OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen
Tanz in den Mai auf Paderborner Partymeile endet tödlich
Donnerstag, 20. November 2025 · 33 min
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Shownotes
In der Nacht auf den 1. Mai 2024 ist viel los an der Paderborner Marienstraße. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen drei Männern – wenige Tage später ist einer von ihnen tot.
In der Nacht auf den 1. Mai 2024 feiert Lukas L. (30, alle Namen geändert) gemeinsam mit seinen Freunden in der Nähe der Paderborner Diskothek “Container”. Er gerät an der Marienstraße in eine Auseinandersetzung mit Amir B. (18) und Omar E. (17). Wenige Tage später stirbt der 30-Jährige an den Folgen einer Hirnblutung.
Aufgepasst! Im Dezember ist der Podcast “OstwestFälle” live auf der Bühne. Zwei spannende Fälle aus OWL werden am 9. und 16. Dezember im Spiegelzelt in Bielefeld Thema sein. Jetzt Tickets sichern unter nw.de/events.
Ostwestfälle S4 | E16 Tanz in den Mai auf Paderborner Partymeile endet tödlich
Gast: Birger Berbüsse
Redaktion: Dana Johanna Stoll
Gestaltung: OWL Digital
Mehr zur Serie “OWL-Crime” findet ihr auf unserer Themenseite.
Habt ihr Anregungen oder Kritik? Schreibt uns gerne unter podcast@nw.de
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An dem Tatort, da war dann ein Bild von ihm, dann ein paar Kerzen, ein paar Blumen. Wir haben das auch auf Fotos dokumentiert. Das fing vieles dann klein an. Ich glaube, am nächsten Tag, als der Kollege dann wieder hingegangen ist, um noch ein neues Foto zu machen, da war das so ein richtiges... Blumen und Kerzen mehr, also richtiger Altar, Erinnerungsschreien.
Und das ist auch sehr lange dort geblieben. Da sind wirklich immer wieder Menschen gekommen und hat das dann auch gesehen, ich war auch vor Ort, die da einfach auch mal stehen geblieben sind und innegehalten haben. Das hat die Stadt wirklich so unmittelbar in den nächsten Tagen, aber auch darüber hinaus dann sehr beschäftigt.
Ostwestfälle. der True Crime Podcast der Neuen Westfälischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern und mit den Berichterstatterinnen und Berichterstattern der NW. Spannend, nah und made in OWL. Lukas L. hat eine Gehaltserhöhung bekommen und das will er in der Nacht zum ersten Mai mit Freunden feiern.
Doch der ausgelassene Abend endet in einer gewaltsamen Auseinandersetzung, die Lukas nicht überlebt. Was ist in dieser Nacht in der Marienstraße in Paderborn passiert? Was hat dieser Tod in der Stadt ausgelöst und warum haben gerade die Zeugen der Tat, die Ermittlungen und den Prozess zu erschwert? Um diese Fragen geht es heute unter anderem bei den Ostwestfällen.
Mein Name ist Birgit Gottfalsch und zu Gast ist der Kollege Birga Berbisser. Hallo Birga. Hallo. Birga, wo und wann genau hat sich diese tödliche Auseinandersetzung zugetragen? Das war ja die Nacht zum ersten Mai, im Jahr zwanzig. Kannst du die Situation mal beschreiben? Weil das war ja erst mal ein ganz lustiger Abend.
Das war erst ein ganz lustiger Abend, genau. Es ist im Prinzip, man kann das so sagen, die Feiermeile hier in Paderborn oder eine der Feiermeilen. Da war also in der Nacht auf den ersten Mai logischerweise viel los. Und wie man das so gehört hat, ansonsten wohl auch ganz gute Stimmung, großes Menschenaufkommen.
Und dann hat sich so gegen null Uhr fünfzig dann leider diese Tragödie zugetragen. Kannst du dir ein bisschen beschreiben, was da passiert ist? Ja, das war am Anfang auch noch ein bisschen unklar. Der ganz genaue Ablauf hat sich tatsächlich dann wirklich erst in der späteren Gerichtsverhandlung heraus kristallisiert, was da war.
Das muss also, wie gesagt, so gegen zero fünfzig ist es dann zu einer Auseinandersetzung gekommen zwischen mehreren Männern. Das spätere Opfer Lukas L. hat einen achtzehnjährigen, einen jungen Mann. angesprochen, der aber offenbar keine Lust auf dieses Gespräch hatte, sich abwandte. Lukas L. hat offenbar ihn dann festgehalten, wollte dieses Gespräch.
Daraufhin hat sich der andere umgedreht, ihm drei Faustschläge ins Gesicht verpasst. Dann kam noch ein zweiter junger Mann hinzu. Mit einem, es wurde später als Sprungtritt oder, ja, Kung-Fu-Tritt beschrieben, hat damit dann quasi Lukas L. dann niedergestreckt. Und der ging zu Boden und ist dann leider wenige Tage später im Krankenhaus auch verstorben.
Hat Lukas sich gewährt? Offenbar nicht. Nein, das muss sehr schnell gegangen sein und war dann auch sehr schnell wieder vorbei. Es war eher so ein ganz nichtiger Grund. Scheinbar ja. Offenbar auch. ein bisschen willkürlich hat sich dann eine Situation sehr plötzlich sehr hoch geschaukelt und ist dann traurigerweise so eskaliert.
War ein Alkohol-Drogen im Spiel, weißt du das? Ja. Das kann man im Nachhinein sagen. Also, das Opfer Lukas L. war wohl erheblich alkoholisiert. Und man hat dann später in der Obduktion auch noch einen sogenannten Drogencocktail in seinem Blut feststellen können. Bei den Tatverdächtigen lässt sich das nicht mehr sagen.
Die sind ja auch erst mehrere Tage später verhaftet worden. Da liess ich das jetzt so nicht mehr nachweisen. Lukas hat ... Faustschläge abbekommen. Ist er daran gestorben oder ist er mit dem Kopf dann auf den Asphalt gefallen? Es gab tatsächlich in diesem Fall, da werden wir nachher vermutlich auch noch mal hier drauf kommen, ganz unterschiedliche Darstellungen.
Es hieß am Anfang von Zeugen und auch von der Polizei, die Schläge gegen den Kopf. Er habe auch, als er am Boden gelegen hat, noch Tritte an den Kopf bekommen. Es war auch die Rede davon. Darüber haben wir auch berichtet, weil das auch in den ersten Polizeimeldungen so war. dass er mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen worden sei, sodass wirklich anzunehmen war oder zunächst auch berichtet wurde.
Er ist eben an den Kopfverletzungen gestorben, die in dieser Prügelei zugefügt worden sind. Das war nicht so, wie sich dann später vor Gericht durch die Obduktion, durch die Rechtsmediziner herausgestellt hat. Kommen wir gleich noch mal drauf zu sprechen, auf das Gutachten. Lass uns aber jetzt erst noch mal auf den Abend eingehen, an denen es diese Auseinandersetzung gegeben hat.
Also Lukas geht zu Boden, bleibt liegen. Das müssen ja so einige Leute mitbekommen haben. Das Ganze hat sich ja in der Nähe eines Clubs abgespielt. Genau, das ist der Container, so heißt er. Da war entsprechend zu dieser Uhrzeit und vor einem Feiertag dann wirklich sehr viel los. Viele Leute, die eben auch draußen waren und das auch gesehen haben.
Deswegen gab es nachher auch ... viele Zeugenaussagen. Das Geschehen muss tatsächlich sehr schnell gegangen sein. Also wirklich die Schläge der Tritt. Und dann sind die beiden Tatverdächtigen dann auch schon weg gewesen. Lukas L. lag am Boden. Und dem Opfer sind dann auch gleich Menschen zur Hilfe geeilt.
Darunter auch Mitglieder des Sicherheitsdienstes dieser Diskothek, die sich dann um den Verletzten geklümert haben, bis die Rettungskräfte verort waren. Gibt es Videoaufnahmen von der Auseinandersetzung? Weil Klubs sind ja meistens Videoüberwacht. Es gibt tatsächlich eine Videoaufnahme, die hat nachher auch eine sehr wichtige Rolle gespielt von einem benachbarten Barbershop, die das ganze Geschehen eingefangen hat und dann auch wirklich Klarheit bringen konnte, was genau sich da zugetragen hat, weil es ja wie gesagt auch einige widersprüchliche beziehungsweise falsche Zeugenaussagen dann nachher gegeben hat.
Kannst du mir noch mal ein bisschen mehr diese Marinstrasse im Paderborn beschreiben? Ich kenne mich da nicht so gut aus. Du sagst, es ist so eine kleine Partymeile. Ist eine kleine Partymeile, da sind kioske Diskotheken. Ist allerdings auch eine Unterführung, also ein Dachvorsprung. Gibt es halt auch tatsächlich ein paar dunkle oder schummerige Ecken.
Ist nicht alles dann ganz so gut einsehbar. Genau. Wenn du sagst, nicht gut einsehbar, schimmrige Ecken, ist da auch ein Drogen-Hotspot vielleicht. Das hört sich so ein bisschen danach an. Ja, also Drogen, also was spielt da natürlich auch eine Rolle, ja. Und gibt's da öfter auch Prügelein? In der Tat gibt es da leider immer wieder körperliche Auseinandersetzungen.
Natürlich vor allem dann rund um Feiertage oder an den Wochenenden, wenn da wirklich großer Betrieb herrscht. Kann man so sagen, das war auch vorher bekannt und da ist jetzt aber dann durch diesen Todesfall noch mal ein besonderer Fokus dann draufgekommen auf die Situation in der Marienstraße. Kommen wir jetzt auf die Reaktion, auf diese tödliche Auseinandersetzung zu sprechen.
Da werden ja schnell Rufe nach mehr Polizei, laut, gerade in so Problembereichen. Hat sie da noch etwas mehr zu erzählen? Ja, das hat es hier natürlich auch gegeben. Und zwar sehr schnell, also spätestens nachdem dann klar war, dass der junge Mann gestorben ist, ist hier in Paderborn eine regelrechte Sicherheitsdebatte dann entstanden.
Die größte Partei hier im Rat, die CDU, hat sich da gemeldet, aber natürlich auch die anderen Parteien, der Bürgermeister selber, hat sich später eingeschaltet. Auch von den Einzelhändlern aus der Innenstadt gab es dann dazu Reaktionen, die haben sich dann alle gemeldet, natürlich mehr Sicherheit gefordert.
Und ja, logischerweise aus der Bevölkerung selber heraus, weil man da schon merkte, das hat jetzt wirklich einen ganz besonderen Nerv getroffen und ja eben auch viele Menschen berührt. Und gab es denn da jetzt auch Konsequenzen? Wie war das denn vorher? Gab es vorher denn eine gewisse Polizeipräsenz in dem Viertel?
Im üblichen Rahmen gab es da dann auch die Polizeikontrollen oder auch das Ordnungsamt, das da hergegangen ist und nach dem Rechten im Prinzip geschaut hat, natürlich nicht permanent. Relativ schnell nach diesem Todesfall und als die Diskussion so hoch ging, ist das dann aber wirklich dann erst mal auf lange Sicht dann verschärft worden.
Da hat sich dann also auch Der Landrat Christoph Rüter, der ja Behördenleiter ist, der Polizei dann selber eingeschaltet. Und er hat sogenannte Anhalte- und Sichtkontrollen angeordnet. Das ist eine besondere Maßnahme, die auch immer nur zeitlich befristet gilt und immer wieder verlängert wird, wo wirklich auf ... Der Name sagt es ja schon.
Also, man kann auf Verdacht jemanden anhalten und dann erst mal kontrollieren, der da ist. weil das natürlich einen besonderen Eingriff auch in die persönlichen Freiheiten und so mit sich bringt, ist das immer für vier Wochen, dann wird es wieder verlängert. Das ist hier in Paderborn, aber tatsächlich also mehrere Male dann verlängert worden, um dort eben und in anderen Bereichen der Innenstadt Präsenz zu zeigen und die Lage dann in den Griff zu bekommen.
Ist das denn wirklich so schlimm da? Also was sagen denn die Paderborner und Paderbornerinnen dazu? Weil Politik ist das eine, das Gefühl der Menschen, Oftmals ein ganz anderes. Das ist tatsächlich so, dass das die Leute da schon sehr umtreibt und auch das Sicherheitsempfinden so ist, dass es in dieser Ecke sich nicht jeder dann wohlfühlt, so in der Marienstraße.
Weil es da tatsächlich immer wieder zu prügelein, zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt, dann auch häufig mit größeren Gruppen. Und das scheint auch die Polizei also gespürt zu haben, die ... Kontrollen liefen ja eine ganze Weile. Es wurde auch anders als in anderen Bereichen, hat die Polizei sich von sich aus selber regelmäßig gemeldet und jeweils dann ihre Bilanzen genannt, was sie am Wochenende dort getan haben, wie viele angehalten wurden, welche Konsequenzen es gab, ob es mögliche Strafen gab, um der Lage da eben so ein bisschen mehr herzuwerden.
Hat sich da was verändert? Anfangs auf jeden Fall. Wir haben ja auch, weil du das eben gefragt hast, wie es für die Bevölkerung sieht, also wir sehen das auch ja in sozialen Medien, in Reaktionen auf unsere Artikel, die wir zu diesem Sicherheitsthema schreiben, dass das die Leute da entsprechend schon schon beschäftigt.
Und durch die Polizeikontrollen ist da erstmal scheinbar Ruhe reingekommen. Wir wissen aber auch, dass später zum Beispiel ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes einer Diskothek dann vor Gericht in diesem Prozess auch ausgesagt hat. Ja, das war am Anfang so. Mittlerweile gäbe es dann da wieder den, in Anführungszeichen, normalen Betrieb, was dann da so Auseinandersetzungen oder so angeht.
Mika, kommen wir jetzt noch mal auf die Nacht zum ersten Mai, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist es im April, im Jahr ist.
Wie kann die Polizei sie dann doch noch identifizieren und dickenfest machen? Genau, die beiden Tatverdächtigen sind wirklich oder müssen unmittelbar dann in der Menschenmenge verschwunden sein. Ich hatte eben gesagt, das ging ganz schnell, die Schläge, der Tritt und dann waren die weg und wurden dann auch nicht gefunden.
Es hat allerdings auch sehr zeitnah ein sehr deutliches Verhandlungsbild der beiden Tatverdächtigen gegeben. Das wurde in einem Kiosk aufgenommen, kurz vorher. Und da waren die beiden jungen Männer wirklich sehr, sehr deutlich zu erkennen, was dann dazu führte, dass die Polizei auch schnell eine sehr große Menge an Hinweisen bekommen hat und ihnen wohl auch wirklich ... Die Namen der Verdächtigen dann auch schon genannt wurden, sodass die Fahndung sich wirklich dann schnell da auf etwas ganz Konkretes beziehen konnte.
Hat dann allerdings trotzdem fünf Tage gedauert und dann wurden die beiden gefasst. Wie wurden sie gefasst? Die haben sich tatsächlich selber gestellt. und sind dann nachts in die Polizeistation hier im Riemekimmerviertel gegangen. Ich hab da später auch noch mal bei der Polizei nachgefragt, ob das wirklich so war, wie beschrieben oder wie sich das dargestellt hat.
Und zwar sind die wirklich dann abends einfach da reingegangen und haben gesagt, wir sind zu zweit gekommen. Wir sind die, die gesucht wurden und wurden dann vor Ort natürlich sofort festgenommen und am nächsten Tag dem Haftrichter vorgeführt. Und so wie die Polizei das beschrieben hat, war dann tatsächlich einfach, ich hab ja gerade das sehr deutliche Bild erwähnt, der Fahndungsdruck einfach zu hoch.
Und so haben die sich dann eben. selber gestellt. Also, es sind zwei Tatfertigte. Es war ja mal von dem Dritten noch die Rede, aber der war raus. Es war am Anfang immer die Rede von einem Dritten, auch nachdem diese beiden jungen Männer dann in Gewahrsam waren, wurde anfangs noch nach einem Dritten gesucht.
Auf der Videoaufnahme war wohl auch ein Dritter zu erkennen. Viele Zeugensprachen noch von einem Dritten Mann. Es hat sich aber dann später im Zuge der Ermittlungen herausgestellt. dass der, der da auch zu sehen war, damit wirklich gar nichts zu tun hatte. Und es waren definitiv nur diese beiden. Und eben das Opfer an der Auseinandersetzung beteiligt.
Am XXI. Oktober, im Jahr ist der Prozess gegen die beiden jungen Männer vor der Jugendstrafkammer des Paderborner Landgerichts. Während des Prozesses werden viele Zeugen gehört. Und es kommt, wie soll es beschreiben, zu einem kundl-Muddel. Einige wollen Sachen gesehen, haben die ... Das ist so, ja. Das hatten wir am Anfang ja dann auch schon bei den ersten Polizeiberichten.
Ich hatte eben erwähnt, die Flasche, die dem Opfer angeblich auch auf den Kopf gehauen wurde, die Tritte gegen den Kopf, als er schon am Boden lag. Das hat es offenbar alles so nicht gegeben. Aber sehr viele Zeugen-Aussagen, die darauf hindeuteten und die Situation ... wo recht anders dargestellt haben, als sie dann in Wirklichkeit waren.
Wie kommen die Leute dazu? Gab es auch Zeugenaussagen, die verwertet werden konnten? Gab es auch. Am hilfreichsten war dann am Ende tatsächlich die Überwachungskamera aus dem benachbarten Barbershop, die das geschehen, wo recht zweifelsfrei dokumentiert hat. Also, die Zeugen haben da dann etwas berichtet, was sie gemeint haben.
zu sehen oder dann auch teilweise auf Grundlage von Berichten oder Darstellungen, die dann schon in der Öffentlichkeit waren, möglicherweise dann auch beeinflusst waren und dann wieder darauf basierend ihre Aussagen gemacht haben. Das war im Prinzip so ein kleiner Teufelskreis, der sich dann da ergeben hat.
Und es gab nachher auch Einzeugen. Der hat sich erst recht spät gemeldet dann bei der Polizei. Gott sei Dank, muss man vermutlich sagen. Er hatte seine eigene Aussage erst gar nicht wichtig angesehen, da dann aber seiner Meinung nach so viel Falschitz schon in der Welt war, hat er sich dann selber noch mal zur Polizei begeben und gesagt, ich habe es auch gesehen und konnte dann da auch noch mal ein bisschen weiter das Ganze aufklären.
Und die anderen haben einfach ein bisschen rumgesponnen? Oder muss ich mir das vorstecken? Also wenn ich vor Gericht stehe und eine Zeugenaussage machen muss, Dann möchte ich doch wirklich das erzählen, was ich tatsächlich gesehen habe. Das sollte man meinen, ich will mir jetzt auch nicht anmaßen, das wirklich zu beurteilen, genau wie das dann gekommen ist oder ob da letztlich dann Absicht vermutlich eher nicht hintersteckte, sondern dass die das dann wirklich gedacht haben, sie hätten es so gesehen, weil sie im Nachgang ... Wie gesagt, das ist ja auch alles dann sehr schnell gegangen und dann vielleicht von anderen gehört haben.
Es ist so und so passiert. Ja, das habe ich dann auch so gesehen. Kommen wir jetzt auf das Gutachten zu sprechen. Das hattest du vorhin schon erwähnt, was ja wirklich sehr, sehr wichtig auch für den Ausgang des Prozesses wurde. Genau, denn da ging es ja dann wirklich letztlich um die Todesursache, ob die jetzt wirklich direkt auf die Auseinandersetzung zurückzuführen war, sprich die Schläge und Tritte, was ja dann ein ganz anderes Strafmaß bedeutet hätte, oder ob der Tod in Folge einer anderen Sache dann eingetreten ist, wie es dann offenbar auch gewesen ist.
Also, sehr lange hat die Öffentlichkeit geglaubt, ist auch berichtet worden, dass Lukas L. an seinen Kopfverletzungen gestorben sei. Da hat auch erst mal alles hingedeutet, wie gesagt, auch aus den offiziellen Polizeiberichten und Darstellungen, ganz genau. Laut dem Gutachten der Rechtsmedizin hatte er allerdings ein Aneurysmer, also ein Blutgefäß in seinem Kopf, gerissen.
Aber wohl nicht ... in Folge des Angriffs gegen ihn. Das war also eine Vorschädigung, die er einfach schon hatte, von der er selber aber offenbar auch gar nichts gewusst hat. Und so die Erklärung, gerissen ist es dann letztlich durch die sogenannte Blutdruckspitze. Denn durch diese Auseinandersetzung, vielleicht auch bedingt durch den Alkohol im Körper, ja, das ... Schaukelt den Körper dann entsprechend hoch.
Dann kommt diese sogenannte Blutdruckspitze. Dann gab es zu diesem Riss und dieser Hirnblutung, an der er dann leider verstorben ist. Und es gab auch noch eine Untersuchung der Neuropathologie der Universität Münster. Und der dortige Leiter hat nach einer Untersuchung des Gehirns, des Verstorbenen an, auch festgestellt, dass es bis auf diese Ruptur dort keine traumatischen Schäden, keine Prellungen und keine Einblutung anderer Art gegeben hätte.
Also die Schläge gegen den Kopf waren es nicht. Ganz genau. Und das wird dann wiederum wichtig für das Urteil bzw. Der Staatsanwalt ist ja ziemlich in die Kritik geraten, weil er das einfach nicht so angenommen hat. Genau. Er ist bei seiner Forderung dann geblieben und hat weiter auf Totschlag oder gemeinsam versuchten Totschlag plädiert.
Er hat dabei offenbar, so wird ihm nachher also von den... verteidigern, aber auch von den Richtern dann vorgeworfen. Dabei allerdings einiges ignoriert, sich nur auf eine Zeugenaussage berufen, nicht so ganz auf das Video eingegangen oder eben auf diese Untersuchung. Denn verurteilt worden sind die beiden Tatverdächtigen dann tatsächlich wegen gefährlicher Körperverletzung.
Der Totschlag, Vorwurf war dann wirklich vom Tisch. Es ist auch immer wieder die Gäde gewesen von Vorverurteilungen. Ich glaube, die Vorsitzende Richterin hat da doch ziemlich Kritik geübt. Ja, das hat es gegeben. Das passiert ja leider immer wieder bei solchen Fällen. Zum einen in der Öffentlichkeit, in den sozialen Medien.
Jetzt muss man an dieser Stelle noch dazu sagen, dass die beiden tatverdächtigen Migrationshintergrund haben. Entsprechend kann man sich dann denken, wohin dann auch einige oder mehrere Kommentare dann auch in den sozialen Medien gegangen sind. Und dann eben halt auch sehr schnell einfach direkt von vornherein allen genommen wurde.
Ja, das sind die beiden Täter. Das war Absicht. Das ist genau alles so gewesen. Wobei ist natürlich die ganze Zeit alles noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen und des Prozesses war. Es ist ja aber nicht nur in den sozialen Medien darüber berichtet worden, in allen anderen Medien auch. Und zwar nicht immer unbedingt glücklich.
Müsst ihr euch da vielleicht auch mal an die Nase fassen? Sind wir vielleicht auf dem falschen Zug aufgesprungen wegen dieser doch eher falschen Aussagen der Zeugen zum Beispiel? Oder auch wie die Staatsanwaltschaft gesagt hat, so, das ist hier Tutschlag? Also wir sind da tatsächlich ja auch dann bei solchen Fällen auch erst mal dann abhängig von den offiziellen Beteilungen eben jetzt der Behörden, in denen eben solche Sachen dann auch mit drin standen und die wir dann natürlich als Darstellung dann auch übernommen haben.
Das haben wir uns nicht in dem Sinne zu eigen gemacht, dass wir geschrieben haben, da gab es Faustschläge, da gab es die Dritte, sondern natürlich mit den entsprechenden Formulierungen laut Angaben der Polizei nach diesem Erkenntnisstand. Erschreckend fand ich es am Ende schon, dass sich das ganze Geschehen dann ja wohl doch ganz oder erheblich anders dargestellt hat, als zumindest zu vermuten, zu vermuten war.
Kommen wir wieder auf den Prozess zu sprechen. Wie genau lautete die Anklage und was hat der Staatsanwalt letztendlich als Strafe gefordert? Die Anklage lautete auf gemeinschaftlichen Totschlag und entsprechend hat der Staatsanwalt dann auch lange Haftstrafen gefordert von über vier Jahren für die beiden Tatverdächtigen.
verurteilt worden sind sie dann allerdings wegen gefährlicher Körperverletzung und zwar auch nach Jugendstrafen, nicht nach Erwachsenenrecht, wie es die Staatsanwaltschaft auch gefordert hatte. Zunächst, da ist der ältere der beiden, der neunzehnjährige, ist nach Jugendstrafrecht für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis gekommen.
Der Jüngere, der siebzehnjährige, ist zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Er hat zuvor dann auch schon in sechs Monaten in Untersuchungshaft. gesessen. So lange hat es ja gedauert, bis der Prozess dann begonnen hat. Der hat also eigentlich im Gefängnis gesessen, ohne dass er nachher zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.
Genau. Weißt du, was der jetzt macht? Nein. Was jetzt mit ihm ist, das kann ich nicht sagen. Weißt du, wie die Angeklagten überhaupt auf das Urteil reagiert haben? Ihr wart ja wahrscheinlich von der MW aus auch in Gerichtssaal. Also ich selber war nicht im Gericht, sondern meine Kollegin Jutta Steinmetz, die für uns die Gerichtsberichte übernimmt und schreibt.
Und ich hatte jetzt vor unserem Treffen hier auch noch einmal mit ihr gesprochen. Und sie hat mir die beiden jungen Männer da nochmal beschrieben, die sie dann ja wirklich über einen langen Zeitraum dann häufig sehen und beobachten konnte. Und das wären wohl zwei Jahre. Typische junge Männer gewesen, aber auch sehr in sich gekehrt und auch wohl sichtlich bewegt von dem, was da passiert ist, was sie ohne es zu wollen, was man dazu sagen muss.
Mindestens einer von ihnen. Sie haben sicher dann auch bei den Angehörigen entschuldigt. Das war halt nicht gewollt, dass da jemand ums Leben kam, weder geplant noch in dem Moment. Und ... Das hatten auch die Verteidiger berichtet. Das hat die natürlich sehr mitgenommen. Nicht nur wegen ihres eigenen Schicksals, dass sie dann vor Gericht gaben oder verurteilt wurden, sondern einfach, weil da ein junger Mensch aus dem Leben gerissen wurde.
Dieser junge Mensch ist Lukas L. Der hatte auch Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Wie haben die reagiert? Also, das war insgesamt ... ganz ... Padderborn und darüber hinaus hat dieser plötzliche Tod sehr bewegt. Das hat man wirklich in der Stadt gespürt. Ich habe eben natürlich von den Online-Reaktionen gesprochen, wo es auch natürlich einfach viele Beileidsbekundungen gab, aber wirklich auch im Ort und dann an dem Tatort.
Da wurde ganz schnell ein Bild von ihm aufgehängt. Da sind so viele Säulen. Ich hatte eben von diesem Dach, von diesem Vorsprung da gesprochen. Da war dann ein Bild von ihm, dann ein paar Kerzen, ein paar Blumen. Wir haben das auch auf Fotos dokumentiert. Das fing vieles dann klein an. Ich glaub, am nächsten Tag, als der Kollege dann wieder hingegangen ist, um noch ein neues Foto zu machen, da war das so ein richtiges ... Blumen und Kerzen mehr, also richtiger Altar, Erinnerungsschreien.
Und das ist auch sehr lange dort geblieben. Da sind wirklich immer wieder Menschen gekommen und hat das dann auch gesehen. Ich war auch vor Ort, die da einfach auch mal stehen geblieben sind und innegehalten haben. Es hat ja dann in der Stadt auch ein paar Tage später so eine Gedenkveranstaltung gegeben von den Angehörigen, meine ich auch, organisiert, wo einfach dann nochmal an ihnen gedacht wurde.
Die Stadt wirklich, also unmittelbar in den nächsten Tagen, aber auch dann darüber hinaus sehr beschäftigt. Kannst du noch mal mehr zu Lukas selbst erzählen? Also, wie gesagt, ein junger Mann, dreißig Jahre alt und hat hier in Paderborn in einer sehr bekannten Gastronomie wirklich mitten in der City gearbeitet.
Und ja, und auch deswegen eben ... tatsächlich mit vielen Menschen bekannt und vertraut, den kannten viele, er kannte auch viele. Ja, und hat an dem Tag feiern wollen und stattdessen ist er leider dann ums Leben gekommen. Hat dieser tödliche Streit oder dieser Auseinandersetzung, das Sicherheitsgefühl in der Stadt, maßgeblich verändert, besonders unter den Partygängern am Wochenende?
schon. Das hat das schon beeinflusst, gerade jetzt mit Blick auf diesen Hotspot der Feiermeile Marienstraße, dass da, glaube ich, viele schon mit anderen Gedanken dann auch hingegangen sind. Das haben wir auch aus Lesereaktionen dann immer wieder raushören können und es wurde oder wird seitdem dann noch viel mehr über die Sicherheit in der Stadt gesprochen.
Gibt es ein neues Sicherheitskonzept? Da wurde bzw. da wird dran gearbeitet. Das macht Lukas leider nicht wieder lebendig. Wie du vorhin schon sagtest, die Angeklagten sind keine Totschläger. Die haben das nicht darauf angelegt, jemanden zu töten. Aber was ich finde, diese Verrohung, dieses Zuschlagen ohne triftigen Grund, das finde ich schon problematisch.
Ja, also das darf man natürlich wirklich nicht außer Acht lassen. Wie gesagt, da sollte kein Mensch ... sterben oder getötet werden, aber das ist leider ja immer wieder zu beobachten. Also nicht nur jetzt hier in Paderborn oder in diesem Fall, auch wenn man sich insgesamt so die Berichte anguckt, es scheint ja schneller zugeschlagen werden.
Also sind schneller die Fäuste mit im Einsatz und meine Kollegin hat das... ganz gut beschrieben, als wir hier noch einmal drüber gesprochen hatten. Und sie meinte, jeder, der so in so eine Auseinandersetzung geht oder der dann körperlich jemanden angreift, auch wenn er es nicht will. Aber er muss damit rechnen, dass er es in Kauf nimmt, dass der andere sehr schwer verletzt wird oder sogar stirbt.
Da reicht dann eine Vorschädigung, wie in diesem Fall, oder da fällt jemand hin, schlägt. dumm mit dem Kopf auf, da reicht ein Einschlag und ein Mensch ist tot. In der Nacht zum ersten Mai, im Jahr Jahrzehnte, kommt es für einen bekannten Paderborner Club zu einem Streit, den Lukas Ayl nicht überlebt.
Allerdings nimmt nicht die Faustschläge ins Gesicht Grund für seinen Tod, sondern ein geplatzes Aneurysmer. Die beiden Gegner von Lukas ergreifen die Flucht, stellen sich aber wenige Tage später selbst der Polizei. Es folgt ein Prozess, der durch falsche Zeugenaussagen und vor Vorurteilungen geprägt wird.
Die Angeklagten werden wegen gefährlicher Körperverletzung nach Jugendstrachrecht zu einem Jahr und zehn Monaten Haft beziehungsweise neun Monate auf Bewährung verurteilt. Das war es für heute mit dem True Crime Podcast der neuen westfälischen Redaktion, hatte Dana Johanna Stoll und gesprochen habe ich mit dem NW-Kollegen Berger Berbüsse.
Vielen Dank, Berger. Sehr gerne. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region auch jederzeit auf nw.de und in der nw-plus-app in der Serie OVL Crime. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast. Und natürlich über Wünsche, welche Ostwestfälle wir dennächst für euch besprechen sollen.
Schreibt uns eine E-Mail an podcasts.nw.de. Mein Name ist Birgit Gottwald, bis bald.