
22| Social Media: Darum haben sie so viel Macht über uns
Freitag, 25. April 2025 · 22 min
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Shownotes
Ein Video nach dem anderen schauen, Likes verteilen und bekommen, Push-Nachrichten empfangen: Wenn wir soziale Medien nutzen, hat das Einfluss auf unsere Gefühle und unser Verhalten und wir merken oft gar nicht, wie wir dabei fremdgesteuert werden – und wie sich das auch körperlich niederschlägt. Genau das macht Eric in einem Experiment sichtbar: Jugendliche dürfen mal NICHT zum Handy greifen – während ein Pulsmessgerät anzeigt, wie sehr sie das stresst. Aber die Plattformen haben ja auch ihre guten Seiten: Sie machen Spaß und sie ermöglichen jeder und jedem, Inhalte zu teilen und sich weltweit zu vernetzen. Algorithmen helfen den Betreibern dabei, uns Inhalte anzuzeigen, die uns gefallen – aber nicht, weil sie so nett sind, sondern um uns möglichst lange auf ihren Plattformen zu halten, denn dann können sie uns mehr Werbung präsentieren und so Geld verdienen. Und je mehr Zeit wir mit ihnen verbringen und je mehr Aufmerksamkeit wir ihnen schenken, desto mehr Daten geben wir von uns preis und desto höher ist die Gefahr, manipuliert zu werden und/oder uns so zu verhalten, dass es uns nicht mehr gut tut. Das hat Laura Sophie erlebt. Sie ist Influencerin, aber natürlich auch ganz normale Nutzerin von Social Media – und erzählt Eric davon, wie sie von den Algorithmen immer weiter runter gezogen wurde, indem sie ihr irgendwann nur noch Videos von extrem schlanken und sportlichen Menschen gezeigt haben. Die Funktionsweise der Algorithmen zu kennen ist wichtig, damit wir uns im Zweifel selbst um unser Wohlergehen kümmern können. So können wir die Macht der Apps (und der Gewohnheit) ein Stück weit begrenzen – etwa durch bewusstes Auswählen (und Hinterfragen) von Inhalten, durchs Deaktivieren von Push-Nachrichten und natürlich auch schlicht durch Abschalten (oder zumindest durch das Setzen von Zeitlimits).
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/
Moderation: Eric Mayer
Expert*innen: Niklas Klein, Jan Faßbender, Laura Sophie
Autorinnen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Lena Kohlwes, Ute Mattigkeit
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Redaktion Kugel und Niere: Lena Kohlwes
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hi Leute, hier ist Erik. Kennt ihr das? Ihr versucht euch auf was zu konzentrieren? Oder ihr wollt mit jemandem in Ruhe sprechen? Ach nee, wartet mal, jetzt muss ich doch mal schauen, was da los ist. Tja, wenn unser Handy klingelt oder einen Nachrichtenton von sich gibt, dann reißt uns das sofort aus dem raus, was wir gerade tun.
Ein Pieps und wir reagieren schon fast wie ferngesteuert. Und wenn wir das Handy einmal in der Hand haben, können wir es oft nur schwer wieder weglegen. Nur kurz mal geschaut, was es Neues gibt und zack, schon wieder eine halbe Stunde rum. Neben Gaming sind es vor allem Social Media Plattformen wie YouTube, TikTok, Instagram oder auch Messenger wie WhatsApp, die ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen und behalten.
Ich möchte heute wissen, wie machen die Apps und Plattformen das und warum? Warum? Und was macht das eigentlich mit uns, ständig am Handy zu hängen? Dafür machen wir zwei spannende Experimente und ich spreche mit Creatorin Laura-Sophie, die mir davon erzählt, wie viel Druck ihr Social Media macht. Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR+. Mit mir, Erik.
Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Music. Mit erleben geht's auch gleich los. Und zwar tun das für uns heute Mia, Nele und Finn. Sie alle gehen in die neunte Klasse und haben sich bereit erklärt, bei unserer kleinen Versuchsreihe mitzumachen.
Außerdem am Start ist Experimentleiter und Social-Media-Experte Niklas Klein. Hier kommt Versuch Nummer 1. Mia, Nele und Finn sitzen an einem Tisch und vor ihnen liegt ihr Handy. Und da kommen jetzt die ganze Zeit Benachrichtigungen rein. Eine neue Nachricht von deiner besten Freundin. Jemand hat dein Bild geliked.
Ein neues Video wurde hochgeladen. Aber, sorry, jetzt wird's ein bisschen fies. Mia, Nele und Finn dürfen das Handy nicht in die Hand nehmen, sich die Benachrichtigungen also nicht anschauen. Wir wollen nämlich wissen, wird das etwas an ihrem Puls, also dem Herzschlag, verändern? Falls ja, wäre das ein deutliches Zeichen für Stress.
Denn ansonsten steigt unser Puls eigentlich nur, wenn wir Sport machen, Substanzen wie Koffein zu uns nehmen oder krank sind. Alles bei unseren Dreien gerade nicht der Fall. Zum Messen des Pulses bekommen sie von Experimentleiter Niklas Sensoren an Finger und Handgelenk. Nach ein paar Minuten frage ich beim 14-jährigen Finn das erste Mal nach, wie es sich für ihn so anfühlt.
Was passiert da so bei dir im Körper, wenn du das siehst und hörst? Ja, also, das ist halt dieses Verlangen, einfach drauf zu klicken. Wenn man das sieht, die Nachricht ploppt auf, dann möchte man halt im Prinzip eigentlich direkt draufklicken. Tja, aber genau das darf Finn nicht. Und das scheint ihn ziemlich nervös zu machen.
Denn unsere Messgeräte zeigen, sein Puls wird schneller. Weiter geht's mit Mia. Mia, auch sie ist 14, nutzt aber normalerweise eher selten soziale Medien. Wird das Experiment deshalb bei ihr weniger Stress auslösen als bei Finn? Was ist das so für ein Gefühl für dich? Also es klingelt halt die ganze Zeit, aber man kann halt nicht drauf gucken.
Und ist es gut oder schlecht? Also es ist ein bisschen nervig, dass man nicht drauf gucken kann. Also nervig? Kein gutes Gefühl? Ja. Auch Mias Herz schlägt schneller. Dass sie nicht auf die Benachrichtigungen reagieren kann, scheint auch sie echt zu stören. Als letztes ist Nele dran. Sie ist 15, im Alltag sehr oft am Handy und nutzt super gerne Social Media. Was ist dir durch den Kopf gegangen?
Das ist sehr schwer, es nicht zu antworten. Ich glaube, ich hatte mein Handy seit zwei Jahren nicht mehr komplett aus. Ich hatte es immer nur lautlos oder so. Weil wenn es komplett aus ist, dann habe ich das Gefühl, keine Ahnung, dann bin ich nicht erreichbar und dann fühle ich mich komisch. Nele hat nicht nur ein komisches Gefühl, auch bei ihr sehen wir die Auswirkungen des Experiments an ihrem Puls.
Denn auch der wird deutlich schneller. Schon krass, wie viel Einfluss das Handy auf uns hat, oder? Warum ist das so? Ich frage Social-Media-Experte Niklas. Wo kommt das her, dieses Verlangen? Ja, es ist natürlich so, da kommt jetzt was Neues aufs Handy. Und gerade wenn man aus dem Alltag gewohnt ist, dass da immer irgendwie was Neues kommt, dann will man natürlich jetzt auch da drauf gucken.
Also es ist ganz viel, sag ich mal, Routine. Da kommt eine Benachrichtigung und ich schaue dann auch aufs Handy. Und es ist natürlich so, dass diese Apps genauso designt sind, dass man eben dann auch da drauf gucken will. Übrigens muss das Handy dafür nicht mal piepen. Ihr kennt es bestimmt oder habt es bei euren Eltern oder älteren Geschwistern schon gesehen.
Auch wenn eine App gar nicht geöffnet ist, sehen wir auf dem Home-Bildschirm, wie viele ungelesene Nachrichten wir haben. Neben dem App-Symbol erscheint dann ein kleiner roter Kreis mit einer weißen Zahl. Die Zahl zeigt an, wie viele Nachrichten darauf warten, gelesen zu werden. Der rote Kreis ist dabei nicht zufällig rot.
Denn Forschende haben herausgefunden, dass wir ein leuchtendes Rot als Signalfarbe wahrnehmen. So nach dem Motto, Achtung, hier passiert was. Bei manchen Apps bekommt ihr auch direkt eine Vorschau der Nachricht angezeigt. Der Trick der App-Firmen, die Nachricht wird euch je nach Einstellung nicht vollständig angezeigt.
Um den gesamten Text lesen zu können, muss man die App öffnen. Und schon ist man wieder in den Bann des Handys gezogen. Also Apps spielen zum einen mit unserer Neugier, aber auch mit unserer FOMO. FOMO, das steht für Fear of Missing Out, also die Angst, etwas zu verpassen. Man hat das Gefühl, man müsse jetzt sofort auf die Benachrichtigung auf dem Handy klicken.
Ansonsten könnte man ja was verpassen. Was kann ich dagegen tun, wenn dieses Gefühl, also dieses Verlangen so stark wird, dass es mich ja vielleicht sogar im Alltag beeinträchtigt oder nervt? Also da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man natürlich die Benachrichtigung einfach ausstellen. Das geht an jedem Handy. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen hart dann auch.
Und wenn man das dann nicht machen möchte, weil man dann gar nichts mehr mitbekommt, nur wenn man in die App reingeht, dann kann man es natürlich auch so einstellen, dass man nur bestimmte Zeiten keine Push-Benachrichtigung bekommt. Beispielsweise ab 19 Uhr, 20 Uhr, wenn man abends ein bisschen mehr Ruhe haben will.
Dann schläft man auch besser, wenn man keine Benachrichtigung mehr bekommt die ganze Zeit. Das ist möglich. Okay, also Benachrichtigungen einschränken oder ganz ausstellen ist eine Möglichkeit. Niklas hat aber noch einen Tipp. Oder man kann einstellen, dass man nur bestimmte Apps eben zeitlich erfasst, begrenzt auf zwei Stunden am Tag und dann eben nach diesen zwei Stunden diese Apps nicht mehr aufrufbar sind. Das sind alles Möglichkeiten, die man da machen kann.
Warum die Betreiber ihre Apps so programmieren und designen, das klären wir später noch. Jetzt wissen wir immerhin schon mal, wie Apps unsere Aufmerksamkeit mit kleinen Tricks auf sich ziehen und wie wir das ein Stück weit eingrenzen können. Aber nicht nur die Funktionsweise der Apps, sondern auch die sogenannte Macht der Gewohnheit und damit die Funktionsweise unseres eigenen Gehirns kann uns dazu verleiten, zum Handy zu greifen.
Selbst dann, wenn nix klingelt oder rot leuchtet. Wie das funktioniert, das hört ihr in unserer Rubrik Besser Wissen Drin. Gewohnheiten sind wie kleine Helfer im Kopf, die uns das Leben eigentlich leichter machen. Wenn du jeden Morgen dieselben Dinge in derselben Reihenfolge tust, zum Beispiel Zähne putzen, dann anziehen, lernt dein Gehirn diesen Ablauf und verinnerlicht ihn. Du musst dann irgendwann nicht mal mehr richtig wach sein und kriegst es trotzdem hin.
Dabei spielen die Basalganglien eine wichtige Rolle. Die Basalganglien sind eine Gruppe von Nervenzellen im Gehirn, die an der Planung, Steuerung und Koordination von Bewegungen beteiligt sind. Sei es nun Zähneputzen oder auch sowas wie Klavierspielen, Dribbeln oder Fahrradfahren. Und sie sorgen dafür, dass du diese Aufgaben fast automatisch erledigst, ohne lange drüber nachzudenken. wenn du sie oft genug wiederholt hast.
Im Fall der Handynutzung verstärkt ein besonderer Stoff diesen Lernprozess. Und zwar ein sogenannter Botenstoff namens Dopamin. Bekommst du eine nette Nachricht, siehst einen lustigen Clip oder erhältst jede Menge Likes auf einem Post, gibt das Dopamin dir ein gutes Gefühl. So eine Art kleines Prima, weiter so. Deshalb greifen wir in der unbewussten Hoffnung auf mehr Dopamin immer wieder zum Handy.
Und schwupps ist der Griff zum Handy zur Gewohnheit geworden. Zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen oder auch direkt nach der Schule. Und was erstmal als Gewohnheit gespeichert ist, werden wir nur schwer wieder los. Am leichtesten klappt das mit dem Loswerden von unliebsamen Gewohnheiten übrigens durchs Überschreiben mit neuen Gewohnheiten.
Bist du also genervt davon, wenn dir durchs Ganze am Handy hängen, die Zeit fehlt für andere schöne Dinge, Gewöhne dir zum Beispiel an, als erstes beim Nachhausekommen etwas anderes zu machen, wie beispielsweise einen Tee kochen, Tagebuch schreiben oder dir 20 Minuten für dein Lieblingshobby zu nehmen.
Die Funktionsweise unseres Gehirns macht es den Apps und Plattformen also leicht, dass wir uns von ihnen, naja, fernsteuern lassen. Jetzt wollen wir noch rauskriegen, warum wir nach dem Griff zum Handy dann auch so lange dranbleiben und uns oft viel mehr anschauen als nur die neue Nachricht unserer Freundin.
Jeden Tag werden in sozialen Medien Millionen von Daten hochgeladen und angeschaut. Aber wonach wird eigentlich entschieden, welcher Content mir von den Plattformen angezeigt wird? Das wollen Mia, Nele, Finn und ich in Teil 2 von unserem Experiment herausfinden. Dieses Mal konzentrieren wir uns auf die Plattform YouTube.
Die ist zwar erst ab 16, vorher braucht man das Einverständnis der Eltern. Die Eltern von Mia, Nele und Finn sind aber einverstanden. Unterstützung beim Experiment bekommen wir von YouTube-Experte Jan Fassbender. Mia, Nele und Finn bekommen von Jan jeweils einen Laptop, der auf die Werkseinstellung zurückgesetzt ist und auf dem der Internetbrowser neu installiert wurde.
YouTube hat jetzt also erstmal keine Ahnung, wer davor sitzt. Die Nutzer sind für YouTube wie ein weißes Blatt. Die Plattform weiß noch rein gar nichts über Mia, Nele und Finn. Jan gibt das Startsignal fürs Experiment. Dann guckt euch mal an, wie die Startseiten von YouTube jetzt aktuell aussehen. Würdet ihr sagen, das ist irgendwie interessant für euch? Sind das Themen, die euch interessieren?
Joa. Ich habe nie mehr Mieter. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt so interessiert. Ein Video interessiert mich halt, das würde mich halt wenn interessieren, aber sonst, naja, nicht so wirklich. YouTube schlägt in Dreien Videos zu ganz unterschiedlichen Themen vor. Von Sport bis Beauty ist alles dabei. Alles klar, dann sucht doch mal nach euren Hobbys und wir gucken, was passiert. Mia sucht nach Videos zum Thema Feldhockey, Nele nach Motorradrennen und Finn interessiert sich für Kochen.
Nach 15 Minuten ist die Zeit um und wir ziehen Bilanz. Könnt ihr uns doch mal beschreiben, so seht ihr jetzt andere Videos, seht ihr Themen, die euch interessieren? Finn macht den Anfang. Also ja, auf jeden Fall. Bei mir ist es so, bevor wir angefangen haben, Videos zu gucken, waren von acht Videos auf der Startseite keins zum Thema Kochen jetzt.
Und jetzt danach, nach dieser ganz kurzen Zeit, sind es jetzt schon vier. Also die Hälfte von der Startseite ist jetzt mit den Videos vor. Und das finde ich schon halt echt krass. Nach nur 15 Minuten wusste YouTube ziemlich genau, was Finn interessiert und hat ihm noch mehr Videos zum Thema Kochen vorgeschlagen. Und bei Nele?
Und bei dir? Genauso wie bei ihm eigentlich. Vier von acht sind jetzt quasi zum Thema Motoren und Motorräder. Also es hat sich schon krass verändert. Je tiefer man quasi reingeht, desto mehr findet man Videos, die einen interessieren. Wie findet ihr das? Schon krass halt. Das ist irgendwie komisch. Dieses Gefühl, dass die anderen im Prinzip die ganze Zeit so beobachten. Das ist ungewohnt.
Die Erfahrung von Nele und Finn zeigt, dass die Plattform genau beobachtet, welche Videos wir uns angucken und sich merkt, was uns gefällt. Hat das bei Mia auch funktioniert? Also ich habe auch halt Feldhockey eingegeben und bei mir bei der Startseite hat sich tatsächlich nichts verändert. Also es sind andere Videos als vorher, aber nicht irgendwas, was ich gesucht habe. Okay.
Das ist ja komisch. Warum hat YouTube bei Mia nicht gecheckt, dass sie sich für Feldhockey interessiert? Um das zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen. Also uns von YouTube-Experte Jan nochmal genau erklären lassen, wie die Plattform überhaupt funktioniert. Wie macht diese Plattform das? Ich meine, das ist ja schon extrem.
Man macht dann YouTube auf und plötzlich kriegt man die Sachen angeboten, die man gut findet. Wie funktioniert das? Das sind im Endeffekt Computerprogramme, die da die ganze Zeit laufen. Das sind die Algorithmen, das sind Programme, die einen quasi die ganze Zeit beobachten, gucken, was guckt man sich an, wie lange guckt man sich das an und dann entsprechend anhand der eigenen Interesse versuchen rauszufinden, was anderen Nutzern, die genau sowas geschaut haben, interessiert und einem dementsprechend dann zeigen können, was eigentlich für ein Interessant sein könnte.
Und das ist auch der Knackpunkt. Die Algorithmen beobachten, wie lange wir uns Videos angucken. Watchtime wird das genannt. Mia hat sich die Videos immer nur wenige Sekunden lang angesehen und dann direkt weitergesucht. Das war für die Algorithmen zu kurz. Sie konnten nicht rausfinden, was genau Mia gefällt.
Finn und Nele dagegen haben sich die Videos zu ihren Interessensgebieten mindestens eine Minute lang angesehen. Finn hat einen Clip sogar vier Minuten lang geguckt. Dadurch konnten sich die Algorithmen ein viel besseres Bild von den beiden machen. Mich interessiert jetzt noch… Und wird das auch bei anderen Plattformen eingesetzt oder macht das nur YouTube?
Das machen eigentlich alle Social-Media-Seiten, die funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Vielleicht denkt ihr jetzt, wenn mir Inhalte angezeigt werden, die mir gefallen, ist das doch super. Was ihr aber wissen solltet, die Plattformen machen das nicht, weil sie so nett sind, sondern weil sie mit euch und den Informationen, die sie über euch sammeln, richtig viel Geld verdienen.
Vor allem mit Werbeeinnahmen. Je mehr Zeit ihr auf den sozialen Medien verbringt, desto mehr Werbung können sie euch zeigen. Umso länger eure Watchtime, desto mehr Werbung und desto mehr Kohle für die Internet-Giganten. Deswegen haben die Plattformen ein großes Interesse daran, dass ihr so lange wie möglich online bleibt. Und deswegen analysieren sie euch und eure Gewohnheiten so genau, um euch möglichst viele Videos anzuzeigen, die euch gefallen könnten.
Dass das nicht immer gut für uns ist, das hat Laura-Sophie erlebt. Laura-Sophie ist selbst Content-Creatorin. Auf YouTube, TikTok und Instagram folgen ihr Millionen. Sie liebt Social Media, schließlich ist das ein großer Teil ihres Lebens. Aber sie hat auch schon sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht.
Die Algorithmen haben ihrer mentalen Gesundheit nämlich ziemlich geschadet. Wie genau es dazu kam und wie sie die Algorithmen schließlich ausgetrickst hat, das erzählt Laura-Sophie uns am besten selbst. Ich ruf sie mal an. Der Anruf. Der Anruf. Hallo? Hi Laura-Sophie, hier ist Erik. Sag mal, wie hast du das damals gemerkt, dass der Algorithmus irgendwie so einen negativen Einfluss auf dich hat?
Also was ich festgestellt habe, ist, dass ich sehr schnell, sehr stark in so eine bestimmte Bubble gerutscht bin. Durch den Algorithmus auch eigentlich. Also es war dann jetzt in dem Fall zum Beispiel so eine Sport- und Fitnessbubble und ich habe nur noch das gesehen. Und dadurch, dass mir nur das ausgespielt wurde, habe ich gedacht, das ist das neue Normal.
Und es wurde mir über ein ganzes Jahr lang nur das ausgespielt. Wenn du halt einmal in so einem Algorithmus gefangen bist, dann kommst du da halt schwierig wieder raus, wenn du vor allem gar nicht realisierst, dass du gerade in einem Algorithmus gefangen bist. Ja, voll. Wenn man vom Algorithmus so gefangen ist, nennt man das ja auch Rabbit Hole, also Kaninchenbau.
Das ist wie so ein Loch, in das man reinfällt und einfach nicht wieder rauskommt. Was hat das genau mit dir gemacht, dass der Algorithmus dir nur noch gezielt Videos von dünnen und scheinbar perfekten Menschen angezeigt hat? Ich habe einfach meine kompletten... Ich habe mein Leben quasi so angepasst, wie die Leute, die mir das vorgelebt haben.
Wenn es hieß, okay, kauf nicht mehr das und das Produkt, sondern kauf das und das Produkt, dann war das für mich, ah, okay, der hat voll Ahnung, der hat hier noch eine Studie belegt. Das wird schon richtig sein, obwohl es eigentlich zehn Leute gibt, die das dagegen belegt haben, aber das habe ich halt nicht gesehen.
Deswegen hat das quasi schon sehr dann mein Tun beeinflusst. Okay, und wie hast du es dann, ich sag mal, da raus geschafft? Hat dir der Algorithmus von alleine wieder andere Sachen angezeigt oder wie ist das passiert? Es gibt ja diesen Nicht-Interessiert-Button und da habe ich aktiv, sobald ich gemerkt habe, okay, ich bekomme jetzt die Videos oder die Fotos angezeigt, habe ich aktiv da drauf gedrückt und habe, weil ich wusste an sich, wie man aus diesem Algorithmus ja rauskommt, also genau eben dadurch, dass man da nicht drauf drückt und alles mögliche, habe das gemacht und ich habe auch dann aktiv in der Suchleiste Quotes eingegeben oder so Motivation-Quotes und alles mögliche und habe einfach mir am Tag 10
Minuten Zeit genommen und habe ganz viele Sachen geliked und gespeichert und kommentiert, einfach nur, damit ich quasi den Algorithmus so austricksen kann, dass ich sowas angezeigt bekommen möchte und quasi meine Bubble selber irgendwie gerade ändern kann. Und das hat dann auch funktioniert? Ja, also es ist immer noch, dadurch, dass ich da halt so lange drinnen war, ich glaube, das speichert sich halt schon irgendwie irgendwo ab, dass das halt ein interessantes Thema ist.
Aber es ist auf jeden Fall besser geworden. Da merkt man, finde ich, voll krass, wie Algorithmen uns eigentlich analysieren, aber auch lenken können. Wir haben jetzt viel über die negativen Seiten von Social Media gesprochen. Was gefällt dir denn trotz allem daran? Ich habe das Gefühl, dass man sich nicht alleine fühlt durch Social Media und dass man Einblicke in andere Leben bekommt und dann aber auch wieder, also ich habe das voll oft, dass ich irgendwas sehe und mir denke, oh mein Gott, same, das mache ich auch und ich dachte, ich bin alleine, die das macht.
Und da fühlt man sich einfach ein bisschen, ich weiß nicht, aufgehoben. Nicht alleine. Man fühlt sich irgendwie, man hat so einen Zusammenhalt. Das fand ich richtig, richtig schön. Ja, cool. Danke dir, Laura, für den Einblick. Mach's gut. Ciao. Soziale Medien machen Spaß. Klar, die Plattformen wollen ja auch möglichst lange unsere Aufmerksamkeit.
Aber Laura-Sophie hat da gerade im Gespräch was super Wichtiges angesprochen. Dem Algorithmus ist es egal, ob die Sachen, die in den Videos gesagt werden, auch stimmen. Für die App-Betreiber zählt nur, dass es interessant ist und häufig geklickt, kommentiert und geteilt wird. Deswegen ist es wichtig, Informationen aus dem Internet immer zu überprüfen und nicht einfach zu glauben.
Fest steht jedenfalls, soziale Medien lösen Druck aus. Druck, dass man ständig online sein muss, weil es so viele Videos gibt, die wir noch nicht gesehen haben. Ihr wisst schon, FOMO. Oder auch Druck, weil wir meinen, dass andere ein viel schöneres Leben oder einen perfekteren Körper haben als wir. Das kann uns total runterziehen, vor allem wenn wir die Kontrolle über unsere eigene Mediennutzung verlieren.
Dann haben soziale Medien sehr viel Macht über uns und können in uns ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit erzeugen oder uns sogar krank machen. Gerade jungen Menschen tut Social Media nicht gut, meinen manche Forschende. Deswegen verbietet Australien seit kurzem Jugendlichen unter 16 Jahren komplett die Nutzung von Social Media.
Mein Tipp, stellt euch regelmäßig die folgenden Fragen. Klicke ich jetzt auf das Video, weil es mich wirklich interessiert? Oder einfach nur aus Gewohnheit oder weil ich nichts verpassen will? Und vor allem, tut mir das, was ich hier mache, eigentlich gut? Danke an Mia, Nele und Finn, die uns heute bei unserem Experiment unterstützt haben.
Und an unsere Experten Niklas Klein und Jan Fassbender. Nicht zu vergessen, Laura-Sophie. Megagroßes Like auch für dich. Wie viel Zeit verbringt ihr dann auf sozialen Medien? Schreibt mir das gern an wissendrin.zdf.de oder in die Kommentare auf der Podcast-Seite. Das war Purplus Wissendrin mit mir, Erik.
Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Purplus Wissendrin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion PUR+. Music.