PUR+ Wissendrin mit Eric

24| Demokratie: Darum ist sie anstrengend – aber superwichtig

Freitag, 20. Juni 2025 · 24 min

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Shownotes

In einer Demokratie dürfen alle mitbestimmen – doch wie kann das klappen mit den vielen verschiedenen Menschen und Ansichten in einem Land oder auch nur in einer Schule? Eric startet dazu ein Experiment mit Frankfurter Jugendlichen. Zunächst sollen sie sich zu verschiedenen Aussagen positionieren: Fleisch in der Mensa, Handynutzung in der Schule, das Ziel der nächsten Klassenfahrt – nicht immer sind alle einer Meinung und es wird heiß diskutiert. Im zweiten Teil des Experiments geht es ums Gestalten eines Schulhofs und es wird noch komplizierter: Viele Bedürfnisse müssen berücksichtigt und gemeinsam Kompromisse gefunden werden. Und dann gibt es da auch noch einen, der alles allein entscheiden will… //

Für die Menschen in Deutschland ist Demokratie heute normal: Wir gehen wählen (ab 18), dürfen demonstrieren, können überall unsere Meinung sagen und werden vor Unrecht geschützt. Richter*innen können selbstständig Urteile fällen. Politiker*innen dürfen sich nicht einmischen – genauso wenig, wie sie Journalist*innen vorschreiben dürfen, worüber sie berichten oder worüber sie schweigen sollen. Das gehört zur so genannten „Gewaltenteilung“, die wichtig ist für das Funktionieren und den Fortbestand der Demokratie. Aber das alles ist nicht selbstverständlich. In vielen Ländern auf der Welt gibt es das nicht (derzeit stehen 88 Demokratien 91 Autokratien gegenüber). Auch unsere Demokratie ist erst ein bisschen mehr als 75 Jahre alt (und könnte zerbröseln, wenn wir sie nicht pflegen). //

Anders als in einer Autokratie geht in einer Demokratie, wie es heißt, „die Macht vom Volke aus“. Dazu gehören große Wahlen, wie die Bundestagswahl – aber auch kleine Abstimmungen, wie eine Klassensprecher*innenwahl. Wahlen gibt es aus folgendem Grund: Die Gesellschaft trifft in einer Demokratie nicht jede einzelne Entscheidung selbst – das würde viel zu viel Zeit kosten. Sie wählt Parteien und Politiker*innen, die z.B. in Parlamenten Entscheidungen für sie treffen (und auch dafür bezahlt werden, dass sie sich vor jeder einzelnen Abstimmung besonders gut informieren). Unser wichtigstes Parlament ist der Bundestag in unserer Hauptstadt Berlin. Dort vertreten uns derzeit 630 Abgeordnete. Das sind immer noch sehr viele Menschen, findet Eric, und fragt sich, wie die es schaffen, sich über ein Gesetz zu einigen. Er erfährt es von der Bundesabgeordneten Catarina dos Santos-Wintz, die ihm erklärt, wie genau das funktioniert.

Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/

Moderation: Eric Mayer
Expert*innen: Dr. Eva Krick, Catarina dos Santos-Wintz
Autorinnen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Lena Kohlwes, Ute Mattigkeit, Nadja Stein
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Redaktion Kugel und Niere: Lena Kohlwes
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Sprüche klopfen, nichts hingekriegt. Sie sind das, die nichts schaffen. Sie haben gesagt, Sie haben keine Lust mehr und sind einfach aufgestanden, weil Sie keine Argumente mehr hatten. Und jetzt werfen Sie uns vor, wir wollen nicht mit Ihnen reden. Waren Sie auf einem anderen Stand unterwegs? Sind Sie in einer anderen Welt unterwegs gewesen?

Stopp, das reicht. Selbst wenn man nicht weiß, über was genau die sich da eigentlich streiten, Denn eins ist ja wohl klar, die sind ziemlich unterschiedlicher Meinung. Aber erstmal, hi Leute, hier ist Erik. Willkommen bei Wissen drin. Und? Habt ihr erraten, wer da gerade gesprochen hat? Und wo? Ich löse mal auf. Das waren Politikerinnen und Politiker im Deutschen Bundestag in Berlin.

Sie treffen Entscheidungen für unser Land, also für uns alle, auch für euch. Und wie ihr gemerkt habt, geht es dabei manchmal ganz schön hitzig zu. Sie sind das, die nichts schaffen. Kein Wunder, denn im Bundestag sitzen gerade 630 Abgeordnete. Wow! 630. Alles Menschen, die von uns, dem Volk, als unsere Vertreterinnen gewählt wurden.

Stellt euch vor, ihr müsstet mit 630 Leuten, die ihr oft auch gar nicht kennt, eine wichtige Entscheidung treffen. Das wäre gar nicht so leicht, oder? Deshalb wird im Bundestag viel geredet und ja, auch gestritten. Schließlich geht es in der Politik um wichtige Themen, zum Beispiel wie viel für den Umweltschutz und gegen die Klimakrise getan werden soll oder wie Kinder vor Armut geschützt werden können.

Man muss sich das alles wie ein großes Teamspiel vorstellen, bei dem alle mitbestimmen dürfen, eben demokratisch. Nur wie schafft man es, die Interessen aller unter einen Hut zu bringen? Ihr hört Wissen Drin, den Podcast von Purplus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren finden lassen.

Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Wie Demokratie funktioniert und was sie uns bringt, probiere ich aus. Aber nicht im Bundestag, sondern ein bisschen übersüchtlicher mit den Schülerinnen und Schülern der IGS Nordend in Frankfurt. Mit dabei sind Esra, Jone, Silas, Liv, ich bin der Neven, Paul, ich bin der Neo, Ella, Oskar, ich bin der Benjamin.

Sie alle kommen zwar von der gleichen Schule, gehen aber in unterschiedliche Klassen und Stufen. Von der fünften bis zur zehnten Klasse ist alles vertreten. Ich würde gerne mit euch starten mit einem Experiment. Und dafür habe ich, das seht ihr hier, habe ich einen Halbkreis auf den Boden geklebt. Den Halbkreis nutzen wir als Stimmungsbarometer.

Mit dem wollen wir in zwei Durchgängen die demokratische Entscheidungsfindung nachstellen. So ähnlich wie auch die Abgeordneten im Bundestag über Ideen für neue Gesetze diskutieren, bis sich alle eine Meinung gebildet haben. Ich werde den Schülerinnen und Schülern zwei Aussagen vorlesen. Sie sollen sich dann auf dem Halbkreis positionieren. So können gleich alle sehen, wer dafür ist, wer dagegen und wer vielleicht noch unentschlossen. Und das geht so.

Wer der jeweiligen Aussage zustimmt, stellt sich ganz nach rechts. Diese Seite ist grün eingefärbt. Die linke Seite dagegen ist rot eingefärbt für Ablehnung. Je weiter man rechts steht, desto mehr stimmt man zu. Grün. Und je weiter man links steht, desto mehr ist man dagegen. Rot. Und dann gibt es da noch jemanden, der das gesamte Experiment beobachtet. Ich bin Eva.

Dr. Eva Krieg ist Politik-Expertin und ist deswegen ganz gespannt, ob sich unsere Schülerinnen und Schüler einigen können. Okay, alle bereit? Dann starten wir unser Purplus-Experiment. Wir starten mit der ersten von zwei Aussagen. Schülerinnen und Schüler dürfen komplett alleine darüber bestimmen, wohin eine Klassenfahrt geht. Überlegt euch, wo ihr euch positioniert.

Alle überlegen kurz und verteilen sich dann auf dem Halbkreis. Und eigentlich ist das Stimmungsbild ziemlich einheitlich. Ihr seid alle in der Mitte? Das ist ja interessant. Alle haben sich mehr oder weniger in der Mitte des Halbkreises aufgestellt. Das bedeutet, dass sie der Aussage weder völlig zustimmen, noch sie total ablehnen. Ein Zwischending eben.

Ich will wissen, warum. Neven fängt an. Weil ich finde, auch Schüler sollten mitreden dürfen. Aber es sollte nicht nur von Schülern gesagt werden, weil die Lehrer haben ja natürlich die Verantwortung. Aber wenn die Lehrer zum Beispiel irgendwas machen, worauf die Schüler wirklich gar keine Lust haben, ist ja auch irgendwie so, weil die Schüler, also die Eltern bezahlen das ja auch, haben ja auch dann ein Mitspracherecht.

Ah, verstehe. Schülerinnen und Schüler sollten laut Neven zwar ein Mitspracherecht haben, aber nicht ganz alleine entscheiden dürfen. Denn wenn nur eine Gruppe entscheidet, gibt es auch immer eine Minderheit, die einfach mitmachen muss. Aber ist das fair? Das will ich von Esra wissen. Also ja, ich finde, damit muss man leben können, weil so ist halt quasi unser System auch ein bisschen aufgebaut hat mit Demokratie.

Das ist ja nicht nur in der Schule so, sondern eigentlich überall. Es gibt immer eine Minderheit. Es wird sich nie jeder einfach, also ich fände sich nie alle einfach einig sein. Und deswegen finde ich, es ist okay, wenn die Mehrheit eben sich dafür entschieden hat, dass es dann so ist. Aber es kann manchmal ein fieses Gefühl sein, oder?

Also nehmen wir mal an, ich weiß nicht Silas, wenn du jetzt sagen würdest, du willst unbedingt an die Nordsee und alle anderen voten dann für die Ostsee zum Beispiel. Klar fände ich das für mich jetzt vielleicht nicht so cool. Aber ich finde es immer noch besser, wenn jeder die Meinung hat, abzustimmen.

Das finde ich immer noch viel besser, als wenn jetzt Einzelne oder eine Person etwas entscheidet. Da sprechen Esra und Silas etwas sehr Wichtiges an. In einer Demokratie darf jeder mitreden. Das ist gut und wichtig. Das bedeutet aber auch, dass sich manchmal eben nicht die eigene Meinung durchsetzt und die Klassenfahrt dann an einen Ort geht, auf den man selbst gar keine Lust hat.

Wie findet man jetzt aber eine Lösung, wenn alle verschiedene Meinungen und Ideen haben? Jone hat da eine Idee. Also zum Beispiel, wenn ein Kind sagt, wir würden gerne nach Spanien oder so, dann gucken die Lehrer, ob es da vielleicht eine gute Unterkunft gibt oder ob das da gut ist und ob man da Sachen machen kann mit der Klasse.

Und dass man das so ein bisschen zusammen entscheidet, also dass auch vielleicht die Lehrer Vorschläge machen können und schon sagen können, da ist es okay und da nicht. Aber dass es nicht komplett so gesagt wird, wir fallen jetzt in die Nordsee. Das finde ich ganz spannend. Du hast eigentlich so einen Kompromiss jetzt gerade beschrieben.

Ein Kompromiss bedeutet, dass nicht einer allein seine Meinung durchsetzt, sondern man zusammen eine Lösung findet, mit der alle zufrieden sind. Dafür müssen aber auch Zugeständnisse gemacht werden. Bei unserem Beispiel mit der Klassenfahrt könnte das so aussehen. Die meisten der Schülerinnen und Schüler wollen ans Meer, am liebsten nach Spanien.

Den Lehrern ist das aber zu weit weg. und zu teuer. Ein Kompromiss wäre dann vielleicht die Nordsee. Trotzdem mehr, aber etwas günstiger. Auch im Deutschen Bundestag werden jeden Tag Kompromisse gemacht. Die Politikerinnen und Politiker versuchen Lösungen zu finden, von denen sie hoffen, dass ein Großteil der rund 80 Millionen Deutschen damit zufrieden ist.

Und das ist gar nicht so leicht. Deswegen dauert es im Bundestag auch manchmal sehr lange, erklärt uns Politikexpertin Eva. Bevor eine Entscheidung im Bundestag gefällt wird, wird das monatelang vorbereitet, weil man versucht, so gut wie möglich die Betroffenen Sichtweisen einzubeziehen, Interessengruppen einzubeziehen, verschiedene Interessengruppen, Expertinnen und Experten, auch die Vertreter der Bundesländer, um so schließlich einen guten Kompromiss zu finden, mit dem möglichst viele gut leben können.

Weiter geht's mit unserem Experiment und der nächsten Aussage. Jetzt, wo wir festgehalten haben, dass man in einer Demokratie auch mal zurückstecken muss, bin ich umso gespannter, wie die Schülerinnen und Schüler sich jetzt wohl entscheiden werden. Aussage Nummer zwei. Wenn in der Schule viele Fleisch essen, gibt es in der Mensa auch nur Fleisch und keine vegetarischen oder veganen Gerichte mehr.

Also wenn die Mehrheit Fleisch isst, gibt es keine vegetarischen Gerichte. Auch hier sind sich die Schülerinnen und Schüler sehr einig. Alle stehen auf der roten linken Seite, stimmen der Aussage also nicht zu. Ich will wissen, warum. Ella fängt an. Also ich finde einerseits, da muss man zwar weniger kochen und vielleicht wird auch nicht so viel weggeschmissen. Aber andererseits, Leute sind vielleicht in Religionen auch, wo sie kein Fleisch essen dürfen oder sowas.

Das ist halt dann duft, dann müssen die sich immer Essen mitbringen oder so. Und ich finde schon, dass es beides geben sollte. Auch Levin findet, es sollte immer auch eine Option ohne Fleisch geben. Ich finde, es sollte auch richtig genommen werden. Es gibt ja auch ethische Gründe, warum man kein Fleisch essen würde.

Und dass man aber vielleicht die Option hat, vielleicht mag man das Fleischgericht auch nicht. Da kann man aufs Vegetarische zurückgreifen. Das ist doch jetzt interessant. Vorhin bei der Frage mit der Klassenfahrt hieß es ja noch, die Minderheit muss sich in einer Demokratie nun mal anpassen. Hier sagen jetzt aber die Schülerinnen und Schüler, die Minderheit muss mitgedacht werden.

Benjamin findet eine gute Erklärung. Also natürlich muss man auch auf die Minderheit achten. Und wenn man sich auch eher in die hineinversetzt oder halt versucht, sich in die hineinzuversetzen, dann kann man auch eher einen kompromiss treffen oder so. Und deswegen ist es halt auch sehr wichtig, dass man auch versucht, sich in die anderen hereinzuversetzen.

Auch das gehört zu einer Demokratie. Nicht nur die eigenen Interessen im Blick zu haben, sondern auch die der anderen. Deswegen ist auch in unserem Grundgesetz festgehalten, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, Alters, seiner Religion, seiner Herkunft oder seiner Sexualität benachteiligt werden darf.

Und aus diesem Grund ist es auch im Sinne der Demokratie zu gewährleisten, dass alle in der Mensa mitessen dürfen, egal ob sie Fleisch essen oder nicht. Ziemlich gutes System, oder? Aber wusstet ihr, dass nicht mal die Hälfte der Menschen auf der Welt in einer Demokratie lebt? In vielen nicht-demokratischen Ländern wie China, Russland, Saudi-Arabien oder Iran gibt es stattdessen eine Regierungsform, die Autokratie heißt.

Übersetzt Alleinherrschaft. Manche sagen dazu auch Diktatur. Wie es dort läuft und wie sich Demokratien dagegen abgrenzen, erfahrt ihr in unserer Rubrik Besser Wissen Drin. In Autokratien gibt es eine mächtige Person oder Partei, die das Sagen hat. Die kann im Prinzip machen, was sie will. Und was sie meist nicht will, ist kritisiert zu werden.

Deshalb dürfen Bürgerinnen und Bürger in einer Autokratie nicht einfach so ihre Meinung sagen. Wer gegen das Regime ist, wird bestraft. Und was die Machthaber meist wollen, ist an der Macht bleiben. Deshalb gibt es in Autokratien entweder keine Wahlen oder, wenn es doch welche gibt, sind diese nicht frei und fair.

Zum Beispiel, weil die Menschen nicht geheim wählen dürfen, weil sie keine Informationen über andere Parteien bekommen oder weil Konkurrenzkandidaten vor der Wahl einfach eingesperrt werden. Damit in einer Demokratie so etwas nicht passiert, haben sich die Philosophen Locke und Montesquieu vor rund 300 Jahren etwas ziemlich Geniales ausgedacht.

Die sogenannte Gewaltenteilung. Die Idee, damit niemand die Macht an sich reißt und aus einer Demokratie eine Diktatur macht, kontrollieren sich verschiedene Teile des Staates gegenseitig. Deshalb gibt es bei uns zum Beispiel unabhängige Gerichte wie das Bundesverfassungsgericht. Die Richterinnen und Richter sorgen nicht nur dafür, dass die Menschen im Land sich an die Gesetze halten, sondern eben auch der Staat selbst.

Auch der Journalismus, also Fernsehen, Zeitungen, Radio und Co. Gehören zur Idee der Gewaltenteilung. Also auch wir hier bei Wissen drin. Denn nur mit guter, unabhängiger Berichterstattung über das, was die Politik macht oder was die Wissenschaft herausfindet, können sich Menschen ein klares Bild machen und so eine vernünftige Wahlentscheidung treffen.

Genau deshalb ist übrigens der Journalismus meist das Erste, was Autokraten unter ihre Kontrolle bringen, damit die Medien beispielsweise nicht darüber berichten können, wie sie ihre politischen Gegner ausschalten. So war das auch, als Adolf Hitler Deutschlands erste Demokratie ab 1933 in eine Diktatur umwandelte. wandelte.

Habt ihr sicher schon mal gehört. Das ging damals auch deshalb so leicht, weil die Gewaltenteilung noch nicht so stark war wie heute. Aber auch heute gibt es in manchen demokratischen Ländern wieder so einen Hang zur Autokratie. Manche Leute finden, dass in einer Autokratie oder Diktatur nicht alle Menschen mitreden und bestimmen, könnte auch ein Vorteil sein.

Dadurch könnten Entscheidungen schneller und klarer getroffen werden. Wie das in der Praxis aussehen kann, das finden wir im nächsten Teil unseres Experiments raus. Die Schülerinnen und Schüler bekommen jetzt nämlich eine neue Aufgabe. Stellt euch vor, euer Schulhof wird komplett neu gestaltet. Ihr sollt jetzt entscheiden, wie soll dieser Schulhof gestaltet werden.

Um das zu entscheiden, bekommt die Gruppe von uns verschiedene, unterschiedlich große Tafeln. Auf jeder Tafel ist eine Beschäftigungsmöglichkeit abgebildet, die der neue Schulhof haben könnte. Zum Beispiel ein Klettergerüst, eine Chill-Out-Area oder ein Beet. Auf den Boden haben wir ein großes, leeres Quadrat geklebt. Das stellt den Schulhof dar.

Darauf soll die Gruppe nun die Tafeln mit den Dingen anordnen, die sie sich auf ihrem neuen Schulhof wünscht. Es gibt nur ein Problem. Ihr seht, es ist viel mehr, als drauf passt. Das heißt, eure Aufgabe ist es jetzt, zu überlegen, was wollt ihr eigentlich auf diesem Schulhof haben. Und das bedeutet auch, vermutlich wird nicht jeder alle seine Wünsche durchsetzen können.

Ich bin total gespannt, wie die Gruppe entscheiden wird, welche Vorschläge sich durchsetzen und welche nicht. Erstmal schauen sich alle an, welche Gestaltungsmöglichkeiten es überhaupt gibt. Und einer legt auch direkt los. Neo schnappt sich einfach ein paar Tafeln und fängt an, sie auf dem Schulhofquadrat anzuordnen.

Die anderen gucken ziemlich irritiert. Und versuchen auch, Neo anzusprechen. Aber Neo lässt sich nicht abbringen und macht einfach weiter. Dass die anderen das blöd finden, scheint ihm total egal zu sein. Deswegen macht Silas, der seine Favoriten wie die anderen erst mal nur notiert hat, dann einen Vorschlag.

Ja, aber man kann ja erst mal so rundlegen. Jeder kann so ein bisschen sein Zeug sagen, was er jetzt aufgeschrieben hat. Die Gruppe fängt an, Neo zu ignorieren. Jeder sagt erst mal, was er oder sie gerne auf dem Schulhof hätte. Okay, also ich habe den Biogarten, dann Insektenhotels, Aufladestationen, also diese Solardinger da, Kompost und dieses Freiluftklassenzimmer.

Dann stimmen die Schülerinnen und Schüler ab und finden so heraus, was die meisten Stimmen bekommt. Nur Neo, der stimmt nicht ab, sondern legt die Sachen schon hin, so wie er das möchte, egal was die anderen sagen und ist damit viel schneller. Während die anderen noch diskutieren, hat Neo schon fast den ganzen Schulhof fertig gestaltet. Ich unterbreche mal.

Jetzt liegen ja schon so ein paar Sachen. Neo hat schon was hingelegt. Wie findet ihr das? Ich war ein bisschen so, was geht jetzt ab? Naja, also wir müssen halt erstmal gucken, was die Mehrheit sagt, was wir haben wollen. Damit dann jeder irgendwas hinlegt und dann halt, naja, für andere die wichtigsten Sachen kein Platz mehr sind oder so.

Weil wenn jeder das so macht, dann wird das halt eh nichts. Obwohl Neos Vorgehensweise schneller und unkomplizierter war, fand die Gruppe das nicht gut. Die Schülerinnen und Schüler wollten lieber selbst mitdiskutieren und herausfinden, was die Mehrheit am besten findet. Auch wenn das dafür länger dauert. Finde ich total spannend.

Was ich bisher aber noch nicht verraten habe. Neo ist ein Schauspieler. Ich habe ihm vorher gesagt, was er machen soll. Ich habe gesagt, leg mal ganz schnell da Sachen hin. Der Arme musste voll so gegen euch sich da hinstellen. Jetzt ist es raus. Wir wollten gucken, wie reagiert die Gruppe, wenn jemand einfach so sein Ding durchzieht und sich so gar nicht darum schert, was die anderen wollen.

Ich meine, könnte es auch sein, dass es einen Vorteil hat, wenn einer so sein Ding durchzieht und man dann halt einfach voll easy mitlaufen kann. Könnte das auch gut sein oder ist es nur schlecht? Also ich finde irgendwo, wenn jemand gute Ideen hat, die man unterstützt, finde ich es vom Ding her nicht schlecht.

Aber man muss ein bisschen aufpassen, weil eben tendiert man dann auch oft schnell dazu, dass man halt einfach nur mitläuft, weil man selber quasi Angst hat, so seine eigene Meinung quasi einzubringen. Wie geht man denn am besten damit um, wenn jemand sehr vehement seine eigenen Interessen durchsetzt.

Oskar hatte einen Vorschlag. Also ich glaube, dass man wird mit der kleinen Minderheit zu reden und ja, probiert dann von seiner eigenen Meinung zu überzeugen und dass man dann wieder zum Schluss kommt. Und Paul ergänzt? Man kann ja auch probieren, sie zu verstehen. Vielleicht ändert es ja auch die Meinung von denen. Wenn man die versteht, kann man gar nicht besser mit denen reden.

Miteinander reden, gegenseitig zuhören und verstehen, Dinge ausdiskutieren und verhandeln. Genau das macht eine Demokratie aus. Und jetzt, wo wir Neos Rolle aufgelöst haben, können die Schülerinnen und Schüler in Ruhe ihren Schulhof zu Ende planen. Nur, was mit ein paar Jugendlichen vielleicht noch ganz gut funktioniert, unterschiedliche Meinungen unter einen Hut bringen, das ist im Bundestag viel schwerer.

Ihr erinnert euch, 630 Abgeordnete. Wie kommt man da zu einem Kompromiss? Das kann mir hoffentlich Katharina dos Santos-Winz sagen. Sie ist Mitglied der Partei CDU und sitzt für sie auch im Bundestag. Und zwar als eine der jüngsten Abgeordneten. Ich habe ihr mal geschrieben. Katharina antwortet per Sprachnachricht.

Ganz, ganz oft sehen alle, okay, es gibt ein Problem, aber alle haben einen unterschiedlichen Weg, wie sie das lösen würden. Das widerspricht sich ganz oft natürlich und das als Kompromiss dann zu finden, ist eine der Hauptaufgaben, die es im Parlament gibt. Da sind wir wieder beim Kompromiss. Aber wie schafft man es denn nun, sich mit so vielen Leuten zu einigen?

Es gibt dann für fast alles, was es an politischen Themen gibt, einen Ausschuss. Das ist eigentlich wie eine Klasse, so ein bisschen. Nur, dass dann eben aus allen Parteien, je nach dem Ergebnis, wo sie gewählt wurden, die dann in dem Verhältnis auch in den Ausschüssen sitzen. Also es spiegelt sich alles wieder und in den Ausschüssen wird dann über bestimmte Themen diskutiert und da werden auch die Gesetze vorbereitet sozusagen.

Und da muss der Kompromiss dann richtig ausdiskutiert werden. Ah, okay. Diese Ausschüsse sind sowas wie AGs und dann eben viel kleiner als der Bundestag insgesamt. Deswegen können sich die Politikerinnen und Politiker hier auch besser im Gespräch austauschen und eine Einigung finden. So entstehen die Vorschläge für neue Gesetze im kleinen Kreis, über die dann aber wiederum alle im Bundestag abstimmen.

Dass die Vorarbeit in den Ausschüssen gemacht wird, hat aber noch einen weiteren Vorteil. So müssen sich nicht alle Abgeordneten mit allen politischen Themen perfekt auskennen. Sie spezialisieren sich auf wenige Themengebiete. Bei Katharina sind das die Themen Digitales und Europäische Union. Ziemlich speziell.

Angefangen hat sie aber mit etwas alltäglicheren Themen, damals noch zu Hause in Aachen. Also ich habe total gerne Kommunalpolitik gemacht. Das heißt im Stadtrat und im Kreistag. Da waren es die Sachen. Und das hat mich auch echt begeistert, dass man für seine Heimatstadt was machen kann. Also mein allererster Antrag, der ist jetzt schon über zehn Jahre her, da haben wir als JU, also Jugendorganisation, beantragt, dass E-Autos in der Innenstadt frei parken dürfen.

Und über Umwege kam es dann halt echt dazu, dass an diesen Automaten so ein Schild klebte, zwei Stunden frei. Und das war halt ein total cooles Gefühl, weil man für seine Heimatstadt was machen konnte. Und an dieser Stelle muss ich es einfach kurz loswerden. Demokratie lebt davon, dass Menschen mitmachen. So wie Katharina.

Schaut euch doch auch mal die Jugendorganisationen der einzelnen Parteien in eurer Stadt an. In vielen Orten gibt es außerdem Kinder- und Jugendparlamente. Hier bekommt ihr nicht nur gute Einblicke in die Arbeit als Politikerin oder Politiker, sondern könnt auch eure Stadt kindgerecht mitgestalten. Zum Schluss will ich von Katharina aber noch wissen, in a nutshell, was für dich persönlich ist das Tollste an der Demokratie?

Mir macht es total, Total viel Spaß, mich da einzugraben. In dem Film würde man sich das vorstellen, es liegt so ein Papierwust, gesehen davon, dass ich ein digitales Büro mache, aber im Film würde ein Papierstapel da liegen und man arbeitet sich wirklich ganz, ganz konzentriert dadurch und die ganzen Papiere und dann liest man wissenschaftliche Sachen und Artikel und entwickelt eine eigene Meinung dazu und kann das wirklich formulieren und ins Parlament einbringen.

Und im besten Fall, das ist natürlich in der Regierung ein bisschen einfacher als dann in der Opposition, ändert man auch wirklich was für die Menschen im Land. Danke dir, liebe Katharina. Also, Demokratie kann ganz schön mühsam sein. Aber sie hat den großen Vorteil, dass alle mitreden und so auch mitbestimmen können.

Und damit ist sie die faireste Staatsform. Unsere Versuchsgruppe hat sich übrigens noch auf eine Umgestaltung des Schulhofs einigen können. Ella erklärt, wie. Wir sind die Sachen durchgegangen und haben halt Abstimmungen gemacht. Und wo viele waren, das haben wir dann halt genommen. Und wenn dann noch Felder übrig waren, gucken wir, was auch noch Leute wollten, halt nicht ganz so viele.

Also die meisten von den wenigen dann sozusagen. Dann haben wir das noch genommen. Und genau so funktioniert Demokratie. Das war Purplus Wissen Drin. Mit mir, Erik. Schreibt mir gerne, wie euch die Folge gefallen hat. An wissendrin.at.zdf.de oder in die Kommentare auf der Podcast-Seite. Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst.

Oder schaut doch mal unter zdf-tv.de auf unserem ZDF-Streaming-Portal vorbei. Purplus Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel und Niere. Im Auftrag des ZDF und der Redaktion Purplus. Music.

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