
Situs Inversus – Der Vorklinik-Podcast
VOR X KLINIK | Prof Krug, wie entsteht eine Pankreatitis?
Montag, 20. November 2023 · 46 min
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Prof. Krug ist Gastroenterologe und stellvertretender ärztlicher Direkter der Gastroenterologie an der Uniklinik Heidelberg. Auf seinem Weg hat er an mehreren Standorten als Clinician Scientist an vielen Pankreaserkrankungen gearbeitet und geforscht. In dieser Gastfolge besprechen wir die Pathophysiologie hinter der Pankreatitis und erfahren über die Arbeit als forschender Kliniker.Hört rein!
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Seine Schwerpunkte setzt und so eine gewisse Fokuszeit hat, wo man Dinge abarbeitet. Aber dann wiederum, wenn man auch zu Hause ist, dann ganz und gar die Zeit mit der Familie nutzt. Und dann ist es natürlich für immer auch manchmal ein Kompromiss, manchmal eine Diskussion. Aber häufig, deswegen ist man ja stets optimistisch, lässt sich es lösen.
So, hallo und herzlich willkommen zurück bei Vidos and Velazus. Heute mal wieder mit einer Reihe, mit einer Gastfolge aus unserer Gastfolgenreihe, in der wir Klinikerinnen und Kliniker, Forscherinnen und Forscher einladen, mit uns über ihre Arbeit zu sprechen und zu versuchen, euch so ein bisschen den Anreiz zu geben, warum es doch Sinn macht, die ein oder andere biochemische Formel und physiologische Abbildung dann doch zu lernen.
Deswegen hallo und herzlich willkommen, Professor Dr. Sebastian Krug. Professor Krug hat in Marburg studiert bis 2010, hat er dann auch gearbeitet noch fünf Jahre, ist dann nach Halle gewechselt, um dort als Clinical Scientist in der Gastroentologie zu arbeiten und ist 2023 nach Heidelberg gewechselt und ist jetzt hier ärztlicher Direktor und war während der stellvertretender Ästlicher Direktor und war in dem gastroentologischen Blog meines Studiums unser Gruppendozent und so sind wir ins Gespräch gekommen.
Genau, herzlich willkommen.
Ja, herzlichen Dank auch von meiner Seite Warauf für die Einladung und freue mich, an diesem Format teilnehmen zu dürfen und gerne Einblicke zu geben für Sie, für die Vorkliniker in die spannende Diskussion für die nächsten Minuten freue ich mich auf jeden Fall.
Genau. Und so kommen wir auch quasi direkt zum Thema, dass ich hatte mit meiner Kleingruppe Bedside-Teaching auf der gastroentologischen Station und uns wurde ein Patient vorgestellt mit gürtelförmigen Oberbauchschmerzen und nach einer kurzen Anonese stellt sich heraus, dass der Patient eine Pankreatitis hatte.
Und darum soll es heute gehen, um den Pankreas, passend zu unseren Folgen der Gastroenterologie. Und deswegen wollen wir quasi starten, einfach mal zu schauen, woher kann denn so eine Pankreatitis eigentlich kommen?
Ja, spannend. Zu dem einen Fall kann ich noch sagen, dass diese klassischen, wie man es im Lehrbuch kennt, Oberbauchbeschwerden, die auftreten, die gürtelförmig sind und teilweise in den Rücken ausstrahlen. Allerdings nur bei 50% der Patienten auftreten, bei vielen anderen sind die Beschwerden nicht ganz so klassisch ausgeprägt, häufig.
Ein aber der plötzliche starke Schmerzbeginn, die Pankreititis-Symptomatik. Ja, zusammenfassend kann man, was man, wenn es um die Genese geht, sagen, dass bei Männern die häufigste Ursache sicherlich der Alkohol ist, ethyltoxisch. Bei Frauen ist es eher die biliäre Genese. Wandelt sich ein bisschen dann je nach Lebensdekade.
Und dann haben wir noch eine ganze Handvoll oder sogar noch mehr von seltenen Pankreititismöglichkeiten, die wir dann aber im Laufe natürlich der Aufarbeitung im stationären Kontext abklären müssen, oder nicht? Häufig liegt es nicht sofort auf der Hand.
Ganz kurze Werbung. Das war's schon. Ja, okay. Das bedeutet, man kann jetzt neben der akuten auch noch eine chronische Pankreatitis unterteilen. Und wie wir ja gelernt haben, hat der Pankreas eine endokrine und eine exokrine Funktion. Die endokrine Funktion kommt noch in den endokrinologischen Folgen logischerweise.
Und deswegen stellt sich jetzt heute die Frage, wie denn eine Pankreatitis die exokrine Funktion des Pankreas beeinflusst.
Ja, das ist ganz unterschiedlich. Wir haben verschiedene Formen der akuten Pankreatitis und potenziell können natürlich auch rezidivierende Pankreatititen, je nachdem welche Genese es ist, eine chronische übergehen. Für die akuten Formen rechnen wir eigentlich selten damit, dass es zu einer direkten, schweren Funktionsstörung des Pankreas kommt.
Sie können sich das so vorstellen, es gibt einfache Verlaufsformen, wo die Patienten keine zusätzlichen Organmanifestationen haben, kein Nierenversagen, kein Lungenversagen. Diese Patienten haben eine gute Prognose, geringe Mortalität. Und dann haben wir aber auch schwerste Pankreititisform, die sogenannte Nekrotisierende.
Da wird wirklich das Gewebe des Pankreas komplett zerstört, teilweise auch im soweit, dass die Patienten nach einer schwersten Pankreititis direkt dann zum einen insulinpflichtig sein können bei der endokrinologischen Problem oder dann halt auch schwerste Verdauungsstörungen haben wie bei der exokrininsuffizienz.
Sie kennen vielleicht alle noch das Bild oder haben das Bild vor Augen von einem älteren Menschen, der charektisch ist und mit schmerzverzerrten Gesicht auf einem Stuhl setzt. Das ist das klassische Bild eines chronischen Pankreititis-Patienten. Das Leitsymptom hier ist das chronische Schmerzsyndrom, aber halt auch die Verdauungsprobleme, Durchfall, massive Bauchschmerzenmitblähungen.
Sie müssen sich vorstellen, im Pancreas werden ja viele verschiedene Vorstufen von Verdauungshormonen, Kolyparse letztendlich, Kaboptipeptidasen letztendlich sezeniert, die dann aktiviert werden im Dündarm, basierend auf dem pH und auf anderen Co-Enzymen. Und diese Vorstufen können dann nicht mehr sezeniert werden.
Und wir sagen meistens, es muss ungefähr über 75 Prozent des Pankreas geschädigt sein, dass eine endokrinologische oder eine exokrine Pankreasinsuffizienz halt vorliegt. Und dementsprechend müssen wir die Patienten zum einen richtig diagnostizieren und dann natürlich auch richtig behandeln. Aber es ist auf jeden Fall wichtig, und darum geht es ja heute, dass sie gewisse Hintergrundwissen haben, dass genau das, was sie in Biochemie lernen, die Aktivierungsprozesse, das eine Problem darstellt, wie eine Pankreatitis entsteht.
Weil wenn das Pankreasekret zu früh aktiviert wird, dann kommt es zu dieser Pankreatitis oder zu verschiedenen Pankreatitisformen. Und wenn Pancreas nicht mehr vorhanden ist, die Funktionalität abnimmt, dann haben wir halt eine Insuffizienz.
Genau. Und diese Insuffizienz äußert sich halt in Verdauungsproblemen, weil logischerweise die Enzyme, von denen Sie gerade gesprochen hatten, nicht mehr da wirken können, wo sie wirken sollen. Aber wenn wir jetzt zurückkommen zu den Genesen, wie genau kommt es bei den verschiedenen Genesen zu den frühzeitigen Aktivierung?
Sie hatten von Belär gesprochen und Sie hatten von Ethyltoxic gesprochen, wenn man mal die beiden großen und wichtigsten nimmt.
Also bei der Billieren, da ist es am besten erforscht, weil da kann man sich auch das anatomisch sehr, sehr gut vorstellen. Erinnern Sie sich an Ihren PrEP Cross, an Anatomie-Lehrbuch. Wir haben den Ductus versangianus und wir haben den Gallengang und die haben verschiedene Formen, wie sie sich verbinden vor der Papillepaterie.
Sie können entweder separat münden oder sie haben einen gemeinsamen Mündungskanal. Und da kann man sich leicht vorstellen, wenn ein Stein diesen Ausgang blockiert, dann staut sich sie nicht nur in den Gallegang, sondern auch in den Pancreasgang zurück. Und dann findet eine gewisse Aktivierung im Pancreas statt.
Das heißt, durch die Lipase-Aktivierung kommt es dann zu einer Fettgewebsnekrose, wir haben Elastase-Aktivierung, kommt dann zum Verdau eventuell von Gefäßen, lokale Komplikationen zu Blutungen. Die Vena Lienalis verläuft dort lang. Es kann zu Verschlüssen der Vena Lienalis kommen. Und dann kommt es zur sogenannten Autolyse.
Und neben diesem Problem ist halt das Pankreas ein Organ, was so eine Art Systemic Inflammatory Response Syndrom wirklich stark induziert. Es ist ein Zytokinsturm, wie wir das nennen auch. Massive Interleukine werden freigesetzt und das macht den Patienten halt krank.
unknown Okay.
Und bei der ethyltoxischen Pankreatitis gibt es da schon Erkenntnisse, wie der Alkohol genau auf den Pancreas einwirkt?
Es ist eine spannende Frage und es ist nicht so genau klar. Wir denken, es ist ein wirklich lokaler toxischer Effekt an der Pancreaszelle selbst. Aber was interessant ist, es muss einen gewissen Schwellenwert kriegen, warum manche Menschen eine Pankreatitis bekommen und manche nicht, obwohl sie denen genau die gleiche Körperkonstitution haben, den genau gleichen Alkoholgehalt trinken.
Weil es gibt ein Phänomen, dass nur wenige Patienten eine Leber- und eine Pankreaserkrankung haben. Die meisten haben entweder eine Leberzirrose von zu viel Alkohol trinken oder sie kriegen eine chronische Pankretitis von zu viel Alkohol trinken. Oder ein Patient bekommt beide Probleme. Das ist nicht genau verstanden.
Wir gehen davon aus, dass es ein direkt toxischer Effekt ist. Und dann ist ja auch der Klassiker in der Anamnese, dass der Patient sagt, er hatte eine gute Feier, hat viel Alkohol getrunken, dann haben wir meistens sechs bis acht Stunden nach diesem Ereignis die Pankreititis, die einsetzt.
Okay, also geht es da auch tatsächlich oder kann diese Pankreititis auch durch einen einmaligen übermäßigen Konsum ausgelöst werden. Also sonst muss man quasi nicht über Jahre mit dabei sein, sondern da reicht doch quasi einmal zu viel. Hast du richtig verstanden?
Genau, also im Gegensatz zur Leberzirrose, wo ihr ehrlich der kontinuierliche, ehrlicherweise der kontinuierliche Einsatz von Alkohol zu der chronischen Schädigung führt, kann letztendlich einmal über den Dorstrinken rein theoretisch zu einer Pankreititis führen. Und man kann auch leider nie sagen in den ersten 48 Stunden, wie das Ganze endet, ob das eine milde Form oder eine schwere Pankreititis wird.
Es gibt natürlich so Hauskriterien wie erhöhter BMI oder schwere Komorbiditäten, die dann vorhersagen, wie der Verlauf sein kann. Aber wir haben auch viele junge Menschen, die letztendlich mit einmaliger Pankretitis dann schwerste Komplikationen entwickelt und Langzeitkrankenhausverlauf haben.
Okay, verstehe. Jetzt kommt ein Patient, Sie haben gesagt, dass dieser gürtelförmige Schmerz nicht so klassisch ist. Jetzt kommt ein Patient auf sie zu, der vielleicht eine Pankreititis haben könnte. Wie gehen Sie vor, um herauszufinden, ob es tatsächlich vom Pankreas kommt?
Ja, also das ist immer ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, aber die Anamnese und die körperliche Untersuchung, die klinische Untersuchung ist ein ganz wichtiges Standbein. Also sie fragen den Patienten, ob es halt ein Ereignis gab, eine Familienfeier für Alkohol. Und zum Beispiel, ob bei dem Patienten ein Steinleiden bekannt ist, ob er weiß oder bei der Patientin gibt es schon bekannte Geilenblasensteine.
Gab es hier in der Vergangenheit schon mal Probleme? Und dann fragen wir den Patienten nach der Schmerzqualität, sind es koligartige Schmerzen, ist es eher ein stechender, gut lokalisierbarer Schmerz im Oberbauch, der auch ausstrahlt, ist es eher, das kann auch sein, eher bei Alkoholbedingt, ist es eher ein diffuser Schmerz.
Und in der klinischen Untersuchung merken wir, dadurch, dass durch diese Inflammation auch massiv Volumen, also Flüssigkeit bereitgestellt wird oder in dieses Pankreas, in das entzündete Pankreas dann fließt, fühlt sich der Bauch dann auch hart an, dieser klassische, gummiartige Bauch. Der Patient spannt dagegen, denkt man, aber es ist wirklich einfach die Flüssigkeit im Vibierung im Pankreas und in der Borsa rundherum, parakolisch, physiologisch.
Das kann man enttasten und dann muss man weitere Diagnostik machen. Also die Anamnese ist ein wichtiges Standpein. Heutzutage messen wir die Lepase im Serum. Die ist deutlich sensitiver als die Amylase und wenn die Lipase noch mehr als dreifach erhöht ist, dann haben wir zwei Major-Kriterien erfüllt und damit würde die Diagnose der Pankreititis stehen.
Und wir bräuchten fürs Erste erstmal keine weitere Bildgebung.
Okay, also bedeutet, dass die Pancreasenzyme, die sich dann aufstauen, dann ins Blut gelangen oder in dem Blut vermehrt messbar sind.
Und davon genau ist eigentlich nur die Lipase. Früher haben wir die Amylas gemessen, aber die wird auch von anderen Speicheldrüsen sezeniert und kann verfälscht sein. Deswegen messen wir die Lipase als Bestes. Okay, verstehe.
Und was können Sie dann den Patienten anbieten, wenn Sie jetzt sagen, wir haben eine Pankreatitis festgestellt, die durch die gerade eben genannten Kriterien ist sie festgesetzt. Wie gehen Sie dann mit dem Patienten um?
In den ersten 48 Stunden ist es erstmal ganz wichtig, den Patienten mit Volumen zu versorgen, mit Flüssigkeit. Ich habe viel gesagt, dass viel Volumen in den sogenannten dritten Raum geht. Die Pankreititis verbraucht viel Flüssigkeit und wir müssen eine adäquate Schmerztherapie machen. Und innerhalb dieser 48 Stunden wird sich dann herauskristallisieren, welchen spontan der Verlauf der Patient nimmt.
Ist es eine milde Pankreititis oder ist es eine schwere Pankreititis? Das werden wir dann sehen, ob er Nierenversagen entwickelt, ob er Kartophylaminpflichtig wird, einen Schock bekommt. Das zeigt sich dann und bis dahin müssen wir schauen, dass wir bilanziert Volumen geben. Gibt es gute Studien, die zeigen, dass man nicht übermäßig viel Volumen geben soll, aber es muss halt angepasst sein an den Bedarf.
Das kann man monitoren, klinisch mit Ultraschall, aber Füllung der Gefäße, Vena Cava zum Beispiel. Und dann versuchen wir dem Patienten auch zeitnah wieder an die orale Kost ranzuführen. Und sei es nur, dass er Zwieback isst und Tee zu sich nimmt. Weil wir wissen auch, dass die enterale Ernährung wichtig ist und das lokale Mikrobiom in seiner Qualität und seiner Barriere aufrechtzuerhalten.
Okay. Jetzt hatten wir am Anfang über Exokrine Pankreasinsuffizienz gesprochen. Sprich, der Pancreas oder das Pankreas? Ich habe das immer falsch gesagt im Trepkurs. Das Pankreas. Das Pankreas ist jetzt zu 75% geschädigt und es gibt Exokrinen nur noch eine sehr minder ausreichende Funktion. Können Sie da nicht Patienten helfen mit irgendwie Medikamenten oder so?
Absolut. Ja, also es gibt aus Schweinepankertiger isolierte Lipase und diese Lipase gibt es verschiedene Hersteller, ist letztendlich in Kapseln verpackt. Und dieses Enzym ist wirklich, das nennt sich dann von verschiedenen Herstellern, muss ich jetzt nicht unbedingt sagen, aber dieses Enzym wird dann zu jeder Mahlzeit eingenommen und man merkt dann relativ deutlich, dass sich die Pläung und damit assoziiert Bauchschmerzen, aber halt auch die Stuhlkonsistenz und die Stuhlfrequenz deutlich bessert.
Und was neben diesen Beschwerden auch noch ein ganz wichtiger Faktor ist, und gerade bei den Patienten, die halt die chronische Pancitis haben und natürlich langfristig darauf angewiesen sind, dass sich der komplette Ernährungsstatus ändert. Also die Patienten sind dann nicht mehr sarcopen. Durch die bessere Aufschlüsselung der Nahrung, durch die bessere Verdauung und Aufnahme werden die Patienten natürlich auch wieder klinisch deutlich besser, bekommen eine Gewichtszunahme, sind einfach von der Kondition her aktiv oder sportlich besser.
Also gibt es viele, viele Vorteile von der Enzymtherapie. Die muss dann halt allerdings lebenslang eingenommen werden. Die Enzymtherapie wirkt nur lokal im Darm. Die häufigste Frage von Patienten ist, kann ich damit irgendetwas falsch machen? Viele Patienten zusieren dieses Medikament zu niedrig oder diese Medikamente.
Der einzige Nachteil kann sein, dass sie davon eine Obstitution, eine Verstopfung bekommen, was viele als Segen wahrnehmen würden, weil sie eher Probleme mit Durchfall haben.
Ja, okay, verstehe, verstehe. Bei den Patienten wurde, ne, das waren, also wir waren es tatsächlich zweimal auf der Station und wir haben noch einen anderen Patienten, der eine Pankratitis mit bilärer Genese hatte und da wurde ein Verfahren angewendet, was ich das Coolste aus dem ganzen Gastrointestinalblock fand, und das war die ERCP.
Was ist die ECP und warum endet man sie an?
Also die EACP ist eine Methode, wo man letztendlich endoskopisch, ich kann es ja mal ganz kurz erklären, es ist einfach gesagt, eine Schluckuntersuchung, der Patient wird zediert und man geht mit einem besonderen Endoskop, was eine Seitblickoptik hat. Also man schaut nicht geradeaus, sondern man schaut in einem Winkel von 90 Grad, geht man ins absteigende Duodenum, stellt sich die Papillephatori dar und kann dann rein theoretisch mit verschiedenen Devices entweder den Pancreasgang oder den Gallengang sondieren und intubieren.
Und wenn wir eine biliäre Pankreititis haben, dann ist es in vielen Fällen so, wenn dieser Stein die Pankreatitis auslöst, dann geht er doch relativ häufig ab, aber in einigen Fällen klemmt dieser Stein nach vor dem Spink der Oddi und könnte potenziell weiter Probleme machen. Dann sollten wir, und der Zeitpunkt kann diskutiert werden, aber in der Regel, wenn wir sehen, dass die Pankreatitis gut kontrolliert ist, nach zwei, drei Tagen, sollten wir versuchen, diesen Stein zu bergen, weil ansonsten kann es neben der Pankreatitis sekundär auch noch zu einem Galleaufstau kommen, zu einer Cholestase, potenziell dann auch wieder mit einer Komplikation, dass sich diese Galle infiziert, also eine Cholangitis
passiert. Der Patient klinisch sich dadurch wieder verschlechtert. Also ich sondiere mit dem RCP-Gerät ganz spezifisch den DHC, den Hauptgang der Gallenwege, mit einem Draht. Dann kann ich unter Röntgen, so muss man sich das vorstellen, das ist eine Röntgenanlage, man hat eine Röntgenschürze an, man sondiert unter Röntgen diesen Gang und gibt dann Kontrastmittel, dass man die Gallengefäße darstellen kann.
Und dann sieht man, ist noch ein Stein vor Ort oder nicht. Und diesen Stein kann man dann entweder mit einem sogenannten Körbchen, einem Drehkörbchen, einem Ballon entfernen. Und dann zieht man diesen Stein einfach in das Duodenum. Der geht dann spontan ab. Man wird während dieser Untersuchung noch den Zwingtor Oddi etwas entweder dilatieren, also mit einem Ballon aufdehnen oder auch einen kleinen Schnitt machen, also eine Papillotomie der Muskelfasern, damit potenziell wirklich hinterher die Galle auch richtig abfließt.
Und wenn man Sorge hat, dass auch aufgrund der Pankreititis oder nach diesem minimalchirurgischen Eingriff die Galle immer noch nicht abfließt, kann man auch einen Plastikstand einlegen. Das sind gerade Stands, die oben und unten eine Öffnung haben und ein Flap, also so einen kleinen Seitenplastikast, damit sich dieser Stand gut verhaken kann im Gallengang.
Und den würde man dann einige Zeit belassen. Damit hat man dem Patienten dann hoffentlich geholfen.
Okay. Und sprich, um wieder auf die Pankreatitis zurückzukommen, ist quasi das große Ziel, diese Pancreasenzyme dahin zu bringen, wo sie hingehören, also nicht im Pankreas sich anstauen zu lassen, sondern zurück in den Darm zu bringen.
Absolut. Was wir, genau, also das würden wir machen. Was wir, wo wir ein bisschen kritisch sind bei Patienten mit chronischer Bauchspeichydrüsenentzündung, da weiß man, dass die auch manchmal einen erweiterten Gang haben, weil einfach durch die chronische Schädigung das Organ Atrophe, das wird kleiner.
Da ist der Stellenwert, frühzeitig eine RCP zu machen und eventuell Interventionen zu betreiben, eher geringer. Also wir würden uns eher auf die Cholestase konzentrieren. Es gibt aber neben den Steinen im geilen Gang auch manchmal Steine als chronische Komplikationen, die im Pancreasgang sich wiederfinden.
Also Sie kennen ja alle das Bild auch von Kalzifikation im Pancreas durch diese chronischen auch Verseifungsprozesse, die stattfinden, bilden sich Steine, die sind nicht im Parentym. Diese Steine sind alle in den Seitenästen oder halt im Hauptgang des Pankreas. Und diese Steine können auch manchmal Schmerzen machen.
Und da kann man also mit dieser EACP, das P steht ja für Pankreatikrographie, auch in den Pankreasgang gehen und versuchen, diese Steine zu entfernen oder zu zertrümmern. Das wäre auch möglich.
Sie hatten gerade von Verseifung gesprochen. Was bedeutet Verseifung im Kontext von der Pankreatitis?
Ja, also die chronische Entzündung letztendlich kann dazu führen, es sind eher aus meiner Sicht Calcium-Oxalatsteine, dass dort eine Ausfällung stattfindet und die Steine sich vor Ort bilden. Okay.
Gut, also dann fassen wir mal kurz zusammen, dass wir wissen jetzt, dass es eine akute und eine chronische Pankreatitis gibt, dass die akute oder dass die beiden Hauptgenesen von der akuten Pankreatitis die ethyltoxische und die biläre Genese sind. Und dass das Hauptproblem eine Anstauung der Pankreasenzyme sind, die dann eben nicht da, wo sie wirken sollen, anfangen zu wirken, sprich im Darm, sondern im Pankreas anfangen, das Pankreas- und umliegende Gewebe zu verdauen.
Und dadurch entsteht dann im schlimmsten Fall dieser Zytokinsturm, der dann quasi eine systemische Problematik auslöst oder einfach in Anführungsstrichen nur eine lokale Entzündung im.
Leo, hast du dir eigentlich schon mal darüber Gedanken gemacht, später eine eigene Praxis aufzumachen? Wir sind noch im Studium, aber man darf ja mal träumen. Ja, es gibt so ganz viele Sachen, die irgendwie echt spannend sind daran. Zum Beispiel sein eigener Chef zu sein.
Ja, seinen Arbeitsalltag selbst zu gestalten.
Oder auch eine enge Bindung zu den Patienten aufbauen zu können. Superstark. Und ich glaube, dass es ganz vielen von unseren KommilitonInnen ganz ähnlich geht. Und wir selbst haben da ja auch nicht so viel Ahnung von. Ich würde mich aber auf lassdichnieder.de darüber informieren. Das ist eine gemeinsame Kampagne von der Kastenärztlichen Bundesvereinigung und den 17 Kastenärztlichen Vereinigungen.
Und dort findet ihr viele Tipps zur Niederlassung, Antworten auf eure Sorgen und ganz viele spannende Erfahrungsberichte.
Wahrscheinlich ist es, so wie in vielen Fachbereichen, so, dass sie auch in der Therapie oft mal ein bisschen spontan sein müssen und ihre aus dem Bauchgefühl schnelle Denkweise gebrauchen. Und deswegen haben wir quasi zur Mitte der Folge ein kleines Quiz vorbereitet, wo es eben um diesen intuitiven Teil des Gedächtnisses geht.
Und das würde jetzt quasi so ablaufen, dass ich Ihnen zwei Optionen nenne und sie einfach aus dem Bauch raus entscheiden, welche Option besser zu Ihnen passt und welche ihnen besser gefällt. Wenn Sie sich jetzt gar nicht entscheiden können, dann können Sie einfach weitersagen und wir können am Ende quasi besprechen, wo genau da Ihre Meinung liegt und würden da jetzt einfach mal gerade mit starten.
Also Frühaufsteher oder Sprechschicht?
Frühaufsteher meistens. Okay, Klinik oder Vorklinik. Klinik? Grundlagenforschung oder klinische Studien?
Klinische Studien?
Okay. OP oder Station?
Oder ERCP-Raum oder Station? Ja, Rollenraum, ERCP. Röntgenraum, okay.
ÖGD oder EACP? ERCP? Kittel oder Kazak?
Kittel.
Halle oder Heidelberg?
Heidelberg.
Hierarchie oder keine Hierarchie?
Keine Hierarchie.
Optimist oder Pessimist?
Optimist.
Ja oder vielleicht? Daten oder Intuition?
Fortschritt oder Tradition? Fortschritt. Work or life? Work. Okay. Ja, ähm.
Spannend, spannend. Sie hatten gehakt bei Grundlagenforschung und klinischen Studien.
Ja, eigentlich ist beides wichtig. Ich habe so in meinem Verlauf oder meiner Karriere gesehen und ich habe mit Grundlagenwissenschaften angefangen, mit Invitro, in Vivo-Modellen und ich habe auch eine Arbeitsgruppe, die das weitermacht. Aber natürlich sind wir primär auch Kliniker und wir wollen unsere Dinge, selbst die wir grundlagenwissenschaftlich initiieren, ja versuchen, in klinische Studien mit aufzunehmen.
Also eine translationale Forschung finde ich fast der bessere Begriff. Wir sind keine reinen Grundlagenwissenschaftler. Das wäre jetzt auch vermessen zu sagen, weil wir natürlich einfach medizinisch-klinische Ausbildung haben und das auch immer der Schwerpunkt sein wird. Wir können uns ja damit vielen, die reine Grundlagenwissenschaft zu 100 oder mehr Prozent betreiben, gar nicht messen.
Aber das Ziel muss immer sein, dass wir aus der Klinik generieren, spannende Fragestellungen preklinisch anschauen, aber dann versuchen wir dann die Klinik zu transferieren. Und das ist, glaube ich, der Punkt, wo ich gehakt habe. Deswegen habe ich jetzt gesagt, klinisch, aber besser wäre translational.
Ja, okay, verstehe. Sie haben in Halle dieses Clinical Scientist Programm mitgemacht. Wieso haben sie sich dafür entschieden und wie genau war das überhaupt? Was kann man sich darunter vorstellen?
Es ist ja häufig so, dass man die meiste Zeit, die man Forschung aufwendet, eigentlich neben den klinischen Pflichten macht. Also es ist in wenigen Fällen so, dass das Personalbudget so gut ausgestattet ist, dass man freigestellt werden kann komplett. Deswegen muss man sich versuchen, Nischen oder Wege zu erarbeiten, wo man gewisse Freistellungen kriegt.
Und das ist auch ja hier in Heidelberg gibt es Clinischen Scientist-Programme. Die Möglichkeit, dass man innerhalb von drei Jahren, anderthalb Jahren freigestellt wird für Forschung. Klinische Forschung, Grundlagenwissenschaftliche Forschung. Und die Möglichkeit gab es in Halle. Natürlich war es nicht so, dass es auf die Minute alles gepasst hat, 1-1, und man wurde dann doch immer wieder okkupiert von klinischen Aufgaben.
Aber zumindest war das Projekt getriffen, hatte man Zeit, hier sich der Forschung weiter zu intensivieren, seine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen, Anträge zu schreiben.
Okay. Also bedeutet das, dass sie dann immer für längere Zeiträume 100% freigestellt waren oder war das eher so einen Tag Klinik, einen Tag Forschung und dann quasi ein Wechsel?
Organisatorisch war es immer besser, wenn man einen Klinikblock hatte und dann hatte man ein paar Wochen, je nach OSU- und Urlaubszeiten von den anderen Kollegen, dann hatte man wieder ein paar Wochen Zeit für grundlagenwissenschaftliche Forschung. Also das war flexibel. Okay.
Also Sie sind ja nach fünf Jahren Arbeitszeit in Marburg nach Halle gewechselt. Da waren Sie ja bestimmt noch nicht ganz fertig mit Ihrem Facharzt.
Nee, genau, da war ich im vierten, sprich im fünften Jahr. Ich habe auch zuerst, und das ist ja auch immer wieder ein Punkt, den man diskutieren kann, ich habe zuerst meinen Allgemeininternisten gemacht und dann nochmal die Subspezialisierung. Es gibt ja die Möglichkeit, dass man direkt die Subspezialisierung wie Gastrontologe, Kardiologe, Hämatologe nach sechs Jahren macht.
Aber ich habe fünf Jahre erstmal den Allgemeinmediziner gemacht, um einfach wirklich breit aufgestellt zu sein. Okay. Und dann kamen nochmal drei Jahre die Subspezialisierung für den Gastrontologen.
Okay. Das heißt, dass dieses klinische Science-Programm während dieser Assistenzarztzeit anlief. Wie war das denn? Hat sich Ihr Assistenzarzt verlängert, dadurch, dass sie geforscht haben?
Also in Halle war es so, die internistische Ausbildung im Fachaze hat sich schon fertig und es ist dann teilweise in die gastrontologische Ausbildung mit eingeflossen. Aber da ist es so, die ist nochmal zusätzlich drei Jahre, dass das schon teilweise mit angerechnet wird. Okay. Und von der Seite her, und es liegt auch natürlich immer damit oder hängt damit zusammen, wie das im klinischen Kontext passt und wie das natürlich auch besprochen wird innerhalb der Abteilung, aber potenziell ist es möglich, auch gut zu integrieren.
Man muss es halt dann auch vor der Ärztekammer darlegen.
Okay, verstehe. Was waren denn Ihre Forschungsthemen an den verschiedenen Standorten? Oder war das immer das gleiche?
Also insgesamt kann ich sagen, ist der Schwerpunkt des Pankreas, jetzt klinisch und präklinisch, in all seinen Facetten. Da gehört ja die Panktreititis, wie wir überhaupt gesprochen haben, die akute und chronische dazu. Und dementsprechend aber auch endoskopische Interventionen wie ERCP oder Endosonografie, also der Ultraschall von innen von der Bauchspeicherdrüse mit Drainagen und Punktionstechniken, das ist ein Schwerpunkt.
Und ansonsten ist der Schwerpunkt präklinisch, liegen auf den Malignomen, etwas auf dem Pancreas-Adenokarzinom, aber der hauptsächliche Schwerpunkt liegt auf den Neuroendokrin Neoplasin des Pancreas. Eine seltene Entität, aber Sie kennen sicherlich alle Steve Jobs, der letztendlich eine Neuroendokrin Neoplasie des Pankreas hat und damit acht Jahre gelebt hat, bis zur Transplantation, alle möglichen Therapien bekommen hat, auch in Europa.
Die Erkrankung hat mich schon immer fasziniert und dafür gibt es auch gute Zelllinien und ein gutes Mausmodell, wo man verschiedene Forschungen, epigenetische Mikrobiome, immunmoderatorische Forschung, was so mein Schwerpunkt ist, daran betreiben.
Okay. Und Sie hatten jetzt die Translationalität angesprochen. Das heißt, Ihr Ziel ist es in der Klinik, dass Ihnen da irgendwie eine Probleme auffällt und das dann zu lösen oder wie gehen Sie da so dran?
Nee, ein Schwerpunkt ist zum Beispiel, dass wir Ansätze, wir wissen zum Beispiel bei den Neuroendokrinen, Tumoren des Pankreas spielen so epigenetische Veränderungen, Chromatin-Remodeling, Histonmodifikation eine wichtige Rolle. Das weiß man aus vielen Sequenzierungsstudien in den letzten Jahren. Dafür gibt es natürlich auch Medikamente, die einen Einfluss haben auf das Chromatin-Remodeling und auf die Histon-Deacetylasen oder die Acetylierung.
Das kann man wieder natürlich, dann geht man wieder einen Schritt zurück, versucht das zu untersuchen in seinen Zellmodellen und Mausmodellen. Und dann kann man daraus überlegen, macht es Sinn, in gewissen Sequenzen zu Standardtherapien so eine Therapie hinzuzunehmen. Und dann zu untersuchen, natürlich jetzt schon sehr speziell, aber können diese Tumore redifferenzieren, also werden sie weniger aggressiv, können sie gewisse neuroendokrine Eigenschaften wieder Rezeptoren an der Oberfläche ausbilden, die man dann therapeutisch nutzen kann?
Das ist zum Beispiel so eine translationale Fragestellung. Also etwas erkennen aus klinischen Studien, dann wieder zurückgehen in die Präklinik, Untersuchungen machen und dann die Ergebnisse versuchen, wieder in eine frühe klinische Phase 1-2-Studie einzubringen und an wenigen Patienten zu untersuchen.
Okay. Um jetzt nochmal unsere vorklinischen Zuhörerinnen mit abzuholen, aus welchen Zellen entstehen diese Tumoren ursprünglich?
Also die Neuroum. Wie sind diese Neuroendokrinum? Also, Neuroendokrintumoren. Das ist eine ganz spannende Frage, das ist nicht zu 100% geklärt, aber letztendlich, Sie kennen alle das oder Sie haben vielleicht schon mal gehört von dem insulinproduzierenden Tumor, dem Insulinom. Das sind Patienten, die bekommen eine Unterzuckerung, die bekommen neurologische Probleme, werden komatös, weil zu viel Insulin ausgestüttet wird.
Das ist ein Tumor, der typischerweise aus den Beta-Zellen entsteht. Aber wir haben ja nicht nur die Beta-Zellen innerhalb der lange Handschuheinseln, sondern wir haben auch noch die Alpha-Zellen. Wir haben auch noch Delta-Zellen und wahrscheinlich auch noch weitere Zelltypen, aber der neuroendokrine Tumor entsteht beim Insulinum aus den Beta-Zellen, ansonsten auch aus den Alpha-Zellen.
Und kann sich eventuell dann auch redifferenzieren, also ist nicht so ganz klar. Okay.
Verstehe. Jetzt sind sie von Marburg nach Halle nach Heidelberg gewechselt. Was waren jeweils die Antriebe doch schon relativ weit zu reisen? Wenn man von Marburg nach Halle ist auch schon ein Stück und von Heidelberg nach Halle ist auch ein Stück. Was hat sie dazu bewegt, die verschiedenen Standpunkte auf ihrer Karrierereise anzusteuern?
Ja, das ist komplex.
Also zum einen denken wir, denke ich, eher in Projekten oder in Ideen. Und eine Idee ist natürlich, dass wir an dem Forschungsstandort Heidelberg mehr Möglichkeiten haben, was klinische Forschung angeht und was präklinische Forschung angeht. Im Vergleich auch zu den anderen Fakultäten, wo ich vorher war.
Das Ganze muss natürlich auch immer im Team bewältigt werden. Ich bin ja nicht allein hergekommen in der Tat. Und das ist, wie so häufig in der Medizin, hat man einen Mentor, mit dem man schon viele Jahre zusammenarbeitet. In dem Fall war das mein Chef, mit dem ich auch mitgekommen bin. Und obwohl wir jetzt unsere Schwerpunkte Pancreis haben, haben wir präklinisch unterschiedliche Schwerpunkte.
Ich Neuroendokrin, eher das Adenokarzinom. Und es ist aber trotzdem so, dass dieses Ideendenken und gemeinsame Ziele verfolgen, relativ wichtig ist und relevant. Und dann ist es auch immer ein Momentum, in welcher Lebenslage man sich befindet, wie flexibel man ist. Häufig man ja nicht nur die Einzelpersonen, sondern hat schon auch Familie, Freunde.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Da müssen alle mitziehen. Aber das, was ich eben auch bei ihrer Schnellfragerunde gesagt habe, ich bin stets optimistisch und Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt und wo letztendlich man ja, wie gesagt, auch Ziele hat und Projekte umsetzen möchte. In dem Fall hat meine Familie stand auch hinter mir, war auch davon überzeugt, dass das eine gute Sache hier in Heidelberg wird und von daher haben wir es dann auch zusammen angepackt.
Ja, okay, verstehe.
Sie hatten jetzt gerade Familie schon angesprochen und haben auch bei der Frage Work und Life ein bisschen gezögert. Ich meine, grundsätzlich glaube ich, dass oder war es zumindest bis jetzt so, dass alle Menschen, die wir interviewt haben und die halt eben so begeistert waren von ihrer Arbeit, am Ende auch Work gewählt haben.
Aber es ist auch oft darum geht, dass es ja auch noch was anderes außerhalb des Kittels gibt. Wie ist das, oder wie nehmen Sie das wahr? Weil ich kriege den genauen Kontext nicht mehr zusammen, aber Sie hatten auch von dem Fußballspielen mit Ihrem Sohn erzählt.
Ja. Im Seminar. Genau. Also es ist natürlich so, dass die Entwicklung, die man in der klinischen Karriere vorantreibt oder die voranschreitet, geht natürlich ja häufig auch miteinander mit einer gewissen Familiengründung oder mit vielen Dingen, die sich im privaten Leben abspielen. Das ist leider so ein bisschen die Krux.
Man möchte natürlich eine Familie meistens aufbauen oder möchte seinen Freundesstamm etablieren und über das Socializing sich integrieren und parallel möchte man aber auch innerhalb seines Tun und Workens weiterkommen. Das ist nicht so einfach unter einen Hut zu bringen. Und da habe ich schon viele Facetten und viele Wege auch ausprobiert, aber es ist natürlich so, es gibt Phasen, wo man sehr kreativ ist und sehr viel schafft, aber ich kenne genauso gut Phasen, wo es einem schwerfällt, Sachen zu schreiben, Paper zu schreiben, Anträge zu schreiben.
Manchmal läuft es dann plötzlich, wenn gewisse Umstände da sind, sehr, sehr gut und manchmal dauert es länger. Ich glaube, man kann es nicht erzwingen. Man braucht natürlich die Unterstützung von der Familie. Es ist natürlich so, dass man einfach auch viel arbeitet, selbst wenn ich keine Forschung machen würde, allein die klinischen Aufgaben fesseln einen so, dass aktuell die Forschung in der Freizeit oder dann zu Hause gemacht wird.
Und da muss man halt Zeitfenster definieren. Und wie Sie schon sagen, meine Familie, wir haben zwei Jungs. Es ist natürlich so, dass man diese Phase, die auch nie wiederkommen wird, nicht missen möchte. Das heißt, es steht dann schon auch an, wenn man zu Hause ist, dass man auch wirklich versucht, präsent zu sein und nicht die ganze Zeit abwesend zu sein und noch parallel dann E-Mails zu beantworten.
Also man fokussiert sich dann auf die Zeit, wo man hier ist. Und ich glaube, das ist eine meiner, ich denke, eine meiner guten Eigenschaften, dass man sehr, sehr gut organisiert sein muss und sehr, sehr gut, sehr, sehr gut schauen muss, was relevant ist und nicht, und dann seine Schwerpunkte setzt und so eine gewisse Fokuszeit hat, wo man Dinge abarbeitet.
Aber dann wiederum, wenn man auch zu Hause ist, dann ganz und gar die Zeit mit der Familie nutzt. Und dann ist es natürlich wie immer auch manchmal ein Kompromiss, manchmal eine Diskussion, aber häufig, deswegen ist man ja stets optimistisch, lässt sich es lösen.
Verstehe. Also quasi, dass man sich, dass man sich der Zeit, die man hat, auch bewusst ist.
Es ist jetzt in der schnelllebigen Zeit, wir werden immer mehr frequentiert, wir bekommen immer mehr Anrufe, mehr E-Mails. Man muss wirklich gut organisiert und strukturiert sein, das unter einen Hut zu kriegen. Man muss auch manchmal bewusst Sachen abgeben können oder einfach Sachen dann als nicht relevant erachten.
Das ist, glaube ich, auch wichtig.
Okay, verstehe. Ja, klar. Jetzt hatten Sie das schon angesprochen, dass sie klinische Arbeit schon sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Was hat sie denn, also sagen wir es anders. Ich glaube, dass wenn man sich dazu entscheidet, Medizin zu studieren, dann macht man das nicht mit der Intention, ich werde irgendwann mal forschen, sondern ich werde Arzt werden oder Ärztin.
Was hat sie auf den Weg dazu gebracht, zu sagen, ich mache beides?
Also es war schon so, dass als ich mich interessiert hatte, eine Promotion zu machen, wollte ich gerne in diesen Bereich reinschnuppern.
Und ich habe diesen, und ich hatte ja erzählt, ich habe eine Promotion bei einer Biochemikerin gemacht, was auch total interessant war, auch schon mit Zellmodellen und Tumorforschungen, das habe ich immer wie eine Art Zweit-Studie empfunden. Das heißt, man unabhängig von dem medizinischen Wissen, man musste ein bisschen Keingefühl, man musste ein bisschen ja einfach händisch was können.
Das war relevant und hat auch Spaß gemacht. Und dann hat sich halt gezeigt, und das hat relativ gut gepasst, dass dann während meinem PJ und vorher hatte ich die Promotion gemacht, dass dann dieses Interesse auch an diesen Erkrankungen der Neuroendokrineoplasien da war. Also ich sage immer so ein nettes Beispiel, ich habe dann im PJ mich mit einem Patienten unterhalten, klinisch, der hatte eine schwersterste, hätte ich damals gesagt, eine schwerste Erkrankung, war diffus metastasiert und ich habe mich mit ihm über sein Handicap im Golf unterhalten.
Also er war Banker aus Wiesbaden und er hat Golf gespielt und er war schwerst Leberknochen, schwerst metastasiert, aber er hatte noch eine unglaubliche Lebensqualität. Und das war dann dieser Reiz, so ein Krankheitsbild, so eine maligne Erkrankung zu haben. Aber präklinisch habe ich auch schon mit so Tumorzellen dann gearbeitet.
Okay. Um diesen Link dann zu schaffen. Das hat mich halt interessiert. Und dann gab es halt auch das Momentum und das Glück zu sagen, man darf das dann auch weitermachen. Und man kann dann in der Arbeitsgruppe, konnte dann dazu stoßen und konnte ich dann weiter neben der Assistenzarztzeit dann natürlich nicht mehr ganz so intensiv, aber dann trotzdem neben der Arbeit noch weiterforschen und haben sich dadurch auch verschiedene Wege geöffnet.
Und von daher hat dieses Zusammenspiel, diese Patienten klinisch zu sehen, aber auch dazu in der Grundlagenwissenschaft zu arbeiten, fand ich hochinteressant.
Okay, also quasi der übergreifende Aspekt von ich verstehe etwas hinzu, ich sehe etwas und wieder zurück, das Gesehene zu verstehen. So würde ich es, würde ich sagen, genau. Okay. So, jetzt haben wir auch schon fast 40 Minuten gesprochen. Das letzte Thema, über was ich mit Ihnen sprechen möchte, ist rückblickend, was Sie unseren Hörerinnen und Hörern, die jetzt gerade ja noch relativ am Anfang Ihres Studiums und auch ihrer Karriere stehen, was es für Dinge gibt, die Sie vielleicht vorher gerne gewusst hätten und die Sie jetzt den Leuten quasi als Tipp mit auf den Weg geben können.
Also im Nachhinein muss ich sagen, gibt es ganz viele Aspekte, die in der Vorklinik wichtig waren. Also, wenn ich an Anatomie und Physiologie oder Patophysiologie denke, dann können sie, wenn Sie sich später für innere Medizin interessieren, können sie viele Dinge transferieren. Also wir haben jetzt über die Verdauungsprozesse gesprochen.
Total wichtig. Sie können viele Krankheitsbilder erklären und Wirkungen von Medikamenten, von Magenschutzmedikamenten, Antihysteminika, wenn sie einfach die verschiedenen Zellen wissen, wenn sie wissen, wie das reguliert wird. Das fand ich damals total spannend und ich habe letztendlich mir später auch noch zur Assistenzarztzeit den Silbernagel gekauft, das kleine Physiologiebuch, was links Text hat und rechts die Schaubilder, was super ist.
Aber auch wenn man Kardiologie machen möchte oder Pymologie, da spielt die Pathophysiologie von Mechanismen eine ganz, ganz große Rolle, das finde ich wichtig. Und wenn Sie Richtung Gastroentrologie wollen und auch mal später, natürlich jetzt schwer in der Vorklinik, wenn Sie sich interessieren, so für Interventionen, für Ultraschall, ERCPs, da spielt einfach die Anatomie eine große Rolle.
Und wenn Sie sich damals schon gut mit identifiziert haben, wenn Sie im PrEP-Kurs händisch gut waren, dann werden Ihnen auch solche Dinge wahrscheinlich liegen und das wird auch viel mehr Spaß machen, wenn man Dinge einfach schneller erkennt und die Zusammenhänge versteht.
Okay, verstehe. Und so für den Weg, weil Sie jetzt ja, wie gesagt, nicht so den klassischen Medizinstudium und ich werde der Arzt weggegangen sind, sondern auch so über die Forschung. Wie würden Sie da den Leuten versuchen, das mit auf den Weg zu geben, dass sie das finden, was für sie am besten passt?
Oder wie war das für Sie?
Also es ist schwierig, weil manche wissen ja vielleicht gar nicht oder bekommen die die Chance zu wissen, was am besten passt oder nicht. Es ist heutzutage so, ich glaube, eine gewisse Neuge und in Bereiche reinzuschnuppern, ist einfach wichtig. Also es ist schon auch in gewissermaßen die Eigenmotivation und das Eigeninteresse.
Ich glaube, und diese Philosophie vertrete ich auch bei Patienten, wenn wir über Humortherapien sprechen, ich glaube, etwas zu wagen und zu probieren, ist immer gut. Abbrechen kann man jederzeit. Zu sagen, nein, das passt jetzt nicht in meine Work-Life-Balance oder diese Nebenwirkung ist zu stark, ich möchte das nicht weiter aus Patientensicht, das kann man jederzeit machen.
Aber wenn sich die Chance ergibt, und so war es damals auch mit dem Wechsel der Heidelberg oder so war es auch mit der Forschung, dann sollte man die Chance wahrnehmen. Im Nachhinein ist es immer schwieriger zu argumentieren, zu sagen, hätte ich doch bloß gemacht. Ja, klar. Und deswegen glaube ich auch der Optimismus, aber wenn man die Möglichkeit hat, zu sagen, man hat eine experimente Doktorarbeit, man möchte da mal reinschnuppern, man kann ja auch vorher mal zwei Wochen Praktikum machen, dann sollte man das versuchen.
Und wenn man dann merkt, es ist nicht Seins, es ist definitiv keine verschwendete Zeit, sondern ist so, dass man sich damit auseinandergesetzt hat und dann viel besser seine Meinung bilden kann.
Okay. Und jetzt als absoluten grünen Abschluss, wir arbeiten sehr viel mit Merkhilfen und Bildern.
Haben Sie einen Lieblingsmerkspruch?
Da bin ich jetzt in der Tat nicht ganz so spontan. Okay.
Aber was ich sagen kann, und das reizt sich jetzt ein, stets positiv bleiben. Das ist, glaube ich, bei all den Situationen und bei all dem Weg, den wir durchschritten haben mit der Medizin und den wir klinisch später sehen, mit den Patienten, mit denen wir arbeiten, gerade bei mir auch onkologisch, wir müssen Optimismus und Positivität vermitteln.
Und das kann ich Ihnen nur mitgeben, dann bin ich mir sicher, werden manche Hürden leichter genommen werden.
Okay. Ja, wunderbar. Vielen Dank, dass ich sie hier besuchen durfte in Ihrem Büro. Dann verabschieden wir uns, liebe Freunde und Freundinnen der Vorklinik. Falls ihr auch einen spannenden Professor oder spannende Professorin auf eurem Weg auf die Wenn euch auf eurem Weg auch mal eine spannende Professorin oder Professor begegnet sind, dann schreibt uns auch gerne mal über Insta.
Und wir kommen auch gerne mal euch besuchen und können dann mit euren Empfehlungen sprechen. Ansonsten vielen Dank fürs Zuhören und dann sehen wir uns in der nächsten Folge. We empfehlen das Studium of einsteigen über den Inhalt des Podcasts hinaus.