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SWR Kultur lesenswert - Literatur

Ein gelungener Roman über das Putzen! „Saubere Häuser“ von María Agúndez

Mittwoch, 21. Oktober 2026 · 4 min

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Shownotes

Sol ist eine junge Frau in der spanischen Metropole Madrid. Beruflich hat sie wenig Ehrgeiz, die Wohnung teilt sie mit ihrem Freund, der von morgens bis spätabends arbeitet. Als Sol ihren Job als Assistentin eines Künstlers verliert, übernimmt sie den Hausputz.

Heute verbringe ich den Tag mit Putzen. Dienstags ist der Großputz dran. (…) Wenn ich gerade nicht putze, denke ich ans Putzen.
Quelle: María Agúndez – Saubere Häuser

Sol – die putzbesessene Romanfigur

Für Sol, die Ich-Erzählerin des Romans Saubere Häuser, ist Putzen mehr als eine lästige Pflicht – es ist eine Obsession. Sie liebt es, wenn die Küche glänzt, das Bad in makelloser Frische erstrahlt und nirgendwo ein Staubkörnchen zu sehen ist. Eigentlich hat Sol gar nichts dagegen, zu putzen – sie tut es sogar gern.
Doch sie weiß, dass das auf ihr Umfeld nicht gerade emanzipiert wirkt, und schämt sich vor der feministischen Nachbarin. Und auch vor ihrem Freund. Dem wiederum ist es irgendwie peinlich, dass nur seine Partnerin für die Wohnungsreinigung zuständig ist – was ihn aber nicht dazu bringt, selbst mal den Staubwedel zu schwingen.
Dann wird Sol schwanger und das Paar engagiert eine Putzhilfe, die aus Lateinamerika stammt und ihre Schwester mitbringt. Die Protagonistin hat ambivalente Gefühle, die hier zur Schau kommen:
„Jacqueline hat zu mir gesagt, dass sie mit Diana zusammen die ganze Wohnung in anderthalb Stunden putzen kann, aber weil sie die ganze Zeit quatschen, brauchen sie immer länger, und dann frage ich mich: ...“

Muss ich ihnen jetzt mehr bezahlen? Sie brauchen nicht länger, weil es viel Arbeit ist, sondern weil sie die ganze Zeit quasseln. Oder bezahle ich sie wie vereinbart für die anderthalb Stunden?
Quelle: María Agúndez – Saubere Häuser

„Ich schäme mich wieder schrecklich und fürchte, dass die Nachbarn von gegenüber nicht mehr und nicht weniger als zwei lateinamerikanische Frauen sehen, die mir die Wohnzimmerfenster putzen, das Sofa verschieben, die Teppiche zurückschlagen und auf eine Leiter klettern, um oben auf dem Kühlschrank Staub zu wischen“, gibt Sol zu.
Putzen oder putzen lassen?

Egal, ob sie selber putzt oder putzen lässt – die Romanprotagonistin Sol hat immer ein schlechtes Gewissen. Das Verhältnis zu ihren Reinigungskräften ist ambivalent: Sie braucht sie und ist zugleich genervt, wenn sie in ihre Privatsphäre eindringen.
Ständig schwankt Sol zwischen dem Bemühen, ihre Putzhilfen fair und freundlich zu behandeln, und der Sorge, diese könnten schlecht arbeiten, plötzlich kündigen oder gar klauen.
Ironisch und unverblümt schreibt María Agúndez über ein Thema, das viele moderne Großstadtmenschen betrifft, über das aber nur wenig – und wenn, dann oft verschämt – gesprochen wird: Mache ich meinen Schmutz selbst weg oder überlasse ich das anderen? Und: Wer sind diese anderen und wie ist mein Verhältnis zu ihnen?
Ein Roman über Klassismus, Rassismus und Heuchelei

In Agúndez Heimat Spanien ist es verbreitet, Haushaltshilfen zu beschäftigen – oft sind es Latinas. Sol, die Romanfigur aus der Mittelschicht, ist kein Gutmensch, aber vermittelt dennoch einen eher empathischen Blick auf die Immigrantinnen und ihr prekäres Arbeitsleben.
Dagegen kommen Sols Bekannte und Verwandte in dem Roman nicht gut weg. Die Oma etwa tyrannisiert eine Hausangestellte nach der anderen – auch die junge Jessica aus Honduras, die deswegen immer wieder Herzrasen bekommt, schließlich flüchtet und zu Sol sagt:

„Es tut mir so leid um Ihre Großmutter, aber sie hasst mich, ich kann da nicht mehr leben.“ „Ich weiß“ , antworte ich, und die Scham frisst sich dabei durch meine Rippen. Sie diese Worte aussprechen zu hören, ist möglicherweise das Traurigste, was ich je erlebt habe.
Quelle: María Agúndez – Saubere Häuser

„Saubere Häuser“ handelt von Klassismus und Rassismus, Heuchelei und auch von Männern, die sich fortschrittlich geben, denen ihre Partnerinnen aber jedes Zugeständnis im Haushalt und bei der Kinderbetreuung abringen müssen.
María Agúndez ist es gelungen, einen Roman übers Putzen zu schreiben, der nachdenklich macht und mit seinem spöttisch-humorvollen Ton bis zum Ende unterhaltsam ist – auch wegen der überraschenden Wendung, die Sols Leben nimmt – und die natürlich mit Putzen zu tun hat.

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