OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen
Aufgewacht im Albtraum: Nächtlicher Raubüberfall auf Ehepaar aus Halle
Donnerstag, 19. Februar 2026 · 24 min
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Shownotes
Plötzlich stehen Einbrecher vor dem Bett und verlangen Bargeld. Doch damit kann das Ehepaar nicht dienen.
Einbrecher dringen in der Nacht im November 2017 in das Haus vom Ehepaar K. ein. Sie wecken das Paar aus ihrem Schlaf und fesseln die Seniorin. Mit einem Messer bedrohen sie Barbara K., fordern Geld – aber mehr als 160 Euro hat sie nicht im Haus. Ihr bettlägriger Mann kann nur hilflos zusehen. Werden die Täter von dem Ehepaar ablassen?
Ostwestfälle S4 | E23 Aufgewacht im Albtraum: Nächtlicher Raubüberfall auf Ehepaar aus Halle
Gast: HK-Redakteur Marc Uthmann
Redaktion: Josefin Stein
Gestaltung: OWL Digital
Mehr zur Serie “OWL-Crime” findet ihr auf unserer Themenseite.
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Dieser Fall ist aus meiner Sicht ja reich an vielen Mysterien. Offensichtlich hatte die Polizei die Vermutung, dass die Räuber dieses Ehepaar vorher beobachtet hatten. Im Zuge der Ermittlung stellte sich dann raus, dass die Täter einen Hinweis von einem Bekannten erhalten haben. Der hatte offensichtlich im Vorfeld dort einmal Hilfsarbeiten ausgeführt auf dem Hof und hatte dann einem der späteren Täter gesagt, da sei was zu holen.
Was er da versprochen hatte, klingt auch wieder fast unwirklich. Es gäbe auf diesem Hof ein Koffer voller fünfhundert Euro Scheine. Ostwestfälle, der True Crime Podcast der Neuen Westfälischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern und mit den Berichterstatterinnen und Berichterstattern der NW.
Spannend, nah und made in OWL. Es ist Ende November, zwei tausend siebzehn. Mehrere Männer verschaffen sich Zutritt in das Haus an des älteren Ehepaares in Halle Hörste. Im Schlafzimmer fesseln und bedrohen sie die Ehefrau. Ihr pflegebedürftiger Mann kann vom Bett aus nur hilflos zuschauen. Warum haben die Einbrecher es genau auf dieses Haus abgesehen?
Und was hofften sie da zu finden? Darum geht es in dieser Folge der Ostwestfälle. Mein Name ist Birgit Gottwald und zu Gast ist der Kollege Marc Rutschmann. Hallo Marc. Hallo. Marc, du bist Redakteur beim Haller Kreisblatt und hast damals über den Fall berichtet. Und du hast dich mit einem der Opfer, und zwar mit, wir nennen sie mal, Barbara K. getroffen.
Das ist richtig. Das ist richtig, ja. Aber bevor du uns von diesem Treffen berichtest, möchte ich dich bitten, uns von dieser Nacht, also vom XXIII. auf dem XXIX. November, zu erzählen, was ist da in dem Haus des Ehepaares in Halle Hörste passiert? Ja, ich glaube, man kann sagen, dass das so was wie ein albtraumhaftes Szenario war.
Barbara K., er ist alt, und ihr Mann Dieter K., ist alt, liegen zusammen im Bett und schlafen und werden wach, weil plötzlich jemand vorne an ihrem Bett steht. Ups, ja. Schnell wird den beiden klar, dass da mehrere Männer im Haus sind, die schon angefangen haben, das Haus zu durchsuchen, und einer dieser Täter weckt jetzt dieses Ehepaar und fordert Geld.
Die Täter haben bisher irgendwie sechzig Euro in Bar auftreiben können. Barbara K. ist verzweifelt, weiß die Täter noch darauf hin, dass da sie noch ein Portemonnaie hat. Das holen die Täter auch. Und dann haben sie am Ende hundertsechzig Euro zusammen. Das reicht ihnen aber nicht. Und jetzt wird es wirklich dramatisch.
Sie holen ein Stuhl aus dem angrenzenden Wohnzimmer, auf den zwingen sie Barbara K., fesseln sie mit Plastikfolie. Und einer dieser Täter hält ihr sogar. ein Messer an den Hals, um irgendwie noch mehr Wertsachen aus er heraus zu pressen. Dieter K. kann dabei nur hilflos zusehen, wie seine Frau da bedroht wird, weil er krankheitsbedingt nicht aus dem Bett aufstehen kann.
Die Täter bedrohen die Frau ein wenig, durchsuchen dann weiter das Haus und verlassen es dann irgendwann, ziehen wieder ab. Barbara K. bleibt natürlich zunächst... wie parallelisiert auf diesem Stuhl sitzen, wartet noch ein bisschen irgendwann, befreit sich dann von dieser Plastikfolie, ruft ihren Sohn an.
Der verständigt sofort die Polizei und die kommt, die Kripo hat bis in die Morgenstunden an dieses Haus durchsucht und nimmt dann die Ermittlungen auf und sammelt Spuren. Wie sind die Täter denn in das Haus gekommen? Ja, nach dem Ermittlungsstand der Polizei müssen sie sich mit einem Brecheisen über die Terrassentür-Zutritt verschafft haben.
Es waren mehrere Täter, da steht relativ schnell fest. Ein Teil der Bande hat draußen Schmiere gestanden, der Rest ist dann ins Haus eingedrungen und hat dann diesen Raubzug begonnen. Du hast gesagt, die haben Barbara K. gefesselt und bedroht mit einem Messer. Ist sie auch verletzt worden? Ich hab ja die Gelegenheit gehabt, was im Nachhinein ja wirklich auch ... ein bisschen außergewöhnlich ist.
Ich hab einfach mal da angerufen, weil wir die Hintergründe dieses Falls überhaupt nicht kannten und hat mich zu sich eingeladen. Ich war bei ihr, also sie war körperlich nicht verletzt. Ich hab mit ihr am Küchentisch gesessen und mich so normal, dass eben geht, mit ihr unterhalten können über das, was da passiert ist.
Was hattest du denn für einen Eindruck von der Frau? Ich war verblüfft, muss ich ehrlich sagen. Ich bin selber auch mit einem etwas mulmigen Gefühl hingefahren, eine Frau, die gerade so was erlebt hat. Ja, komm, ich erzähl Ihnen das. Man ist ein bisschen vorsichtig als Reporter. Sie hat mich an den Küchen-Tisch gebeten, hat mir das so ganz normal erzählt.
Sie machte einen sehr taffen, gesetzten, westfälischen Eindruck, sag ich mal. Sie hatte schon angefangen, das Haus sauber zu machen und sagte mir, es muss ja weitergehen. was mich erstaunt hat, als ich später mehr Details zu dem Fall erfahren habe, dass ihr einer der Täter einen Messer an den Hals gesetzt hatte.
Das hat sie mir verschwiegen. Und ich glaube nicht, dass sie das absichtlich gemacht hat. Das war ihr, glaube ich, gar nicht mehr so bewusst. Also im Nachhinein habe ich mir gedacht, sie stand schon noch unter dem Einfluss dieser Tat. Und unter Schock. Ganz bestimmt, ganz bestimmt, ja. Wie habt ihr eigentlich von der Tat erfahren?
durch eine Pressemitteilung der Polizei? Hattet ihr da schon so eine Ahnung, was für eine Dimension das haben könnte? Ja, also da ist so ein bisschen der Instinkt angesprungen und man ist an diesen Fall ein bisschen anders rangegangen. Wir kriegen ja sonst die klassischen Mitteilungen. Man steigt in ein Familienhaus, eine oder unbekannte Täter haben irgendwie eine Geldbörse entwendet, dass die Täter das Ehepaar also wecken.
Also stand in der Pressmitteil schon drin, dass die das Ehepaar bedroht haben und die Herausgabe von Geld gefordert haben. Da war klar, das ist kein stinknormaler Einbruch. Einbrüche sind nie stinknormaler. Sondern das war ein Raubüberfall mit anderen Dimensionen. Da sind wir aufmerksam geworden. Und wie hat die Polizei die Tat eingestuft?
Und wie ist die dann vorgegangen? Das war auch relativ schnell klar, dass die Polizei mit der wir dann auch Kontakt hatten, das als ungewöhnlichen Fall einstuft. Normalerweise suchen Täter ja nicht Kontakt zu den Opfern. Und die Polizei relativ schnell vermutet, da muss irgendwie mehr dahinter stecken.
Da muss es Kontakt zu den Opfern in irgendeiner Form oder irgendeine Beziehung vorgegeben haben, die dazu führte, dass die Täter sich irgendwas ausgerechnet haben, dass sie so an diesem Haus gehalten hat und dass sie dazu gebracht hat, da auch dieses Paar zu bedrohen. Die Zeugenaussagen, Also das Ehepaar.
Das war natürlich erst mal schwierig. Klar war, es waren mehrere Männer. Die erste Information, die die Polizei hatte, war, dass es drei bis vier Männer gewesen seien, die mit osteuropäischem Akzent gesprochen hätten. Schnell begannen dann die Ermittlungen wegen schweren Raubes. Und was dann überraschend war, die Tat hat sich, also für mich zumindest, im November eigentlich schon im Februar, wurden dann einige Verdächtige festgenommen.
Können wir noch mal kurz über den Tatort sprechen? Das Haus der Eheläute, das liegt ... Ziemlich weit ab vom Schuss, könnte man sagen. Genau. Das ist ein weiterer Aspekt dieser Tat. Also das war keine prunkvolle Villa. Das war ein Haus im Mitten von Wald und Feldern. Das sah von außen nicht wohlhabend aus, klassisches Bauernhaus.
Weit außerhalb weit draußen, da verirrt sich ja eigentlich niemand hin. Und das hat die Polizei so ein bisschen auch in ihrer Haltung bestärkt. Irgendwas muss die Täter im Vorhinein dazu angetrieben haben, dass da ein ... für sie drin sein könnte. Und was war das? Ich meine, du sagtest ja selber schon, es ist keine Luxus-Wähler gewesen.
Was haben die denn gedacht, was da zu holen ist? Dieser Fall ist aus meiner Sicht ja reich an vielen Mysterien. Und das ist eins davon. Diese Vorgeschichte, die klang irgendwie fast wie aus einem Crime-Podcast, muss ich ganz ehrlich sagen. Offensichtlich hatte die Polizei die Vermutung, dass die Räuber dieses Ehepaar vorher beobachtet hatten.
Im Zuge der Ermittlung stellte sich dann raus, dass die Täter einen Hinweis von einem Bekannten erhalten haben. Der hatte offensichtlich im Vorfeld dort einmal Hilfsarbeiten ausgeführt auf dem Hof und hatte dann einem, der späteren Täter gesagt, da sei was zu holen. Was er da versprochen hatte, klingt auch wieder fast unwirklich.
Es gäbe in diesem Hof, auf diesem Hof, ein Koffer voller fünfhundert Euro Scheine. Also sozusagen der besonderer Schatz im Niemandsland. Und das hat die Täter offensichtlich angespornt, dorthin zu gehen, wer dieser Tippgeber war. Und wie er auf die Idee mit dem Koffer voller fünfhundert Euro-Scheine gekommen ist, das ist im Laufe der Ermittlungen unklar geblieben.
Das ist bis heute nicht klar. Das ist bis heute nicht klar, nein. Ach, Marc, lass uns jetzt mal über die Täter sprechen. Du hast gesagt, im Februar im Jahr two-und-achtzehn wurden die ersten Verdächtigen festgenommen. was ich mich die ganze Zeit immer gefragt habe, als ich mich mit diesem Fall beschäftigte.
Wie viele Täter waren es denn jetzt? Wer wurde da festgenommen? Also, es ist ein bisschen durcheinander. Ja, die Frage hast du dir nicht alleine gestellt. Ich habe mich mit dem Fall ja auch noch mal beschäftigt und es war ein Wirrwar. Also nach Polizeiangaben wurden zunächst mal fünf Männer im Alter zwischen einundzwanzig und dreißig Jahren festgenommen.
Später angeklagt, die Anklage, der Prozess hat ja im sechsten August zwanzig achtzehn vor dem Bielefeller Landgericht begonnen, wurden allerdings nur vier Männer. Schon da war aber klar, dass man davon ausging, dass sechs Männer an der Tat beteiligt waren. Zwei weitere Täter vermutete man auch noch bei der Bande.
Die wurden aber erst in einem späteren Verfahren belangt. Das spielte zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle. Also vier Männer im Alter zwischen einundzwanzig und dreißig Jahren waren erst mal im Fokus der Ermittler. Ah ja. Und was waren das für Männer? Woher kannten die sich? Also, zunächst die Vermutung, dass die mit einem osteuropäischen Akzent gesprochen hatten, bestätigte sich nicht.
Es kam dann im Zug der Ermittlungen raus, dass es sich bei den Tätern um syrische Geflüchtete handelt. Und die Polizei hat dann natürlich vermutet, dass die sich entweder über das gemeinsame Leben in Flüchtlingsunterkünften oder über andere Beziehungen rund um die gemeinsame Fluchtgeschichte irgendwie kennengelernt hatten und daher die Beziehungen aufgetaucht seien.
Syrische Flüchtlinge, heikles Thema, gerade zu der Zeit. Wie waren denn die Reaktionen als klarbar? Das sind Flüchtlinge. Die Reaktionen waren schon besorgt, weil natürlich genau dieses heikle Thema damals diskutiert wurde, die Stadt Werther, einige der Täter. kamen aus Werther. Zwei von ihnen hatten dort ihren Wohnsitz.
Andere haben irgendwo im Ruhrgebiet gewohnt, Dortmund war ein Wohnsitz, Hagen war ein Wohnsitz. Aber die Stadt Werther hatte gerade zu dem Zeitpunkt auch begonnen, syrische Geflüchtete aus den Sammelunterkünften in private Wohnungen unterzubringen, die Integration voranzutreiben. Und da machte man sich natürlich große Sorgen, dass jetzt eben ein negatives Image aufkommen könnte nach dem Motto, das sind doch Kriminelle und wir holen uns Räuberbanden hierher.
Das hat bei der Stadt schon für Unruhe gesorgt und war auch eine Zeit lang Stadtgespräch. hat sich dann aber Gott sei Dank wieder beruhigt, dass das nicht zu einer generellen Debatte hochgeschaukelt wird. Also es gab jetzt nicht irgendwelche Demonstrationen gegen Flüchtlinge und dergleichen. Nein, die Stadt hatte sich tatsächlich Sorgen gemacht, was das jetzt für ihre Bemühungen bedeutet, aber Gott sei Dank ist auf dieser Schiene dann nicht noch weiter unruher aufgekommen.
Gut, kommen wir jetzt zum Prozess. Du sagst, vier Täter wurden angeklagt. Was waren das für Männer? Kannst du ein bisschen mehr zu denen erzählen? Ja, also vier Männer wurden dann letztlich wegen schweren Raubes angeklagt im Alter von ... ... um zweiundzwanzig, einunddreißig, dreiundzwanzig und zweiunddreißig Jahren.
Und die Polizei ist ihnen eben insofern auf die Spur gekommen, und das liegt dann ja auch wieder nahe, dass die Auswertung der Funkzellen hat, ist ihnen auf die Spur gekommen, weil alle vier, die angeklagt waren, waren zur gleichen Zeit in diesem Bereich ... eingelockt, der ja ansonsten eher durch Einsamkeit glänzt und haben auch noch miteinander kommuniziert mitten in der Nacht.
Und das führt eben auch zu dem interessanten Aspekt, dass die Bande eben eigentlich nicht nur vier Leute umfasst haben kann, sondern sechs, weil es gab auch noch zwei weitere Handys, die zu diesem Zeitraum eingelockt waren in dem Bereich. Und dann war irgendwie klar, da muss noch mehr hinterhängen. Aber haphaft geworden ist man erst mal nur diesen vier Tätern und die wurden dann auch angeklagt.
Hat es denn Geständnisse gegeben? Der Prozess begann erst mal mit dem üblichen Taktieren. Ich glaube, es war dann aber, zweiter oder dritter Verhandlungstag, da hat dann ein Zweiunddreißigjährige, der älteste also das Schweigen gebrochen, hat seine Beteiligung an dem Raub gestanden und hat dann gleichzeitig einen der mitangeklagten Schwer belastet.
Also da ging es dann eben los, dass so die Front, die gemeinsame Front der Täter bröckelte. und der Zweiunddreißigjährige hat gesagt, ich war dabei. habe aber nur Schmiere gestanden, bin gar nicht in das Haus eingedrungen und hat einem zwanzigjährigen Mittäter eben die Hauptschuld zu gewesen. Er habe forciert, die Frau zu wecken, zu fesseln und auch zu bedrohen, um jetzt irgendwie an diese erwartete große Beute ranzukommen.
Ganz interessant. Und das ist eben natürlich auch ein wesentlicher Aspekt dieses Falls, ist, dass alle Angeklagten eben im Laufe des Prozesses aussagten, der Raub war nie geplant. Wir sind davon ausgegangen, dass das Ehepaar auf Reisen war und dass wir in ein leeres Haus kommen. Und die Dinge hätten sich so entwickelt, wie sie sich nicht hätten entwickeln sollen.
Andere Angeklagte... sagen dann, wir haben nur im Auto gesessen, haben uns im Haus gar nicht genähert. Und einer der Angeklagten liest dann über seinen Verteidiger ausrichten, dass die Stimmung auf der Rückfahrt von diesem Beutezucht sehr schlecht gewesen sei mit Hundertsechzig Euro Beute, dass man für so etwas bei so einem Raub mitgemacht habe, das hätte man nie gewollt.
Also jeder versuchte seine Rolle so ein bisschen klein zu reden in dem Fall. Also keiner will es wirklich gewesen sein, könnte man so sagen. Und zu allem über Fluss kommt es in diesem Prozess auch noch zu einem Iklar. Und im Mittelpunkt dieses Iklars war ein Schöffe. Was war da los? Ja, also dieser Fall entwickelt sich selbst in der Verhandlung so chaotisch weiter, wie er eigentlich in der Anbahnung war, plötzlich drohte der Prozess zu platzen.
Weil einer der Schöffen, also ehrenamtlich verpflichtete Richter, offensichtlich während der Beweisaufnahme auf sein Handy geschaut habe und nicht aufmerksam beim Prozess gewesen war. Da stand dann sogar im Raum, den Prozess Schöffen auszutauschen. Den Prozess hätte man dann ja wieder neu aufrollen müssen, weil dann natürlich ein neuer Schöffe hätte eingearbeitet werden müssen.
Davon hat man aber letztlich abgesehen und der Prozess ist dann ... drei Tage später einfach weitergegangen, stand aber kurzzeitig auf Verkippe. Eine der vielen Geschichten, die so in diesem Fall so reinpassen. Chaotische Geschichten. Kurz noch was zu schöpfen, das sind wirklich sogenannte Leinrichter und Richterinnen.
Das ist ein Ehrenamt, in das ich gewählt werden kann. Dazu brauche ich keinerlei juristische Vorkenntnisse, sondern ich soll mit meiner Erfahrung, meinem gesunden Menschenverstand, den Berufsrichtern bei der Urteilsfindung helfen. Genau so ist es. Und es stand eben im Verdacht, dass dieser Schöpfe seinem Amt da nicht so sehr aufmerksam nachgekommen ist.
Gut, okay. Die Angeklagten bleiben aber die gleichen, beschulden sich gegenseitig, niemand will so richtig gewesen sein. Wer von den Männern hatte nun was gemacht? Konnte das vor Gericht geklärt werden? Also das Gericht hielt es am Ende für Erwiesen an, das ein Zweiundzwanzigjähriger. Der, nämlich der von diesem dreißigjährigen, der als Erster das Schweigenbrach beschuldigt wurde, ist tatsächlich auch wahr.
Der hatte zwar noch versucht, die Schuld wieder zurückzuwälzen, auf den, der als Erstes geredet hat. Das ging also wirklich hin und her. Aber man sieht es als erwiesen an, dass ein zwanzigjähriger Mann dort als Erstes nach vorne gegangen ist, dass er eben auch entschieden hat, das Ehepaar zu bedrohen, um an das Geld zu kommen, es zu fesseln, mit dem Messer zu bedrohen.
Und der hat dann letztlich eine Strafe von vier Jahren wegen schweren Raubes. erhalten. Die anderen Strafen für die anderen Täter fielen deutlich niedriger aus, weil man eben nicht genau als Erwiesen-Anser wer jetzt was gemacht hat. Es war ja immer fraglich, welcher dieser vier Täter war im Haus, welche haben Schmier gestanden.
Darauf kam es da immer so ein bisschen an. Darum wurde ein weiterer Täter wegen Wohnungseinbruchsliebstahl zu einem Jahr auf Bewährung und hundert Sozialstunden verurteilt. Ein anderer mit Täter, der das gleiche verbrochen hatte sozusagen, Er hielt aber ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe. Grund, er war bereits auf Bewährung gewesen.
Und ein weiterer dieser Täter kam dann mit sechs Monaten auf Bewährung davon. Warum sind diese Strafen jetzt, abgesehen von dem Bedrohenden, so niedrig ausgefallen? Man ging halt letztlich davon aus, man konnte ihn nicht nachweisen, dass sie wissentlich die überfallen hatten. Die Täter haben ja immer gesagt, Wir wussten nicht, dass das Ehepaar zu Hause ist.
Wir wollten nur einbrechen und stehlen. Den Raub hatten wir nicht geplant. Da man ihn nicht das Gegenteil beweisen konnte, sind die Strafen für die Mittäter extrem niedrig ausgefallen. Wie glaubwürdig war diese Aussage? Das ist ... Eine weitere Frage, die ich mir im Nachhinein auch oft gestellt hab, weil sie sind ja schon sehr entschlossen vorgegangen.
Sie sind da reingegangen, haben nicht sofort gefunden, was sie wollten, also den Koffer mit dem sagenumwobenen fünfhundert Euro Schein. Und dann sind sie ja relativ direkt an das Bett getreten, haben diese Frau gefesselt, haben die Notlage ausgenutzt und sie mit dem Messer bedroht. Wenn ich irgendwo einbreche und merke, da ist nichts zu holen und sehe dann, dass die da sind und ich wollte doch nie jemanden ... bedrohen, dann ziehe ich doch einfach wieder ab.
Trotzdem, letztlich war in dieser Vorsatz dafür nicht nachzuweisen und darum sind die Urteile verhältnismäßig gering ausgefallen. Insgesamt, ich muss das mit diesen vielen Tätern, also es waren, es sind in dem Prozess vier Täter verurteilt worden, es gab aber noch einen Folgeprozess. Genau so ist es.
Der ist so später im Hintergrund gelaufen, da haben wir, wie das eben so ist bei Berichterstattungen, das haben wir nur noch mal klein nachgereicht, aber die Polizei ... hat dann offenbar auch die beiden anderen ermittelt, die gemäß dieser Funkzellenauswertung dort im Haus gewesen sein müssen. Und sie hat ihnen offenbar auch eine tragende Rolle zugebildigt, nämlich, dass sie auch im Haus waren an dieser Bedrohung mitgewirkt haben, weil in einem späteren Prozess sind diese beiden Männer noch mal zu Haftstrafen von dreieinhalb und vier Jahren verurteilt worden.
Also deutlich über dem, was teilweise Täter in dem ersten Prozess bekommen haben. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch ... Die Angeklagten haben übrigens nach diesem ersten Prozess Revision eingelegt. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Revision irgendwann selber zurückgezogen. Die Angeklagten haben ihre Aufrechterhalten, die ist aber zurückgewiesen worden.
Im April, zwanzig, zwanzig waren die Urteile gegen die Täter dann rechtskräftig. Insgesamt wurden also für die Tat sechs Täter verurteilt. Genau so ist es. Und die haben auch ihre Tat, die sitzen ja dann noch. Die sitzen dann noch, ja. Ah ja, okay. Und was mit dem Ehepaar ist? Weißt du das? Nein. Also, das Ehepaar war damals ja schon sehr betagt.
Und der Ehemann war ja auch gesundheitlich angeschlagen. Man muss ja auch zu dieser Dramatik noch dazu beurteilen, dass die seventy- achtjährige Frau damals, also, zwei Tausend, siebzehn, seventy- acht Jahre alt, sich um ihren acht, einundachtzigjährigen, pflegebedürftigen Mann auch noch kümmern musste.
Der direkte Kontakt, den hatte ich mit ihr direkt nach diesem Vorfall, wie sie am Ende auf diesem Prozess reagiert haben. Das habe ich leider nicht mehr mitbekommen. Aber es gab Reaktionen auf dem Prozess. Allerdings, nämlich genau das, worüber wir gerade vielleicht auch so ein bisschen gesprochen haben.
Die dringen in ein Haus ein, bedrohen ein armes, altes Ehepaar mit einem Messer, wollen von den Geld erpressen und kriegen dann ... vergleichsweise, in jedem Fall für viele Beobachter in diesem Gerichtssaal, geringe Strafen. Das hat tatsächlich zu Pöbeleien im Gerichtssaal gesorgt und der musste auch geräumt werden, weil es da offensichtlich eine große Empörung gab nach dem Motto, wie kann es sein, dass die hier mit so niedrigen Strafen davon kommen?
Aber es ist rechtens. Es ist am Ende dann nach viel, viel Aufwand und Recherche, wer hat jetzt was dort getan? Ein rechtskräftiges Urteil. Vier Männer überfallen an älteres Ehepaar in ihrem Haus in Halle Hörste. Zwei weitere Männer stehen vor dem Haus Schmire. Die Täter hatten sich eine Beute in Millionenhöhe erhofft und verließen das Haus letztendlich mit einhundertsechzig Euro.
Am Ende wurden vier Angeklagte zu vergleichsweise geringen Strafen verurteilt, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass die Männer von der Anwesenheit des Ehepaares wussten. Zwei weitere Täter wurden in Folgeprozessen ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt. Und das war's für heute mit dem Tube-Cram-Podcaster, neuen Westfälischen.
Redaktion hatte Josephine Stein und zu Gast war der Kollege vom Haller Kreisbad, Marc Utmann. Vielen Dank, Marc. Danke dir. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region auch jederzeit auf nw.de und in der nw-plus-app in der Serie OVL Crime. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast und natürlich über Wünsche, welche Ostwestfälle wir demnächst für euch besprechen sollen.
Schreibt uns eine E-Mail an podcast.nw.de. Mein Name ist Birgit Gottwald. Bis bald.