Situs Inversus – Der Vorklinik-Podcast

VOR X KLINIK | Dr. Olszewski, was ist Asthma?

Montag, 12. Februar 2024 · 42 min

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Dr. Olszweski ist niedergelassener Allgemeinmediziner in Göttingen. Nach einer Assistenzarztzeit in der Inneren Medizin, Anästhesie und Allgemeinmedizin diskutieren wir mit ihm die Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Volkskrankheit Asthma aus Sicht der vorklinischen Inhalte. Außerdem berichtet er uns über seinen Arbeitsalltag in der Niederlassung im Vergleich zur Klinik. Wir sprechen auch über seinen Auslandseinsatz in Kalkutta mit den German Doctors. Vielen Spaß bei der Folge!Euer Leo <3

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Probieren Sie sich alle aus. Gucken Sie Dinge an, die Sie interessieren. Ich glaube, ein Chirurg, der vielleicht auch innere Erfahrung hat, wird davon profitieren. Andersum genauso. Also klar, man könnte sagen, ich habe eineinhalb Jahre verloren. Ich hätte meinen Facharzt eineinhalb Jahre früher haben können.

Hallo und herzlich willkommen zurück bei Situs Inversus. Heute mit der nächsten Gastfolge. Die letzten Folgen gingen ja, wie ihr wisst, um das Thema Atmung und heute haben wir uns zu diesem Thema Dr. Olzewski aus Göttingen eingeladen. Hallo und herzlich willkommen bei Situs Inversus.

Ich grüße und danke für die Einladung.

Ganz kurz zu ihm, er ist Allgemeinmediziner in einer Hausarztpraxis bestehend aus drei Ärztinnen und Ärzten. Er hat in Berlin studiert, mit Auslandsaufenthalten in Bordeaux und Rabat, das ist in Marokko. Ich muss auch nachgucken tatsächlich. Während seiner Assistenzarztzeit hat er in der Inneren angefangen und hat dann in diesem Rahmen bei der Hilfsorganisation German Doctors in Kalkutta in Indien gearbeitet und ist dann auf Allgemeinmedizin umgeschwenkt und arbeitet nun seit 2020 in der Niederlassung in Göttingen.

Schön, dass Sie es zu uns geschafft haben.

Danke auch.

Genau. Als erstes Mal, bevor wir ins Thema einsteigen, warum Kalkutta und was genau haben Sie da gemacht?

Wir werden wahrscheinlich zu dem Thema noch später kommen. Das war irgendwie eine Flucht aus dem Alltag der Klinik. Ich wollte raus, ich wollte irgendwie auch durchatmen und habe gedacht, was könnte ich denn machen? Und da habe ich tatsächlich ein halbes Jahr pausiert und habe überlegt, welche Organisationen, welche Optionen bieten sich mir.

Und klar, wir kennen alle Médecins sans frontières, Ärzte der Welt, aber das sind meistens lange Einsätze. Also da sind sie meistens mindestens drei Monate, eher sechs Monate im Ausland. Und das war mir ein bisschen zu lang fürs erste Mal. Und die German Doctors haben kurze Einsätze geboten. Also das waren, glaube ich.

unknown Okay.

Man weiß es nicht ganz genau aus dem Kopf, aber deutlich überschaubarer. Und deshalb war die Organisation German Doctors. Und Kalkutta, weil einfach viele Freunde von mir schon in Indien waren. Und ich habe gedacht, das möchte ich auch. Und ich kann es empfehlen. Also entweder man liebt Indien, man liebt Kalkutta oder man hasst es.

Und Kalkta ist eine großartige, spannende Stadt. Spannend. Okay. Vielen Dank.

Ganz kurze Werbung.

Leo, hast du dir eigentlich schon mal darüber Gedanken gemacht, später eine eigene Praxis aufzumachen? Nein, wir sind am Studium, aber man darf ja mal träumen. Ja, es gibt so ganz viele Sachen, die irgendwie echt spannend sind daran. Zum Beispiel sein eigener Chef zu sein.

Ja, seinen Arbeitsalltag selbst zu gestalten.

Oder auch eine enge Bindung zu den Patienten aufbauen zu können. Und ich glaube, dass es ganz vielen von unseren KommilitonInnen ganz ähnlich geht. Und wir selbst haben da ja auch nicht so viel Ahnung gefunden. Ich würde mich aber auf lasslichnieder.de darüber informieren. Das ist eine gemeinsame Kampagne von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den 17 kassenärztlichen Vereinigungen.

Und dort findet ihr viele Tipps zur Niederlassung, Antworten auf eure Sorgen und ganz viele spannende Erfahrungsberichte.

Das war's schon. Dann steigen wir direkt in den thematischen Teil ein. Wenn wir jetzt hier als Hausarzt zu Gast haben, dann wollen wir auch über eine Volkskrankheit sprechen. Und zwar geht es um das Asthabronchiale, passend zu den Lungenfolgen der letzten Einheit. Circa 8 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen oder 100 Millionen weltweit, das ist ja schon echt eine sehr, sehr große Zahl.

Die Sterblichkeit ist zwar gering, aber die Quality of Life der Patienten ist oft sehr stark beeinträchtigt. Und deswegen die Frage, wie stellen sich Patienten bei Ihnen vor, bei denen später ein Asthma diagnostiziert wird?

Wie äußert sich das? Ich kann Ihnen tatsächlich ein Beispiel geben. Gute Frage, gestern stellte sich eine junge Studentin vor, Göttingen auch Unistaat. Also wir haben relativ viele junge Patientinnen und Patienten und berichtete mir, dass sie eigentlich immer zur gleichen Zeit des Jahres, nämlich jetzt, Beschwerden, wie Augen jucken, die Nase juckt hat.

Und das erste Mal in diesem Jahr hat sie festgestellt, dass sie auch so Husten hat. Okay. Eine gewisse Enge in der Brust. Und irgendwie hat das Gefühl, der Körper juckt und kam jetzt direkt und fragte, wer mal so eine Allergiediagnostik sinnvoll ist. Und das könnte, wir wissen es jetzt nicht oder noch nicht, aber das könnte tatsächlich auch was Dasmatisches sein.

Okay.

Also bedeutet das diese respiratorischen Beschwerden da aufmerksam machen? Genau.

Beziehungsweise beim Asthma finde ich die Anamnese essentiell. Die Anamnese, die nicht nur die Symptome umfasst, also was präsentiert die Person, die vor mir sitzt, sondern auch, gegebenenfalls Berufsanamnese, gibt es bekannte Allergien, ja. Okay.

Das ist für mich essentiell. Das heißt, das spielt auch darauf hinaus, dass die meisten Asthma-Anfälle oder das meiste Asthma durch Allergene ausgelöst wird. Gibt es noch andere Gründe, warum jemand Asthma entwickeln kann?

Also das Typische, was sie ansprechen, klar, Allergien. Ob es nun Gräser, Pollen, Hausstaubmilben sind. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass es dieses intrinsische Asthma gibt. Bei Kindern das Belastungsastma, durch körperliche Anstrengung. Oder bei Sportlern, aber es kann auch kalte Luft sein.

Personen, die im Winter von warmen zu Hause rausgehen und plötzlich so ein Reizgefühl haben. Das kann auch genau Kälte habe ich gesagt. Okay, also grundsätzlich Stress auf die Bronchien.

Genau. Hyperreagibilität, genau. Und wenn man über Asphalt spricht, dann kommt man um eine gewisse Trias nicht hinaus. Und wir wollen ganz kurz einmal durch diese Trias durchsteigen und dann schauen, wie weit wir mit dem Wissen, was wir jetzt gesammelt haben, uns auch diese Trias erklären können. Und zwar geht es da um einmal in Bronchospasmus, dann ein Schleimhaut Ödem und die vermehrte Produktion von zähem Schleim.

Und alle diese drei Dinge führen am Ende zu einer Verengung der Atemwege und dadurch zu den Symptomen. Deswegen können wir jetzt quasi einfach mal durchgehen. Was sind denn Pathomechanismen, die zum Asthma führen?

Also es gibt ja erstmal diese Sofortreaktion. Die ist IgE vermittelt, ja, und es werden im Prinzip Histamine frei der Mastzellen, ja, und auch andere Mediatoren, Leukotriene. Genau, das ist das eine. Es gibt noch eine spätvermittelte IgG-gesteuerte Reaktion, aber es kommt einfach zu einer inflammatorischen Reaktion.

Okay. Und diese Inflammation, also das Histamin, bindet dann an die Histaminrezeptoren, die wir schon kennen, und machen dann eben einen Bronchospasmus. Ja, die sind GQ gekoppelt und dann läuft die ganze glatte Muskelkaskade ab. Aber wenn ihr das nochmal nachhören wollt, könnt ihr entweder in unsere Lungenhistofolgen reinhören oder zur Muskulatur Physiobasics.

Oder auch eine erhöhte Permeabilität der Membran, die dann zum Ideen führen. Jetzt, wenn man jetzt erstmal fertig diagnostizieren will, Sie haben gesagt, Anamnese ist sehr wichtig, aber man wird ja sicherlich auch eine Untersuchung machen müssen. Und da hatten wir in der letzten Folge auch schon über die Lungenfunktion gesprochen.

Lungenfunktion führen Sie ja auch bei Ihnen durch, habe ich gelesen auf der Website. Und deswegen, was würden Sie denn erwarten bei einem Patienten mit Asthma für Veränderungen an dem allseits bekannten Lungenfunktionsdiagramm?

Genau, also das Diagramm Fluss-Volumenkurve, wie das alle aus dem Studium kennen. Wir üben das tatsächlich in der Teamsitzung regelmäßig, weil eine ganz wichtige Bedeutung haben tatsächlich meine Angestellten. Die müssen motivierend wirken, dass Patient, Patientin wirklich gut mitmachen. Ich will eine geschlossene Kurve, ja, gelingt nicht immer, aber ich will eine geschlossene Kurve, ich will gute Mitarbeit.

Und was sehe ich, wenn tatsächlich vielleicht ein Asthma im Raum steht? Also ich sehe, dass gegebenenfalls Tefano-Index reduziert ist. Ich sehe, dass FEV1 die Ein-Sekundenkapazität reduziert ist. Ich sehe doch auch im Bildschirm tatsächlich diese Flusskurve. Ich mag mir das auch ganz gerne bildig zeigen.

Ich zeige das auch den Patienten, weil sie sehen, ich nenne das jetzt immer diesen Sessel, diese Einkerbung der Obstruktion. Sie sehen auch tatsächlich, wenn jemand nicht richtig mitmacht, das kann man alles tatsächlich anhand der Kurve gut visuell darstellen.

Okay, verstehe.

Gibt es noch einen zusätzlichen erstma-spezifischen Test, in Anführungsstrichen, der diese Obstruktion irgendwie noch ein bisschen genauer herausarbeitet?

Also gerade wenn Sie vielleicht auch unsicher sind, ja, die Anamnese passt nicht ganz, dann könnten Sie tatsächlich einen Reversibilitätstest durchführen. Okay. Mit einem Beta-2-Sympathic-Mimeticum, Salbutamol, was sie in der Praxis vorhalten. Ich glaube bis zu 400 Mikrogramm gibt man. Man wartet 15 Minuten.

Wichtig ist, sie machen natürlich einen Test vorher, warten die 15 Minuten, führen die Lungenfunktion anschließend nochmal durch, sehr gerne dreimal und wählen dann die beste Kurve aus. Und schauen dann. Im besten Fall, reversibel heißt F EV1-Zunahme von 200 Milliliter oder 12 Prozent. Und dann sind sie sich wirklich auf der sicheren Seite, okay, das ist reversibel, also das könnte für ein Asthma sprechen.

Sie hatten gerade angesprochen, Salbotamol als Beta-2-Mimetikum, sprich, das ist eine auch Therapiemöglichkeit, dass man den Sympathikus über die Beta-2-Rezeptoren aktiviert, weil der haben wir ja gelernt, Bordenschutz dilatativ wirkt und deswegen das Volumen erweitert. Gibt es noch andere Möglichkeiten, dann auch Asthma zu therapieren, wenn jetzt, weiß ich nicht, beispielsweise in Beta 2 nicht ausreichend ist?

Genau, also Beta 2, wir haben ja die Langwirksamen und die Kurzwirksamen. Also Sabas sind die Kurz, Labas sind die Langwirksamen. Wovon aber der Patient, Patientin mit Asthma am meisten profitiert, ist tatsächlich das inhalative Steroid. Weil wir haben ja gesagt, es geht um eine Entzündung, es geht um eine Hypersekretion, um ein Ödem.

Und da wirkt sich tatsächlich das Steroid am besten aus. Und es gibt auch Untersuchungen, dass eine Kombination aus dem inhalativen Korticosteroid und dem Beta-II-Mimetikum auch die Exerzerbationsrate mindert, auch die Lebensqualität verbessert.

Jetzt haben wir am Anfang schon gesagt, dass Sie in einer Hausarztpraxis niedergelassen arbeiten. Deswegen wollen wir schnell mal überspringen zu unserem Spiel, weil auch in der Hausarztpraxis wird man ja sicherlich auch mit Notfällen konfrontiert und muss manchmal schnell und aus dem Bauch raus entscheiden.

Und genau das soll jetzt unser Entweder-oder Spiel adressieren. Das heißt, ich gebe Ihnen zwei Antwortmöglichkeiten und Sie sagen einfach aus dem Bauch raus, was zu Ihnen oder Ihrer Meinung nach am besten zu Ihnen passt. Gut. Frühaufsteher oder Nachtschicht? Frühaufsteher. Vorklinik oder Klinik? Klinik.

Grundlagen oder klinische Studien? Klinische Studien. Titel oder Kazak? Berlin oder Göttingen? Göttingen. Hierarchie oder keine Hierarchie?

Keine Hierarchie.

Optimist oder Pessimist? Ja oder vielleicht? Daten oder Intuition? Intuition? Fortritt oder Tradition? Urag oder live?

Schwierig. Ich sag mal live. Okay. Praxis oder Klinik? Praxis. Und genau das leitet jetzt zu unserem zweiten Teil der Folge über. Und zwar möchten wir mit Ihnen über die Niederlassung sprechen. Also viele, auch jetzt meiner Studienkollegen und Kolleginnen werden sehr wahrscheinlich in irgendeiner Art und Weise niederlassen.

Und wir sind im Rahmen unseres Studiums, finde ich, nicht sehr oft mit Kollegen und Kolleginnen konfrontiert, die sich für eine Niederlassung entschieden haben. Deswegen würde uns oder würde mich prima interessieren, wie war Ihr Weg? Sie haben ja auch in der Klinik angefangen und wieso haben sie sich dann dazu entschieden, zur Allgemeinmedizin zu wechseln, mit der Aussicht, sich niederzulassen?

Also ich glaube, unsere Wege, das ist alles sehr individuell. Jeder von uns, jede von uns hat Stärkenschwächen. Und für mich war ganz klar, ich werde kein chirurgisches Fach machen. Weil tatsächlich bereits im PrEP-Kurs sich herauskristallisiert hat, nee, so mit Pinzette und Skalpell, das ist nicht so meins.

Also das wusste ich relativ schnell. Das heißt, vieles viel weg. Und ich fand ganz allgemein das Feld der inneren Medizin ganz spannend. Und habe nach dem Studium in Berlin in einer Lungenklinik angefangen. Okay. Nein, passt ja zur heutigen Folge perfekt, ja. Passt genau. Wobei, da muss ich fast sagen, das war wahnsinnig speziell, weil hier ging es wirklich um lange Zeit um Bronchialkarzinome, es ging um Infektionen TBC und es ging um viel auch um Adipositas, Adipositas, Hyperventilation, Weaning von Langzeitbeatmeten, also wie gesagt, sehr speziell.

Aber schon da war mir recht schnell klar, Hierarchie, nein. Okay. Ja, Chefarztvisiten kennen wir dann irgendwann alle. Und ich fand das ganze Vorgehen nicht besonders gut. Was ich natürlich sagen muss, ich war, glaube ich, eher ein sehr zurückhaltender junger Assistenzarzt. Vielleicht auch ein bisschen verängstigt, nicht sehr selbstbewusst.

Und das passt nicht so wirklich zu diesen hierarchischen Strukturen.

Ja, gut, das kann ich verstehen, ja.

Also sie gehen als junger Mensch oder können ziemlich untergehen. Was ich momentan beobachte, wir sprechen alle von Generation X, Y, Z, dass sie, ich spreche jetzt auch wirklich bewusst sie an, sich, glaube ich, vieles nicht mehr gefallen lassen. Sie fordern sich Ausbildung ein. Und das ist gut. Das ist gut.

Und ich glaube, das ist höchste Zeit. Und ich für mich habe das, glaube ich, nicht so getan, wie ich es hätte vielleicht tun müssen. Okay. So das, es war eine gute Zeit, aber es war eine schwere Zeit in der Inneren. Ich bin dann irgendwann auch aus Berlin nach Mannheim gezogen. Okay. Hab dann weiter in Ludwigshafen in der inneren Medizin gearbeitet.

Das war dann eher so allgemeine innere Medizin, aber auch da hierarchische Strukturen, Dienstbelastung. Und dann kam irgendwann der Punkt, ich habe schon angesprochen, dass ich gesagt habe nach drei Jahren, Vollzeit, ich brauche eine Pause.

Okay.

Ich brauche eine Pause. Und hab dann, wie gesagt, Indien gemacht, bin auch anschließend gereist und habe mir dann die Frage gestellt, wo soll es für mich anschließend hingehen. Und es war ziemlich klar, es wird nicht mehr die Klinik. Und wenn es nicht mehr die Klinik wird, dann haben sie nicht mehr viel Auswahl.

Ja, ich habe drei Jahre innere, und dann war die Option da, gut, dann wirst du Allgemeinmediziner, wirst du Hausarzt. Weil für den Facharzt haben wir tatsächlich nur noch zwei Jahre ambulante Medizin gefehlt.

Ah, okay. Aber das heißt grundsätzlich, wenn man von Anfang an sagt, ich werde Allgemeinmediziner, muss man auch schon Zeit in der Klinik verbringen. Richtig.

Die Weiterbildungsordnungen ändern sich. Bei mir waren es tatsächlich, glaube ich, drei Jahre. Heute in Niedersachsen ist es, wenn ich mich nicht irre, sind es nur noch zwölf Monate. Ah, okay. Da hat sich tatsächlich was getan. Aber zu meiner Zeit waren es drei Jahre, genau. Und die habe ich durchgehabt.

Und dann war klar, okay, ich will nicht mehr in die Klinik. Aber ich habe noch einen kleinen Ausflug gemacht. Ich hatte immer Angst in der Klinik vor Notfällen.

Okay.

Und habe gedacht, da gehst du gegen an. Und wo kann man das tun? In der Anästhesie. Und ich bin in Mannheim eineinhalb Jahre in Anästhesie gewesen.

Okay.

Und vielleicht kurz zum Thema Personalführung, Führungspersönlichkeiten, Chef sein, Chefarzt. Ich hatte plötzlich einen Chef, den man sich wirklich wünschen kann. Okay. Also ein Herr, ein Arzt, der was verstanden hat von wie kann ich meine Mitarbeiter motivieren. Wie kann ich jemanden stärken in seinem Selbstbewusstsein?

Und ich kann Ihnen sagen, ich bin nach der Anästhesiezeit rausgekommen und war ein ganz anderer Mensch. Auch das spiegelt sich ja auch natürlich im privaten Bereich wider. Aber jemand, der wusste, wie man motivierend wirkt, ja, davon profitiere ich heute noch, weil ich auch als niedergelassener Arzt Personalführung ist auch ein Thema.

Ja klar. Und genau, und dann bin ich, das ist nur so ein kurzer Ausflug, dann bin ich quasi in die Allgemeinmedizin zwei Jahre Praxis gemacht und plötzlich war ich irgendwann Facharzt.

Okay. Genau. Stehe. Und das heißt, dieser anderthalb Jahre Assistenzarzt, die haben sie nicht zwingend gebraucht, sondern die haben sie für sich genommen, um zu sagen, ich möchte mich auf eine gewisse Art und Weise vorbereiten, dass ich dann auf einmal verantwortlich bin für auch Notfälle. Genau.

Also ich kann nur dafür plädieren, probieren Sie sich alle aus. Gucken Sie sich Dinge an, die sie interessieren. Ich glaube, ein Chirurg who vielleicht auch innere Erfahrung hat wird davon profitieren. Andersrum genauso. Also klar, man könnte jetzt sagen, ich habe eineinhalb Jahre verloren. Ich hätte meinen Facharzt eineinhalb Jahre früher haben können.

So what? Das hat mir wahnsinnig viel Sicherheit gegeben im Umgang mit Notfällen, mit Intubation. Und sowieso, ich hatte einen tollen Chef, der mich wahnsinnig gestärkt hat, der mich unterstützt hat. Und das ist gut, ja. Also nicht, glaube ich, stur, ich möchte mein Fahrrad schnell fertig machen, sondern sich viel angucken, neugierig sein, auch mal sich ein Urlaubssemester gönnen, mal einen Auslandseinsatz machen.

Weil ob wir mit 30 fertig sind mit der Fahrradsausbildung oder mit 32. Das ist doch eigentlich völlig egal.

Das stimmt, ja. Und dann jetzt in der Niederlassung haben sie ja oder können Sie ja selbst die Hierarchie so bestimmen, wie Sie das für sinnvoll halten. Wie ist denn so eine Praxis anders strukturiert als jetzt eine Station? Weil bei Station haben die meisten, glaube ich, schon gesehen im Pflegepraktikum oder in der FAMU, aber wie ist da so die Struktur in Ihrer Praxis im Vergleich zu der Klinik damals?

Auch wir haben natürlich einen festen Rahmen, ja. Ja, die müssen es ja immer geben. Genau. Das sind also Sprechstunden, die von bis geht. Aber ich als quasi Chef, ich kann ganz viel selbst bestimmen. Also ich kann zum Beispiel heute, um hier pünktlich anzukommen, habe ich gesagt, ich kürze jetzt meine Sprechzeit, ja, und damit ich den Zug pünktlich kriege, ja, und nach Heidelberg komme.

Für mich ist es ganz wichtig, mit meinen Kolleginnen und Kollegen, es sind tatsächlich nur Frauen, in Kontakt zu bleiben. Das heißt, Dinge, die neu kommen, die werden im Team besprochen. Wir treffen uns alle fünf bis sechs Wochen, ja, besprechen Probleme, besprechen Neuerungen. Ich möchte auch, dass sich jede von meinen Kolleginnen einbringt.

weil es gibt tolle Untersuchungen, wenn jemand seine Stelle verlässt, dann nicht, weil er zu wenig Geld verdient, sondern weil die Stimmung einfach schlecht ist. Okay. Ja, und das ist mir wahnsinnig wichtig. Ich habe auch als Facharzt für Allgemeinmedizin in zwei Praxen gearbeitet. Und man guckt natürlich, man guckt sich vieles ab, man sieht, beobachtet, stellt fest, das sind Dinge, die gefallen mir nicht, das möchte ich nicht.

Und kopiert aber wiederum andere Dinge, die man mitnimmt. Und ich habe zum Beispiel hier in Lampertheim, gar nicht weit weg, eine tolle Praxis erlebt, die wahnsinnig gut strukturiert war. Eine Praxismanagerin, die gut motiviert hat, die eine tolle Personalführung, also Strategien hatte. Und das habe ich mir so ein bisschen abgeguckt und versuche das in meinem Arbeitsalltag ja mit zu integrieren.

Okay.

Jetzt zum, jetzt mehr so in Richtung Arbeitsablauf. Sie hatten gerade eben diese Chefarztvisiten in meinen Augen auch zu Recht kritisiert. Wie unterscheidet sich denn das Arbeiten in der Praxis zu einem Klinikalltag?

Also ich habe zum Beispiel eine Ärztinweiterbildung, ja, und da gibt es ganz flache Hierarchien, beziehungsweise ich würde gar nicht von Hierarchie sprechen, ja, sondern wir besprechen die Fälle, wo sie vielleicht nicht weiterkommt, gemeinsam. Sie holt mich dazu, kloppt an meine Tür, sagt, Du, ich habe da gerade was, Patienten, ich komme da nicht weiter, kannst du mal helfen?

Das heißt, das ist eine Begegnung auf Augenhöhe. Ich erinnere mich an Chefarztvisiten, da war nichts mit Augenhöhe. Da wurde ausgefragt, Haushewski, wie ist denn der Kaliumwert vom Patienten? Ein Wert, der zum Beispiel völlig irrelevant ist, aber möglicherweise so ein Test. Wie gut ist denn der? Kennt der den Patienten auswendig?

Und davon will ich weg. Also man begegnet sich auf Augenhöhe, wir machen gemeinsam Fortbildungen.

Ich glaube, wir wollen alle abends nach Hause gehen mit einem guten Gefühl. Ist der Umgang mit den einzelnen Patienten auch anders?

Ja, wissen Sie, ich bin, für mich ist Allgemeinmedizin, muss ich wirklich sagen, ein Traumfach. Ich bin in einem Fach gelandet, was mich wirklich ausfüllt, weil im Unterschied zu, ich sage jetzt, ich benutze jetzt den Griff, um den Begriff Organologen, also der anderen Fachärzte, ja, komme ich morgens in die Praxis und ich weiß wirklich nicht, was mich erwartet.

Das heißt, das Spektrum ist wirklich groß, ob das eine reisemedizinische Beratung ist, ob das eine depressive Verstimmung ist, es kann eine Wundversorgung sein, es kann ein Rückenschmerz sein, das Spektrum ist wahnsinnig groß. Und klar, auch ich bin durch die Struktur Zeit, Management ist ein wichtiges Thema, muss ich schon gucken, dass ich zurechtkomme.

Bei uns sind die Termine 15 Minuten getakte, das ist eigentlich ganz gut. Es kommen noch manchmal so Zwischentermine dazu. Aber vorwiegend geht es darum, in der Zeit, deshalb Sie fragten vorhin nach Intuition. Das ist, finde ich, ein Bauchgefühl in der Haushaltsmedizin, fachlicher sicherlich auch, aber ein Bauchgefühl, ein Blick, finde ich, wahnsinnig wichtig.

Weil ich in einer kurzen Zeit herausfinden muss, handelt es sich um einen Notfall? Muss ich möglicherweise in die Tiefe gehen? Oder kann ich zuwarten, abwarten? Also ein ganz häufiger Stichwort, was ich in meiner Akte schreibe, ist Watch and Wait. Okay. Wenn ich weiß, da ist jetzt kein Notfall. Wir beobachten.

Wir lassen mal den Patienten mit seiner Beschwerde auch mal alleine gucken, wo geht die Reise hin. Und gleicht sich aber den Blick schärfen für die Red Flags. Bei allem. Bauchweh, Rückenschmerz. Also man muss immer sehr aufmerksam sein in diesen 15 Minuten. Aber das macht es umso spannender.

Okay, verstehe. Das heißt, also das klingt ja auch, wenn Sie sagen, watch and wait, so wie ich jetzt Stationen erlebt habe, es kommt jemand, der hat Beschwerden, der ist dann für drei bis fünf Tage da. Bestenfalls kriegt man die Beschwerden geregelt und derjenige geht wieder nach Hause, man sieht ihn bestenfalls nicht mehr wieder.

Wie erleben Sie das bei Ihnen? Ist es tatsächlich so, dass man die Leute auch längerfristig betreut?

Als Hausarzt, Hausärztin gerade, das ist ja das Spannende. Ich glaube, KollegInnen, die ländlich arbeiten, werden das vielleicht noch eher bestätigen. Das ist ja wirklich Familienmedizin. KollegInnen auf dem Land machen ja die ganzen Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern, die erleben, wie sich vielleicht die Paare zueinander finden, aber auch sich scheiden lassen.

Sie begleiten geriatrische Patienten bis zu vielleicht auch mal dem Abschied von der Hauslichkeit und der weiteren Betreuung im Heim. Das heißt, sie sehen die Spanne von der Geburt, ich übertreibe jetzt, aber vom Kleinkind bis zum Kreis und dann, ich mache nebenbei noch Palliativmedizin ein wahnsinnig tolles, dankbares Fach, auch wirklich die Sterbebegleitung.

Das heißt, im besten Falle sehe ich die Person über Jahrzehnte.

Okay, das klingt für mich um einiges befriedigender, als jemanden nur für zweieinhalb Tage zu sehen und danach nie wieder. Das ist natürlich wirklich sehr spannend. Das heißt, Vorteile, um es mal zusammenzufassen, inzwischen oder für die Niederlassung sind die langfristige Betreuung, die wir gerade hatten, die freien Gestaltung des Arbeitstages und die Vielfalt, jetzt gerade im Fall von der Allgemeinmedizin, die Vielfalt der Fälle.

Man kann auch tatsächlich im ambulanten Bereich, also ich wäre jetzt nie jemand, der gerne alleine als Arzt, Ärztin arbeiten würde. Wir sind zu dritt und das schätze ich auch. Also wirklich im Team mit den MFAs. Also das sind definitiv die Vorteile.

Gibt es auch Dinge, wo sie sagen, die waren jetzt in der Klinik, vielleicht gerade in dieser Anästhesiephase besser, spannender, schöner, die sie jetzt in der sie in der Niederlassung eher stören?

unknown Nein.

Nein.

Also ich habe gerade aus meiner Klinikzeit, ob es in Berlin ist oder jetzt hier in Ludwigshafen, klar, Klinik, große Teams habe ich ganz tolle und wirklich lange Freundschaften. Weil man ist in den 30ern, die 30er sind ganz spannende Jahre, finde ich. Man steht das erste so ein bisschen auf den eigenen Beinen, verdient das erste Mal Geld und wächst miteinander.

Und da sind wirklich die Freundschaften immer noch da. Die Teams in der Praxis sind kleiner, aber ich vermisse wirklich nichts. Nein.

Wie ist es jetzt mit sowas zum Beispiel Bürokratieaufwand? Natürlich muss man auch viele Arztbriefe schreiben in der Klinik, aber jetzt Abrechnung und sowas, das muss man ja gar nicht machen. In der Klinik. Ja, genau.

Richtig. Das ist aber wiederum ein Punkt, und den würde ich jetzt als negativ beschreiben. In der Selbstständigkeit, in der Praxis. Jemand, der, und die Zahlen steigen ja, jemand, der angestellt im ambulanten Sektor tätig ist, der kriegt davon vielleicht gar nicht viel mit. Aber wenn ich jetzt tatsächlich als Selbstständiger, ich muss ja gucken, dass ich Geld akquiriere, um meine Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen zu bezahlen, ja, die Bürokratie ist lähmend, definitiv.

Das heißt, ich delegiere schon ganz viel. Aber ich wünschte mir, und das ist so ein bisschen auch klar im Hinblick an die Politik, KBV, dass man wirklich die Abrechnungsmodalitäten so einfach gestaltet, wie es nur möglich ist.

Okay. Also würden Sie sagen, dass gerade so im Abrechnungsteil da Dinge abgebaut werden könnten, die nicht zwingend notwendig sind, oder ist es eher einfach die allgemeine Masse?

Nein, ich glaube, das kann man reduzieren. Das kann man reduzieren. Es gibt, ich will jetzt gar nicht zu tief in die Materie gehen, weil die meisten, die jetzt zuhören, sind vermutlich in der Vorklinik. Aber es gibt sogenannte Hausarztzentrierts, also die Hausarztzentrierte Versorgung, vor allem hier in Süddeutschland, Baden-Württemberg, Bayern, die sehen so ein bisschen die Rolle der Hausärztin, des Hausarztes als Zentralarzt, also zentral an.

Da geht es Richtung Primärarzt, Primärärztin, Versorgung. Und da schafft man das tatsächlich, dass man die Bürokratie auf das Mindeste reduziert. Also es geht. Es geht.

Okay, okay. Also ist es auch von Land zu Land unterschiedlich?

Ja, unser KV-System, jedes Bundesland hat seine kassenärztliche Vereinigung. Gerade Baden-Württemberg, Bayern sind gut mit dieser HCV aufgestellt. In vielen Bundesländern funktioniert es eben noch nicht gut oder gar nicht.

Okay, verstehe.

Wenn ich jetzt so auf meinen Studienplan gucke, der entweder schon abgelaufen ist oder der noch kommt, gibt es jetzt nicht viel, wo ich das Gefühl hätte, ich kann Informationen rausziehen, die ich brauchen könnte, um mich niederzulassen? Wie haben Sie damals, wie sind Sie da rangegangen, um an Informationen zu kommen, auch wie man abrechnet, was man überhaupt alles so beachten muss, wenn man eine Praxis gründet?

Und wie haben sie sich da informiert?

Also ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. Diese Informationen gab es gar nicht. Und ich glaube, die gibt es immer noch nicht. Das heißt, das Thema Selbstständigkeit oder auch Personalführung, Betriebswirtschaft, das berührt unser Medizinstudium überhaupt nicht. Das heißt, das sind Dinge, Learning by Doing, die dann später so ein bisschen in den Fokus geraten.

Und die man sich irgendwie auch selbst beibringen muss. Also ich habe tatsächlich neun Angestellte. Das heißt, ich muss betriebswirtschaftlich denken, ich muss in Kontakt sein mit meinem Steuerberater sein und das habe ich nirgends gelernt. Das heißt auch die Selbstständigkeit, also wie komme ich an eine Praxis.

Als ich dann irgendwann auch in einer ambulanten Medizin war und das Gefühl hatte für mich, ich möchte gerne auch Chef sein, um zu gestalten, dann war auch für mich so ein bisschen der Punkt, wie finde ich denn eine Praxis? Und es gibt sogenannte Börsen, ja, also Praxisbörsen, wo man schauen kann. Oder im Ärzteblatt oder in den regionalen Zeitschriften inserieren Kollegen, die auch zum Beispiel ihre Praxis abgeben wollen.

Und jetzt vielleicht speziell auf die Allgemeinmedizin, auf die Hausärzte, Hausärztinnenseite, da kann ich nur den Hausärzteverband sehr ans Herz legen oder die Gegnern, die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Also wenn jemand mit dem Gedanken spielt, wirklich in die Hausarztmedizin, Familienmedizin zu gehen, auf jeden Fall auch da mal anklopfen.

Da werden sie definitiv offene Ohren finden, die hilfreich sein können.

Okay. Das heißt, das würden Sie sich auch wünschen, dass es da vielleicht ein bisschen, weiß ich nicht, zum Beispiel jetzt für zukünftige Kollegen, Kolleginnen, die sich niederlassen wollen, so einen Kurs gibt oder eine Broschüre oder eine Anleitung?

Die gibt es tatsächlich, aber es ist ganz gut, wenn man weiß, wo man suchen muss oder wo man anklopfen muss. Es gibt auch von der KV, also jetzt bei mir halt in Niedersachsen, auch Kurse, wo man auch so ein bisschen an das Thema rangeführt wird. Ja, genau.

Jetzt hatten Sie gerade auch sehr viel von Bürokratie gesprochen. Jetzt gerade so mit Hinblick auf die neue Krankenhausreform gibt es ja die Idee, das Ganze immer mehr zu zentralisieren. Wie sehen Sie das denn aus der Praxis? Sie haben jetzt, oder Sie sind jetzt zu dritt, viele Hausärzte sind nur alleine.

Sehen Sie das als ein Modell, was in der Zukunft funktionieren kann, oder denken Sie, dass in 20, 30 Jahren das alles über irgendwelche MVZs laufen wird, wo dann verschiedene Praxen oder Ärzte zusammenarbeiten?

Das ist ein ganz spannender Punkt, den Sie ansprechen. In meinem Fall, ich bin Arzt und gleichzeitig Chef. Und ich habe wirklich Angst vor der Entwicklung, dass wir irgendwann nur Stichwort MVZs haben, die ganz andere Interessen verfolgen. Okay. Weil das eben nicht MVZs sind, die vielleicht durch Ärzte geleitet sind, sondern das sind oft große Konzerne, die dahinter stehen.

Und also da müssen wir uns nichts vormachen, da gibt es andere Interessen. Ja, gut. Also ganz kurz nur ein Ausflug, eine Kollegin von mir arbeitet in so einem MVZ. Da ist regelmäßig der Geschäftsführer und sie wird, ich würde sagen, ja, fast schon unter Druck gesetzt. Es werden Zahlen vorgelegt, sie haben das und das nicht erreicht.

Sie müssen noch mehr Gesundheitsuntersuchungen machen. Genau, also da wird Druck erzeugt und es geht einfach um eine Dividendenausschüttung für die Anleger und das ist tatsächlich mit Sorge zu betrachten.

Okay, das heißt aber grundsätzlich sehen Sie als größten Kritikpunkt dann diese, ich nenne es mal Finanzfokussierung, diese Geldfokussierung. Aber grundsätzlich, das heißt, wenn man jetzt beispielsweise das von Ärzten und Ärztinnen immer noch führen lassen würde, sehen Sie dann Vorteile in diesen synergistischen Effekten?

Es spricht ja nichts dagegen, in einem großen Team zu arbeiten. Also in einem ärztlich geführten MVZ ist überhaupt kein Problem, genau.

Okay, das heißt aber, Sie haben quasi Sorge, dass die Finanzen immer mehr in den Vordergrund rücken, was die Gesundheitsversorgung angeht.

Ja, aber auch nochmal die Großkonzerne, da sich, muss man klipp und klar sagen, sich bedienen. Und unsere Ressourcen sind begrenzt. Ja, klar, klar, verstehe.

Ja gut, ich meine, ein sinnvoller Ressourcenumgang ist ja nicht schlecht, aber die Frage ist halt quasi immer, wie weit man es treiben will.

Genau.

Und da gibt es ja auch Zahlen zu, dass irgendwie viel mehr OPs auch gemacht werden, die viel Geld bringen, aber die vielleicht, wenn man den Patienten an sich betrachtet, gar nicht so sinnvoll gewesen wären. Und ich meine, sowas gibt es ja sicherlich da dann auch. Spannend, spannend, sehr viele spannende Einblicke aus der niederlassenen Allgemeinmedizin.

Jetzt bevor wir die Folge beenden, würde mich nur interessieren, jetzt auch zurückblickend, gibt es noch irgendwelche Tipps und Tricks, gerade jetzt vielleicht auch für unsere vorklinischen Zuhörerinnen, die sie den Studierenden gerne mitgeben würden, die sie aus ihrer Zeit oder die sie während ihrer Zeit schon gerne gewusst hätten?

Also ich glaube, für alle Personen, alle Studierenden in der Vorklinik, würde ich sagen, Augen zu und durch. Okay. Ich glaube, häufig fragt man sich nach der Sinnhaftigkeit. Aber die Augen werden dann irgendwann in der Klinik geöffnet, aha-Effekte kommen. Und man beginnt immer wieder Dingen auch später im Berufsalltag und freut sich, ach, das war dann der Grund, warum ich es gelernt habe.

Also es macht Sinn, wirklich am Ball zu bleiben. Und ich kann nur sagen, sie haben, finde ich, oder Ihnen steht bevor einer, also für mich der schönste Beruf, den man sich nur vorstellen kann. Wir werden niemals arbeitslos. Ja, stimmt. Wir brauchen uns wirklich finanziell keine Sorgen zu machen. Und wir kommen an Menschen so ran.

Also Menschen lassen uns so ran an sich wie sonst kaum eine Berufsgruppe. Ja, das ist etwas sehr Intimes und was wir alle wertschätzen sollten. Also ich sage nur, freuen Sie sich auf das, was kommt.

Verstehe. Also quasi auch den Weg genießen und das Ziel lohnt sich.

Und neugierig sein. Und was ich vorhin gesagt habe, gucken Sie sich Fächer an. Ja, also auch jemand, der in der inneren Medizin, allgemeinmedizin, ist, profitiert auch von, sei es ein halbes Jahr Psychiatrie. Ja. Also ich finde, ein Ausflug irgendwo hin, das ist keine verlorene Zeit.

Okay, verstehe. Ja, vielen Dank für diese Worte. Vielen Dank, dass Sie nach Heidelberg gekommen sind. Das war Situs Inversus, der Vorklinging-Podcast, heute mit einem Allgemeinmediziner aus Göttingen, unter anderem auch über das Thema Lunge. Falls ihr Kolleginnen und Kolleginnen habt, Professoren, Professorinnen, Ärzte, Ärztinnen, die ihr sehr spannend fandet, dann schreibt uns gerne auch mal über Insta.dervorkling Podcast, dann kommen wir auch gerne mal zu euch und interviewen euren Vorschlag.

Ansonsten sehr viel Spaß mit den weiteren Folgen. Wir gehen jetzt zu Herz-Kreislauf weiter über. Und ja, wie sie gesagt haben, Augen zu und durch. Viel Spaß bei der Vorklinik. Bis zum nächsten Mal.

Tschüss. Tschüss, alles Gute.

Für die Inhalte in diesem Podcast übernehmen wir keine gewählten. Der Podcast kann den Besuch von Vorlesungen nicht ersetzen. Wir empfehlen das Studium von einstiegiger Fachliteratur über den Inhalt des Podcasts.

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