teilen das gleiche Schicksal bei mir. Bei mir kamen Zillertaler Schützenjäger und Kastelruderspratzen.
Na komm, ey.
Ja, also die volle Bandbreite mitgenommen.
Hey, und was habe ich das abgefeiert mit neun und zehn und elf Jahren? Wahnsinn. Ja gut, dann spielst du Klarinette, dann hörst du dir natürlich auch was an, was auf deinem Instrument so möglich ist und gemacht wird. Da habe ich mich aber eigentlich nur auf klassische Musik so beschränkt, weil ja klar war, irgendwie darauf läuft es ein bisschen hinaus.
Also so die typischen Dinge halt Mozart, Klarinettkonzert, bla bla bla und auch generell einiges an Klassik gehört. Was auch ein bisschen durch den Musikunterricht kam, durch meine Musiklehrerinnen, durch beide. Ich hatte, hat, nee, ich hatte sogar drei in meiner Schullaufbahn. Da habe ich auch klassische Musik kennengelernt, die ich auch kennen und lieben gelernt habe tatsächlich.
Naja, und dann wirst du ja irgendwann in so eine Klasse von pubertierenden Jungs reingesteckt und bist derselbe einer und dann kommt natürlich irgendwann mal andere Musik dazu. Und bei uns war halt, als ich in der 7., 8. war, da haben eigentlich alle, bis auf ganz wenige Ausnahmen, Hip-Hop gehört. Habe ich dann auch voll mitgemacht, also war volle Kanne dabei, so alte Sachen, DMX, Tupac tatsächlich noch, Notorious BIG, Wu Tang Clan, also solche Dinge, die kennt man ja wahrscheinlich aus unserer Karte.
Eminem, so die Anfänge.
Ja, stimmt tatsächlich auch, genau. Und dann gab es so eine Zeit plötzlich, wo ich, da kam so eine TV-Show, die Osborns ins Fernsehen auf MTV, wo es natürlich um Ossie Osborne geht. Und dann war klar, ich muss mir auch mal was anhören, was der Typ überhaupt für Musik macht. Und das war dann so das Tor, was mir die Welt des Rock und Metal geöffnet hat.
Und von da an, ich glaube, ich war Feuer und Flamme absolut dafür. Also das waren jetzt Jahre, wo ich absolut die Musik gehört habe. Also, das war auch, ich meine, ich will ja nicht vorgreifen, Studium jetzt, was das angeht, aber auch da eigentlich kannte mich jeder nur, der hört so hartes Geschrubb irgendwie.
Ja, und das kam auch dazu. Und ja, das waren so die jugendlichen Musikanfänge, Musikverein, auch wenn ich da mitgespielt habe, symphonische Blasmusik habe ich mir noch angehört. Das fand ich tatsächlich interessant. Was ich erst später wieder liebend gelernt habe, war die böhmische Blasmusik. Die habe ich als Jugendlicher jetzt, weißt du, ganz ehrlich, das war einfach nicht mein Interessensgebiet.
Ja, ja. Das war auch zu unserer Zeit eher uncool.
Ja.
Muss man echt sagen, was jetzt, glaube ich, ein bisschen etablierter ist, war damals uncool. Einfach, also muss man ganz klar sagen. Das war zu unserer Zeit im Musikfreien-Spiel, war eher so.
Genau, und ich meine, es war ja auch die Zeit, ich glaube, das muss man auch mal so sehen. Das waren, glaube ich, auch die Zeit, wo viele jüngere Dirigenten versucht haben, einfach da mal ein bisschen Bewegung reinzubringen und das Orchester voranzubringen. Und dann versuchst du das natürlich über symphonische Blasmusik und über Wettbewerbe, die du da spielen kannst, und dann muss das andere Geschäft halt nebenher laufen.
Genau.
Wenn du jetzt Lehrer bist und an deine Schulzeit immer zurückdenkst, welchen Stellenwert hat der Musikunterricht da gehabt?
Oh, den höchsten Stellenwert überhaupt. Also wenig hat mir so viel bedeutet wie Musik und der Musikunterricht. Um es genau runterzubrechen, es gab noch einfach, was das hat aber gedauert, so ab der 9., 10. Klasse tatsächlich noch einen hohen Stellenwert hatte, das war Englisch, weil wir da einen Lehrer hatten, der mich sehr gepusht hat und sehr gefordert hat.
Irgendwie, das fand ich cool. Aber Musikunterricht war wahnsinnig, wahnsinnig wichtig. Die damalige Musiklehrerin, die ich hatte, die hat auch einfach wahnsinnig viel gemacht. Also das waren alle zwei Jahre Musical auf die Beine gestellt und dann zusätzlich zu den anderen Konzerten auch noch. Also unfassbar und das hat mich natürlich total getriggert und Spaß gemacht.
Also ganz klasse.
Auch da glaube ich, teilweise so ein bisschen was, weil ich war auch auf einer Schule, wo wir einen sehr, sehr engagierten Musiklehrer hatten. Wir haben zu meiner Schulzeit in der Schule ein Musical gemacht und er hat privat nochmal mit seinen Chören und ehemaligen auch nochmal ein Musical auf die Beine gestellt.
Und aus der ehemaligen Zeit ist ja auch ein Musiker rausgekommen, mit dem du jetzt ganz viel spielst, nämlich mit dem Didi. Ja. Ist das so? Ja, tatsächlich. Ich habe bei der Verabschiedung unseres Musiklehrers war der Didi auch da und hat, also Didi Beck von Bobin B hat Bass gespielt und hat auch noch eine Mini-Laudatio im Kolossal in Aschaffenburg gehalten, dass er, glaube ich, ohne die Musiklehrer auch nicht da wäre.
Wo er jetzt ist, quasi. Also die Musiklehrer scheinen ja doch für manche eine sehr wichtige Rolle gespielt zu haben.
Ja, und ich hoffe, dass das auch heute noch irgendwie so ist. Ich hoffe es für uns.
Ja, ja, genau. So, also wir haben zwei, also jeweils sehr engagierte Musiklehrer gehabt, die viel, viel bewegt haben. Dann bist du zum Studium gegangen, hast klassische Klarinette studiert, bist Lehrer geworden und hast dich danach nochmal intensiv ins Saxophon gestürzt.
Ja, das hat aber echt gedauert. Also das weißt du ja selber, die ersten Jahre, wenn man erstmal, wenn kein Land in Sicht ist. Du hast das Ref, gut, darüber braucht man gar nicht reden, was das angeht. Also ich rede gern darüber, aber was das angeht, braucht man nicht drüber reden. Und dann kommst du plötzlich, dann kriegst du hoffentlich eine Stelle irgendwo, wie auch immer.
Und dann hast du halt mal 27 Wochenstunden. Sorry, für die normal arbeitende Bevölkerung, das klingt für euch wenig, ich weiß, aber es ist ja nicht nur das. Und dann hast du 27 Wochenstunden und denkst dir erstmal, wann soll ich das alles vorbereiten? Wann soll ich, wo soll ich das ganze Material herkriegen, wie soll ich das jetzt überhaupt alles machen?
Keine Ahnung. Und dann war ich erstmal damit natürlich gefordert und gefangen. Und ich hatte ja eine, meine erste Stelle war in der Nähe von Bamberg und da hatte ich auch einen sehr engagierten Kollegen, ein sehr guter Freund auch mittlerweile von mir. Und wir haben auch an der Schule viel auf die Beine gestellt.
Also wir haben da auch gleich mal, da war ich vielleicht das zweite oder ja, das zweite oder dritte Jahr da, da haben wir auch gleich mal ein Musical auf die Beine gestellt. Und da waren einfach die Energien woanders noch gebündelt. Ich habe dann nebenher hatte ich schon immer seit Schulzeiten eine Band, wo ich Saxophon gespielt habe.
Was war das für eine Band? Nichtsdestotrotz, das war eine Scar-Band, wenn man Namen erwähnen darf. Du darfst ja alles machen. Name Dropping. Die Tequila Terminators aus unserem schönen Landkreis Miltenberg. Ich habe aber nie viel jetzt auf dem Saxophon geübt. Die Klarinette war nach wie vor das Hauptding.
Und dann kam eben die Zeit in Bamberg und da hatte ich schon mal, weil ich was gelesen hatte bei Facebook in irgendeiner Gruppe, da sucht eine Rockabilly-Band aus Nürnberg und Saxophon und dann dachte ich, naja komm, das probierst du einfach mal aus. Und auch da würde ich sagen, habe ich verhältnismäßig noch schlecht gespielt.
Also was auch immer schlecht heißt. Aber halt nicht so, wie man jetzt denken würde, dass man einfach spielen sollte.
Vielleicht noch zu klassisch. Vielleicht können wir es ja so verbinden.
Ja, eben so von der Stilistik, her. Richtig, stilistisch völlig daneben. Ich meine, ich war ja, was das Spielen angeht, Klassiker durch und durch und so geprägt. Also da war eigentlich nichts anderes da erstmal, wo man aufbauen kann. Auch wenn ich immer Big Band gespielt habe, aber das hat mir hier nur bedingt geholfen, vielleicht.
Naja, und als ich dann das Saxophone, das ging dann eigentlich kurz vor Corona eigentlich. Oh, das böse Wort. Das ging kurz vor Corona los, wo ich gedacht habe, hey, du könntest eigentlich mal auf dem Gerät auch mal wieder was machen. Und was mich richtig, richtig gefuxt hat, ich glaube, die Problematik hattest du jetzt nie, weil du, glaube ich, stilistisch eigentlich immer echt breit aufgestellt warst.
Also das ist mal ein Eindruck von dir so. Und dann habe ich aber gedacht, hey, du hast Musik studiert, du spielst seit Ewigkeiten, Saxophon und Klarinette. Und jetzt legt dir jemanden Jazzstandard hin und du spielst einfach scheiße. Also du spielst einfach richtig schlecht und hast keinen Plan, was du machst.
Das kann doch gar nicht sein. Und dann dachte ich, jetzt nimmst du mal Unterricht und jetzt kriegst du das mal auf die Reihe. Und dann kam halt die Corona-Zeit, in der man ja bedingt dadurch, dass man zu Hause war, mehr Zeit hatte. Und da habe ich mich halt übel reingestresst. Also da war halt, also nicht gestresst im Sinne von, fand ich es negativ, ich fand es mega geil.
Ich habe halt dann jeden Tag wieder mehrere Stunden geübt einfach. Und das hat tatsächlich gefruchtet und hat geholfen und hat dazu geführt, dass ich dann jetzt mittlerweile einiges machen kann, konnte, was davor gar nicht möglich gewesen wäre.
Also man muss das ja so ein bisschen einordnen, du bist ja mittlerweile in zwei großen Bands fest dabei, Bobin Bee und Phil Collins. Also Bobin Bee, so die Rockabilly-Band Deutschlands, würde ich jetzt mal so. Muss man so sagen, ja. Genau. Und Phil Collins, eine richtig gute Phil Collins Coverband. Ganz genau, ja.
So, und die haben beide zusammen ja jetzt nicht wenig Gigs. Ja.
Da hast du nicht Unrecht, ja.
Bist du insonsternem Projekt?
Nee, also ich hatte, ich war jetzt die letzten paar Jahre noch in der Big Band dabei. Da waren jetzt nicht viele Auftritte das Jahr über verteilt. Ich hatte auch noch so ein bisschen ein Projekt am Laufen mit einem DJ zusammen. Das waren dann, naja, eher so Hochzeitsgeschichten oder sowas oder so Partygeschichten.
Das habe ich aber jetzt beides sein lassen. Eben weil bei den anderen Bands ziemlich viel los ist. Ja, gut, wahrscheinlich interessiert dich aber dahingehend auch noch, wie man das dann unter einen Hut bringt mit den vielen Gigs. Also das wäre eine Frage.
Wie schafft man das nebenbei?
Das schafft man nur, wenn man das Glück hat, dass in der einen Band, die mega viele Termine hat, also die eigentlich jedes Wochenende spielt, wenn da so eine Regelung getroffen wird, aufgrund der Geschichte, die hinten dran steht, dass man sich mit drei Schrägstrich vier anderen, nee, mit drei anderen Saxophonisten den Posten teilen kann.
Okay.
Also da ist es wirklich so, der eigentliche Saxophonist, der Frank bei Bobby jetzt, um es mal genau zu machen, der hatte während Corona halt, sag ich mal, ein bisschen finanziell auch Schiss bekommen, weil, ja, verständlich, es gab ja nichts mehr zu spielen. Und hatte davor auch schon mal so ein bisschen den Gedanken gefasst, mal wieder in einen, ich nenne es jetzt mal, normalen Job zurückzukehren.
Also auch Musiker ist ein normaler Job, das ist klar. Aber einer, der jetzt nicht davon abhängig ist, dass man auftreten kann. Und dann hatten die eben andere jemand anderen gesucht, hatten auch jemanden gefunden, Sven Garecht, super toller Saxophonist, super Musiker, Wahnsinnsmusiker, der aber mittlerweile mit seinem Kabarettprogramm unfassbar erfolgreich ist und da ganz viel unterwegs ist.
Dann musste noch jemand her, der quasi ihn noch Business Source supportet. Dann kam eben noch jemand dazu. Und der wiederum hat auch einen Beruf, ist Braumeister. Vielleicht nicht der schlechteste Beruf, ich weiß es nicht. Und dann haben sie festgestellt, ja, das wird dann doch manchmal eng, weil es halt so ist, die nehmen einfach, also das macht der Golo, unser Gitarrist, der ist jetzt erstmal für das Booking zuständig, der nimmt einfach jeden Gig, den es gibt, an.
Und dann wird im Hinter, wird im Nachhinein quasi bekannt gegeben, okay, da gibt es ihnen den Gig, tragt euch bitte ein. Und das funktioniert jetzt so, dass wir alle Gigs abdecken können. Und es funktioniert auch so, dass ich meinen Lehrberuf machen kann und eben nicht jedes Wochenende da spielen muss.
Jetzt kommt natürlich noch die andere Band ins Spiel. Aber da sind es jetzt nicht übermäßig krass viele Termine, wo man, wo wirklich jedes Wochenende was steht. Also das ist, ja, da kann es schon zwei, dreimal im Monat sein, aber es kann auch mal sein, dass ein Monat nichts ist.
Also man muss natürlich auch sagen, du kannst ja dann auch nur am Wochenende. Also du kannst ja nicht mittwochs irgendwo, also außer dass es fahrbar noch für dich. Aber wenn jetzt Hamburg ansteht, kannst du ja nicht mittwochs nach Hamburg fahren und donnerstags unterrichten.
Genau, dann bin ich raus. Das habe ich auch von Anfang an so kommuniziert. Das ist jetzt zum Beispiel bei viel Collins gar nicht der Fall, weil da ja auch alle anderen einen festen Job haben und die können das ja auch nicht machen. Die können natürlich mal Urlaub nehmen, aber das will man ja auch nicht ständig machen.
Und bei Bob Bee halten sich die unter der Woche Termine auch echt in Grenzen, aber kann ich natürlich nicht machen. Also da gibt es teilweise Termine, wo man dann früh um oder vormittags um 10 losfahren muss oder um 11. Und ja, also selbst wenn das funktionieren würde, wie du gesagt hast, aus Hamburg nachts heimfahren, dann frühest um 8 in der Schule stehen.
Das machst du vielleicht einmal, aber dann war es das.
Genau. Kann man ja Video gucken. Nein. Spaß.
Es macht niemand von uns.
Nein. Nie. Also das eine ist ja, wie kriege ich das unter einen Hut? Wie viele Termine sind es dann so im Jahr?
Grob. Bei mir jetzt oder Pro-Band?
Nee, bei dir.
Du fragst mich Sachen, hey. Hätte ich das gewusst, da hätte ich mich immer drauf vorbereitet. Ganz ehrlich. Also es war letztes Jahr, letztes Jahr war es echt viel in der ersten Jahreshälfte. Also da habe ich, ich will ja nicht lügen, aber ich sag mal, die meisten Wochenenden gespielt.
Okay.
Und da tatsächlich auch oft Freitag, Samstag. Und dann war in der zweiten Jahreshälfte weniger los. Da hatte ich dann auch mal, was war das? Ich glaube September oder Oktober hatte ich einfach mal gar nichts. Das war dann total strange so, ne? Du hast einen halben Jahr lang, wo du voll reinballerst und jedes Wochenende fast spielst und dann ist so ein Monat gar nichts, das ist auch wieder seltsam irgendwie.
Die zweite Frage ist: du machst das ja nicht fürs Geld. Als Lehrer verdient man ja gerecht ordentlich. Also man könnte auch bedeutend weniger spielen, sagen wir mal so, wenn es nur darum ging. Und man würde es auch noch gut lieben. Warum machst du das?
Eine ausgezeichnete Frage, aber das wusstest du schon. Ja. Warum mache ich das? Das ist ja genau das Ding. Wahrscheinlich wird es dir genauso gehen. Warum machst du so viel? Also, wenn man jetzt sagt, du machst so viel nebenbei, klingt es ja so, als würdest du da nicht ordentlich deinen Haupthofen machen.
Das ist bei jedem von uns. Also den Haupthofen machen wir alle ordentlich. Das will ich hier mal feststellen an der Stelle. Jetzt habe ich den Faden verloren.
Warum du das machst?
Achso, warum ich das mache, ja, da sind wir wieder. Wieder online. Warum ich das mache, du bist ja immer so ein bisschen im Zwiespalt als Musiklehrer speziell jetzt. Das mag vielleicht auch anderen so gehen, Sportlehrer oder so. Das kann ich mir auch vorstellen, oder Kunstlehrer. Aber du weißt, so wie es ist.
Wir haben vier, fünf Jahre Musik studiert. Wir haben davor stundenlang als Jugendlicher unser Instrument geübt. Wir haben im Studium stundenlang unser Hauptinstrument geübt, alles andere vielleicht nicht so sehr, was vielleicht auch gut gewesen wäre. Aber weißt du, du übst und übst und übst und eigentlich ist dein Leben, also ich will es mal so drastisch formulieren, dein Leben ist darauf ausgelegt, dass du Musiker bist und Musik spielst.
Und dann kommst du in die Schule und also jetzt nicht falsch verstehen, mein Beruf macht mir total Spaß, aber du gehst in die Schule und stellst fest, das hast du ja hier gar nicht. Du bist jetzt hier, du unterrichtest Kinder, du bringst denen musiktheoretische Sachen bei, du bringst denen auch musikpraktische Sachen bei, im Idealfall das relativ oft, wenn es funktioniert.
Aber dass du als Musiker das ausleben kannst, was du eigentlich gemacht hast, jahrzehntelang vielleicht sogar, das kommt ja gar nicht vor. Und dann hat es, ja, da hat mich einfach so die Sehnsucht, das Verlangen danach gepackt, ich muss Musik machen. Also ich kann nicht einfach nur unterrichten. Ich will ja auch irgendwie Musiker sein.
Und ja, und dann war klar, ich muss das irgendwie auf die Reihe kriegen.
Wie findet deine Schulleitung, dass du so viel weg bist am Wochenende oder ist es denen egal?
Nee, also ich glaube, meine Schulleiterin hat einen ziemlich guten Überblick darüber, wie viel ich spiele. Ich meine, ich mache das ja auch ziemlich publik. Ich werbe ja ständig damit, man kann es eigentlich überall sehen, weil ich jeden damit vollspamme und so. Insofern würde es mich wundern, wenn sie das nicht mitkriegen würde.
Also wenn sie will, kann sie das ja jederzeit verfolgen. Und ich habe da bisher nie was Negatives gehört. Im Gegenteil, da hat sie absolut Verständnis dafür und weiß ja, dass man als Musiker auch, also als Musiklehrer auch Musiker sein will. Und ich habe es mal so formuliert bei ihr und das hat sie auch, glaube ich, so verstanden.
Ich habe gesagt, wenn ich jetzt von so einem Wochenende heimkomme, dann ist es absolut nicht so, dass ich Sonntagabend zu Hause bin und mir denke, boah, aber das ist jetzt anstrengend und schlimm und wie soll ich das morgen machen? Sondern das Gegenteil ist der Fall. Das ist so, dass ich heimkomme und sage, boah, das hat mir jetzt echt Energie gegeben.
Ich habe jetzt echt Bock auf die Woche. Das ist cool, das packe ich jetzt alles wieder. Also das eine geht nicht ohne das andere. Und ich glaube, das hat sie verstanden und deswegen habe ich da bisher jetzt, bisher, bislang, und ich hoffe, dass es so bleibt, nichts Negatives gehört und keinerlei Probleme gekriegt.
Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir geht das ähnlich, auch wenn man körperlich so ein bisschen abends durch ist, sonntags, weil es ja trotzdem anstrengend ist. Aber so dieses mentale Aufgeladensein und wie du schon sagst, wir sind ja nicht ohne Grundmusiklehrer geworden. Also, weil wir halt Musik machen wollen und nicht nur.
Weil ich habe immer gesagt, ich will nicht irgendwann so ein Märchenonkel sein. Ich weiß, wie das mal früher war. Sondern ich will, dass, solange das geht, noch irgendwie viel spielen. Das wird jetzt bei mir tatsächlich auch dieses Jahr wieder ein bisschen mehr. Und ich brauch das. Wie machst du das mit dem Üben?
Du musst ja auch. Oder langt dir einfach das Wochenendspielen?
Das ist tatsächlich echt mittlerweile auch problematischer geworden, das zeitlich unterzukriegen. Also ich sag mal so, mittlerweile beschränkt sich das Üben eher darauf, das Niveau zu halten. Eigentlich würde ich natürlich so gerne so viel üben, dass man wieder ein Stück vorankommt. Das ist momentan echt schwierig.
Und da muss mir eigentlich unter der Woche das rudimentäre Üben, sage ich mal, ausreichen und dann halt am Wochenende spielen. Das bringt natürlich auch viel. Also das merkt man, wenn man viel spielt, steht man, keine Ahnung, was einen Ansatz geht und so, ja auch ziemlich im Saft und auch ansonsten einiges.
Aber ja, das Vorankommen, das fehlt mir tatsächlich ein bisschen. Das leidet momentan echt, aber da muss man auch einfach so viel Zeit investieren, wie momentan einfach nicht da ist.
Wissen deine Schüler, was du tust, nebenbei?
Ich hoffe nicht. Doch, also ich frage mich tatsächlich manchmal, was sie wissen, wie viel sie wissen, ob sie es überhaupt interessiert und wie sie das finden. Ich stelle bei den Oberstufenschülern schon fest, dass viele das wissen und das auch in gewisser Weise, wie soll ich das ausdrücken, respektieren, ist irgendwie das falsche Wort, aber gut finden.
Also ein Musiklehrer, der selber auch musiziert, ich meine, authentischer geht es ja nicht. Also ich kann mich ja nicht da hinstellen und sagen, ja, Musik funktioniert so und so und bla bla, aber dann denken die, woher will der das wissen? Der macht doch gar keine Musik. Also das wissen zumindest die in der Oberstufe, in der Unterstufe, ja gut, ich meine, was sollen Fünfglässser jetzt interessieren, was Bobin B ist jetzt mal gut gesagt, oder viel Collins, ne?
Die hängen sich da nicht rein und da werde ich jetzt auch nicht irgendwie ausspioniert, was ich da so mache. Manchmal taucht was auf, so ein, wie soll ich es nennen, so ein kleines Spaßprojekt, was ich mal mit einem anderen befreundeten Musiklehrer angegangen habe. Das taucht ab und zu mal auf, dass es heißt, sie haben einen YouTube-Kanal.
Und dann sage ich, nee, äh, hab ich nicht, keine Ahnung, was du meinst. Ja, das war halt so ein bisschen eine Ulk-Nummer, die vielleicht noch nicht gestorben ist, aber das taucht immer regelmäßig auf, aber dass mal jemand sagt, ja, sie spielen ja bei Bob Bee, das kennen die ja gar nicht. Also da sind die ja viel zu weit weg.
Wie würdest du sagen, hat sich dein Musikunterricht verändert zu der Zeit, seitdem du ja zu viel Musik machst? Zu davor, wo du quasi aus dem Studium kamst, natürlich versucht hast, so ein bisschen erstmal zu überleben, wie das normal ist, aber es gab ja dann trotzdem auch schon die Zeit.
Ja, also verändert, hoffe ich jetzt zumindest qualitativ nicht. Das nehme ich auch mal an, dass es so ist. Man versucht aber natürlich gezielt immer wieder auf Dinge zurückzugreifen, die man schon mal gemacht hat oder die bekannt sind oder die man vorbereitet hat irgendwie. Jetzt gab es bei uns halt in Bayern gerade einen neuen Lehrplan, also der Lehrplan Plus, der ist jetzt hochgewachsen bis nächstes Jahr in die 13.
Klasse. Die gibt es ja jetzt ab nächstem Schuljahr bei uns auch wieder. Und da sind einige Dinge dabei, die ich selber noch nie behandelt habe im Unterricht. Teilweise auch zum Beispiel ist jetzt ein Kapitel drin, das sich da nennt Musik und Technik in der Oberstufe.
KI oder was?
Ja, zum Beispiel, das ist ein Thema. KI ist ein Thema oder auch ganz einfaches Arbeiten mit irgendwelchen DAWs oder so. Sowas tatsächlich, wird ein bisschen thematisiert. Da habe ich jetzt im Unterricht ja auch noch nie viel zu gemacht. Und ja, dann gibt es mal immer so vereinzelte Themen, die mal drankommen, von denen man vielleicht noch nie was gehört hat.
Also ich hatte damals jetzt, ich oute mich mal, was soll's, ne? Also ich hatte auch damals noch nie was von Avo Perzt-Tint-Dinaboli-Stil gehört. Und dann steht es im Schulbuch drin und dann denkst du dir, okay, keine Ahnung, bereite ich mal vor. Das hatten wir im Studio. Das sind jetzt einige Dinge.
Ich hatte das kurz vorm Examen, weil das nämlich dann lustigerweise drankam. Aber bis dato habe ich weder von ihm noch von diesem Stil irgendwas gehört.
Also, wo habt ihr es gemacht? Tonsarz oder wie?
Ja, wahrscheinlich.
Da muss ich gefehlt haben mal, glaube ich, diese eine Stunde.
Naja, aber also ja.
Nee, also wie gesagt, man versucht natürlich schon Dinge, die man mal gemacht hat, die passend sind, aufzugreifen. Das ist ja auch klar. Ich glaube, jeder Lehrer, der sagt, er macht ständig seinen Unterricht neu, der lügt und es ist ja auch irgendwie Quatsch. Also warum solltest du, wenn du etwas gut vorbereitet hast und es einfach sich an der Materie nichts ändert, warum solltest du dann ständig da neu was dran rumbasteln?
Also da muss man, glaube ich, auch mal ganz ehrlich sein. Ich glaube, dass ich meinen Musikunterricht aber und das ist vielleicht, ich weiß nicht, womit es zusammenhängt. Das könnte auch natürlich ganz andere Gründe haben, aber ich bin in letzter Zeit dazu geneigt, leider, was ja eigentlich mehr sein sollte, weniger praktische Sachen zu machen tatsächlich.
Kann ich verstehen. Geht mir manchmal eigentlich, also bei uns ist das ein bisschen anders, weil wir die ersten drei Jahre Profilklassen haben, also Blaserglasse, Gesangsklasse oder Streichlasse. Das heißt, ich muss ja mit denen spielen. Aber so Mittel- und Oberstufe mache ich tatsächlich auch weniger, würde ich behaupten.
Ja, ja. Ja, ich meine, das ist auch, glaube ich, bedingt durch den Stoff, der da halt dran kommt. Da ist es natürlich komplizierter. Also wenn ich da teilweise lese im Schulbuch, da ist ein vierstimmiger Chorsatz und dann steht als Aufgabe, singen sie den Chorsatz mit Ihrem Kurs. Dann denke ich mir, boah, wenn ihr solche Kurse habt, hey, geil, freue ich mich für euch, aber da müsste ich jetzt erstmal monatelang üben mit denen.
Wie nimmst du denn deine Schülerschaft jetzt wahr? Du bist ja jetzt auch schon zehn Jahre dabei. Ja, ganz genau. Da kann man ja schon mal sagen, was sich in den letzten zehn Jahren geändert hat.
Oder auch nicht.
Oh, geändert. Geändert.
Also du meinst es an der Schülerschaft?
unknown Ja.
Also erstens mal muss ich sagen, jetzt ohne schleimen zu wollen, ich hatte das Glück, an zwei Schulen zu sein, wo die Schülerschaft wirklich extrem nett und zugänglich ist. Das muss man wirklich sagen. Es gibt wenige Schüler, mit denen es überhaupt bei mir jetzt Probleme gibt. Also Probleme könnte ich ja gar nicht sagen.
Oder irgendwelche Querelen oder irgendwelche Auseinandersetzungen. Das ist echt sehr, sehr, sehr selten. Also ich habe wirklich nette Schülerschaft. Und das, ja, das war an beiden Schulen so. Ja, vielleicht liegt es an dir. Was ich, ja, also manchmal, manchmal hoffe ich ja doch, dass es so ist, wenn man zu Leuten nett ist, dass es auch so zurückkommt.
Also es wäre schön, wenn es auf dieser Welt generell so liefe. Was aber sich definitiv verändert hat, und da können jetzt die Kids an sich nichts dafür, zumindest sehe ich das so, ist einfach, dass es furchtbar schwierig geworden ist, aufmerksam zu sein. Es ist furchtbar schwierig geworden, sich eine Minute lang ein Musikstück anzuhören.
Und es ist furchtbar, furchtbar schwierig geworden, an der Sache diszipliniert dran zu bleiben. Das meine ich jetzt in Bezug auf tatsächlich ein Instrument zu erlernen. Also jetzt mal blöd gesagt, ich übertreibe jetzt ganz gezielt. Da gibt es dann Schüler und Schülerinnen, die vielleicht zwei Jahre ein Instrument spielen und dann glauben, sie können ja jetzt aufhören, weil sie schon ja alles jetzt können.
Also sie haben jetzt mal zwei Jahre auch was gemacht und dann kann man doch jetzt das Instrument. Ja, wir brauchen ja nicht noch mehr machen. Ja, habe ich. Haben wir beide wohl falsch gemacht. Und das sind so drei Sachen, das fällt schon extrem auf. Und gut, das mit der Aufmerksamkeit, da müssen wir jetzt nicht lang überlegen, wo das herkommt.
Also ist klar, ich finde es nur schlimm, weil ich zumindest versuche, im Musikunterricht die Regel zu etablieren, wenn wir Musik hören, dann hören wir die konzentriert und konzentrieren uns wirklich mal auf die Musik, weil Musik viel, viel, viel zu oft einfach nur Nebengeräusche in unserer Welt ist. Genau.
Und jetzt sind wir im Musikunterricht und hören konzentriert hin. Wir versuchen mal etwas wahrzunehmen. Und es gibt ja auch immer Arbeitsaufträge dazu. Es ist ja nicht so, dass ich jetzt sage, wir hören jetzt einfach mal nur dahin. Und es ist Wahnsinn, also wenn es mal eine Klasse schafft, 30 Sekunden zu hören, ohne dass jemand was sagt, das ist eine Seltenheit.
Und ich erlebe zumindest, dass es früher nicht so war.
Ja. Ich habe auch das Gefühl, dass dieses Musikhören halt tatsächlich nicht mehr stattfindet, weil halt sofort, wenn sie die Schule verlassen, der Stöpsel reinkommt und dann wird halt irgendwas berieseln lassen, damit nicht so viel Stille da ist, glaube ich. Also ich glaube, dieses Bewussthören, wie wir es früher gemacht haben, ist es nicht mehr.
Oft, also ja, genau. Ja klar, oft, also natürlich gibt es immer Ausnahmen, das wissen wir. Und es ist auch gut so, dass es die gibt. Aber ja, es ist ja auch ganz einfach zu erklären, denke ich mal. Also nichts ist einfach zu erklären, aber ich erkläre es mir einfach so. Man muss ja mal überlegen, wie das bei uns damals war.
Damals, 1734 in Transsylvanien. Ja, wir glauben ja auch nicht. Ah, schon. Soweit ist es jetzt schon. So weit ist es. Naja, also ich meine, bei mir lief es so, ich bin mit Kumpels in ein örtliches CD-Geschäft da in Miltenberg, da gab es ein größeres CD-Geschäft. Und dann haben wir halt vorher ausgemacht, wer sich von unserem Taschengeld welche CD kauft.
Und dann hatten wir für den Monat halt mal, was weiß ich, vier CDs zur Verfügung. Die sind dann mal rumgereicht worden. Und dann hast du die aber auch angehört. Also im Sinne von intensiv angehört, Texte mitgelesen, genau hingehört, du wusstest genau, welches Instrument wo einsetzt, was jetzt genau passiert.
Du hast dich echt auf die Musik einfach eingelassen, konzentriert, weil du halt auch einfach nur da gesessen warst und einfach nur Musik gehört hast. Du hast ja nicht nebenbei noch am Handy gedattelt oder Netflix laufen gehabt. Du hast einfach nur kaum vorstellbar Musik gehört. Einfach nur das. Und jetzt mittlerweile, und da geht es mir selbst auch so, also das ist für mich, ich finde es eigentlich total traurig, dass es mittlerweile bei mir selbst so ist.
Durch die Streaming-Dienste, da ist ja jetzt egal, welcher es ist und wie sie heißen, es prasselt so eine Masse auf die jungen Leute ein, und dann hörst du ja gar nicht mehr irgendwas speziell, sondern du kriegst irgendwie alles mit, aber dich mal konzentriert mit was befassen, das kann ja gar nicht mehr stattfinden, weil die Auswahl, die du jeden Tag bekommst, ist ja unglaublich groß.
Also und ich weiß ja selber mittlerweile gar nicht mehr, wenn ich ins Auto einsteige oder irgendwie mal Musik höre, was soll ich mir jetzt überhaupt noch anhören? Also selbst die alten Sachen, die ich immer gern gehört habe, ja, auch das findet nicht mehr so statt einfach.
Da passt eigentlich meine Frage nicht normalerweise als erste Stelle ganz gut. Welches Stück hast du dir als letztes bewusst angehört?
Als letztes bewusst, äh, huh. Siehst du? Jetzt muss ich selber mal überlegen. Oh, na gut, tatsächlich war es, das ist aber jetzt eigentlich fast schon untypisch, würde ich sagen, auch wenn ich natürlich einiges übe. Das war von Dexter Gordon Cheesecake. Also ich sag mal sein Paradestück, wenn man es mal so nennen will, weil ich das gerade im Saxophonunterricht selber geübt habe.
Deswegen habe ich mir das tatsächlich intensiv angehört, ja.
Du hast nur Saxophonunterricht. Ja, ja.
Bei wem? Ja. Daniel Guggenheim heißt der gute Mann.
Den kenne ich gar nicht.
Ja, der lebt in Maintal, ist ein Schweizer Saxophonist, der lebt aber schon lange, lange, lange in der Nähe von Frankfurt, also Maintal eben. Und spielt da auch in der Gegend recht viel. Jetzt in letzter Zeit nicht mehr so viel, weil es in gesundheitlich gerade, also gesundheitlich körperlich jetzt nichts anderes, gerade nicht so ganz gut geht, aber ja, bei dem habe ich Unterricht alle zwei Wochen.
Ich habe auch mal ab und zu Input noch woanders gesucht, zum Beispiel beim Steffen Weber von der HR Big Band, weil ich glaube, es schadet nicht, ab und zu mal noch hier und da was mitzunehmen. Also das ist ja nicht schlecht oder schließt sich ja nicht aus, bei zwei verschiedenen Lehrern was zu lernen.
Verrückt.
Ja.
Ich glaube meine Schüler auch immer nett, wenn ich sage, ich fahre jetzt zum Saxophonunterricht. Ja, wie viele Schüler haben Sie denn? Nee, ich nehme jetzt Saxophonunterricht. Was? Wieso haben Sie noch Unterricht? Ah ja. Weil die Reise eigentlich nie zu Ende ist.
Weil du in diesen zwei Jahren, wo du es gelernt hast, nicht alles gelernt hast.
Ja, genau, da habe ich nicht intensiv genug zugehört oder sowas.
Wie geht es dir mit damit oder andersherum? Also ich tue mir mittlerweile schwer, gerade auch weil es natürlich so eine Fülle an Musik mittlerweile gibt, am Ball zu bleiben und mitzukriegen, was die gerade alle hören. Ich dachte ja, ich dachte ja früher, ich werde mal so einen Musiklehrer, der bleibt ja lang am Ball.
Habe ich schon längst aufgegeben.
Boah, also da hast du jetzt die Wunde natürlich voll aufgerissen. Also das ging mir ja absolut genauso. Ich glaube, den Vorsatz fasst wahrscheinlich, naja, nicht jeder, aber die meisten fassen wahrscheinlich diesen Vorsatz. Ich will mal nicht so einer werden, bei dem die Popmusik bei den Beatles aufhört.
Und jetzt ist es ja bei uns beiden nicht der Fall, aber bei dem aktuellen Zeugs bin ich raus. Und damit meine ich nicht, dass es nicht da vielleicht Sachen gibt, die mir gefallen könnten oder würden, aber ich komme gar nicht hinterher. Also da bekommst du Zeugs, Zeugs präsentiert und nach Namen gefragt, die habe ich in meinem Leben ja noch nicht mal gehört.
Also liegt natürlich auch daran, weil, wie ich ja vorhin erwähnt habe, vielleicht doch immer eher in so ein bisschen Nischenmusik unterwegs war selber und das auch eher verfolge als jetzt Mainstream-Sachen. Ja, der Begriff ist eh immer ein bisschen schwierig, aber deswegen konnte es eigentlich auch gar nicht so laufen, dass ich mich da im Mainstream da gut auskenne und tue ich auch nicht.
Also absolut nicht. Da haben letztens, letztens, ich glaube, jetzt wochenlang haben von unserer Deutschklasse, also Schüler, die bei uns angekommen sind und Deutsch tatsächlich einfach lernen als für sie Fremdsprache, weil sie aus einem anderen Land kommen, seien es Flüchtlinge oder aus anderen Gründen.
Da gab es zwei Mädels, die haben die ganze Zeit, also jetzt wochenlang haben sie die ganze Zeit, ich kann es jetzt leider nicht gut nachmachen, ich werde jetzt auch nicht singen, keine Sorge, aber die haben die ganze Zeit irgendwie so, ah, bitte, bitte, ah, bitte, bitte. Und ich dachte, was wollen die denn die ganze Zeit?
Sag mal, warum die das denn, was ist denn das für ein Zeug? Und jetzt kriege ich da letztens mal irgendwo reingespült, dass das irgend so ein K-Pop-Song ist und den gibt es ja schon seit Monaten. Mit Bruno Mars.
Darf man ja auch nicht wissen, gell?
Ja, guten Morgen, ich habe ihn jetzt erst kennengelernt und den gibt es keine Ahnung, wie lange schon. Also so schlimm ist es bei mir.
Naja, aber verstehe ich. Wie geht's dir denn, wenn du dann mal ältere Musik, also wir reden jetzt dann tatsächlich von älterer Musik. Für Kids sind ja schon, was das ist ja 2021 das alt. Nicht davon, sondern wir reden jetzt tatsächlich mal von, keine Ahnung, wenn, ich weiß nicht, ob, ich habe den bayerischen Lehrplan jetzt nicht auf dem Schirm, keine Ahnung, Popmusik in Geschichte der Popmusik.
Da fängt man ja doch irgendwann mal mit den Beatles an und geht dann hoch. Wie nehmen die das so wahr? Wie nimmst du das so wahr?
Ja, also man stellt ja doch immer wieder fest dann im Unterricht, dass wir halt schon eine ganz andere Generation sind und wir andere Dinge mitbekommen haben und wir immer glauben, dass es ja eigentlich selbstverständlich ist, dass die das auch kennen würden. Das ist aber einfach nicht der Fall. Und das ist ja, das ist ja auch völlig klar.
Also, woher soll das kommen? Ältere Sachen im Sinne von, wenn ich jetzt mal überlege, ja, keine Ahnung, Rock'n'Roll, also wenn es vielleicht mit Elvis oder so losgeht, da kennen vielleicht noch ein paar wenige irgendwas oder zumindest halt den Typen Elvis an sich. Beatles, ja, wird auch schon dünn, aber also ich sag mal, die Begeisterung für jetzt ältere Musik, die hält sich in Grenzen.
Aber es gibt immer wieder Schüler und Schülerinnen, die dann doch irgendwas von zu Hause mitbekommen haben. Also Schüler zum Beispiel, die mir dann erzählen, dass sie Toto gerne hören, weil der Papa das so gerne hört. Oder Queen ist auch immer mal im Gespräch. Aber kommt auch immer mal wieder vor. Also ich sag mal, die ganz großen Bands irgendwie, die halten sich auch über die Generation hinweg irgendwie.
Also ich glaube, die Feststellung macht man schon. Deswegen würde ich sagen, sie sind nicht ganz verschreckt bei alter Musik. und finden es manchmal schon interessant, aber es kommt halt immer darauf an, mit was du ankommst, ganz einfach.
Blutet dir manchmal das Musikerherz, wenn du dir heutige Sachen anhörst?
Ja, also keine Ahnung, ich will ja jetzt gar nicht da so analytisch werden oder so oder Musik immer qualitativ aufwiegen. Ich meine, ist Musik nur dann akzeptabel oder gut, wenn sie irgendwie eine gewisse Qualität hat und was ist Qualität bei Musik? Berührst dich.
Machen wir es andersherum, berührst du dich.
Ja, schon. Also ich finde generell, das erlaube ich mir jetzt einfach mal zu sagen, dass die Musik einfach nicht mehr die Tiefe hat, den Tiefgang hat. Und auch wenn ich jetzt gerade gesagt habe mit der Qualität, auch die Qualität nicht mehr hat. Also es ist halt vieles angelegt auf Streaming und kurz und schnelllebig.
Und also dass mal irgendwas roh ist, dass man irgendwas aneckt, dass mal irgendwas ungewöhnlich ist, das ist das, was mir fehlt einfach.
Ich habe letzte Woche eine ganz spannende Diskussion gehabt, da haben wir mit meiner Gesangsklasse, die haben sich unbedingt, da war ich ja froh, dass der Wunsch kam, Die with a Smile sich gewünscht von Bruno Mars und Lady Gaga. Und dann haben wir den gesungen und dann habe ich noch so gesagt, ah, ist einer der besseren Popsongs der letzten Jahre.
Weil einfach harmonisch da schon mal viel mehr passiert als sonst wo. Und ich habe dann noch gesagt, also ich finde den jetzt schon besser als alle Taylor Swift-Songs, die ich kenne. Und ich kenne nicht viele. Muss man mal dazu sagen. Und dann hieß es ja, das wäre ja nur ihre Meinung, da habe ich gemeint, naja, gut, rein fachlich gesehen kann man das ja trotzdem feststellen, heißt ja nicht, dass du das andere nicht hören darfst.
Darfst du ja trotzdem gut fest. Das erstmal so den Unterschied zu machen, war echt ein bisschen schwierig. Da gab es auch heiße Diskussionen. Fand ich, habe ich mich einmal getraut, mal ein bisschen was dazu zu sagen.
Schwierig, schwierig. Schwierig, ja.
Ich will ja auch keinem den Musikgeschmack abspendlich machen. Und damit tue ich mir ja auch immer so ein bisschen schwer, wie viel Musik, aktuelle Musik sollte man eigentlich machen, weil das ja doch irgendwie Identifikation ist und vielleicht sollte man denen doch mehr zeigen, was sie nicht kennt.
Ja. Das versuche ich auch tatsächlich regelmäßig zu machen, weil mal die Sachen, die sie hören, die kennen sie ja eh. Und da brauche ich jetzt nicht ankommen und denen was über ihre Musik erzählen. Also davon wissen sie genug. Und ja, letztlich war es bei uns ja bei uns ja ähnlich. Also ich hätte jetzt auch nicht gewollt, dass jetzt meine Musiklehrer damals anfängt, über Metal zu reden.
Also, weil ich mir gedacht habe, was weißt du von Metal?
Das ist ja der Punkt. Also ich weiß ja zum Beispiel von K-Pop gar nichts. Gar nichts. Das Gleiche, keine Ahnung. Außer dass ich mal so eine Mini-Doku gesehen habe, wo ich gesehen habe, dass das auch ein bisschen Propaganda ist. Aber das ist wieder was anderes und dieses System ja schon auch sehr heikel ist.
Da könnte man natürlich auch mal mit Schülern drüber sprechen, ob die das wissen, was dahinter steckt. Aber ist jetzt wieder die Frage, will man das als Schüler? Weil dann ist man wieder der Buomann als Lehrer, der einem das jetzt alles schlechtreden will. Ich glaube, das muss man dann so mit Fingerspitzengefühl machen.
Ja, also ich glaube, es ist vielfach vielleicht eher unsere Aufgabe zu zeigen, dass wir grundsätzlich natürlich da auch Toleranz sind und Akzeptanz zeigen. Und jeder unbedingt, unbedingt, unbedingt seinen Musikgeschmack haben soll. Ich würde mir sogar noch mehr wünschen, dass Leute einen eigenen Musikgeschmack haben, junge Leute, weil das fehlt mir einfach so ein bisschen.
Und dann kann man ihnen doch auch die älteren Sachen zeigen und kann sagen, hier, schau mal, dessen, dessen, das gibt es noch. Und wenn du es total blöd findest, dann hörst du es halt nie wieder, aber du hast mal gehört, dass es gibt und kannst dir mal eine Meinung darüber bilden, was es da so gibt. Und letztlich ist es ja immer so, auch bei Musik, wenn wir Musik spielen, wenn wir Musik studieren, wir beschäftigen uns ja immer mit Musik, die schon älter ist, um quasi die Wurzeln dessen zu begreifen, was jetzt passiert.
Und das, glaube ich, muss man auch den Schülern irgendwie zeigen.
Ich sage ja immer, ich will, dass sie zumindest respektvoll damit umgehen, sie müssen nicht rausgehen und das dann auch hören wollen. Aber ich will zumindest im Unterricht, dass damit respektvoll umgegangen wird. Und wer es nicht hören will, von mir aus. Was hättest du dir im Musikstudium gewünscht? So im Nachhinein?
Hohohoho.
Jetzt darfst du loslegen.
Jetzt darf ich loslegen. Auf geht's. Naja, also ich bin jetzt nicht total kritisch oder verbittert, was das angeht. Ich habe auch festgestellt durch meine Kollegin, die auch in Würzburg studiert hat, wie viele Jahre nach mir oder nach uns war das? Kann ich dir jetzt gar nicht sagen. Und da habe ich aber auch schon festgestellt, dass ich einiges schon getan hatte.
Also anscheinend war da dann so ein bisschen die Marie Rabenstein. Sagt ihr die noch was?
Ja, ja, ja. Ich glaube, die war zwei Jahre unter mir. Also ich bin dran hinkommen. Ich bin ja quasi der letzte Staatsexamensjahrgang gewesen, also so quasi gleiches System wie du. Und alles nach mir ist ja jetzt dann so ein modularisiert gewesen und da war ja die Umstellung war ja schon schwierig, da lief ja einiges nicht so ganz rund.
Ja, also wir hatten natürlich Praktika, ich hätte mir deutlich mehr Praxis gewünscht, mehr in der Schule zu sein, weil an das natürlich auf das, was man dann macht, mehr vorbereitet. Ich hätte mir gewünscht, dass man vielleicht exemplarisch mehr mal gezeigt bekommt, wie man eine Stunde gut vorbereitet, wie man eine Stunde gut hält.
Ich hätte mir gewünscht, dass man auch gerade im Bereich Popularmusik ein bisschen mehr mitkriegt. Also bei uns bestand Popularmusik, ich weiß nicht, wie es bei dir war, aber bei uns war es eigentlich so, das Bestand darin, ja, es darf sich jeder mal ans Schlagzeug setzen und es darf jeder mal einen Bass in die Hand nehmen und das ist jetzt Popularmusik.
Ich finde sowieso, also um mal ganz kurz abzuweichen, ich finde es sowieso ganz schlimm, dass jetzt auch gerade wieder die Popularmusik im Lehrplan massiv zurückgedrängt wurde. Die Kunstmusik soll ihren Platz haben, definitiv, aber die Popularmusik ebenso, zugleich im Anteil. Das hat mir im Studium gefehlt und ja, ich meine, was hätte ich mir mehr gewünscht?
Ich kann dir sagen, was ich mir weniger gewünscht hätte. Machen wir es so rum. Ich hätte mir weniger Theorie gewünscht einfach und deutlich mehr Praxis, was die Schule einfach angeht. Also du weißt ja selber, was wir gemacht haben. Wir sprechen über Analysen von irgendwelchen Musikstücken, was man vielleicht auch in der Schule braucht, klar.
Wir bilden uns in historischer Musikwissenschaft und so weiter. Also einfach mehr von dem, was man auch im Berufsleben dann tatsächlich braucht, wäre gut gewesen.
Ja, ich erinnere mich, dass ich zur Aufnahmeprüfung musst du ja auch noch gemacht haben wahrscheinlich. Generalbass spielen vom Blatt. Was weder im Studium noch irgendwann dran kam. Noch kam es nicht. Aber ich brauch es auch komischerweise nicht in der Schule. Ich warte immer auf den Tag, dass ein Schüler um die Ecke kommt und sagt, können Sie mir das mal ganz kurz vorspielen?
Den Generalbass, aber kommt nicht. Ich bin froh, dass es nicht passiert ist bisher. Weil es wäre, das wäre quasi wieder so peinlich wie früher als Klavierschüler vor diesem Zebra sitzend und keine Ahnung, was man da drückt. Aber ja, also, ich meine, wie du es jetzt quasi damit ausgedrückt hast, es kamen einfach Dinge, es wurden einfach Dinge mit uns getrieben, die einfach mit unserem Berufsleben 0, gar nichts zu tun haben.
Und klar, es ist ein Studium und klar, wir haben ein künstleres Studium gemacht, alles gut. Aber man muss schon die Sache ein bisschen im Blick behalten. Und ich glaube auch, dass es mittlerweile sich geändert hat.
Ja, ich glaube, die sind auf jeden Fall auch dran, da weiterhin drüber nachzudenken, weil die Zahlen ja auch, gerade in Würzburg weiß ich, es runtergegangen sind an den Anmeldungen. Jetzt, um den Bogen so ein bisschen noch zu schließen, wie schaffst du es, der inspirierende Musiklehrer zu sein, den du mal hattest?
Das wäre jetzt zu viel gesagt, wenn ich behaupten würde, dass ich das bin. Aber man versucht es mal. Man versucht es ja, ja. Naja, also natürlich, ich versuche das generell irgendwie, hoffe ich doch, dass ich irgendwie an mancher Musik bei manchen Schülern einfach Interesse wecken kann. Und ich bilde mir auch ein, dass es funktioniert.
Also manchmal, wie wir gerade gesagt haben, wenn du mal Schülern was zeigst, was sie nicht kennen, dann merkst du, dass die plötzlich ein Interesse haben und zeigen und dass die das interessiert und dass die schon an dem hängen, was du da sagst. Und ich versuche das natürlich auch in den Ensembles, die ich habe, irgendwie umzusetzen, dass der Spaß, den ich selber an der Musik habe, da vielleicht auch weitergegeben wird und sie hoffentlich Lust drauf haben, weiterzumachen, Lust drauf haben zu üben, Lust darauf haben, Konzerte zu spielen und so.
Das ist, glaube ich, das, was da vielleicht mir am allerwichtigsten ist. Ich glaube, die meisten Musiklehrer würden wahrscheinlich behaupten, dass ihnen die Ensembles besonders am Herzen liegen und sie da vor allem vielleicht irgendwie bei den Schülern was bewirken.
Ja, weil das halt der künstlerische Moment wieder ist, von dem wir vorhin gesprochen haben. Das ist ja eigentlich, wenn man es mal so sieht, wirklich als Lehrer der einzige Moment, wo wir wieder Musiker sind.
Genau, so ist das, ja. Und da kann man nur hoffen, dass es die ganzen Wahlfächer auch weiter in der Zahl und Form geben wird. Es ist ja mit dem Lehrermangel nicht unbedingt gesagt und klar, dass es für immer so weitergeht.
Wie blickst du denn jetzt noch so abschließend auf die Zukunft erstens des Musikunterrichts und der Schülerschaft, als auch, ohne das jetzt groß aufzumachen, die Schulpolitik, also es ist ja in der Grundschule schon ein bisschen eingestrichen worden. Wir sind ja jetzt beide Gymnasiallehrer. Wie ist dein Blick darauf?
Also ich will vorweg schicken, das hat nichts damit zu tun, dass meine Motivation darunter mangelt, weil ich wirklich immer, immer, immer noch das gerne mache. Aber ich habe da ein bisschen in letzter Zeit ein negatives Bild mir irgendwie gemacht und gewonnen, weil ich finde, so mit allen Entwicklungen, wenn man die so ein bisschen zusammenzählt und mal so ein bisschen guckt, was da wo eingespart wird, wo dies und das gemacht wird, dann habe ich tatsächlich ein bisschen Angst um die Zukunft der Musik an den Gymnasien, muss ich echt sagen.
Weil ich wirklich auch mal Angst habe davor, dass tatsächlich irgendwann der Tag kommt, wo auch Ensembles gestrichen werden. Also ich hoffe, er kommt nie. Und davon gehe ich jetzt auch aktuell aus, dass ich das nicht erleben werde. Aber die ganzen Zeichen, die man vielleicht so mitbekommt, auch was, was teilweise halt Vorgaben sind und so weiter, dann habe ich eher ein bisschen Angst darum, muss ich echt sagen.
Ja. Kann ich verstehen. Also bei uns ist es, glaube ich, also noch nicht im Gespräch. Also da würde ich erstmal sagen, sind wir noch safe, aber das kann sich ja manchmal, wie wir in der Politik sehen, auch ganz schnell ändern. Es gibt ja auch ganze Länder, die streichen einfach mal Bildungsministerien.
Ja. Kann man ja mal machen. Tja, habe ich kürzlich auch mal mitgekriegt. Soll es gemeen, gell? Ich weiß nicht, ob das jetzt so geil ist, aber ja.
Wer weiß das schon. Wer weiß. Gibt es irgendwas, worüber du noch gern gesprochen hättest? Wow. Worüber ich gerne gesprochen hätte. Ja, das hier ist ein Podcast, hier ist alles möglich bei mir.
Ehrlich gesagt, das überfordert mich total. Nee, gar nicht. Alles gut. Also ich meine, ich hätte auch gerne erfahren, was du jetzt musikalisch in nächster Zeit so machst, da du sagtest, du machst jetzt wieder mehr.
Ja, das können wir dann off Racket machen, das muss ja hier nicht. Das können wir ja noch machen, genau. Dann sage ich bin ich zufrieden und glücklich. Gut, dann sage ich mal offiziell vielen lieben Dank, dass du dir für diesen kleinen Lehrerapplaus mal Zeit genommen hast.
Sehr, sehr gerne.
Ich bedanke mich bei dir. Und wer noch einen Podcast mit dir hören will, den verlinke ich dann unten. Du warst ja jetzt auch letztens zu Gast bei deinem BobB-Kollegen.
Genau, bei Michi Bock, der Sänger von uns, der hat auch so einen Podcast. Genau, da geht es dann um auch um kurz um Lehrer und ein bisschen um Whisky und um Ja, und dann halt natürlich auch Bob B, so wie die Geschichte kam, dass ich da gelandet bin, sowas, ja.
Genau, also wenn sich noch ein bisschen was über Rockabilly anhören will und was der Unterschied zu Rock'n'Roll ist, das könntest du vielleicht noch ganz kurz erklären.
Ja, das ist völlig klar. Also, ne, ja. Also ich würde jetzt mal so sagen, wahrscheinlich bekomme ich jetzt Mods Shelton von meinen Kollegen, wenn die das hören. Ich würde eigentlich sagen, dass Rockabilly einfach nur eine Unterart von Rock'n'Roll generell ist, weil Rock'n'Roll eher so ein Überbegriff für vieles ist, was in der Zeit stattgefunden hat.
Und dass Rockabilly vielleicht so ein bisschen die, nennen wir es vielleicht schnellere, rauere Variante von dem war, was vorher halt als Rhythm and Blues bekannt war.
Okay. Dann haben wir das aber sind unserem pädagogischen Auftrag auch noch nachgekommen heute. Hoffentlich blendert das keiner nach, ob das stimmt. Gleich mal auf Wikipedia geguckt, was es Rogabelli eigentlich. Also, vielen Dank, Sebastian. Ja, sehr gerne. Danke dir. Das war das Gespräch mit Sebastian Tausch.
Vielen Dank, dass ihr bis hierhin gehört habt. Mich würde jetzt tatsächlich Feedback von euch interessieren, wie ihr dieses Gespräch fandet. War das informativ, konnte man verstehen, warum wir als Lehrer unbedingt noch Musik machen wollen und warum man als Musiklehrer unbedingt noch Musik machen sollte.
Oder ist das eher eine Sache, die wir nur unter uns ausgemacht haben und ihr hattet so das Gefühl, das sind so zwei, die wollen einfach ganz lang miteinander reden und so richtig rum kam. Nichts. Mich würde es tatsächlich interessieren, weil man in diesem Thema natürlich schon sehr gefangen ist und den Blickwinkel von außen vielleicht nicht mehr ganz so hat.
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