OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen
Dreifachmord in Enger: Disko-König stirbt bei Raubüberfall
Donnerstag, 18. Dezember 2025 · 31 min
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Shownotes
Aus einem geplanten Raub zweier Kleinkrimineller wird ein Dreifach-Mord
Enger-Oldinghausen, 26. August 1985: Hans‑Günter „Büben“ Eickhoff, einstiger Disko-König der Bielefelder Nachtszene, wird auf seinem Reiterhof erschossen – mit ihm stirbt seine Freundin und sein Mitarbeiter. Aus einem geplanten Raub zweier Kleinkrimineller wird ein Dreifach-Mord, der riesige Blutlachen hinterlässt. Diese Folge rekonstruiert die Tat-Nacht, zeigt Eickhoffs polarisierende Rolle und erzählt, wieso einer der Täter noch heute für Aufsehen sorgt.
Ostwestfälle S4 | E20 Dreifachmord in Enger: Disko-König stirbt bei Raubüberfall
Gast: Ehemaliger NW-Redakteur Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Redaktion: Dana Johanna Stoll
Gestaltung: OWL Digital
Mehr zur Serie “OWL-Crime” findet ihr auf unserer Themenseite.
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Insgesamt haben die Täter auf die drei Opfer dreizehnmal geschossen. Aikov wurde mit einem Lungsschuss und einem Schuss in den Hinterkopf getötet. Annette S war einundzwanzig und sie haben die Täter viermal geschossen. Annette soll die beiden angefleht haben, sie am Leben zu lassen. Aber Michael M. hat auch sie erschossen.
Der Volker, also der Mitarbeiter von Aikov, wurde mit einem Kopfschuss aus seiner siebenfünfsechziger Walter erschossen. Offenbar hatte er die Einbräche erkannte, musste deswegen sterben. Ostwestfälle, der True Crime Podcast der neuen Westfälischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern und mit den Berichterstatterinnen und Berichterstattern der NW.
Spannend, nah und made in OWL. Der allseits bekannte Disco-König Hans-Günter Eikow feiert ausgelassen mit seiner Freundin und einem Mitarbeiter auf Samenreiterhof in Enger-Oldinghausen. Was die drei nicht bemerken, zwei Männer verschaffen sich Zugang zu dem Haus. Am Ende des Abends sind drei Menschen tot und es beginnt eine Flucht, die über die Grenzen von Deutschland hinausgeht.
Dieser Dreifachmord aus dem Jahr n.a. ist diesmal Thema bei den Ostwestfällen. Mein Name ist Birgit Gottwald. Mit mir im Studio ist der ehemalige MW-Redakteur Frank-Michel Kiel-Steinkamp. Hallo, Frank-Michel. Hallo, Birgit. Weißt du eigentlich noch, wie du ... Persönlich damals von diesem Fall erfahren hast.
Kannst du dich dann noch daran erinnern? Schon ein bisschen eher. Ja, ich war ja damals freier Mitarbeiter in der Redaktion Enger. Ich war Student eigentlich. Hab mir mit Fotos und so kleinen Texten Geld dazu verdient. Und ja, ich wurde dann losgeschickt aus Enger an den Tatort. Enger ist eine, na ja, sage ich mal, übersichtliche Kleinstadt Oldinghausen mit dem Tatort.
Ja, liegt schon so auf halbem Wege nach Bielefeld. Und ja, als ich da ankam, sah man schon, die Polizei war unterwegs. Die uniformierte Polizei suchte nach Spuren. Auf den Hof kam man selber nicht. Der war abgesperrt, aber mit dem langen Teleobjektiv konnte man als Reporter, sag ich mal, die weiß uniformierten Spurensicherungsleute beobachten, fotografieren.
und Naja, da standen Fotografenreporter wie ich. Ich meine mich erinnern zu können, so zwei, drei Fernsehteams liefene auch um und war richtig was los. Kannst du uns mal erzählen, was an diesem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem.
Kannst du uns mal erzählen, was an diesem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem, dem.
normaler Sonntag im August, also der Sommer. Ich kann mich noch erinnern, an dem Mittwoch, wo ich dann da fotografiert habe, war das Wetter schön. Oldinghausen ist in meinem landwirtschaftlich geprägte Ortsteil von Enger. Und abends saß der frühere Bielefeller Kneipenkönig Hans Günther Eikow mit seiner einzwanzigjährigen Freundin Annette S. und seiner Mitarbeiter Volker V. und einem Bekannten im Wohnzimmer zusammen.
Ach, das waren vier Leute. Das waren ursprünglich vier Leute. Und das war wohl der Vorabend zu Volker V. Geburtstag. Und es soll eine laut und lebhafte Stimmung gewesen sein, bis der Bekannte von Volker am Ende den Hof verließ. Ja, und ein maskierter Mann, den nennen wir jetzt Michael M., war unbemerkt ins Haus eingedrungen, als sich die drei gerade auf dem Weg ins Bett machten.
Volker V. sollte in einem Gästezimmer übernachten. Also, ich hatte ja vorhin schon gesagt, es waren zwei Männer, die sich da unbemerkt in dieses Haus geschlichen haben. Und einer dieser Täter ist dieser Michael M. und der hat den Tathergang im Nachhinein ziemlich genau beschrieben. Also, dieser Michael M. betrat das Haus dann offenbar gegen... ...dreiundzwanzigunddreißig, also kurz vor Mitternacht, durch eine geöffnete Glastür.
Als er hörte, wie Eikow zu seinem Mitarbeiter Volker V sagte, dass ihn jetzt ins Bett gehen würden, versteckte er sich in einer Türenische, also im Haus. Und dann Volker V holte sich sein Bettzeug und verschloss dann diese Glastür, durch die Michael M. gekommen war. Den Schlüssel ließ er offenbar stecken.
Und als das Licht im Wohnzimmer ausgeschaltet war, wartete Michael M. noch einige Minuten ab und hat dann seinem Komplizen die Tür geöffnet. Diese beiden Einbrecher stellten sich mit gezogener Waffe vor die Tür des Gästezimmers und vor Eikhoffs Schlafzimmertür. Als Eikhoff zu seinem Kumpel Volker V und Mitternacht trief Happy Birthday und eine gute Nacht, nahmen die beiden Einbrecher das als ihren Startschuss.
Weil Eikhoffs Tür aber verschlossen war, stürmte auch Michael M. zuerst in das Zimmer von Volker V. Das ist sein Kumpaar, Wolfgang J bedrohte dann den Volker V schon mit seiner Waffe. Und wie ging es dann weiter? Ja, Eikof war auf das Geschehen vor seiner Tür aufmerksam geworden und er fragte wohl durch die geschlossene Tür, ob nebenan alles in Ordnung wäre.
Dann rief dann aber Volker V ist sein Überfall. So und dann hat der Michael M gegen diese Verbindungstür getreten, offenbar ist die auch aufgegangen dabei und Eikof hat mit einer Schreckschusspistole geschossen. Was anderes hatte er offenbar nicht. Naja, hat man ja auch noch mal. Nee, nee. So, und darauf drückte Michael M. mit seiner Sechs-Fünf-Dreißiger Röhm fünfmal ab.
Also ich habe jetzt diese Waffe nicht vor Augen, aber ich glaube, das ist schon ein ganz ordentliches Kaliber. Fünfmal? So ist das. Und dann aber soll er Eikopf noch mit einem tödlichen Schuss getroffen haben. Also richtig gezielt, hat er ihn umgebracht. Also so eine Art. Fangschuss, könnte man sagen.
Ich hätte das Wort jetzt nicht gebraucht, aber damals in der Berichterstattung wurde das so genannt. Und auch die beiden anderen, also an der TS und Volker V, werden auch erschossen. Die werden auch erschossen. Sag mal, die Tat wird ja nicht gleich entdeckt. Lagt das vielleicht daran, dass dieser Reiterhof etwas einsam lag?
Kannst du das noch mal ein bisschen beschreiben? Also er lag nicht richtig einsam, also dass jetzt rundherum überhaupt keine anderen gehöft gewesen wäre. Das war schon so ein kleiner Drubbel von Höfen, aber tatsächlich, wenn da was in so einem Bauernhof passiert ist, wenn da jetzt keiner zufällig vorbeikommt, sieht man das von außen natürlich nicht.
Wann und von wem werden die Leichen dann entdeckt und wie sah der dann der Tatort aus? Das muss ja ein Blubart gewesen sein. So ist das. Also erst abends darauf, also montagabend, hat die Polizei die drei Leichen gefunden. Ich weiß aber nicht, wie sie drauf gekommen sind, da zu suchen. Die Tür vom Hauptgebäude des Seiterhos war nur angelehnt gewesen.
Und das geschehen gleich an der Hinrichtung, hieß es damals in der Neuen Westfälischen. Und die Beamten fanden Eikow in seinem Schlafzimmer im Hauptgebäude des Fachwerkhofes. Und sein Körper soll verdreht gewesen sein und dem im Spiel immer noch das Radium hintergrund. Hinterm Bett lag die Leiche von der Nette S auf dem Boden.
Auch der unbekannte Volker V lag tot im Bett des Gästezimmers und die drei Opfer lagen in ihrem eigenen Blut. Alle Zimmer waren durch Wüld. Im Büro finden wir den geöffneten Tresor von Eikow. Lass uns jetzt kurz über diesen Disco-König Eikoff sprechen. Der war ja berühmt berüchtigt, könnte man sagen.
Was kannst du uns über ihn erzählen? Was war das für ein Mensch? Ich weiß das selbst auch nur aus den Neuen Westfälischen, was damals die Bielefeller-Kollegen der Neuen Westfälischen geschrieben haben. Die haben natürlich ausführlich berichtet, weil das war schon... Sag ich mal, ein Knaller in Bielefeld.
In enger Kante, man ihn ja möglicherweise kaum, aber in Bielefeld war er natürlich total bekannt. Also in der Bielefelderszene wurde ans Goethe Eichhoff auch Büben genannt, woher auch immer das kommt, ob das was mit Junge und Bube zu tun hat oder so. Er war der Sohn eines Kleiderfabrikanten und hat wohl ein ansehnliches Vermögen, mit dem er also in die Kneipenszene investieren konnte und wollte.
In Bielefeld hat da viele Clubs und Bars eröffnet und betrieben. In den siebzehren Jahren sagte man, beherrscht er sozusagen die Bielefeld. In der Nachtzehne baute sich ein kleines Imperium auf. Also die Eckkneipe reichte ihm nicht. Es sollte schon ein bisschen mehr sein. Das sollte schon ein bisschen mehr sein.
Und offenbar hat viele Menschen, der als klein und eitel beschriebene Mann arrogant und abgehoben gewirkt. Naja und er galt als liebhaberschöner frauen exklusiver sportwagen und edler pferde. also er hat auch gewusst wie er sein geld was er da eingenommen hat ausgeben kann und er hatte ja diesen reitachhof dann auch.
also das war ja schon auch repräsentativ kann man sagen. also irgendwann blieben aber dann in seinen einrichtungen die gäste aus und das finanzamt kam ihm wohl irgendwie auf die spur und er hat jedenfalls kräftig ärger bekommen. am ende musste sich Also das war dann schon zwei Jahre vor diesem Mord von seinen Läden trennen und es kam sogar zum Konkurs.
Es hieß damals, er soll einen Comeback geplant haben, dazu ist es aber nie gekommen. Also seine Ära war Anfang der neunzehntachtiger Jahre im Grunde genommen schon vorbei. Eikow blieb aber der Disco-König. Das war ja so ein stehender Begriff. Und man muss auch sagen, der hat die Diskusszene nach OWL gebracht.
Das kann man auch so sagen. Der war aber nicht unumstritten. Also zum Beispiel wurde viel über seine Einlasspolitik diskutiert. So ist das. Also in seinen zahlreichen Clubs und Bars wurden Gäste auch gern mal abgewiesen, wenn sie nicht den Kleidungsvorstellungen des Unternehmers entsprachen. Das war mir selbst Jahre zuvor als junger Mann mit langen Haaren und dem damals angesachten Bundeswehrpark.
auch so gegangen. Also klar, ob das jetzt nicht behaupten, dass ich schick ausgesehen habe. Aber es war total in. Es war wohl in. Ich bin auch damals ganz selten überhaupt nach Bielefeld gekommen. Wir hatten ja ein Enger, unsere eigene Einrichtung, Forum Enger mit allem, was man brauchte an den Sturm.
Und naja, aber irgendwann hat es einen doch mal nach Bielefeld gezogen. Also ich hatte da versucht ins Gesellschaftshaus am Bielefeller Klosterplatz reinzukommen. Aber vergebens. Vergebens. Okay. Gut. Kommen wir wieder auf die Tat. Also es hieß auch, wegen ihrer Hautfarbe sollen Gäste auch abgewiesen worden sein.
Diese Umstrittenheit, das Praxis war auch in unserer lokalen Berichterstattung ein Dauerthema. Und es gab auch Gerichtsverfahren dazu. Wenn Leute sich z.B. in der Presse darüber beschwert hatten und dann ging er gegen die offenbar vor, aber ervorglos. Ach guck. Also er war wohl auch ein Streithansel.
Ja, ok. Kommen wir wieder auf die Tat von dem fünfundzwanzigsten August, Ninzehundzwanzig achtzig zu sprechen. Michael M. und sein Komplize Wolfgang Jörg steigen also in das Haus ein. Was hoffen die denn dazu finden? Also offenbar hatten sie bereits einige Monate vor, bei einem Einbruch in genau dieses Haus von Eikow, dreißig tausend D-Mark erbreutet.
Das war eine Menge Geld damals. Ja, sie hatten den Tipp wohl irgendwie aus der Szene bekommen, so hieß es damals. Eikow hatte ja viele Bekanntschaften und offenbar gab es da einen Tipp von jemandem, der mit Eikow aneinander geraten war. Vielleicht Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, man weiß es nicht. Ja, und Nun vermuteten die beiden Täter, Fünfzigtausend D-Mark in Eikostresort.
Tatsächlich waren es aber nur Fünftausend D-Mark. Ich weiß nicht, was man damals für Fünftausend D-Mark kaufen könnte. Also ich meine einige Jahre zuvor, also so zehn Jahre zuvor, als ich mein erstes Auto kriegte, da kostete so ein Opel Cadet Zehntausend D-Mark. Also nun mal so eine Größenordnung. So, und die beiden Klangkriminellen, die sie schon waren, wollten jetzt wohl ein großes Ding drehen.
Und, na ja, damals hieß es in der Zeitung, sie träumen von einem anderen Lebensstil und Anerkennung. Und haben dann für fünftausend Euro drei Menschen umgebracht. Marc. Ja, fünftausend. Marc. Ja, ja. Ach, Gott, ja, ja. Haben Sie an die Wärmungsreformen? Zwei tausend? Ja. Oder? Zwei tausend Eins? Kanalen.
Weiß ich nicht. Sag mal, wie oft und wer hat geschossen? Also insgesamt haben die Täter auf die drei Opfer dreizehnmal geschossen. Also der zweiundvierzig Jahre alte Eikopf wurde mit einem Lungsschuss und einem Schuss in den Hinterkopf getötet. Und Annette S war ein zwanzig, stammte aus der Nachtbarschaft.
Und sie haben die Täter viermal geschossen auf den achtenszwanzigjährigen Volkervv zweimal. Und die hatten keine Chance? Die hatten überhaupt keine Chance. Ich meine, wenn ich mir das heute vor Augen führe, Ich war ja sogar deutlich älter schon als Annette S. mit ihren einundzwanzig und fühlte mich selbst noch irgendwie so ein junger Spund.
Die Täter waren ja auch junger als ich sogar und irgendwie so abgebrüht. Also die Annette S. hat beiden Tättern den Trissurschlüssel und einen Autoschlüssel gegeben, als sie dann bedroht wurde. Das muss einem Mercedes gewesen sein, der vor der Tür stand. Annette soll die beiden angefleht haben, sie am Leben zu lassen.
Aber Michael M. hat auch sie erschossen. Also skrupellos, ne? Also der Volker, also der Mitarbeiter von Eikoff, wurde von Wolfgang, von dem Täter Wolfgang J. mit einem Kopfschuss, also einer siebenfünfsechziger Walter erschossen. Offenbar hatte er die Einbrecher erkannte, musste deswegen sterben. Also ganz unbekannt waren die Täter offenbar... Den Opfern nicht.
Ja, und dann beginnt die Jagd auf die Täter und die Polizei hat auch schon eine Ahnung, wer die sein können. Ja. Also kurz nach der Tat gelangen Michael M. und Wolfgang J. ins Visier der dreißigköpfigen Mordkommission. Ich weiß jetzt nicht, ob das üblich war, dreißigköpfig, aber das ist schon viel, würde ich mal sagen.
Weil es hat ja auch extremes Aufsehen erregt, diese Zahl. Die wollten natürlich schnell Ergebnisse erzielen. Schon im Mai hatte Eikow die beiden Verdächtigen beschuldigt, ins Haus eingebrochen und ihm bestohnt zu haben. Also er wusste eigentlich, was los ist. Deswegen waren das vielleicht auch Albern, die sind ja mit der Maske eingedrungen.
Aber ich sage mal, wenn ich jemanden kenne, erkenne ich ihn auch mit Maske im Normalfall. Und die wurden seit Monaten per Haftgefähl gesucht aufgrund der Anzeige von Eikow. Aber erst nach dem Dreifachmord wurde nach den beiden auch ernsthaft gefahndet. Die Täter sind jetzt auf der Flucht, aber die Polizei hat eine heiße Spur und die führt nach Bochum.
Warum Bochum? Also zwei Tage nach der Tat stürmen die Einsatzkräfte eine Wohnung im Bochum, in der Wolfgang J. zuletzt gewohnt haben soll. Ach so. Und in dieser Wohnung fanden die Ermittler Videoaufzeichnungen mit Fernsehnachrichten von dem Dreifachmord. Also die hatten dann wohl im Fernsehen verfolgt, was sie da selbst angerichtet haben und wie die Polizei reagiert.
So. In dieser Wohnung in Bochum wurden fünfzehn Projektile in den Wänden und in der Decke der Wohnung gefunden. Die beiden Tatverdächtigen hatten Tage vor der Tat ihre schallgedämpften Pistolen getestet. Also damit ist doch eigentlich klar, dass sie die Waffen auch benutzen wollten, wenn sie die erst mal testen.
Das sehe ich so. Also sie mussten ja auch, denke ich mal, damit rechnen, dass sie erkannt werden. Und wie du schon sagst, ist der eine, der hatte ja offensichtlich einen der Täter erkannt und wurde da auch vielen sofort erschossen. Ja. Also die beiden Täter hatten wohl früh in ihrem Leben den Eindruck bekommen, als würde alles sich gegen sie stellen.
Spätestens seit der Pubertät waren die beiden Kriminell geworden. Also bis dahin, was man so klein Kriminell nennt. Was auch immer das heißen soll. Ich meine, wenn man einbricht, naja. Kleine Kriminalität ist ein weiterer Begriff. Also ihr Leben war geprägt von schwierigen Familienverhältnissen, Aufenthalt im Heim, Schulversagen, Gelegenheitsjobs und schließlich hineinrutschen in die berufsmäßige Kriminalität.
Die Motive der beiden zu schießen war wohl nicht nur materieller Art, dass sie mit ihrem Geld entkommen wollten, sie hatten auch dem Willen keine Zeugen zu hinterlassen, hieß es damals. Also der Dreifachmord war mit eingeplant, ganz klar. Also, kann man jetzt spekulieren, ne? Du hast gesagt, dass einer der Täter in Bochum gewohnt hat.
Wie sind die dann überhaupt auf Hans Günther Eichhoff als Opfer gekommen? Also, der war ja sehr bekannt hier in der Region als Discord-König. Und offensichtlich kamen die ja auch hierher. So ist das. Die Personenbeschreibung waren, wie ich es jetzt mal vor, Wolfgang J., vor dem Jahr, geboren in Detmold.
Einzachzig groß, schlank, kurze dunkle Haare und blau-graue Augen. Der Linkarm war voll tätowiert, unter anderem mit einem Totenkopf. Also das Tätowieren war ja damals noch nicht so üblich wie heute. War eher verpüllend. Ja, genau. Michael M. war es dreinzwanzig Jahre, geboren in Lemko. Einsfünf-siebzig groß, schlank, blondes, strenniges, hauen, blaue Augen.
Zuletzt mit Schneuzer. Also was ich schließlich überfühlte, war aber nicht die Fahnung selbst, sondern ihre eigene Dummheit. Michael M. hatte sich an die spanische Costa Brava abgesetzt. Von dort nämlich rief er eine Freundin in Deutschland an, die aber abgehört wurde. Michael M.s Standort konnte dadurch genau bestimmt werden.
Und am vierten September um ein Uhr nachts wurde er schließlich in einem Badeort bei Barcelona festgenommen. Eine Woche später konnte auch der Wolfgang J. gefasst werden. Er war noch immer mit seinem gesuchten Roten Golf GTI unterwegs. Und das war im Grunde auch eine aufregende Kiste. Ein deutschen Begleiter, den er kurz zuvor kennengelernt hatte, erzählt er ihm Wagen von den Morden und prallte sogar damit.
So blöd muss es mal sein. Das war auch dem Beifahrer dann auch zu viel. Er hat es aber immer hier offenbar geglaubt und dann kam es zu einem Handgemenge. Und zu einem Unfall auf der Autobahn in Frankreich so nördlich von Lyon. So, und während jetzt Wolfgang J. am Unfall dort fest saß, konnte der Begleiter entkommen und die Polizei informieren.
Und die hat den Lippern dann festgenommen. Also schön blöd, muss man sagen. Also, das kann man sich kaum vorstellen. Ja, man kann jetzt sagen, junge Leute liegen. Ja. Junge Leute, die leider nicht mehr zumördern werden. Die beiden Täter sitzen jetzt also in Untersuchungshaft. Sind sie geständig? Also Wolfgang J. schob die ganze Schuld seinem Komplizen zu.
Der Michael M. zeigte sich dagegen Wert der Vernehmung geständig. Und außerdem Manuel Rundstaune erschrieb der Neuen Westfälischen einen detaillierten Brief mit dem gesamten Tathergang. Der war sechs Seiten lang. Was geht in so einem Hirn vor? Ich weiß es nicht. Der Brief jedenfalls wurde in Absprache mit der Staatsanwaltschaft von dem Zweihnzwanzigsten bis Achtundzwanzigend Februar, sechsundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund
wie das an diesem Tatabend oder in der Nacht war. So sehe ich das, ne? Ich habe den Brief aber selbst nie gelesen, insofern. Lass uns nochmal kurz über den Prozess sprechen, der gut zwei Jahre nach diesem brutalen dreifach Mord stattfindet. Was kannst du uns über dich erzählen? Also, der Richter in dem Fall war ein Walfried Wojwode.
Und das Gericht bezeichnete die Tat als außerordentlich brutal und verwerflich. Ja, muss man ja auch wohl sagen. Während des Prozesses hatte Wolfgang J. darauf plädiert, dass er keine Schüsse abgegeben hatte und dass es einzig Michael M. gewesen sei, der die drei ermordet habe. Der Berichter hat das als gänzlich unglaubwürdig bezeichnet.
Es wurden ja auch mutmaßlich Patronen aus zwei Waffen gefunden. Insofern war das ja auch sehr unwahrscheinlich, was der eine gesagt hatte. Die beiden angeklagten Michael M. und Wolfgang J. wurden im Juni, sieben, achtzig wegen Mordes in drei Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. So, normalerweise enden hier die Ostwestfälle, aber nicht in diesem Fall.
Frank-Michel, die Geschichte geht weiter. Leider genauso spektakulär wie der Dreifachmord. Wie geht es weiter mit Michael M.? Michael M. begeht nur zur Zwei-Ninzig in der Justiz-Zugsanstalt Werl, eine weitere brutale Tat. Mit einem anderen Insassen nimmt er sechs Menschen als Geisel. Dieser andere Insass ist also nicht sein früherer Kumpel.
Es sind drei Arzthelferinnen und drei Vollzugsbeamte getroffen. Der Vorwand aus der Zelle auf die Krankenstation zu kommen, waren Zahnschmerzen. Also, diese beiden Gefängnisinsassen waren also bewaffnet mit einem angespitzten Schraubenzieher und einer Pistolenattrappe aus Gibson Broteig. Wie man sowas im Knast hier stellen kann, weiß ich nicht, aber ist gelungen offenbar.
Die Geiselnlamme dauerte berichtensfolge ganze dreizehn Stunden lang. Viertel vor zehn morgens bis elf Uhr am späten Abend. Eine Arztelferin und einen Vollzugsbeamten übergossen die beiden Geiseln immer mit Wundbenzin. Als das SEK einschreitet zu Michael M. die beiden Geiseln an. Sie erlitten schwerste Verbrennung, aber überlegten einen Vorfall.
M. bekam erneut lebenslänglich. Also ich finde das sehr schockierend. Also dieser Michael M. Dieser Dreifachmord war ja schon skrupellos, brutal, empathilos. Aber jetzt auch noch mal diese Tat, finde ich ein bisschen gruselig. Ja, und es geht ja noch weiter. Er sorgt auch weiterhin für Schlagzeilen. Nach sechsunddreißig Jahren hinter Gittern ist er wieder in den Nachrichten.
Worum geht es diesmal? Also Michael M. ist inzwischen neunfünfzig Jahre alt und reicht am achten März zwei tausendzwanzig ein Antrag zum assistierten Suizid ein. Er wollte, was man so landläufig sagt, Selbstmord verüben und dafür entsprechende Tabletten bekommen. Er hatte einen Monat vorher im Fernsehen eine Meldung zum Beschluss des Karlsruher Landgerichts zur Legalisierung der geschäftsmäßigen Sterbehilfe gesehen und dadurch bekam er die Idee.
Er hat also die Erlaubnis beantragt, auf eigene Kosten Medikamente für Suizid zu besorgen. Er hatte vorher schon mehrere Anträge gestellt und mehrfach die JVA-Geldern verklagt. und sein Grund, perspektivloser Haft ohne Chancen rauszukommen und dadurch bedingt ein unerträgliches Leiden. Er hatte schon Suizidversuche hinter sich, davon zeugen, so hieß es damals, Narben von Fliesenscherben am Handgelenk.
Na ja, wie ernst er das gemeint hat mit diesem Selbstmord weiß man natürlich nicht, aber sowas kann ja auch tatsächlich schief gehen. So, es gab zwei Humerstreiks und seine Forderung Suizid ohne Leid. Geht das überhaupt? Also ist das überhaupt möglich in einer JVA? Also offenbar gibt es keine klaren Regelungen für Suizidhilfe in der JVA, auch jetzt noch nicht.
Das Thema wird aber wohl im Bundestag noch mal angegangen. Und wie hat die JVA auf dieses Ansinnen reagiert? Also der Gefängnisleitung war schnell klar, dass sie dieser Forderung nicht nachkommen will. Darauf hat Michael M. Beschwerde beim Landgericht Kleve eingereicht. Also das Gefängnis hat sich damals auf die Gesundheitsfürsorge für die Gefangenen berufen.
Das Landgericht Kleve gab der Forderung des Gefangenen nicht statt. Niemand ist offenbar zur Suizidbeihilfe verpflichtet, auch keine Gefängnismitarbeiter. Die Gefängnisleitung glaubte offenbar ohnehin nur, dass M sie provozieren wollte und dass er für Aussehen sorgen wollte. Das Aufsehen ist ihm ja auch gelungen.
Also kurz nach diesem Antrag bei Gericht kommt M aufgrund einer diagnostizierten akuten Suizidgefahr in eine Zelle, in der alle fünfzehn Minuten durch den Guckschlitz kontrolliert wird. Daraufhin verklagt er ihm die Gefängnisleitung und bekommt Recht und erhält sogar Schmerzensgeld in unbekannter Höhe.
Also dieses ständig überwachen musste er sich auch mal nicht gefallen, also trotz Suizid-Gefahr. Das war, ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... Und ersetzt aber seine Bemühungen zu einem begleiteten Suizid vor Gericht fort. Auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich mit der Thematik.
Es ist aber nichts Neues zum Antrag des begleiteten Suizids bekannt. Laut der Staatsanwaltschaft Bielefeld sitzt Michael M. noch immer in Haft im geschlossenen Vollzug. Und er hat zweimal lebenslänglich bekommen. Einmal für diesen Dreifachmord und dann für diese Geiselnahme. Das heißt, er bleibt auch erst mal länger noch im Vollzug?
Das entzieht sich meiner Kenntnis aktuell. Der Bielefeller Disco-König Hans-Günte Eikhoff, seine Freundin und ein bekannter Werden bei einem Raubdwerfer brutal ermordet. Die beiden Täter können zunächst entkommen, werden dann allerdings im Ausland geschnappt und im Bielefeld voll Gericht gestellt. Michael M. und Wolfgang Jörg bekommen lebenslänglich.
Doch damit nicht genug. Bei einer Geiselnahme im Gefängnis übergießt Michael M. zwei Geiseln mit Benzin und Zynizie an. Beide erleiden schwerste Verletzungen über Leben aber. Auch dafür bekommt Michael M. lebenslänglich. Um dreißig Jahre in Haft stellt er dann den Antrag auf begleiteten Suizid. Eine endgültige Entscheidung darüber steht noch aus.
Und das war es für heute mit dem True Crime Podcast der neuen bestellischen Redaktion. Hatter Dana Johannes Stoll und im Studio zu Gast war der ehemalige NW-Redakteur Frank Michael Kiel Steinkamp. Vielen Dank. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region auch jederzeit auf nw.de und in der nw-plus-app in der Serie Oval Crime.
Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast und natürlich über Wünsche, welche Ostwestfälle wir demnächst für euch besprechen sollen. Schreibt uns eine E-Mail an podcasts.nw.de. Mein Name ist Begit Gottwald, bis bald.