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Bedrohtes Paradies: Wie die Welt der Vögel schwindet | Buchkritik
Dienstag, 20. Oktober 2026 · 3 min
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Shownotes
Robert Macfarlane gelingt es, uns immer wieder zu überraschen: So viele erstaunliche und verblüffende Geschichten weiß er aus dem Leben der Vögel zu berichten.
Dabei sind seine Beispiele eigentlich eher ein Anlass zur Trauer, denn die Vogelwelt ist dabei, zu verschwinden, auch in England, auf das sich das Buch konzentriert.
In Großbritannien sind es sind es dreiundsiebzig Millionen weniger, weltweit sind mehr die Hälfte aller Vogelarten bedroht. Was einmal „gewöhnlich“ hieß, wird zunehmend selten.
Quelle: Robert Macfarlane, Jackie Morris (Illustration) – Das Buch der Vögel
Die schwindende Vogelwelt
Macfarlane fragt im Vorwort, was uns mit den Vögeln verloren geht und meint: vor allem ihre Schönheit. Doch nicht nur sie, es gehe um viel mehr:
Vögel sind unsere Ortsgestalter, Gedächtnisträger, Uhren und Kalender. Sie fügen die Teile der Welt zusammen: Erde zu Himmel, Fluss zu Wald, Berg zu Meer, Land zu Land, Hemisphäre zu Hemisphäre. Ohne sie beginnt alles auseinanderzufallen.
Quelle: Robert Macfarlane, Jackie Morris (Illustration) – Das Buch der Vögel
An 56 Vogelarten zeigt der Autor, welche extremen Schwierigkeiten sie meistern müssen, um zu überleben. Die Natur, die sie brauchen, schwindet rasant. Sie brauchen Nahrung, das heißt Gräsersamen, Früchte wie Vogelbeeren, aber auch Schnecken und Lurche sowie alle möglichen Sorten von Insekten, von Läusen bis zu Libellen.
Raubvögel wie Sperber, Turmfalken oder Seeadler schlagen Mäuse, Ratten und sogar junge Kaninchen. Käuze und Uhus jagen nur nachts. Doch auch sie sind rar geworden, weil ihr Lebensraum wie naturbelassener Wald deutlich kleiner geworden ist.
Die Waldwirtschaft lässt alte Bäume selten stehen, doch genau diese morschen Stämme sind für einige Arten wie den Waldkauz überlebenswichtig. In ihnen verbergen sich seine Nisthöhlen, gut getarnt.
Bedrohte Nahrungsquellen
Die Nahrungsquellen der Vögel sind in der industrialisierten Agrarlandschaft massiv bedroht. Pestizide wie Pilz- und Insektengifte und Unkrautvernichter zerstören die Pflanzen, die zur ihrer eigenen Fortpflanzung Samen produzieren.
Sie sind oft auf bestimmte Vögel angewiesen, um sich fortpflanzen zu können. Die Vögel fressen sie und scheiden sie dann wieder aus. So kommt es zu einer natürlichen Symbiose. Verschwindet diese Vogelart oder diese Pflanze, ist das das Ende von beiden.
Wir Menschen bekommen das normalerweise nicht mit. Der Autor richtet unseren Blick gezielt auf diese Zusammenhänge, denn sein Buch enthält für jede Vogelart mindestens drei farbige Bilder, gestaltet von der Illustratorin Jackie Morris:
Je ein Bild für jedes Entwicklungsalter, denn viele Arten wechseln ihr Gefieder, ihr Federkleid mit Alter und Jahreszeit.
Sie passen sich überhaupt an ihre Umgebung an wie der Autor an mehreren Beispielen zeigt, darunter das Schneehuhn. Sein weißes Gefieder ist wie eine Tarnung: Es fällt im Schnee nicht auf.
Unbekannte Begriffe
Macfarlanes Sprache ist leider etwas gewöhnungsbedürftig: Seine Beschreibungen strotzen vor Begriffen, die in keinem Wörterbuch zu finden sind. Erfundene Wörter, die die Übersetzerin Daniela Seel aus dem Englischen übernommen hat.
Die deutsche Sprache kennt sie jedenfalls nicht. Dennoch ist Robert Macfarlanes Buch eine Schatzkammer unbekannten Wissens und all jenen ans Herz zu legen, die sich für die faszinierende, leider schwindende Vogelwelt interessieren.