OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen

Der Fall Balsam: Finanzchef nach Milliardenbetrug untergetaucht

Donnerstag, 5. März 2026 · 1 h 08

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Shownotes

Finanzchef Schlienkamp gesteht den Betrug, flüchtet dann aber vor der Justiz. Eine seltsame Nachricht meldet seinen Tod. Ist da wirklich etwas dran?
Am 6. Juni 1994 kündigt Balsam-Finanzchef Klaus Schlienkamp über seinen Anwalt ein umfassendes Geständnis an. Er räumt ein, mit Schere und Kleber Rechnungen des Sportbodenherstellers Balsam gefälscht zu haben. Der Balsam-Vorstand wird festgenommen. Doch bevor es zum Urteil kommt, flieht Schlienkamp. Dann erreicht die Behörden ein merkwürdiges Fax: „The whole body has been eaten by the fish“, heißt es. Ist Schlienkamp wirklich tot?

Diese „OstwestFälle“-Folge wurde als Live-Event am 16. Dezember 2025 aufgenommen.

Ostwestfälle S4 | E25 (Teil 2) Der Fall Balsam: Finanzchef nach Milliardenbetrug untergetaucht

Gäste: HK-Redaktionsleitung Nicole Donath, stellvertretender NW-Chefredakteur Martin Fröhlich, Ex-Balsam-Buchhalter Rudi Deike, Anwalt Holger Rostek und Steinhagens Alt-Bürgermeister Klaus Besser.

Redaktion: Nicole Donath

Gestaltung: OWL Digital 

Mehr zur Serie “OWL-Crime” findet ihr auf unserer Themenseite.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Hallo liebe Ostersfälle-Fans, am sechzehnten Dezember-Zweiteusendfünfundzwanzig waren wir mit unserem True-Crime-Podcast live auf der großen Bühne im Spiegezelt in Bielefeld. Thema die Balsamaffäre, ein wahrer Wirtschaftskrimi. Nicole Donath, Redaktionsleiterin des Haller Kreisplatz, hat sich an dem Abend mit drei Zeitzeugen über den Milliardenbetrug unterhalten.

Unterstützung bekam sie dabei vom stellvertretenden MW-Chefredakteur Martin Fröhlich. Im Folgenden hört ihr einen Mitschnitt der Veranstaltung. So, alle haben wieder Platz gefunden, hoffe ich, sie haben alle ausdiskutiert, ob es nun gut oder schlecht ist, dass es kaum noch Faxgeräte gibt, war sicher ein großes Thema in der Pause, nehme ich an.

Wir hatten schon gesagt, es ging um Zahlen, um Justiz, um Jobs, um Steuern und jetzt gab es auch noch ein bisschen was Persönliches. und jetzt wird es dramatisch, das haben wir extra gemacht nach der Pause, damit sie auch alle hier bleiben. Denn es gab noch Wiedrigkeiten ganz anderer Art in diesem Fall.

Und die hat zum einen, der heute schon mehrfach erwähnte und gelobte, gerade Heinz Wallmeier erleben dürfen, Nicole. Nimm uns mit auf die Reise. Das stimmt. Es war erst ein paar Tage her, dass der balsam Vorstand verhaftet worden war, als Karl-Heinz Wallmeier einen Anruf bekam. Er sagte mir neulich noch, das wäre an einem Samstagmittag gewesen.

Und ein Mann, wie er sagte, mittleren Alters, sagte damals zu ihm, Lassen Sie die Finger von Walsam, sonst legen wir sie und ihre Familie um. Also nur, dass wir uns das alle nochmal auf Erzunge zergehen lassen. Ganz klare Morddrohungen am Telefon ist damals auch groß. berichtet worden. Wir wissen inzwischen schon, deswegen ist das jetzt keine Spannung mehr, dass sich Karl-Heinz Mahner davon hat definitiv nicht aufhalten lassen.

Aber er war nicht der einzige, der so einiges erlebt hat. Und jetzt rutscht Nicole nämlich von der Modernationsrolle in die Rolle der Zeitzeugin. Das ist nämlich das Spannende heute Abend. Du hast nämlich auch so einiges erlebt, was du dir gerne erspart hättest. Das stimmt. Wir haben eben in der Pause noch drüber gesprochen und wir können uns so in unserem Freundeskreis noch dran erinnern.

Ich muss eins vorweg schieben. ob es tatsächlich einen Zusammenhang mit Belsam gibt. Das ist nicht bewiesen und das würde ich auch nicht behaupten. Das müssen wir einmal festhalten. Trotzdem sind mir genau in der Zeit sehr merkwürdige Dinge passiert. Mein Auto wurde achtzehnmal aufgebrochen und es war ganz egal, wo ich gestanden hatte, ob in Halle, in Fersmold, in Bielefeld oder in Werter.

Es passierte immer wieder und obwohl ich damals so ein bisschen im Pendelmodus war und meistens Taschen im Auto hatte, mal Tennisklamotten, irgendwie sowas. Wurde davon nie was geklaut, es wurden nur immer Blöcke mitgenommen oder das Handschuhfach wurde zerstört. Einmal wurde mein Autoreifen aufgestochen, da wohnte ich in der Sackkasse in Halle, vier, fünf Autos standen nebeneinander, aber meins war das einzige.

Und es war auffällig, wenn man auf dem Festnetztelefon, wir hatten ja noch keine Hände. zu Hause telefonierte und es fielen bestimmte Begriffe, dann klickte das. Und ich hatte erst mal gedacht, ich bilde mir das ein, aber mehrere konnten mir das so bestätigen. Wir haben dann festgestellt, dass die Telefondose, die außen am Haus noch angebracht war, aufgebrochen worden ist.

Ich bin dann auf Anraten meines damaligen Chefs und auch auf drängende Familie natürlich zwei, drei Mal zur Polizeiwache nach Halle gegangen und hatte das zur Anzeige gebracht und hatte wirklich der Konjunktiv in Hochpotenz gesagt, ich könnte mir ganz eventuell vorstellen, dass es hier einen Zusammenhang zum Fall balsam geben könnte.

Aber ich bekam Jedes Mal, zwei, drei Mal, wo ich dann halt da war, relativ schnell schreiben, so, das ganze Ding ist eingestellt worden und da wird nicht weiter ermittelt. Versuchen wir es doch mal im Moment beim Ausstoßverfahren. Du hast ja schon gesagt, du würdest niemals die Behauptung aufstellen, dass das mit der Recherche zu tun hatte.

Ist dir vor dem Fall balsam so was schon mal passiert? Nein, es ist mir vorher nicht passiert. Und falls du jetzt fragst, ob es mir danach passiert ist, aber warum ich dann irgendwann aufgehört habe zu recherchieren, das erzähle ich ja gleich noch. Danach war nämlich tatsächlich Ruhe. Ich kann mir trotzdem den Zusammenhang nicht vorstellen, weil es ist ja offensichtlich anderen Kollegen auch nicht passiert, wenn ich jetzt zum Beispiel diesen Cum-Ex-Skandal nehme, wo die Staatsanwältin Anne Boerhelker wirklich ... so massiv die Menschen angegangen ist, der ist auch nichts passiert.

Ich habe keine Ahnung, ob ich womöglich irgendwo dran war, von dem ich keine Ahnung hatte, dass ich da dran war oder ob es doch ein blöder Zufall war. Ich kann es mir nicht vorstellen, aber es fiel einfach tatsächlich genau in die Zeit und es war auch noch nicht alles, was mir passiert ist. Ja, aber bevor wir zu dieser noch dramatischere Folge kommen, also du hast so die Vorstellung, wenn Leute dir aus dem Auto einen Block klauen, dann brauchten die nur was zu schreiben.

Vielleicht können wir das ja heute Abend noch aufklären, ist ja die Versammeltenlustiz da. Gut, kommen wir zu dem Kapitel, was du gerade schon angedeutet hast. Es wurde jetzt zumindest verbal noch spannender. Das stimmt. Es meldete sich ein Mann bei mir, der mich irgendwo im Nirgendwo treffen wollte und ich bin da auch hingefahren und er sagte mir, dass er bei Balsam gearbeitet hätte.

Mittlerweile hat er einen Job bei der Neusport GmbH in Paderborn. So, Herr Deike, jetzt Rathats-Ausschlussverfahren. Welcher Kollege war es? Nein, nicht. Jedenfalls sagte der zu mir, das ist alles schön und gut, was Sie hier machen, was Ihre Kollegen machen, was Sie hier schreiben, aber sagte, Sie kratzen nur an der Oberfläche.

Und er habe das überhaupt nicht verstanden. und dann sprach er weiter und sagte, es geht hier um viel mehr, es geht um Mord. Ich saß da irgendwie, genau. Jetzt sag ja nur, was mir passiert ist. Er berichtete dann damals, dass es einen Mann in Saudi-Arabien gegeben haben soll, der den betrügerischen Machenschaften bei Balsam auf die Schliche gekommen sei.

Ja, passend dazu. Was nicht bestellt? Angeblich den Vorstand erpresst hätte, worauf man ihn dann liquidiert hätte. Sagt er, das ist Ihre Geschichte, das müssen Sie schreiben. Ich gesagt, stellen Sie sich das vor. Wir können nicht einfach so eine Geschichte in die Zeitung schreiben. Wenn ich gehen Sie doch zur Staatsanwaltschaft oder zur Polizei und zeigen das an und dann gucken wir uns das mal an, was daraus passiert.

Und dann guckt er mich an und sagt im Moment nichts. Er sagte, wenn ich das mache, dann bin ich morgen ein toter Mann. Ja. Und dann bin ich nach Hause gefahren. Und dann habe ich abends meine Eltern besucht und mein Vater, der sowieso schon super alarmiert war angesichts dieser ganzen Vorkommnisse. Ihr beiden kennt ihn noch.

Er guckte mit gerünstelter Stirn aus dem Fenster und stürzte seinen Kopf in die Hand. und dann guckte er irgendwann zu mir rüber und sagte, ich beschönige jetzt mal nicht den Wort laut. So sagte er jetzt das Feierabend mit dieser ganzen Scheiße. Ihr seid ja nicht die Washington Post, ihr seid das Haller Kreisblatt, das ist eine Nummer zu groß für dich.

So viel zum Thema Washington Post. Und ich bin tatsächlich ehrlich, das war der Augenblick, wo ich tatsächlich auch gesagt habe, ich lasse jetzt die Finger von, werden eben schon mal kurz drüber gesprochen, die Geschichten, die wir dann noch zusammen gemacht haben. Das bezog sich dann schön auf den Lokalteil Steinhagen.

Was passiert denn eigentlich mit dem Gebäude der Balsam AG? Nicht, wo sind die Millionen geblieben? Aber da können Sie, glaube ich, noch ein bisschen was zu sagen. Naja, nach dem Insolvenzverfahren sind ja die, das Invental ist versteigert worden und das Gebäude letztlich verkauft worden. ein großer Bielefelder Gebäudeausstatter, Bolwin und Hemann, kann man ruhig sagen, hat seinen Standort dann von Bielefeld nach Steinhagen verlegt, lange in den Gebäuden gewesen und mittlerweile ja die Firma Plasmatrit, Weltmarktführer im Bereich der Plasmatechnologie.

Also die Immobilie wird sehr sinnvoll genutzt und ist immer auch gut genutzt worden. Ja, das waren genau die Geschichten, die wir machen wollten. Total spannend, ne? Ja, okay. Das ging ja noch zum Beispiel um die Eröffnung des Konkursverfahrens, war es im Jahr zwei tausend neun bis zwei tausend vierzehn, lief die ganze Geschichte.

Oder Herr Rempe wird sich natürlich noch daran erinnern. Irgendwann kam man auch dem Verfasser der Anonymen Anzeige hinterher und der wurde angeklagt wegen Betruges. den Prozess hat ich berichtet, also begleitet oder darüber berichtet, aber das war es dann tatsächlich. und Immerhin hörten dann die Autoaufbrüche auf, komischerweise.

Und noch so ein unerklärbarer Zusammenhang. Gut. Jetzt gucke ich mal in diese Richtung her, Herr Osteck. Können Sie sich vorstellen, dass es bei Balsam wirklich um Mord ging? Nein, nein. Ich habe ja viele Mordfälle. Ich habe überall dran, dass Mord und Fälle, Mord- und Tonschlagfälle verteidigt. und kenne mich so ein bisschen der Verbrecherwälder aus.

Ich bin selber mal im Gerichtsaal angegriffen worden vom Nebenkläger, die Tochter war, ermordet worden und der Prozess war in der Phase, wo er kippte zu unseren Gunsten. Und dann springt der Vater der Getöteten auf. Ich bin im Gerichtsaal fest, da kannst du dich raus. Links und rechts nicht. Man will mir an die Kähle.

Zufällig. Meiner Frau. Als Zuschauerin, das nimmt dein mit. Deswegen in Morddrohungen, da muss man das nimmt dein mit. Oder nachts mal. Ich bringe sie um. Seitdem, zwanzig Jahre her, faltet man das Telefon ab. Aber um aufs Thema zurückzukommen, im Fall Beisahm, nix mitmachen. Wenn man gerade noch mal auf die anonyme Anzeige schaut, wo ja auch angedeutet wurde, hier ist man vor körperlichen Angriffen nicht mehr sicher, so hieß es, glaube ich.

Auch nicht. Wir können sowieso nicht geschützt werden. Du kannst nicht rund um die Uhr bewacht werden. Da muss man einfach durch. So wie Sie Ihren Beruf ausgeübt haben. Chapeau war toll die Geschichte, was Sie da erlebt haben. Aber damit müssen wir fertig werden. Dann müssen wir durch. Ja, dürfen wir uns nicht davon abbringen lassen.

So, jetzt wisst das. Das war Holger Osteck vor Gericht, so, ein bisschen. Wenn ich jetzt nicht mal den Schnauze halte, dann, ich, Richter, nehmen Sie den Finger runter. Ich sage, ich halte den Finger so und ich rede so laut, ich will. Ja, so, so läuft das. Gut. Deswegen haben Sie mich alle gehasst, aber macht mir nichts aus.

Deswegen haben wir Sie heute eingeladen. So, aber jetzt mal auf Didion ... für all das überhaupt nichts konnten und vielleicht gar nicht so fürchterlich interessiert daran waren, wie das nun alles abgelaufen waren, aber am härtesten betroffen waren, Herr Deike. Sie haben plötzlich ganz andere Sorgen gehabt.

Ihren Arbeitsplatz gab es nicht mehr. Sie und die Kollegen mussten nach einem neuen Job aus Schau halten. Erzählen Sie mal ein bisschen was von den Wochen und Monaten, nachdem das alles hochkam. Ja, das ist ja durch die Presse und Funk und Fernsehen wurde immer viel von der in den Betrügereien und den Milliarden, die da veruntreut worden sind, berichtet.

Aber das Hauptproblem, was natürlich da war, ist, dass hunderte von Beschäftigten plötzlich arbeitslos und ohne Geld waren. Das Geld wurde ja nur erst in der Zeit lang auch eingefroren, sodass es keine Gehälter mehr gab. Und viele meiner Mitarbeiter haben grad mal Ein Haus gebaut, eine Familie gegründet, Kinder bekommen, die standen also wirklich vorm privaten aus.

Und da kochte mit Sicherheit das eine oder andere Mal schon richtig Wut hoch. Aber andererseits bin ich selbst ein bisschen außen vor, weil ich selber hatte den großen Vorteil, dass Dr. Steinmehl, der Kompostverwalter, Als er ins Haus kam, dann ein paar Leutchen aus der Buchhaltung ausgewählt hat, die den Konkurs mit abwickeln.

Da durfte ich mit bei sein und habe ab dem Moment dann natürlich auch erst mal wieder Geld bekommen vom Konkursverwalter. Da habe ich den Konkurs mit abgewickelt. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt habe dann über die Schiene auch einen neuen Arbeitgeber gefunden. Und dann im Nachhinein haben wir alle Meines Wissens.

Alle das große Glück gehabt, dass wir dann in den halben Jahren später durch diese Konkursentwicklung auch noch die überfälligen Gehälter und Abfindungen bekommen haben. Tatsächlich? Ja. Sie hatten ja in dem Fernsehfilm, der über den Milliardenbetrug gedreht worden war, erwähnt, dass es eine große Balsamfamilie war.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren früheren Kolleginnen und Kollegen? Gibt es da noch so ein paar alte Bande? Das ist die ersten zehn Jahre intensiver gelaufen. Jetzt nach dreißig Jahren ist es weniger geworden. Aber das kann ich also voll bestätigen. Es war wirklich eine große Familie. Wir haben alle eigentlich gehofft, dass wir in diesem Unternehmen alt werden können.

Und waren durch das ganze Geschehen natürlich geschockt. Aber das Betriebsverhältnis, muss ich sagen, ist heute, aus heutiger Sicht, immer noch bemerkenswert gewesen. Und hier haben Sie heute Abend auch den einen oder anderen alten Kollegen wieder getroffen? Ja, nämlich. Also eigentlich ein guter Arbeitgeber, wenn da nicht dieses Faxgerät gewesen wäre.

Ja. Und dann noch, ja, okay. Also unabhängig von diesem Bezugsfall, sage ich mal, war Waldsand mit Sicherheit für die meisten. meiner Kollegen als auch für mich der beste Arbeitgeber, den wir überhaupt gehaft haben. Herr Besser, Sie wurden irgendwann zum Bürgermeister von Steinhagen gewählt und sahen sich plötzlich mit finanziellen Problemen konfrontiert.

Erzählen Sie uns ein bisschen über den, was war das, Januar, der siebenzwanzigste Januar, ein Tag, den ich nie vergessen werde. Wir auch nicht. Dazu muss man vielleicht vorausschicken, ich bin in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der Führung in der F. Die hat zum Beispiel die Stadt Bielefeld genutzt, der Oberstadtdirektor schied aus und man hatte sehr schnell eine neue Oberbürgermeisterin gewählt.

Den Steinhang gab es auch diese Übergangsregelungsmöglichkeit, weil der damalige langjährige Gemeindirektor Altersbedingte in den Ruhestand trat. Und ich bin dann am ersten September neunzart sechsenneunzig hauptamtlicher Bürgermeister geworden und damit auch Chef der Gemeindeverwaltung. Das hatten wir ganz bewusst so abgesprochen, damit ich die Gelegenheit hatte, zusammen mit dem mit der Verwaltung, den Haushaltsentwurf für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr für das Jahr.

Und dann kam dieser besagte Montag. Ich hake mal ganz kurz ein, wenn wir in der Redaktion damals Haushaltsplanberatungen hatten, Steinhagen wurde immer gefeiert, weil dieses Mal, oh, hier baut ja sowieso Gold nüchlos und alles Mögliche. Steinhagen war immer top of the Pops. Und dann war die Helme groß.

Jetzt können Sie weitermachen. Ja, was haben Sie? Erst, wir kommen gleich dazu, warum es gar nicht so schlimm war. Dann sage ich gleich auch noch was zu. Naja, wir waren in der Tat sehr finanzstark. Steinhagen bekommt seit neun und achtzig. keine Schlüsselzuweisungen, das sind allgemeine Landeszuweisungen, die bekommen von den dreieinhalbundsechzig Kommunen in Nordrhein-Westfalen so rund dreieinhalbfünfzig bis dreieinhalbsechzig.

Und die anderen sind so finanzstark, dass sie die nicht bekommen, die abundanten Gemeinden. Und Steinhagen ist das seit neunzehnundachtzig. Also es ging uns relativ gut. und Ja, dann an diesem Montagmorgen kriegte ich erst die Mitteilung, dass mein allgemeiner Vertreter, das ist praktisch der zweite Mann in der Gemeindeverwaltung, eine schwere Lungenentzündung hatte, über Wochen ausfallen würde.

Dann kriegte ich die Mitteilung, dass ein langjähriges Ratsmitglied verstorben war. Und dann war ich in Deadmord bei der Bezirksbegehung zu irgendeinem Termin und bin so am späten Vormittag wieder ins Rathaus gekommen und habe die Eingangspost durchgesehen. Das war eine meiner Aufgaben, da muss man vielleicht auch zu wissen, die Post wird vom Hausmeister abgeholt in so einer kleinen Verwaltung, dann sitzt da jemand an der Information, der macht einen Eingangstempel drauf und der sortiert das schon mal so nach Ämtern, also was fürs Hauptamt ist und für die Chemerei und fürs Bauamt und so weiter.

und man hat so Postmappen. Und ich war also dabei, diese Postmappen durchzugucken und fand in der Postmap der Chemerei vier Gewerbesteuermessbescheide an den Insolvenzverwalter der Balsam AG und überall standen nullen, sowohl bei den Erträgen als auch beim Gewerbesteuermessbetrag. Balsam hatte ja nicht nur Umsätze vorgetäuscht, sondern die haben auch Erträge vorgetäuscht und haben die Ordnungsgemäß versteuert.

Wir hatten also Gewerbesteuererträge jährlich für die WASAM AG so zwischen zwei und drei Millionen D-Mark. Dann ist das so wie bei Einkommenssteuerzahlern auch, die die Vorauszahlungen leisten müssen. Die Gewerbebetriebe leisten vierteljährlich Vorauszahlungen auf die zu erwartenden Gewerbesteuerzahlungen.

Und irgendwann wird die endgültige Erklärung abgegeben, das Finanzamt rechnet das ab. Und dann kriegt man entweder was wieder oder muss noch was nachzahlen. Naja, ich hatte also jetzt die Bestbescheide für einten, neunzig, zweieinneunzig, dreieinneunzig, vierneunzig in der Mappe gefunden. Und das sagte mir erst mal noch nichts, außer dass da Nullen stand.

Wenig gutes Gefühl beschlecht mich. Aber ich bin dann zu meinem damaligen Kamera gegangen. würde ihn doch mal bitten auszurechnen, was uns das ungefähr kostet. Mir war klar, wir müssen irgendwas erstatten, aber die Dimension war mir nicht klar. Dann tauchte der nach einer knappen Stunde wieder auf und sagte, ja, wir müssen ungefähr zehn Millionen D-Mark erstatten an den Insolvenzverwaltern.

Und wir haben auch nicht viel Zeit, da laufen Fristen. Man musste diese Gewerbesteuer-Messbescheide umwandeln in Gewerbesteuerbescheiden innerhalb eines Monats ungefähr. Und dann hat man auch nicht viel Zeit, es zu erstatten. Und wenn wir diese Fristen versäumen, dann müssen wir Zinsen bezahlen. Und die Bezifferte der Kamera mit rund tausend D-Mark pro Tag.

Jetzt mal einmal ganz kurz eingehakt. Wie groß war der Gesamthaushalt der Stadt Steinhagen damals? Gemeinde. Tschuldigung, Gemeinde. Sehr wichtig. Nach wie vor Gemeinde. Ja, ihr wollt ja nicht. Ja, in der damaligen Zeit, in D-Mark, so ungefähr vierzig Millionen. Also es war schon eine Hausnummer. Und Verwaltung habe ich gelernt, mir war sofort klar, wir können den verschlossenen Haushalt nicht umsetzen, wir müssen reagieren.

Ich habe die Amtschleiter informiert, dass wir praktisch so eine Art Reset machen und sagen, wir müssen einen sogenannten Nachteilshaushaltsplan machen, wir müssen völlig neu denken. Ich habe an dem Montag noch die Fraktionsvorsitzende informiert, nicht, dass die irgendwann in der Zeitung lesen. Mein Hagen hatte ein finanzielles Problem.

Und das war der Montag. Dann kam der Dienstag, der fing morgens mit einem Anruf eines Ratsmitgliedes aus dem Rheinland an. Der sagt, im Rheinland berichtet der westdeutsche Rundfunk schon darüber. Weil in Gräfrath, da hatte die Balsam AG einen Produktionsstandort, am Montagabend Radsitzung gewesen war und die wollten den Haushalt verabschieden für unheimlich.

Und der Kämmerer in Gräfrath und der Bürgermeister haben gesagt, das braucht ihn nicht verabschieden, wir haben heute Morgen Post gehabt und wir müssen einen neuen Haushalt machen. Und das in öffentlicher Sitzung, also war klar, jetzt kommt das, was die Medienvertreter hier an, die Medien sprangen an.

Ich hatte ungefähr zwei Stunden Zeit, dann hatte ich als erstes die VAZ am Telefon, westdeutsche allgemeine Zeitung, zu denen hatte ich vorher nie Kontakt gehabt, aber die haben mich gefunden und riefen an. und dann nahm das Schicksal zu seinen Lauf, natürlich die örtlichen... ...Zirmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, Dömmen, D. Aber dann sickerte durch, die Bildzeitung macht auf mit der Schlachtzeile, also hier, örtliche Redaktion im Bielefeld, mit der Schlachtzeile in Steinhagen gehen die Lichter aus, Hallenbad und Bibliothek zu Ausrufe zeichen, also nicht Fragezeichen, sondern da gehen die Lichter aus.

Ich glaube, das können wir gleich noch klären. Herr Markus ist da. Herr Kollege ist hier. Ja, ja, ich habe ihn schon begrüßt. Deswegen flächte ich das ja an. Und das war für mich so die Inspiration zu sagen, als Bürgermeister bist du jetzt in der Verantwortung, du musst den Menschen Mut machen. In Steinhagen werden die Lichter nicht ausgehen, die Bibliothek wird nicht zugemacht, das Hallenbad auch nicht.

Wir werden irgendwelche Lösungen finden. Der Früher war Stadtdirektor am Wiedefeld, Dr. Volker Hausmann sagte immer Herausforderungen, denen wir uns stellen machen und stärker singen mehr ist. Das haben wir halt gemacht. Und ich bin dann abends im Landesstudio gewesen, mein WDR, und habe versucht, die Wohnungen etwas zu glätten nach dem Motto, wir schaffen das irgendwie, wir kriegen das hin und wir arbeiten schon mit Hochdruck an der Lösung des Problems.

Also haben Sie den Satz, wir schaffen das? Nein, das wollen wir Angela Merkel überlassen, aber wir haben es hingekriegt. Dann waren im Laufe der Woche alle da. Wie bei Nicole Donat auch, also der Spiegel, Satt-Eins, RTL, das ZDF, was weiß ich. Da habe ich erst mal gemerkt, welche Dimension das auch für die überregionalen Medien hatte.

Waren Sie jemals wieder so gefragt, medial? Selten. Gut, gut. Selten. Wir müssen trotzdem ab und zu, ja. Wir sollten trotzdem gerade noch einmal auf die besagte Ratssitzung eingehen. Da hatten wir eben schon hinter den Kulissen einmal drüber gesprochen. Ich bin da abends hingegangen und die Kollegen, die gucken da mit Spannung drauf, was jetzt in Steinhagen passiert.

Und ich kam wieder und alle so, na und, ist so, alles easy. Denn sie hatten einen Trick angewendet. Naja, was heißt Trick? Also wir haben es geschafft bis zu den Osterfee, bis März, ein Entwurf eines Nachtragshaushaltsplans zu erstellen, den der Rat dann sehr einmütlich verabschiedet hat. Das war schon sehr schnell klar, auch in Abstimmung mit allen Fraktionen.

Wir erhöhen nicht die Steuern, um dadurch die zu bestrafen, die da gar nichts für können, die Grundstückseigentümer, die anderen Gewerbe treiben, also die Steuersätze bleiben, aber wir finden andere kreative Lösungen. Kreativ, das war das Wort. Ja, natürlich. Ich habe das immer gerne damals so verglichen mit einem Flügel, auf einem Flügel gibt es weiße Tasten, da gibt es schwarze Tasten und es gibt ja nicht Fußtasten, sondern Pedale heißt das glaube ich.

Und da muss man manchmal so alles spielen, das ganze Instrument. Und das haben wir gemacht, wir haben zum Beispiel das Heizwerk, was damals noch der Gemeinde gehörte, übertragen an die Gemeinde Werke, damals ein Eigenbetrieb sozusagen, rechte Tasche, linke Tasche. Das hat uns ein bis zwei Millionen D-Mark gebracht.

Der Bürger hat es überhaupt nicht gemerkt. Es ist weiter quasi im Gemeindeigentum geblieben, nur beim Tochterunternehmen, wenn man so will. Solche Tricks haben wir gemacht und das funktionierte eigentlich ganz gut. Es gibt noch eine ganz nette Episode auch in der ersten Woche. Richtig ein Anruf aus dem Innenministerium.

Das kommt relativ selten vor, dass ein kleiner Bürgermeister in so einer kreisangehörigen Gemeinde direkt im Innenministerium angerufen wird. Normalerweise gibt es einen Dienstweg, dann rufen die bei der Bezirksregierung an, die rufen bei der unteren staatlichen Verwaltungsbehörde an, das ist der Landrat und der ruft dann bei mir an.

Aber ich hatte direkt das Innenministerium dran, die hatten sich überlegt, sie bieten Gräfrad und Steinhagen, einen zinslosen Vorschuss auf die Schlüsselzuweisungen, also auf die allgemeinen Landeszuweisungen an, damit wir liquide bleiben, damit wir unsere Gehälter bezahlen können und sonstige Verpflichtungen.

Und auch danach habe ich dann den Menschen da in Düsseldorf gesagt, das müsste ich klären, könnte ich nicht alleine entscheiden. Bin ich wieder zu meinem cleveren Kämmerer gegangen. Und der sagte schon auch, ob wir überhaupt Schlüsselzuweisungen bekommen, auch wenn wir zehn Millionen D-Mark erstatten.

Wir sind so finanzstark, kann glücklicher sein, dass wir trotzdem nichts kriegen. Er ist nachgerechnet und siehe da so war es auch und ich habe dann etwas kleinlaut. Nächsten Tag wieder in Lüsseldorf zurückgerufen und ich habe mich nett bedankt für das großzügige Angebot. Wir wären abundant und wir blieben auch abundant.

Das war für die wahrscheinlich passungslos, dass es in Ostwestfalen Nippe-Kommunen gibt, die so finanzstark sind und trotz zehn Millionen D-Mark-Erstattung immer noch keine Schlüsselzuweisungen kriegen. Also das Hilfsangebot mussten wir ablehnen. Aber ich finde einen kleinen Applaus haben Sie verdient für dieses Ausgleichen der Bilanzi.

Wir Journalisten kritisieren ja gerne mal linke Tasche, rechte Tasche, aber in diesem Fall hat es dafür gesorgt, dass wahrscheinlich das Hallenbad und die Bibliothek eben aufblieben und alles... Die Lichter auch. Die Lichter auch, und es blieb halb so dramatisch. Dramatisch, Nicole, ich spiele ihn bald wieder zu dir, ging es jetzt ganz woanders los.

Herr Rostek, das war alles überhaupt nicht ihr Thema. Sie mussten sich nämlich auf den Mammutprozess vorbereiten. Die eightundundfünfzigseiten umfassende Anklageschrift, ich habe die übrigens hier, ich weiß nicht, wie viel Kilo die wiegt. Und falls Herr Rempe jetzt kritisch rüber guckt, ich weiß nicht, wo ich die her habe, aber sie lag irgendwann auf meinem Schreibtisch.

Herr Rempe wird sie mir bestimmt nicht geschickt haben damals. Auf jeden Fall... Die Politiker neigen bei sowas auch zu Erinnerungslücken, das ist völlig in Ordnung für mich. Die hatte... Herr Römpfe, im Mai nineteenhundert fünfundneinzig fertig und im April nineteenhundert sechsundneinzig, fast ein Jahr später, begann der Prozess.

Bis auf ihren mandanten Klaus Lienkamp bestritten alle übrigen Angeklagten, die Vorwürfe, also einmal der gesamte balsam Vorstand, plus die beiden Manager von Procedo, plus der Wirtschaftsprüfer von Procedo, die waren angeklagt. Wie haben Sie diesen Prozess der Superlative, der bestimmt zu den größten Wirtschaftsprozessen auch in der Geschichte der Bundesrepublik gehört, damals erlebt?

Fünfundzwanzig Anwälte haben sieben angeklagte, verteidigt zwei Ersatzrichter. Es hatten wir vier Reserve-Schöffen. Während des Prozesses hat noch der Richter gewechselt. Erzählen Sie uns ein bisschen davon. Ja, alles relativ einfach. Die Anklage brauchte man gar nicht groß zu lesen, weil man fast alles kannte.

Wenn man einen geständigen Angeklagten verteidigt, ist das wesentlich einfacher. Die Verteidigerbank war gut organisiert. Wir waren drei Verteidiger, zum Team gehörte der Dr. Oberwetter und Herr Ritz, die wir waren, die sind als Pflichtverteidiger dazugekommen und wir haben uns gut ergänzt. Sonst hätte man auch so ein Prozess von dreieinhalb Jahren gar nicht durchstehen können.

Es gibt Verhinderungen, obwohl wir auch alle zu dritt an den meisten Tagen dabei waren. Der Haritz war schon ein bisschen besser mit der EDV. Der hat alles mitgeschrieben. Das war toll. Wir machen jetzt ja auch die Richter zum Teil. Es gibt ja kein Originalprotokoll. Wenn ein Zeuge was aussagt, wird nicht protokolliert.

Das muss man erst mal erklären. In Mordfällen wird nicht protokolliert, was ein Zeug gesagt. Deswegen hatte die Verteidigung von Muskat, von den Wirtschaftsprüfern, die fürchten ja eine Klage gegen Preisworterhaus in Millionenhöhe, um die in Regress zu nehmen wegen Falschberatung. Die hatten eine Person angestellt, die hat mitständografiert.

Die hat alles mitgeschrieben. An das ging das auch gar nicht, weil der Muskat ist ja letztlich freigesprochen worden. Deswegen hat der Prozess auch so lange gedauert, weil es ging ja gar nicht, wenn wir, wir wären möglicherweise nach drei, vier, zehn Verhandlungstage fertig geworden. Der Prozess ist ja aufgedrängt worden.

Was bedeutet das für die Logistik? Für die Logistik, dass es relativ, die erste Zeit war, weiß auf gut Deutsch gesagt, wenn da man dann im Knast sitzt, die Besuche, der will man, hol mich raus. Du musst dann die Familie, wenn die da ist, informieren. Haftbesuche sind wie im Krankenhaus, das ist fürchterlich.

Auch nach fünfzig Jahren Berufstätigkeit sind Haftbesuche eine Überwindung. Und die saßen da. Zum Glück kamen sie ja dann irgendwann mal nach sechs und zwanzig Monaten Urhaft raus, aufgrund einer Haftbeschwerde. Plötzlich waren sie alle draußen. Ich fahre mit meiner Frau nach Schiffeningen, nicht nach den Haken, sondern in die Lüneburger Heide.

Und wer sitzt da, der sitzt am Muskat in demselben Hotel, obwohl wir uns bekriegt haben. Die haben ja den Schwingkampf meinen Mandanten, der hochintelligent ist. Der ist untersucht worden vom Sachverständigen. Das ist ein kleiner Einstein. Ein wirklich klaus bürscher, der hat dir alles verkauft. Da hättest du sofort ein Gebrauchtwagen von dem gekauft.

Also ist es. Die man nicht aufbrechen konnte. Ja, insofern war die Verteidigung relativ einfach und die Akten, das waren ja auch... Sagen wir mal Tage, manchmal war es spannend, manchmal war es richtig langweilig. Da konntest du nach Hause gehen, weil es um uns nicht ging. Aber wir haben in dem Verteidiger-Team uns gut ergänzt und haben diesen Lampenprozess dann erfolgreich oder nicht erfolgreich.

Die zehn Jahre waren zu hoch. Die hatte sich ja mal ein Sprung nach vorne. Da kommen wir gleich noch mal drauf. Ist ja abgehauen und da hat er sich... Stopp, stopp, stopp, Moment, Moment. Stichwort Logistik, die, was wir eben gesagt hatten, twenty-fünf Verteidiger für sieben Angeklagte. Das bedeutete auch was für den Gerichtssaal.

Der Gerichtssaal musste umgebaut werden. Das war ganz komisch, weil der Zeuge dann oben in der Ecke, also der Schwurgerichtssaal in Bielefeld ist nach wie vor eine Katastrophe. Am Anfang waren überhaupt keine Fenster, dann hat man Schlitze gebaut, dass ein bisschen Licht reinkommt. Es ist eine Scheißatmosphäre da.

Da möchtest du am liebsten gar nicht rein. Und auf die Zeugen konntest du gar nicht gucken. Jetzt überleg mal, da waren am Anfang sieben angeklagt, ich glaube ich. Ein Dreiundzwanzig-Verteidiger, wie sie gesagt haben oder was. War schrecklich. Die Luft, dünn. Also das musste erst mal, das ist nie schlimmer als ein Krankenhausbesuch.

Aber ich stehe es ja immer noch durch und in den komischen Saal gehe ich nach Vipor ein. So, und in diesem komischen Saal haben Sie jetzt versucht, jemanden zu verteidigen, der alles zugegeben hat. Wie macht man das? Erklären Sie uns das mal, wir sind keine Verteidiger. Ja, das ist doch relativ einfach.

Du bist doch als Anwalt Beistand. Du bist doch, ich habe mal gesagt, zu meinem siebzigsten, ich bin Seelsorger, Sozialarbeiter, ich muss gewisse Dinge, ich muss denn ja auch emotional die Mandaten auffangen. Der ist von der Außenwelt abgesperrt, ja? Überleg mal jetzt, dreinzwanzig Stunden in seiner Hütte.

Da musst du Empathie zeigen. Aber sie müssen mich doch ausholen. Ist doch gar nicht so schlimm. Gut, dann haben wir es geschafft, ihn aus der Untersuchung schafft rauszukriegen. Dann war die Verteidigung wieder leichter. Aber die Knastbesuche sind nach wie vor ganz, ganz schwierig. Deswegen wollen viele auch gar nicht, viele Anwälte gar nicht in Knast, weil das viel zu anstrengend ist.

Ich will noch mal zurück auf die Verteidigungsstrategie, weil nehmen Sie einfach an, ich habe da wirklich keine Ahnung von, was gibt es denn da Strafmeldern? Was kann man da anführen? Der hat ja alles zugegeben. Geständnis. Ja, gut. Gut. Ja, kooperieren. Da muss er dabei bleiben. Dann ist er ja angegriffen worden von den anderen Verteidigern.

Er ist als Lügner. Ich habe die Passagen im Urteil nochmal dargelegt, welche Einwände gegen seine Glaubwürdigkeit bestehen. Das hat das Gericht alles ausgeräumt und haben gesagt, er hat vielleicht einen anderen Punkt gelogen und betrogen. Aber im Kern hat er das geschildert, so wie es war. Und das gibt einem natürlich dann die Kraft und dann gibt man die Rückendeckung und muss auch den anderen Verteidigern mal in die Parade.

Diese Frage ist unzulässig und dann kriegt man manchmal auch vom Gericht Unterstützung, lassen sie doch den Angeklachten mal ausreden. Also da ist viel. ich sage ja, Strafrecht ist sowieso und das ist wichtig. Mindestens fünfzig Prozent Psychologie. Man muss seinen Handwerk beherrschen, aber man muss den Mandanten verstehen.

Man muss sich in seine Situation hineinversetzen, ohne das zu wehrten. Und eben auch ab und zu sagen, Kerl, wir schaffen das, der Spruch haben wir schon mal gehört. Das macht aber Spaß. Und das gibt mir nach wie vor die Kraft. zu kämpfen. Das ist ganz, ganz wichtig. Du hast einen Menschen an deiner Seite, der zwar Scheiße gebaut hat, ja, böse Scheiße, der es zugibt.

Aber man darf den nicht verurteilen und muss dem beistehen und das Beste für ihn rausholen. Das war jetzt ein Kurzplädoyer für einen Freispruch oder was? Ja, Rostik, Sie waren hundert. Und das Verfahren gegen die beiden anderen Vorstandsmitglieder, Horst Bett-Schultes und Dietmar Ortlieb, wurde irgendwann eingestellt.

Wissen Sie noch, wie viel Liebe bekommen haben, wie hoch die Strafe ausgefallen war? Die haben Geldbußen bezahlt, nicht und die anderen. glaube ich, zwei Jahre, drei Monate, das weiß ich nicht genau. Das waren die Prozedomanager? Ja, Herr Muskat ist freigesprochen worden. Das war der Wirtschaftsprüfer von Prozedom?

Das war der Wirtschaftsprüfer und man hat Lack gekriegt, wie man so schön sagt, zehn Jahre. Die Kammer hat da ganz schnell zugeschlagen, aber der hatte den Bonus verwirkt. Also meines Erachtens wäre eine angemessene Strafe sechs bis sieben Jahre gewesen. Aber dadurch, dass abgehauen war. Da müssen wir jetzt aber noch mal drauf zurückkommen.

Der Prozess lief und dann kam der zehnte November, Klaus Stinkamp frei bekommen. Apropos, wie hoch war eigentlich die Kaution, die sie hinterlässt? Der hat keine Kaution bezahlt. Aber die anderen mussten? Weiß ich auch nicht mehr. Ist so lange her, woher soll ich das wissen? Überleg mal vor dreißig Jahren.

Ich habe ja nur auf meinen Mandanten geachtet. Wir haben ihn abgeholt, umarmt. Er hatte seinen SL noch, der Herr Rietz, der Kollege. Der Mitverteidiger, das war natürlich ein Jubel. Wenn du rauskristallhaft befehl und du kannst ihn vom Knast abholen, das gehört auch so zur Verteidigung. Nicht, dass man auch so einen kleinen Erfolg mal genießt.

Dann kommen wir noch mal auf den zehnten November, acht, um in sich zu sprechen. Sie gingen also jetzt zweimal die Woche ... mit Klaus Schlinkamp zum Landgericht. Da wurde verhandelt, den Rest der Zeit durfte er eigentlich machen, was er wollte. Das heißt, durfte er wahrscheinlich eigentlich nicht, aber hat er getan.

Und dann kam die Nachricht, ich glaube das erste Mal am Landgericht an, dass Herr Schlinkamp behauptet, er wollte seinem Leben ein Ende setzen. Wir hatten da im Vorfeld einmal drüber gesprochen, Ich kannte niemanden, der das geglaubt hatte. Sie hatten mir aber damals gesagt. Damals schon in den ... eh ... ... eh ... ... aber jetzt auch zum Schluss, doch, konnte ich mir vorstellen.

Warum? Wir kommen in Gerichtshalt, die Sache wird aufgerufen. Unser Mandant kommt nicht. Ja? War schon blöd. Das Gericht hatte aber einen Schreiben vorliegen. Wir hatten das nicht, wir wussten es nicht. Äh ... und da ich ja nicht ... Immer vom Negativen ausgehe, ich habe geglaubt, auch so wie ich ihn kannte, dass es durchaus möglich ist.

Er hatte Alkoholprobleme, er ist auch im Prozess sachverständlich untersucht worden von einem Psychiater. Es hat zwar nicht zur verhinderten Schuldfähigkeit geführt, aber das Alkoholproblem war klar. Und es kann sein, in so einem langen Prozess irgendwann mal, er wusste ja, dass er verurteilt wird. Wir haben ihm ja auch angekündigt, du kriegst dir keine Bewährungsstrafe.

Du musst mehrere Jahre entknast. Damit kommt er jede Woche zum Termin. Das ist so einfach scheiß, das muss man sich einfach mal vorstellen. Dreieinhalb Jahre lang. Gut. Aber dann kam die nächste Geschichte, dann kamen diese Mail an. von einem angeblichen Tauchlehrer, der uns allen Weiß machen wollte, dass wir überhaupt gar nicht mal mehr länger nachhentschliehen kann.

Die hab ich verdrängt, die hab ich wirklich nicht auf dem Schirm. Aber plötzlich weg, der war weg und wir haben den Prozess ohne ihn, das ist ja möglich, weil er zur Sache gehört worden ist, kann ohne ihn verhandelt werden. und dann ging es bis zum Petrenende. Der Richter, der Vorsitzende, hatte sein Alter erreicht, sein Pensionsalter.

Da hatte die Kammer natürlich vorgesorgt. Das waren Ersatzrichter da und dann rückte der nächste Vorsitzende nach. Den Richter haben wir noch herzlich verabschiedet, den Richter Warblitz, der das bisher gut gemacht hat. Das war ein Vorbild an Prozessrecht. Der hat das wunderbaren, wunderbaren, fairen Prozess.

Und dann ging es weiter. Das heißt, das Urteil viel und gern geklackt wird. Herr Staatsanwalt, Rämpel ist während des Verfahrens befördert worden. Nachträglich, ich konnte ihn damals nicht gratulieren. Das mache ich jetzt noch mal. Rämpel. Nehmen Sie das Glückwunsch an. Gut. Wir kommen trotzdem noch mal auf den Tauchlehrer.

Nein, dann auf. Weiß ich doch nicht! Müssen sie auch überhaupt gar nicht. Aber du weißt, das ist Nikol. Erzähl uns doch mal, was stand denn in der Mail? Nee, das wollte ich gar nicht vorab schon erzählen. Aber ich glaube, fast alle, bis auf Herrn Rostec, also fast alle, die mit diesem Fall zu tun hatten, können sich an diesen legendären Satz erinnern, mit dem man uns weiß machen wollte.

Nachdem braucht ihr gar nicht länger zu suchen. Kennt ihr noch jemand hier? Yes, Herr Besser? Er ist von den Fischen aufgefressen worden, die Büro-Sale. Auf Englisch. Okay. Hier vorne im Publikum kam die richtige Antwort und wir können es nochmal bestätigen, denn wir hatten uns vorher einmal umgehört und hören uns das einmal kurz an.

Es ist Einsatz. The whole body has been eaten by the fish. So, the whole body has been eaten by the fish. Das hat tatsächlich überhaupt keiner mehr geglaubt. Das war maximal drüber. Herr Rostecke. Einmal einen Räumen, auch da haben Sie da nicht mehr geglaubt? Nein. Wir hatten ja mal vor Jahren schon den Haifischfall mit Schnabel, die vom Ursulinen-Gymnasium zwei Lehrer, ein Studienrat und ein anderer Lehrer, die in der Karibik haben sich von Haifischen fressen lassen und haben die Versicherungsumkassiert.

Die sind dann auch aufgetaucht. Also das ist nicht alles alter Hut. Also damit muss uns keiner kommen? Nein, Heilfische gehen nicht. Ja, die hätten das aber gut. Leider gab es auch dann dreieinhalb Jahre dafür. Für den Fisch? Ohne Mehrwert. So jetzt Bestandsaufnahme. Hier wird weiter verhandelt, ohne Angeklagten.

Sie gehen fleißig zu Gericht. Der Angeklagte ist weg. So richtig glauben tut keiner, dass er tot ist. Und jetzt gibt es Karl-Heinz Wallmeier. Den haben wir eine Weile nicht erwähnt, aber der spielt noch eine Rolle. Der hat sich nämlich auch nicht so richtig überzeugen lassen von der Heifesthese. Und hat mit dem BKA die Spur wieder aufgenommen.

Und Klaus Schlinkamp im Wassen sind das Wortes um den halben Erdbeil gejagt. So darf man das, glaube ich, sagen. Das stimmt tatsächlich. Der hat Passagierlisten durchgesucht. Schlinkamp war ein paar Mal in die USA gejetet, dort vermutete Walmaier wiederum noch altes Balsamengeld. Irgendwann hieß es dann, ich weiß es nicht mehr, war das auf dem Malediven?

Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Irgendwo hieß es, hier könnte man jetzt den Zugriff starten, hat nicht funktioniert. Und dann kam irgendwann der Hinweis vom BKA, Schlinkamp befindet sich auf den Philippinen. Da ist Walmaier dann hingeflohen. Flogen, nicht geflogen, geflogen und hatte. zusammen mit den Philippinischen Behörden und mit den Kollegen vom BKA war er in die Stadt Cebu geflogen.

Eine Millionenstadt und dieses Mal war er sich sicher, jetzt würde er Schlienkamp finden. Jetzt muss man sich das so vorstellen. Die Straßen hatten keine Namen. Es gab kein Einwohnermeldeamt. Wie findest du da? unter, weiß ich nicht, vier, fünf Millionen einen Flüchtigen. Er hat dann letztlich eine deutsche Bäckerei aufgetan, hat das Foto vorgezeigt und die hätten besucht, ja, der kommt hier regelmäßig einkaufen, der gesagt, wunderbar.

Und jetzt kommt es ganz krass, Quatsch, Quatsch, mal her, sag ich schon, ja, Schlinkamp lebte in dieser Stadt unter seinem echten Namen. Und dann hat es nicht mehr lange gedauert, Walmaier hatte seine Wohnung aufgetan und wir haben hier in den Jahr zwanzigneunzehn noch erzählt, er ist dann hingefahren, er hätte geklingelt.

Ich hätte echt was drum gegeben, in diesem Augenblick dabei sein zu können. Auf jeden Fall hat er dann wohl mit so Nora Stimme erklärt, guten Tag, mein Name ist Schlinkamp. Mein Name ist Walmaier, kennen Sie mich noch. Und Schlinkamp wäre wohl Leichenblass zusammengesagt. Und ja, dann hat er ihn festgenommen.

Und ich glaube, Herr Rempe, als nächstes Sie angerufen mit in der Nacht. um dann zu sagen, ok, jetzt kommen wir zurück über Frankfurt. Das war die Geschichte. Herr Rostec, jetzt das Verschwinden ihres Mandanten war die eine Sache. Sie haben trotzdem jede Menge für den investiert und dann wurde aber bekannt, dass er während der Zeit, wo sie für ihn erwirkt hatten, dass er frei sein durfte, eine neue Firma gegründet hatte, die EM Consulting.

Proformer war seine Frau die Geschäftsführerin, aber er leitete die de facto. Er hatte wieder frisches Geld eingesammelt, eine Million. Hatte das binnen weniger Monate wieder verspekuliert. Und ja, hatte dann letztlich all das, was noch auf dem Konto drauf war, keine Ahnung, siebzig, achtzig tausend Mark, abgeräumt und hatte diese Flucht angetreten.

In dem Augenblick wo sie so was erfahren. Ist man da enttäuscht und denkt, Alter, ich hab dich rausgeholt, und jetzt hintergehst du mich? Nee, der hintergeht mich ja nicht. Ich hab's nicht gewusst, ich hab auch nix von dem Geld gekriegt, hätte ich gerne genommen. Aber war nicht der Fall, nein. Enttäuschung gibt's nicht, dann kannst du nicht verteidigen.

Ja, es gibt Blüten, manche lügen sich ... Um alle, die erzählen, die glauben es ja dann auch, ja? Also die Enttäuschung gibt es nicht. Es gibt auch, genauso gibt es umgekehrt, keine Dankbarkeit. Man reist sich alles auf, was überhaupt an Öffnungen möglich ist, ja? Und ja, und du rettest, ich hab, ohne jetzt zu übertreiben.

X-Mandanten wirklich das Leben gerettet, weil man gekämpft hat, obwohl sie hätten verurteilt werden können, aber durch eine geschickte Verteidigung ist es gelungen. Da wartet man ja Dankbarkeit, die kriegst du nicht. Deswegen musst du als Strafverteidiger die negativen Ereignisse und die positiven, die musst du kompensieren.

Da scheitern viele junge dran. Ja, viele zerbrechen daran, weil sie mit dem negativen Ergebnis nicht fertig werden, umgekehrt mit dem Positiven nicht. Da musste eine ausgeglichene Persönlichkeit, die nehme ich für mich in Anspruch, das aber meine Frau maßgeblich schuld, dass sie mich ausgleicht und meine Familie.

Du brauchst eine starke Familie als Verteidiger, um diesen anstrengenden Beruf Jahre jahrzehntelang durchzukleben. Ja, das geht nicht. Deswegen hören ja viele früher auf. Ich kämpfe weiter, weil heutzutage nach wie vor Mandanten im starken Anwalt brauchen. So, jetzt habt ihr es. Herr Osteck, werden Sie eben einmal schon kurz erwähnt, während Ihr Mandant auf den Philippinenwalte waren die Urteile gefallen, am zwanzigsten September, nineteenhundertneunzig.

Wie sind die ausgefallen? Zehn Jahre hat Schlingkamp gekriegt und acht Jahre beisammen. Wir waren ja noch zu zweit. Herr Besser, haben Sie die Urteile damals verfolgt und fanden Sie die gerecht? Haben Sie gedacht, oh, der hat jetzt zehn Jahre gekriegt beziehungsweise Friedl beisammen, acht Jahre. Doch das ist okay, oder?

Ja, natürlich habe ich den Prozess verfeucht in den Medien. Bin also nicht da ins Gericht gegangen, um mir das anzuhören, hatte was anderes zu tun, aber habe das natürlich aus den Zeitungen erfahren. Und zehn Jahre bzw. acht Jahre ist schon eine ordentliche Strafe. Wenn man das vergleicht, das wird der Rostik besser wissen als ich, bei Vergehen gegen die Person, also sei es Körperverletzung oder Totschlag oder sowas, werden ja ähnliche Strafmaße oft verhängt von den Gerichten und deswegen im Bereich der Wirtschaftskriminalität war das wahrscheinlich in der damaligen Zeit schon eine sehr hohe Strafe.

Das ist eine Ansage gewesen. Ja. Wie gesagt, ich hatte es ja erst schon erwähnt. Möglicherweise hätte er nicht unwesentlich weniger bekommen, wenn er den Prozess durchgestanden hat, weil der Aufklärungsbonus wiegt nach wie vor groß. Ja, aber der hat noch mal wirkt letztlich. Weil Balsam hat bis zum Schluss bestritten.

Natürlich haben wir trotzdem Revisionen eingelegt, aber dann war irgendwann mal das Urteil rechtskräftig. Das Urteil war ganz gut abgefasst an der Adresse des Herrn Berichterstatters. Wissen Sie, wie viel er abgesessen hat? Zwei Drittel mit Missens. Ich glaube, so gab es ein bisschen mehr. Aber ich habe danach seit seinem Verschwinden mit ihm keinen Kontakt mehr gehabt.

Danke. Wie haben Sie die Urteile? so wahrgenommen oder aufgefasst? Ich habe die Urteile selber gar nicht so richtig mitbekommen, weil ich muss zu meiner Schande oder wie auch immer gestehen, dass ich ab dem neuen Job eigentlich die malzamen Geschichte nicht weiter verfolgt habe, weil man muss mich ja nicht unbedingt an Sachen erinnern, die einem überhaupt nicht gefallen haben.

Uns hätten wir noch einen Abo verkauft. Mit der? Uns hätten wir hier gerade noch einen Abo verkauft, wenn es daran gelegt hätte. Und andererseits maß ich mir jetzt nicht an zu beurteilen, ob die Strafe jetzt genug war oder nicht genug war. Weil als Mitarbeiter war man eigentlich so ein bisschen zu viel gespalten, weil es ging absolut nicht und es war unverzeihlich, was die Herren sich da ausgedacht haben, was sie gemacht haben.

Aber auf der anderen Seite waren sie zehn Jahre ideale Vorgesetzte. Also sie schwanken auch so ein bisschen in der emotionalen Beurteilung. Also ich bin mal gefraubt, ob ich im Nachhinein immer noch ein Gräu, was ich machen würde, wenn wir der Herr Balsam oder Herr Schliekamp auf die Straße entgegen käme.

Also ich hätte jetzt im Moment all nicht keinen Grund, den irgendwelche Hass gegenüberzubringen. Sie hatten das auch in dem Film so ausgedrückt, dass sie ihn freundlich begegnen würden und sie grüßen. Ja, wir hatten das Mitarbeiter wirklich ein schönes Leben plötzlich jetzt ein bisschen bekloppt, aber wir hatten es eigentlich ganz gut, weil, wenn man seine Arbeit gemacht hat, konnte man auch die Unterstützung der beiden oder des Chefs genießen.

Ja, das im Sport, wir waren ja nur auf sehr viel Mitarbeiter, die Sport nicht irgendwo unterwegs waren als Trainer, als Betreuer, als Vorstand, wie auch immer. Und da wurden keine Steiningwirkungen, ganz im Gegenteil. Da hieß es, wenn du morgens eine Stunde her anfängst, dann kannst du auch einen Mittag um die Uhr gehen.

Kannst du eine Stunde länger machen anschließend? Ja, und auch von Veranstaltung. Wir haben also internen Mitarbeiter, hatten super Verhältnisse zueinander. Und man hat sich privat getroffen, man hat in der Firma-Vereinstellung ohne Ende gemacht. Aber das war schon, es war eine schöne Zeit bis auf das Ende.

Ja. Aber sie sind den beiden auch nie wieder begegnet? Nein, nicht weinen. Ja, nicht nur die Urteile sind längst gesprochen, auch die Strafen sind halt längst verbüsst und trotzdem wirkt der Fall balsam nach. Ich habe... Dazu mit dem Spiegelautor Martin Hesse gesprochen. Der hat nämlich den Fall Wirecard recherchiert.

Und Surprise, nach twenty-fünf Jahren passiert plötzlich doch wieder fast das Gleiche. Das schauen wir uns jetzt einmal an. Herr Hesse, unser Thema heute Abend ist ja der Finanzkandal Balsam. Sie wiederum recherchieren seit Jahren für den Spiegel rund um den Skandal bei dem Finanzdienstleister Wirecard.

Können Sie uns kurz zusammenfassen, wann wurde der Betrug öffentlich und was hat Wirecard eigentlich zu Fall gebracht? Ja, also den großen Klall bei Wirecard gab es im Juni. Da musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, weil bekannt geworden war. dass rund zwei Milliarden Euro, die auf Treu an konnten in Manila auf den Philippinen liegen sollten, offensichtlich nicht existierten, was nicht auf diesen konnten.

Und dann war binnen einer Woche klar, dass das Unternehmen Insolvenz anmelden muss. Gebrodelt hat es aber schon lange vorher. Es gab über Jahre immer wieder Berichte über Missstände bei Wirecard und Betriebsverdacht. Der Hund hintergrund, also was Wirecard macht, das Kerngeschäft oder Macht ist eben Zahlungsabwicklung von Zahlungen im Internet in allererster Linie.

Eigentlich ein kleinteiliges Geschäft mit vielen kleinen oder größeren Kunden, mit schwachen Gewinnmargen, aber Wirecard hat es angeblich geschafft, über viele Jahre jedes Jahr um dreißig Prozent zu wachsen, den Gewinn zu steigern, auch viel höhere Gewinnmarscheln zu erzielen, das andere. Und wurde dafür an der Börse gefeiert, ist bis in den Dachs aufgestiegen.

Aber das hat sich dann eben herausgestellt, dass ein großer Teil des Geschäfts gar nicht existierte. Und die Erklärung vereinfacht gesagt ist, Wirecard hat gesagt, dass sie in vielen Märkten außerhalb Europas gerade in Asien, ihre Geschäfte über sogenannte Drittpartner, also Partnerfirmen, abgewickelt haben.

Aber sie haben sich selber in die Umsetzung und Gewinne gut geschrieben. Aber diese Geschäfte, die die Partnerfirmen abgewickelt haben, die gab es eben nicht. Und das Geld aus diesen Partnergeschäften sollte eben auf den Treuernkonten landen, aber da war dieses Geld nicht. Und als das dann rauskam, ist die Firma eben implodiert.

Walsam, immerhin, vor twenty-fünf Jahren Wirecard, hat deutlich gezeigt, er hat ein ganzes System an Aufsichtsräten, an Kontrollgremien versagt und man hätte ja meinen können, da konnte er, hat man irgendwelche Lehren drausgezogen, aber das war ja überhaupt nicht der Fall. Bereits im Jahr zwanzig fünfzehn hatte die Financial Times mehrfach auf Unregelmäßigkeiten bei Wirecard hingewiesen und sie hatten es eben schon kurz erwähnt.

Zwanzig achtzehn wurde das Unternehmen noch in den Aktienindex DAX aufgenommen. Die Barfin als Finanzaufsichtsbehörde hatte vor der Pleite sogar Strafanzeige gegen Wirtschaftsjournalisten erstattet, sie kritisch über Wirecard berichtet hatten. Das Prüfmandat von Wirecard lag über Jahre bei EY. Jedes Jahr hat man die Bilanz als korrekt testiert.

Bilanz sind Gütesiegel für Banken, für Aktionäre, für Aufsichten. Können Sie sich erklären, was da passiert ist? Ja, so tatsächlich gibt es da gewisse Parallelen offenbar zu balsam, weil es einen Versagen von Aufsichtsinstanzen auf allen Hebenen gab, also von intern, vom Aufsichtsrat angefangen, der praktisch dirigiert wurde eigentlich vom Vorstandschef Markus Braun und also nicht ernsthaft wirklich kontrolliert und ihm Paroli geboten hat, bis zu den Wirtschaftsprüfern, UY, sie sprachen es schon an, die über Jahre testiert haben und zu Finanzaufsicht barf ihn zu den gelb-bäschen Behörden.

Also alle haben sich eigentlich täuschen lassen. Wie konnte das passieren? Also Braun und Marcelik haben es eigentlich sehr gut verstanden. Alle zu bezürzen. Also der Hintergrund war erst mal Wirecard, hat sich als Finanstechnologieunternehmen inszeniert mit der Erfolgsgeschichte, wonach man in Deutschland auch so ein bisschen gelechts hat.

Die Finanzkrise war nicht lange her, wo die deutschen Banken ganz schlecht ausgesehen haben und hier schien so neue Hoffnungsträger zu kommen. Und das wollen die Leute halt dann gerne hören. Das ist also auch bis hin zu den Investoren, den Nationären, den Banken. Dann gibt es wirklich so ein Herdentrieb, dass man halt dieser Story folgt und nicht so genau hinkruppt.

Mittlerweile wurde ja ein Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität verabschiedet. Glauben Sie, damit kann man jetzt in Zukunft Finanzkandale, ob das jetzt Balsam ist oder Wirecard, tatsächlich verhindern? Also das Gesetz sicher hilfreich, es wurden... Also, es wurden ein paar... Also diplomatisch.

Ja, diplomatisch kann es heute ein bisschen erklären. Also es gab tatsächlich natürlich auch systematische Fehler. Ein Beispiel ist, dass die Bilanzkontrolle auf mehrere Instanzen verteilt war. Es gab die deutsche Prüfstelle für Rechnungslegungen. Und es gab die Barfin, die eben praktisch zwischen denen die Kompetenzen verteilt waren.

Und das war auch nicht optimal aufeinander abgestimmt. Das hat sicher dazu beigetragen, dass dieser Bilanzbetrug spät aufgeflogen ist. Und das andere ist, und da sind wir vielleicht wieder auch bei Balsam, es gibt immer so eine gewisse Verfallsdatum, wie lange der Schock über ein Betrugskandal anhält.

Und es wird dann aber wieder vergessen. Es gibt einen neuen Hype, um ein anderes Thema, und dann setzen diese psychologischen Effekte wieder ein. Also, ich glaube, es sind Dinge verbessert worden, aber am Ende geht es halt auch immer um Menschen in den Entscheidungs- und Aufsichtsgremien, wie auch bei Metallik-Investoren.

Und wenn da Unfallnuft-Einszug hält, dann hilft auch manchmal die Regulatorik nicht. die auf dem Papier steht. Also ich glaube, der Beweis steht noch auf, dass es dauerhaft wirklich was verbessert. Genau. Also das heißt, die schließen nicht aus, dass wir uns hier in ein, zwei, drei Jahren noch mal wieder treffen, um einen neuen Fall besprechen zu müssen.

Das hat sich heute wohl wahrscheinlich auch in ganz anderen Arten unternehmen. Es ist vielleicht etwas mit künstlicher Intelligenz zu tun. Okay. Herr Hesse, herzlichen Dank, dass Sie sich für uns die Zeit genommen haben und ein bisschen aus Ihrer Sicht diese Geschichte aufgearbeitet haben. Herzlichen Dank.

Sehr gerne. Was meinen Sie, sehen wir uns noch mal wieder, um balsam zwei Punkt Null zu besprechen? Ich glaube ja. Also, weil Betrügereien oder Betruchsversuche wird es immer geben. Es wird immer Leute geben, die versuchen, Geld zu machen. Und man kann nicht jedem Kontrollbeamten zur Seite stellen. Wir wollen eine Entbürokratisierung.

Insofern wird das auch nicht funktionieren. Ich glaube schon, dass es weiter Betrug geben wird und in irgendeiner Form. Insofern sehen wir uns irgendwann wieder. Und Herr Rostek wird nicht arbeitslos werden. Herr Deike, Sie haben noch ein paar andere Unternehmen kennengelernt. Wie ist Ihre Einschätzung?

Die Unternehmen haben da, Gott sei Dank, nichts mitzutun. Und wir wissen nur, wo Sie gearbeitet haben. Aber nicht viel trotz... Wie ich davon aus, dass das nach wie vor nicht in Griff zu kriegen ist. Herr Rostek, Berufsoptimist, die... Das Verbrechen macht vor dem Gesetz keinen Halt. Ja, man ist es doch.

Sonst gibt es keine Verbrechen. Das Gesetz hilft nichts. Damit könnten wir im Prinzip jetzt unser Abschlussstatement... ganz kurz noch einmal tauchte auch eben so hier die frage auf hat jemand friedl balsam klaus schlieenkamp noch mal? irgendwann wieder getroffen sie sie sie? nein nein einmal nein. gut haben wir das auch geklärt?

gut gut Dann werden wir tatsächlich am Ende unseres Live-Podcasts anbekommen. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Gästen hier oben auf der Bühne, dass sie sich eigens die Zeit genommen haben und auch so ein bisschen in alten Akten, in alten Urteilen gekramt haben. Das ist nicht selbstverständlich wunderbar.

Wir bedanken uns natürlich auch bei Ihnen im Publikum, die Sie eigens eine Karte erstanden und den Weg nach Bielefeld gefunden haben. Herzlichen Dank. Und wir bedanken uns vor allem bei Nicole Donat, denn ohne die hätte dieser Abend gar nicht stattgefunden. Das war ein Mitschnitt unseres Live-Events im Spiegelzelt.

Dort waren wir am sechzehnten Dezember zwanzigundzwanzig mit den Ostwestfällen zu Gast. Die Veranstaltung wurde moderiert von Nicole Donat, Redaktionsleiterin des Haller Kreisplatz. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region, auch jederzeit auf nw.de und in der nw-plus-App in der Serie OWL Crime.

Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast und natürlich über Wünsche, welche Ostwestfälle wir demnächst für euch besprechen sollen.

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