PUR+ Wissendrin mit Eric

23| Schlafen: Das passiert, wenn du es NICHT tust!

Freitag, 23. Mai 2025 · 22 min

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Shownotes

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir – schlafend! Und auch wenn das wie Zeitverschwendung erscheinen mag: das ist gut so, denn ohne Schlaf können wir nicht leben. Im Schlaf laufen wichtige Reparaturprozesse in sämtlichen Zellen unseres Körpers ab, und unser Gehirn „räumt auf“ – es würde sonst schlicht „überlaufen“ wie eine volle Festplatte oder ein überlasteter Arbeitsspeicher. Außerdem wird im Schlaf das Stresshormon Cortisol abgebaut. Deshalb sind Ausgeschlafene eher entspannt – und müde Menschen leichter reizbar. Trotzdem versucht Eric, so lange wie möglich wach zu bleiben: um rauszukriegen, was das noch mit ihm macht. Schnell ist klar: Ohne Schlaf werden wir immer unkonzentrierter und auch unsere motorischen Fähigkeiten leiden. Wer hingegen gut schläft und vorher nochmal die Vokabeln für den nächsten Tag durchgeht, schläft sich gewissermaßen schlau: eben weil unser Hirn nachts Erlebtes und Gelerntes nochmal durchgeht und sortiert. Darum gibt es in dieser Folge außerdem noch ein paar Tipps für gutes Einschlafen. Ach ja, und warum eigentlich müssen Kinder früher ins Bett als ihre Eltern? Nicht nur, damit die auch mal Feierabend und ihre Ruhe haben – sondern auch, weil ihr im Schlaf durch die dann ausgeschütteten Wachstumshormone jedes Mal ein bisschen größer werdet! Kleine Babys schlafen deshalb bis zu 17 Stunden pro Tag, Kita-Kinder 10 bis 13 Stunden und Schulkindern werden 9 bis 11 Stunden empfohlen. Erwachsene schlafen im Schnitt nur noch 7 bis 8 Stunden.

Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/

Moderation: Eric Mayer
Expert*innen: Jürgen Zulley, Thomas Schreiner
Autorinnen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Michaela Glebe, Lena Kohlwes
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Redaktion Kugel und Niere: Lena Kohlwes
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Hi Leute, hier ist Erik. Schläft da etwa schon jemand? Aufwachen! Es geht doch gerade erst los. Das ging jetzt mal raus an diejenigen von euch, die gerade im Bett liegen. Und das sind vermutlich gar nicht so wenige. Denn wir haben euch neulich gefragt, wann ihr Podcasts hört. Und 25 Prozent, also jede vierte Person, hat gesagt, zum Einschlafen.

Darum reden wir heute drüber. Also nicht übers Einschlafen, wobei das auch. Dafür gibt es am Ende dieser Folge ein paar richtig gute Tipps. Aber wir reden übers Schlafen an sich. Denn damit verbringen wir ein Drittel unseres Lebens. Ein Drittel, das ist ganz schön viel Zeit. Was wir damit alles anstellen könnten, wenn wir nicht jeden Abend ins Bett müssten und schlafen.

Endlos Serien bingen, jedes noch so dicke Buch bis zum Ende durchschmökern oder noch viel mehr schöne Zeit mit unseren Freundinnen und unserer Familie verbringen. Da frage ich mich doch, ist Schlafen nicht die reinste Zeitverschwendung? Muss das sein? Und falls ja, warum eigentlich? Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik.

Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder Genaues Zuhören finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Musik Musik Musik. Music. Ja, wozu brauchen wir Schlaf? Klären wir heute unter anderem, indem ich ihn einfach mal weglasse. Was passiert mit mir so ganz ohne Schlaf? Und wie lange kann ich das durchhalten?

Weiß ich nicht, probiere ich aus. Dafür hole ich mir Unterstützung, und zwar von Professor Zuley. Er ist einer der bekanntesten Schlafforscher Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Team wird er mich bei meinem Experiment überwachen und darauf achten, dass mir nichts passiert. Wir treffen uns in einem Ferienhaus. Hier kann ich ungestört so lange wach bleiben, wie es geht.

Denn die Ansage von Professor Zuley ist klar. Ja, jetzt wird nicht mehr geschlafen. Das Bett ist für mich also tabu. Wir starten das Experiment um 9 Uhr morgens. Ich bin zu diesem Zeitpunkt schon eine Stunde wach. Bevor es richtig losgeht, klären Professor Zuley und ich noch alles, was ich fürs Experiment wissen muss.

Was sind genau die Regeln? Ja, wichtig ist natürlich ab jetzt wach bleiben. Dazu muss man einiges tun. Und da würde ich empfehlen, also Bewegung, Sport machen, Spiele spielen ist auch was. Also ich habe ja auch, ich zeige Ihnen mal meine Taktik. Ich habe einiges dabei. Sport, wären schon mal meine Sportschuhe? Sport ist schon mal gut.

Für das Experiment habe ich eine große Tasche mit allen möglichen Hilfsmitteln gepackt. Professor Zuley prüft, welche davon ich nutzen darf. Genau, dann haben wir hier Obst. Obst essen, Snacks essen ist gut. Musik hören ist auch gut, aber es gibt auch ein zu viel an Musik. Also irgendwann könnte es auf die Nerven gehen, aber das wirst du merken.

Okay, die Sachen, die ich eingepackt habe, scheinen gar nicht so schlecht zu sein. Aber dann findet Professor Zulein noch etwas, was er gar nicht gut findet. Cola ist nicht gut oder Energydrinks, die halten wach und das zu wach, die sind ja ohnehin nicht gerade gesund. Und auch Kaffee höchstens so viel, wie du normalerweise auch trinkst.

Nehmen Sie mir das jetzt weg? Das nehme ich mit. Also Hilfsmittel wie Sport machen, Musik hören oder auch Snacks sind erlaubt. Cola und Energydrinks dagegen nicht. Na, dann ist ja alles geklärt. Das große Wissen drin schlaflos Experiment startet jetzt. Um rauszufinden, was der Schlafentzug alles mit mir macht, muss ich als erstes ein paar Tests absolvieren.

Auf diese Weise können wir später vergleichen, ob und wie meine Leistungsfähigkeit durch den Schlafentzug abnimmt. Wir starten mit einem Geschicklichkeitstest. Ich muss mit dem Fahrrad durch einen Slalom-Parcours fahren, den Herr Zuley und sein Team für mich in der Hauseinfahrt aufgebaut haben. Im wachen Zustand schon mal geschafft.

Das Fahrradfahren ist für mich kein Problem, klar. Dann steht ein Gedächtnistest an. Professor Zuley und sein Team bauen vor mir elf Gegenstände in einer Reihe auf. Ein Sparschwein, eine Frisbee, ein Gartenzwerg. Musst ihr all diese Gegenstände in genau dieser Reihenfolge werfen? Ich schaue die Gegenstände genau an und versuche mir, alles gut einzuprägen.

Nach zwei Minuten ist meine Zeit um. Ich muss mich von den Gegenständen wegdrehen und sagen, in welcher Reihenfolge sie da stehen. Also es geht los mit einem Helm. Dann kommt eine große Schere. Dann kommt ein Eierbecher. Dann ein Dinosaurier, ein Auto, eine Tocherbrille. Einen Totenkopf und eine Tröte. Geschafft. Auch den Gedächtnistest bestehe ich ohne große Probleme.

Als nächstes muss ich zehn Rechenaufgaben lösen. So, jetzt haben wir alle zehn durch. Und du hast von den 10 9 richtig. Das ist ein gutes Ergebnis. Jetzt, wo wir festgehalten haben, wie es mit meiner Geschicklichkeit, meinem Erinnerungsvermögen und meinen Rechenkünsten im ausgeschlafenen Zustand aussieht, kann das eigentliche Experiment losgehen, nämlich wach bleiben.

Der erste Tag verläuft unspektakulär. Ich lese, koche mir abends etwas zu essen und unterhalte mich mit dem Team von Professor Zuley, das rund um die Uhr dabei ist und sicherstellt, dass ich nicht einschlafe. Die Zeit vergeht wie im Flug. Also der erste schlaflose Tag ist überstanden, das war auch überhaupt kein Problem.

Jetzt liegt eine schlaflose Nacht vor mir und ich bin mal gespannt, wie die wird. Um drei Uhr nachts bin ich schon 19 Stunden wach. Das ist echt ungewohnt für mich. Normalerweise schlafe ich um diese Uhrzeit längst. Na, wie geht's dir? Das ist Barbara. Sie ist auch Schlafmedizinerin und Teil von Professor Zuleis' Team.

Und sie leistet mir in der Nacht Gesellschaft und passt auf. Ach, es geht. Also ich bin nicht so richtig müde, aber die Konzentration lässt nach. Das merke ich. Das ist alles so ein bisschen anstrengender als vorher. Am besten beschäftigt man sich in diesen Situationen mit was Neuem. Kannst du stricken? Nee. Dann bringe ich dir das jetzt mal bei.

Das ist echt ein guter Trick. Abwechslung und Beschäftigung wirken wie ein Aufputschmittel. Und so sorgt das Stricken dafür, dass ich mich wieder fitter fühle. Aber leider nur kurz. Denn nach einer Stunde sind die Symptome zurück. Nur viel schlimmer. Es ist jetzt 10 vor 4 in der Früh. Und ich habe irgendwie einfach nur Scheißlaute. Und ich würde gerne schlafen.

Ich will von Barbara wissen, was mit mir los ist. Gerade hatte mich das Stricken doch so gut abgelenkt. Jetzt um 4 Uhr will mein Körper einfach nur noch schlafen. Ja, das ist ganz typisch. Schon um die Uhrzeit fährt ein Körper auf Stand-by. Der möchte eigentlich schlafen. Das ist auch die Zeit, wo du normalerweise im Bett liegst.

Und es fühlt sich einfach auch so an. Und es geht so schnell dann? Es geht ziemlich schnell. Zwischen drei und vier ist so der Tiefpunkt, den man da erreicht. Ich glaube, ich könnte sofort anpeinen jetzt. Vielleicht magst du mal kalt duschen gehen. Das fördert oder regt den Kreislauf an. Dann bist du vielleicht wieder ein bisschen fitter.

Gesagt, getan. Ich springe unter die Dusche und drehe den Hahn ganz nach rechts. Also auf eiskalt. Oh, das ist kein, das ist ja kein, ja kein, ja kein, ja kein, ja kein, Nach der kalten Dusche bin ich wieder hellwach und zum Glück wird es auch langsam wieder hell. Zeit für einen Zwischenstand, findet Professor Zuley.

So, du bist ja jetzt seit über 24 Stunden wach. Wie geht es dir denn? Also nicht so gut, muss ich sagen. Ich bin total müde. Ich hatte heute Nacht sehr starke Kopfschmerzen, das geht jetzt, aber ich fühle mich total matt und kann mich nicht konzentrieren. Nach 24 Stunden wach sein, bin ich also schon ziemlich hinüber.

Mal sehen, wie sich das auf meine Testergebnisse auswirken wird. Vorher klären wir aber noch, was überhaupt in unserem Körper passiert, während wir schlafen. Was also auch in meinem Körper passiert wäre, wenn ich geschlafen hätte? Hier kommt unsere Rubrik Besser Wissen drin. Besser Wissen drin. Schlaf ist super wichtig. Unser Körper und unser Gehirn brauchen ihn, um sich zu erholen.

Aber was heißt das eigentlich konkret? Während wir schlafen, schlägt unser Herz langsamer und unser Blutdruck sinkt. Keine Sorge, das ist nicht gefährlich, sondern gut. So spart unser Körper Energie, die er nun für eine Art Generalüberholung einsetzt. Erholung, das heißt für unseren Körper nämlich vor allem Erneuerung.

Unser Knochenmark zum Beispiel bildet nachts viele neue Immunzellen, die Krankheitserreger bekämpfen. Wer wenig schläft, wird also öfter krank. Auch unsere Haut regeneriert nachts. Das heißt, sie ersetzt geschädigte Zellen durch neue. Ohne Schlaf sehen wir also schnell ziemlich alt aus. Besonders aktiv ist nachts aber unser Gehirn. Es geht da nämlich nochmal die vielen Informationen durch, die am Tag auf uns eingeprasselt sind und sortiert Unwichtiges aus.

Vor allem dadurch fühlen wir uns morgens so erholt. Wir haben den Kopf wieder frei. Ohne Schlaf dagegen könnten wir schon bald keine neuen Eindrücke mehr aufnehmen. Vielleicht kennt ihr die Redensart, morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Der Rat hat einen wahren Kern. Nach einer Mütze Schlaf wirken manche Probleme tatsächlich gar nicht mehr so schlimm.

Das liegt daran, dass über Nacht das Stresshormon Cortisol abgebaut wird. Deswegen wachen wir morgens gelassener und weniger gestresst auf. Wer dagegen zu wenig schläft, ist eher angespannt und leicht reizbar. Während des Schlafens werden außerdem Wachstumshormone ausgeschüttet. Weil Erwachsene nicht mehr wachsen, brauchen sie davon nicht mehr so viel.

Ihnen reichen deshalb sieben bis acht Stunden Schlaf. Kleine Babys dagegen schlafen bis zu 17 Stunden pro Tag. Kita-Kinder immerhin noch bis zu 13 Stunden und Schulkindern werden neun bis elf Stunden empfohlen. Schlaf ist also so etwas wie eine Superkraft, die wir alle haben. Denn genug Schlafen macht uns entspannter, stärker und gesünder.

Und nicht nur das. Schlaf hilft auch beim Lernen. Dazu später mehr. Erstmal zurück zu meinem Wachbleiben-Experiment. Ich bin ja bereits seit 24 Stunden wach. Und jetzt wird's ernst. Professor Zuley will testen, wie sich der Schlafentzug auf meine Leistungsfähigkeit auswirkt. Anhand der drei kleinen Prüfungen, die ich morgens im fitten Zustand bereits absolviert hatte.

Ja, dann machen wir am besten gleich mal den Test von gestern, wo du die Gegenstände hier merken musst. Frisch ausgeschlafen war das ja kein Problem. Aber jetzt fällt es mir viel schwerer, mir die Reihenfolge der Gegenstände zu merken. Die sind heute natürlich neu angeordnet. Stopp. Die Dinosaurier, dann der Würfel und dann kam wieder irgendein Tier, glaube ich.

Schon beim dritten Gegenstand wird es schwierig. Dabei habe ich mir einen Tag vorher alle elf Gegenstände ohne Probleme merken können. Man sieht hier ganz deutlich gegenüber dem Test von gestern, dass die Konzentration deutlich schlechter ist. Nach fast 25 Stunden Nachsagen, ja. Der Schlafentzug hat also einen großen Einfluss auf mein Gedächtnis.

Ob es beim Rechnen ähnlich große Effekte geben wird? 30 plus 2, 32 minus 15, 27, 17? Falsch. Ah, Mist. Ich höre immer den Anfang, da bleibe ich dann hängen und das Ende höre ich irgendwie gar nicht mehr. Ja, das ist eine typische Folge von Übermüdung letztendlich. Am Anfang geht es noch, ganz kurz kann man sich konzentrieren, Aber dann lässt die Aufmerksamkeitsspanne nach.

Also, der Schlafanzug führt dazu, dass ich mich nicht mehr gut konzentrieren kann. Und so verrechne ich mich auch schneller. Jetzt steht noch der letzte Test an, Fahrradfahren. Der Start ist eigentlich ganz leicht. Aber ich muss dann beim Slalomfahren ab und zu den Fuß absetzen, um nicht umzukippen. Okay, es war nicht so gut. Ja, nee, also ich meine, aber es war okay.

Es war okay, aber es war doch deutlich schlechter als gestern. Ja, also die Leistung ist echt abgefallen. Das heißt, die Leistung ist klar abgefallen. Und da sieht man auch, was das für Folgen hat. Eben zu wenig schlafen oder überhaupt nicht schlafen eine ganze Nacht. Das ist ja geradezu gefährlich. Jetzt nehmen wir mal andere zum Straßenverkehr fahren.

Das ist nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Heißt, übermüdet sollte man nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Egal ob als Fußgänger, Fahrrad und schon gar nicht als Autofahrer. Wir brauchen dann länger, um zu reagieren und können Gefahrensituationen viel schlechter einschätzen. Zum Beispiel die Geschwindigkeit von einem heranfahrenden Auto.

Obwohl ich diese Effekte schon sehr deutlich spüre, geht mein Experiment weiter. Nach 30 wachen Stunden erwartet mich der nächste Tiefpunkt. Das liegt an einem Stoff namens Adenosin, von dem sich immer mehr in unserem Körper ansammelt, desto länger wir wach sind. Das Adenosin erhöht dann langsam den sogenannten Schlafdruck, also den Drang zu schlafen, ähnlich wie ein leerer Magen Hunger auslöst.

Ich versuche trotzdem, irgendwie wach zu bleiben und gehe deswegen joggen. Professor Zuley merkt, lange werde ich wohl nicht mehr durchhalten. Irgendwann wird Erik einschlafen, ob er will oder nicht. Das heißt, mit Gewalt sozusagen kann man wirklich nur eine Zeit lang wach bleiben und irgendwann, wir nennen das so, dann kommt der Mann mit dem Hammer, man wird auf einmal so müde und schläft ein.

Aber genau das will ich ja so weit wie möglich hinauszögern. Während Experiment Erik also versucht, sich irgendwie wach zu halten und weiter joggt, schauen wir uns noch einen ganz besonderen positiven Effekt des Schlafs an. Er hilft unserem Gehirn beim Lernen. Wie? Das erklärt mir ein anderer Schlafforscher, dessen Spezialgebiet das ist und mit dem ich deshalb darüber gesprochen habe.

Mein Name ist Thomas Schreiner. Ich führe hier in der LMU München eine Nachwuchsforschergruppe zum Thema Schlaf und Gedächtnis. Also interessiert, wie das Hirngedächtnis stärkt im Schlaf. Dafür untersucht er Menschen in seinem Schlaflabor. Die kommen am Abend im Schlaflabor, im Idealfall, wenn sie schon ein bisschen müde sind. Und was zuerst passiert ist, dass wir so EEG-Kappen auf den Kopf anbringen bei unseren Versuchspersonen.

Ihr könnt euch das so vorstellen, dass die Testschläfer kleine Plättchen mit Kabeln an den Kopf geklebt bekommen. So kann Thomas Schreiner die Hirnaktivität der schlafenden Personen messen. Das sieht zwar ein bisschen verrückt aus, ist aber ganz harmlos. Tut auch gar nicht weh. Jedenfalls bekommen die Menschen dann vor dem Schlafen Gedächtnisübungen und müssen sich bestimmte Wörter und Gegenstände merken.

So ein bisschen wie bei meinem eigenen Schlafexperiment mit Professor Zuley. Der große Unterschied ist, während ich ja wach geblieben bin, sollen die Menschen im Schlaflabor, na klar, schlafen. Am nächsten Tag wird dann gemessen, an wie viel sich die Versuchspersonen noch erinnern können. Verschiedene Studien haben so gezeigt, durch den Schlaf konnten sich die Leute besonders gut an die Sachen erinnern.

Besser als die Vergleichsgruppe, die den Test tagsüber gemacht hat, danach also nicht geschlafen hat. Und das ist im Schnitt ein Unterschied von 20 Prozent. Also dass man sich um 20 Prozent besser erinnern kann, wenn man geschlafen hat, im Vergleich zu wenn man wach geblieben ist. Wie praktisch! Man muss dafür also nichts machen, außer schlafen.

Wir haben ja vorhin schon gehört, dass das Gehirn im Schlaf unwichtige Informationen aussortiert. Aber es passiert eben noch mehr. Aber ohne dass wir es merken, werden diese Dinge, die wir untertags erleben, einfach wieder abgespielt, ganz unbewusst. Und durch dieses Abspielen, das passiert wiederholt, also immer wieder im Schlaf, werden diese Erinnerungen gestärkt, sodass wir sie uns auch dann langfristig merken können.

Ja, so ein bisschen wie ein Film, der immer wieder durchläuft und neu gestartet wird. So werden unsere Erinnerungen gefestigt. Und das könnt ihr auch für euch nutzen. Zum Beispiel, wenn ihr vor einer Klassenarbeit lernen müsst. Das heißt, wenn man jetzt auch eine Prüfung lernt, ist es natürlich durchaus geschickt, dann die Lerninhalte vor dem Schlaf nochmal, bevor man sich schlafen legt, sich selber vielleicht nochmal abzuprüfen, weil das genau die Inhalte sind, die dann am meisten oder am stärksten von Schlaf profitieren.

Das funktioniert am besten, wenn ihr euch den Lernstoff nicht einfach nur durchlest, sondern wirklich aktiv wiederholt. Zum Beispiel, indem ihr Vokabeln abdeckt, euch also quasi selbst abfragt. Denn je angestrengter das Gehirn dabei ist, desto eher spielt es genau diese Sachen dann im Schlaf wieder ab.

Echter Lifehack also. Bei meinem Selbstexperiment bringt mir das aber erstmal herzlich wenig, denn schlafen darf ich ja schließlich nicht und zum Lernen wäre ich jetzt eh viel zu platt. Inzwischen ist der zweite Abend angebrochen. Der Versuch läuft seit 34 Stunden. Oh Leute, es wird schon wieder dunkel. Ich war gestern den ganzen Tag wach, dann war ich die ganze Nacht wach, dann heute den ganzen Tag, jetzt kommt schon die nächste Nacht und ich habe echt einen Tiefpunkt.

Ich versuche, alle Tricks anzuwenden. Mich ablenken, Musik hören, Bewegung, etwas essen. Trotzdem brennen meine Augen. Ich bin kraftlos und vor allem müde. Und nach 45 Stunden und 38 Minuten wach sein, passiert dann das, was Professor Zuley angekündigt hat. Ich bin so müde, dass ich mich nicht mehr bewegen mag und stattdessen zur Ablenkung Fernsehen gucke.

Und dann kann ich einfach nicht mehr anders und schlafe ein. So Leute, das Experiment ist vorbei. Ich habe echt lange durchgehalten. Den Weltrekord im Wachbleiben hält übrigens der Brite Tony Wright. Der hat es geschafft, ganze 266 Stunden, also knapp elf Tage wach zu bleiben. Unfassbar. Dieser Rekord kann übrigens nicht mehr gebrochen werden, denn die Leute von Guinness World Records nehmen keine neuen Versuche mehr an.

Die Begründung, Schlafentzug hat zu viele negative Effekte auf Körper und Geist. Und wenn ich daran denke, wie es mir bereits nach zwei Tagen ohne Schlaf ging, ist das eine ziemlich vernünftige Entscheidung, wie ich finde. Dass ihr mein Experiment zu Hause also bitte nicht nachmacht, brauche ich ja hoffentlich gar nicht erst zu erwähnen.

Wenn ich also was aus dieser Folge mitnehme und ihr hoffentlich auch, dann ganz klar das. Nicht schlafen ist echt schlecht und schlafen definitiv keine Zeitverschwendung, sondern absolut notwendig und darüber hinaus auch ziemlich super. Es hilft euch dabei, Erinnerungen und Gelerntes abzuspeichern. Ihr wachst im Schlaf und gebt gleichzeitig eurem Körper Ruhe, damit er gesund und fit bleiben kann.

Falls ihr manchmal Probleme habt, einzuschlafen, habe ich hier noch drei Tipps für euch. Erstens. Schafft euch Routinen. Wenn ihr immer zur gleichen Zeit ins Bett geht, gewöhnt sich euer Körper irgendwann an die Schlafenszeit und schüttet dann mehr vom Schlafhormon Melatonin aus. Der Körper weiß dann, jetzt ist Schlafenszeit. Deswegen auch am Wochenende nicht zu spät ins Bett gehen.

Zweitens. Vermeidet vor dem Schlafengehen helles Licht und Bildschirme. Die hindern den Körper nämlich daran, das Schlafhormon Melatonin zu produzieren. Besser ist es, das Licht 30 Minuten vor dem Schlafengehen zu dimmen und sich so langsam auf den Schlaf vorzubereiten. Drittens. Wenn ihr wirklich mal wach im Bett liegt und nicht einschlafen könnt, probiert doch mal eine Atemübung aus.

Die beruhigt euer Nervensystem, baut Stress ab, verlangsamt den Herzschlag und hilft euch so beim Einschlafen. Kommt, wir machen mal die 4-7-8-Übung zusammen. Also, atme einmal tief durch die Nase ein und zähle dabei in Gedanken bis 4. Halte den Atem an und zähle dabei bis 7. 3, 4, 5, 6, 7. Und jetzt atmen wir langsam durch den Mund aus und zählen innerlich bis 8.

Wiederhol das ein paar Mal und glaub mir, dann schläfst du, bevor du es richtig merkst, ein. Und jetzt gute Nacht. Das war Purplus Wissen drin mit mir, Erik. Schreibt mir gerne, wie euch die Folge gefallen hat. An wissendrin.zdf.de oder in die Kommentare auf der Podcast-Seite. Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst.

Oder schaut doch mal unter zdftv.de auf unserem ZDF-Streaming-Portal vorbei. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion PUR+. Music.

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