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Shownotes
🎙️ HolyClub – Barista-Pastor, digitale Kirche & klare Kante
☕🌍 Mit Moritz im Gespräch über Berufung, Kaffee und Verantwortung
In dieser Folge sitzt Moritz selbst auf dem Gästestuhl. Damian spricht mit ihm über seinen Weg ins Pastor:innenamt, über Dönerläden in Australien, Cappuccino als kirchliche Metapher – und über die Frage, wie Kirche heute glaubwürdig bleibt: analog wie digital.
Es geht um Connected Church, den Barista-Pastor, um Vertrauen, Ressourcen und Mut. Und es wird politisch klar: Warum Neutralität keine Option ist, wie die Sozialen Grundsätze der EMK Orientierung geben – und weshalb Kirche Haltung zeigen muss, gerade jetzt.
💡 Was euch in dieser Folge erwartet:
☕ Vom Dönerladen zum Kaffeebus: Moritz’ ungewöhnlicher Weg ins Pastor:innenamt
🌐 Connected Church & digitale Glaubenskommunikation
🤝 Warum Kaffee Gemeinschaft schafft – und Kirche auch
🏳️🌈 Kirche als sicherer Raum: Pride-Flaggen, Inklusion & gelebte Gastfreundschaft
⚖️ AfD, Demokratie & die Sozialen Grundsätze: Warum manches unvereinbar ist
🔥 Haltung zeigen statt Angst vor Mitgliederverlust
🌱 Hoffnung für die Zukunft der Kirche – regional, mutig, gemeinsam
📌 Zitat der Folge:
„Wenn wir als Kirche keine klaren Standpunkte haben, verlieren wir nicht weniger – sondern mehr Vertrauen.“
🎧 Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts & überall, wo es Podcasts gibt.
Eine Folge über Glauben im Alltag, über Mut zur Veränderung – und darüber, warum guter Kaffee manchmal der Anfang von Kirche ist.
#HolyClub #BaristaPastor #ConnectedChurch #EMK #UMC #Methodist #SozialeGrundsätze #KircheMitHaltung #DigitaleKirche #GlaubeUndPolitik #PodcastKirche #SpotifyPodcast
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Ja, willkommen zurück zu unserem Holy Club, zu einer weiteren Folge mit einem Methodisten dieses Mal am Montag. Ich bin der Damien und heute ist, wie ihr, wenn ihr treue HörerInnen seid, wisst, einer unserer KollegInnen dran von unserem Co-Hosting. Und heute ist mit uns dabei der Moritz. Hallo Moritz.
Hallo Damien, freue mich mal als Gast da zu sein und bin ein bisschen aufgeregt. Ich merke, ich habe keine Kontrolle darüber, was jetzt passiert und hoffe, du bist nett zu mir. Das entscheidet, wie du meine erste Frage beantworten wirst. Aber der Moritz ist, falls ihr das noch nicht misst, Co-Host beim Orly Club.
Also ihr solltet das wissen. Er ist Pastor in der EMK, in der Evangelischen Kirche. Korrigiere mich, wenn ich das falsch nachrecherchiert habe. 50 Prozent klassische Gemeindearbeit, kann man sagen, und 50 Prozent digitaler Raum. Genau, also Connected Church kannst du es auch nennen, aber das ist noch so im Aufbau, dass da noch viel Gestaltungspielraum ist.
Ja, dann immer auch gleich noch ein bisschen reinhören und gucken, was du da eigentlich machst und geplant hast. Und dann bist du jetzt auch noch mittlerweile unterwegs, zumindest auf Instagram, als der Barista-Pastor. Ist das korrekt? Das ist korrekt. Da bin ich unterwegs mit dem Kaffeebus und das ist auch ein Teil von dieser Connected Church.
Aber ich werde bald versuchen, das irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Also dass ich im realen Leben Kaffee ausschenke und das dann digital begleite und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlage, wie man das so schön martialisch sagt. Ja, ich finde ja auch, das ist ja, jetzt wirst du endlich mal dem Stereotypen-Pastor gerecht, von das Prägen unter der Woche Kaffee trinken mit Leuten.
Ja, ist eigentlich gut, oder? Also back to the roots sozusagen. Und es ist auch ein ziemlich chilliges Leben. ich weiß jetzt schon, dass du noch nie eine hefte Geschichte in einem Kaffee gearbeitet hast, ne, in der Arbeit nicht, aber ich gehe ja immer hin zum Arbeiten, man kriegt mir wirklich stressig das stimmt, ja jetzt auch mal eine wichtige Frage du bist ja unser Nerd, wenn es um, Lieder im Gesangbuch geht wissen wir ja alle Sarah ist ja nur die zweite Geige und jetzt wollte ich dich mal fragen Was ist denn dein Lieblingsadventslied im Gesangbuch unserer Kirche?
Ja, Adventslieder habe ich jetzt rauf und runter singen lassen die letzten Wochen. Und ich finde so von der Melodie und von der Atmosphäre mag ich Tochter Zion ganz gern. Also dieses Freue dich und dann so laut Jauchzen. Das ist, glaube ich, so ein bisschen mein Favorite. Aber ich merke auch, dass Adventslieder, also da gibt es so drei, vier, die singt man immer. und der Rest ist mir auch ein bisschen fremd.
Ja, das stimmt. Es gibt nicht so viele Adventslieder. Bist du ein Verfechter? Das werde ich hier immer gefragt, nur saß das so ein Battle unter den PastorInnen in einer gewissen Form. Bist du ein Verfechter in der Adventszeit nur Adventslieder und dann an Weihnachten oder in der Weihnachtszeit Weihnachtslieder?
Oder mixst du das auch mal ab? Da haust du mal irgendwie ein Freue-Dich-Welt rein, obwohl eigentlich noch Advent ist? Oder bist du da ganz klassisch im Advent? Nee, da habe ich, also ich glaube, das kann ich noch gar nicht so genau sagen, weil ich bin jetzt das erste Mal so richtig in zwei klassischen Gemeinden unterwegs.
Aber da habe ich es eher getrennt, würde ich sagen. Also vielleicht bin ich einer, der sagt, nee, bis zum 24. wird gewartet. Genau, ja. Also ich würde auf jeden Fall sein, der wartet. Und ich hatte, weil ich muss ja meine Gottesdienste mit dem Team vorbereiten. Das ist ein Fluch und Segen. Aber mittwochs, wenn wir uns treffen, wählen wir immer die Lieder aus, aufgrund dessen, wie ich den Goldsons geplant habe.
Und ich habe da halt einen dabei, der will immer schon Weihnachtslieder auch reinnehmen, weil man ja nicht so viel Zeit hat, jetzt zu singen. Und dann bin ich immer sehr stur und sage immer, nein, Adventszeit ist Adventslieder und in Weihnachtszeit können wir Weihnachtslieder singen. Aber ich habe dann auch kein Problem, im Januar nochmal ein Weihnachtslied zu singen. Also das finde ich dann auch nicht schlimm.
Ja, okay. Nee, also Weihnachten würde ich auch sagen, da habe ich so drei, vier Lieder, die gehören dann schon irgendwie dazu zu Weihnachten. Eins mag ich mehr und die anderen vielleicht so okay, aber die singst dann halt einmal im Jahr. Also ich habe jetzt hier auch zwei sehr pastorenfreundliche Gemeinden.
Wir feiern am Heiligabendgottesdienst am 24. und dann nicht mehr bis Silvester. Und das ist natürlich, obwohl ich hier 50 Prozent zwei Gemeinden habe, geht es mir über die Feiertage da, was Gottesdienste angeht, ganz gut. Ja, das ist, also ich glaube, da sind die KollegInnen, die jetzt zuhören, ein bisschen meidisch. Ja, aber ganz ehrlich, in wie vielen Gemeinden sitzen dann am ersten oder zweiten Feiertag zehn Leute da, die dann auch nur kommen, damit die Pastorin nicht alleine ist?
Also irgendwie so, oder weil man halt geht, wenn Gottesdienst ist. Ich glaube, ein anderes Problem ist natürlich, dass Menschen auch alleine sind über die Feiertage, dass gerade Leute mit psychischen Problemen oder weiß ich, Suchterkrankungen oder sowas, da sind die Feiertage immer richtig hart und da könnte man als Kirche auf jeden Fall überlegen, wie man da sein kann und Träume bietet zum Auffangen.
Aber vermutlich ist es nicht mit einer Stunde Gottesdienst am Morgen getan. Nee, das sehe ich auch so, ja. Wir haben mal, vor zwei Jahren war es, glaube ich, da war der erste Feiertag am Sonntag, und hier wird ja nie gefeiert Gottesdienst am ersten Feiertag, weil das ist der Tag, wo die Geschenke morgens ausgepackt werden, da ist kein Gottesdienst Capitalism first, Capitalism first und überall sind jetzt hier auch die Schilder mittlerweile, Keep Christ in Christmas und das sind aber dann die ersten, die die Geschenke, anyway das ist wirklich, diese Hypocrisy wie heißt es denn in Deutschen?
Scheinheiligkeit. Ja, diese Scheinheiligkeit von so vielen Christinnen hier in den USA macht mich echt fällig. Aber, anderes Thema, don't judge, wir wollen ja nicht richten. Aber wir hatten an einem Sonntagmorgen und dann habe ich gesagt, da müssen wir ja ein Geurtsdienst machen, das ist ein Sonntag, also lass uns da was tun.
Und es war gar nicht so schlecht, wir haben eine Pyjama-Party gemacht, da Leute eingeladen in Jogginghose oder wirklich in Pyjama zu kommen. Wir haben einen Kreis gemacht, wir hatten heißen Kakao und da kamen immerhin, 25 und normalerweise sind wir so 60, oder 70 mittlerweile aber 25 und da waren halt echt auch Militärfamilien da, die halt, hier wohnen und die ganze Familie ist auf der anderen Seite vom Land ja, also es wäre dann irgendwie sechs Stunden Flug zu der Familie und die sind halt dann einfach nicht da und die fanden das schön, dass wir dann quasi sowas hatten, wo wir dann gemeinsam ein bisschen Weihnachten und morgen gefeiert haben ja und das glaube ich war so ein bisschen, was du das meintest,
aber ich finde auch, wenn wir sowas machen. Sollte man vielleicht wirklich mal überlegen, ob Gottesdienst das richtige Format ist oder vielleicht wirklich ein Ort der Gemeinschaft für ein paar Stunden, nicht nur für eine Stunde, die man da schaffen könnte. Na gut, jetzt wollen wir aber mal ein bisschen mehr noch von dir wissen, Moritz. Eine wichtige Frage habe ich jetzt noch.
Welcher der drei Herr der Ringe ist denn dein Liebster? Also nicht der mit dem langen Baumspaziergang. Das ist der zweite, ja. Die zweite, ne? Doch, kein Baum, das ist ein End. Ja, man weiß. Aber es sieht schon aus wie ein Baum. Es ist ein laufender Baumhirte, ja. Ah ja, es ist doch ein Baum. Ist ein, ja, jetzt lassen wir es mal so stehen.
Nein, also da zum Schluss die große Schlacht, wenn dann Gandalf der Weise plötzlich wieder auftaucht, ist natürlich schon episch. Aber an sich mag ich so am Anfang diese Atmosphäre im Aurenland und dann die Hobbits oder hier Frodo, der so, unsicher ist und dann aber doch losgeht und ins Abenteuer startet oder kriege ich das gerade mit dem kleinen Hobbit irgendwie durcheinander, weiß ich nicht Ja, also das ist ein bisschen durch den Augen gebracht, im Hobbit ist der Bilbo der zögert und er es nicht mit will und sehr bereut und hinterher rennt und Frodo ist, im Film zumindest klarer.
Also Gandalf gibt ihm den klaren Auftrag und er sagt, okay, ich mach das sofort. Der zögert gar nicht richtig. Aber so dieser Aufbruch und die Gefährten, wie sie sich finden und dann so sich ergänzen, das ist schon, also, Es ist schon ewig her, dass ich die Filme gesehen habe, wie du vielleicht merkst, an meinem Gestammel. Schlimm, schlimm.
Aber das ist schon ein schöner Einstieg in diese Welt. Und ja, vielleicht sollte ich die mal anschauen, mal wieder. Gute Weihnachtsfilme. Also was braucht ein guter Weihnachtsfilm? Es braucht Schnee. Das haben wir im ersten Film in Mount Caratras. Es braucht Geschenke. Es braucht Elfen. Also sie kriegen von Elfen, kriegen alle Gefährten Geschenke.
Das wusste schon mal. und du brauchst einen alten Mann mit weißem Bart beim Gandalf. Also ich finde, das ist der beste Weihnachtsfilm, den du dir angucken kannst bei Weihnachten. Und dann brauchst du nur mit einer anderthalbjährigen Tochter noch drei Stunden Zeit. Ja, die wird da, ich finde das bestimmt auch toll. Okay, das musst du jetzt mal aus dem Weg räumen.
Man muss ja seinen Stereotypen da treu bleiben. Einer fragt nach Gesangbosin, ich frag nach Herr der Ringe. Okay, Moritz. Also erzähl uns doch noch mal ganz kurz, wir hatten das glaube ich mal angerissen in der ersten Folge, aber wie würdest du deinen Weg in die Pastorenrolle beschreiben? Also wie hast du da hingefunden?
Was hat dich da ursprünglich reingeführt? Ja, Pastorenrolle ist schon nochmal spannend, weil das haben wir eigentlich noch nie besprochen. Also wir haben ja nur darüber geredet, wie man zum Methodismus gekommen ist. Und da würde ich sagen, das war ja früher. Also mit sechs, sieben wusste ich noch nicht, dass ich Pastor werden will. Nee? Nee.
Ich glaube, meine Oma hat es sich gewünscht. Ich bin der elfte Engel. Süß. Du bist der elfte Engel. Oh, krass. Ja, das ist krass. Nee, aber also da beim Wilden Süden hat dann schon das angefangen, dass ich Kirche, also diese Jugendfreizeit übers Wochenende, dass ich Kirche so als gestaltbar einerseits wahrgenommen habe und andererseits, dass ich gemerkt habe, dass es echt einen Unterschied macht im Leben von Menschen.
Also dieser Kirchraum und Also dieses Leute, die zusammenkommen im Bewusstsein, dass da vielleicht ein Gott ist, der mitten unter ihnen ist, dass das einen Unterschied macht und dass man da tatsächlich was verändern kann. Und ich habe so schon kurz nach Einsegnungsalter die ersten Male gepredigt da beim Bilden Süden. Oh wirklich? Mit 14, 15.
Und das hat immer so gut geklappt. Also da war ich natürlich dann einer aus der Gruppe und das ist ja was Besonderes, wenn so junge Menschen irgendwie einander das Evangelium predigen, sage ich mal. Und das war gut. Und in der Heimatgemeinde war es auch so, dass ich um die Einsegnung rum dann natürlich vom wilden Süden beeinflusst immer mal wieder mich gezeigt habe.
Und war glaube ich für die Pastorin, für die Ulrike, die war ja auch schon im Holy Club, da war schon klar, okay, der interessiert sich ein bisschen mehr für das Ganze hier und dann weiß ich noch, dass dann so das Abitur näher kam, also Schulabschluss und dann die große Frage, was willst du machen? Und ich habe sehr stark geschwankt zwischen Lehrer werden, also Lehramt studieren oder soziale Arbeit oder vielleicht Theologie.
Und ich war mir nicht so sicher. Also ich habe von außen da vom wilden Süden und von der Gemeinde und von besagter Oma, die sehr pietistisch geprägt ist, lebt immer noch. Von denen habe ich natürlich immer wieder Bestärkungen gehört. Und ja, macht das doch hier Pastor werden oder Pfarrer werden, wie auch immer.
Und dann habe ich gemerkt, das ist irgendwie nicht so meins. Beziehungsweise ich konnte die Entscheidung nicht für mich treffen, sondern hatte so das Gefühl, wenn ich das mache, dann finden es alle gut. Und dann ist so irgendwie der Weg des geringsten Widerstands und ich muss eigentlich gar nicht groß drüber nachdenken, sondern finde da so rein.
Und dann dachte ich, ich will erst mal was anderes machen, so nach der Schule. Und hatte mich beim YMCA in England beworben. Oh, okay. Genau, und da war so eine Stelle, das war so Sportpädagogik in so einem Internat für schwer erziehbare Menschen irgendwie. Und für die, vielleicht unsere älteren Zuhörer, war MCA jetzt quasi der CVJM.
Genau, auf den CVJM komme ich auch gleich noch zu sprechen. Ich war schon durch mit allen Bewerbungen und so, hatte da in Südengland eine Stelle. Und dann hat eben der deutsche CVJM irgendwas mit den Unterlagen verkackt. Und dann konnte ich relativ spontan nicht die Reise antreten. Ach krass. Und das war dann echt so ein richtiger Downer, weil ich habe mich da schon echt gefreut drauf. Und so England fand ich spannend.
Und dann das mit dieser Sportpädagogik und so, das hat sich echt cool angehört. Und dann wusste ich spontan nicht, was ich machen will. Aber ich wusste, ich will jetzt nicht gleich studieren. Also jetzt nur, weil das nicht klappt, wollte ich mich nicht an die Uni einschreiben. Das hätte ich ja machen können. Theologie ist ja zulassungsfrei.
Und dann habe ich einen Flug mit einem Work and Travel Visum nach Australien gebucht, Weil da war ich schon mal zum Schüleraustausch und hatte so, das war so die einzige Idee, die ich dann noch hatte. Also erstmal weit, weit weg und die Entscheidung verschieben. Und dann bin ich durch Australien getingelt, durch Melbourne und Warrnambool, so eine Kleinstadt an der Küste.
Und habe überall mein CV abgegeben und gesagt, hey, ich suche einen Job, ich suche einen Job. Und bin dann letzten Endes in einem Dönerladen gelandet. Die haben dann einen Dönerladen, das ist ja geil. Genau, und die haben Dönerladen eröffnet und da gab es Döner noch nicht so. Also es war 2012, 2013 dann.
Kommt dann der Deutsche mit seinen Döner auf? Ich weiß, was Döner ist, ich kann euch alles zeigen. Und ich habe dann da angefangen zu arbeiten und das Lustige war, dass wir in der Straße sind, wo der einzige Nachtclub, also die Disco, der Kleinstadt auf war. Smart, ja. Ja, und die waren so 50 Meter von uns weg, war die Disco.
Und das hieß aber, dass man am Wochenende nachts so zwischen zwei und vier nochmal so eine Rushhour hatte. Aber zwischen 23 Uhr abends und 2 Uhr halt gar nichts. Und in diesen Nächten saß ich dann da so rum. Wir waren immer zu zweit, hatten Baseballschläger unterm Tresi, falls was passiert. Und ich habe dann aber gemerkt, dass die auffällig oft für einen Dönerladen über Jesus reden und über Gott und über Kirche und sowas.
Und ich war völlig verwirrt am Anfang, konnte es nicht so ganz einordnen. Nach ein paar Wochen hatte ich dann raus, dass dieser Dönerladen von einem Pastorenehepaar geführt wird, die gerade ein Sabbatical gemacht haben. Also die hatten eine Gemeindearbeit gemacht, sechs, sieben Jahre, und haben dann gesagt, sie brauchen eine Auszeit.
Und in der Zeit hat Sandro, also der Pastor, einen Coffee-Van betrieben und die Susan hat einen Dönerladen aufgemacht. Und ich bin in diesem Dönerladen gelandet. Und nach ein paar Wochen, Monaten und vor allem in diesen Gesprächen zu zweit nachts, da hat man ja echt Zeit, wenn man einfach ein paar Stunden hat, bis da die Leute kommen und ich hatte immer mit unterschiedlichen Menschen dann Schicht, da konnten wir so ganz existenzielle Fragen durchsprechen und ich habe so gemerkt, dass das schon passt.
Und vor allem haben die mir die Perspektive gegeben, ich kann ja mal anfangen, Theologie zu studieren und ich kann sogar als Pastor arbeiten, aber es heißt nicht, dass ich das dann 40, 50 Jahre lang nur mache, sondern vielleicht macht man zwischendurch mal einen Dönerladen auf oder macht ein bisschen Kaffee oder macht halt was ganz anderes.
Und ich würde sagen, dass das so der Punkt war, der mir die Freiheit gegeben hat, zurückzukommen nach Deutschland und zu sagen, ich fange jetzt einfach mal an. Und ja, dann Theologiestudium ist dann auch so eine Sache. Ich hatte vor jeder Sprachprüfung so einen Deal mit Gott, wo ich gesagt habe, also ich habe es versucht jetzt, ich habe gelernt, so gut ich das halt kann.
Zweimal mache ich es nicht. Wenn du mich willst, dann lass mich bestehen. Mit mehr oder weniger Puffer hat es dann immer gereicht. Die Sprachbrüche an der Uni sind schon hart. Also das ist schon eine Hausnummer. Ja, machst halt ein, zwei Semester Druckbetankung und dann, ja. Ja, aber ich glaube, als es so dieser Dönerladen war, war so die Schlüsselphase tatsächlich. Spannend.
Ist das auch, willst du sagen, wo deine Idee mit dem Kaffeevan ein bisschen gewachsen ist oder vielleicht die Saat gelegt wurde? Vielleicht, also ich glaube, was tatsächlich da passiert ist, ist, dass Australien, was die Kaffeekultur angeht, da schon echt Jahre voraus war. Also der durchschnittliche Tankstellenkaffee in Melbourne und Umgebung war das, was man hier in den besten Cafés bekommen hat.
Und das hat sich mittlerweile ein bisschen angeglichen, aber das war schon so, dass ich gemerkt habe, man kann mit ein bisschen Aufwand richtig guten Kaffee machen und der schmeckt an vielen Leuten und dann kommt man in Kontakt. Und dann habe ich so angefangen, mich in diesen Spezialitätenkaffee auch reinzuschmecken in den nächsten Jahren.
Aber jetzt, der Coffee-Vent, nee, also das war damals noch weit weg. Aber ist jetzt natürlich lustig und er freut sich, dass ich jetzt auch auf dem Weg bin. Weil ihr seid ja noch im Kontakt. Ja, so ab und zu sporadisch. Ich glaube, mittlerweile sind die beiden Baptisten oder so. Hatten dazwischen eine eigene Gemeinde gegründet. Das war schon sehr spannend, aber ist jetzt einfach schon eine Ecke her.
Und da verliert man sich natürlich so ein bisschen aus den Augen. Ja, klar. Spannend, cool. Okay, das ist vielleicht eine ganz komische Frage, aber wenn du jetzt mal eine Kaffeesorte nehmen würdest, die dein Pastorenverständnis oder deine Arbeit beschreibt, welche Kaffeesorte würdest du dann nehmen? Ich muss jetzt kurz fragen, auf welche Richtung die Frage abzielt.
Malst du so Kaffeebohnen-Varietät oder ein Kaffeegetränk? No, no, ich meine Kaffee-Bohnen-Varietät. Aber ich glaube, welches Kaffee-Getränk ist denn einfacher zu beantworten? Vielleicht auch interessant dafür zuhören, aber ich glaube, die meisten kennen sich mit den Bohnensorten nicht so gut aus. Ich wollte gerade sagen, wir biegen hier eine Nische ab.
Ich weiß nicht, ob es so viele folgen wie bei Herr der Ringe. Also Kaffee-Getränk. Welche Kaffee-Getränksorte willst du nehmen, um deinen Job zu beschreiben? Boah. Also ich würde sagen, in meiner Arbeit vor Ort bin ich ein klassischer Cappuccino, weil das so das Getränk ist, worauf sich die meisten einigen können.
Also wenn du irgendwo hingehst und sagst, du hast guten Espresso und eine vernünftige Milch, dann machst du eigentlich fast alle Menschen wie Kaffee trinken zufrieden. Also das ist auch Leute, die vielleicht sonst nur Espresso trinken oder Latte Macchiato. Bei einem Cappuccino trifft man sich vielleicht wieder. In der Mitte. In der Mitte, genau.
Und willst du auch normale Milch nehmen oder willst du eine Alternative Milch nehmen? Was ist normale Milch, frage ich dich da. Also Kuhmilch. Ich meine jetzt Kuhmilch, also reguläre Milch, die man so als Milch bezeichnet. Oder würdest du da eine Alternative nehmen? Also da ich da ein bisschen in der schwäbischen Provinz gelandet bin, geht Kuhmilch glaube ich am besten.
Aber die Hafermilch holt auch dort auf. Ja, okay. Ja, aufstrecke ich immer Macadamia-Milch. Also Macadamia-Milch. Und die ist, also finde ich perfekt, weil die... Die ist nicht so süß wahrscheinlich wie Hafermilch. Die ist nicht so süß erstens, nicht so dominant und ergänzt sich mit dem Kaffee einfach so gut.
Also es hat so eine... Du schmeckst trotzdem die Kaffeebohne durch. Und das habe ich hier... Nur der eine Laden hat das hier. Ja, perfekt. Das ist die Milch. Bei Hafermilch finde ich manchmal Hafer zu dominant einfach. Und bei Mantelmilch hast du manchmal das Gefühl, also das schmeckt wie Holz. Also wenn das so eine billige ist oder so, dann hast du da echt auch so ein bisschen Nebengeschmack, der nicht gut ist.
Ja, ist für mich als Barista natürlich auch noch wichtig, wie gut man die dann schäumen kann und schönen Muster in Schaum machen. Da ist Hafermilch mittlerweile schon echt gut. Aber es kommt dann tatsächlich auf die Hafermilchsorte an und dann auch die Kaffeesorte. Und da gibt es manche, die harmonieren gut. und bei anderen denke ich, oh nee, gib mir einfach lieber den Espresso. Wie eine Kirsche.
Ja, okay, cool. Wie, Was verbindet denn für dich Kaffee, Gemeinschaft und Kirche? Warum ist denn Barista-Pastor eigentlich schon ein gutes Konzept? Oder vielleicht fangen wir nochmal so an, beschreib doch mal kurz das Konzept, die Idee dahinter. Was muss man sich jetzt als Zuhörende hier vorstellen, wenn du sagst, ich bin Barista-Pastor auch?
Also ich glaube, ich würde noch kurz zwei Sätze zu dieser digitalen Stelle sagen, weil die erklärt, warum ich das überhaupt mache. Ich habe mit der letzten Konferenz eine Dienstzuweisung bekommen, eine digitale Community zu gründen. Die heißt Connected Church. Und die Konzeption ist im Vorfeld in verschiedenen kirchlichen Gremien hin und her gespielt worden und ist für mich nicht ganz so eindeutig beziehungsweise man kann nicht alles abdecken, was man digital machen könnte mit 50 Prozent.
Das heißt, für die Connected Church bin ich jetzt eigentlich am Netzwerken Netzwerken und Leute zusammensuchen, die Lust haben, digitale Kirche zu sein und zwar auf eine mehr oder weniger methodistische Art und Weise. Aber ich hatte dann relativ schnell die Möglichkeit bei Schöner Glauben, das ist ein Podcast-Format.
Mit ins Team einzusteigen und einen Live-Podcast zu machen und dann wusste ich, wenn ich das mache, also wenn ich da in Erscheinung trete, dann muss ich auch irgendwie zu finden sein. Also wenn mich da jemand hört, wäre es natürlich gut, wenn die dann bei Instagram mich finden würden und dann dachte ich, okay, da will ich jetzt aber nicht die Connected Church verbraten, weil das Konzept ist offen, also das wird auch nicht nur auf meinem Mist wachsen, sondern das sehe ich als Kollaboration.
Mit anderen, die ich noch nicht alle habe. Und deshalb muss ich irgendwie mich persönlich zeigen. Und dann war die Überlegung, wie konnte ich mich persönlich zeigen, damit ich nicht das Connected Church vorwegnehme. Und dann hatten wir die Idee, vielleicht klappt es doch, diese Barista-Welt, also diese Kaffeewelt mit dem Pastor zu verbinden.
Und das Ganze wird dann in diesem Kaffeebus, den ich schon mal beschrieben habe, glaube ich, hier im Podcast, wird es dann deutlich. Und da war so die Geschichte, dass ich den halt mal bei einer Hochzeit von FreundInnen, die ich getraut habe, gesehen habe. Und dann war klar, der Bus wird verkauft. Und ich habe versucht, irgendeinen Weg zu finden, diesen Bus zu kaufen.
Habe es aber nicht geschafft alleine, weil es war teuer. Und ich hatte ihn aber einmal ausgeliehen für ein Wochenende im Sommer. Und zwar für so ein Tauffest in der EMK in Metzingen. Und da war ich dann in dieser Doppelrolle an diesem Sonntag. Da habe ich dann Gottesdienst gemacht und dann noch so Mini-Taufen und Segnungen den ganzen Tag über.
Und immer, wenn ich nicht im Gottesdienst war, stand ich an diesem Kaffeebus. Und die Leute wussten, wo ich bin. Die sind dann gekommen, also nicht alle, sondern die, die wollten. Der Bus hat so angezogen. Ich habe den besten Kaffee gemacht, den die in dem Jahr getrunken haben. Und so ist dann da was entstanden. Und ich habe gemerkt, ich bin hier genau an der richtigen Stelle.
Und für mich, ich habe so überlegt, was ist mir denn wichtig in kirchlicher Arbeit oder auch in pastoraler Arbeit? Und ich habe gesagt, eigentlich sind mir so drei Sachen wichtig. Das Erste ist, dass man vertrauenswürdig ist. Das bedeutet für mich, dass man seine Hausaufgaben machen muss, dass man strukturell Diskriminierung abbaut, dass man schaut, dass man keine Menschen benachteiligt, dass man mit denen, die einem anvertraut werden, gut umgeht.
Das Zweite ist, dass Kirche heute meiner Meinung nach ressourcenradikal teilen muss. Also wir sind alle auf dem absteigenden Ast und in meiner Wahrnehmung ist die Chance eigentlich zu sagen, was haben wir noch und wie können wir damit so vielen Menschen wie möglich dienen oder was Gutes tun. Das wäre das Zweite. Und das Dritte ist dann, Kirche muss sich verändern lassen von den Menschen, die dann da zusammenkommen bei den Ressourcen und auch offen sein für so eine Veränderung.
Und dann habe ich gemerkt, bei diesem Kaffeebus, da kommt das alles drei zusammen. Also vertrauenswürdig, wenn da jemand kommt und einen Kaffee will, dann ist der richtig gut. Dann kriegt man, was man verspricht. Und das ist was, was die Leute im Alltag nicht unbedingt haben. Also die Ressourcen werden geteilt.
Ohne die Kirche hätte ich den Bus nicht und ohne mich hätte der Bus nicht so guten Kaffee. Also wir teilen irgendwie das, was wir können. Und dann das Dritte, ich versuche Menschen zusammenzubringen und dann mit denen gemeinsam zu überlegen, was vielleicht die nächsten Schritte sein könnten. Egal, ob es jetzt individuell ist oder für eine Gruppe oder sowas.
Und das kam dann so zusammen, dass ich dachte, ja, davon muss ich meinem Superintendenten erzählen. Und das habe ich gemacht und der hat gut aufgepasst bei der Zeltmission bei der letzten Sitzung, weil die umstrukturieren, die heißen bald Freiraum und schieben ein paar Gelder hin und her. Und weil da die Gelegenheit dann so gut war, diesen Bus zu kaufen, also da waren halt Gelder frei und kein Kontrollgremium, da haben wir gesagt, okay, wir kaufen den Bus und das Konzept machen wir dann irgendwie hinterher.
Weil wir wissen, das ist ein guter Preis, das ist ein schöner Bus, wenn es nicht klappt, dann können wir den wieder verkaufen und es ist nichts passiert. Aber wir haben alle die Möglichkeit gesehen. Und deshalb habe ich dann gesagt, okay, diese Erfahrung da als Barista und als Pastor an diesem einen Tag, endlich mal diese zwei Interessen, die ich schon so lange habe, zusammenzubringen.
Das fühlt sich so gut an, dass ich mich unter dem Label auch einer breiteren Öffentlichkeit zeigen kann. Ja, Wahnsinn. Ich kriege ja so viele Sachen im Kopf. Eine Sache würde ich kurz festhalten. Da sieht man aber auch, welche Weichen manchmal auf längere Sicht eigentlich gestellt wurden. Weil du bist ja damals, wie du in die Pastoren auf Probezeit bist, hast du dafür gekämpft, dass du noch irgendwie als Barista weiterarbeiten darfst nach dem Studium. Und dann hast du es mal gemacht.
Das ist krass, dass du es noch weißt. Ja, da war klar, ich soll Pastor werden und ich wollte aber weiter meinen Job in der Rösterei in Tübingen machen. Und das Kabinett hat da erst gesagt, ich soll das nicht machen. Und ich habe gemeint, nee, ist mir wichtig. Und dann habe ich argumentiert, dass wenn ich ein anderes Hobby hätte, zum Beispiel Triathlon oder so, dass das viel mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als wenn ich jetzt einmal die Woche so eine Frühschicht im Café mache.
Und dann habe ich halt meinen freien Montag genommen und war da jahrelang immer noch montags als Barista im Einsatz. Genau, und bin halt so drin geblieben. also sowohl in den Netzwerken als auch im Handwerk, bis dann meine Tochter geboren ist. Da habe ich dann gemerkt, okay, einen freien Tag brauche ich auch. Ja.
Aber ja, das hat ja auch jetzt dazu beigetragen, dass du diese liebe Person weitergeführt hast und dass du das jetzt auch machst und anscheinend den besten Kaffee des Jahres für manche da auf den Tisch schmeißt. Er kommt immer darauf an, wie das Durchschnittsniveau sein so ist, aber ich glaube, es ist schon ganz gut. Wenn es die Dante Emma ist, die eh nicht ins Kaffee geht, dann oder ins normale Kaffee geht, dann ist das natürlich einfacher.
Ja, cool. Und was ja auch eine krasse Frage, ich glaube jetzt manche unserer ZuhörerInnen haben jetzt mal kurz geschluckt, als du sagst, na gut, kein Kontrollgremium, das haben die einfach mal gekauft. so, ne? Und da kann ich nur sagen, so machen wir das in den USA auch. Ach so, und das in der normalen Ebene, ach so, auf der Lower Ebene, wo wir sind hier, da werden Sachen ständig gemacht, weil man einfach, wenn der Kairos da ist, also man sagt, man sieht was und alles, solange alle auch an Bord sind, sagen, wir müssen das jetzt irgendwie machen und dann werden wir nachher den Rest irgendwie noch rausfinden.
Und ich fand das jetzt sehr befreiend, dass ich so arbeiten kann auch immer wieder. Und ich glaube, das, also will ich hier ja positiv sagen, wenn Leute das negativ gehört haben, sagen sie, was haben die gemacht? Ja, zu sagen, nee, wir müssen das mehr machen. Also in unserer deutschen Kultur und auch in der EMK-Kirchenkultur habe ich mir schon das Gefühl, dass wir viel zu viel zerreden und am Ende machen wir es dann doch nicht oder der Zug ist dann abgefahren.
Und ich glaube, wir müssen natürlich auch mit Ressourcen gut umgehen, aber ich finde, manchmal müssen wir auch schon auch mal was riskieren oder einfach auch mal ein bisschen schneller was entscheiden und dann nachher nochmal sagen, okay, das war vielleicht jetzt nicht die schlauste Idee oder, wir reden nicht über Millionen. Das muss man ja auch sehen.
Ja, also wir haben uns das schon genau angeschaut und auch den Markt sondiert sozusagen und ich bin mir ganz sicher, wenn wir da einigermaßen okay drauf aufpassen, dann könnten wir den sogar noch mit Gewinn verkaufen, weil der Vorbesitzer auch einen Freundschaftspreis gemacht hat. Also das wollen wir überhaupt nicht, aber ich glaube, das Risiko ist sehr überschaubar.
Ja, eben, genau. Ja, cool. Also das ist doch mal auch von. Ein Beispiel dafür, wie der Standard-Kirchenkaffee am Sonntagmorgen sich weiterentwickelt hat. Genau, ich muss sagen. Den Kirchenkaffee auf die Straße bringt und mit mehr Menschen in Kontakt sein. Und das war schon schön. Also ich hatte dem dann in Schöneich in meiner Gemeinde bei der Begrüßung als Überraschung dabei.
Und das hat echt funktioniert. Und dann kommen die Leute und die alten Männer wollen dann, dass man nochmal einen Motor anmacht, damit sie das Öl nochmal riechen können oder unter die Motorhaube schauen. Und dann andere Leute stehen voll auf den Kaffee oder schauen die Kaffeemaschine sich an. Kleine Kinder finden das krass, dass da ein Auto ist, was Kaffee machen kann.
Also es verbindet tatsächlich unterschiedliche Generationen. Und ich hatte dann da zwei Tübinger Hipster, die Kaffee gemacht haben und dann so die EMK-Gemeinde, die den Kaffee getrunken hat. Also da sind auch so zwei Welten dann eben zusammengekommen. Das ist schon cool. Cool. Hast du da ein Beispiel noch von einem Gespräch oder irgendeiner Begegnung am Kaffeebus, die dich da geprägt hat oder wo du sagst, das hat dich irgendwie bewegt oder so?
Ja, was ich richtig süß fand, so zwei alte Omis, die kamen und die standen dann so eine Viertelstunde an und dann wurde ihnen ihr Cappuccino hingestellt und dann sind die so, oh, der ist ja so schön, den kann man gar nicht trinken. Weil die halt noch nie in ihrem Leben in irgendeinem Café waren, wo so Latteart im Milchschaum ist oder sowas, die konnten das es war was komplett Neues und das finde ich irgendwie cool, weil das ich zeige ja einen Teil von mir, ich trinke seit 10 Jahren trinke ich so einen Kaffee, für mich ist das ganz normal, aber ich zeige mich da und dadurch gehen Türen auf, also so neu.
Cool. Jetzt würde ich aber gerne noch mal fragen, da du jetzt ja da am Netzwerken bist, bist du im digitalen Raum unterwegs, aber hast du jetzt auch angefangen analog in der Gemeinde aktiv zu sein, kannst du jetzt schon sagen, inwiefern sich diese zwei Welten unterscheiden? Oder gibt es da auch Überlappungen?
Oder welche Herausforderungen siehst du da jetzt für dich auch, diese zwei Welten irgendwie zu... Am Ende müssen wir die ja immer spielen, auch in beide Welten irgendwie auch gerecht werden in der Form. Wo bist du da gerade? Ist alles noch zu neu, das einzuschätzen zu können? Oder bist du schon am Punkt, wo du sagst, ach du, meine Güte?
Ja, also ich bin jetzt drei Monate mit diesen Aufträgen unterwegs. Und ich merke schon, dass das einfach super viel ist. Also alleine neu in zwei Gemeinden zu kommen und für die aber von Anfang an nur 50 Prozent zu haben. Das heißt, in jeder Gemeindevorstandssitzung oder in jedem Ausschuss für Zusammenwirken haben wir immer auf der Tagesordnung zu schauen, was mache ich gerade, wo ist meine Arbeitsbelastung, wo kann vielleicht jemand anders nochmal was übernehmen.
Und gleichzeitig verheizen wir dadurch nicht die Ehrenamtlichen, machen die zu viel, wer übernimmt was und wie können wir es vielleicht effizienter machen. Also das ist schon sowas, was konstant mitläuft und wo ich sagen würde, da kann man nach drei Monaten noch gar nicht sagen, ich habe alles unter Kontrolle oder im Blick, weil manchmal passieren Dinge.
Oder ich mache irgendwas zum ersten Mal und merke dann, ah, das passt gar nicht mit den Erwartungen, die da an mich eigentlich gestellt sind und da muss man zusammen schauen. Vielen Dank. Und jetzt bei dem Digitalen, da dachte ich eigentlich, ich mache das ein bisschen später erst. Also ich wollte eigentlich so die ersten paar Monate tatsächlich dazu nutzen, vor Ort richtig im Sattel zu sitzen und die Leute zu kennen und auch Vertrauen mir schon zu erarbeiten.
Und dann kam halt diese Gelegenheit, bei schöner Glauben einzusteigen. Und ich weiß, dass die schon einerseits eine größere Reichweite haben und andererseits echt eine coole Arbeit machen. Und da hatte ich das Gefühl, ich muss jetzt Ja sagen. Also wenn so eine Tür aufgeht, dann muss ich durchgehen. Und dann war mir auch klar, okay, da kommt aber ein bisschen Stress und ich muss auch ein bisschen was liefern.
Und da hoffe ich natürlich, dass das in Zukunft tatsächlich was wird, was ich nicht alleine trage, also was dann einfach nicht Barista-Pastor primär ist, sondern wirklich diese Connected Church. Und da habe ich den Eindruck, ist es halt im analogen Bereich viel leichter ein Gespür dafür zu kriegen, was bei den Leuten ankommt, weil die halt im gleichen Raum sind.
Und da gibt es ja auch Unterschiede. Also die eine Gemeinde schwingt voll mit bei der Predigt und ist locker und lacht gern und sowas. Und die anderen, die sitzen eher da und sind ernst. Und da weiß ich auch manchmal nicht, was gerade passiert. Aber es ist trotzdem noch derselbe Raum. Und jetzt hier auf meinem Instagram-Profil oder auch mit Podcasts, da mache ich was und dann drücke ich auf senden und dann war es das erstmal und dann sehe ich natürlich, manchmal kommen dann ein paar Likes oder Kommentare oder auch Nachrichten.
Aber diese Resonanz, die merke ich dann nur punktuell. Das war jetzt auch mit dem Holy Club, würde ich sagen. Also ich weiß nicht, wie es dir da geht, aber ich habe da manchmal Monate, wo ich so denke, oh ja, kommt gerade wenig Feedback irgendwie von den Menschen und dann war da plötzlich Live-Podcast und 600 Leute in der Halle.
Das war natürlich ein anderes Gefühl. Und die Momente, wo man das Digitale ins Analoge holt, die braucht es glaube ich einfach dann auch. Ja, ich glaube, das ist, was wir, wenn du in diesem Bereich jetzt unterwegs bist und was wir ja auch wahrscheinlich Corona gemerkt haben, ist einfach die persönliche Begegnung ist doch sehr stark.
Also ich glaube, die Angst, dass alle ins Digitale abrutschen und dann irgendwann da verschwinden, das mag vielleicht nochmal stärker werden in der Zeit mit der Gen Z und Gen Alpha Generation, aber ich glaube, da ist diese Not, die Sie vielleicht erstmal nicht formulieren können, aber die Not, sich persönlich zu sehen und diese Räume, die sind so wichtig.
Das merken wir halt dann genau dann, wenn wir dann, man brüllt manchmal so vor sich hin, denkt man, postet Stuff und dann sieht man halt nur, wie viele sich das vielleicht angeschaut haben, aber haben sie sich alles angeschaut, fanden sie das gut oder hören sie sich den ganzen Podcast an, wir haben auch jetzt gerätselt, vielleicht können sich die Personen mal melden, die da in Ägypten immer zuhören.
Stimmt, bei unserem Jahresrückblick war hier mehr Leute in Ägypten als in Österreich. Wie zuhört man? Also da fragt man sich dann noch, okay, wer ist das? Ist das VPN oder was läuft da ab? Also wenn ihr zuhört, if you are listening and you are from Egypt und du bist von Ägypten, dann melde dich bei uns.
Wir sind interessiert darüber. Ja, nee, cool. Na, was ich noch sagen wollte zu diesen Verbindungen. Also wir zwei, wir kennen uns ja schon. Also wir waren schon öfter mal am selben Ort oder auch in der gleichen Stimmung. Aber zum Beispiel mit Sarah war ich noch nie in einem Raum. Das stimmt. Und das, finde ich, ist schon sowas.
Also wir haben jetzt dann natürlich viel zusammengearbeitet und dann auch Persönliches geteilt. Und manchmal kriegt man da mehr mit. Aber ich würde jetzt schon sagen, dass wir auf eine gewisse Art befreundet sind. Also dass es wirklich eine Person ist, wo ich mich vertraut fühle. Und wir haben uns noch nie gesehen. Und das ist für mich auch was Neues.
Also das hatte ich, glaube ich, so noch nicht. Aber ich fände es mega spannend, wie das sich dann anfühlt, wenn wir uns mal treffen. Aber bisher, also wir sind ja jetzt seit einem Jahr regelmäßig in Kontakt. Und das hat für mich schon eine richtige Qualität, die vielleicht manche Beziehungen jetzt so im analogen Leben gar nicht haben.
Ne, das stimmt, ja. Da ist definitiv eine Chance da. Ich meine, ich habe auch ein paar Freunde, die kannte ich schon von vorher. Also normalerweise kriegen ich mein Telefon Montags nicht, weil das ist eigentlich mein freier Tag, aber okay. Da hatten wir so ein paar Freundschaften, die ich wirklich hauptsächlich nur noch online pflege.
Und es ist erstaunlich, wie das doch auch sich echt anfühlt. Also, finde ich schon cool. Ja, stimmt, Sarah habe ich auch nie getroffen. Also, das wäre spannend, wenn wir uns dann vielleicht nächstes Jahr hoffentlich das erste Mal alle zusammen sehen. In irgendeiner Form. Ja, cool. Wolltest du noch was sagen, oder kann ich weitermachen?
Mach mal weiter, ich sehe schon, du hast so richtig vorbereitet. Dann würde ich mal weitermachen jetzt hier, ne? Mord, was ich jetzt nochmal fragen wollte... Und hast du jetzt was Neues gelernt über das Thema Glaubenskommunikation, seitdem du dich jetzt mit diesen Themen beschäftigst, wie du den digitalen Raum irgendwie aufbaust und mit der Barista-Sache?
Also würdest du sagen, hat sich bei dir was verändert, wie du über Glauben redest oder Glauben kommunizierst? Oder ist das alles so? Na, es hat sich schon ein bisschen was verändert, weil ich, also ich merke einerseits, wie sehr die klassische Gemeinde und der Gottesdienst so eine Comfortzone sind, also so eine richtige Komfortzone, weil da weiß ich, die Leute, die da sind, die sind bewusst zu einem Sonntagmorgen Gottesdienst und natürlich teilen die jetzt nicht alle genau die gleichen Glaubenssätze und da gibt es sicherlich auch Leute mit vielen Fragen oder Leute, die sind nur für die Gemeinschaft da und Leute, die sind da.
Für irgendwie eine Lehrpredigt da oder sowas. Aber die haben sich darauf geeinigt, Sonntagmorgen Gottesdienst ist der Ausdruck unserer Frömmigkeit, den wir jetzt gerade machen wollen. Und in dem Modus bin ich dann auch unterwegs. Ich habe eine klare Rolle, ich bin da der Pastor, ich mache die Verkündigung und bin sonst für alle großen und kleinen Sorgen der Leute da.
Und es läuft alles unter dem Dach der evangelisch-methodistischen Kirche und alle, die da sind, wissen das auch. Oder auch. Sie konnten es wissen. Und jetzt bei Instagram, da poste ich ja einfach für alle, also keine Ahnung, wen dann der Algorithmus auswählt, wer es dann sieht, aber erstmal für alle.
Und da muss ich ja viel mehr noch zeigen, wofür ich stehe, weil also methodistische Kirche bringt relativ wenig Leuten irgendwas im deutschsprachigen Raum, außer die kennen die Kirche schon. Und da muss ich dann versuchen, irgendwie anders Inhalte darzulegen und da bin ich voll der Anfänger. Also ich probiere jetzt gerade einfach aus. Habe jetzt auch letzte Woche da meine ersten Reels mal gemacht.
Die sind, glaube ich, einfach nicht gut auf einem technischen Niveau oder so oder auch was Ästhetik angeht, da bin ich wirklich kein Profi. Aber ich hatte davor aus meiner Gemeinde zwei Leute, die haben so eine Agentur und mit denen habe ich ein paar Tage zusammengesessen und so ein bisschen überlegt, was ich machen will.
Und letzten Endes sind wir dabei rausgekommen, was Sarah mir auch schon vorher gesagt hat, aber zeig einfach dich und zwar mit verschiedenen Facetten, also jetzt nicht nur alles heiter Sonnenschein, sondern auch die tiefen Momente, die Unsicherheiten. Aber mach vor allem kein cooles Profil, sondern eins, was irgendwie so sympathisch nahbar ist, wo du einfach dich zeigst und das muss dann gar nicht perfekt durchgestylt sein, sondern komm einfach ins Machen.
Und da haben die mir so ein paar Templates und so Handwerkszeug an die Hand gegeben und haben die ersten zwei, drei Posts gemacht und haben dann aber gesagt, hey, guck mal, hier ist alles, mach einfach. Und das war, glaube ich, für mich echt wichtig. Also nicht, damit ich jetzt lerne, wie man die Postings macht, sondern dass es losgeht und dass ich jetzt einfach mal mache.
Und das merke ich halt in der Gemeinde. Da bin ich gefragt, da habe ich einen Dienstplan, da weiß ich, wann ich was machen muss und kann mir dann überlegen, wo ich noch zusätzlich initiativ bin. Und da in dieser Barista-Pastor-Ecke, da hängt halt alles von mir ab. Wenn ich nichts mache, dann passiert da auch nichts.
Und das ist aber dann für Leute, die ich vorher nicht einschätzen kann. Deshalb versuche ich mich da so zu zeigen, dass Leute das Gefühl kriegen, hey, wenn ich irgendwas habe, irgendein Thema, irgendeine Frage oder vielleicht auch irgendwie nur gut finde, was der macht, dann ist die Hemmschwelle da zu interagieren relativ niedrig.
Also das versuche ich so ein bisschen zu zeigen. Aber ja, weiß auch nicht. Wie ist das denn? Du warst ja auch eine Zeit lang auf jeden Fall deutlich aktiver noch auf Social Media. Also hattest du ja da früher mal deinen YouTube-Kanal, wo du als DC-Pastor auch so Serienanalysen gemacht hast und solche Sachen.
Wie bist du das angegangen? Also was kann ich von dir lernen? Oh, ähm, ich glaube, ich bin da nicht ein gutes Beispiel, weil ich, ich, ich bin so jemand, ich habe eine Idee und dann, dann lege ich einfach mal los und gucke, was passiert, so ungefähr, ähm, wobei ich mir schon auch die Leute suche, ich glaube, du bist zur Agentur gegangen, ich bin zum Kumpel gegangen, der Film studiert, ähm, und aber auch, also Werbefilm-Bereich ist, und da habe ich ihm gesagt, hey, das und das will ich machen, und, ähm, wie kriegen wir das denn hin?
Und ich hatte aber auch ein bisschen den Weg, den du angesprochen hast. Ich habe nicht einfach in einem leeren Raum erstmal was machen müssen, sondern ich hatte ein paar Jugendliche vom Container, mit denen ich immer feiern war, die haben zu mir gesagt, hey Damien, mach doch mal sowas auf YouTube. Ich glaube, man könnte voll gut zuhören, weil ich habe keinen Bock, in die Idee zu gehen.
Aber sowas wäre irgendwie cool. Also es kam eher von außen was und dachte, ja, die Idee hatte ich schon mal, aber jetzt ist da jemand, der dann auf quasi eine Erwartungshaltung formulieren kann. Und dann hatte ich halt mit denen erst mal gesprochen, so, was wird euch denn interessieren und wie könnten wir das machen?
Und dann hatte ich so eine Zielgruppe vor Augen. Und ich glaube, das ist so, was du sagst, dein Problem ist ja, du willst irgendwie für alle, weißt eigentlich nicht genau, wer ist jetzt derjenige, der das bekommt im Algorithmus. Und ich habe mir einfach gesagt, gut, das ist die Person. Und dann hatte ich mit Yeet, mit dem Netzwerk, als die mich dann irgendwann aufgenommen hatten, haben die mit mir auch nochmal so eine, ich weiß gar nicht mehr, wie man das nennt, also halt, man entwickelt so eine Persona als Zielgruppe und das hatte ich dann mit denen gemacht und das hat dann nochmal so ein bisschen Feinschliff gegeben in, für wen mache ich das eigentlich?
Und das hat geholfen, sich so eine Gruppe oder eine Person vorzustellen und das dann auf die zuzuschneiden und trotzdem muss es mir ja Spaß machen. Also ich habe da nichts gemacht. Einer meinte, macht Videos kürzer und gehen nicht so auf TikTok und da habe ich gesagt, ja, aber dann fällt jetzt an, an Tiefe der Theologie.
Also ich will nicht zwei Minuten über eine Serie reden und sagen, und übrigens, das ist wie bei Gott. Arme. Also kannst du machen und so oberflächlich, aber das war dann nicht das Ziel. Da habe ich gesagt, nee, das will ich nicht machen, auch wenn es wahrscheinlich mehr Klicks und mehr ZuschauerInnen bringen würde. Ja.
Aber es war das Einzige, wo ich sagen würde, da war ein bisschen Planung dahinter. Der Rest war dann einfach. Und es war halt Corona und deswegen hatte ich ein bisschen mehr Zeit und Luft. Aber nachher, als dann so der Gemeindealltag wieder mehr Start genommen hat, habe ich gesagt, ich kann das nicht.
Das war einmal die Woche sechs Stunden Arbeit oder so oder teilweise acht Stunden Arbeit. Das geht einfach nicht. Ja, also das merke ich jetzt auch. Ich hatte mir das ein bisschen so ausgemalt, als ich mich auch auf die Stelle beworben habe, beziehungsweise da versucht habe, das irgendwie so hinzukriegen, dass ich die bekomme.
Dass es ja voll geschickt ist, wenn ich nur 50 Prozent in der Ortsgemeinde bin und die anderen 50 Prozent, weil es digital ist, kann ich ja dann von überall und irgendwann arbeiten und das ist dann ja sehr freundlich, was mein Leben mit kleinem Kind und Familie und so angeht. Aber ich merke schon, also jetzt zwei Gemeinden, 50 Prozent, dann der Regionalisierungsprozess und bliblablub.
Die Woche wäre auch gut voll, wenn ich keinen einzigen Post auf Instagram mache und keine Podcast-Folge aufnehme und kein Netzwerksgespräch führe. Also ich hätte genug zu tun. Das ist schon so. Und da muss ich mal schauen. Ich hoffe da sehr auf so Synergieeffekte, auch mit dem Kaffeebus. Fände es cool, wenn der noch öfter mal bei mir in der Schönbuchregion mit mir unterwegs wäre und dann die Gemeinde sagt, hey, voll cool, wenn unser Pastor da unterwegs ist.
Und ich dann merke, okay, das kann ich dann wieder anderen Leuten zeigen oder dann verwerten in dem Sinne dann auch im Digitalen. Ja, ja. Ich glaube, es macht auch Sinn, irgendwelche Dinge soll ich sagen. So zu produzieren, dass man sie in einem anderen Kontext mit einer Abänderung auch wieder benutzen kann.
Das spart Zeit. Also ich könnte jetzt zum Beispiel, wäre es eigentlich fast easier, wieder diesen YouTube-Kanal zu reanimieren, weil ich habe jetzt diese Filmserien in Gonsens gemacht, und jetzt daraus kurze Videos zu machen, ist die halbe Miete schon getan, die inhaltliche Arbeit. Ich müsste das theoretisch nur auf Filmen nur nochmal kurz machen.
Aber gut, es macht glaube ich Sinn, in vielen Dingen Dinge wieder zu benutzen. Also ich habe dann irgendwann auch angefangen, meine Bibelarbeit in Deutschland, wenn ich Bibelstunde hatte, habe ich für den Text gemacht, ich habe einen Sonntag predige, weil du dann die Arbeit für der Exegese schon gemacht hast. Ja.
Also solche Dinge halt. Na gut, jetzt haben wir nochmal einen letzten Blog, den ich mir dir gerne abhaken möchte oder angucken möchte. Wir hatten jetzt im Holy Club schon viele Themen, viele schöne GästInnen, und vor allem sind wir jetzt in letzter Zeit wieder sozusagen grundsätzlich unterwegs gewesen, von Ökologie zu politischer Realität und da wollte ich dich nochmal fragen, gibt es eigentlich momentan Themen, die dir besonders am Herzen liegen?
Ja, also gibt es immer, glaube ich, weil irgendwas ist ja immer los im Leben. Ich würde sagen, auf kirchlicher Ebene, also bei dem, was ich jetzt als Pastor mache, ist gerade diese politische Dimension und vielleicht die Gefahr, die momentan von rechts auf die Demokratie einwirkt, besonders präsent. Das liegt auch daran, dass ich in der Arbeitsgemeinschaft Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung mitarbeite und wir hatten von der letzten Konferenz aus den Auftrag, uns zu überlegen, inwiefern eine Unvereinbarkeit von evangelisch-methodistischer Kirche und AfD, also Alternative für Deutschland, diese Partei, wie man das feststellen könnte, beziehungsweise wie sich die Kirche zu diesem Erstarken dieser Partei verhalten soll und da haben wir viel gearbeitet die letzten.
Wochen. Und das hängt jetzt immer noch im Kirchenvorstand, deshalb weiß ich nicht, wie konkret ich da jetzt werden kann. Aber es ist nicht so einfach. Und das frustriert mich gerade sehr, weil ich auf der einen Seite sehe, wie stark einfach die AfD wird und wie wehrlos sich die Demokratie da gerade zeigt.
Und auf der anderen Seite denke ich, das ist so offensichtlich, dass unsere kirchlichen Grundsätze beziehungsweise die sozialen Grundsätze, also über die reden wir ja, dass die in so einem starken Kontrast zu dieser Partei stehen. Und das einfach nicht, das geht nicht zusammen. Also du kannst nicht völkisch, national, politisch wählen und dann dich sonntags in den Gottesdienst setzen und das soziale Bekenntnis mitsprechen. Aus meiner Sicht.
Also da würde ich sagen, da muss man schon ganz schön Akrobatik machen im Gehirn um das irgendwie unter einen Hut zu kriegen. Und da denke ich, wenn das so offensichtlich ist, dann müsste es doch ein leichtes sein, als Kirche zu sagen, nee, es geht nicht. Und da bin ich gerade an ein paar Prozessen dran. Wie gesagt, ich kann jetzt hier nicht alles sagen, glaube ich, aber das beschäftigt mich.
Wie könnten wir da hinkommen? Weil es muss einerseits natürlich, am liebsten wäre mir, wir sind einfach so Kirche mit so einer Haltung, dass die Leute, die sich in der AfD engagieren, von alleine merken, ah, das passt nicht. Weil was auch klar ist, es kann natürlich sein, dass irgendwelche AfD-WählerInnen in unseren Gemeinden sitzen und es darf nicht darum gehen, jetzt rauszufinden, was wählt denn die Person, die da vorne sitzt, bei der nächsten Wahl oder so.
Also, dass man da irgendwie hinterher spioniert oder dass man versucht, das Wahlgeheimnis irgendwie auszuhebeln. Das ist nicht der Punkt, sondern tatsächlich ein Engagement für diese Partei, Das wäre einfach unvereinbar mit dieser Kirche oder mit Ämtern oder mit einer Mitgliedschaft in dieser Kirche, weil das ja auch dann wieder auf die Kirche zurückfällt.
Und da sind wir eigentlich wieder an dem Punkt, den ich vorhin gemacht habe, als ich gesagt habe, was mir bei Kirche wichtig ist. Das wäre für mich ein absoluter Vertrauensverlust. Also ich kann keiner Institution vertrauen, wo die Leute bei einer rechtsradikalen Partei mitmachen. Also da kommen wir auch unserem Auftrag, bei den Ausgegrenzten und Marginalisierten zu sein als Kirche, einfach nicht nach.
Ja, aber das ist noch ein bisschen komplexer, da müssten wir wahrscheinlich eine ganze Folge aufnehmen. Aber es beschäftigt mich gerade sehr. Total. Es ist aber auch interessant, ich glaube, die Gegenbewegung sozusagen, dass das schlimm wäre, wenn man das macht und dass das eigentlich gegen, was weiß ich, Freiheitsbestimmung und bla bla bla spricht.
Aber es sind oft die Gleichen, die dann sagen würden, nö, ist schon okay, wenn jemand homosexuell ist, dass man denjenigen oder diejenigen ausklammert von Ämtern, von Möglichkeiten. Und das ist dann okay, weil es biblisch ist. Dann denkst du mir so, ja, aber okay, wenn du in dieser Bubble denken möchtest oder diesem Weg, dann musst du aber auch akzeptieren, dass AfD mit ihrem Programm momentan, nicht die frühe AfD, da kann man auch diskutieren, die waren auch wirklich mal anders unterwegs, aber die jetzige AfD, die auch gesichert rechtsextrem ist, zumindest in Teilen der Länder, die spricht total gegen die sozialen Grundsätze und gegen dieses Grundfest unserer Kirche und unseres theologischen Verständnisses.
Und dann finde ich, dann müsste man der gleichen Argumentation sagen, ja gut, aber dann müssen die wirklich, dürfen die auch nicht mitmachen. Ja und da würde ich sagen, das ist ja kein Ausschluss, den wir dann beschließen, sondern es ist ja ein Selbstausschluss im Grunde genommen. Weil die Leute folgen da einer Ideologie und deshalb können sie halt nicht, weil sie das nicht wollen offensichtlich, weil sie es nicht leben wollen, nicht bei uns mitmachen.
Während, wenn jetzt gerade Beispiel Homosexualität, Das ist ja nicht so, dass man sich das aussucht. Sondern da bist du natürlich mit allem, was du bist, bist du Teil dieser Kirche, wenn du das sein möchtest. Und du hast dich da nicht selber ausgeschlossen. Sondern wenn du da Diskriminierung erfahren willst, dann schließt sich jemand aktiv aus und das ist wieder was anderes.
Was ich interessant finde, ist, dass die Seite oft da dann voll okay ist, das so zu machen. Und dann aber jetzt sagt, das wäre ja fies, wenn man jetzt wegen einer Partei dann ausgeschlossen wird. Das ist eigentlich aber ich möchte auch nochmal das nochmal stark machen und das erinnert mich nämlich an Gespräch was ich gestern hatte wir hatten nämlich jetzt im letzten Jahr.
16 neue Leute, die jetzt regelmäßig größtens kommen innerhalb eines Jahres und bleiben, also sie sind jetzt schon über mehrere Monate hier, manche sind auch schon Mitglieder geworden, dann hatte ich die alle nochmal angeschrieben und gesagt weil die wissen gar nicht, dass so viele neu sind, das ist ja auch witzig Weil die kommen dann und denken, dass die alle schon lange dabei sind.
Und dann ist halt wirklich, wenn du 70 größten Besucher in den hast und 12 davon sind neu im letzten Jahr, das ist schon eine Hausnummer. Und da habe ich die alle eingeladen mit meiner Leihendelegierten für ein Gespräch, um mal zu hören, warum seid ihr hier überhaupt? Und warum seid ihr geblieben? Was ist denn da passiert?
Und da waren drei Pärchen oder Gruppen, die gesagt haben, weil sie gesehen haben, dass wir jeden willkommen heißen, sie haben die sogenannte Pride Flag, also für die, die es nicht wissen, ist diese Regenbogenfahne, vereinfacht ausgedrückt, die anzeigen soll, ihr seid hier in einem sicheren Raum. Und das war für sie etwas, was sie hier in dieser konservativen Gegend, wo ich bin, nirgendwo sonst außer in einer Gemeinde noch gesehen haben.
Und einmal hätte ich einen Besuch gemacht bei jemandem, die gefragt hat, ob sie Hilfe bekommen kann finanziell für die Miete und ich habe die dann besucht, um denen den Check zu geben und habe dann auch so eine, Regenbogenflagge im Raum gesehen und dachte, ah cool, seid ihr Teil der Community oder supportet ihr.
Die LGBTQ Community unterstützt sie die an. Dann hat sie erst einmal im Gespräch gesagt, Dass das der Moment, wo ich gesagt habe, ich kann in diese Kirche gehen und ist am Sonntag aufgetaucht und seitdem jeden Sonntag da gewesen. Und das will ich damit nochmal sagen, wir haben manchmal in der Kirche so diese Angst, wenn wir einen Standpunkt einnehmen, dass vielleicht Leute verlieren. Und das mag ja so sein.
Aber unser Standpunkt, den wir jetzt in den letzten zwei Jahren ganz klar gemacht haben hier in dieser EMK, hat dazu geführt, dass mehr Leute kommen und bleiben. Wir haben auch ein paar verloren, aber jetzt sind mehr da als vorher. Und die engagieren sich, sind dabei und es hat dann Sätze gefallen wie, ich fühle das erste Mal mich gesehen und ich habe das Gefühl, ich darf hier bleiben.
Wir haben zum Beispiel auch einen Standpunkt gemacht, was die anderen Kirchen hier scheinbar nicht machen, dass wir Hunde zulassen, die. Emotional support animals sind. Das sind jetzt nicht die Servicehunde, die Blinde brauchen, sondern die sind so ein bisschen was dazwischen und wir haben gesagt, okay, wenn du das hast, ist okay.
Und die eine kam mit ihrem Hund jetzt und sagt, das ist die einzige Kirche, wo sie mit dem Hund rein darf. Und fühlt sich hier wohl. Ja, also mega schöne Geschichten und ich würde dir da voll beipflichten. Und wenn ich halt sehe, wie gerade die politischen Systeme auch umgebaut werden, da wird es ja darauf ankommen, dass Menschen, die von den Mächtigen bedroht sind, irgendwie Räume der Solidarität und des Schutzes erleben.
Und wo, wenn nicht da, müssen wir als Kirche sein? Und da muss man sich jetzt drauf vorbereiten, glaube ich. Und da hilft es nichts zu sagen, nee, wir wollen aber für alle da sein und dann eben auch für die, die hier Sorgen sind oder Sorgen haben oder hier mit Nazis irgendwie Sachen machen. Sondern nee, wir müssen sagen, wir sind für alle da, die alle willkommen heißen, um das mit Damaris Hecker zu sagen vom LEW-Kollektiv.
Und genau da sehe ich uns als methodistische Kirche eigentlich am richtigen Platz. Und da sollen dann bitte die Menschen mitmachen, die das mitmachen wollen. Und wir werden nie alle in unsere Kirche haben. Also es ist ja jetzt auch nicht so, dass man sagt, okay, bald sind 80 Millionen in Deutschland in der EMK, weil wir so eine gute Idee haben.
Das wird nicht so sein. Sondern lass doch einfach die nehmen, die Lust haben, die Kirche auf die Art und Weise zu sein, wie wir es für richtig erachten. Gemeinsam. Und dann mutig sein. Genau, genau. Das war nochmal mein Stay-Punkt. Seid da mutig und zeigt Flagge, wörtlich und auch metaphorisch gesprochen, weil ich glaube, dass das am Ende viele Menschen, die vor allem von Kirche enttäuscht sind oder erwarten, dass Kirche sich anders verhält in diesen entscheidenden Fragen, wie wir auch mit den marginalisierten Menschen umgehen, die dann sowas sehen und sagen, vielleicht ist der wirklich ernst mit Jesus, dem, was der sagt.
Und ich glaube, das ist wichtig, dass wir da jetzt wirklich ganz klare Kante zeigen, an vielen Stellen. Das ist ein guter Vorsatz auch für uns als Holy Club im nächsten Jahr. Ja, genau. Ich glaube, wir müssen jetzt in die Zielgerade hier einbiegen. Ich frage jetzt auch nochmal am Ende, möchtest du uns noch was Hoffnungsvolles mit auf den Weg geben oder vielleicht einen Wunsch fürs neue Jahr für die Kirche?
Was wünschst du dir für unsere Kirche fürs neue Jahr? Ich würde meinen Wunsch ein bisschen lokal begrenzen auf die Konferenz, die ich am besten kenne. Ich weiß, dass hier im Süden von Deutschland ganz viele Regionen gerade versuchen, irgendwie hinzukriegen, zusammenzuarbeiten. Und ich würde euch da wirklich den Mut wünschen, die Gemeindegrenzen in euren Köpfen und dann auch im echten Leben aufzuweichen und zu schauen, wie könnt ihr auf methodistische Art und Weise für die Region, in der ihr seid, ein Segen sein.
Und ich glaube, wenn wir mit diesem Gedanken da gemeinsam reingehen, dann wird da ganz schön viel entstehen. Und da würde ich mich sehr freuen, in ein paar Jahren dann zurückzublicken und zu sagen, ja, 2025, 2026, da haben wir die Weichen gestellt und haben uns zusammengerauft und da machen wir jetzt eine gute Arbeit zusammen, die wir vorher alleine in unserem Gemeinden vielleicht nicht so geschafft hätten. Das würde ich mir wünschen.
Ja, das ist doch ein super Wunsch. Also den unterstütze ich jetzt mal hier. Okay, ihr Lieben. Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen, ihr... Also ich glaube, wenn wir diese Folge veröffentlichen, ist Weihnachten schon geschehen. Aber Neujahr steht vor der Tür. Und da wünschen wir euch ein frohes und gesegnetes neues Jahr.
Und hoffentlich auch noch ein bisschen schöne Zeit mit Freunden und Familie, dass ihr nicht alleine seid. Und vielleicht, wenn ihr zuhört und seid jemand, wie Moritz am Anfang gesagt hat, die Schwierigkeiten haben in dieser Zeit oder sich alleine fühlen, wirklich den Mut, in der lokalen Kirche, die vielleicht in der Nähe ist, sich mal zu melden.
Beim Pastor, Pastorin, bei Gemeindekriegern und sagen, hey, ich brauche da jemanden über die Tage, oder ich würde gerne irgendwie mit jemandem zusammen diese Feiertage verbringen. Ich glaube, das ist wichtig. Wir können nicht immer erwarten, dass wir alles sehen als Kirche. Wir brauchen auch die Stimmen, die uns sagen, hey, Hier bin ich.
Genau. Also, ihr Lieben, danke fürs Zuhören. Moritz, danke fürs Gespräch. Danke, Dazian. Wir wollen ja wieder mal ein inneres Blumenpflücken. Und jetzt wünsche ich dir noch, dass du endlich nochmal Herr der Ringe guckst, um das besser wertzuschätzen. Und euch allen ein neues, schönes, gesignetes Jahr.
Macht es gut. Passt auf euch auf. Tschüss.