Technik aufs Ohr - Der Podcast für Ingenieur*innen und Technikfans

Folge 262 - CO2-Speicherung durch CCS: Klimaretter oder teure Illusion?

Donnerstag, 15. Oktober 2026 · 29 min

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Shownotes

Gast: Dr. Tobias Haas, RIFS Potsdam
Industrieschornsteine erinnern uns sehr bildlich daran, wie viel Kohlendioxid ungehindert in die Atmosphäre freigesetzt wird. Aber wäre es technisch nicht möglich, dieses CO2 aufzufangen und zu speichern? Carbon Capture and Storage, kurz CCS, heißt die Technologie, mit der das möglich sein soll. Doch die Effizienz wird von verschiedenen Richtungen unterschiedlich eingeschätzt.
Host Christopher Baczyk spricht bei „Technik aufs Ohr“ mit Dr. Tobias Haas vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ Potsdam über eine Technologie, die bereits seit den 1970er-Jahren diskutiert wird, aber erst jetzt wieder verstärkt auf der politischen Agenda steht.
„CCS steht für das Einfangen und die Speicherung von Kohlendioxid. Und im Prinzip sind es mehrere Schritte, die dafür notwendig sind. Also das Einfangen, dann die Komprimierung von CO2, den Transport von CO2 und im letzten Schritt eben die unterirdische Speicherung von CO2.“
Wie realistisch ein Beitrag von CCS zur Klimaneutralität 2045 ist und wie hoch dieser ausfallen könnte, sind die spannenden Fragen, die in dieser Folge diskutiert werden.

Links zur Folge:
Studie des Umweltbundesamts zu CCS (umweltbundesamt.de/system/files/medien/1410/pu…)
Blogbeitrag zu CCS, RIFS Potsdam (rifs-potsdam.de/de/news/ccs-wie-eine-umstritte…)

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Musik- und Audioproduktion:
Studio Grüner Ton (gruener-ton.de)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

CCS ist auch vor dem Hintergrund eben attraktiv, weil es im Prinzip das Versprechen impliziert. Die Verfahren können weiter so betrieben werden wie bisher und am Ende wird dann eben noch CCS an den letzten Schritt des Produktionsprozesses dran gehängt. Ich bin Christopher Batschik und ich freue mich sehr auf das heutige Gespräch, denn es geht um Klimaschutz.

Und um einen ganz simplen Gedanken den einige von euch vielleicht auch schon mal hatten habt ihr euch nicht auch schonmal gefragt warum es nicht einfach möglich ist CO² direkt am Schornstein einzufangen? Tatsächlich gibt es eine Technologie die genau dieses Ziel verfolgt Carbon Capture and Storage kurz CCS Was technisch dahinter steckt, welche Infrastruktur dafür benötigt wird und wie die politische und gesellschaftliche Debatte aussieht.

Darüber spreche ich heute mit Dr. Tobias Haas vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ Potsdam. Kurzriffz. Tobius Haas ist Sozialwissenschaftler und hat sich intensiv mit den politischen und gestschaftlichen Dynamiken rund um CCS beschäftigt unter anderem in einem Forschungsprojekt zur CO-Zwei Entnahme sowie in einer aktuellen Studie zum politischen Wiederaufstieg von CCS in Deutschland.

Herzlich willkommen Herr Haas, schön dass Sie da sind. Hallo und vielen Dank für die Einladung! Ja freut uns auch das sie es geschafft haben und dass wir jetzt zusammen sprechen können. Herr Haass starten wir vielleicht mal ganz grundlegend was genau verbirgt sich denn hinter Carbon Capture in Storage also CCS?

Also CCS steht für das Einfangen und die Speicherung von Kohlendioxid Und im Prinzip sind es mehrere Schritte, die dafür notwendig sind. Also das Einfangen – das hatten Sie in der Anmoderation ja schon erwähnt – dann die Komprimierung von CO², den Transport von CO₂ und im letzten Schritt eben die unterirdische Speicherung von CO³.

Das ist eine Idee, die gibt es seit den letzten siebziger Jahren wurde vielfach diskutiert und ein paar Projekte gibt es auch. Und die Hoffnung, die mit CCS verbunden ist, dass es einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann weil das CO² dann eben nicht in die Atmosphäre entweicht sondern eben unterirdisch gespeichert werden soll.

Mit dieser Technologie wollen wir uns noch ein bisschen intensiver beschäftigen. jetzt in der Folge. Es gibt in diesem ganzen Themenkomplex aber noch einen weiteren Begriff, der da häufig auftaucht und zwar CDR. Also Carbon Dioxide Removal – ist das das Gleiche wie CCS? oder wo besteht genau der Unterschied?

Also CDR, Kam Dioxides Removal steht im Namen von CO² aus der Atmosphäre Und da gibt es unterschiedliche Ansätze, wie CO² entnommen werden kann. Also eines zum Beispiel Aufforzungen oder auch die Speicherung von CO² in Böden und es gibt noch viele andere Optionen. ist eine Technologie, die eben dafür sorgen soll dass CO² erst gar nicht in der Atmosphäre entweicht.

Insofern ist CCS eine Vermeidungstechnologie und CDA eben Entnahme-Technologie. aber es kann da auch durchaus Überlackungen geben je nachdem was der Ursprung des Kohlenstoffs ist. Es gibt nämlich auch zwei Technologien die zu CDA gehören So genanntes BEX und DAX steht für Bioenergy & CCS und Direct Air Capture & CCs.

Also bei Bioenergie ist die Idee, dass im Laufe des Wachstums Biomaster CO² bindet Und wenn das CO², das dann bei der Verbrennung freigesetzt wird unterirdisch gespeichert wird. Dann ist es ja technisch gesehen eine CO² Entnahme aus der Atmosphäre und dasselbe gilt auf Direct Air Capture. also wenn man Luft CO zwei entzieht und die Unteröde speichert dann wäre es auch eine Entnahme.

von daher gibt das über Lackungen zwischen CCS und CDA aber ist nicht identisch. Okay, wir wollen uns jetzt wie gesagt hier in der Folge eher auf CCS konzentrieren und da haben sie gerade schon gesagt es ist ein Prozess mit mehreren Schritten. wenn das CO-Zwei dann erst mal getrennt also abgeschieden wo ist dann muss es ja auch dauerhaft gespeichert werden.

In welcher Form liegt das CO² eigentlich vor? Also ist es gasförmig oder gibt's auch Verfahren, bei denen es dann beispielsweise in einen festen Zustand gebracht wird. Also in der Regel erfolgt die Speicherung gasförmic. Es gibt einige wenige Lagerstätten wie zum Beispiel in Island wo es eine Dachsanlage gibt, wo es Basaltformationen gibt und dort carbonatisiert Kohlendioxid relativ schnell, das heißt es wird gesteinsförmig.

Ich habe jetzt einen sozialwissenschaftlichen Hintergrund. deswegen kann ich hier nicht genau sagen wie schnell das vonstatten geht die Karbonatisierung. aber in den allermeisten Lagerstätten wo Kohlendeoxid eingespeichert wird oder eingespeicher werden soll wird das im gasförmigen Zustand verbleiben.

und was für lagerstädte sind das dann so? also wo findet man die? Also da gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten, also eine Option ist auch ausgeförderte Öl- und Gasstätten zu nutzen. Und ansonsten auch Gesteinsformation. wie zum Beispiel in der norddeutschen Tiefebene wäre das prinzipiell möglich CO₂ einzuspeichern.

In Deutschland wird allerdings der Fokus mehr auf die Offshore-Speicherung gelegt, also unter dem Meeresboden. was sicherlich auch damit zu tun hat, dass es dann keine Anwohner und Anwonerinnen gibt, die da eventuell etwas dagegen hätten. Und das abgeschiedene CO² muss natürlich auch erst mal dahin kommen also von der Industrieanlage oder dem Kraftwerk zum Speicher?

Welche Infrastruktur braucht es dafür? sind das nur Pipelines oder auch zb Schiffe? wie sieht's da aus? Das hängt dann auch stark davon ab Über was für Skalen wir sprechen, also wie groß so eine CCS-Infrastruktur angelegt ist. Wie viel CO² abgeschieden wird und wo es abgeschieden wird? Klar ist wenn das Großgarlig ausgerollt werden soll dann bietet sich ein Transport über Pipelines an.

in USA gibt's auch bereits einige CO² Pipelines. die sind allerdings nicht unmittelbar mit der CCS-Technologie verbunden, sondern da wird CO² in Gas und Ölagerstätten gepumpt um den Druck zu erhöhen und damit mehr Öl und Gas fördern zu können. Also das wird dann verhandelt unter dem Kürzel IOR also Enhanced Oil Recovery oder EGR Enhance Gas Recovery.

Von daher gibt es da bereits Erfahrungen auch mit Pipeline-Infrastrukturen, aber jetzt bei kleineren Pilotprojekten ist dann der Transport eher über die Schiene denkbar. oder wenn eben Offshore gespeichert wird und es keine Pipelines gibt. Dann bleibt eben der Transport per Schiff. Sie haben gerade schon von kleineren Pilotprojekten gesprochen.

Wie weit ist CCS technologisch? Und wie verbreitet es das auch schon, gibt's hier in Deutschland auch schon Projekte? Nehmen sie uns da gerne mal ein bisschen mit! Also es gibt sehr global einige wenige Projekter die bereits auch seit einiger Zeit laufen. also Norwegen zum Beispiel zwei drittes Northern Lights hat letztes Jahr glaube ich gestartet.

In Dänemark wurde jetzt ein Projekt gestartet, also von daher es gibt dadurch aus einige Erfahrungen. In Deutschland wird CCS bisher kommerziell nicht angewendet. Es gab eine Versuchsanlage in Ketzin im Brandenburg die das Geoforschungszentrum in Potsdam betrieben hat, wo über mehrere Jahre CO² gespeichert wurden.

Und im Hinblick auf die technologische Reife der CCS-Technologie, da gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen. Also manche sagen das eigentlich die Schritte guter Probe sind und dass jetzt nur noch hochskaliert werden muss. aber andere sind auch durchaus skeptischer was die Technologie anbelangt und argumentieren das in der Vergangenheit sehr viele Versprechungen mit CCS gemacht wurden aber in den allermeisten Schälle die Projekte eben nicht realisiert wurden.

Auch aus dem Grund, dass eben die versprochenen Weichermengen und Abscheideraten und die anvisierte Effizienz der Anlagen sich so nicht realisiert hat.". Ja, das ist auch eine total spannende Frage. und tatsächlich die Abscheidung von Kohlendioxid aus den Abgasströmen. Eine technische Herausforderung.

dazu gibt es auch unterschiedliche Verfahren. Und je nachdem wie der Strom beschaffen ist, klappt es eben besser oder schlechter mit der Abscheiden des Kohlendioxid. Sie müssen sich vorstellen dass zum Beispiel in einer Müllverbrennungsanlage sehr unterschiedliche Stoffe verbrannt werden und dann entsprechend auch der Abgasstrom divest ist.

Und in einer Industrieanlage, wo jetzt zum Beispiel am Kohlekraftwerk es wahrscheinlich weniger Divests und die Abscheidung etwas einfacher Aber belastbar bezahlen, dazu erkenne ich jedenfalls nicht. Es gibt sehr unterschiedliche Einschätzungen zur Abscheiderate und von dem was ich gehört habe an Einschätzung, also die variiert sehr stark.

manche sagen so achtzig neunzig Prozent ist eigentlich kein Problem. andere sagen dass manche z.B. Müllverbrennungsanlagen mit CCS eher beim Wirkungsgrad von zwanzig Prozent sind. und ich nehme jetzt mal an, ich bin Sozialwissenschaftler das ist auch einfach je nach geografischen Gegebenheiten, nach Wetterverhältnissen und je nach Abgasstrom einfach unterschiedlicher ist.

und mir scheint, dass die Abscheidung eben auch eine große technische Herausforderung ist Und auch eine Unwegbarkeit, mit der es dann auch schwierig ist zu kalkulieren. Weil wir uns jetzt zum Beispiel in den Müllverbrennungsanlage betreiben. Da macht das im Hinblick auf die Rentabilität natürlich schon einen Unterschied ob sie zwanzig fünfzig oder achtzig Prozent davon abscheiden können weil ja auch die CCS in einer Verbindung steht mit dem Emissionshandel in der EU Weil das macht CCS eben auch zum gewissen Grad dann ökonomisch attraktiv, wenn sie eben keine CO-Zertifikate für das gespeicherte CO² bezahlen müssen.

Dann lassen Sie uns mal ein bisschen auf die politische Debatte schauen denn das Thema beschäftigt uns ja schon eine ganze Weile. Das Jahr zwei tausendneun gab es bereits einen Versuch in Deutschland CCS gesetzlich zu verankern. damals gab's allerdings erheblichen Widerstand. Was waren denn aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe dafür, dass es so eine große Ablehnung gegen CCS gab?

Ja. Es gab schon einen Gesetzentwurf im Jahr two-tausendneun der CCS in Deutschland ermöglichen sollte. Das war damals eine große Koalition. Die erste Regierung unter Angela Merkel, die das forciert hat und geplant war damals auch eine Speicherung Onshore in Brandenburg und anderen Bundesländern und auch Schleswig-Holstein standen da im Fokus und getragen wurde das von Industrieseite, vor allem von den Kohleunternehmen damals.

Also RWE- und Erwattenfall waren da sehr engagiert. Es hat dann allerdings auch gerade in den Orten wo gespeichert werden sollte, sehr starke Widerstände gegeben. Das haben sich relativ viele Bürgerinitiativen auch gegründet dagegen Und auch von NGO-Seite, vor allem Greenpeace war das sehr engagiert.

Wurde das auch unterstützt und Kampagne gegen CCS gefahren? Auch zu argumentieren manche wurden auch die Gefahren der Technologie sehr stark übertrieben. Wir haben zum Beispiel auch so Analogien hergestellt über den Begriff Endlagerung z.B. zur Atommüll was ja ein sehr heikles Thema ist Und vor dem Hintergrund gab es eben starke Widerstände und diejenigen, die das vorangetrieben haben, haben das sicherlich auch strategische Fehler gemacht.

Ich habe aber auch einige Interviews mit verschiedenen Akteuren geführt und ein Interviewpartner hat mir zum Beispiel auch erzählt dass in Schleswig-Holstein vor der Küste eben Sprengungen durchgeführt wurden zur Erkundung des Bodens ob dort gut gespeichert werden kann Und die Anwohner haben eben die Zitronationen bemerkt, aber wussten gar nicht warum und was da los ist.

Vor dem Hintergrund gab es erst mal eine sehr starke Irritation damit es ihm auch zu erklären dass sich da eine starke Protestdynamik entwickelt hat weil das einfach schlecht kommuniziert wurde. Die lokale Bevölkerung wurde nicht eingebunden. Das war dann auch nicht unbedingt so klassisch grünes Publikum, was sich dagegen ausgesprochen hat.

Sondern es waren auch durchaus die lokalen CDU-Bürgermeister, die gesagt haben auf gar keinen Fall wollen wir hier CCS haben vor der Haustür. also genau von daher gab eine recht starke Kampagne dagegen und gleichzeitig eben strategische Fehler von denenjenigen, die die CCS befürwortet haben und eine relativ schmale industrielle Basis.

Das waren de facto eigentlich nur die Kohlekonzerne, die sich stark gemacht haben damals für die Technologie plus. dann gab es noch die Konstellation das im September zwei tausend neun Bundestagswahlen waren und parallel noch Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Und vor dem Hintergrund der Proteste und Widerstände, die sich da entwickelt haben dann auch die Regierungsparteien kalte Füße bekommen.

Ja, erstmal ruhen lassen und vor den Wahlen kein CCS-Gesetz mehr verabschiedet. Und in der nächsten Legislatur kam dann ein CCS Gesetz aber keins was wirklich die Entwicklung der Technologie ermöglicht hat. Okay das heißt die ganze Technologie hat noch so ein bisschen geschlummert. wie ging es denn dann weiter?

Wie hat sich das Ganze dann so entwickelt dass jetzt wieder mehr auf der politischen Agenda ist? Es war eigentlich sehr ruhig um CCS, die letzten, ja also im Prinzip zwischen zwei tausend neun und zweitausend, einundzwanzig, zwanzig so um den Dreh. Aber dann kam es wieder auch die politische Agenda aus unterschiedlichen Gründen.

Also einer davon ist sicherlich auch das sich der die Klimakrise eben weiter zugespitzt hat. In Deutschland sind hier in Missionen etwas gesunken, vom sehr hohen Niveau ausgehend aber global eben weiter gestiegen und wir hatten jetzt den Hitze-Sommer dieses Jahr, im Jahr twenty-sechsundzwanzig und es gibt jetzt einfach eine andere Dringlichkeit Klimaschutz zu machen als das in den späten zweitausender Jahren der Fall gewesen ist.

Zudem gibt es inzwischen auch eben konkrete gesetzlich verankerte Klimaziele. Also, in Deutschland ist das Netto Null-Emissionsziel bis zu zweiundzigfünfundvierzig gesetzliche vorgeschrieben. Es gibt auf europäischer Ebene den Green Deal, auf globaler Ebene das Pariser Klimaschutzabkommen. Das heißt, es gibt eine andere Trinklichkeit und CCS ist vor dem Hintergrund, dass es eine End-of-Pipe Technologie ist.

Also am Ende vom industriellen Prozess steht und sollte CCS klappen wie in den Modellen anvisiert. Da könnte man durchaus auch Produktionsprozesse so weiterlaufen lassen, wie sie sind und am Ende eben noch CCS dranhängen. Vor dem Hintergrund hat die Technologie durchaus eine gewisse Attraktivität und im Prinzip war es auch stark getrieben.

dann von Robert Habeck in der Ampelkoalition gesagt, wir müssen uns gegenüber CCS öffnen unter einige Initiativen ergriffen. hat, um das wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Und die Ampelkoalition hat es nicht mehr geschafft ein Gesetz zu verabschieden weil sie auseinandergebrochen ist. aber die große Koalition hat jetzt einen CCS-Gesetz verabssiedet.

Sie haben gerade eben auch schon erläutert dass es auch unter den Umweltverbänden unterschiedliche Meinungen gab. zu CCS gibt's dir auch immer noch. und wie erklären sich das? Dass es da auch so unterschiedliche meinungen gibt? Also in dem Paper, was ich mit den Kollegen und Kolleginnen von der Uni Wien geschrieben habe haben wir unterschiedliche Koalitionen bestimmt die sich unterschiedlich zu CCS verhalten.

Und innerhalb der Umweltverbände gibt es eine Koalition die sich sehr klar und grundsätzlich gegen CCS ausspricht. das dazu wie man zum Beispiel Greenpeace auch der BND und die Deutsche Umwelthilfe Die argumentieren, CCS hat in der Vergangenheit nicht geliefert und wird auch in der Zukunft nicht liefern.

Es sind viele Risiken und Unwägbarkeiten damit verbunden. Das ist eine sehr teure Technologie. Deswegen sollte der Fokus im Klimaschutz auf andere Maßnahmen sein – nicht auf CCS. Und dann gibt es diejenigen, die bedingt der Befürworter sind wie zum Beispiel der WWF oder auch der NABU. German Watch gehört auch dazu.

Die sagen, wir brauchen für bestimmte Technologien, für bestimmten industrielle Verfahren die CCS-Technologie weil wir anders die Klimaschutzziele nicht erreichen. Also sie sagen CCS ist nicht für alles aber für bestimmtes technisch schwer oder unvermeidbare Technologin wie zum Beispiel die Zementherstellung oder Abfall also die Müllverbrennung.

Dafür brauchen wir CCS, also da gibt es innerhalb der Umweltverbände durchaus unterschiedliche Einschätzungen dazu. Und wie sieht's bei den anderen Akteuren aus? Also zum Beispiel reagieren Industrie und Politik jetzt auf die neuen Pläne und Diskussionen? Von Industrieseite gibt es schon klare Tendenz für einen technologieoffenen Ansatz.

Der ist auch im Gesetz weitestgehend so verankert einfach vor dem Hintergrund dass auch unterschiedlichen Unternehmen und Streetsweige sich alle Türen offenhalten wollen. Also je nach industriellem Verfahren gibt es sehr unterschiedliche Optionen Klimaschutz zu betreiben, es kann passieren in dem Prozess elektrifiziert werden indem zum Beispiel Wasserstoff eingesetzt wird oder auch in den CCS angewendet wird.

also das stellt sich je nach Verfahren unterschiedlich dar. Und das Argument von Industrieseite ist, dass sollte eben nicht politisch entschieden werden sondern der Markt soll es regeln. Im politischen Spektrum ist auch die CDU mehrheitlich auf so einer Linie über SPD-Gebzeuge und solche Stimmen. Und innerhalb der Ampelkoalition war es eben sehr umstritten, weil die FDP sehr stark auf eine technologieneutrale Ausrichtung gepocht hat und die Grünen eher skeptisch gegenüber der Technologie waren.

Und da habe ich die Mehrheitsmeine auch eher, die wir brauchen. fokussierten Ansatz, also nur für bestimmte Technologien eine Öffnung von CCS. Wenn wir jetzt noch mal so ein bisschen mehr in den Anwendungsbereich schauen wo ist denn CCS aus ihrer Sicht industriell besonders sinnvoll einsetzbar? Gibt es da besondere Bereiche in denen die Technologie vielleicht sich am besten eignet?

Also in der Debatte gelb so als Unvermeidbaren Bereiche, vor allem die Müllverbrennung und die Kalk- und Zementindustrie. Das sind eigentlich die klassischen auf Englisch Hard to Abade Industrien. Das Umweltbundesamt hat vor zwei Jahren eine Studie rausgebracht zu CCS. Also Uber war historisch betrachtet auch immer skeptisch gegenüber CCS Und schlägt allerdings in der Studie vor, dass CCS erprobt werden sollte bei der Müllverbrennung.

Vor dem Hintergrund eben das es da im Prinzip abgesehen von Müllvermeidung keine Alternative gibt. und vor dem Hinter Grund denke ich macht es Sinn wenn CCS entwickelt werden sollte dann eben Bereichen, wo es keine Alternative dazu gibt und bei der Zementherstellung zum Beispiel. da wird einfach CO² freigesetzt.

Und damit würde sich auch in Zukunft nichts ändern. von daher macht das durchaus Sinn. wenn man CCS entwickeln soll dann auf die Branche zu fokussieren muss einfach keine technische Alternative dazugibt. Ein wichtiger Punkt über den wir auf jeden Fall auch noch kurz sprechen müssen sind die Kosten. ohne Staatliche Unterstützung dürfte es wahrscheinlich für viele Unternehmen schwierig sein, in entsprechende Technologien und Infrastruktur zu investieren.

Weil sie ja auch gerade schon angesprachen dass das Ganze nicht ganz günstig ist. Welche Rolle spielt denn der Staat hier aus ihrer Sicht? Und wie könnte sinnvolle Förderungen aussehen? Also ohne staatliche Subventionen wird gar keine Investitionen im CCS geben als eine sehr teure Technologie ist. Das sehen wir auch bei den Projekten in Norwegen Da sehr viel staatliche Gelder reinfließen und es gibt da eben auch ein starkes, könnte sagen Hennerei-Problem.

Weil solange es keine Infrastruktur gibt zum Transport des CO², gibt's natürlich auch wenig Anreize in CCS-Anlagen zu investieren. also die ganze Abscheidung, Kompressionen das erfordert ja auch hohe Investitionen. Und gleichzeitig gibt es natürlich wenig anreizende CO-Pipeline zu bauen, solange nicht klar ist dass die Anlagen stehen und entsprechend dann CO² auch durchfließen kann.

Also von daher ist das schon mal eine große Herausforderung und es gibt jetzt im Gesetz eben einen technologieoffenen Ansatz d.h. prinzipiell können alle Unternehmen Unternehmensbereiche, CCS nutzen. Allerdings die öffentlichen Kassen sind ja gerade in einer ziemlich angespannten Lage und vor dem Hintergrund stellt sich dann durch die Hintertür doch wieder die Frage der Priorisierung weil man kann jetzt nicht mit der Gießkanne alle potenziellen CCS-Anlagen stark subventionieren.

Also im Prinzip stellt sich dann eben über Fördermechanismen dann doch wieder die Frage, wie priorisiert es werden muss und das ist eben eine große Herausforderung, die sich der Gesetzgeber gerade stellt. aber klar ist auch dass das relativ viel Zeit brauchen wird um so ein Infrastruktur aufzubauen. Von was für Summen sprechen wir da bei den Projekten in Norwegen und Dänemark?

Nur mal so grob, dass wir eine ungefähre Vorstellung bekommen. Ich kann jetzt schlecht sehr Zahlen nennen aber es sind sehr große Summen weil es sind unterschiedliche Prozessschritte und Infrastrukturinvestitionen haben das eben an sich Da erst mal große Summen quasi in Infrastruktur gebunden werden, die sich dann erst über die Jahre über den Betrieb wieder amortisiert.

Plus die Abscheidung und die Kompression sind auch durchaus stark energieintensiv und daher gibt es da auch durchaus laufende Kosten. Also die genauen Zahlen habe ich ehrlich gesagt nicht parat. aber gerade so in Norwegen das sind dann schon Förderquoten. dies sind jetzt nicht bei fünfzig Prozent sondern die gehen eher richte hundert Prozent.

Also das sind sehr hohe Subventionszomen, die da erforderlich sind. Okay. Zum Abschluss schauen wir dann gerne hier bei Technik aufs Ohr immer noch mal in die Zukunft. und da würde ich Sie gerne fragen wie schätzen sie denn die Rolle von CCS jetzt auf dem Weg zur Klimaneutralität in den kommenden Jahren ein?

Ja, das ist eine sehr spannende Frage. Gibt es sehr unterschiedliche Einschätzung zu CCS? Also in den Klimamodellen spielt das eine bedeutende Rolle im Hinblick auf Klimaneutralitätstil twenty-fünfundvierzig. Da gibt's einige Szenarien die auch CCS unterschiedlich gewichten aber fast allen spielt das ne Bedeutende Rolle.

In naher Zukunft wird es in Deutschland keinen Beitrag leisten können, weil die Entwicklung der Infrastruktur und die Projekte das braucht Zeit. Und auch die Erkundung des Untergrundes im Meer braucht noch einige Jahre. Auch weil einfach Onshore-Speicherung momentan nicht vorgesehen ist dass die starken Widerstände dagegen gegeben hat.

Deswegen liegt der Fokus auf Offshore-Speicherung, auch wenn es eine Öffnungsklausung gibt. Ein Bundesland könnte auch sagen wir wollen gerne auf unserem Gebiet CO² einspeichern aber das ist relativ unwahrscheinlich, dass das passieren wird. also vor dem Hintergrund. Es braucht auf jeden Fall Zeit. CCS in Zukunft schon einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Aber im Anbetracht der Unwegbarkeiten bin ich eher skeptisch, ob es ein sehr großem Beitrag leisten wird. und wenn CCS eben keinen großen Beitragt leisten kann dann stellen sich Fragen wie z.B., wie können wir auch die Müllmenge drastisch reduzieren? Und wie können weniger Zement zu verbrauchen. Dann sind wir bei Fragen von Bauwände wie wir wohnen, auch wie Gebäude genutzt werden eventuell auch umgenutzt Baustoffe recycelt werden können.

Also dann stellen Sie sehr viele gesellschaftliche Fragen. und CCS ist auch vor dem Hintergrund eben attraktiv, weil es im Prinzip das Versprechen impliziert die Verfahren können im Prinzip weiter so betrieben werden wie bisher und am Ende wird dann eben noch CCS an den letzten Schritt des Produktionsprozesses dran gehängt.

und ja also die Zukunft wird es weißen, ob CCS tatsächlich das liefern wird was die Klimamodelle sich davon versprechen. Also wir halten fest es bleibt auf jeden Fall spannend und es lohnt sich auf jeden fall CCS weiter zu verfolgen. Vielen Dank Herr Haas für das spannende Gespräch und die vielen Einblicke auch in das ganze Thema.

Ja, vielen Dank gerne! Und vielen Dank auch an euch fürs Zuhören. Lasst uns wie immer gerne wissen, wie euch die Folge gefallen hat. Das geht zum Beispiel unter der Folge dann in den sozialen Netzwerken oder per Mail an podcastadvi.de. Da könnt ihr uns auch immer gerne Themenvorschläge schicken! Ich freu mich wenn ihr beim nächsten Mal wieder zuhört.

ich bin Christopher Buttschick und freue mich schon aufs nächste mal. bis dahin macht es gut und tschüss.

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