
25| Mentale Gesundheit: Darum sollten wir alle mehr darüber reden
Freitag, 25. Juli 2025 · 22 min
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Shownotes
Wie geht’s dir? So richtig ehrlich? Das fragt Eric zu Beginn dieser Folge, damit wir uns klar machen, was hinter dieser Frage eigentlich steckt – zumindest, wenn wir sie alle etwas ernster nehmen würden. Denn antworten, dass wir traurig sind, Angst haben, uns Sorgen machen – das tun wir, selbst wenn es so ist, eher selten. Bei Wissendrin erfahrt ihr diesmal, was es mit „mentaler Gesundheit“ aka „Mental Health“ auf sich hat und wie der Übergang von „mental gesund“ zu „psychisch krank“ aussieht.
Eine der häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen – neben Essstörungen, Phobien und Suchterkrankungen – ist die Depression. Was das ist und wie es sich anfühlt, das erzählt die 17-jährige Nadja. Ihr konnte mit einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie schließlich geholfen werden. Wem diese Hilfe allein nicht ausreicht, der kann auch für ein paar Tage, Wochen oder Monate in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden. Da sieht es ein bisschen aus wie in einem Krankenhaus – nur viel gemütlicher, findet Eric bei seinem Besuch in einer solchen Klinik heraus. Und er stellt fest, dass er den Jugendlichen, die er hier trifft, ihre Erkrankungen nicht anmerkt. Anders als ein gebrochenes Bein ist eine „angeknackste“ Psyche eben unsichtbar – obwohl die mentale Gesundheit genauso wichtig ist wie die körperliche! //
Wie es uns mental geht, also mit unseren Gedanken, Gefühlen, unseren Verhaltensweisen, dem Stress, den wir empfinden oder unserem Selbstbild, also ob wir uns wohlfühlen mit uns selbst und mit anderen und wie gut wir mit schwierigen Situationen klarkommen – all das gehört zur mentalen Gesundheit und sollte gepflegt werden. Wie das geht, dazu gibt die Journalistin Miriam Davoudvandi am Ende dieser Folge ein paar richtig gute Tipps. Sie selbst hatte schon im Alter von etwa zehn Jahren erste depressive Phasen und hat deshalb später den Podcast „Danke, gut“ gestartet, in dem sie mit Promis über Mental Health spricht – damit junge Menschen in den Medien, anders als sie damals, etwas zu dem Thema finden. Reinhören könnt ihr hier: ardaudiothek.de/sendung/danke-gut-der-cosmo-po… oder auf der Podcast-Plattform eurer Wahl. //
Und hier wie versprochen ein paar Beratungsstellen, an die du dich bei Problemen mit deiner mentalen Gesundheit wenden kannst - anonym und kostenlos:
1. Nummer gegen Kummer: Telefonnummer 116 111 oder online unter nummergegenkummer.de
2. bke-Kinder- oder Jugendberatung (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.): findest du online unter bke-kinderberatung.de oder bke-jugendberatung.de
3. Krisenchat: online unter krisenchat.de
4. JugendNotmail / App „Junoma“: online unter jugendnotmail.de
5. Caritas Beratungsstellen: online unter caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/kin… //
Diesen Podcast und viele TV-Folgen der Sendung PUR+ findet ihr auf: kurz.zdf.de/J569/
Moderation: Eric Mayer
Expertin: Miriam Davoudvandi
Autorinnen dieser Folge: Brigitte Böttcher, Lena Kohlwes, Anabel Münstermann
Sounddesign: Joé Fleischhauer
Produktionsleitung Kugel und Niere: Michael Bartlewski
Redaktion Kugel und Niere: Lena Kohlwes
Produktionsmanagement ZDF: Markward Barollo, Sylvia Wahmes
Redaktion ZDF: Brigitte Böttcher, Susanne Dittebrand
Leitung der Sendung: Silke Penno
Kontakt: wissendrin@zdf.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
ZDF Hi Leute, hier ist Erik. Sag mal, wie geht's euch? Also ich meine jetzt nicht nur gut oder passt schon, sondern wie geht's euch gerade so richtig wirklich? Ich frage das, weil es heute um etwas geht, das uns alle betrifft, worüber wir aber viel zu selten wirklich sprechen. Finden übrigens auch unsere Hörerinnen und Hörer Fripa, Walli und Serah Inatelif.
Gewünscht haben. Mental Health. Man kann auch sagen mentale Gesundheit. Ihr wisst ja, dass euer Körper manchmal krank wird. Zum Beispiel, wenn ihr euch erkältet oder ein Magen-Darm-Virus eingefangen habt. Genauso können aber auch der Kopf oder die Gedanken krank werden. Das nennt man dann psychische oder mentale Krankheiten.
Mental bedeutet einfach, es hat mit dem Denken und Fühlen zu tun. In Deutschland zählen seelische Erkrankungen zu den häufigsten Krankheiten von Kindern und Jugendlichen. Aber was heißt das eigentlich, psychisch krank sein? Und wie sieht es aus, wenn jemand mental nicht mehr gesund ist? Das will ich heute gemeinsam mit euch rausfinden.
Ihr hört Wissen drin, den Podcast von PUR Plus. Mit mir, Erik. Ich bin auf der Suche nach Antworten, die sich oft nur durch Ausprobieren oder genaues Zuhören finden lassen. Meine Mission, was andere nur wissen, will ich mit euch erleben. Bevor es losgeht, muss sich noch was loswerden. In dieser Folge sprechen Menschen über ihre mentale Gesundheit und erzählen dabei von sehr düsteren Gefühlen bis hin zu Gedanken, sich das Leben zu nehmen.
Wenn euch diese Themen sehr nahe gehen, hört die Folge vielleicht besser mit euren Eltern, älteren Geschwistern oder Freunden zusammen. In den Shownotes findet ihr außerdem Anlaufstellen, an die ihr euch wenden könnt, wenn es euch nicht gut geht oder ihr ähnliche Gedanken habt. So, jetzt geht's aber wirklich los und zwar mit Nadja.
Die kennt das ziemlich gut mit dem sagen, dass es ihr gut geht und dabei freundlich lächeln, obwohl sie das eigentlich gar nicht so fühlt. Dann ist da... Quasi wie so eine Stimme in meinem Kopf, die halt die ganze Zeit so sagt, ja Nadja, du bist sowieso schlecht oder du bist sowieso scheiße oder es mag dich sowieso keiner.
Nadja ist, als wir sie treffen, 17 Jahre alt und hat gerade ihr Abi gemacht. Sie ist mir direkt sympathisch, hat ein freundliches Lächeln und mittellange blonde Haare. In ihr drin sah es lange sehr düster aus. Am Anfang dachte ich ja, jeder hat mal irgendwie so eine Phase, wo es einem nicht gut geht. Aber als es dann halt irgendwie so drei, vier Monate lang war, dachte ich dann halt irgendwann so, nee, also das ist jetzt, also für mich hat es sich einfach nicht mehr normal angefühlt.
Nadja wird immer wieder von großer Traurigkeit eingeholt. Oft weiß sie selbst gar nicht, was sie jetzt eigentlich so traurig macht. Das war am Anfang so, dass ich halt dann zum Beispiel richtig oft geweint habe und ich wusste halt nicht warum. Also ich bin dann von der Schule nach Hause gekommen und habe halt direkt angefangen zu weinen. Und es kam dann halt so langsam, wurde es immer mehr, dass ich gar keinen Spaß mehr hatte an irgendwas, dass mich auch irgendwie meine Freunde nicht mehr so aufheitern konnten.
Die negativen Gedanken werden immer schlimmer. Nadja denkt jetzt auch über sich selbst immer schlechter. Ich hatte immer so gedacht, ja, wenn ich nicht mehr da bin, dann ist die Welt irgendwie so bunter oder so rein, halt einfach sauber, weil dann ist so der Müll nicht mehr da und in dem Fall war ich halt der Müll.
Das sind ganz schön krasse Gedanken. Nadja hat zwar viele Freunde, aber die merken lange nichts. Im Gegenteil, Nadja tut alles, damit niemand mitbekommt, wie traurig sie eigentlich ist. Die Leute haben auch immer gesagt, ja, das ist die Nadja, die lacht immer total viel und macht irgendwie immer dauernd Witze und ist immer super gelaunt und so.
Nadjas Traurigkeit wird also von außen unbemerkt immer schlimmer. Und irgendwann glaubt sie. Das ist ja jetzt für alle sowieso egal, ob ich da bin oder nicht. Deshalb kann ich auch genauso gut gehen, weil für mich hatte das irgendwie das Leben dann sowieso keinen Sinn mehr. Und deshalb habe ich dann halt auch keinen Sinn gesehen, warum ich jetzt noch weiterleben sollte. Also an dieser Stelle muss ich unbedingt was loswerden.
Solche Gedanken sind ein ganz deutliches Warnzeichen. Wenn ihr so etwas denkt, redet unbedingt mit euren Freunden, Eltern oder Lehrern. So wie Nadja. Sie fasst allen Mut zusammen und spricht mit ihrer Vertrauenslehrerin Frau Wolf. Nadja erzählt ihr, wie traurig sie immer ist und auch, dass sie keinen Sinn mehr im Leben sieht.
Sie hat sogar schon darüber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen. Frau Wolf reagiert sofort. Und da dachte ich, puh, das ist aber ganz schön konkret, was sie sich da so vorstellt. Und in dem Moment wusste ich auch, so professionell bin ich zum Glück als Lehrer, dass ich hier nicht mehr in dieser Grauzone, was sage ich wem, mich aufhalte, sondern dass ich das tatsächlich jetzt jemandem mitteilen muss.
Frau Wolf schaltet die Schulleitung und auch Nadjas Eltern ein. Allen ist klar, Nadja braucht Hilfe. Und deswegen geht sie zu ihrem Arzt. Bei einem gebrochenen Bein würde man das schließlich auch machen. Und deswegen ist der Weg zum Arzt, zu einer Ärztin oder gleich zu einer psychotherapeutischen Praxis bei der mentalen Gesundheit auch der richtige.
Also wenn im Kopf irgendwas anders ist als sonst. Nadja bekommt beim Arzt Medikamente gegen ihre negativen Gedanken. Und sie beginnt eine Therapie. Dabei wird festgestellt, Nadja hat Depressionen. Diese Diagnose ist am Anfang nicht leicht für sie. Als ich das dann so wusste, ich bin depressiv oder ich habe so diese depressive Seite an mir, fand ich das halt total schwer, irgendwie zufrieden.
Also ich wollte halt einfach nicht, dass das alle mitbekommen, weil ich halt dieses Bild von mir so aufrechterhalten wollte. Für mentale Krankheiten muss sich niemand schämen, denn dafür kann man nichts, genauso wenig wie für andere Krankheiten. Ich finde, wenn man Nadja zuhört, merkt man schon, dass es sich bei Depressionen ja um eine richtige Krankheit handelt und sie nicht einfach nur traurig ist.
Denn klar, jeder ist mal traurig oder schlecht drauf und das ist ganz normal. Wenn diese Gefühle aber zu lange bleiben oder euch daran hindern, Spaß zu haben oder Dinge zu tun, die ihr eigentlich mögt, ist das eben nicht mehr normal. Nadja beschreibt das so. Das ist dann wie so eine Schwere in mir. Tut halt richtig weh dann innen drin.
Die Depression tat Nadja nicht nur weh, sie war auch der Grund, warum Nadja so traurige Gedanken hatte. Das war dann gar nicht mehr richtig sie selbst, sondern die Krankheit. Aber wie viele Menschen sind eigentlich von Depressionen betroffen? Das erfahrt ihr in unserer Rubrik Besser Wissen Drin. Depression ist die häufigste psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Expertinnen schätzen, dass zwischen 3 und 10 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren mindestens einmal eine depressive Episode durchmachen. Neben Depressionen gibt es zum Beispiel auch Angststörungen. Hier entwickeln Betroffene Angst vor alltäglichen Situationen, die eigentlich gar nicht gefährlich sind.
Bei Essstörungen wiederum haben Menschen ein ungesundes Verhältnis zum Essen und zu ihrem Körper. Und bei Suchterkrankungen verlernen die Menschen, ohne ihr persönliches Suchtmittel klarzukommen. Seien es nun Drogen, Computerspiele oder Social Media. Es gibt auch noch andere mentale Krankheiten, aber um die alle aufzuzählen, bräuchten wir die ganze Folge.
Und auch die Ursachen sind sehr verschieden. Gut zu wissen, das Wort mental bezieht sich meist mehr auf die Gedanken und das Wort psychisch mehr auf die Gefühle. Da aber beides ja so eng zusammenhängt und nicht zu trennen ist, meinen beide Begriffe in Bezug auf Krankheiten das Gleiche. Die Betroffenen werden in ihrem Denken, Fühlen und dadurch auch Handeln eingeschränkt.
Wie all diese psychischen Krankheiten entstehen, ist gar nicht so einfach zu erklären. Denn da spielen immer mehrere Faktoren mit rein. Wenn wir etwas wirklich Katastrophales erleben, kann das ein Auslöser sein. Aber auch großer Stress über lange Zeit ist ein Risikofaktor. Genau wie genetische Faktoren.
Das heißt, dass jemand von Geburt an eine gewisse Anlage dafür hat. So oder so, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Lebensstil, kann es letztlich jede und jeden treffen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir alle gut auf unsere mentale Gesundheit aufpassen. Was uns dabei helfen kann, das hört ihr am Ende dieser Folge.
Wir schauen uns jetzt aber erstmal an, wie die Behandlung von mentalen Krankheiten aussieht. Am besten erprobt ist die Psychotherapie. In manchen Fällen gibt es auch Medikamente. Nadja, die ihr am Anfang dieser Folge kennengelernt habt, hat eine Kombination aus beidem bekommen. Und so ging es ihr auch bald wieder besser und sie hat sich wieder wie sie selbst gefühlt.
Danke Nadja, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wenn Therapie und Medikamente aber nicht genug helfen, gibt es noch die Möglichkeit, für einige Zeit in eine psychiatrische Klinik zu gehen. Ich wollte wissen, wie es in so einer Einrichtung aussieht und habe deswegen das Psychiatrische Zentrum der Uniklinik Frankfurt besucht.
Hier werden Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren behandelt. Und nicht nur das, sie leben hier auch für eine bestimmte Zeit. Ich schaue mich erst mal um. Ihr könnt euch das schon ein bisschen wie ein Krankenhaus vorstellen, nur viel gemütlicher. An den Wänden hängen Bilder und es gibt auch einen TV- und Spielraum.
Den will ich natürlich sofort auschecken. Guten Morgen. Hallo. Darf ich reinkommen zu euch? In dem Raum stehen drei große Sofas, ein Fernseher und ein großes Regal voll mit Brettspielen. Das scheint sehr gut anzukommen. Ich treffe zumindest direkt ein paar Jugendliche. Sarah, Charlotte, Dominik? Freya. Freya. Hi. Die vier sind total aufgeschlossen und wir kommen gleich ins Gespräch.
Mein erster Eindruck, hier sind alle ziemlich entspannt und scheinen sich richtig wohl zu fühlen. Das bestätigt mir auch Sarah. Heißt das, du fühlst dich hier drin wohler als draußen? Ja. Ehrlich? Ja, ich fühle mich hier wohl. Das finde ich total interessant, weil ich habe gedacht, eine psychiatrische Station ist etwas, wo man eigentlich überhaupt nicht hin möchte.
Nein, nein, ich fühle mich hier wohl. Ich bin auch freiwillig hier. Und Freya ergänzt. Die meisten von uns sind freiwillig hier, weil sie erkannt haben, dass sie sozusagen ein Problem haben, dass sie verändern möchten und sich dementsprechend Hilfe gesucht haben. Und da man hier halt in so einem geschützten Umfeld ist, kann man halt auch sozusagen problemlos an diesen Sachen arbeiten.
Deswegen sind die Jugendlichen auch nicht auf der Station eingeschlossen und können sich frei bewegen. Trotzdem gibt es bestimmte Regeln. Zum Beispiel darf man die Station nur zu bestimmten Uhrzeiten verlassen. Und es gibt feste Essenszeiten. Auch Handys sind tabu. Ausgangssperre, Handysperre, was gibt es noch? Wir dürfen ja nicht untereinander über unsere Krankheiten sprechen.
Wie, ihr dürft nicht untereinander über die Krankheiten sprechen? Die Regel wurde einfach aufgestellt, weil es anscheinend irgendwie schon mal so vorkam, dass Patienten so miteinander geredet haben, dass sie sich gegenseitig nicht geholfen haben, sondern sich gegenseitig mit den jeweils anderen Erkrankungen runtergezogen haben.
Und das möchte man damit halt vorwollen. Also wenn du jetzt traurig bist und erzählst ihr von deiner Traurigkeit, kann es sein, dass sie auch traurig wird. Das heißt, es wäre jetzt auch gar nicht angebracht, dass wir hier in dem Kreis zu viert darüber reden, warum jeder von euch hier ist. Dann frage ich das auch jetzt erstmal gar nicht.
Dafür ist jetzt auch sowieso keine Zeit, denn erstmal beginnt der Klinikalltag. Und zwar, wie jeden Morgen, mit Sport. Und der ist schon Teil der Therapie. Viele der Patientinnen und Patienten sind antriebslos und brauchen Struktur. Die Bewegung in der Gruppe hilft ihnen, besser in den Tag zu starten.
Ihr Bewegungstherapeut merkt auch sofort einen Unterschied. Es steigert die Freude, also das merkt man auf jeden Fall. Die Jugendlichen spielen Ball oder Geschicklichkeitsspiele. Hauptsache in der Gruppe. Ich finde, man sieht aber auch sofort auch in dieser Gruppe, wie sich das ändert, sobald das Spiel losgeht. sind eigentlich alle gelöster, haben irgendwie gute Laune, lachen und machen zusammen Quatsch auch und so, das gehört ja dazu.
Ich glaube, es liegt auch einfach daran, dass eben der Fokus nicht auf dem Einzelnen liegt, sondern durch die Gruppe. Man kann sich auch so ein bisschen zurückziehen oder eben man ist so im Schutz der Gruppe und ich glaube, da fällt es auch allen einfach leichter Sport zu machen. Danach steht die Oberarztvisite an. Die Patientinnen und Patienten bekommen im Zimmer Besuch von Therapeutinnen und Pflegern und sie können Wichtiges ansprechen.
Sarah erzählt diesmal von ihrem Wochenende zu Hause. Mein Wochenende war leider nicht so gut. Leute haben mich angeguckt und dann habe ich mich schlecht gefühlt. Es war wie so ein Burnout. Also habe ich mich verletzt, aber ich habe sofort hier angerufen. Wenn es Sarah schlecht geht, verletzt sie sich selbst.
Selbstverletzung ist etwas, das leider bei vielen verschiedenen psychischen Erkrankungen vorkommen kann und für manche Menschen eine Strategie ist, um mit unerträglichen Gefühlen wie starker Traurigkeit, Unsicherheit oder Wut umzugehen. Stark vereinfacht gesagt, sie nutzen dann den körperlichen Schmerz, um die mentalen Schmerzen zu überdecken oder auch um sie für andere sichtbar zu machen.
Sarah bekommt deswegen Hilfe in der Klinik. Rückfälle sind dabei aber normal und nichts, wofür man sich schämen muss. Nein, kein Schicksalgewiss. Aber für mich persönlich ist es ein Schritt gewesen. Das ist eine schwierige Situation. Ja, aber ich bin froh, dass ich sofort hier angerufen habe. Hilfe suchen und annehmen ist nicht immer leicht.
Deswegen ist es ein großer Schritt, dass Sarah sofort in der Klinik angerufen hat. In der Therapie lernen die Jugendlichen aber auch, wie sie mit diesem Drang, sich selbst zu verletzen, umgehen können. Dafür gibt es nämlich bestimmte Tools, also Werkzeuge, die mir Therapeutin Vanessa zeigt. Eins davon probiere ich direkt aus. Eine saure Brausetablette, die auf der Zunge ziemlich stark kribbelt.
Was soll mir das bringen? Du nimmst ja dann schon Sachen wahr und bist ja auch dann abgelenkt von dem, was du jetzt eigentlich irgendwie denken würdest oder fühlen würdest. Die Tools sollen die Jugendlichen also von ihren Gedanken ablenken und den Druck, sich selbst wehzutun, lindern. Neben sauren Tabletten gibt es auch Chili-Pulver, kleine Bälle mit Zacken oder Eiswürfel.
Die fühlen sich auf der Haut oder der Zunge zwar unangenehm an, fügen aber keinen Schaden zu und sind deswegen allemal besser als Selbstverletzung. Neben der Therapie haben die Jugendlichen übrigens auch ganz normalen Schulunterricht in der Klinik. Und zweimal in der Woche kochen sie selbst, das heißt planen, einkaufen und zusammen Essen zu bereiten.
Auch diese festen Strukturen sind Teil der Therapie und helfen den Jugendlichen bei der Genesung. Am Ende von meinem Besuch spreche ich noch mal mit Freya. Sie ist 14 Jahre alt und wurde so sehr gemobbt von Mitschülerinnen und Mitschülern, dass sie ihre Ängste vor anderen Menschen nicht mehr kontrollieren konnte.
Was wird jetzt hier gemacht, was dir hilft? Dass einfach mit mir darüber geredet wird, wie ich ... Damit umgehen kann, dass ich so Angst habe vor anderen Menschen, was ich machen kann, damit ich mich nicht weiter in diese Angst reinsteigere. Dass ich dann irgendwann aus der Situation weglaufen muss, dass ich wieder mit anderen Menschen reden kann, dass ich wieder das machen kann, was ich möchte.
Weil ich rede eigentlich unglaublich gerne, ich unterhalte mich auch mit anderen Personen, die ich eigentlich gar nicht so gut kenne gerne. Was bei Freya auffällt, wie eigentlich bei allen, die ich heute getroffen habe, eine mentale Krankheit kann man den Leuten meist nicht ansehen und oft auch nicht anmerken. Ja, ich würde jetzt auch gar nicht denken, ich meine, wir unterhalten uns ja auch super.
Ich würde jetzt nicht denken, dass du ein Problem damit hast, mit anderen Leuten dich zu unterhalten. Aber das hast du schon. Ja, also es ist immer so eine Angst da, auch wenn sie jetzt nicht mehr so schlimm ist, dass ich was falsch mache, dass ich die andere Person verärgere und sie ein schlechtes Bild von mir hat.
Mit dieser Angst umzugehen, lernt Freya in der Klinik. Und es hilft ihr. Bei meinem Tag hier merke ich auch, auch wenn alle hier ihre Krankheiten und Probleme haben, sind sie nicht verrückt oder komisch. Auch sie lachen, schließen Freundschaften und haben Spaß beim Ballspielen. Leider schämen sich aber noch viele Leute für ihre Erkrankung und trauen sich nicht, darüber zu reden.
Und vielleicht gibt es deswegen auch noch so viele Vorurteile. Mehr über mentale Gesundheit sprechen und Vorurteile überwinden, das will auch meine Podcast-Kollegin Miriam Davut-Wandi. Sie hostet den Podcast Danke gut, in dem sie mit Promis über ihre mentale Gesundheit spricht und so das Thema aus der Tabu-Ecke rausholen will. Ich habe ihr mal eine Sprachnachricht geschickt.
Miriam, wie kamst du auf die Idee zu diesem Podcast? Ich habe den Podcast gestartet, weil ich selber immer wieder, seit ich neun, zehn, elf bin, immer wiederkehrende depressive Episoden in meinem Leben hatte. Und mir hat immer irgendwas gefehlt in den Medien dazu und wollte einfach irgendwas machen, damit es anderen, die dann auch acht, neun, zehn oder auch älter sind und sich sowas irgendwann mal anhören wollen, dass es da was gibt zum einen, aber auch, weil ich aus der Musikbranche komme.
Und da gab es einfach schon auch viele Oberflächlichkeiten. Also man kennt ja diesen tagtäglichen Smalltalk und mir ist aber aufgefallen, dass eigentlich den meisten Leuten gerade in dieser Branche gar nicht so gut geht, also gerade vielen Musikern, MusikerInnen, SängerInnen und so weiter. Und ich dachte, warum führt man nicht mal Interviews, wo man so ein bisschen hinter die Fassade blickt? Und so hat das dann angefangen.
Und gerade mit Stars zu sprechen, wo man ja ganz oft das Gefühl hat, ach, denen geht es ja eh gut, die haben ja auch alles und so. Das hat schon geholfen, nochmal zu verstehen, wirklich jeder Mensch, egal woher er kommt, was er sonst so tut, wie reich oder arm er ist, wie auch immer. Jeder Mensch hat eine Psyche und jedem Menschen geht es auch mal schlecht.
Und das zu verstehen, hat mir total geholfen. Du hast eben gesagt, du selbst hast schon mit zehn Jahren mit deiner mentalen Gesundheit gestruggelt. Finde ich voll krass. Woran hast du denn damals gemerkt, dass was nicht stimmt? Also ich habe natürlich damals gar nicht verstanden, was mit mir nicht stimmt.
Und das ist auch erst mal voll das gruselige Gefühl gewesen. Aber woran ich mich noch erinnere, ist, dass ich einfach nicht mehr so Freude hatte an den Dingen, die ich sonst gemacht habe. Ich habe mich sehr zurückgeschlossen. Das ist ja das Fatale daran. Man zieht sich immer mehr zurück, obwohl man genau in so einer Phase Unterstützung braucht.
Miriam, was würdest du denn sagen, ab wann kommt so der Punkt, wo man mit jemandem darüber reden sollte, dass es einem echt überhaupt nicht gut geht? Gerade bei Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen kommt es darauf an, wie sehr sich das wiederholt. Also hat man das Gefühl, es hört einfach nicht auf und hat man gar keine Freude mehr an irgendwas.
Und generell auch darauf zu achten, wie nehme ich eigentlich Menschen in meinem Umfeld wahr. Also spiegeln die mir zum Beispiel, dass ich mich verändere? Spätestens da, finde ich, sollte man sich mal überlegen, ob man sich mal jemandem anvertraut. Sich jemandem anzuvertrauen, ist ja oft der erste Schritt, damit es einem bald besser geht und man Hilfe bekommt.
Miriam, hast du denn Tipps, wie ich meine mentale Gesundheit stärken kann, also dass ich vielleicht gar nicht erst eine psychische Erkrankung bekomme? Ich hab da ja mal so ein Beispiel, das bezieht sich auf das Spiel Sims. Ich unterbreche hier mal kurz, falls ihr das Spiel Sims nicht kennt. Die Sims ist eine Computerspielreihe, bei der eigentlich das ganz normale Leben simuliert wird. Man spielt die Charaktere, also die Sims, und muss darauf achten, dass sie genug essen, sich waschen, zur Arbeit gehen, ihre Freundschaften pflegen und so weiter.
Also alles, was wir Menschen auch machen müssen, damit es uns gut geht. So, und jetzt hören wir mal weiter, was Miriams Tipp ist. Ich finde, auf Routinen in seinem Leben zu achten, ist immer wichtig. Und sich selber so ein bisschen vorzustellen, als sei man so ein Sim, den man jetzt gerade durchs Leben trägt. und so ein bisschen Spiel sich draus zu machen, dass man eben diese alltäglichen Routinen hinbekommt.
Ah, spannender Tipp. Also sich immer wieder zu fragen, was für Grundbedürfnisse habe ich und wie kann ich die jeden Tag erfüllen und sich damit dann Routinen zu schaffen. Denn gute Routinen stärken unsere mentale Gesundheit. Vielen Dank, Miriam. Ich habe in dieser Folge gelernt, dass es einfach wichtig ist, sich um seine mentale Gesundheit zu kümmern und dass es uns nicht peinlich sein sollte, wenn wir psychische Probleme haben.
Um Hilfe zu bekommen, ist es gut, sich Menschen anzuvertrauen und auch den Schritt in eine Praxis zu wagen. Und ich nehme mir jetzt vor, auch öfter bei meinen Freunden nachzufragen, wie es ihnen geht, also wirklich geht. Denn wenn wir alle viel offener darüber sprechen, was uns beschäftigt oder auch mal traurig macht, können wir uns gegenseitig viel besser helfen.
Das war Purplus Wissen Drin mit mir, Erik. Schreibt mir gerne, wie euch die Folge gefallen hat, an wissendrin.zdf.de oder in die Kommentare auf der Podcast-Seite. Und falls ihr es noch nicht getan habt, abonniert gerne den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Oder schaut doch mal unter ZDF TV auf unserem ZDF-Streaming-Portal vorbei.
PURPLUS Wissen drin mit Erik ist eine Produktion von Kugel & Niere, im Auftrag des ZDF und der Redaktion PURPLUS. Music.