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The Holy Club

Björn Tröger - Was macht gute Jugendarbeit aus?

Montag, 12. Oktober 2026 · 1 h 02

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Shownotes

Moritz trifft Björn Tröger – Jugendarbeiter im Erzgebirge, Theologiebachelor, ehemaliger Steine-Sand-Händler und neues Teammitglied bei Schöner Glauben. Ein Gespräch über missbräuchliche Gemeindestrukturen, queere Jugendliche im evangelikalen Kontext, den Unvereinbarkeitsbeschluss aus Sicht der OJK – und warum ausgerechnet das Erzgebirge gerade ein hoffnungsvoller Ort für progressiven Glauben sein könnte.

In dieser Folge:
Vom Steine-Sand-Handel zur Jugendarbeit: Björn hat acht Jahre lang ehrenamtlich eine Jugendgruppe aufgebaut, Theologie studiert, eine Stelle in der Landeskirche versucht zu bekommen – und am Ende erstmal Steine und Sand verkauft. Bis ein Lokalpastor vor seiner Tür stand und sagte: Junge, das macht dich nicht glücklich.

Evangelikalismus, Bibelschule und fancy Freikirche: Björns Weg führte durch verschiedene Spektren – von Schloss Klaus bis zu einer modernen Gemeindegründung, die nach außen weltoffen klang, aber nach innen Sexualethik zum Bekenntnispunkt gemacht hat. Inklusive elfseitiger Positionspapiere.

Ankommen in der EMK: Warum Björn die Basisdemokratie der Methodistischen Kirche bis heute kaum fassen kann. Und was er sich vom methodistischen Erbe für die Zukunft erhofft.

Der Unvereinbarkeitsbeschluss – aus ostdeutscher Perspektive: Im Westen leicht vermittelbar, im Osten ein anderes Terrain. Björn und Moritz denken gemeinsam nach, wie ein solcher Beschluss funktioniert, wenn AfD noch nicht das rechte Ende der Fahnenstange ist – und Freie Sachsen und Dritter Weg auch zur Realität gehören.

Methodismus als USP: Eine progressive, lebendige Gemeinde ohne evangelikale Krankheiten – das ist laut Björn genau das, was viele in seiner Region suchen und nirgends finden. Er setzt darauf.
Außerdem: Björn ist neu im Team von Schöner Glauben – schaut gerne dort vorbei für mehr mit methodistischem Beigeschmack.

Nächste Woche: Berichterstattung aus Calgary – stay tuned!

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Instagram: @holyclubpodcast · Hosts: Moritz Mosebach, Sarah Staub, Damian Carruthers

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Hallo zusammen und herzlich willkommen im Holy Club. Schön, dass du wieder eingeschaltet hast und mir hier zuhörst, wie ich mit MethodistInnen ins Gespräch komme. Heute ist meine erste Folge mit Gast seit der Wiedervereinigung, beziehungsweise seit dem 3. Oktober jetzt in diesem Jahr 2026. Das war zwar nicht der Anlass, aber irgendwie passt es ganz gut, dass wir mal wieder jemanden aus der OJK, aus der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz, dabei haben.

Und deshalb freue ich mich heute Björn Tröger kennenzulernen. Herzlich willkommen Björn. Ja, hallo. Sehr schön, dass ich hier sein darf. Und auch schön, dich kennenzulernen. Ja, richtig gut. Ich kann kurz zum Hintergrund sagen, dass Björn jetzt bei schöner Glauben mit ins Team reingekommen ist. Und da haben wir jetzt langsam eine kritische Masse an MethodistInnen im Team überschritten.

Und wir kannten uns aber noch nicht oder kennen uns auch jetzt noch nicht. Und dann dachte ich, was wäre denn passender, als ihn hier in den Holy Club einzuladen. Dann können wir uns kennenlernen und danach wird ganz vieles entstehen aus der Kooperation, falls wir uns verstehen. Wenn nicht, dann ist das das letzte Gespräch, was ihr von uns mitkriegt und dann wäre es ja auch ein historisches Ereignis. Dann ist es möglich.

Voll gut, Björn, erzähl doch mal, von wo schaltest du dich gerade zu, wo erwischen wird dich? Ich sitze gerade in meinem Büro in Chorlau. Das ist Erzgebirge, ungefähr so im Westerzgebirge und nicht weit weg vom Zwickauerland und auch nicht weit weg vom Vogtland, also in Sachsen. In Sachsen, ja cool, da ist ja so eine der zwei Hochburgen von EMK-Gemeinden.

Also das eine ist so hier bei uns um Reutlingen rum im Süden und das andere da im Erzgebirge. Bist du da schon länger unterwegs und wenn ja, in welcher Funktion? Ich bin noch gar nicht so lange unterwegs. Ich habe gerade eine Projektstelle als Mitarbeiter im Gemeindedienst und das jetzt seit, nicht ganz, ein bisschen länger als ein Jahr, seit letztem Jahr August.

Und war vorher auch gar nicht in methodistischen Kreisen unterwegs. Ich bin eigentlich born and raised in der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Und umso schöner, jetzt hier Fuß gefasst zu haben. Das ist eine richtig gute Überleitung in so meine Einstiegsfrage. Wie kommt es denn, dass du beim Methodismus mitmachst, dass du hier in der Kirche mitmischst?

Und reingeboren bist du nicht, du bist offensichtlich dann dazugekommen. Welche Gründe haben dazu geführt, dass du jetzt offene Jugendarbeit in der Projektstelle in der Methodistischen Kirche machst? Ja, genau. Also ich mache Jugendarbeit für zwei Jugendkreise, eine christliche Jugendarbeit und noch eine offene Jugendarbeit hier in Schorlau. Und das kam.

Auf einem spannenden Weg. Also ich habe aus meiner Heimatgemeinde, auch da aus dem Ort, wo ich herkomme, lange Zeit Jugendarbeit gemacht. Größtenteils ehrenamtlich streckenweise durch glückliche Zufälle und Gegebenheiten durfte ich nochmal hauptamtlich kurze Zeit machen, ein paar Prozenten. Aber genau da habe ich insgesamt acht Jahre lang eine Jugendgruppe aufgebaut, und habe dann einen gewissen Punkt parallel Theologie studiert in Chemnitz und hatte dann immer wieder versucht, auf dem Weg Ressourcen für die Jugendarbeit zu bekommen, weil wir relativ viele geworden sind in dem Zeitraum, haben auch die ganze Corona-Zeit ja mitgenommen.

Und da waren so ein bisschen die Versuche da, im Dresdner Bezirk, also das ist ja unsere Verwaltung in der Evangelischen Lutherischen Landeskirche, eine Stelle für die Jugendarbeit, zu basteln. Und da war ganz viel. Ambition nötig und ganz viel Gespräche und ganz viel Wartezeit und ganz viel Bedenken, die irgendwie ausgrönt werden mussten.

Und im Endeffekt kam das aber leider nicht zustande, auch ohne so richtige Begründung. Und dann habe ich erst mal in einem Stahlversandhandel gearbeitet, zwei Jahre lang. Und währenddessen ab einem gewissen Punkt nochmal angefangen, ein paar Nebenjobs anzufangen und mit meinem Theologiestudium irgendwie noch, doch noch Brot zu verdienen. Aber in dem Stäufer Sandhandel hatte ich Gleitzeit und es war eigentlich ganz cool und im Zeitraum haben wir auch unser erstes Kind bekommen.

Und da war es erstmal dran, irgendwie sich Gedanken zu machen, wie man Geld verdient und Gleitzeit ist halt auch nicht schlecht und gleichzeitig war es körperlich sehr, sehr gut, mal wieder ein bisschen aufzubauen. Aber ich wollte halt eigentlich trotzdem wieder Jugendarbeit machen und auch mit meinem Theologie-Bachelor irgendwas anfangen. Und dann gab es den glücklichen Umstand, dass.

Ein Familienschlag aus meiner Jugendarbeit, deren Vater ist Lokalpastor gewesen in der OJK, er ist immer noch, Und wir kennen uns gut und an einem gewissen Punkt stand er mal bei mir vor der Tür und meinte, hey, ich habe deine theologische Entwicklung verfolgt und das, was du gerade machst, auch ernehmlich machst, finde ich sehr gut, aber deine berufliche Wahl wird dich wahrscheinlich jetzt nicht so krass erfüllen, wie du dir das immer gewünscht hast.

Also das hat man mir an einem gewissen Punkt auch angemerkt. Ich wollte gerade sagen, es war so ein richtig paternalistischer Ratschlag. Junge, das macht dich nicht glücklich. Also man hat es, also es war es wirklich auch an einem gewissen Punkt offensichtlich. Und ich habe auch ja schon angefangen, neben Jobs irgendwie ein bisschen Abwechslung reinzubekommen. Und er hat gesagt, hey, so wie du jetzt gerade theoretisch aufgestellt bist, fang doch bei uns in der EMK an.

Für offene Jugendarbeit und Jugendarbeit. Und ich dachte mir so im ersten Moment, ja, nö, das ist mir gerade irgendwie zu wild. Und meine erste Assoziation mit EMK war irgendwie auch, wir haben bei uns unmittelbar in der Region wirklich nur so ganz kleine Kleckergemeinden, wo der Altersdurchschnitt. Sehr betagt ist. Jetzt nicht unbedingt so, dass die Jugendarbeit direkt im Zentrum der Gemeinde andocken kann.

Ja, nee, genau. Aber ich war mir dessen auch nicht so bewusst, dass es doch hier in den Bezirken, also in den Kooperationsraum Schneeberg-Czorlau doch schon ein Ding ist. Und allein, dass da eine Gemeinde hier in Schorlau gesagt hat, hey, wir haben, vor ein paar Jahren mal einen größeren Kirchengarten in Angriff genommen, ein Projekt genommen und aufgebaut und jetzt haben wir halt viele Jugendliche, die hier rumhängen, die gar keinen Bezirk zur Gemeinde, zur Kirche, zu Glauben, zu irgendwas haben und wir würden gerne, jemanden dafür anstellen, der sich mit denen abgibt, der auch ein bisschen drauf guckt, dass da jetzt nicht, so ein paar gewisse Grundsatzregeln durchgesetzt werden und so.

Das fand ich so cool, dass das wirklich irgendwie eine Ambition war, dass ich gesagt habe, ich gebe dem mal eine Chance und, das war irgendwie auch schön, dass ich dann relativ entspannt auch ein Büro bekommen habe und mit der Superintendentur irgendwie mich anconnectet habe und, ja, das war sehr erfrischend.

Das hat mich relativ schnell überzeugt und dann Genau, ich mache das. Ich habe immer noch meine Nebenjobs, deswegen bin ich erstmal für 50 Prozent angestellt. Aber genau, perspektivisch gibt es da schon Pläne. Das klingt gut. Wie würdest du das erklären, dass dir da gesagt wurde, mit deiner theologischen Entwicklung passt das jetzt gut zum Methodismus und hier in die offene Jugendarbeit?

Würdest du sagen, hast du da schon eine Reise hingelegt und hast dann da offen kommuniziert? Oder wie kam der drauf, dass das gut zusammenpassen könnte? Dein Werdegang und die theologischen Grundlagen, die wir hier im Methodismus vertreten. Also... Grundsätzlich war es ja bei mir schon eher eine lange Reise durch verschiedene, Konfessionen und wahrscheinlich auch eher verschiedene Spektren von Evangelikalismus.

Einzig und allein, weil es, glaube ich, gar keine andere Möglichkeit gegeben hätte, dass wir uns irgendwie hier im Glauben vertiefen und entfalten. Das ist halt hier das gängige Medium. Und ich hatte von meiner Konfi-Arbeit eigentlich eher die Stauze voll gehabt und habe mal Glauben eher probiert, irgendwo in verschiedenen anderen Bereichen zu suchen, hatte dann so eine Glaubenserfahrung gemacht, wo ich gesagt habe, ja, ich will dem Ganzen näher nachgehen und war dann.

Die Jugendarbeit angefangen war in Schloss Klaus in der Bibelschule in Österreich gewesen und hatte dann irgendwann in Chemnitz ein Studium angefangen und das dual auch Jugendarbeit gemacht, in eher einem Pfingstcharismatischen Jugendkreis. Und dann irgendwann bin ich mit meiner Frau in ein evangelikales Gemeinde-Neugründungsprojekt, also eine fancy Freikirche eingetreten und dort verschiedene Erfahrungen gemacht.

Und irgendwann sind die Erfahrungen halt eher negativer und missbräuchlicher gewesen. Also der Klassiker fast schon leider. Genau, und das hatte der Pastor Lutz Hochlitzer halt alles ein bisschen mitverfolgt und mitbekommen, wie ich mich da auch theologisch aufgestellt habe. Und im Zeitraum haben wir dann solche Projektgottesdienste gemacht, die hießen Gottes Love und wo wir auch so Dialoge fördern wollten, über theologische Themen, die hier in der Region eher unterrepräsentiert sind, quasi auch progressive Inhalte einfach in ein Gottesdienstformat packen, aber immer in einem Austausch mit den Leuten gehen.

Und da war Lutz halt auch immer mal mit dabei. Ich hatte auch gemerkt, dass das quasi ganz schön auch Leuten vom Bug gestoßen ist und wir da ganz schön viele Diskussionen hatten und dass man Stück für Stück irgendwie auch ein bisschen abgebabbelt ist. Auch die Jugendgruppe Stück für Stück dann auch so ein bisschen einen Ruf hatte, das sind ja die linken Jugendlichen und blablabla.

Und das hat mich irgendwann am gewissen Punkt auch ein bisschen frustriert, dass so ganz viele Ressourcen, die ich eigentlich immer gesucht habe, die wir wirklich auch gebraucht haben als Jugendarbeit, sich im Endeffekt auch ein bisschen entpuppt haben als, missbräuchliche Ressourcen und halt auch einfach, toxisch Einfluss waren für queere Jugendliche, die wir in der Jugendarbeit hatten und die dem Ganzen nicht gut getan haben und im Endeffekt auch viel verbrannte Erde hinterlassen haben und Das hat mich alles ganz schön frustriert.

Und für Lutz war das aber, glaube ich, eher was, wo er sich vielleicht, also das kann ich jetzt gar nicht so sagen, aber so ist meine Beobachtung, wo er gesagt hat, naja. Ich glaube, mit dem Übereifer und auch diesem evangelikalen Touch, den ich, glaube ich, auch noch hatte, wäre es vielleicht nicht so passend gewesen.

Und seine Jugendgruppen, die er geprägt hatte, waren irgendwie auch immer sehr weltoffen. Und dialogbereit und das ist wahrscheinlich dann eher der Punkt, dass er dann irgendwann gemerkt hat, jetzt so wie ich mich quasi abgeschliffen habe, würde ich jetzt mal mit meinen Worten sagen, passt das jetzt vielleicht besser.

Und so wie ich die Jugendlichen, die ich dann anfangen durfte, mit denen zusammenzuarbeiten, wo ich auch merke, ja, das ist weitaus andalkfähiger, so wie ich es jetzt gerade lernen durfte, wie Glauben funktioniert. Und spannenderweise ist es ja auch der Punkt gewesen, dass ich gemerkt habe, es gibt ja doch progressive, lebendige Glaubensquellen anscheinend. Man muss halt bloß ein bisschen weiterfahren und das ausgerechnet im Erzgebirge, das kannst du ja nicht ausdenken.

Das Erzgebirge steht ja für alles, aber nicht für Progressivität. Und das war schon sehr, sehr cool. Okay, aber würdest du sagen, so diese missbräuchlichen Ressourcen, von denen du gerade gesprochen hast, oder das, was es queeren Jugendlichen schwer gemacht hat, waren das vor allem so inhaltliche Sachen?

Also, dass traditionelle Familienbilder proklamiert wurden oder Homosexualität als Sünde relativ klar und deutlich einem entgegengesprungen ist? Oder war das subtiler? Oder woran hast du das so gemerkt? und wie läuft dann auch so ein Prozess, sich davon zu befreien. Weil ich kann das aus meiner Sicht schon nachvollziehen, aber als ich selbst Jugendlicher war, also da bin ich auch in so Kreisen dann mitgeschwommen und da war die EMK-Jugend dann relativ klein und dann ist man noch zu größeren Jugendgottesdiensten gegangen und hat dann mit anderen christlichen Gruppen was gemacht und da ist einem das dann schon entgegengeschlagen.

Und ich habe gemerkt, was das mit mir auch gemacht hat als Jugendlicher und ich hatte da, würde ich auch sagen, eine Phase, in der ich da durchaus Positionen vertreten habe, die ich jetzt heute nicht mehr vertreten würde. Aber das finde ich spannend, dass du den Prozess eigentlich als Gruppenleiter ja durchgemacht hast.

Also dass du da drin warst und dann gemerkt hast, oh, irgendwas ist hier ein bisschen schräg. Naja, also in erster Linie kann ich glaube ich trotzdem immer noch mit gutem Gewissen sagen, ich habe viele sehr gute Sachen auch im Evangelikalismus gelernt und viele Sachen, die glaubensstärkend waren. Ab einem gewissen Punkt bin ich aber, glaube ich, in ein Spektrum eingetaucht, dass er so einen frischen, modernen Touch hatte, aber quasi diese ganze Sexualethik extrem überhöht hat, also auf einen Bekenntnisstatus gesetzt hat.

Und das war was, was ich vorher nicht so erlebt habe in meinen Berührungspunkten, sei es jetzt in der Pfingstcharismatik oder sei es jetzt im Schloss Klaus oder im CVJM oder wie auch immer. Da hört man schon zu Themen, wo es um traditionelle Familienbilder geht oder auch Sex vor der Ehe quasi eher schlecht betitelt wird.

Es ist immer im aushaltbaren Spektrum gewesen, wenn man das nicht so sieht oder man konnte auch immer einen Dialog drüber führen. Und ab einem gewissen Punkt war ich dann halt in Kreisen, wo das zwar immer gesagt wurde, nee, das ist kein Bekenntnispunkt. Aber es wurde exakt so behandelt. und es ist so sehr, so in vielen Punkten sehr deckungsgleich oder es ist einfach so ein bisschen Grund nur das sehr, Timothy Keller so ein Punkt, so ein klassischer, Punkt ist, der hat so ein Bild entwickelt, weiß gar nicht, ob es von ihm ist, aber es ist in diesen Kleinen ganz gängig, so mit diesem Burger, ich glaube, die das schon mal übergekommen ist, so die wichtigen Themen, die sind so das Burger Paddy, so, das ist so da, wo es drauf ankommt und dann

gibt es so die Randthemen, das ist so der Belag und Und die, die noch weiter am Rand sind, das sind so die Brötchen. Und wurde halt immer gesagt, ja, also das Bürgerpeti, das ist so das Glaubensbekenntnis oder das Evangelium, in Klammern ihrer Interpretation des Evangeliums. Und diese ganzen Sexualtik-Sachen, die sind so maximal Brötchen, vielleicht schon auch eher Richtung Beilage.

Es wird aber in der Konsequenz ganz und gar nicht so behandelt. Das ist einfach ein absolutes Petit-Thema, jetzt mal in dem Sprech. Und das ging mir halt irgendwann so ein bisschen auf den Keks, weil klar hatten wir irgendwie eine Prägung dahingehend bekommen, was halt richtig ist und was falsch. Gleichzeitig hatten wir da eigentlich immer eine tiefe Entspanntheit, was das angeht.

In der E-Flut nicht so überthematisiert wird. Es gibt Prediger, die sagen ja ganz klar, so ist es, aber es ist jetzt wenig, dass es irgendwie daran scheitern könnte, dass man in der Mitarbeit nicht mehr mitmachen darf oder sowas. Und als es dann so in die Richtung ging, da hat es bei mir komplett irgendwie angeschlagen, weil ich dachte, das kann nicht sein, dass man jetzt an diesen Punkten, wo es ja offensichtlich irgendwie, große Spannweite gibt zwischen auch gut belegten Begründungen, auch biblisch belegten Begründungen, wo man auf verschiedene Ergebnisse kommt und daran eine Linie zu ziehen und zu sagen, also jetzt bist du hier auf der richtigen Seite und jetzt nicht mehr, das fand ich ganz schrecklich.

Das ist auch irgendwie alles so parallel so entwickelt, dass man dann halt auch eine theologische Begründung dahingehend kennenlernt oder sich auch aneignen kann auf verschiedene Arten und Weisen, dass man halt auf das Ergebnis kommt, hey, das ist keine Sünde. Und das hatte ich immer sehr gut verzahnt, ja auch mit meinem, Evangelikalismus, weil ich ja schon sehr bibelfrom bin und sage, die Bibel ist mir sehr wichtig und bin immer noch total begeistert von diesem Buch und habe ganz viel Zeit meines Lebens damit verbracht, mich da rein zu vertiefen, das zu lesen, das zu studieren und mache ich immer noch und ich kann das halt ohne jetzt zu sagen, ja die Bibel, die ist alles outdated und alles großer Quatsch, wir sehen das heute anders,

kann ich auch damit begründen, dass das keine Sünde ist. Also das ist so. Da fällt mir es dann ganz schwer, wenn dann jemand diese Wahrheit so gepachtet hat. Und das größere Dilemma für mich ist ja, dass man, selbst wenn ich jetzt quasi nur einen Theologie-Bachelor habe, ja doch für diese evangelikalen Kreise, die das Thema so überheben, ja doch recht durchschnittlich hoch ausgebildet bin, weil es ja doch eine größere Laienbewegung ist.

Und mir dann von Laien erklären zu lassen, dass ich theologisch da quasi den Rahmen des Evangeliums verlassen habe, da hat es dann bei mir schon aufgehört. Und das war halt in dem Sinne missbräuchlich, weil man halt unglaublich, starke Strukturen hat, ganz viele Ressourcen, das ist super verzahnt alles, wenn du brauchst einen Arzt, ja, ich kenne jemanden, du brauchst einen Mechaniker, ja, ich kenne jemanden, du brauchst hier mal zwölf Leute, die mit anpacken, ja, kein Problem.

Also du hast ein riesengroßes Netzwerk an ganz tollen Ressourcen und da stellt sich bei vielen halt immer diese ethische Frage, bin ich bereit, diesem Thema so viel Wert zu geben, dass ich diese ganzen Netzwerkressourcen dafür opfere. Und ich habe immer noch Freunde, die immer noch in diesen Strukturen drin sind, die quasi sagen, nee, ich finde, so sollte Gemeinde funktionieren und auch wenn die Pastoren quasi manchmal vielen Punkten Quatsch reden, den ich nicht so sehe, ich bleibe trotzdem in dieser Gemeinde und für mich war das aber keine, ich ticke da irgendwie anders, ich konnte das nicht aushalten dass das so viel Unrecht zu diesen Themen irgendwie passiert ist und deswegen habe ich mich da

dann ab einem gewissen Punkt, abgrenzen müssen und ja, da gibt es viele, viele Anekdoten und Geschichten, die man dazu vertiefen könnte, aber das ist so ein bisschen der grobe Rahmen ja. Genau. Das ist ja schon spannend, finde ich, weil das kann man ja auf verschiedene Gemeindestrukturen auch übertragen.

Also ich würde sagen, stellenweise funktioniert das bei uns in der EMK ja auch so, dass eine Gemeinde erstmal auch ein soziales Netz ist und dann ist die Frage, inwiefern hält dieses soziale Netz aus, wenn Einzelne den ausgesprochenen oder unausgesprochenen Konsens, infrage stellen und sagen, hey, nee, ich sehe das anders.

Und hat man da Strukturen, die dann praktisch die Leute auch im Netz halten, auch wenn inhaltliche Widersprüche da sind, also kann man offen Kritik äußern, kann ich bei bestimmten Sachen sagen, ja, das mögt ihr so sehen, aber ich sehe es anders und wo sind dann auch rote Linien, wo man irgendwie sagt, nee, da müssen wir vielleicht eine Grenze ziehen und wenn ja, wer entscheidet das dann?

Also das sind ja schon richtige Fragen und ich habe auch den Eindruck, so soziale Ächtung ist glaube ich, nicht so verbreitet, aber vielleicht habe ich da auch einen blinden Fleck, das weiß ich nicht. Aber das ist ja schon das, was du gerade so aus dem evangelikalen Bereich dann eigentlich meinst. Also wenn man sich seine eigenen Gedanken macht und dazu dann steht und das nicht auf Linie ist, sage ich mal, dann verliert man eben den sozialen Anschluss an ganz vieles.

Das ist vielleicht gar nicht so offiziell geregelt, sondern es passiert dann. Also ich habe das auf zwei verschiedenen Konzepten irgendwie, glaube ich, bin ich dem begegnet. Einmal war es so dieses, in der Freikirche, wo ich war, gab es so eine konzentrische Zugehörigkeitsstruktur. Das ist auch so ein bisschen Timothy Keller-esk. und da war dann so, dass es quasi eine Gemeinde Credo gab, von Sachen, die die Gemeinde halt quasi glaubt und wenn du dem quasi zustimmen kannst, dann kannst du quasi ins Kernteam so näher reingehen und.

Da stand mal so in einem Satz drin, ja wir glauben an die Ehe zwischen Mann und Frau und das irgendwann wurde das dann halt mal noch exklusiver ergänzt mit einem, wirklich mehr, fast Das war, glaube ich, in meiner Erinnerung noch elf Seiten, die sich da nochmal mit dem ganzen Homosexualitätsthema ausführlich gesetzt haben, wo dann auch die Formulierungen, wir sind evangelikal und sowas mit drin waren, wo ich aber im Studium halt schon so weit war, das halt näher blicken zu können.

Und da hast du es dann halt schon schwarz-weiß. Da haben die quasi eine Linie gezogen und dann sagen, hier, für mich hat es sich aber in dem Moment halt eher angefühlt, wie ich habe mich drinnen gefühlt und konnte zwar mit manchen vielen Sachen nicht mehr so mitgehen, aber von der Formulierung her mir das schon immer so legen, dass ich sagen konnte, aber ab einem gewissen Punkt wurde da eine Linie gezogen, wo ich dann nach unten geguckt habe und gemerkt habe, oh, ich stehe jetzt gar nicht mehr in der Linie drin.

Und das wurde offensichtlich dann schon das Problem, dass dann immer wieder Gespräche entstanden sind, Wie ist denn das? Wie können wir jetzt weitermachen? Wie sieht denn das aus? Weil da war es schon relativ eng und nah mit drin. Dann kenne ich es aber noch auf einer anderen Weise, dass es eher so dieses...

Das ist so schweigender Konsens und das darf man nicht quasi irgendwie antasten. Das erlebe ich bei uns so in diesen Sommerlager-Kontexten, da bin ich auch viel mit drin. Und dass wir dann quasi allein, dass wir als Jugendgruppe oder dass ich halt auch als Person mit einem Ausgestalterkreis quasi Themen besprochen habe, die quasi als.

Ja, da kann man nichts drüber reden. Da gibt es nur richtig und falsch irgendwie betrachtet wurde. Allein das war schon ein Riesenproblem. Allein, dass wir Formate hatten, wo man darüber redet, hey, ist es vielleicht ein denkbarer Ansatz, dass man einfach die Werte in der Beziehung höher hält, als einfach alles auf dieses Konzept Ehe auszusourcen.

Und bevor der Ehe, da ist alles schlimm und falsch und nach der Ehe, da kannst du machen, aber so richtig aufklären tut dich auch niemand. Also das war halt fatal. Das haben wir ja auch in der Jugendarbeit in mehreren Punkten dann einfach mitbekommen, was das mit Jugendlichen macht, was das für Auswüchse hat. Da gab es auch einige Anekdoten dazu.

Viele haben uns das auch sehr gedankt, dass sie gesagt haben, hey, das ist so viel wertvoller, dass wir über solche Sachen differenziert nachdenken können. Und das wurde uns aber also Stück für Stück dann mir auch so zum Verhängnis, weil das hat Leute halt einfach von Bug gestoßen, die gesagt haben, das kann nicht sein, das ist ja unser Konsens und, ihr positioniert euch zu Sachen, das geht überhaupt nicht, wenn du sagst, wo steht das? Wo steht das? Macht das doch transparent.

Lass uns doch da mal, also und das war halt wiederum eine andere Seite, die ich sehr anstrengend erlebt habe, da ist mir das dann fast, Lieber man kann es quasi lesen und sagen, ja, stimme ich zu, stimme ich nicht zu, anstatt das so getan wird, als gäbe es die richtige Lehrmeinung. Und deswegen haben wir dieses Gotteslauf aufgemacht, um mal rauszuloten, wo sind denn deine roten Linien?

Also was ist für dich so ein theologischer Punkt, wo du sagst, da würde ich jemanden nicht mehr mitarbeiten lassen, da würde ich sogar vielleicht mit jemandem nicht mehr reden, da würde ich mit jemandem nicht mehr das Abendmahl feiern. Einfach so verschiedene Punkte mal ausgelotet und das hat schon, weil wir ja auch in der Allianzarbeit ja schon auch viele stillschweigende Differenzen haben.

Also früher war das so, diese Themen Taufe und Abendmahl, die wurden einfach nicht angetastet, um diese zwischen Gemeinschaft und Methodisten und evangelische Landeskirche. Und Freikirche, dass man da quasi keine Reibereien breit bringen, wurde uns immer gesagt, hey, das sind Themen, da haben wir unterschiedliche Meinungen und dann wird nicht drüber geredet, Punkt, färsch aus.

Das bringt nur Konflikte, die wir froh sind, dass wir die über die Jahre hinweg ein bisschen beendet haben. Und das ist jetzt alles, das sind gar keine Themen mehr. Also 0,0. Das ist jetzt einfach Sex vor der Ehe, Abtreibung, Homosexualität. Also der US-Evangelikalismus hat das komplett überschrieben, diese Debatte.

Das ist schon spannend, weil ich würde jetzt als Pastor sagen, wenn ich in meinen Gemeinden unterwegs bin oder mit Menschen, also diese Sommerlager und sowas mit Jugendlichen, ich finde es eigentlich genau dann spannend, wenn die Leute selber darüber nachdenken. Also was ist mir denn wichtig, was glaube ich eigentlich, was nährt den Glauben, wo habe ich da auch Fragen, wo spüre ich auch Widersprüche, wie ist das vermittelbar zu anderen und wie macht ihr das dann?

Und das ist manchmal gar nicht so leicht, diesen Prozess zu eröffnen, weil ich das Gefühl habe, dass Menschen auch durchaus nicht gewohnt sind, darüber tatsächlich zu sprechen. Also ich würde mal unterstellen, die meisten Leute machen sich schon ihre eigenen Gedanken. Aber als Kirche, finde ich, müssen wir die Rahmenbedingungen so schaffen, dass die auch ausgesprochen werden können und Leute in den Austausch gehen.

Weil so entsteht ja dann eine Meinungsbildung und auch bei Jugendlichen eine Identitätsbildung, in dem man Raum hat, über sich selbst nachzudenken und auch ehrlich äußern kann, was man fühlt, empfindet, glaubt und denkt. Und das ist manchmal gar nicht so leicht, weil die sozialen Zusammenhänge natürlich komplex sind.

Also in so einer Gruppe will man ja auch eine Akzeptanz haben, gerade als Jugendliche, willst du jetzt vielleicht nicht voll in die eine Richtung schießen, wenn alle anderen in deinem Kopf zumindest eine gegenteilige Meinung haben. Und deshalb einen Raum zu öffnen, wo man das aufbrechen kann und differenzieren und ins Gespräch kommt, das sehe ich so als meinen theologischen Bildungsauftrag eigentlich.

Also nicht die richtige Lehre zu vermitteln, die dann alle abnicken, sondern Räume zu eröffnen, wo lebendige Beziehungen passieren können. Voll, also das kann ich sehr bejahen. Ich hatte schon, glaube ich, so ein Mindset, als ich aus Schloss Klaus rausgekommen bin, zu sagen, ich habe jetzt erkannt, dass die Bibel sich gegenseitig auslegt, was jetzt, der Konsens ist, den die Bibel spricht und das möchte ich jetzt jedem erklären und bin so aufgetreten.

Und es wurde auch dankend angenommen. So, dass jetzt im Nachhinein, wenn ich so drauf gucke, ist es halt wirklich so, hey, selbstbewusster Mensch, erklär mir, wie die Bibel funktioniert und was die Lehre ist. Das ist super andockfähig, weil halt viele wirklich Fragen haben. Und das ist ja auch ein Loch, mit dem ich quasi aus der Landeskirche kam, zu sagen, es wird uns wenig erklärt.

Also ich hatte einfach keine Ahnung, gerade über diese ganze Geschichte, vom Volk Israel und sowas nichts gewusst, gar nichts. Und jetzt ist das eher so ein Punkt, also das war schon interessant, dass ich dann auch gemerkt habe, dass ich mit Jugendlichen manchmal auch so Themen hatte, wo ich gesagt habe, hey, das ist Sichtweise A, das ist Sichtweise B und das ist Sichtweise C.

Ich sage euch jetzt aber nicht, welcher der richtige ist. Dass mir dann gesagt wurde, hey, ja, das ist ja der Klassiker. Du kommst jetzt aus dem Studium. Du bist jetzt quasi von deinen Grundfesten erschüttert und nimmst jetzt deine Reichweite in deine Verwirrung mit rein. In deine Unsicherheit. Und gerade Jugendliche, die im Wachsen sind, die brauchen ein ganz klares Schwarz und Weiß.

Und das ist ganz wichtig. Ansonsten sind die in ihrem Glauben verwirrt und entwickeln sich dahingehend nicht gut. Das heißt, du hast quasi gerade eher einen toxischen Einfluss auf Jugendliche. So eine komplett unterschiedliche Herangehensweise an Jugendarbeit. Und das Spannende war ja, wir hatten eine stark wachsende Jugendgruppe, die genau die Gegenthese dazu war, die auch verhältnismäßig regional doch schon auch eine.

Gute Größe hatte und dass wirklich viele aus der Jugendgruppe gesagt haben, das ist so cool, dass wir hier mal irgendwie verschiedene Positionen mal gegenüberstellen, dass wir da wirklich mal in Austausch gehen können. Das bereichert mich in meinem Glauben sehr. Und ich merke, dass jetzt gerade die Jugendlichen, die das eingeübt haben, jetzt einen stabilen Glauben haben.

Auch wenn sie jetzt keine krasse evangelikale Gemeindezugehörigkeit haben super krass vernetzt sind, Dass das trotzdem Leute sind, die in ihrer Ausführung im Glauben total gecheckt haben. Und das finde ich echt schön. Und das ist ja genau auch das, was ich im Methodismus, so schätzen gelernt habe, was ich gar nicht irgendwie wusste, dass das so greifbar nah ist, diese praktische, immer wieder zur Praxis koppelnde, Ausführung des Glaubens.

Das ist was, was ich schon zutiefst schon immer in mir drin habe, dass ich diese theologischen Inhalte auch im Studium immer wieder an der Praxis irgendwie messen durfte und auch musste. Also es ist ja auch eine Schwierigkeit. Theologische Sachen auf eine Jugendarbeit runterzubrechen. Also da muss man wirklich ganz schön reduzieren. Und dann zeigt sich es halt auch, hast du jetzt ein Thema begriffen, weil die Jugendlichen das dir relativ schnell widerspiegeln, wenn die nicht sagen, du redest hier gerade einfach fachchinesisch.

Was willst du? Und das ist schon immer sehr herausfordernd und immer trotzdem eine gute Herausforderung gewesen. Und das ist halt total klasse im Methodismus, dass da drauf geguckt wird, an den Früchten wirst du das erkennen, es kommt hier auf das Miteinander an, und nicht einfach so Elfenbeinturm Theologie.

Das wären jetzt für mich so noch die zwei Gesprächsstränge, auf die ich gerne gehen würde. Das eine ist, so das Thema menschliche Sexualität ist ja eins, was jetzt in der EMK auch Spuren hinterlassen hat, sage ich mal. Also die Debatte in der Generalkonferenz ist noch nicht so lange her und dann, die deutsche Lösung mit Runden Tisch und Gemeinschaftsbund und so weiter.

Wie geht es dir da jetzt? Also fühlst du dich mit dieser Lösung dann wohl? Weil da ist ja schon eine friedliche Koexistenz von verschiedenen theologischen Polen dadurch gewährleistet, dass es diesen Gemeinschaftsbund gibt, der jetzt geduldet wird. Obwohl die offizielle kirchliche Linie einen Liberalisierungsprozess in Gang getreten hat.

Also es ist ja jetzt so, dass in der Kirchenordnung keine Formulierungen mehr drin sind, die da irgendwie einschränken, was Amtsausführung und Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren angeht. Aber es gibt natürlich Gemeinden oder Personen, die sagen, nee, mir ist es wichtig, da das traditionell konservative Bild zu leben und das kann ich machen und mich sogar organisieren innerhalb dieser Kirche in diesem Gemeinschaftsbund.

Ist das für dich dann ein guter Kompromiss? Oder hast du dich damit auch gar nicht so befasst, weil es jetzt deine offene Jugendarbeit vielleicht gar nicht so betrifft? Doch schon. Also das war tatsächlich was, wo ich Stück für Stück dann erst ein bisschen auf die Spuren gegangen bin. Da ich ja dann als Hauptamtlicher schon mit bei diesen Konferenzen dabei sein durfte, ist mir das dann erst so ein bisschen bewusst geworden.

Ich hatte von diesem Gemeinschaftsbund tatsächlich, als ich angefangen habe, um ehrlich zu sein, gar keine Ahnung gehabt, und vielleicht auch ganz gut, dass ich da erstmal ein bisschen mit der rosa-roten Brille raufgucken konnte. Und im Nachhinein merkt man schon auch, es gibt schon Positionen, die halten sich, also gerade von Hauptamtlichen, die halten sich einfach gegenseitig aus.

Aber ich muss sagen, also ich meine jetzt damit, die halten sich aus und mehr nicht. Also das gleichzeitig, Erlebe ich es trotzdem für mein Erleben, für mein persönliches Erleben immer noch als. Ein angenehmer Kompromiss. Dass eben nicht einfach gesagt, dass Leute nicht einfach gesagt haben, wir ziehen jetzt hier eine Linie und ihr seid uns jetzt ab jetzt zu liberal, zu progressiv, zu was auch immer, welches Label man benutzt.

Und wir sind jetzt die Bibeltreuen und wir können mit euch nicht mehr zusammengehen oder andersrum auch. Dass Leute sagen, also das geht gar nicht klar, wie ihr umgeht, wir hauen euch jetzt raus oder wir können mit euch nicht mehr, sondern dass da eine Coexistenz immer noch ist, das finde ich schon bemerkenswert und schön.

Weil man doch immer noch irgendwie in Austausch geht. Ich glaube, das ist schon was, auch wenn es schwer ist, wenn es wirklich schwer ist manchmal, ist glaube ich trotzdem was mir wichtig ist, dass man sagt, man Man sollte trotzdem diesen kleinen gemeinsamen Nenner, wir arbeiten für Jesus, irgendwie im Blick verhalten.

Und das ist schon was, was gemacht wird. Auch wenn es viele das vielleicht trotzdem sehr kritisch sehen, diesen ganzen Prozess. Von meiner Leben her wird es immer noch gemacht, dass Leute sich austauschen und sagen, hey Bruder und Schwester, wir sind hier eine Gebetsgemeinschaft. Wir beten gemeinsam, wir quatschen gemeinsam, wie kann die OJK gelingen, wie können Kooperationsräume gelingen und im Endeffekt, Selbst das konservativste Spektrum, was ich erlebe, ist immer noch an dem Punkt zu sagen, ich kann, so wie ich quasi Bibel verstehe, ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, homosexuelle Leute zu trauen. Ich kriege es nicht hin.

Aber ich würde die jederzeit zu meinem Dienstkollegin oder Dienstkollegin verweisen und sagen, geh da hin, die machen das. Und das ist schon für mich persönlich ein aushaltbares Spektrum und wenn die Leute gemeinsam sagen können, wir können uns auf das, soziale Bekenntnis einigen und wollen den Umgang mit Menschen, wie er dort beschrieben wird, halten, dann kannst du meiner Meinung nach eine konservative Meinung vertreten, weil daran ist dann zu messen, ob du mit deiner konservativen Meinung Leute verletzt, geistig missbräuchlich behandelst und in ihrer ganzen geistigen Entwicklung einfach einschränkst durch deine konservative Bibellehre, dann ist es ein Problem.

Wenn du das jetzt aber sagst, ich kann es mit meinem guten Gewissen nicht vereinbaren, weil ich auf ein anderes Ergebnis komme, aber möchte trotzdem, dass die Leute quasi in gelingende Entwicklung hinlegen können. Und wenn ich es selber nicht mache, dann sollen es meine Dienstkollegen machen. Das finde ich schon irgendwie auch immer noch wichtig.

Tiefen entspannter als das evangelikale Spektrum, was ich erlebe, was ich bis jetzt erlebt habe. Das heißt, es ist schon irgendwie doch noch erfrischend. Ja, also ich bin da auch ein bisschen hin und her gerissen, weil mir persönlich, wäre es natürlich lieber zu sagen, wir versuchen als Kirche einen diskriminierungsfreien Raum hinzulegen.

Ich weiß selber, dass wir das nicht schaffen und dass ich das auch nicht schaffe, Aber das wäre zumindest die Richtung. Und das so zu institutionalisieren, da habe ich schon manchmal meine Probleme mit. Und gleichzeitig weiß ich auch, wo wir herkommen und weiß auch, wie viele sich da schon bewegt haben.

Und so diese Diskursräume zu halten und tatsächlich diese Positionen auszuhalten, und nicht die eigene Meinung für alle zu setzen, das ist schon auch was wert. Aber ich verstehe auch, dass es manchen Menschen nicht weit genug geht oder dass sie sagen, nee, ich jetzt zum Beispiel mit meiner queeren Identität kann das so nicht gut aushalten.

Ja, das muss man dann auch eingestehen, glaube ich. Ja. Das ist schon immer noch auch ein Spannungsfeld. Und ich glaube aber, dass man auch den Ostkontext ein bisschen berücksichtigen muss davon, sondern dass es halt einfach wirklich, wenig Progressivität, wenig progressive Alternativen gibt und schon eher der, Tenor, den ich erlebe, gerade schon eher in Richtung Abgrenzung und Spaltung geht.

Und da erlebe ich das schon auch als ein Zeugnis, dass EMK sich da drin stellt und sagt, wir machen das nicht. Weil das, was uns verbindet, ist halt nicht die Sexualethik. Was ich jetzt neuerdings lernen durfte, ist, dass EMK ja in dem Sinne eigentlich auch keine Bekenntniskirche ist. Das heißt, ich persönlich wahrscheinlich dem sozialen Bekenntnis mehr Gewicht gebe dahingehend als vielleicht einige der ausführenden Pastoren und Pastorinnen.

Das heißt, das ist vielleicht auch mehr der Wunsch der Vater des Gedankens, sodass ich mir das einfach wünschen würde, Oder dass sich das soziale Bekenntnis wirklich als Grundausrichtung dahingehend ergibt. Ja, aber ich würde es auch nicht zu niedrig hängen. Also ich würde auch sagen, was so Glaubensbekenntnisse angeht, da sind wir recht offen.

Also die apostolischen Bekenntnisse oder Nizeum oder sowas, das was historisch ist, das hat ja seinen Wert. Das wird auch verwendet, aber es ist jetzt nicht eine einzelne Formulierung irgendwie bindend. Aber das eigene, was wir haben mit den sozialen Grundsätzen und dann eben auch dem sozialen Bekenntnis das ist mir persönlich schon auch sehr wichtig und das ist auch was, was uns ja unterscheidet zu anderen Kirchen, und deshalb finde ich, kann man das schon immer mal wieder einwerfen dass das ja irgendwo eine Rolle spielt und dass das eine Bezugsgröße ist mit der man dann auch sich auseinandersetzen kann, gerade auch in solchen Themen, wo man vielleicht nicht direkt einen Konsens findet, Ja, ich finde es jetzt auch eigentlich wirklich auch ein Lösungsschlüssel für

diese jetzige Debatte mit den. Wie geht man mit Leuten, die quasi politisch sich extrem positionieren um. Da wäre es für mich auch schon ein Lösungsansatz zu sagen, mit den Leuten in Dialog zu gehen und gerade auf Grundlage dieses Bekenntnis oder der geistlichen Werte, die es ja gibt, dahingehend zu sagen, kannst du das aus tiefstem Herzen bejahen und wie bringst du das überein mit deiner politischen Entscheidung.

Ich glaube, ansonsten ist es wirklich sehr, sehr schwierig, gerade in unseren Kontexten dahingehend eine Linie zu ziehen. Das ist schon wild. Aber ihr habt das ja bestimmt auch diskutiert. Ich glaube, das ist sogar von euch der Beschluss, oder? Genau, also ich war da auch in der Arbeitsgruppe, die da die Vorschläge erarbeitet hat, mit drin.

Und wir haben gemerkt, wir können ja jetzt nicht Wahlentscheidungen oder Parteimitgliedschaft oder sowas zum Kriterium machen. Sonst würde das große Spionieren und Getuschel anfangen und das will man ja auf keinen Fall. Und dann haben wir gesagt, das Kriterium muss eigentlich öffentliches Engagement oder Auftreten sein.

Das heißt also, wenn man jetzt für die AfD irgendwo steht und gleichzeitig EMK-Mitglied ist, dann entsteht für uns da eigentlich ein inhaltlicher Widerspruch, weil, und dann haben wir die sozialen Grundsätze auf der einen Seite und die Parteiprogramme auf der anderen Seite, diese Dokumente inhaltlich nicht über einen Kamm zu scheren sind.

Also es funktioniert aus meiner Sicht nicht zusammen. Und dann haben wir überlegt, wie können wir das in einen Beschluss fassen und da kam dann diese allgemeine Erklärung zur Unvereinbarkeit zwischen öffentlichem Engagement für extremistische Organisationen und Vereine, und der Kirchenmitgliedschaft oder Ausführung von Ämtern. Das ist dann dieser allgemeine Text.

Und im zweiten Schritt haben wir dann als süddeutsche jährliche Konferenz festgestellt, dass die AfD in der aktuellen Form eben unter diese Kriterien fällt. Und jetzt sind wir mit diesem Beschluss unterwegs und ich biete da Themenabende an, Gesprächsabende. Und ich würde sagen, in den meisten Kontexten ist das leicht vermittelbar, jetzt im süddeutschen Kontext, aber ich hatte auch schon Runden, wo einzelne Leute dann drin waren und natürlich gesagt haben, sie finden das.

Kein gutes Vorgehen, das sei unangemessen, Kirche soll sich aus Politik raushalten. Also das sind die einen Argumente und das andere, was dann schon oft kommt, ist, dass die AfD ja als einzige größere Partei für den sogenannten Lebensschutz eintritt. Also gegen Schwangerschaftsabbrüche argumentiert und dass das ja christlich unser höchstes Gut sei und wir uns deshalb auch gegen die anderen Parteien positionieren müssten, die das nicht tun.

Und da wird es dann aus meiner Sicht ein bisschen schwierig. Also da hätte ich jetzt eine differenziertere Position, das ist auch in den sozialen Grundsätzen sehr differenziert dargestellt. Natürlich würde ich auch gerne in einer Welt leben, in der keine Schwangerschaften abgebrochen werden müssen und gleichzeitig, wer bin ich, da den Einzelfall zu beurteilen und auch, also ich kann sowieso nicht über den Körper anderer Menschen bestimmen und will das auch gar nicht.

Also das ist dann so der Raum, in dem man da relativ schnell kommt von dieser AfD-Position aus. Aber das ist bei euch im Osten ein bisschen anders gelaufen. Ja, also ich kann es in dem Sinne nachvollziehen, dass, dieser Gedanke ja schon nochmal ganz anders triggert, zu sagen, wir müssten mehr ein Gefühl dafür kriegen, was Leute für Wahlentscheidungen treffen, weil es halt einfach historisch, Gefühle mit sich bringt durch diese ganze DDR-Stasi-Erfahrung.

Und gleichzeitig... Ist es halt also wirklich schwierig hier in diesem Kontext. Also wir haben ja nicht nur die AfD, wir haben ja auch die Freien Sachsen und Dritter Weg. Und das sind ja eher auch, also da ist ja verhältnismäßig leider die AfD ja nicht mal das rechte Spektrum am Rand. Nicht das Ende der Fahnenstange sozusagen. Ja genau und das ist ja nochmal eine ganz andere Herausforderung. Wie geht man damit vor?

Ich weiß gar nicht, ob das den Rahmen des Gesprächs sprengt, aber ich hätte mal eine Frage dazu. Was mir aufgefallen ist, wenn man jetzt die Formulierungen, sagt, man sollte gucken, ob Leute quasi öffentlichkeitswirksam auftreten, dahingehend extremistische Positionen vertreten, ist es ja die Schwachstelle davon.

Wenn jetzt Verfassungsschutz in irgendeiner rechteren, Regierung agiert, ja auch extremistische Positionen oder das Label verteilen kann in Sachen, die jetzt noch für uns total wichtig und wertvoll sind. Und dann, das passiert ja jetzt schon, also USA hat ja doch immer mal auch, das Label Terrororganisation jetzt mittlerweile irgendwo draufgeschmissen, wo dann Sachen komplett platt gemacht wurden und Paypal gesagt hat, da müssen wir nicht mehr zusammenarbeiten und das sind halt alles eher gemäßigte Sachen, wo es halt quasi als Waffe benutzt wird, das Label.

Und das, was ich mich frage, ist, was ist denn, also das wurde bei uns halt auch diskutiert, es ist ja immer noch in vielen Köpfen so das Hufeisen so. Also ja, die AfD, die ist extrem, aber die Linken auch und so. Das ist überhaupt gar keine Position, die ich auch nur ansetzen, teile. Und ich finde, das ist sehr, sehr schwierig, aber...

Und das ist ja dann doch das Ding, ist es jetzt dann auch dran, also in dem Mindset könnte ja jemand mit der Begründung, ja, da hat jemand eine Melone auf dem Beutel und das ist eine extremistische Position und jetzt lasse ich dich nicht mehr. In der Bezirkskonferenz sitzen. Also genau so kann es ja ausgelegt werden. Und das ist ja das, die Fachstelle. Würde ich nicht.

Ja, also wir haben da natürlich auch drüber geredet und es war auch in der Konferenz ein Diskussionspunkt, ob man sich jetzt zum Beispiel an die Einschätzung des Verfassungsschutzes hält in dem Fall, was die Extremismusdefinition angeht. Und das haben wir explizit nicht gemacht. Also wir haben in diesem Beschlussantrag dann vier Kriterien.

Das eine ist Menschenwürde, das andere ist Ablehnung von Rassismus und Antisemitismus, dann Solidarität mit MigrantInnen und Geflüchteten und kirchliche Verantwortung und Integrität. Und darunter haben wir kurz definiert, was da unsere Position ist. Und da muss sich dann natürlich diese Organisation, um die es dann geht, also für die öffentlich aufgetreten wird und das muss schon explizit sein, das muss sich da daneben halten können und dann sagen, das stimmt nicht überein.

Und da würde ich jetzt sagen, also ich hatte auch GesprächspartnerInnen, die zum Beispiel einen Unvereinbarkeitsbeschluss dann mit der Linkspartei gefordert haben. Da kann ich dann anhand derer Kriterien sagen, sehe ich eigentlich programmatisch nicht. Also ich sehe nicht, dass die Linkspartei jetzt die Menschenwürde infrage stellt.

Ich sehe nicht, dass sie programmatisch, rassistisch oder antisemitisch ist. Ich sehe nicht, dass sie MigrantInnen und Geflüchteten strukturell entgegentritt. Und ich sehe nicht, warum das nicht mit kirchlicher Verantwortung und Integrität. Übereinkommen kann. Und das ist natürlich kein Dokument, was jetzt eine sehr schnelle Ja-Nein-Drin-Draußen-Folge hat, sondern es soll tatsächlich ein Gespräch eröffnet werden.

Also wenn jetzt in meiner Gemeinde jemand für die AfD auf dem Marktplatz Flyer verteilt, dann kann ich mit diesem Beschluss als Pastor oder das ist meine Aufgabe, auf die Person zugehen und sagen, hey, ich habe gesehen, du bist da am Flyer verteilen, sollen wir uns mal drüber unterhalten, ich finde das inhaltlich schwierig.

Und das ist nicht so, dass dann von heute auf morgen ein Ausschluss kommt, sondern es soll eigentlich ein Dialog gestartet werden. Und die letzte Konsequenz wäre dann, also wenn man dann sagt, okay, er oder sie will nicht von der Position abrücken, obwohl vielleicht in einem Prozess auch klar geworden ist, wo da die inhaltlichen Differenzen liegen, dann ist das letzte Mittel sozusagen der Ausschluss aus der Kirchenmitgliedschaft.

Was aber ja dann auch nicht heißt, Ausschluss aus allen Veranstaltungen oder sowas. Also ich hätte ja als Methodist immer noch die Hoffnung, dass wir uns gemeinsam am Tisch des Herrn treffen und beide von Sehnsucht, nach Reich Gottes gefüllt werden und dann irgendwie auch eine Heiligung zustande kommt, wo wir dann an einer besseren Welt teilhaben können.

Aber ja, das ist schon auf Dialog aus und gleichzeitig weiß ich natürlich mit dieser Überschrift, mit diesen Themen werden manche Menschen auch die Tür zumachen und die sagen dann ja, das könnt ihr nicht machen nicht mit mir, aber meine Hoffnung wäre schon, dass das Signal eher in Richtung Gespräche geht, Ja, cool, also vielen Dank nochmal dafür das ist ja schon auch ein Dilemma was man ja gerade erlebt, wenn jetzt diese, diese Also für mich persönlich ist das ja auch gerade eine miterlebbare Kampagne, die da gerade hochgefahren wird, so gerade in Berlin, wo dieser Antisemitismus ja komplett in seinen...

Grundkern aufgewässert wird, dadurch, dass es so sehr eingesetzt wird als Label, wo es meiner Meinung nach gar nicht und gar nicht und noch nimmer greift. Und dass das dann Leute halt einfach damit sehr viel umgeben sind mit diesen Schlagzeilen und Nachrichten und dann halt einfach das ist, was hängen bleibt.

Da wünscht man sich natürlich, dass da eine große Aufarbeitung oder dass Leute sich wirklich ernsthaft damit hintersetzen, was steht denn dahinter? Ist das wirklich der Fall und nicht einfach nur Schlagzeilen übernehmen, aber im Endeffekt, seien wir mal ehrlich, es wird, in großen Teilen schon passieren, dass Leute das jetzt einfach dass das hängen bleibt so das ist jetzt antisemitisch und das ist jetzt eine extremistische Position die da vertreten wird so und das finde ich halt, ja schade, das wird mir also das ist ja spannend, dass da jetzt so meine diese politische Erfahrung, diese tagesaktuelle auch.

Gemeindekontext theologische Erfahrung jetzt gerade so Hand in Hand sich verzahnen, und da wünsche ich wirklich sehr, dass da ich finde es total lobenswerter, ein toller Gedanke und das ist was, wo viele Gemeinden sich wirklich, glaube ich, das auf die Fahne schreiben könnten, da genauso in das Dekurs zu gehen wie die melodistische Kirche und hoffe da, dass das ganz sehr mit Weisheit benutzt wird von den ausführenden Kräften, genau.

Ja, und die sind wir ja auch ein Stück weit, die ausführenden Kräfte, Deshalb auch immer eine Mahnung an sich selbst. Ja, voll. Versuchen eben Diskurse zu führen und Räume offen zu halten. Und auch sich selbst immer mal wieder zu hinterfragen. Also ich habe mich schon auch oft gefragt, ist das jetzt genau das richtige Vorgehen?

Natürlich nicht nur meins, also wenn ich es formuliert hätte, wäre es auch nochmal anders gewesen als jetzt so ein Konferenzbeschluss. Aber ja, ich glaube es ist wichtig, da gemeinsam auf dem Weg zu bleiben. Das ist für mich eine ganz krasse Erfahrung, die ich so nie hatte, dass Methodismus so basisdemokratisch ist.

Ich kann es manchmal gar nicht so richtig verstehen, dass ich überhaupt Teil dessen sein darf, dass ich da überhaupt mitdiskutieren darf. Das ist so irgendwie krass, dass das wirklich so funktioniert. Dass diese ganzen Beschlüsse und Konferenzen von so einem großen Spektrum an Leuten, die quasi alle in der Praxis verwurzelt sind und alles an ihren Gemeindemitgliedern, an ihrem Umfeld irgendwie messen müssen, und das so schön debattiert wird.

Klar ist das manchmal schwierig auszuhalten, solche Debatten. Und manchmal tut man sich bei manchen Beiträgen wirklich innerlich die, Haare raufen, aber gleichzeitig ist es ja so wichtig, dass es passiert und irgendwie cool, dass man ein Teil davon sein darf mit aller Schwierigkeit, die es mit sich bringt.

Das ist schon krass. Also das erlebe ich sehr, sehr wertvoll am Mediatismus. Cool, das wäre jetzt so ein bisschen meine Frage gewesen. Du bist jetzt seit einem Jahr hier dabei, hast du gemeint, in der Jugendarbeit. Gab es schon erste größere Frustrationserlebnisse oder so, wo du dachtest, ah Mist, jetzt bin ich hier in einem Laden gelandet.

Da funktioniert es ja doch nicht so, wie John Wesley sich das gedacht hat. Oder bist du da gerade noch in so einer rosa-roten Phase? Die rosa-rote Phase ist am Auslaufen, glaube ich. Und ich möchte jetzt, also ich werde mich jetzt erstmal auf einen Weg begeben, um diese Ansätze von Wesley erstmal nochmal besser verstehen zu können.

Weil es halt wirklich in dem theologischen Spektrum, was ich bis jetzt irgendwie, auch studieren durfte, jetzt nicht so eine krasse Repräsentanz hatte. Deswegen werde ich jetzt in der Eheakademie quasi dahingehend erstmal noch zwei Jahre in diesem ganzen methodistischen Profil mich weiter ausvertiefen, um genau dieser Frage nachzugehen, weil ich habe schon den Eindruck, dass...

Der methodistische Gedanke, so wie ich ihn verstanden habe, glaube ich, schon für viele Debatten und auch für viele Probleme, die OJK vielleicht auch hat, der Schlüssel sein könnte und man dahingehend das nochmal mehr vertiefen müsste, auch in Predigten, in Kleingruppen. Diese ganzen Ansätze mehr zu verstoffwechseln wäre, glaube ich, ganz wichtig, dass EMK perspektivisch zukunftsfähig ist und das sehe ich halt total, also da setze ich gerade irgendwie mein, also wie soll ich sagen, da wette ich gerade drauf, dass das hier in der Region.

Diesen USP erfüllen wird, diesen Unique Selling Point, den nämlich ganz viele suchen, die ich in meinem Umfeld habe. Nämlich eine progressive Gemeinde, in der man leben kann, in der eben nicht, diese evangelikalen Krankheiten mitbringt, die einfach hier allgegenwärtig sind. Und das ist halt das Spannende. Da möchte ich mich gerade mehr auf die Reise begeben und das in den Dialog bringen und mit Leuten darüber reden und herausfinden, wie sehr.

Sind denn diese Gedanken von Wesley eigentlich überhaupt handlungsgebend, überhaupt Teil der Debatte, überhaupt ausschlaggebend für diese ganzen Prozesse, die gerade gehen und im Laufen sind. Wie erlebst du das in deiner Erfahrung? Ist das was, was ins Rennen geworfen wird? Aber Wesley, der hat doch gesagt, oder ist das...

Also ich habe tatsächlich das Gefühl, dass da gerade ein bisschen eine Wiederentdeckung stattfindet. Und da würde ich auch sogar sagen, dass der Holy Club gar nicht unbeteiligt ist, dass jetzt gerade Methodismus wieder interessant wird. Vielleicht liegt es jetzt auch daran, dass gerade Thorsten Dietz eine Folge über den Methodismus gemacht hat beim Wort und das Fleisch-Podcast.

Aber ich habe das Gefühl tatsächlich, dass Methodismus als Bewegung und auch so, wie es strukturiert und angelegt ist, in dieser Zeit eine ganz gute Position eigentlich hätte. Und zwar zwischen einer offenen Theologie auf der einen Seite und gleichzeitig einer sozialen Verbindlichkeit vielleicht auf der anderen oder so einer persönlichen Glaubenspraxis.

Das zusammenzukriegen dann noch mit einem sozialdiakonischen Grundanliegen ist, glaube ich, schon was, was diese Welt und diese Gesellschaft vielleicht zurzeit noch mehr braucht als noch vor ein paar Jahren, Jahrzehnten. Und ich habe das Gefühl, dass das Leute immer mehr entdecken. Und zwar sowohl Leute, die aus dem evangelikalen Kontext kommen, die da eine Enge erlebt haben, die sie hinter sich gelassen haben, aber trotzdem nicht ganz abgeschlossen mit Gott.

Als auch von der anderen Seite, also das, was die Landeskirchen gerade machen mit ihren Schrumpfungsprozessen, die orientieren sich ja auch dahin, Wie kriegen sie wieder Menschen vergemeinschaftet und tatsächlich Gruppen organisiert und wie wollen sie eigentlich kirchliches Leben gestalten? Und da, finde ich, haben wir eigentlich recht viel anzubieten.

Und ich bin auch noch am Entdecken, also ich würde auch sagen, durch diese Podcast-Arbeit hier, habe ich mich deutlich mehr mit dem Methodismus identifiziert als davor. Also das fand ich auch eine spannende Begebenheit, dass durch die Gespräche mit Leuten, die sich da engagieren, ich einfach auch viele Aspekte neu kennengelernt habe und auch für mich so gedacht habe, ja, das ist schon eigentlich im Grund richtig cool.

Also eine Sache, für die engagiere ich mich gerne. Da kann ich aus Überzeugung sowohl theologisch als auch organisatorisch sagen, ja, für die Kirche setze ich mich gerne ein, und arbeite dann natürlich auch so mit, dass bestimmte Sachen, die bei uns jetzt aus meiner Sicht nicht gut laufen, dass ich da auch in Gespräche gehe und versuche, das zu verändern.

Weil wir haben ja auch Reformdruck und werden auch kleiner und das ist die Frage, wie es weitergeht aber aus meiner Sicht haben wir jetzt die Chance, Ressourcen bereitzustellen. Leuten verfügbar zu machen und dann zu schauen, was passiert aber ich glaube, wir haben viel anzubieten, Ja, total das erlebe ich irgendwie auch bewundernswert, wie viele Ressourcen es doch im Endeffekt auch für die ich irgendwie für Jugendarbeit gerade bekomme, die da mit freudigen Herzen gegeben werden, wo ich mir denke, wow, krass.

Das ist wirklich, wirklich cool. Ja, ist richtig gut. Und ich würde sagen, wir sind jetzt eine Stunde drin. Ich bin auf jeden Fall dankbar, dass du so Einblick gegeben hast in deine Geschichte, deine Hintergründe und auch die Themen, die dich jetzt interessieren. Für mich war es auch sehr spannend und ich bin mir sicher, dass es nicht unsere letzte Konversation war.

Falls ihr mehr von Jörn und mir mitkriegen wollt und nicht nur diese Folge im Holy Club, dann schaut immer mal wieder bei schöner Glauben vorbei das ist so ein Kollektiv Netzwerk, was auch Podcasts macht und noch andere Sachen und, da gibt es dann immer mal wieder was mit methodistischem Beigeschmack, also schaut da gerne vorbei und sonst müsst ihr einfach mal warten, nächsten Montag kommt dann wieder eine Folge, ich weiß jetzt noch nicht genau ob die nächste mit Damien ist oder ob wir wieder was zwischenschieben oder ob dann schon die Berichterstattung aus Calgary losgeht.

Da dürft ihr gespannt sein, wie wir unsere Aufnahmen sortieren. Das letzte Wort würde ich dir geben, Björn. Gibt es noch irgendwas, was du an die MethodistInnen in der Zuhörendenschaft, richten willst oder willst du nochmal eine visionäre Abschlussfrage? Das darfst du auch wählen. Ich glaube, ich würde es nutzen, um nochmal einen kleinen Appell daran zu richten, wie wichtig da eigentlich Jugendarbeit ist.

Und ich glaube, wie viele Jugendliche dort auf der Suche sind. Deswegen glaube ich, dass es so ein wichtiger taktischer Punkt ist, dort anzusetzen. Und manchmal muss man, glaube ich, gewisse Debatten auch einfach erstmal überwinden über irgendwelche Selbsterhaltungstraditionssachen. Und im Endeffekt wegzukommen von dem lutherischen Geist, von dem man sich doch eigentlich mal gelöst hat.

Ich glaube, das ist immer wieder ein Punkt, dass das Einzug halten kann. Und ich wünsche das ganz sehr, dass entweder Gemeinden das, glaube ich, rausfinden, was ist der unique selling point, den wir anbieten können als Methodisten. Und auch nicht einfach evangelikale Gemeinden kopieren, weil das gerade fancy und gut läuft, sondern wirklich zu sagen, was unsere DNA und das anzubieten wird, glaube ich, funktionieren. Das ist prädestiniert dafür, zukunftsfähig zu sein.

Und das wünsche ich ganz sehr, dass gemeindarmutige Schritte gehen und die Jugendlichen, Leute, habt den Blick, die sind ganz wichtig und dann rennen die auch nicht weg. Ein schöner, hoffnungsvoll, trotziger Appell zum Schluss. Vielen Dank, Björn, dass du hier im Holy Club warst. Eine gute Woche dir.

Ja, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Das ist sehr großartig. Dankeschön. Tschüss. Tschüssi.

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