On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 124

Thomas Keßler (Posaune, Klostermanns Musikanten) - Wir müssen etwas finden, das wir genauso gut können wie Profiorchester

Donnerstag, 17. Juli 2025 · 1 h 43

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Shownotes

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Thomas Keßler hat Posaune bei Prof. Klaus Bruschke und Schulmusik an der Hochschule für Musik Mainz studiert. In der Spielzeit 2015/2016 war er über die Junge Ensemble Philharmonie Praktikant am Mainzer Staatstheater und wirkte dort bei Opern und Konzerten mit. Von 2012 bis 2019 war er im Blechbläserensemble „Contrapunctus“ tätig.
Aktuell leitet er den Musikverein Mörschied und das Blasorchester Oberstein-Weierbach. Zu hören ist er mit seinem Posaunenquartett „Pospurtal“, an der BüchnerBühne Riedstadt, bei Michael Klostermann und seinen Musikanten, dem Blechblasensemble "BRASS^10" und im Posaunenchor „lutherBRASS“ Mainz. Seit dem Wintersemester 2022 übt er eine Lehrtätigkeit für Posaune und Didaktik an der Hochschule für Musik Mainz aus
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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes

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Also auch gerade Spaß ist immer so verbunden mit vielleicht zu viel Unterhaltung und Comedy, aber ist es ja gar nicht, ja. Also, wenn wir ernste Musik, ich nenne es einfach mal so, ja, damit man weiß, was ich meine, wenn man sowas spielt und einfach voll bei der Sache ist und imprünstig diese Passagen spielt und danach froh ist, dass man das so gespielt hat und sich das getraut hat, so leise zu spielen, so leise einzusetzen, dass kaum der Ton kommen kann.

Aber beim Konzert hat es dann funktioniert. Und ich glaube, das ist das, was dem Publikum für das Publikum ansteckend ist. Und nicht die Perfektion und nicht die perfekte Abstufung. Das können wir als Amateurerkötzer im Blasorchester sowieso nicht erreichen. Jedes Profi-Orchester sollte in der Regel besser spielen.

Also müssen wir was finden, was wir genauso gut können. Ich als Dirigent habe die Aufgabe, dass die Leute freiwillig zu mir kommen. Und ich sage auch immer, wenn man keine Lust hat, promo und ich komme. Also wenn man mal eine Probe keine Lust hat, dann kommt es halt nächstmal wieder. Die meisten kommen dann trotzdem und haben dann am Ende des Tages doch Spaß.

Da habe ich auch schon die Rückmeldung bekommen, dass er schlecht gelaunt ein Probe kam und ein gutes Maut nach Hause. Das ist immer gut. Da standen wir da oben und er stand da unten. Und wir haben das da von oben runter gebrüllt, darf man natürlich nicht sagen, aber. Geschmettert. Geschmettert ist ein gutes Wort, ja.

Und es war ein absolut ergreifender Moment, dieses Konzert. Und diese Tiefgründigkeit kannte ich bis dahin einfach nicht in der Musik. Und ich bin bis heute auf der Suche immer nach dieser Tiefgründigkeit, die ich bei Raleigh-Otto kennengelernt habe.

Okay. Ist das auch was, was dich antreibt bei den ganzen Dingen, die du so tust? Herzlich willkommen beim OnEard, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andy Streck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik.

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von On Air, dem Blasmusik Podcast. Ich begrüße euch recht herzlich, vor allen Dingen die Neuhöre. Herzlich willkommen zur Blasmusik Community. Und gleich zu Beginn, wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, dann abonniert doch meinen Newsletter, die E-Mail. Den Link findet ihr in den Shownotes.

Das ist ein Newsletter, der kommt einmal im Monat und beinhaltet Szenen-News, hört Tipps, Übe-Tipps, Filmtipps, Büchertipps, ganz viele Dinge, um sich als Musikerin oder Musiker auch weiterzubilden. Der Sommer ist da, draußen ist es sehr heiß und das heißt, wir nähern uns dem Staffelfinale bzw. der Sommerpause.

Heute ist die vorletzte Folge und bevor ich meinen Gast vorstelle, wie immer der Supporter und das ist Buffet Gramport, Europas größtem Hersteller von Blasinstrumenten mit Sitz in Geritzrit und Mark Neukirchen. Wenn ihr jetzt da draußen ein neues Instrument sucht, dann schaut mal bei den Marken von Buffet Gramport vorbei, denn die haben alles vom Anfängerinstrument bis zum Profi-Instrument findet ihr in sämtlichen Bereichen mit Sicherheit ein Instrument, das auch zu euch passt.

Vielen lieben Dank an Buffet Gramport für die jahrelange Unterstützung dieses Podcasts. Mein heutiger Gast ist Thomas Kessler. Thomas und ich kennen uns schon seit einigen Jahren, denn er war zunächst als Dozent bei mir an der Schule für die Blase-Klassen zuständig. Von euch kam ja auch öfters mal der Wunsch, dass nicht nur die ganz, ganz großen Namen in den Podcast Einzug nehmen sollen, sondern auch Menschen, die an der Basis arbeiten.

Und Thomas ist vielleicht so jemand in der Mitte. Er unterrichtet nicht nur an der Hochschule, sondern dirigiert einen Musikverein, ist an einer Theaterbühne tätig und spielt seit letztem Jahr auch Posaune bei Michael Klostermann und seinen Musikanten. Somit ist er sehr, sehr vielseitig aufgestellt und bedient sämtliche Dinge der Musik.

Und seine Ansichten sind es auf jeden Fall wert, mal im Podcast zu besprechen. Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß mit Thomas Kessler hier im Blasmusik-Podcast. Mein heutiger Gast hat Posaune bei Professor Klaus Bruschke und Schulmusik an der Hochschule für Musik in Mainz studiert. In der Spielzeit 2015-16 war er über die Junge Ensemble Philharmonie Praktikant am Mainzer Staatstheater und wirkte dort bei Opern und Konzerten mit.

Von 2012 bis 2019 war er im Blechbläserensemble Contrapunktus tätig. Aktuell leitet er den Musikverein Mörschid und das Blasorchester Oberstein Weyerbach. Zu hören ist er mit seinem Posaunenquartett Postportal an der Büchner Bühne Riedstadt bei Michael Klostermann und seinen Musikanten dem Blechbläserensemble Brashofzin und im Posaunenchor Lutherbras in Mainz.

Seit dem Wintersemester 2022 übt er eine Lehrtätigkeit für Posaunen und Didaktik an der Hochschule für Musik in Mainz aus. Herzlich willkommen, Thomas Kässler. Hallihallo! Ja, wir haben ja vorhin jetzt schon ein bisschen gequatscht, aber die wichtigste Frage, Thomas, ist, welches Stück hast du dir als letztes bewusst angehört?

Eine gute Frage, danke für diese Frage. Zuletzt hat sich angehört, habe ich mir die Backkanale von Rolf Rudin, weil wir auch mit unserem sinfonischen Blasorchester Obrenar in Ulm mitspielen und dieses Überschäumende, Überschwängliche, was da irgendwie vorkommen soll, dachte ich, das ist eine gute Vorbereitung hier für den Podcast.

Und genau, da dachte ich, das passt doch ganz gut zusammen. Okay, ich merke schon, du bist vorbereitet auf diesen Podcast. Naja, zumindest mental, emotional darauf vorbereitet, pausenlos zu reden und von dir unterbrochen zu werden. Okay, das ist die Challenge, heute.

Das ist meine Challenge heute. Ich merke schon, okay. Also wir kennen uns ja auch schon so ein bisschen. Ich habe eine Sache vergessen, nämlich, wenn du hast ja auch mal Bläserklassen-Leitungen hier bei uns an der Schule gemacht haben. Ja, genau. Daher kennen wir uns. Bläserklasse trifft sich ganz gut.

Wie kam Musik in dein Leben?

Ja, die Musik war ja quasi schon vor meinem Leben da, weil meine beiden Schwestern, die sind fünf und sieben Jahre älter als ich, die haben schon relativ früh dann mit Blockflöte begonnen. Und da war direkt Musik auch bei mir dabei. Und es gibt ein Beweisvideo, da haben die ein Klatschspiel gemacht. Und ich klatsche da halt im Takt mit.

Forsch lesen und schreiben konnte und gerade laufen konnte. So konnte man mir dann immer nachsagen, dass ich ja im Blut zu haben scheine und den Rhythmus da ganz schön gefühlt habe. Deswegen einfach schon sehr früh damit Begegnung gehabt. Aber dann einfach eine lange Strecke nicht sehr viel weiter intensiviert, weil meine Mutter wollte nicht so gerne das Blockflöte spielen, weil meine Hände, wie du siehst, die überstrecken so leicht und dann waren die so ein bisschen verkrampft.

Und da hatte meine Mutter Angst, dass ich den Spaß verliere, einfach am Musik machen. Und da haben wir einfach gewartet, bis ich groß genug bin und wollte dann Trompete spielen. Aber auch da kam wieder meine Mutter ins Spiel und hat gesagt, na, ich weiß nicht, das spielt ja jeder Trompete. Hier wärst du mal mit der Posaune.

Und da dachte ich, oh ja, Posaune, warum nicht? Und habe die Posaune in die Hand genommen und seitdem einfach nicht mehr aufs Hand gelegt. Wie alt warst du? Ich bin zehn geworden, also neun und ein bisschen, genau.

Und was ist musikalisch bis dahin passiert, wenn, also ich finde das ja immer schwierig, wenn man dann so einem Kind sagen muss, du musst noch warten, du musst noch warten, du musst noch warten. Und irgendwann kann ja auch passieren, dass man sagt, ja gut, dann halt Fußball. Ja, also.

Wir sind immer ganz viel mitgefahren zu den Musikvereins, Auftritten von meinen Schwestern, da war ich immer mit dabei. Ich habe mich doch so immer angehört. Oder ich konnte den Flohwalzer spielen auf dem Klavier und noch zwei andere Stücke.

Diese Nervklassiker, die jeder kennt.

Ja, genau. Und mein Opa konnte sehr gut Orgel spielen und Schifferklavier. Und wir haben zu Hause auch gerne so gesungen. Man mag es nicht meinen, aber so im Urlaub haben wir dann marschierend nebeneinander. Ehrlich? Preußens Gloria und so. Ach, geil. Da, wenn wir ganz alleine waren und so. Oder Slavonitschka-Volker und so, weil mein Papa großer Fan davon immer war.

Und dann haben wir das einfach gemacht und ja, und so war das immer mit dabei. Und irgendwann, es war völlig klar, dass auch irgendwann ein Instrumentspieler.

Okay. Ja, dieses Singen und Laufen, das mache ich manchmal mit, also wir singen ganz viel mit unserer Tochter und ich hab irgendwann hat es mal keine Lust gehabt, dachte ich mir, wo waren wir dann? Keine Ahnung, irgendwo und die Mama war woanders und habe ich gesagt, okay, wir gucken mal, wie viel strofen wir bis dahin singen können.

Und dann ging das ganz gut. Und die Leute haben sich sehr gefreut, dass da so ein kleines Singendes Kind entgegenkam, weil das sieht man halt heutzutage nicht mehr so oft. Genau. Alles richtig gemacht bei dir. Welche Musik ist denn dann so bei euch gelaufen? Also Glasmusik anscheinend?

Ja, also wir hatten, also wir haben nicht so viel Musik gehört, auch kein Radio oder im Fernsehen dann ja schon die Musikshows, die es gab, aber die habe ich nicht so aktiv verfolgt. Im Auto haben wir dann gehört, da hatten wir dann die Black First ganz viel. Echt? Oder die halt Mosch-Sachen oder andere Märsche.

So war es dann. Und das habe ich schon immer mitgehört. Und bei Mosch-Sachen war es halt immer ganz schön, weil du kennst ja bestimmt auch das silberne Heft, 25 Jahre Welterfolge. Das haben wir halt auch im Musikverein gespielt. Und von daher war das ja auch, war es einfach naheliegend. Okay, hattest du Posaunenvorbilder?

Das kam erst so mit der Begegnung mit Stefan Kollmann dann, der dann in der Realschule, ich weiß nicht, mein ganz normaler Musiklehrer war und gar nicht wusste, dass der so in der Blastmusik, also sinfonischen Blasmusik, so bewandert war. Und der hat dann irgendwann mal gesagt, was sind denn eure Fußballvorbilder?

Und jeder wusste sofort, wen wir dazu sagen. Und bei Musik hat er dann gefragt, ja, wer ist denn da jetzt ein Vorbild für Posaune? Uh, ich kenne ja keinen. Also, ich weiß nicht, Internet war dann tatsächlich auch noch nicht so weit, dass ich das benutzt habe in der Zeit. Und ich kannte einfach niemanden und auch die anderen kannten niemanden.

Und weil ich recht fleißig geübt hatte, hat er mir dann auch irgendwann mal CDs mitgebracht, so Jo Walessi, Sloker und so. Und dann waren das natürlich so lange CDs, denen ich nachgeeifert bin.

Wann kam dann die Entscheidung zu sagen, okay, ich will das studieren?

Ich wollte es nie studieren, weil nach dem, also ich war im Technischen Gymnasium, danach war dann Studium angesagt. Und zwar hat zuerst ja Mathe und Physik studiert und war aber zeitgleich ja dann bei, da war er noch der jüngste Professor Deutschlands, der Fabriz, Fabrizmilischer im Saarland, in der Uni, war der ganz frisch Professor geworden.

Und der Kolmann, bei dem ich vorher war, der hat mich zu ihm geschickt und hat gesagt, ja, Thomas, geh mal zu dem. Und dann stand es so ein bisschen auf der Waage, entweder ich übe eben für den Fabriz ganz viel, oder ich mache sechs Arbeitsblätter die Woche, bei denen unendlich viel Zeit drauf ging. Und das eine war halt in Mainz, das andere war in Saarbrücken.

Und dann habe ich mich einfach dazu entschlossen, nach zwei Wochen Studium Klavier anzufangen und für die Aufnahmenprüfung zu üben, weil ich bis dahin auch nie Klavier oder so in meinem Leben hatte. Und dachte, komm, ich versuch's einfach mal. Ich bin auch beim ersten Mal durchgefallen wegen Klavier.

Und beim zweiten Mal hat es dann glücklicherweise geklappt. Und dann dachte ich, komm, jetzt Schulmusik und bei Fachphilosophie, dass ich mit der Naturwissenschaft nichts mehr zu tun und bin froh, dass ich die auch noch als Hobby irgendwo habe oder als Interesse, dass das nicht völlig verkrault wurde, sondern dass das immer noch da ist.

Wo hast du jetzt gerade Berührung mit sowas?

Bei Romanen oder wissenschaftlichen YouTube-Formaten, wo einfach Interesse da ist und ich das einfach gerne gucke. So 100 Sekunden Physik oder so heißt es einer Kanal oder so. Das gucken wir nicht.

Matchphysik bin ich zu vertraust, deswegen davon keine Ahnung. Was haben deine Eltern da was gesagt? Da hast du gesagt, okay, doch nicht Mathephysik, sondern der unsicherere Beruf Musik.

Ja, gut, es war ja kein unsicheres Feld, wenn man Schulmusik macht, weil Lehrer sind da ja sehr gesucht, von daher waren sie einverstanden, wenn ich Aufnahmeprüfung schaffe. Bei mir selber war es so, dass ich gesagt habe, wenn ich Aufnahmeprüfung nicht schaffe, kann ich ja nicht studieren gehen, sondern musste eine Ausbildung machen oder was anderes.

Weil so viel Zeit, wie ich es auf die Posaune ohne Absicht es studieren zu wollen, verwendet habe. So viel Zeit konnte ich mir nicht vorstellen, jetzt für was anderes zu verwenden, Mathe und Physik, dann hätte ich halt was anderes ja gemusst. Hast du gerne geübt vor dem Studium? Schwierig, weil ich hatte gar nicht so viel Zeit, so richtig viel zu üben.

Ich konnte noch nie Nein sagen. Das heißt, ich hatte mit neun einen Musikverein, ein Jugendorchester und mit 14 hatte ich dann neun Proben in der Woche und war jeden Abend ein bis zwei Proben und habe dann noch für meinen Lehrer auch noch ein bis zweimal die Woche geübt. Tatsächlich gar nicht so viel mehr.

Aber man hat ja jeden Tag drei, vier Stunden trotzdem geübt. Und wie es meine Mutter damals ja dann vorausgesagt hatte, war ich nicht in einem großen Clan von Trompetern und einer von denen, sondern ich war immer alleine an der Posaune, weil die bei uns auch dann Mangelware. Und da musste ich dann auch irgendwo immer Leistung bringen und konnte das ganz gut umsetzen.

Sagst du, du musstest Leistung bringen, war das okay für dich? Weil es gibt ja so zwei Sorten, so dieses okay, ich mach das halt einfach mit oder ich finde es auch ein bisschen geil gerade so.

Ja, es war eine harte Schule. Ich habe noch die quasi die viele Dirigenten von der alten Schule gehabt, so, mit sehr viel Druck, die immer auch sehr nett zu mir waren. So ist es nett. Ja, andere haben da wirklich viel Ärger gekriegt, weil ich war auch immer sehr jung noch. Aber es war Druck dabei und ich habe auch immer gesagt bekommen, quasi Einzelkritik, was alles schief ging.

Es war immer sehr gut und dann haben sie gesagt, hier aber das, aber das, aber das. Und das hat mich immer sehr geärgert, dass sie das Namenkonzert dann immer direkt gesagt haben, wo es sehr euphorisch natürlich war, dass es rum war. Und habe dann das fürs nächste Mal oder für die nächste Einheit immer versucht, nicht mehr so zu tun und dann halt mehr geübt.

Das war immer ein großer Ehrgeiz, auch sportlicher Ehrgeiz, gerade in der Jugend, wenn man natürlich den sportlichen Ehrgeiz immer dann vom Fußball oder Leichtathletik hat, nimmt man halt auch in die Musik mit rein. Ich meine, warum spielen Trompeter hoch? Ist ja auch zu zeigen, komm, ich kann ein bisschen höher spielen als du.

Und bei Personisten ist gerade auch in der Jugend ja, ich kenne es auch nicht anders.

Oder würdest du das heute bist der selber Dirigent? Willst du es anders machen?

Ich mache es anders. Also ich glaube, mein Orchester oder meine Orchester haben noch kein bösartiges negatives Wort gehört, kein beleidigendes Wort. Wenn ich jemanden auf die Schippe nehme, dann sind es vereinste Leute, die es vertragen, die es mir zurückgeben. Oder meistens mache ich ja auch Witze auf meine eigenen Kosten, sodass die Atmosphäre einfach stimmt.

Und wenn die Atmosphäre stimmt, dann kann ich den Leuten eben sagen, hier versuch mal, das anders zu machen. Oder du hast die Tonstrecke gut geschafft, aber dieser eine Ton, den musst du noch ein bisschen nach oben biegen beim nächsten Mal. Sodass man einfach ein bisschen positiver die ganzen Sachen formuliert, statt einfach jemandem vors Knie zu treten und zu sagen, hier dann das war zu tief.

Und oft einfach die Handhabe fehlt. Was tue ich denn dagegen? Man kann es ausstimmen und dann sagen, ja, jetzt stimmt man das, aber nächstes Mal ist das Problem ja genau das gleiche. Und sagst du, das ist so hoch, ja, letzte Woche war es wieder zu tief. So, und da muss man einfach anders rangehen und über Klangvorstellungen arbeiten, über Balance im ganzen Orchester arbeiten und nicht immer nur den Finger zeigen, höher, tiefer, sondern es geht über Dynamik, Klangvorstellungen und so weiter.

Und ich versuche das so zu machen, dass es den Leuten Spaß macht, weil sie machen es als Hobby und nicht als Beruf. Und dann eben positiv zu formulieren, was sie besser machen sollen.

Das heißt, selbst wenn zwei Wochen vor dem Konzert Sachen nicht laufen, bleibst du ruhig.

Ja. Ja? Ja. Also gar schon oft genug Beispiele. Also manchmal ist es natürlich dann impulsiv, dass ich dann sage, hier, so können wir es wirklich nicht machen. Und dann erkläre ich es nochmal. Und dann klappt es auch immer. Also da ist die Verwunderung, dass ich etwas energischer werde, ist so groß, dass es gar nicht lauter werden muss.

Das muss ja gar nicht laut sein, aber man kann ja auch, also ich merke, ich weiß das von mir. Ich werde dann ungeduldig, wo ich mir denke, ey, wir machen das jetzt zum 80. Mal. Das kann doch nicht sein, dass das jetzt immer noch nicht drin steht.

Nee, nee, nee, nee, nee. Da bleibst du ruhig. Viele bestehen ja auch auf dem Bleistift. Da ich mir selber nichts reinschreibe, denke ich es auch, warum sollten die anderen denn was reinschreiben, wenn ich nichts reinschreibe. Ich erzähle ihnen das so oft, bis sie es haben. Und bis jetzt hat es auch immer funktioniert.

Zumal Menschen auch einfach verschieden funktionieren. Die einen schreiben sich was rein, andere nicht. Manche markieren sich mit bunten Farben, da denke ich, oh Gottes Willen. Ja, das kann ich auch nicht. Das überreizt mich völlig. Und da ist jeder anders. Und mir ist nur wichtig, dass es besser wird über eine Zeit und bis zum Konzert eben dann steht.

Ich hätte gerne, glaube ich, deine ruhige Art. Ich finde manchmal einfach zu ungeduldig. Ich schreibe mir auch nicht immer alles rein. Aber ich weiß, dass ich es mir auch wirklich merken kann. Aber wenn ich halt zum 28. Mal jemanden habe, der einfach Elf statt Fisch spielt und mir denke, ey, es wäre einfach gelöst mit einmal ein Kreuz reinschreiben.

Ja, das verstehe ich dann irgendwann nicht mehr, wo ich mir denke. Mach halt was dagegen. Was ist mir egal? Mal es rot an, schreibt mit Bleistift, ist mir egal.

Ja, bei Sosachen gehe ich manchmal nach der Probe oder an der Pause zu der betroffenen Person und red persönlich, aber vorm Orchester habe ich jetzt bis jetzt noch nie gesagt, hier spielen wir mal Fist statt F. Dann gehe ich dann hinten rum und sage, hier, da ist sowas, guck doch mal rein und so und dann ist auch okay.

Okay, komm mal in deine Probe vielleicht. Ich muss dir da nochmal was abgucken. Okay, du hast dich dann dafür entschieden, lieber den Posaunenweg zu gehen als den naturwissenschaftlichen Weg. Irgendwann mal so einen Moment gab, wo du es bereutest.

Nee, nichts nett. Ich will ja jetzt keine Mathematiker oder Physiker jetzt irgendwie beleidigen oder so, ja, aber das Naturell von denen und von mir war sehr, sehr unterschiedlich. Ich habe denen ihre Witze nicht verstanden, die haben meine Witze nicht verstanden. Und weil ich aus eigentlich von sehr schüchtern, also wirklich von Kind aus sehr schüchtern bin und das eigentlich nur über die Posaune, und weil das irgendwie erfolgreich in Anführungszeichen war, dass ich mich dann mal getraut habe, was zu sagen.

Das heißt, Mathe und Physik war, das waren zweieinhalb Jahre Schweigen im Prinzip im Schulen. Ich habe nicht so viel Kontakt, auch keinen Kontakt gesucht. Und das war ein bisschen schwierig so insgesamt. Und als ich dann an der an der Musikhochschule nur den Vorbereitungskurs besucht habe, die erste Stunde gedacht, boah, das wäre mein Ding.

Ich kann das gut nachvollziehen. So ging mir das ja auch in der Hochschule. Man ist halt dann mit Menschen zusammen, die das schon auch verstehen, was man da so gerade irgendwie tut. Ja, genau. Das ist ja so, ich habe ja auch mal vier Semester Germanistik und Geografie studiert und auch da wenig Kontakt gab.

Gut, ich wollte auch schnell heim, ich wollte üben. Dafür kam natürlich noch dazu. Was war der größte Aha-Moment im Studium für dich? Außer dass du festgestellt hast, hier sind Menschen, die nicht verstehen.

Also, da muss man gar nicht lange überlegen, weil es gab eine Initialzündung, zwar der Hochschulchor unter Leitung von Ralf Otto. Hier damals noch dann Bachchorps. Und der hat mit uns das Warig von Britten gemacht. Und das war so, so ergreifend. Wir haben das dann mit dem Saarländischen Rundfunk und dem Bachchor gemacht, also Hochschulchorps, Bachchor.

Rundfunk und sehr prominente Solisten natürlich, und der hatte so eine Atmosphäre und so eine Gewalt in der Probe, also Gewalt im positiven Sinne, dass er wirklich alles so beherrschen konnte. Und so ein Fingerzweig, und der hatte so eine tiefe Stimme, also eine Oktave, einfach tiefer beim normalen Sprechen und so einen durchdringenden Blick.

Und zwar einfach, es ging nur um dieses VoIquiem, einfach ganz lange. Und das hat uns alle Schulmusiker oder alle, die da im Hochschulchor waren, so zusammengeschweißt. Und dann gibt es ja diese Stelle im zweiten Satz, die ist Ere, und er stand dann vorne mit beiden Fäusten. Aldi, yes, ihre! Und das war dann vor allem in Frankreich.

Da standen wir da oben und er stand da unten. Und wir haben das da von oben runter gebrüllt, darf man natürlich nicht sagen, ja. Geschmettert. Geschmettert ist ein gutes Wort, ja. Und es war ein absolut ergreifender Moment, dieses Konzert. Und diese Tiefgründigkeit kannte ich bis dahin einfach nicht in der Musik.

Und ich bin bis heute auf der Suche immer nach dieser Tiefgründigkeit, die ich bei Ralf Otto kennengelernt habe.

Okay. Ist das auch was, was dich antreibt bei den ganzen Dingen, die du so tust? Ja. Also. Kommt da diese Philosophie-Sache dann durch?

Die kommt schon auch oft und viel durch. Und ich glaube auch, dass die Sicht auf Musik oder Kunst im Allgemeinen auch einfach jetzt im Wesentlichen ausschlaggebend ist, dass Büchnerbühne so mein Ding ist, gerade, weil es so tiefgründig ist. Unterhaltend, aber eben auch mehr als nur unterhaltend, sondern nichts tiefgründig und wir hatten da auch schon Konzerte oder Momente, die einfach, die einfach für immer im Kopf bleiben werden.

Da lernt man ein Stück so gut kennen, dass man das, glaube ich, für immer verzehren kann.

Gab es einen Moment im Studium rein spieltechnisch, also Trompeter haben das, glaube ich, öfter als Posaunisten Krisen, spieltechnische Krisen. Hat ja ein bisschen auch, glaube ich, was mit dem Mundstück natürlich zu tun, weil je kleiner ist, das ist mir ein bisschen grifflicher bei euch.

Ich hatte eigentlich keine technische Krise. Irgendwann hatte ich herausgefunden, wie ich es hochspielen kann, ganz schön. Und hab das dann einfach weiterverfolgt. Und dann hat auch der Prospiel gesagt, ja, es scheint ja oben zu funktionieren und unten halt viel Luft geben und so. Und das hat immer gut funktioniert.

Es hat relativ lange gedauert. Ja, so Triolenzunge, dass sie sauber läuft und so. Das muss ich dann auch jetzt immer wieder üben, bis das wieder ganz gerade ist. Aber gerade bei der Anmeldung quasi für Probespiele und das Nicht-Weiterkommen. Das ist natürlich ein Thema, was natürlich keine Krise ist vom Spieltechnischen, sondern einfach emotional eine Krise.

Da gab es dann so, sagen wir mal, ein halbes, dreiviertel Jahr, wo Posaunenspielen mir einfach keinen Spaß mehr gemacht hat. Und ich da auch wieder entscheiden musste. Genauso wie bei Mathe und Physik, musste ich wieder entscheiden, Posaune oder also Spaß mit der Posaune oder kein Spaß mit der Posaune.

Und da habe ich nämlich auch wieder dafür entschieden, Spaß mit der Posaune zu haben und habe einfach nie wieder ein Probespiel angefragt.

Okay. Wie viel hast du gemacht?

Ich glaube, es waren insgesamt zwei. Das war viele. Ich muss den kurzen nachrechnen. Das eine in Mainz war ja dann das Praktikum da. Es hat auch gut funktioniert. So hat auch Spaß gemacht. Aber auch nicht immer. So, und da dachte ich, boah, jetzt noch 40 Jahre. Und ich hatte dann selber schon als Praktikant ganz, ganz, ganz oft Reguletto gespielt.

Es hat auch immer Spaß gemacht, aber ich dachte, boah, für immer Reguletto spielen. Reguletto spielen. Und dann habe ich für die, äh, quasi für die Nachfolge im HR einmal vorgespielt, hatte dann ein bisschen Pech bei den Zahlen. Ich war nämlich der, war nämlich letzter dann. Und der hört ja dann auch niemand mehr zu.

Und dann hatte ich noch einmal quasi in Mainz auch nochmal vorgespielt. Aber ich habe das nicht so ernsthaft in der Vorbereitung betrieben, sodass auch klar war, dass ich nicht genommen werde.

Aber war das das erste Mal, dass du so eine größere, Niederlage klingt ja so doof, aber irgendwie mal so einen Moment hattest, wo es mir einfach, wo dir jemand gesagt hat, ist nicht.

Ja, ja. Nee, stimmt nicht, stimmt nicht. Und zwar, Gottes Willen. Mit 14 wollte ich mal im Landesjung Blasorchester in Rheinland-Pfalz vorspielen und alle haben mich dazu ermutigt und so. Und ich habe auch sehr viel geübt. Und da wurde ich dann nicht genommen. Mit der Begründung, dass ich bei Air von Bach, meinem Selbstwahlstück, da ein C statt einem Cis gespielt hätte.

Und ich habe gesagt, nee, das kann eigentlich nicht sein. Vielleicht war mein Zis zu tief. Da habe ich natürlich rumdiskutiert. Aber dann haben sie gesagt, nee, also gerne nochmal probieren, aber jetzt nicht. Ja, weil wegen einem Ton ist ja sowieso ein bisschen jetzt quatschig. Und da war ich sehr niedergeschlagen und habe es noch nie wieder dafür beworben.

Aber sie haben mich dann irgendwann angefragt als Aushilfe, na mindestens über Aushilfe habe ich zweimal mitgespielt. Insgesamt war das auch wieder gut und hast du noch Absicht mal ein C statt ein Cis reingesemmelt. Nee, sowieso auch nicht.

Aber das finde ich ja eine alberne Begründung. Also vor allen Dingen in einem Jugendblasenkestel zu sagen, okay, Achtung, der eine tut, deswegen nehmen wir dich nicht.

Gut, das ist bei mir hängen geblieben. Vielleicht haben sie auch noch was anderes gesagt, was unten präsent im Kopf ist. Man legt sich das dann ja auch gern zurecht, wie es einem dann selber passt. Aber das finde ich, wir sollten das hier so zementieren.

Aber du hast ja erst hast du gesagt, du hast Studmusik gemacht. Dann bist du noch ein bisschen auf Orchestermusik rüberbekommen.

Das haben die anderen auch gemacht. Damit man mehr Posaunen spricht. Und dann habe ich es im vierten oder dritten Semester gefragt, ob ich denn Orchestermusik auch noch studieren durfte. Und da hat er dann Ja gesagt. Und dann habe ich Aufnahmenprüfungen gemacht und auch geschafft. Und wie gesagt, das erste Semester war ja, da habe ich schon zwei Jahre, zwei Projekte im Posaun-Ensemble mitgespielt, weil ich es ja schon einmal durchgefallen bin und er wollte mich.

Und dann habe ich gesagt, der eine im Ensemble, Tobi Jung, sagen keine Namen. Der kann höher und lauter spielen als ich. Das würde ich gerne ändern. So, und dann hat er einfach, haben wir Übungen gemacht und ich habe die so unfassbar wie geübt. Und es war einfach mein Ehrgeiz, da noch lauter und noch höher zu spielen.

Und es war einfach gut, jemanden am Anfang gerade jemanden zu haben, an dem ich mich schreiben kann und so ein bisschen messen kann, weil so Ehrgeiz und Konkurrenz im freundschaftlichen Sinne, also nie jemand wegmoppen oder Gottes Willen, ja. Also wirklich so, dass man einfach versucht, als der Neue so ein bisschen frech dann versucht, besser zu spielen oder höher zu spielen oder schöner, wie auch immer.

Ich finde laut und hoch ist doch schon gut. Und das war schon immer so ein bisschen, so ein bisschen ein Ansporn auch so. Einfach in eine Situation reinzugehen, sich zurückzulehnen auf der Craut, zu tun, als hätte man nie was geübt und dann einfach schön zu spielen. Das ist einfach so gut.

Aber es hat ja auch ein bisschen was mit Vertrauen zu tun. Vertrauen an sich selbst, dass man das ja dann auch kann. Ja, das stimmt. Wo kommt es her?

Ich habe jetzt hier schon so viel natürlich von meiner Mutter erzählt, aber die war auch meine Trainerin im Sport. Ah, okay.

Was hast du für einen Sport gemacht?

Ich habe Fußball gespielt, leichte Athletik, Tischtennis, so alles. Und es war immer so, dass gerade beim Fußball waren ja elf, also wir waren nicht zu elf, also gerade in Jugendgruppen sind es ja weniger, sind hinter einem Ball her und der aggressivste ist quasi der Beste. So und wie gesagt, sehr vorsichtig, ich wollte nie mehr den Ball abholen.

Ich wurde auch nie angespielt von meinen Spielpartnern da und stand da relativ viel einfach rum, obwohl die athletischen Voraussetzungen und das Ballgefühl gepasst hätten. Aber ich habe mich einfach nicht getraut. So, und jetzt habe ich deine Frage vergessen. Woher dieses Vertrauen kommt?

Du hast ja vorhin selber gesagt, du bist ja eigentlich der Schüchterne. Jetzt sagst du, du auch beim Fußball guckst ja lieber. Woher kommt das dann beim Musikmachen zu sagen, da gehe ich rein.

Ja, und dann gab es immer wieder Situationen, Vorturnen, quasi auf so einem Sportfest, also da weiß ich, wie ich es noch fünf oder so. Dann hier die dörfliche Fasernacht da dann mitgetanzt, immer schon als kleiner Junge, dann später Büttenreden da gemacht. Bei den Jugendvorspielen, Musikverein habe ich immer einen Solo-Beitrag auch gemacht.

Und dann habe ich irgendwie auch schon mit drei Singen vom ganzen Orchester allein Solo gespielt, so und es hat funktioniert und ich hatte irgendwie keine Angst davor. Sondern hatte meinen Dämpfer vergessen, bin dann vom Solo noch hinten in den Dämpfer holen gelaufen, bin zurückgejoggt auf die Wühne, hochgesprungen, habe einfach losgespielt.

Und es hat einfach, es hatte immer mehr den Anreiz, dass es einfach irgendwie Spaß macht. Und das konnte ich mir sehr lange und ich kann mir das sehr gut bewahren. Das ist einfach. So was Spielerisches? Ja, genau, dass man einfach hochgeht und es ist einfach eine Probe, bei der andere Leute zugucken dürfen.

Das hast du deinen Mindset? Zu denken, okay, es ist eine Probe, wo jeder mal zugucken darf?

Ja, im Prinzip, was ist der Unterschied zwischen einer Probe oder einer Generalprobe in einem Konzert? Also wenn es eine Generalprobe gut klappt, dann schreckt man sich im Konzert noch ein bisschen mehr an. Und es macht ja dann auch mehr Spaß und wenn die Hütte voll ist. Und das habe ich immer mehr als Ansporn gesehen, als irgendwas, wo ich denke, oh Gott, oh Gott, oh Gott, das sind jetzt Menschen, das darf ich nicht verspielen.

Und ich habe mich auch schon zu Genüge verspielt. Aber die Reaktionen danach waren dann meistens so, ah ja Gott, der bin der eine da oder so. Also es gab auch schon negative Reaktionen. Da habe ich dann irgendwo alt versauert, ganz lange gespielt und so und dachte, oh Gott sei Dank, geschafft. Hat mich einer vorgestellt und hat gesagt, das ist der Thomas, der kann sehr gut Tenorposaune spielen.

Das war ein bisschen niederschmetternd, aber Gottes Willen, ja. Es war jetzt nicht in den Sand gesetzt oder so, sondern es war eher in der Probe. Dann dachte ich, oh je, oui, was ist denn da los? So, und dann muss man das halt dann doch üben. Manche Sachen.

Versuchst du auch, das so in deine Vereine zu bringen, so dieses, okay, es ist eigentlich nur eine Probe mit Menschen.

Ja. Gerade in Mershead ist es so, dass die ganz lange einen Dirigent hatten, der sehr perfektionistisch unterwegs war. Ich will gar nicht sagen, dass ich das nicht bin. Ich vermittle das, glaube ich, aber anders. Und die hatten einfach immer Angst vor dem Konzert. Die standen unterwegs zitternd vor dem Konzert und ich wusste das vorher nicht, das hatte mir keiner gesagt.

Und die Vorbereitungen waren halt ganz normal und dann dachte ich, jetzt ist das Konzert. Und dann kamen Welche auf mich zu und haben gesagt, wie schön es wäre, unaufgeregt mal auf die Bühne zu gehen und ohne Angst spielen zu müssen, dass man irgendwie, ich weiß ja nicht, was da passieren soll, wenn man sich verspielt.

Vielleicht reißt er ab und scheißt das mal ins.

Und da dachte ich, boah, das bei anderen einfach tatsächlich anders. So. Und ich finde, es ist schön, wenn es Spaß macht. Weil wenn es Unspaß macht auf der Bühne, das ist ja das Einzige, was beim Publikum ankommt und man merkt, den macht es auch Spaß. Also auch gerade Spaß ist immer so verbunden mit vielleicht zu viel Unterhaltung und Comedy, aber es ist ja gar nicht, ja.

Also wenn wir irgendeine ernste Musik, ich nenne es einfach mal so, ja, damit man weiß, was ich meine, wenn man sowas spielt und einfach voll bei der Sache is and imprintstig these Passagen spielt and danach froh is, dass man das so gespielt hat anders getraut hat, so leise to spielen, so leise einzusetzen, dass kaum der Ton kommen kann, aber beim Konzert hat es dann funktioniert, oder der Nachbar hat es dann noch allein gespielt.

And ich glaube, this is this, was das Publikum für das Publikum ansteckend ist. Und nicht die Perfektion und nicht die perfekte Abstufung. Das können wir als Amateurerchester und Blasorchester sowieso nicht erreichen. Jedes Profi-Orchester sollte in der Regel besser spielen. Also müssen wir was finden, was wir genauso gut können.

Und das ist, glaube ich, Menschen mit unserer Musik berühren. Finde ich einen schönen Ansatz. Dankeschön.

Nein, das ist schön gesagt. Also ja, ich habe auch mein Orchester übernommen, wo ich auch schon so gemerkt habe, okay, die haben grundsätzlich erstmal Angst, oder die spielen, versuchen erstmal immer alles richtig zu spielen. Aber so emotional passiert da halt nichts. Außer mir ist, dann ist halt ein falscher Ton drin.

Aber versucht mir das doch mal irgendwie. Ist halt eine Geschichte, macht irgendwas damit. Aber nur richtige Töne hilft mir jetzt nicht. Natürlich freue ich mich, wenn wenig schief geht, ist klar. Aber wenn was passiert, meine Güte, dann ist das passiert. Also wir hatten vor, und das ist das ist eigentlich.

Wir hatten vor ein paar Jahren ein Stück mit Live-Elektronik und das muss dann halt zu einem gewissen Zeitpunkt auch richtig ausgelöst werden. Und Betreffender war an dem Konzert wahrscheinlich so nervös und hat einfach gesagt, eine Runde zu früh. Jetzt war es halt leider leicht verschoben, weil wir es einfach nicht mehr hingekriegt haben.

Ich glaube, unten hat es kein Mensch gemerkt. Also klar, ich habe natürlich versucht, irgendwie das einzurichten und der war so niedergeschnitten. Ich sagte, ey, das ist passiert, meine Güte. Ich kann es nicht mehr zurückdrehen, was soll ich dir jetzt den Kopf verbreiten? Was soll das denn? Ja, aber es tut mir so leid.

Ja, meine Güte. Das ist höre ich rum. Also dieses Nachhängen hilft ja auch niemandem. Klar, man kann ja dann trotzdem sich Aufnahmen anhören und sagen, okay, daran wollen wir arbeiten und das wollen wir nächstes Mal besser machen. Absolut. Aber da jetzt zu gucken, guck mal, da hat er gekickst, der hat das gemacht, ja, das hilft keinem.

Vor allem nicht nach dem Konzert.

Also, wie gesagt, ich habe so viel Kritik nach dem Konzert empfangen schon, also direkt danach, wenn man noch so viel Adrenalin im Blut hat, dass ich das inzwischen einfach radikal abschmettere. Ja, am Konzerttag selbst finde ich das sowieso Quatsch. Nächste Woche kannst du mir gerne sagen, oder noch besser in Vorbereitung fürs nächste Mal.

Dann haben die Personen vielleicht auch selber mal drüber nachgedacht. Und weil die sind ja selber aufgedreht nach dem Konzert. Und dann schmettern die einem was um die Ohren und ich bin selber aufgedreht und dann denkst du, das birgt immer Stoff zur Eskalation. Und ich sage dann, oh ja Gott, ich hab's mitbekommen.

Ja, ich finde es so, am Konzerttag finde ich das ja auch Quatsch. Jeder, die die Atmosphäre genießt und danach sich irgendwie zusammensetzt noch mit denen, die da sind und so. Das ist ja irgendwie. Ich weiß nicht, ob du drüber reden willst, aber warum bist du nicht in die Schule?

Darüber möchte ich an dieser Stelle reden. Ja, es war immer so ein bisschen Schule, nicht Schule, es hat ungefähr einmal in der Woche gewechselt, je nachdem, wie gut mein Busanunterricht gelaufen ist. Dachte ich, oh ja Gott, ich werde ja eh in die Schule gehen, muss ich jetzt nicht so viel üben. Und wenn es dann guter Unterricht war, dann dachte ich, vielleicht klappt es ja auch so noch ganz gut.

Und so war das einfach ganz lange in der Schwebe und ich habe mich auch nicht entschieden, auch ganz aktiv nicht. Und hab dann ja auch irgendwann während Corona, als Corona so langsam zu Ende ging, habe es dann mal nach zwei Jahren meinen Masterarbeit geschrieben. Thema? Thema war die Musik im Mittelalter von Vitri.

Ich dachte, ich bin da ganz clever, ich nehme ein Feld, das ich überhaupt nicht kenne, das mich nicht so viel interessiert, um dann nicht den Spaß an etwas zu verlieren, was ich gerne mag. Weil hätte ich zum Beispiel über die Posaunen geschrieben und hätte mich so intensiv wissenschaftlich mit der Posaun beschäftigen müssen und es alles schreiben, weil ich schreibe nicht so gern.

Eigentlich schon, aber gerade wissenschaftliche Sachen nicht so. Dann denke ich so, oh, der hätte Lust verloren und dachte ich, komm, ich mach einfach irgendwas, was ich noch nie gemacht habe. Und auch in einem Feld, was ich noch nie gemacht habe. Und habe mich dann nur ein bisschen eingelesen und bestanden ist bestanden, ja.

Und danach. War denn nicht so klug die Taktik, oder was? Für mich schon. Meine Professoren haben dann da geschrieben, haben einen sehr humorvollen Beurteilung geschrieben. Was immer positiv bei allen Hausarbeiten war, dass ich einen sehr humorvollen Umgang mit vielem hätte. Mit Quellen und der Schreibstil.

Und weiter, ja. Und dann war ja der logische Schritt nach Masterarbeit Ref und das war dann im November 22. Da kam ich dann nach Darmstadt, bin dann da auch immer hingefahren. Das heißt, dann um 5.30 Uhr aufstehen morgens, was sehr schlimm war. Dann einfach halt lange Schule bis 13 Uhr. Danach Seminar und dann habe ich halt keinen Musikverein abgegeben, kein Ensemble.

Ich hatte Dienstags, Mittwochs, Donnerstag und Freitagsprobe und habe da einfach in Darmstadt die Schule gehabt. In Heppenheim, noch unten drunter, dann das Seminar. In Mainz habe ich gewohnt und im Hunsrück hatte ich Musikvereine. Das heißt, ich habe da sehr, sehr viele Kilometer auf der Straße verbracht und kam mit nichts so richtig hinterher.

Und ausgerechnet für diese Zeit hatte ich mir ein Konzert mit Merschid ausgesucht, da ich dann mit Fabrice Milischer ein Doppelkonzert gespielt hatte von Johan de May. Das heißt, ich bin in der Zeit dann auch noch nach Freiburg gefahren. So und hatte dann am nächsten Morgen so und das wurde dann irgendwann immer mehr und immer mehr und die Schule hat mich nicht so glücklich gemacht, kann man einfach sagen.

Nicht das Ref, also quasi diese ganze wissenschaftliche Schiene, fand ich gar nicht so uninteressant. Aber jetzt bei fünfte, sechste Klasse Musik und vor allem Philosophie, wo die Klassen auch zusammengelegt sind, ist das Interesse doch sehr, sehr gering. Und Freitag, 5., 6. Stunde hatte ich halt eine fünfte Klasse, die über die Bänke gesprungen und getobt sind.

Und also es war nicht nur bei mir so. Also man kann ja auch sagen, dass ich das einfach nicht gut kann. Es war auch bei anderen so und da dachte ich dann irgendwann, nee, komm, ich habe überhaupt kein Interesse daran. Und dann kam ja dann auch noch der Lehrauftrag da in Mainz und dann dachte ich, komm, ich mach einfach mal.

Und hab dann den Chef quasi von der Bühne angerufen, von der Büchnerbühne, wo ich bis dahin eigentlich mehr als Stühle, Aufsteller und Helfer gearbeitet hatte. Als nehmen Job. Nur zum Spaß. Also einfach so. Und hab den gefragt, also wenn du mir einen richtigen Job gibst, dann höre ich im Ref auf. Und dann gesagt, ja, mach ich.

Und habe schon mal nichts da gekündigt. Okay.

Was ist die Büchnerbühne? Für die, die das nicht kennen.

Die Büchnerbühne, die ist in Riedstadt Leheim. Das ist ein ganz kleiner Ort im Prinzip. Und da war früher, also ganz früher war es quasi ein. Faselstall, das heißt, da war der Zuchtbulle drin und da wurden dann die Kuhdamen entführt und wurden dann für Nachwuchs vorgesorgt. Und dann war es später eine Schule und dann ein Feuerwehrgerätehaus.

So, und dann war die Frage, was macht man jetzt damit, nachdem das ausgesorgt hatte? Und die, ich weiß nicht auf welcher Ebene, wurde dann beschlossen, dass man da einen schönen Platz hätte, um für 250.000 Euro einen Parkplatz hinzumachen. So, und in der Zeit ungefähr kam dann Christian Sur um die Ecke, der 20 Jahre Berliner Ensemble und Umgebung da und dann Regie geführt hat über bei doch auch großen Theatern und hat gesagt, da er jetzt Zwillingspapa geworden ist, dass er sich irgendwie häuslich sich niederlassen will und die auch aufwachsen sehen will und nicht immer in ganz Deutschland umherreisen will.

Und der hat dann gesagt: für das Geld könnte er dann auch da eine Bühne installieren mit 150 Vorstellungen im Jahr. Und dann haben sie von den 250.000 doch auch 60.000 bekommen, haben dann da alles renoviert, da ist eine Bühne drin und dann ein Ensemble. Und es ist eigentlich ein Verein mit einem, und die haben Angestellt ein festes professionelles Ensemble.

Und der Christian Sur ist ja auf dem Gebiet schon, mir fällt es schwer zu sagen, aber schon ein quasi ein Genie im Theaterbusiness, was der Menschen vermitteln kann, was für einen Blick der einfach hat, Menschen eine Geschichte zu erzählen, dass sie was daraus bekommen. Das ist keine Verkünstlung von Theatertechniken, das vorzuführen, sondern es geht um Menschenbegegnungen, es geht um Liebe, um Schmerz, in allen Varianten.

Und da er ja quasi, ich glaube, er aus Gotelau kommt, da ist er das Geburtshaus von Georg Büchner und dann wieder zurück, kam nach Leheim, war dann der nahe Büchner Bühne gut. Und sein Leitsatz war, ich bin wegen Büchner Schauspieler geworden, weil im Voice steht, jeder Mensch ist ein Abgrund. So, und das war sein, als Jugendlicher sein Ding.

Und da kam ich dann, oh, wie kam ich denn da hin? Ja, meine damalige Mitbewohnerin, die hatte angefangen und ich habe einfach, warte, bin halt mitgefahren und fand es cool und habe halt immer geholfen, Stühle aufzubauen. Und dann hat er irgendwann mal gesagt, was machst du nächsten Samstag? Und dann habe ich gesagt, nix.

Ah ja, du kannst ja mal um 11 kommen, ich muss ein bisschen aufbauen. Dann habe ich gesagt, ja, okay. Dann ging es von morgens elf bis abends zwölf. Und da hatten wir sehr, sehr viel Zeit, uns zu unterhalten. Und ich musste dann auch Soundcheck machen. Und was soll ich denn sagen? Habe ich halt erzählt, jo, ich habe irgendwas von Platon erzählt, was ich ganz lustig fand.

Und ich habe dann immer wieder angerissen und habe gesagt, ich kann auch, also nicht, dass man es in einem Schauspieltheater bräuchte, aber ich könnte theoretisch auch Posaun spielen. Und da hatte ich gedacht, nee, nee, nee, nee. Und dann irgendwann hatte ich ihn soweit nach, und dann haben wir einmal Lenz und die Posaun gemacht.

Extra inszeniert für Posaunenquartett. Und dann haben wir das einmal gewagt. Und das fand er so gut, dass wir es dann verfolgt haben und das jetzt sehr intensiviert haben.

Ja, ich habe gesehen, du hattest jetzt irgend so ein Oppenheimer Stück. Ja. Kam da deine naturwissenschaftliche Ziele wieder raus?

Sehr. Ich habe mich sehr gefreut, einfach. Oppenheimer. Das war ein Auftrag von Aschaffenburg. Und die wollten eine Lesung und der Christian konnte sie dazu überzeugen, ein richtiges Theaterstück draus zu machen. Das ist ja quasi eine Gerichtsverhandlung, so dieses Hinterzimmer, was man quasi aus dem Film kennt, den ich nicht gesehen habe.

Da gibt es so ein Hinterzimmer, was so dreckig ist. Und da hat ja dieser Hauptprozess, war ja kein Strafprozess, der hat stattgefunden. Und da haben wir uns quasi aus ganz Deutschland Schauspieler zusammengesucht, zusammengecastet und haben uns dann im Januar eingeschlossen in der Büchnerbühne, haben jeden Tag das geprobt und hatten es dann jetzt in Aschaffenburg in dem wirklich sehr, sehr schönen Theater mit den roten Stühlen so.

Also sonst wirklich ein traumhaftes Theater.

Mein Heimatort quasi, ja.

Und wie gesagt, dass der Christian sich jetzt ein bisschen in die Posaune verliebt hat am Ende.

Aber wie muss ich mir das vorstellen? Ihr spielt ein Theater und dann kommst du irgendwann mit der Posaune um die Ecke und spielst.

Ja, ja, genau. Ich war am Anfang da, hab quasi Popcorn gegessen, so und Jogginghose und Nerd-T-Shirt. Und dann bin ich weg und dann ging ja quasi der Film los. So haben wir, also auch mit Fernbedienung, dann kamen die rein, haben gespielt. Und ganz am Ende ist der Oppenheimer alleine auf der Bühne und teilt quasi die wichtigsten Informationen, die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Stück sehr privat dem Publikum mit.

Und ich kam dann am Ende quasi nochmal auf die Bühne, als genau der gleiche Junge, der vorher den Film angemacht hat und habe jetzt quasi den Oppenheimer verstanden, was das für eine tragische Figur ist. Und dann haben wir am Ende, dann ging halt die Musik los und dann ein sehr sehnsüchtiges, langsames, schmerzvolles Thema zum Ausklang gespielt.

Ich habe dann da vorhin auch zweieinhalb Stunden. Ich scrolle ja dann und mache die Technik hinten. Und dann quasi mit eiskaltem Mundstück auf die eiskalten Lippen, aber in einer Höhe. Das war aufregend. Aber du bist jetzt nicht auch Schauspieler da. Nee, nee, nee, nee, nee, nee. Also Schauspieler sind Schauspieler.

Ich mache manchmal ein bisschen mit, so. Bei Loriot. Hab ich dann auch aufgeregt oder so, lese dann einen Text vor. Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin und so lustige Sachen halt. Bei Romy und Julia habe ich auch mitgemacht. Das war das erste. Da hat es Flügel an, war ganz in weiß, große weiße Flügel. Gibt es dafür ein Bild?

Ja, ich würde das gerne irgendwie posten. Und dann stand ich da oben und habe Vosaunen gespielt und ich musste einen unnatürlich erotischen Tanz aufführen mit meiner Vosaune. Wird immer besser. Gibt es ja auch ein Video. Nee, nicht glaub nicht. Und weil der Engel hat in der Situation seine Sexualität erkannt.

Und zwar: das war eine Herausforderung, das vorleuchtend zu machen. Also so spielen war ganz schlimm. Auch die ersten zwei Vorstellungen von Romeo und Julianit, aber je länger es wurde, desto größer wurde das Hemmnis, diesen Tanz zu machen. Sollte es nicht anders darum sein? Das soll andersrum sein, aber wahrscheinlich war man nicht mehr so euphorisch oder man hat mehr darüber nachgedacht und war nicht mehr so intuitiv da, sondern man musste nach Wochen, dachte man, oh Gott, ich muss ja noch den Tanz da machen.

Und da wurde die Blockade immer größer und so. Also es ging mir immer leicht von den Hüften. Aber trotzdem war, das war schon anders besonders.

Aber warum hast du da angefragt, ob du da einen Job haben kannst, um das Reft zu kündigen? Was reizt dich da dran? Weil du bist ja offiziell ja erstmal, wenn ich es richtig verstehe, okay, du spielst ein bisschen Posaune, aber bist auch für die Technik und so zuständig.

Ja, genau. Wir haben uns sehr, sehr gut verstanden und konnten uns immer sehr intensiv über die Stücke unterhalten. Und ich glaube auch, wahrscheinlich gepusht durch das Philosophiestudium, also im Nebenfach, Gott sei Dank, ich bin ja kein echter Philosoph, aber mich immer sehr dafür interessiert. Und jetzt kommt da jemand, der es mit der Literatur so gut auskennt, und der konnte alle meine Bedürfnisse, die irgendwie Geschichte, Sozialwissenschaften, Gesellschaft, kritische Sachen, das konnte der irgendwie alles erfüllen oder was dazu sagen und konnte dazu eine sinnvolle Geschichte entwickeln.

Und das hat mich einfach sehr gereizt. Und sein Jobangebot war ja quasi sein Assistent zu werden. Also das heißt, ich bin sehr nah dran an jeder Produktion und an allen Gedanken und wir reden da ganz viel drüber. Und da habe ich einfach gelernt, Stühle aufbauen, Tontechnik machen, wie man das richtig verkabelt, Lichttechnik machen wir da zu zweit, wie man eine Geschichte erzählt, also wirklich einen roten Faden durch ein ganzes Stück.

Das lernt man da, einen Blick einfach zu haben, was an was unverständlich noch ist, welche gestiken und haptiken der Schauspieler zwar hat, die Figur aber nicht, was da komisch ist, einfach den Blick in ganz viele Richtungen zu schärfen. Und er macht halt jetzt immer ganz viel Musik, kann gar keine Noten so richtig lesen, also inzwischen schon, Klavier, aber du musst immer die Musik, müsstest du mehr anhören, von dem.

Der Face von Glauber. Der schreibt dir ein Klavier-Solo über fünf, sechs Minuten, was so schön ist, man kann gar kein Klavier spielen oder keine Noten lesen oder keine Noten. Wer hat, also natürlich, ja, aber nicht so. Das, was du hörst, erwartest du von jemandem, der durch und durch Pianist ist. So, und dann hat er so eine, der hat einfach so eine schwere und eine ganz tiefe emotionale Grundaussage.

So, und das alles, was der quasi macht, macht was mit dir, wenn du zuhörst und berührt dich. Ist das die Tiefe, die du suchst?

Auch, also quasi auch in der Person selbst.

Ja, die Gespräche sind schon schon immer inhaltlich tief und stark. Wir unterhalten uns ja einfach über die Psyche von Figuren, die Shakespeare vor, ich will gerade sagen, vor langer Zeit aufgeschrieben hat. Darüber unterhalten wir uns. Quasi als in Anführungszeichen Psychologieanfänger. Und aus welchem Grund?

Und dann kommt der historische Kontext herbei. Wo haben die denn gelebt? Wann haben die gelebt? Was waren die Geflogenheiten? Und sich einfach so intensiv mit Sachen auseinanderzusetzen, das ist manchmal bei der Musik nicht so einfach. Und da ist es ganz einfach, weil es das tägliche Geschäft ist. Wie viele Stunden bist du da?

Ich bin da, also fest bin ich mittwochs da. Wir haben noch einmal in der Woche ein Meeting online und dann mache ich dann noch quasi von zu Hause im Homeoffice ganz viel. Einmal im Monat ist Nachtcafé, wo er einfach fünf bis acht neue Lieder jeden Monat raushaut mit neuen Texten. Und einmal im Monat ist dann ja jetzt noch meine eigene TKKT-Show.

Und dann je nachdem, was anfällt, noch so.

Das habe ich gelesen. Was ist das für eine Show?

Das ist, hat quasi verschiedene Vorbilder von YouTube-Formaten oder die ich ganz cool finde. Zum einen hier so ein bisschen Missverstehen Sie mich richtig mit Gregor Gysi oder Shee Krömer, so ein bisschen, ein bisschen Harald Schmidt-Show. Also ich lade mir einen Gast ein über die Zeit, die es dauert.

Und ich mache immer live mit denen Musik. Das heißt, in der ersten Folge war dann Felix Koch da mit dem Haus Cello, der hat, also er hat Cello gespielt, ich habe Posaune gespielt. Und wir haben Renaissance-Musik gemacht. Und was soll ich sagen, die Leute, oh, Renaissance-Musik, aber als Felix Koch das erste Mal den Mund aufgemacht hat, als ich gefragt habe, was machst du so, hat der durchgerattert und alle Leute waren wirklich an seinen Lippen gefangen.

Und dann setzen wir uns hin und spielen das dann. Und dann haben wir Boomwaker ausgeteilt und jeder konnte das aus der NATO spielen mit mir zusammen. Da kommt der Schulmusiker raus. Bei ihm, ja, ja. Und dann haben wir da einfach zusammen da was gespielt und er hat darüber improvisiert, das glaubst du nicht.

So, und es ist jeder rausgegangen mit einem Orwurm aus der Renaissance. Und der letzte war, der da war, war Christopher Miltenberger, der ist ja ein Schulmusiker. Schaffenburg. Genau, ja. Und ist ja ein Schulprax-Klavierspielprofessor und da haben die Leute dem Lieder zugerufen, zwei Stück, und er hat sie dann erstmal gespielt und hat die dann nach und nach zusammengestrickt quasi.

So. Und da war ich so, ach Gottes Willen. Das war ein krasser Moment. Also dann einfach für Elise und ich weiß gar nicht was noch. Einfach so ganz langsam. Dann wurde es ein Stück, eine Harmonie und man konnte Teile davon erkennen, Teile davon. Und das hat er dann dreimal aus dem Kopf einfach gezaubert.

Da dachte ich schon, Wahnsinns-Typ. Wann gibt es einen Blasmusikabend mit Michael? Noch nicht in Planung. Aber jetzt am Samstag kommt Stefan Kollmann. Und das wird bestimmt eine sehr lustige Folge, weil er spielt ja jetzt keine Aktiv Posaune mehr. Hat dann, wird dann seine Gitarre mitbringen. Und ich fand es irgendwie lustig, da diese so wirklich ein bisschen mehr Schickrömer einfließen zu lassen und einfach eine Gerichtsverhandlung oder einen Verhörraum und zu sagen, hier.

Und dann halt Storys von früher, weil er ein, kann man schon sagen, polarisierender Dirigent ist. Und weil wir uns seit meiner siebten Klasse, da war er Referendar an unserer Schule, kennen und wir einen sehr saloppen, fressen Ton untereinander hatten schon immer, wird es, glaube ich, eine sehr lustige Folge.

Das hört sich sehr spannend an. Wohin führt da noch dein Weg? Wirst du da selber irgendwann mal Regie führen?

Schwer zu sagen, ob ich ja selber überrascht, dass diese TKKT-Show überhaupt gibt, dass da der Vorstand und der Christian sofür steht das eigentlich? Thomas Kessler Kulturtalk. Ah. Es gibt dazu noch einen lustigen Jingle, wie in so einer richtigen Spieleshow früher. So, hat er dann auch selber geschrieben.

So, das versuchen wir einfach weiterlaufen zu lassen, auch das Nachtcafé und ich werde auch bei den Stücken, wenn es irgendwie mit Posaune was zu holen ist, auch Posaunespielen. Ob ich jetzt ernsthaft in das Schauspiel Business einsteige, bezweifle ich ein bisschen. Weil ich einfach sehr ungern auswendig lerne und einfach das nicht, also keine Technik gelernt habe.

Also die haben ja auch ganz normale Technikübungen und machen auch ihre Etüden und alles. Und das habe ich nie gemacht. Kann man ja noch. Das stimmt, aber das jetzt erstmal nicht in Planung. Also erstmal einfach die Projekte mit begleiten und es macht einfach sehr viel Spaß. Und ich lerne, glaube ich, schon so sehr, sehr viel bei ihm.

Wenn du schon sagst, Kultur-Talk, du machst jetzt ziemlich viel. Posaunenensemble, Posaunenchor. Musikvereine, auch gerade in der Refzeit, gibst du nicht auf, sondern hältst da dran fest. Konzertformate, jetzt bist du an der Bühne, machst so Sachen. Warum ist Kultur für dich wichtig und warum ist Kultur generell wichtig?

Es ist einfach, ich komme ja aus dem Hunsrück, also Raum Ideroberstein. Und da läuft einfach gar nichts mehr in irgendeiner Größenordnung, die ernst zu nehmen ist. Und die Feste, die ist noch kannte, die gibt es auch alle gar nicht mehr. Und auch im Dorf gibt's, da hatten wir ein großes Baumblütenfest ein paar Jahre lang.

Inzwischen gibt es einen Getränkestand und noch ein Feuer mit Würstchen irgendwie. Und das war's. Und das finde nicht nur ich sehr schade, auch ganz viele andere. Und ich habe irgendwann gedacht, warum soll ich immer irgendwo anders hinfahren? Oder warum sollten die Leute immer woanders hinfahren? Es wäre doch so viel schöner, wenn wir vor Ort auch was machen können.

Ich meine, die Arbeit, die andere machen, woanders machen, die können wir auch machen. Und deswegen ist mir das einfach sehr wichtig, dass an der Heimat bei mir da auch irgendwas stattfindet, nochmal so. Was heißt, also das hört sich jetzt zu negativ an. Also es findet was statt. Für mich findet zu wenig statt.

Gerade im Hinblick, wenn ihr jetzt nach Bayern oder Baden-Wittenberg guckt und wie schön das ist. Und ja, bei uns machen seit Corona so viele Vereine zu, die es bis Corona hingeschleppt haben. Jugendarbeit gibt es eigentlich gar keine mehr. Wir haben unsere auch aufgegeben, bevor es da war. Ah, da gibt es verschiedene Symptome oder Halbgründe.

Der Hauptgrund ist einfach, es gibt keine guten Leute, die das machen. Also natürlich, Jugendliche haben lange Schule oder Einzelunterricht kostet viel Geld. Das stimmt. Aber wenn du guckst, wer ist Jugenddirigent oder wer ist in der Jugendleiterszene da, das sind genauso unausgebildete Leute vielmals und oftmals.

Und dann haben die Jugendlichen vielleicht nicht mehr so viel Spaß. Dann macht vielleicht Fußball mehr Spaß, weil da eine andere Förderung dahinter steckt, die können sich einen anderen Trainer leisten, der irgendwie einen besseren Zugang hat. Und sowas preusten wir unbedingt auch, weil Musik ist halt ein langwieriges Geschäft.

Du musst lange üben, bis es gut wird. Und da jemanden an der Stange zu halten, ist einfach schwierig. Und wenn dann der Anreiz von vorne zu gering ist, dann hören die einfach auf. So, und früher hat man dann gesagt, naja, wenn einer durchkommt, ja, davon träumst du ja, dass es überhaupt noch einen gibt, der anfängt.

So. Und ja, also ich hatte das Glück, dass ich da in einer Gruppe war, ein Tiefenstein, war das im Jugendorchester, der hatte da ganz neu angefangen, den Martin Wendel, den hätte ich mal geschickt, als im Jugendleiter oder Jugenddirigenten ging. Der war da selber 24, glaube ich. Hat es auch überhaupt nicht gelernt.

Aber der konnte Menschen oder Jugendliche, der war immer so, so ein Leitwolf. Jeder wollte so cool sein wie der. Und der hat die Leute auch wirklich hart rangenommen. Aber es hatte keinem was ausgemacht. Und dann war das ein ganz normales Jugendorchester. Und daraus wurde letzten Endes, als er da aufgehört hat, war das auch, ich weiß nicht, 40 oder 50 Jugendliche, die jeden Donnerstag eine Stunde herkamen.

Riesiges Einzugsgebiet. Und das war im Prinzip so ein bisschen für unsere Generation das Kreis Jugendorchester. So, und ich weiß, dass ich mir jetzt auch widerspreche, mit dem, was ich vorher gesagt habe. Er ist unausgebildet, in Anführungszeichen. Aber er konnte immer eine Bindung oder kannst bis heute eine Bindung zu Menschen aufbauen und begeistern für Musik.

Und das konnte der so gut, dass einfach alle Jugendlichen zu dem wollten. So. Und in diesem Pool war ich mit dabei. Von dem Pool sind auch ganz viele Studierende gegangen, ganz viele sind professionelle Musiker. Und das ist einfach eine schöne Sache.

Wenn du dir die Zeit so generell in der Gesellschaft jetzt anguckst, wie wichtig ist Kultur?

Kultur ist wichtig, aber es ist eine Kultur, eine Nehmerkultur zunehmend. Und nicht so sehr der Eigeninitiative. Also dieses Mitgestalten, das fällt manchmal auf, dass das nicht so gut ist. Also ich kann immer nur ganz nah von den Ortschaften oder Vereinen reden, bei denen ich selber aktiv bin, dass wenn Dienste zu machen sind, dass da einfach Leute hingehen und sich eintragen von sich aus, dass man die nicht gängeln muss und sagt, hier, wir brauchen unbedingt nur einen.

Und auch da wieder ein lobendes Beispiel an Möhr steht. Da wird eine Listo irgendwo ausgelegt und am Abend ist sie zwar nicht voll, aber es trägt sich jeder ein und dann über vier Wochen ist sie dann voll. ohne dass jemand da hart rangenommen werden kann. Aber da ist dann auch, man merkt sofort, untereinander sind die so herzig und so, die kommen auch aus ganz vielen sozialen Gründen da zusammen.

So und da funktioniert es noch. Wie kann man das fördern?

Also ich glaube ja schon, dass es viele Orchester oder dass es in jedem jedem Musikverein so ist, dass die quasi auch aus sozialen Gründen zusammenkommt, aber nicht überall ist ja dieses Miteinander und so gut, wie es anscheinend bei euch ist. Wie kann man das fördern?

Fördern kann man es dadurch, dass die Proben erstmal Spaß machen. Also ich als Dirigent habe die Aufgabe, dass die Leute freiwillig zu mir kommen. Und ich sage auch immer, wenn man keine Lust hat, Promo ich komme, also wenn man mal eine Probe keine Lust hat, dann kommst du halt nächstmal wieder. Die meisten kommen dann trotzdem und haben dann am Ende des Tages doch Spaß.

Da habe ich auch schon die Rückmeldung bekommen, dass sie schlecht gelaunt in die Probe kam und dann gut gelaunt nach Hause sind. Das ist immer gut. So dass, und dass wir ein Ziel haben, ein Ziel, das ein bisschen oberhalb unseres Vermögens ist, dass man sich ein bisschen strecken muss, um da dran zu kommen.

Das kann ich machen. Der Vorstand macht Ausflüge oder mit einem Probenwochenende wegfahren, kostet inzwischen unfassbar viel Geld, auch Bus und so. Aber gerade so Teambuildings-Maßnahmen, nach der Probe lange zusammenstehen, das sind einfach wichtige Sachen. Dass man nicht nach der Probe einpackt, nach Hause geht, sondern dass man nach der Probe sich Getränke hinten holt, jemand hat was mitgebracht zum Essen, dass man sich unterhält, austauscht.

Das wollen wir auch, dass die Leute am Konzert da bleiben. Und wir müssen es halt auch proben. Und diese Form der Gesellschaft, dass ich jemandem sagen kann, hier, es war nicht gut in der Probe. Und nach der Probe sage ich hier, war doch eine gute Probe und so. Also Gott, meistens rede ich nicht über die Probe nach der Probe, sondern ich unterhalte mich das ganz normal mit denen.

So und hat auch keine Berührungsängste. Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man da eine zusammenhängende und denkende Gruppe wird.

Die eine Seite ist ja, okay, es passiert nicht viel und wir machen was. Die andere Seite ist, die Leute müssen ja auch kommen. Also in die Konzerte kommen. Ja. Wie sieht es da aus bei euch?

Ja, eigentlich ganz gut. Also unser Stadttheater, da passen 580, ich weiß nicht ganz genau, ja, knapp 600 rein. Das kriegen wir sehr gut gefüllt. So, sich immer ausverkauft, ganz gut gefüllt jetzt dieses Jahr beim Konzert. Da waren wir mal woanders, da haben wir erst 350 Stühle gestellt. Wir haben dann am Ende noch 60 Stühle dazugestellt.

Also das funktioniert ganz gut. So in der Größenordnung sind wir da unterwegs jetzt vom Musikverein. Und ich meine, es gibt immer viele Angehörige. Der ganze Ort kommt, weil der ganze Ort so ein bisschen verrückt ist. Da gibt es einen ganz großen Fußballclub noch, der genauso gut funktioniert wie der Musikverein.

Und es gibt die Karl-May-Festspiele, der ja auch, die ja auch irgendwie, ich glaube, 19.000 Zuschauer haben, da gibt es Freilichtbühne und so weiter. Und der ganze Ort tickt ein bisschen so, dass man sich für seinen Ort und für seinen Verein engagiert. Und da bin ich auch einfach froh, dass ich da gelandet bin.

Und ja, was machen? Also wir hatten vorletztes Jahr geplant, das wäre ein Festival. Ich fand Wurzog cool, doch doch cool, kann man ja mal machen. Und wir haben einfach geplant, auf diesem Festspielgelände, was da fest installiert ist, mit 1000 festen Sitzbärsen oder 1500 eine Bühne hinzustellen und drei Tage lang ein Konzert von uns zu feiern.

Dann hatte ich auch schon ganz viele Ensembles angefragt, Orchester, so und wir hatten auch kalkuliert, wie viel das alles kosten werde. Sehr, sehr viel. Und Förderung. Und wir haben da auch jemanden, unser Vorsitzender ist bei Förderung auch sehr stark hinterher. Aber letzten Endes hat es dann zwei Personen gescheitert, die gesagt haben, oh nee, da darf man jetzt den Musikverein nicht so bevorzugen.

Und dann konnten wir das nicht machen. Weil wir das nicht von uns aus machen konnten, sondern es musste quasi auf einer Ebene höher gemacht werden. Und da waren wir natürlich schon ein bisschen geknickt, völligverständlich, dass das an sowas Blödem scheitert.

Aber gibt es den Plan noch, das nochmal zu machen?

Ja, der Plan ist quasi in der Tasche, der ist quasi fertig, das kann man machen. Und wir warten vielleicht noch zu unserem hundertjährigen Jubiläum, das dann in fünf Jahren, dass wir das dann nochmal angehen und jetzt über die Zeit ein bisschen sparen, dass wir selber quasi das Geld bezahlen können und nicht irgendwie auf andere angewiesen sind.

Was reizt dich, so Dinge anzugehen? Also ich habe schon das Gefühl, was ich so von dir mitbekomme, dass du schon Bock hast, irgendwie neue Konzertformate und hier mal planen und dass das schon so ein Ding ist.

Ja, das stimmt. Ich weiß auch nicht so genau. Ich habe meistens ein Stück, was mir gut gefällt. Und dann baue ich andere Stücke drum, die gut dazu passen. Dann verwerfe ich nochmal alles. Das Lustige ist, in der Zwischenzeit kaufe ich natürlich alle anderen Stücke. Und dann suche ich es immer einen roten Faden.

Weil ich finde es so schön, wenn man ein konzeptionelles Konzert hat. Das von vorne bis hinten irgendwie jetzt durchdacht wäre jetzt zu groß gesagt, ja, aber es hat immer eine Linie drin, der man folgen kann. Und einen Höhepunkt am Ende des Konzerts. Und deswegen, das macht mir einfach Spaß. Und vielleicht ist es auch immer noch die Erfahrung mit damals dann mit Ralf Otto, dieses vollumschließende Konzept.

Machst du Konzerte anders, seitdem du bei der Büchnerbühne bist?

Ja, also Konzerte vielleicht nicht, aber ich probe anders. Weil ich versuche den Orchesterleuten den Gedanken hinter dem Stück näher zu bringen. Mit Bildern, mit Geschichten. Und die Proben immer von grob nach fein. Also ich mache nicht Takt 1, bis er gut ist, dann kommt Tag 2 dazu, bis er gut ist, sondern ich lasse das Stück durchlaufen, gucke, was es ist.

Und dann werden die Abschnitte quasi immer kürzer und versuche einfach ein halbes Jahr zu vermitteln, was der hinterstehende Gedanke ist, den man denken muss. Und wenn jeder den Gedanken denkt und versucht auszudrücken beim Spielen, dann kann es nicht schlecht werden. Man kann sich verspielen, man kann sich verkieksen, aber du gehst jetzt stimmt.

Und ich glaube, das ist das, was gut ist. Und an Übkonzepten ein bisschen beeinflusst hat mich, ich weiß nicht, ob wir online relativ stark, irgendwann der, der Manuel Epli.

Ja.

Und der hat dann, der ist ja auch, ich glaube, Mathematiker so ein bisschen. Ja, der ist, glaube ich, Mathe-Lehrer, ja. Genau. Und von denen seinen Konzepten, die habe ich sehr, der intensiv mir angeschaut, dass er einfach ganz früh, der macht ja quasi erstmal nur Satzproben, bis alles funktioniert, dann Registerproben und dann erst Gesamtproben.

So und ich mache nicht nur Satzproben am Anfang, aber ich mache ganz früh ein Probenwochenende nur mit Satzproben. Damit man, wenn man in der Tutti-Probe sitzt dienstags, dass man direkt ein gutes Gefühl hat bei den ganz schweren Stücken, dass man direkt weiß, wie die Lösung lautet und nicht so lange, dass wir Fehler einfach nicht vier Monate rumschleppen, bis sie auffallen, sondern das direkt beben und dann einfach an der Musik arbeiten.

Und da hat mir auch geholfen, der Gedanke von Matthias Breitschaft, der war ja ganz lange hier, Domkapellmeister in Mainz, mit dem habe ich dann im Bachelor Dirigieren gehabt bei Schulmusik. Und der hat gesagt, wenn ihr nicht wisst, was er macht, dann macht Daf dick. Und dann das einfach ein Kunstwort von ihm.

Das heißt dann, also es ist ja Abkürzung, Dynamik, Artikulation, Phrasierung, Intonation, Tempo, Klang. Ein Treher drin gehabt, ja, nicht so schlimm. So, und was dann viel passiert oder was ich viel sehe, ist, dass nur an diesen Parametern gearbeitet wird und dann ab der Generalprobe quasi die Musik drauf kommt.

Und ich versuche das ein bisschen andersrum zu sehen, weil wir die technische Perfektion nicht erreichen. Auch ich nicht beim Posaunenspielen. Ich versuche immer, mich mitzuteilen. So. Und dann wächst daran auch, wachsen auch die anderen Parameter.

Mich hat mal, das hat mich sehr nachhaltig beeinflusst. Ich hatte mal gerade in Corona so eine Zeit lang Unterricht bei Alex Links. Der hat mich irgendwann mal gefragt, wie viele Konzerte dirigierst du während der Probe? Und dann ging es genau um das, warum erst im Konzert anfangen, Musik zu machen. Woher sollen die das können, wenn du es vorher nicht machst?

Absolut. Bin ich auch dafür, dass einfach vorher Musik gemacht ist.

Ja, ja, ja. Richtig.

Sein Name ist vorhin schon mal gefallen, Michael Klustermann. Du bist jetzt seit ein paar Jahren dabei, seit zwei. Ja, genau, seit ungefähr zwei, ja. Nochmal eine ganz andere Ecke irgendwie, wobei sich da so ein bisschen der Kreis schließt, wenn du mit Moschmusik groß gewonnen bist, denn jetzt quasi bei einem der letzten lebenden Legenden der Blasmusik-Szenen, muss man ja sagen, die ganz großen, diese.

Wie ist das so für dich? Aufregend. Weil es so anders ist. Also ich hatte, außer dass ich das Musikverein gemacht habe und immer gerne Nachschlag gespielt habe. Jetzt haben mich immer so viele beschwert, die wollten dann lieber die Baritonstimme spielen. Aber ich wollte noch nie die Baritonstimme auf der Fosaune stehen.

Ich wollte immer das Rhythmische, den Nachschlag und dann das Bass-Solo am besten sehr, sehr laut spielen. Da sind wir wieder beim Laut. Genau. Und dann einfach lange überhaupt nichts mehr damit zu tun gehabt. Und dann bei dem legendären Fabrice-Konzert irgendwie kam es dann, dass ich bei diesem Konzert eine neue Freundin dazu bekommen habe.

Verrückt. So, und die ist quasi die beste Freundin von Niklas. Und der hatte dann diese Geburtstagsfeier 90, 60, 30. Da war ich dann mit auch eingeladen. Und ich war da am Anfang gedacht, boah, das ist ja so weit weg. Wo ist denn das überhaupt? Und ich wusste gar nicht so genau, wo das ist. Und ich wusste immer, wer Klostermann, dass er irgendjemand ist, der irgendwie krass sein muss, weil bei manchen Leuten aus unserer Gegend hat man gesagt, oh, der hat früher beim Klostermann gespielt.

So, da dachte ich schon, der muss, aber habt es auch nie verfolgt. Und dann war ich auf diesem Geburtstag, da war dann auch Franz Watz da, da dachte ich, oh, krass, Franz Watz ist ja da. Was mag das nur für ein Mensch sein? So, und dann war vorne das Orchester, also quasi der ganze Saal saß dann auf einmal vorne, bis auf ein paar weniger.

Und die haben dann schön gespielt und ich dachte, ach, ist das schön. Und dann habe ich meine Freundin gefragt, ja, wann dirigiert denn jetzt mal der Michael? Und dann ist er für zwei Stücke tatsächlich nach vorne gekommen und hat dann dirigiert. Und es war eine absolut andere Welt. Jeder ist auf seinem Stuhl 20 Meter nach vorne gerutscht.

Jeder war so aufmerksam, also wie es vorher in die Noten gespielt, einfach, es hat es schön angehört. Und dann war das auch einmal so anders und ich dachte, wie krass kann das sein, dass eine Person der Wechsel vorne bei lauter Profis oder zumindest böhmischen Profis, dass das so anders ist. Und dann habe ich den Niklas ganz oft angeschrieben, wann wir mal diesen Workshop machen können.

So, und dann hat mich irgendwann morgens um neun eine unbekannte Nummer angerufen, da war dann der Michael Klostermann dran und wir haben einfach zweieinhalb Stunden über böhmische Artikulation geredet. Also hallo Thomas, ich habe gehört, du interessierst dich dafür, aber wusstest du, dass die 32 und so, was ja in seinem Buch ganz viel steht, und da haben wir uns so intensiv unterhalten, und dann hat er gesagt, er schreibt gerade ein Buch, in dem das alles genau drinsteht.

Ob ich das nochmal Probelesen will und kommentieren will und so und dann sag ich, ja klar, ich war ja noch gerade so im Studiums-Masterabschluss, Korrekturlesemmodus. Und dann war der auch noch so nett und hat mich dann nach vorne reingeschrieben als Danksagung. Ich habe ja höchst nichts gemacht, so im Prinzip.

Und die Beschäftigung war dann irgendwie plötzlich so viel. Und dann hat er irgendwann gesagt, er hat gerade ein neues Stück geschrieben, er bräuchte einen Posaunisten, der das mal kurz einspielen kommt. So ja, okay, hingefahren, ich wusste jetzt, wo es ist. Und dann sitzt er direkt links neben einem, dann seinen Computer, und dann musst du ins Mikrofon alleine Nachschlag spielen, hast auf den Kopfhörern die Musik.

Und dann zeigt dir der am Computer, dass du ganz schön nachdrückst und die Zeltzeit nie pünktlich triffst. Und dann arbeitest du vier Stunden am Stück damit mit ihm und triffst es dann ein bisschen besser. Ich will nicht sagen, dass ich das treffe, ja. Das war so eine intensive Beschäftigung damit, die überhaupt nichts mit Unterhaltung einfach so zu tun hat, sondern es ist ihm wichtig, dass das so gespielt wird, aus Traditionsgründen.

Also ich glaube, wenn er keine Zuhörer hätte, er würde genauso Musik machen. Genau die gleiche Art und Weise. Und das aus vollem Herzen, das hat mich einfach sehr, sehr begeistert. Und nach dieser ersten Probe hat er gesagt, dass wenn ich so spielen würde, ich engagiert wäre. Das hat mich sehr gefreut.

Und dann war der erste Auftritt, war ja dann der Woodstock. Natürlich schon sehr aufregend so. Und ja, seitdem bin ich ein bisschen dabei. Also bei jedem Konzert so. Ich versuche immer Proben zu initiieren und machen auch andere. Und ja, es macht schon sehr viel Spaß, weil es ihm so ernst ist.

Was hast du jetzt für dich damit genommen? Also die Sicht auf Musik, ich habe so mit ihm ja das Gespräch auch geführt. Dann hatte ich auch nochmal einen Workshop, wo ich dann oben mit ihm gespielt habe. Es macht ja was mit allem, so anders auf Musik zu blicken.

Ja, er hat ja ganz strenge Regeln. Was heißt nicht nur er, ja, aber ich kenne nur ihn in der böhmischen Blasmusik und kann mich auch nur auf das beziehen, was er sagt. Also er hat ganz strenge Regeln, was den Nachschlag betrifft, was die Form betrifft, was das Basssolo betrifft, was die Betonung betrifft.

Und er prüft es einfach immer nach und wird überhaupt nicht leid zu sagen, was ihn stört und versucht da ganz genau das rauszubekommen, was er hören will. Das finde ich sehr anstrengend, aber das ist auch die einzige Art, die ich gut finde, so zu arbeiten.

Welche Regeln gibt es beim Nachschlag?

Ja, dass der Nachschlag eben hinten offen ist und aber vorne, wenn man sich so eine Glocke vorstellt, die ist am Tonanfang am stärksten, dass der Tor nicht erst so aufgebläht wird, dass es quasi zuerst die Luft kommt und dann der Anschluss, sondern der Ton muss ganz genau dann kommen, wenn die Zunge schlägt und da ist sie am stärksten und dann muss sie sehr schnell absteilen und dann eben um diese böhmische Achtel versetzt nach hinten sein.

Und dann im Satz natürlich die Balance, dass sie stimmt und diese ganzen Sachen und er ist dann noch sehr episch, dass die Eins eine besondere Zeltheit ist, weil natürlich der Walzer oder die Polka aus der Tanzmusik kommen. So, und das muss einfach, das Tempo muss stehen und die Eins brauchen Gewicht, damit dieser Tanz gespürt werden kann.

Und das macht er auch bei Konzertantensachen so einfach der Tradition wegen. So.

Das ist ja der erste Auftritt war Wurztag und du kanntest nur ihn. Wie war das dann in so eine Hardcore Blasmusik Bubble reingeschmissen zu werden?

Ja. Schön. Also was bin da ganz naiv, positiv reingegangen. Ich dachte, ja, Nachschlag, werde ich gut genug können. Dass man da manchmal falsch liegt, ist halt so, ja, mit so Einstellungen. Aber hatte jetzt keine Angst und dass da dann einfach auch richtige Berühmtheiten mit dabei sitzen, das ist schon besonders.

Aber so die Imposaunensatz, dass wir uns dann, wir drei uns gut verstehen, dann mein Nebenmann am Schlagzeug, dass ich immer mit dem pünktlich auf dem Nachschlag bin. Das sind die Sachen, die dann wirklich schön sind. Dass ich mit den drei zusammenspiele und auf der anderen Seite mit dem anderen. Bei den Flügelhörnern oder den Norhörnern, von hinten staunt mal, wenn man was mitkriegt, genauso.

Aber wenn es läuft, dann macht es einfach Spaß. Und ein Nebensitzer hatte mal gesagt, so richtig Spaß macht den Nachschlag nur bei Michael Klostermann, weil es eben nicht langweilig ist. Also er bemisst den Nachschlag mit so viel Bedeutung, also den Aufträgschlag ja noch mehr, aber für ihn ist der Rhythmus einfach so entscheidend und so wichtig, dass man sich auch ernst genommen fühlt als Posaunist und nicht nur ein bisschen Rhythmus mitmacht und man ist einfach bemüht, das dann richtig zu machen.

Ist das auch bei ihm so eine allumfassende und Tiefgründigkeit, die du suchst?

Ja, würde ich schon. Also wenn man jetzt so die anderen betrachtet hier, Christian Suhr oder Ralf Otto oder auch Klaus Broschke, über den wir noch gar nicht so den Unterricht nur angeschnitten haben, das sind einfach Menschen, die von innen heraus das mit 120% machen und nichts anderes akzeptieren können.

Und das gefällt mir sehr gut. Bist du in deinem Posaunensemble auch so? Nee. Also jetzt zum Beispiel beim Posaunen Chor, das sind ja auch im Prinzip Laien, die waren früher die Spontanplazer und dann haben hatte ich da einen Auftritt, Solo mit Orgel, und dann haben die gefragt, hier, hast du Lust, uns zu leiten?

Hab ich gesagt, ja, ich habe noch nie Posaunchor gemacht, aber kann ich machen. Und dann habe ich es einfach gemacht, wie ich dachte. Mein Vorbild war dann Joe Brass. Wäre doch schön, wenn wir da hinkäben. Und dann hatten da manche so viel Spaß dran, dass sie einfach so viel geübt haben. Und jetzt spielen wir in Mainz überall, auch ein bisschen außerhalb von Mainz.

Und wir haben so viele Auftritte, dass ich manchmal sagen muss, wir müssen ein bisschen langsam machen, nicht dass es den Leuten zu viel wird. Und da geht es einfach immer um die Entwicklung und das auch das Ensemble, das sich am meisten entwickelt hat. So wirklich von Choral nicht gut spielen zu wirklich guter, sehr guter Posaunenchor-Literatur.

Und seit 2017 machen wir das jetzt und es macht einfach wirklich Spaß. Und mit dem Posaunenquartett ist ein bisschen anders. Die haben ja alle mit mir studiert. Das heißt, ich leite das musikalisch ein bisschen, organisiere das vorwiegend. Aber da wird der Umgangston, der ist anders als sonst überall, um es mal so zu sagen.

Und da wird schon wirklich scharf geschossen, aber alles in einem sehr freundschaftlichen Sinne und wir streiten uns ja im Prinzip darum, wie es schöner klingt. Und da ja jeder viel Lebenslast zu tragen hat, war das immer lang ein Ort, bei dem man wirklich alles rauslassen konnte. Ich habe mal irgendwann eine Mail geschrieben, dass wir das vielleicht eindämmen könnten, um uns mehr zu fokussieren.

Aber da geht es wirklich darum, quasi ein bisschen meinen Ehrgeiz gerecht zu werden. Mein Programm besteht vielleicht ein bisschen zu sehr daraus, unspielbare Sachen zu spielen. Und ich übe dies so intensiv und so lange, bis es spielen kann. So, und ich lege das Programm immer fest und schicke das überall hin.

Und dann muss ich das ja üben. So, und wir hatten mal ein Stück. Da stand dann beim letzten Tor nach 20 Minuten schweißtreibende Arbeit, stand, wenn der erste Bosonist das hohe Genisch bringt, bitte eine Oktave tiefer. Und es hat mich so getriggert, dass ich es so lange geübt habe, wie es spielen konnte.

So. Und das eben so ein bisschen die Quartett-Story, dass ich da dann eben versuche, so gut, einfach wie spielen kann zu spielen. Und da haben wir jetzt dann ja auch dieses Riesenprojekt mit der Büchnerbühne zusammen, da haben wir zwei Komponisten von der Hochschule in Mainz, die uns ein Stück komponieren.

Da haben wir am 3.10. haben wir da Uraufführung, quasi Posaunen-Quartett, einen Schauspieler, einen Sänger vom WDR, Rundfunkchor und über das Leben und Leiden von Georg Büchner und Ludwig Weidig, die ja als demokratische Vorkämpfer da waren. Und das wird ein sehr, sehr schönes Projekt werden.

Wie bewahrst du dir so eine Offenheit, so was auch Musikstile betrifft? Also man könnte ja auch, wenn man dann so aus dem klassischen Studium rauskommt und vorher mit Blasenmusik gar nicht so viel am Hut hat, wenn dann ein bisschen Nachschlag bei mir machen, auch gleich schon sagen, nee, mein Gott.

Naja, im Kopf der Amateur geblieben und von der Technik ist es dann halt mit abgeschlossenem Studium, sieht es dann natürlich anders aus. Aber die Spielfreude, ich habe es zum Spaß auch oft Spielwut genannt, weil ich es unbedingt spielen wollte. Das ist mir halt einfach wichtig. Weil absitzen, Dienste absitzen, wenn man es wirklich negativ auffassen will, was man nicht muss, ja, es gibt ja andere Typen, die darauf hinarbeiten und das unbedingt wollen.

Aber das wollte ich nie so gerne. Ich wollte immer quasi mich mitteilen und Spaß daran haben. Und 20 Minuten Pause standen dann oft, also während so langen sinfonischen Stücken, demgegenüber, dass ich ja bei einem Solo-Abend eine Stunde einfach spielen kann. Und das hat mir immer mehr Spaß gemacht. So, und ich spiele ja auch heute noch ganz viel Orgelposaune.

Und da gibt es immer ein Stück im Programm drin, das ich vorher noch gar nicht konnte.

Übst du jeden Tag? Ich versuche es.

Aber meine Freundin renoviert ein Haus und hat ein großes Grundstück. Da ist es manchmal so, dass ich dann sage: Oh, nee, heute kann ich mehr üben. So, ich versuche immer, das erste, was ich tue, nah dem Frühstück, ist eigentlich Posaune üben. So. Und mache dann relativ lange Basics und dann übe ich immer Teile aus den Programmen, die ich mir dann da zusammenstelle.

Ist ja genug. Also jeder einmal im Monat Büchnerbühne neu, Quartett-Konzerte, das ist ja auch immer viel zu üben. Ich übe auch den Nachschlag bei Klostermann, um da einfach immer genauer zu werden. Und Soloprogramme, Etüden. Und je nachdem, was an der Hochschule läuft, versuche ich dann auch, wenn jemand bei mir dann Gröndal spielt, übe ich zu Hause halt auch Gröndal.

Weil sonst kann ich mir nichts vorspielen. Weil gerade auch im Studium, die sind auch alle begeistert, die können auch alle, die üben alle. Und dann jemandem was vorzuspielen und es ist einfach scheußlich an und zu sagen, ja, so oder so in der Art halt, finde ich nicht so schön, als wenn es wirklich schön klingen würde.

So, deswegen mache ich es einfach und für mich gehört es ein bisschen dazu.

Was sind deine Übe-Tipps?

Wenn man den Kopf noch frei hat, üben, morgens, oder halt, wenn man arbeitet, nach dem Abendessen oder so, wenn man halt ein bisschen runtergekommen ist. Und dann beim Einspielen nicht schon anfangen zu üben. Also ich mache immer so erste Runde, Instrument warm machen, Lippen warm machen, einfach Luft fließen lassen, Sound finden.

Immer erst den Sound finden, bevor man irgendwelche krassen Sachen spielt. Und dann versuchen, einfach beim Einspielen den Sound immer mitzunehmen. Dann kommt erst die Zunge dazu, dann kommt der Arm dazu oder die Finger, je nachdem, und einfach immer sich selber zuhören. Und dann gibt es, es gibt so Typen und es gibt so Typen, ich sage, gerade beim Einspielen, wenn ich mich mal vertan habe, was jedes Mal vorkommt, dann ist es überhaupt nicht schlimm, weil ich übe ja morgen wieder, dann brauche ich heute die Übung nicht nochmal zu machen, weil ich habe ja meistens pro Lage eine Wiederholung.

Das heißt, wenn ich durch die Tonleitern gehe, dann fange ich unten bei E-Dur an, höre bei B-Dur auf, sind sieben Mal hintereinander und dann spiele ich bei Ast Dur bei einem Ton verkickst habe. Dann werde ich den am nächsten Tag nicht an der Stelle verkicksen. Aber ich wiederhole dann nicht Astur so lange, bis es perfekt funktioniert, sondern ich versuche einfach immer beim ersten Mal richtig zu spielen und wenn ich mich verspielt habe, habe ich Pass gehabt.

So. Und bei Etüden sehe ich das relativ ähnlich. Du musst dich vor dem Üben entscheiden, willst du durchspielen oder willst du üben. Weil wenn man anfängt, durchzuspielen und dann hat nicht funktioniert und dann abbricht und dann kommt man nie in dieses Spielen rein, was man unbedingt braucht. Und einfach, darüber haben wir ja eben auch viel geredet, einfach die Musik hinter den Noten erkennen und der Phrasierung folgen, der Luft folgen.

Und deswegen einmal durchspielen, korrigieren, was zu korrigieren ist, ein bisschen länger Anlauf nehmen, nochmal über die Stelle drüber spielen und dann zusammenfassend optimalerweise einfach die ganze Stelle nochmal spielen, zusammenfassend. Aber nie dieses ständige Unterbrechen ist in meinen Augen oft kontraproduktiv, weil man zu sehr an den Fehler denkt und nicht an die Musik.

Kannst du Fehler schnell abhaken?

Kommt ganz wirklich völlig drauf an. Also Quartett-Fehler hängen mir manchmal lange nach. Sollst dir die anderen unter die Nase reiben? Nee, nee, nee, nee. Ja, also selbst wenn, das ist nicht so schlimm, weil es immer lustig ist, von denen gemeint, aber wenn ich mich da vertue, was zum Glück noch nie schwerwiegend vorgekommen ist, das geht mir lange nach.

Und so Symfonische Blasorchester, wenn ich mich da vertue, auch tatsächlich, weil ich denke, das muss ja nicht sein. War einfach Konzentrationschwäche, aber das dann auch erledigt.

Irgendwann. Was bringt die Zukunft? Welche Pläne hast du?

Ja, also ich habe ja ganz viele Pläne an die Breite. Es gibt viele Sachen, die natürlich dann auch noch nicht spruchreif sind. Aber so den Posaunenchor, diese Ebene zu intensivieren, dann an der Hochschule die Arbeit mit würde ich gerne einfach ein Blechbläser-Ossemble machen, wo man dann Kammermusikscheine machen kann.

Weil das gibt es gar nicht in Mainz, soweit ich weiß. Was ich sehr, sehr schade finde, weil wir haben das mit Puschke immer gemacht, mit 8- bis 12 Posaunen, auch mit ehemaligen. Und da lernt man ganz anders zusammenzuspielen. Und das macht so viel Spaß und man kennt die Leute dann auch anders. Und heute spiele ich noch ganz viel mit denen von damals.

So was würde ich einfach gerne machen und in die Richtung gehen. Und es war ja auch jetzt lange, ob ich lieber einen Dirigent werde für Blasorchester oder lieber der Posaunist bin.

Schwierige Frage, weil die Frage stelle ich mir immer noch. Bin ich Lehrer, bin ich Trompeter, bin ich Dirigent, bin ich Podcaster, was bin ich eigentlich? Was bist du?

Ich bin dirigierender Posaunist. Aber der Posaunist steht, glaube ich, einfach nach wie vor im Vordergrund. Weil es fast meditativ ist. Ich kann ja, kann ja machen, was ich will beim Einspielen. Ich bin nur bei mir und kann senden. Und im Blasorchester bin ich auch von Stimmungen von anderen so viel abhängig.

Wenn es schlecht funktioniert, bin ich schuld. Wenn es gut funktioniert, haben sie alle gut gemacht. Und wie würde die Karriere denn aussehen als Blasorchesterdirigent? Was kommt denn nach einem, was würde denn, was wäre denn ein Schritt jetzt nach einem sehr, sehr guten Musikverein? Sinfonisches Blasorchester.

Und dann, da gibt es vielleicht nochmal die Gelegenheit, Landes Jugendblasorchester irgendwie zu dirigieren. Aber dass man da jetzt Profi-Dirigent wird bei einem Profi-Blasorchester, habe ich ja gar keine Ausbildung für und bin ich mir auch nicht sicher, ob das was ist, was mir so gut liegen würde.

Okay, wir kommen langsam zum Schluss. Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst?

Eine gute Frage. Alles rund um das Schauspiel-Dasein. Finde ich halt viel am Lernen, auch gerade was sowas so Technik betrifft. Auf der anderen Seite natürlich auch Gartenarbeit und Renovieren so ein bisschen, wie man spachtelt oder dann danach alles abschleift, weil eine Freundin ist natürlich so künstlerisch begabt, dass dann der Boden weiß machen ein Dreivierteljahr dauert, weil da noch die Holzmensur genau auf ganz bestimmt rauskommen muss und so weiter.

Und da lernt man schon viel und staunt auch viel, was da möglich ist in Eigenarbeit.

Okay. Was würdest du gerne mal machen, hast dich bisher nicht getraut.

Ja, ich würde gerne mehr reisen. Nicht, dass ich mich nicht trauen würde, aber so ein bisschen.

Dass du nicht so viele Projekte machen. Das stimmt.

Also mehr reisen, das würde ich gerne machen. So, weiter weg auch.

Welchen Film bzw. welches Buch sollte man mal gelesen oder geschaut haben? Da bist du ja bestimmt super vorbereitet als Podcast über.

Also, da habe ich mir ein Vorbild von Christopher Lee genommen und lese einmal im Jahr Herder Ringe. Deswegen kann ich das nur jedem ganz ans Herz legen, weil die Philosophie dahinter und die Figuren und die Mythologie so krass sind und alle europäischen Geschichten und Sagen darin so gut verbunden sind, dass sie einen sinnvollen Rahmen bekommen haben, dass ich sagen muss, das muss man auf jeden Fall kennen und gelesen haben.

Ob man die Filme jetzt mag oder nicht, auch gerade. Das ist ein guter Einstieg, die Filme auf jeden Fall. Aber das ist ein Buch, bei dem ich sagen würde, das muss man lesen.

Okay, in welchen Film?

Ja, gut, wenn man jetzt nicht auch die Herr der Ringe-Filme nimmt, was bei mir naheliegend ist, weil ich die zeitweise jeden Tag geguckt hatte. Echt? Ja, ich bin nach der Schule nach Hause und habe dann einen Herr der Ringer-Film eingelegt. Und hatte Abendsprobe. Ja. Und Hausaufgaben. Nee, das gab er uns gar nicht.

Ja, es ging auch so. Was natürlich noch gerade für Musiker vielleicht interessant ist, ist natürlich sowas wie Drumline oder Wishplash, falls ich das überhaupt aussprechen kann. Wo es dann um diese Schlagzeug-Ausbildung geht. Es ist ein bisschen übertret, aber die Amerikaner sind ja auch ein bisschen übertret.

Whiplash. Ah ja, genau. Drumline kenne ich gar nicht, aber Whiplash kenne ich. Welche Aufnahme sollte man es sich mal angehört haben?

Für die ganzen, für alles, was mit Posaune zu tun hat, alles, was mit Alesi zu tun hat oder die Escho, oh nee, wie heißt das? Die doch die Echo-Klassik-CD von Fabrice Militia mit dem Tomasi-Konzert drauf. Das ist einfach sehr, sehr gut.

Abschließend deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Blasmusik-Szene.

Ja, da kann ich mich meinen ganzen Vorrednern natürlich nur anschließen, dass Gesundheit privat nun auch gerade im Umfeld erstmal an erster Stelle steht und darüber hinaus noch, dass das Feuer noch lange brennt und noch lange Lust habe, so viel zu machen und umzusetzen. Und für die Blasmusik-Szene, dass sie einfach näher zusammenkommt, dass sowas wie Konkurrenz abgebaut wird, dass man mehr Spaß zusammen hat und es ist kein Fußball, keine Liga, sondern Musik macht man zusammen und spielt nicht gegeneinander, dass man da einfach auch, gerade bei so Kommentaren unterhalb von YouTube, einfach nochmal die Freundlichkeit in sich entdeckt.

Das nehme ich so. Vielen lieben Dank, Thomas. Sehr gern. Vielen lieben Dank, dass ihr bis hierhin gehört habt. Das war die Folge mit Thomas Kessler und auch danke an Thomas, der sich so viel Zeit genommen hat, um mit mir über seine Sichtweise auf Musik zu sprechen. Wie fandet ihr diese Folge? Ich mag ja Persönlichkeiten, mit denen ich auch etwas tiefer komme, vielleicht auch so ein bisschen ins Philosophieren.

Und da habe ich auch gleich für euch eine Podcast-Empfehlung, nämlich gleich zwei Folgen. Einerseits, weil sein Name jetzt öfters gefallen ist, die Folge mit Michael Klostermann, wenn es um böhmische Musik geht und wenn ihr doch etwas mehr philosophische Ansichten haben wollt, dann die Folge mit Stefan Reggel.

Schreibt mir doch gerne, wie ihr diese Folge fandet und was ihr daraus mitgenommen habt. Wenn ihr nicht genug von dem Podcast habt und mich etwas unterstützen möchtet, dann abonniert doch jetzt meinen Newsletter und auch gerne diesen Podcast. Wenn ihr jemand kennt, bei dem ihr sagt, das muss ja unbedingt mal gehört haben, was hier gesprochen wird, dann schickt doch diese Folge gerne auch weiter.

Ich bedanke mich bei den Supportern Buffet Gramport und bei der Woodstock Academy für die Unterstützung dieser Folge, bei Leander Machern für den Schnitt und bei Dirk Mattes für die Musik. Ich freue mich, wenn ihr auch bei der letzten Folge der Staffel dabei seid. Und dann wünsche ich euch eine gute Zeit.

Bis dahin macht gut, euer Andi.

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