
Volker Markowis, wie geht Gemeinde mittendrin in der Schöpfung?
Montag, 13. Oktober 2025 · 49 min
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Shownotes
🎙️ HolyClub Staffel 2 – Oktober: Wilder Süden, wilder Glaube, wilde Hoffnung
🍃 Mit Volker Markowis | Pastor, Gemeindegründer & leidenschaftlicher Methodisten-Mitmischer
Der Sommer ist vorbei – willkommen im ökologischen Oktober!
Moritz startet die zweite Staffel nicht allein, sondern mit einem Weggefährten aus alten „Wilder Süden“-Zeiten: Volker Markowis.
Heute ist er Pastor in der Gemeindegründung "Heilbronn mittendrin" und spricht über seine Reise von der Jungschar zur Schöpfungstheologie, von Trompete zu Gitarre – und von klassischen Gemeindekonflikten hin zu einer neuen, ökologisch geprägten Kirche im Garten. 🌱
💡 Was dich in dieser Folge erwartet:
🥁 Wilder Süden: Arbeit oder Spaß? – Ein Grundsatzstreit von damals
🎓 Theologie, Befreiungstheologie & die Liebe zu John Wesley
🌍 Warum Kirche ohne Gerechtigkeit & Ökologie keine Zukunft hat
🌿 „Heilbronn mittendrin“: Kirche im Garten statt Kirchenbank
🔄 Suffizienz, Sabbat & Hoffnung: Spiritualität im Rhythmus der Natur
🤝 Justice Sundays & Netzwerke: Wie Kirche Bündnisse für Klimagerechtigkeit schmiedet
🔥 Zitat der Folge:
„Ich merke, dass der Ort, wo wir Spiritualität leben, wo wir Theologie treiben, wo wir unser Christsein miteinander leben, eine entscheidende Rolle spielt.“ – Volker Markowis
📖 Mehr erfahren:
Soziale Grundsätze der EmK: emk.de/fileadmin/kirche/soziale-grundsaetze-20…
Heilbronn mittendrin: hn-mittendrin.de
Wilder Süden: wildersueden.net
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
So, herzlich willkommen, liebe HörerInnen und alle, die zufällig irgendwie hier reingestolpert sind in den Holy Club. Ihr habt es endlich geschafft. Der lange Sommer mit den Sonderfolgen und das Vorgeplänkel liegt hinter uns. Wir sind im ersten Monat, im ersten richtig thematisch sortierten Monat des Holy Clubs in der zweiten Staffel.
Der ökologische Oktober ist da und ich als Host muss das nicht alleine bestreiten, sondern ich habe Unterstützung hier. Ich freue mich ganz besonders, einen alten Weggefährten hier begrüßen zu können. Herzlich willkommen, Volker Markowicz. Hallo Moritz, schön, dass ich da sein darf. Ja, das freut mich wirklich sehr. Du bist ein alter Hase beim Wilden Süden gewesen.
Da kennen wir uns her und bist mir ein paar Jahre voraus. Ein bisschen älter als ich. Du hast dann irgendwann Theologie studiert und mittlerweile sind wir Kollegen. Jetzt bist du Pastor. So, wie war das denn so für dich? Ist auch der Wilde Süden so dein Anknüpfungspunkt zum Methodismus oder hat das bei dir noch früher angefangen?
Also ganz grundsätzlich habe ich schon vor dem Wilden Süden in EMK gelebt. Klassische Karriere gemacht mit Jungschar und Teenie-Kreis, habe auch im Posaunenchor einen Baustart gespielt, da bin ich groß geworden, habe aber gemerkt, dass ich das nur gemacht habe, weil man es halt macht in der EMK. Und bin dann irgendwann von Trompete auf Gitarre umgestiegen, weil das für die Arbeit beim Wilden Süden und so weiter um einiges hilfreicher war als die Trompete.
Und ja, Wilder Süden war für mich aber, würde ich sagen, schon so der Anstoß und die Persönlichkeitsentwicklung, die mich dann schlussendlich auf den Weg ins Predigt angebracht hat. Ja, du warst für mich da schon immer so eine schillernde Figur. Also ich weiß gar nicht, wie viel älter bist du als ich. Ich bin jetzt 32. Wie alt bist du?
Ich feiere nächstes Jahr meinen 40. Geburtstag. Okay, okay, also fast acht Jahre älter, das passt dann ungefähr. Also ich bin so reingekommen in den Wilden Süden und du warst schon richtig etabliert. Und ich habe dich damals, ich weiß es noch, wir hatten mal einen Grundsatzkonflikt. Und vielleicht ist das ganz spannend für die Leute beim Holy Club zu hören.
Da ging es darum, ob der Wilde Süden Arbeit ist oder Vergnügen. Und ich war Teil von so jungen Leuten. Wir durften schon relativ viel machen, aber die ganze Verantwortlichkeit haben wir, glaube ich, noch nicht gesehen. Und für mich war klar, Wilder Süden, das ist für die Leute, die da leidenschaftlich dabei sind, die Bock haben, was zu machen.
Aber es hat wirklich nichts mit Arbeit zu tun. Und du warst so der größte Fürsprecher der Fraktion, die sagen, nee, Wilder Süden, das ist für mich Arbeit. Ich mache hier Beziehungsarbeit, ich versuche hier was zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen. Kannst du dich da noch dran erinnern? Und würdest du sagen, du bist einfach ein sehr verantwortungsbewusster Mensch? Oder wie kommt das?
Also ich kann mich nicht dran erinnern, aber ich könnte mir vorstellen, woran das mit auch lag. Ich weiß, dass ich oft für die Nachtruhe zuständig war. Ein sehr beliebter Job, wo man aber doch einiges zu tun hatte, wenig Schlaf bekommen habe und so wahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle der Eindruck entstanden ist, Das hat auch schon was mit Arbeit zu tun hier und Verantwortung übernehmen und gucken, dass so ein Wochenende reibungslos verlaufen kann und nicht nur Spaß und Larifari und Fußball spielen und so.
Genau, also vielleicht rührt es daher, auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, dass wir da so eine Diskussion hatten. Na gut, da haben wir ja öfter mal diskutiert über dieses und jenes. Das heißt, du hattest so eine klassische Gemeindejugend und dann mit dem Wilden Süden hast du ein bisschen die Kirche noch in anderen Facetten kennengelernt.
Was waren für dich so die wichtigsten Grunderfahrungen oder so das, was dich angetrieben hat, dann tatsächlich Theologie zu studieren und dann auch Pastor zu werden? Also der Wilde Süden war da schon ein wichtiger Punkt, weil ich da das Gefühl hatte, dass ich das erste Mal einem Pastor begegnet bin, wo ich dachte, ja, so kann ich es mir vorstellen.
Da ist irgendwie ein Hunger da, da will jemand was verändern, da will irgendwie jemand mit Leidenschaft Kirche sein und das hat sich irgendwie völlig übertragen. Das heißt, das war für mich der Oliver Lacher, der das damals initiiert hatte, ein richtiges Role Model. Und wir Bauschotter, ich bin ja damals in den Teenie-Kreis dahin gefahren, waren praktisch auf dem zweiten oder dritten Wilden Süden dabei und bin dann auch gleich von, Olli und Christel damals gefragt worden, ob ich mir nicht vorstellen kann, da mit einzusteigen und so und habe da dann früh Verantwortung übertragen bekommen und durfte gestalten.
Das war eine wichtige Erfahrung für mich und dann war es halt so Kirche ganz anders, würde ich sagen, Irgendwie das, wo man immer wieder im Gemeindekontext erlebt hat, wo die Teenies und Jugend nicht unbedingt immer schon eine große Rolle übernehmen durften. Ich erinnere mich noch an der Anfangszeit vom Teenie-Kreis.
Habe ich auch initiiert, dass wir einen Gottesdienst mal machen. Und dann kam der Pastor praktisch mit dem fertig vorbereiteten Gottesdienst und wollte noch verteilen, wer was liest und so. Und da haben wir uns dann, sage ich mal, dagegen gewehrt und durften am Ende sogar selber predigen. Und das war irgendwie so, da hat der Wilde Süden viel gegeben.
Um da aufzustehen und sich für seine Interessen auch einzusetzen und zu wissen, ich bin auch Teil der Kirche. Das ist das eine. Das andere ist dann, dass ich nach meiner Ausbildung zu Schreiner für ein Jahr in Nordirland war und ich glaube, das war ein wichtiger Abstand, um eben dann für mich selber den Entschluss fassen zu können, ich will Pastor werden.
In Nordirland war ich in einem Jugendzentrum, das sowohl mit Katholiken als auch Protestanten gearbeitet hat. Und ich fand es wahnsinnig, den Glauben als so trennend erleben zu müssen. Und in der Arbeit praktisch die Policy zu fahren, wir sprechen nicht über den Glauben, nur wenn wir darauf angesprochen werden.
Und ich habe gemerkt, das ist für mich irgendwie eine wichtige Ressource, das ist für mich also was, was dazugehört, darüber sprechen zu dürfen, so ganz grundsätzlich. Und in dem Jahr ist dann die Entscheidung gereift, das mal ausprobieren zu wollen und dann ins Praktikum zu gehen, genau. Und im Praktikum, das hat dir dann auch zumindest dich nicht so weit desillusioniert, dass du dann gesagt hast, okay, ein Studium fange ich auch noch an.
Ja, ich war ja noch Praktikant in Zeiten, wo noch ein bisschen was von der Fülle zu spüren war, würde ich sagen. Auch auf dem Bezirk Rutesheim habe ich das gemacht. Damals noch fünf Gemeinden und zwei Hauptamtliche, wo ich als Praktikant dazugekommen bin. Das heißt, rückblickend würde ich glaube ich sagen, das Praktikum hat nicht realistisch den Alltag als Pastor abgebildet, sondern ich durfte auch dort Spielwiesen bedienen und eine große Jungschau aufbauen und Chat irgendwie mitmachen und so.
Also auch hauptsächlich im Jugendarbeitssektor da unterwegs sein. Und das hat Spaß gemacht und ich dachte, wenn das Pfarrer ist, dann ist das cool. Und dann bin ich studieren gegangen und die richtige Begegnung mit dem Pfarrberuf kann dann in der Pastorenaufprobe zahlt. Dazwischen liegen ja immer viele Jahre, also so ein Theologiestudium dauert eine Weile und man lernt ja da seine Kirche nochmal anders kennen, weil man die ganzen Hintergründe sowohl geschichtlich, aber auch theologisch kennenlernt.
Und hat dich das Studium mehr zum Methodisten oder John-Wesley-Fan oder wie auch immer man es ausdrücken will, gemacht? Oder bist du da so leidenschaftlich reingegangen, dass es für dich dann eher was war, was du halt machen musstest, um danach dann Pastor zu sein? Also ich glaube, ich war schon früh ein Wesley-Fan. Ich habe, glaube ich, mit 16 Jahren dieses, ich weiß gar nicht, ob das noch aufgelegt wird, dieses John-Wesley-Premier gekriegt, wo es für jeden Tag irgendwie ein Zitat gibt von John Wesley.
Das ist so ein Buch. Also so ein Jahreskalender, wo du jeden Tag irgendwie, Ich muss sagen, das habe ich verschlungen, weil ich die Sätze und die Theologie und so, das fand ich schon echt klasse. Also hat sich dann für mich auch ganz natürlich angefühlt. Also im Studium habe ich mich dann noch viel mit der Befreiungstheologie aus Lateinamerika beschäftigt und so, die mir auch viel gegeben hat.
Aber so ist zweimal klar, der Methodismus und die Weite und so, das ist die Base, wo alles andere dazukommt. Und so, ja, genau. Was ich auch spannend fand, war, also meine, man kriegt ja da auch eine Empfehlung nach dem Studium. Und bei mir stand irgendwie drin, dass ich kritisch mit meiner Kirche verbunden bin.
Das fand ich damals als Student, hat mich das empört. Inzwischen kann ich dazu gut ja sagen, weil ich merke, ich bin kritisch Institutionen gegenüber. Und das ist, glaube ich, was mich begleitet, weil ich immer denke, Institutionen oder Organisationen entwickeln so ein Eigenleben. Und wir müssen immer wieder prüfend draufschauen, ob wir mit Institution Kirche, in unserem Fall Methodismus oder EMK, dem Auftrag nachkommen, der uns zu eigen ist. Oh.
Ja, also würde ich so aus den Kontexten, aus denen ich dich kenne, würde ich das bestätigen, dass du immer wieder einen Perspektivwechsel machst und dich dann auch nicht scheust, die Dinge ein bisschen klarer beim Namen zu nennen als vielleicht andere. Ich würde es trotzdem noch mal kurz erklären, weil ich glaube, das ist was, was wir im Holy Club noch nicht besprochen haben.
Also du warst damals, war das noch Seminar oder war das schon Theologische Hochschule? Theologische Hochschule, ich habe einen richtigen Master gemacht. Herzlichen Glückwunsch dazu. Das, worauf du anspielst, ist, dass wir ja da eben eine staatlich anerkannte Hochschule haben, aber dass viele Leute, die da gerade Theologie studieren, dann in das pastorale Amt übergehen.
Und da gibt es sozusagen wie so eine Einschätzung. Also für mich von außen, ich habe ja an der Uni studiert, für mich klang es immer so, als ob es da so eine Verhaltens- und eine Mitarbeitsnote irgendwie gibt am Ende, wo dann die ProfessorInnen zusammensitzen und überlegen, ja, wie hat er sich denn gemacht die letzten fünf Jahre, wie hat er sich denn entwickelt, der Volker?
Fand ich immer ein bisschen befremdlich, weil ich so an Universitäten studiert habe und ich glaube nicht, dass es irgendwie mehr als drei, vier Profs gibt, die meinen Namen überhaupt sich mehr als ein Semester gemerkt haben. Und da an der Hochschule geht es eben ein bisschen familiärer zu, beziehungsweise es wird ein Fokus auch auf die Lebensführung gelegt und man versteht sich als Lerngemeinschaft.
Und da ist dann natürlich schon ein bisschen mehr an Persönlichem, an Privatem auch irgendwie Teil des universitären oder Hochschullebens. Also das vielleicht als Hintergrund. War das bei euch damals Thema, so schon in den Semestern, Also, dass die Profs irgendwie auch auf das Drumherum schauen und nicht nur auf die Hausarbeiten, die man so abgibt?
Ja, ich glaube, wenn man das wollte, war das schon irgendwie möglich. Ich habe schon Kolleginnen erlebt, die da mit mir studiert haben, die ein sehr intensives und nahes Verhältnis zu den Professoren gelebt haben. Für mich war das irgendwie immer nicht, also für mich hat sich das zu nah angefühlt. Das muss die kritische Distanz sein. Ja, genau. Ja, irgendwie wollte ich das nicht so haben.
Jetzt nicht, weil ich persönlich mit da irgendjemand Schwierigkeiten hatte oder so, sondern aus welchen Gründen auch immer war das für mich da wichtig, nicht so ganz nah dran zu sein, genau. Ich habe zwar selber auch an der Hochschule gelebt, nicht außerhalb, mit allen Vor- und Nachteilen, genau. Vorteil Papp und Nachteil der Weg vom Papp ins Zimmer.
Ja, oder es wird geklingelt, wenn man mal nicht erscheint, warum man nicht erscheint und so. Und ich dachte so, lasst mich doch, ich darf zweimal fehlen. Genau, so irgendwie, ja. Aber die Gemeinschaft unter den Studierenden, das war schon auch eine schöne Zeit, das muss man schon sagen. Und die ist, glaube ich, nicht erlebbar, wenn man unter der Woche von Tagsüber halt einfliegt und dann auch wieder geht. Ja.
Das kann ich gut nachvollziehen. Du warst dann fertig und bist dann in den pastoralen Dienst und du hast vorhin schon so ein bisschen angedeutet, dass du dein Praktikum noch in einer guten Phase gemacht hast und dann Probedienst um die ersten Dienstjahre. Da war dann schon so ein größerer Trend zu einer schrumpfenden Kirche spürbar oder wie muss ich das verstehen?
Ja, also meine erste Dienststelle war dann ab Stadt Hambach als Erstpastor auf Probe und dann waren es insgesamt, glaube ich, fast zehn Jahre, die ich dort war. Und es war nicht alles schlecht und auch nicht alles falsch. Wir hatten da auch sehr gute Jahre, wo ein Teenie-Kreis da war mit rund 20 Teenies, die da gekommen sind, die auch ordentlich was wuppen wollten.
Aber was ich halt da gemerkt habe, ist, dass es, ich kann jetzt ja nicht für jede Gemeinde sprechen, aber es schon oft Schwierigkeiten gibt, solche Aufbrüche gut in die Gemeinde zu integrieren, Dass da halt mehr wachsen kann, wie jetzt nur, da gibt es einen Teenie-Kreis, der alle zwei Monate einen tollen Gottesdienst macht, sondern irgendwie, dass die auch spüren, neben dem Teenie-Kreis ist es wichtig, dass wir unsere Kirche so gestalten, dass die da auch Heimat finden außerhalb des Teenie-Kreises.
Und dann daraus entwickeln sich so manchen klassischen Konflikt den es da gab, und wo eben dieses Gefühl, was ich halt hatte, Kirche will Veränderungen was ich erlebt habe im wilden Süden und Kirche will nach vorne und Kirche ist bereit verrückte Ideen zu machen, wenn ich überlege, was wir im wilden Süden alles an verrückten Sachen gemacht haben, das heißt ja nicht umsonst wilder Süden, dann ist das relativ schnell eingestammt worden und ich habe an vielen Stellen gemerkt, dass selbst kleinste Veränderungs, Ideen auf viel Widerstand stoßen. Und das war einfach auf Dauer, glaube ich, ziemlich zermürbend, neben all dem, was auch positiv gelaufen ist. Genau.
Ja, so viel würde ich dazu mal sagen. Ja, aber ich glaube, da sprichst du so ein paar Erfahrungen an, die natürlich auch auf einer Ebene drüber, also wenn man so die Gesamtstruktur Kirche sich anschaut, immer wieder Themen sind oder Fragen, mit denen wir umgehen müssen. Und ich habe vorhin schon gesagt, der Trend insgesamt geht zu einer kleineren Kirche, also auch die EMK in Deutschland oder in der Schweiz oder wo auch immer, ist eher am Schrumpfen.
Und da gibt es unterschiedliche Strategien oder Überlegungen, wie man diesen Methodismus, weil man den ja für gut befindet, wie man den weiter tragen oder weiter leben kann. Und das eine sind solche Turnaround-Prozesse oder Visionsprozesse, wo eine Gemeinde versucht, sich neu auszurichten. Da hat man dann wahrscheinlich diese Spannungen, von denen du gerade eben sprichst.
Und die andere Idee ist, dass man ganz viele neue Gemeinden gründet. Und da waren wir als süddeutsche jährliche Konferenz recht vorne mit dabei in den letzten Jahren, würde ich sagen, und haben ganz viele verschiedene Sachen auch gegründet. Und damit will man so ein bisschen diesen Konflikt, ich würde sagen, ein paar Jahre nach hinten schieben, weil wenn da eine neue Gruppe entsteht, dann muss die sich ja wieder in das Gesamtgefüge irgendwie einbinden, jetzt in größere Bezirkseinheiten oder auch in die Konferenz.
Aber man hat zumindest am Anfang mal ein bisschen Ruhe, weil man mit neuen Leuten einfach startet oder mit Leuten, die was Neues anfangen wollen. Und du bist einer von den Leuten, die verantwortlich sind für so eine Gründung. Wie kam es dazu, dass du Gemeindegründer wurdest? Ähm, naja, mein Zub hat mich gefragt. Und ich habe auch gesagt, ey, als nächste Stelle kann ich mir jetzt nicht unbedingt gleich wieder eine traditionelle Gemeinde vorstellen, ich bräuchte irgendwie was anderes.
Und da hat mich das also wurde mir diese Stelle bei Heilbronn mittendrin angeboten und das ist speziell glaube ich für die Gemeinde, das sind schon alte, Methodistler, die aber gesagt haben, wir wollen was Neues und wir wollen was Neues in Themenbereich Ökologie und Gerechtigkeit und so weiter. Und das hat voll zu dem gepasst, was ich mir im Studium und danach erarbeitet habe mit Befreiungstheologie und meiner Sehnsucht nach Veränderungen und ich würde sagen, ein ganzheitlicher Christsein, das eben nicht nur nach der inneren, dem inneren Seelen heil guckt, sondern auch sagt, Glaube muss irgendwie alltagsrelevant sein.
Und dann gab es da ein Vorstellungsgespräch, ein Gespräch miteinander und dann war das ein Match. So bin ich da gelandet, genau. Aber das heißt, die Gründung gab es schon, bevor du eine Dienstzuweisung in diese Arbeit hattest? Die haben sich ein Jahr lang mit diesem Micha Kurs Just People beschäftigt.
Da war ich noch nicht mit dabei, aber der Markus Jung, damals dann noch Superintendent, hatte das gespürt, das ist was, wo was entstehen könnte und wo er sagt, das will er hauptamtlich auch unterstützen. Und so bin ich ein Jahr später dazugekommen. Und klar gab es da am Anfang auch irgendwie, ich bringe meine Ideen mit, die hatten ihre Ideen, man musste sich zueinander finden. Aber ich glaube, das ist uns sehr gut gelungen.
Und wir sind jetzt schon, Ich habe im Oktober 2022 dort angefangen, bin jetzt also auch schon im dritten Jahr dort und ich muss sagen, es fühlt sich gut an, die Arbeit dazu zu tun. Ja und also, dass ihr diese Arbeit mit dieser Fokussierung macht, ist auch der Grund, warum du jetzt hier im ökologischen Oktober bei uns mit dabei bist.
Wir schauen uns ja die sozialen Grundsätze an unserer Kirche und haben gesagt, jeden Monat machen wir so einen Schwerpunkt. Und nächste Woche wird sich Sarah mit Sarah unterhalten, also Sarah Staub, unsere Podcast-Host, mit Sarah Bach und die ist Theologin und Aktivistin und wird da wahrscheinlich sehr theorielastig, schätze ich mal, ein paar Sachen erklären und zusammenstellen und ich dachte, es wäre eigentlich ein cooler Einstieg, mal in diesen Monat zu starten mit einer Gemeindearbeit oder jetzt in dem Fall mit einem Pastor, wo eine Gemeinde sagt, unser Fokus ist tatsächlich so ganzheitlich Theologie zu machen.
Also eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, aber auch nach einer Schöpfungsbewahrung oder nach einem guten Zugang zur Umwelt. Wie sieht das aus? Was unterscheidet euch von anderen Gemeinden dadurch, dass ihr diesen Schwerpunkt schon von vorne reingesetzt habt und nicht irgendwie nach zehn Jahren mal überlegt habt, dass das auch noch nice to have wäre? Ja.
Ich glaube, eins der grundsätzlichsten Sachen ist schon mit auch der Ort, wo wir das tun. Also wir sind ja Kirche im Garten, also da steht auch eine Hütte drauf, wo man 20 Leute reinpacken kann, aber es ist jetzt nicht so, dass Gebäude bei uns ein riesiges Thema ist, obwohl das ja in der Anfangsphase schon so eine Überlegung war, wie kann man auch in die Stadt Heilbronn kommen und es ist auch nicht ganz vom Tisch, aber jetzt gerade sind wir da im Garten.
Und ich merke, dass der Ort, wo wir Spiritualität leben, wo wir Theologie treiben, wo wir unser Christsein miteinander leben, eine entscheidende Rolle spielt. Also es macht einen Unterschied, ob ich in irgendeinem dunklen Keller, wir kennen die Räume in unserem Leben, im Untergeschoss, uns überlegen, wie sieht es mit, also was können wir tun im Thema Schöpfungsbewahrung oder wir sitzen in einem Garten, wo ich die ganze Zeit irgendwie die in diesem, ich nenne es jetzt mal so, Austausch bin mit der Natur angewiesen auf gutes Wetter oder so.
Genau, ich glaube, das ist das Grundsätzlichste, was uns da unterscheidet von anderen Kirchengemeinden. Es gibt ja auch einige, die es sich auch wichtig nehmen, aber wo das immer so gefühlt ein Add-on ist, weil es eben noch die ganzen anderen Themen auch gilt und so. Und wir haben dieses Thema nicht, ist es unser Schwerpunkt, ist es nicht unser Schwerpunkt.
Und wir haben auch nicht das Thema, was machen wir mit unserem Gebäude, sondern wir überlegen, welche Hecke muss weg, weil es ökologisch keinen Wert hat und was pflanzen wir stattdessen dahin. Sind so mit ganz anderen Themen beschäftigt. Und ich muss sagen, die, die kommen, die lieben das auch. Also die sagen, ey, also das ist vielleicht auch so ein Stadt-Land-Ding. die sagen, ich sitze den ganzen Tag in meinem, Geschäft rum. Und anstatt dann irgendwie ein Kirchengebäude zu reinigen, schneide ich doch viel lieber Hecken oder Mehl mal einen Rasen oder so.
Also auch so eine Form von Körperlichkeit kommt da wieder rein. In einer sehr verkopften Welt, die vielen gut tut. Wir wissen aus Psychologie und so weiter, dass Grünen uns hilft herunterzufahren und so. Und so schaffst du da einfach dadurch, dass du woanders bist, ganz andere Erfahrungen und Räume um Kirche erlebbar zu machen. Genau.
Ist es dann auch so, dass ihr also in traditionellen Gemeinden spielt ja das Kirchenjahr eine große Rolle, um so einen Rhythmus vorzugeben. Ich stelle mir vor, wenn man immer im Garten ist, dass so das ganz normale Jahr mit den Jahreszeiten und der Witterung, dass das eine große Rolle spielt. Macht ihr so Winterschlaf oder wie geht der so mit richtig ekligen Temperaturen und Witterungsbedingungen um?
Also das stimmt, Frühjahr, Sommer, also von O bis O, von Ostern bis Oktober sind wir im Garten. Unser Sommer geht bis in Oktober rein. Am 18. Oktober haben wir unsere letzte Veranstaltung jetzt. Und der Sommer, ich sage immer, der knallt. Also da läuft viel, da haben wir drei verschiedene Gottesdienstformate.
Das ist für so eine kleine Gruppe, glaube ich, nicht wenig. Wir haben so viele unterschiedliche Veranstaltungen und dann gibt es schon keinen Winterschlaf, aber eine Winterruhe. Von Oktober dann bis März, April mieten wir uns auf dem Gaffenberg ein. Das ist so ein Freizeitheim. Und da machen wir einmal im Monat dann einen Gottesdienst für Familien, Kirche, Kunterbund und anschließend irgendwie noch Kaffee und Kuchen und Pizza und Kennenlernen und Raum für Begegnungen, und fokussieren uns im wilder Halbjahr dann eher auf, sag ich mal, Wurzelwachstum, Kleingruppenarbeit und so.
Genau. Und so haben wir einen Rhythmus, der, glaube ich, gut im Einklang mit der Natur ist. Man denkt ja immer, im Winter passiert in der Natur nichts, aber man pflanzt Bäume, habe ich gelernt, eben im Herbst, damit die erste Konzentration des Wachstums ist, nach unten zu gehen, sich gut zu verwurzeln, um dann im Frühjahr gut ausschlagen zu können, statt dann Bäume im Frühjahr zu pflanzen und dann geht erstmal alles in die Blätter.
Und so verstehen wir das auch das heißt diese Winterphase ist nicht eine, wir legen uns auf die faule Haut oder mummeln uns ein sondern da ist anderes Wachstum dran, und der Rhythmus tut uns gut also man merkt immer am Ende vom Winter scharren die Leute schon wieder mit den Füßen, dann geht es wieder los und dann wenn der Herbst dann kommt merkt man auch, okay, jetzt ist gut, dass es ein bisschen weniger wird.
Hast du das Gefühl, dass ihr mit dieser Art von Gemeindegründung oder mit dieser Art, dass das gut passt zur restlichen Kirche oder wird euch oft, ich nehme jetzt mal so einen Pauschalvorwurf irgendwie, ihr macht ja nur Aktivismus und nicht richtig Religion oder seid ihr missional genug oder geht es nur darum, irgendwelche Ökos zu vereinen, um Gartenarbeit zu machen?
Ich überspitze es ein bisschen, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Anfragen kommen. Ja, ich habe jetzt gar nicht gelacht, weil das überspitzt ist, sondern das sind schon Erfahrungen, die wir machen. Nicht nur oder gar nicht so viel im Methodismus, aber wir haben so eins unserer Format, der heißt Justice Sunday, wo wir auch über den Wintern in unterschiedlichen anderen Gemeinden sind und wir haben jetzt zum Beispiel im letzten Jahr das Thema Suffizienz.
Das ist ja die dritte Nachhaltigkeitsstrategie. Wir wissen alle, die Ressourcen sind begrenzt und für uns bedeutet es auch, mit weniger leben zu müssen. Und wir sagen, das ist ja eigentlich was christliches. Ich muss weniger werden, Gott darf mehr werden in meinem Leben. Und haben gesagt, das ist doch mal spannend, dieses Thema aus christlicher Perspektive zu machen.
Und waren in verschiedenen Kirchengemeinden, auch Freikirchen unterwegs und haben da in einer schon ganz schön Gegenwind bekommen. War keine EMK, aber so diese Argwohnen, dass es halt die Kaperung der Kirche durch grüne Themen sind, die eigentlich nichts mit Kirche zu tun haben, die ist schon da. Der widersprechen wir aber auch immer. Also, wenn wir jetzt auch auf die sozialen Grundsätze gucken, das erste Thema, das kommt, ist eben das zur natürlichen Welt.
Und wir sind da in der Theologie, glaube ich, ja auch inzwischen weiter, aber haben es natürlich ganz durchbuchstabiert. Wir sagen... Das habe ich gelernt an der Hochschule schon lange nicht mehr. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, sondern der Sabbat, die Ruhe, was ja auch wieder ins Thema Suffizienz ein bisschen reinspielen kann.
Aber diese theologischen Erkenntnisse sind teilweise noch nicht in der gelebten Spiritualität angekommen. Und da sind wir glaube ich ein riesen Experimentierfeld dafür, und ich würde sagen, machen wir auch gute Schritte, haben Erkenntnisse, die das wirklich dann auch erden. Ja und eben wie gesagt, setzen uns dann an so Stellen entschieden dafür ein, dass, dieser erste Auftrag, den der Mensch von Gott bekommt, wenn man das liest zwischen den zwei Schöpfungsberichten, die Erde war wüst und noch niemand da der sie bewirtschaftet und dann schafft Gott den Mensch, damit er eben diese Erde bewirtschaftet und ich sage es immer, aufblühen und gedeihen lässt, den wirklich ernst zu nehmen und nicht auszuklammern, das ist uns schon wichtig, genau.
Das ist ja ein universaler Anspruch an den Menschen, nicht nur an uns Christen. Und das macht uns eben auch, finde ich, was unser Kirchen-Claim jetzt ist, Menschen in Begegnung offen und bereit, mit vielen Parteien zusammenzuarbeiten, die auch dieses Anliegen haben, die Erde, die Beziehung. Aufblühen und gedeihen zu lassen. Genau.
Du hast jetzt gerade die sozialen Grundsätze schon ins Spiel gebracht. Da ist ja der Versuch, immer so im Vorwort werden meistens theologische Prämissen gesetzt und das ist jetzt in dem Fall natürlich eine Schöpfung. Ganz viel Schöpfungstheologie, also dass wir davon ausgehen, die Erde oder das Universum ist geschaffen von einer Schöpfungskraft, also von Gott und wir sind dann in dem Fall Verwaltungskräfte sozusagen.
Dann kann man natürlich nochmal darüber streiten, dass es wurde lang kommuniziert, wir herrschen als Krone der Schöpfung, das hast du auch gerade so ein bisschen gesagt, als Menschen. Und das Herrschaftsmodell ist ja, wenn man so weltlich drauf guckt, ein sehr dominantes und dann vielleicht auf Ausbeutung aus oder irgendwie Umverteilung von unten nach oben und so.
Und du meinst jetzt, ihr habt theologisch oder wir als Christenheit eigentlich, sind da theologisch schon drüber hinaus. Die sozialen Grundsätze versuchen ja eben immer so einen theologischen Grundsatz und dann aber eine politische oder eine soziale Folgerung. Also was folgt aus diesen Erkenntnissen?
Und ich fand es jetzt spannend, dass bei den neuen sozialen Grundsätzen, bei der Auflage, die wir uns jetzt anschauen, dass da Klimawandel und die natürliche Schöpfung und sowas deutlich priorisiert wurde im Vergleich zu den letzten. Also es ist ausführlicher und es wurde auch vorgezogen. Und liegt das einfach daran, dass die Kirche nur noch die Mainstream-Themen irgendwie übernimmt?
Oder hast du das Gefühl, das kann man auch theologisch begründen? Ja, ich würde schon sagen, dass man das theologisch begründen kann. Wenn wir jetzt nochmal zu dem Begriff der Verwalter. Ich finde, das ist ein ekliger deutscher Begriff. Von Verwaltung, da streckt sich bei uns jedem die Menschen die Nackenhaare.
Deswegen rede ich eigentlich lieber vom Partner. Also wir gehen eine Partnerschaft mit Gott ein, jetzt keine erotische, sondern eine, wir wollen hier was zusammentreiben, voranbringen, aufblühen lassen. Und ich würde auch sagen, gerade vom Methodismus her kommen und diesem Gedanke des Quadrilaterals, ist ja Vernunft und Wissenschaft und so etwas, was unseren Glauben zentral ausmacht.
Das heißt, das müssen für mich wichtige Gesprächspartner sein, um eben auch nicht den Kontakt zur Welt zu verlieren und sich in so einer reinen inneren Frömmigkeit zu verlieren, um dann eben zu sagen können, wie kann sich christlicher Glaube oder methodistischer Glaube in dem Fall dann auch ganzheitlich zeigen.
Und das sind halt die Herausforderungen unserer Zeit Und deswegen ist es wichtig, meiner Meinung nach, dass wir uns da auch positionieren. Und nicht nur positionieren, sondern auch ganz konkret gucken, was kann man tun als Einzelperson. Also der Micha Kurs zum Beispiel sagt, reflektier mal deinen Frühstückstisch.
Wer sitzt alles eigentlich mit bei dir am Frühstückstisch? Der Kaffeebauer aus Beirut, der Plantagenbauer aus Brasilien von seinen Orangen und so weiter. Um einfach mal aufzuzeigen, okay, ich habe eine persönliche. Möglichkeit, positiv Dinge zu beeinflussen, aber auch dann, um strukturell irgendwie zu sagen, okay, wo können wir hinwirken, dass das strukturell sich auch was ändert, genau.
Nutzt ihr da die sozialen Grundsätze als Ressource oder seid ihr jetzt also von der Micha-Initiative oder von dem Just People-Kurs hast du schon erzählt? Ja. Oder waren die jetzt noch zu neu sozusagen? Ja, die sind jetzt, wann sind die rausgekommen? Auf Deutsch jetzt in diesem Frühjahr. Ja, spielen derzeit noch nicht so die große Rolle, aber ich habe es jetzt vorbereitend ja auch nochmal gut durchgelesen und das ist schon ein Dokument, das wir uns angucken werden, ja, auf jeden Fall.
Sticht dir jetzt gerade bei den Kapiteln, die wir jetzt so ein bisschen angeschaut haben, sticht dir da was raus, wo du sagst, das müsste sich eigentlich jetzt jede Gemeinde mal so vornehmen fürs nächste Jahr oder so? Ich glaube, eine ganz grundsätzliche Auseinandersetzung und Ehrlichkeit mit diesem ersten Kapitel des sozialen Grundsatzes ist, glaube ich, schon dran in allen Kirchengemeinden.
Ich glaube, wir holen uns damit so viel Credibility auf Englisch, auf Deutsch, ja, genau. Im Prinzip eine Art von Ansehen, aber auch eine Verlässlichkeit, eine Vertrauenswürdigkeit vielleicht. Sehr gut. Holen wir uns da wieder zurück von der Gesellschaft, wenn wir das tun und da auch aktiv werden. Ich kann mich noch gut erinnern, als Jugendlicher, ich habe 2005 diesen Film We Feed the World angeguckt. Ich weiß nicht, ob du den kennst.
Ich glaube, den haben wir auch beim Wilden Süden, mal geguckt. Ja, ich glaube, das habe ich dann mal eingebrochen. Angeguckt und das war für mich schon so ein Eye-Opener, ist ein Dokumentarfilm über Lebensmittelverschwendung und industrialisierte Landwirtschaft und, der hat mich tief geschockt und also ich kann da immer noch einzelne Szenen habe ich vor meinem inneren Auge und für mich war damals schon die Frage, wo hat es in Kirche seinen Platz, weil mir das kaum irgendwo begegnet ist, diese Frage in der Kirche, sondern das Wichtige war immer diese Intro-Perspektive.
Hast du den Frieden mit Gott? Bist du dir da irgendwie gewillst? Und so weiter. Und ich dachte so, was sagen wir dazu und wie werden wir da sprachfähig, auf solche Missstände hinzuweisen? Genau. Und ich glaube, das war schon auch der Grund, warum ich dann im Studium mich so stark mit der. Befreiungsteilobie nochmal auseinandergesetzt habe, weil es ja eine sehr die-seitige, der erdige Theologie ist, die genau dieses eben auch sagt.
Dass der Mensch eine Verantwortung hat, da das Gesicht Jesu in der Welt zu sein und das auch anzuprangern und sich dafür einzusetzen. Ja, und also da kann man ja schon auch relativ direkt bei Jesus anknüpfen. Also wenn der sagt, Himmelreich ist jetzt und hier angebrochen, dann sind wir, glaube ich, jetzt als Partnerinnen Gottes dazu aufgerufen, die Verhältnisse so zu gestalten und mitzugestalten, dass das spürbar wird.
Und dann eben nicht nur für irgendwelche geschlossenen oder privilegierten Gruppen, sondern für alle. Also das folgt ja aus dem universalen Gottesgedanken. Ja, die sich da für mich schon auch immer auftut, auch am Ende der Bibel lesen wir ja, dass das neue Jerusalem herunterkommt auf diese Erde und nicht, dass irgendwie, ich sag's jetzt mal so salopp, ein Taxi uns abholt und irgendwo anders hinbringt und das scheißegal war, was wir mit diesem Planeten hier gemacht haben.
Da können wir kurz noch verweisen, also diese ganzen Entrückungstheologien, die gerade in den USA viral gehen, schwierig dafür eine richtig biblische Grundlage zu finden. Ja, sondern ich, so wie ich die Bibel lese und verstehe, ist es immer eine Verweisung wieder zurück auf diesen Planeten. Also Gott schafft es, um Partnerschaften nicht mit uns hier arbeiten zu können und dann erfasst, fasst er den Entschluss, seinen Sohn auch wieder auf die Erde zu schicken.
Und dann am Ende gibt es diese Vision, es kommt wieder zurück auf die Erde. Also ich habe immer das Gefühl, wir Menschen gehen gerne in die Weltflucht und denken, hoffentlich gibt es irgendwie mal noch was anderes und Besseres und so. Aber die Bibel verweist uns immer und immer wieder darauf, dass wir hier auf der Erde dieses Himmelreich bauen dürfen, als Partner Gottes, genau.
Ich finde, du hast schon ganz viele Punkte gemacht und allen, die zuhören, sollte irgendwie klar sein, okay, das ist sinnvoll, sich mit Ökologie zu beschäftigen, auch im Bereich der Kirche. Manchmal erschlägt es einen ja gerade so. Also so diese ganzen Probleme sind ja globaler Natur und ich als Einzelperson würde wahrscheinlich im Absoluten relativ wenig Unterschied machen.
Deshalb glaube ich, könnte es wichtig sein, dass das Ganze eben als Gemeinschaft funktioniert. Und dann können wir einerseits die globale Kirche nehmen, aber jetzt mal so eine Kirchengemeinde. Wie schafft ihr es, so eine Selbstwirksamkeit zu leben, wo man merkt, okay, so wie wir uns hier einbringen, ist es tatsächlich besser, als wenn wir es nicht machen würden.
Und deshalb lohnt es sich, es weiterzumachen und vielleicht auch Ressourcen zu schonen, Suffizienz zu leben. Und wo sind da so die Erfahrungen, wo du sagst, ja, das lohnt sich eben doch, das zu tun, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick so aussieht, als ob nur Verzicht und weniger und am Ende lohnt es sich gar nicht.
Mir ist da ein Zitat wichtig geworden von ich glaube er war mal ein tschechischer Präsident, der gesagt hat Hoffnung ist nicht der Glaube an einen guten Ausgang sondern Hoffnung ist das Vertrauen darauf, dass etwas Sinn macht, und ich finde das ist ein starkes, Ein starkes Zitat in dem Zusammenhang, die Zweifel, die kennen wir natürlich alle, dass es irgendwie nicht langt und dass ich alleine viel zu klein bin und so.
Also dann aber daran festzuhalten, dass es gar nicht um den Ausgang geht, sondern darum geht, dass mein Handeln ich vor mir und vor Gott rechtfertigen kann und sagen kann, hey, ich habe nach diesen Erkenntnissen gelebt und versucht zu gestalten. Und die Hoffnung ist natürlich, dass das so einen Triple-Effekt hat und irgendwann, wir sprechen immer von den planetaren Punkten, aber ich glaube, je mehr man darüber positiv spricht und positive Beispiele hat, gibt es auch Kipppunkte in die andere Richtung, wo Leute sagen, okay, und dann ist eine kritische Masse erreicht und das weiß man aus der Wissenschaft auch, da müssen gar nicht 50 plus 1% erreicht werden, sondern da langt es, wenn 30 Prozent sagen, okay, und das ist das, wie wir als Gesellschaft in Deutschland
vorangehen wollen. Und dann ist da ganz viel, viel möglich. Und deswegen ist es wichtig, da dran zu bleiben und die Hoffnung nicht zu verlieren. Und wir merken schon, wir haben also in diesem Justice Sunday, das ist ein Gäste-Gottesdienst, wo wir in jedem Sommer, in jedem Monat einen Gast da haben und mit dem über ein Thema der Gerechtigkeit sprechen.
Und da ist im Oktober der Vorsitzende des Bauernverbandes Ludwigsburg Heilbronn da. Der hat auch schon mit Cem Özdemir diskutiert auf Bundesebene und so. Wir hatten den Baubürgermeister von Heilbronn da, die Inklusionsbeauftragte aus der Stadt Heilbronn und viele verschiedene Antragteure und dann einfach zu merken, hey.
Weil das ist ja auch das, was uns oft einsam macht in solchen Dingen, das Gefühl, wir sind alleine da auf weiter Flur. Und zu merken, wir sind mit ganz vielen verschiedenen Akteuren und ganz vielen verschiedenen Allies irgendwie unterwegs und arbeiten da miteinander, das ist auch was, was stärkt. Also nicht, ich brauche Hoffnung, um dann handeln zu können, sondern ich handel und bin in der Begegnung und gewinne dadurch Hoffnung, weil ich merke, ich bin eben gar nicht allein dran. Und es gibt so viele gute und positive Entwicklungen.
Wird nur erfahrbar, glaube ich, wenn man eben wirklich auch in Begegnungen geht und da mal seinen Horizont auch wieder weitet, anstatt sich irgendwie immer mehr zurückzuziehen und nur auf das zu gucken, was kleiner und weniger wird und was nicht mehr da ist und was die Herausforderungen sind. Die gehen damit nicht weg, aber sie werden irgendwie wieder eingefangen, habe ich so das Gefühl.
Ja, es klingt für mich so ein bisschen wie so eine Melange aus Luisa Neubauer und Walter Kleiber, die du gerade gemacht hast, weil also Luisa Neubauer, deutsche Klimaschutzaktivistin, die hat ein Buch geschrieben, letztes Jahr glaube ich, wo es eben um diese Hoffnung geht und ihre Quintessenz ist so ein bisschen, dass Hoffnung etwas Aktives ist, also Hoffnung bekommt man, indem man danach lebt.
Und jetzt die Brücke noch zu Walter Kleiber, mit dem ich hier den Staffelauftakt gemacht habe. Den habe ich auch so ein bisschen nach der Wirksamkeit gefragt, hier unserer Kirche. Und er hat gemeint, ja gut, alleine als EMK in Deutschland haben wir relativ wenig zu melden. Aber in solchen Bündnissen und eben Allyships, da ist was möglich.
Also wenn wir so solidarische Partnerschaften eingehen und tatsächlich uns für eine gute Sache einsetzen, dann müssen wir als EMK gar nicht so die Masse an Menschen da bewegen, aber wir können Themen setzen. Und ich glaube, da sind die sozialen Grundsätze tatsächlich super gut für geeignet, weil man da einfach schauen kann, hey, wie positioniert sich denn Kirche zu diesem oder jedem Thema?
Und dann kann man überlegen, wen im Umfeld betrifft das oder welche Leute setzen sich da noch ein und dann hat man eine gute Arbeitsgrundlage. Ja, wir in Heilbronn hier sind Mitglied oder Mitbegründer sogar, das ist ein Netzwerksnachhaltigkeit, wo sich verschiedene Akteure zusammentun. Da ist Energiegenossenschaften dabei, also BUND und NABU und der Deutsche Fahrradclub und so. Und wir sind da die einzige Kirche.
Und was wir am Anfang in dieser Gruppe an Misstrauen erfahren haben und mit Kirche habe ich nichts zu tun und Willi und ich und so, das hat sich inzwischen total gewandelt, weil man eben merkt, es gibt eben auch Kirche, die und in dem Kontext sind diese sozialen Grundsätze auch ein hilfreicher Brückenschlag zu sagen, hey, es gibt auch Christen, denen geht es jetzt nicht um Missionieren und die wollen mein Seelenheil und mein Geld, sondern die wollen wirklich aktiv, wie ich das auch will, von einer anderen Position aus, aber die wollen auch diese Welt gestalten und die haben ihre Ressourcen, mit denen sie das tun und ich habe meine, das ist schon irgendwie cool, auch wieder mehr Gemeinsamkeiten da zu finden,
und dann miteinander unterwegs sein zu können, ja. Und ich glaube, so vertrauensvolle Partnerin zu sein und verlässlich auch zu sein und da Beziehungen aufzubauen, also selbst wenn ich jetzt irgendwie mittelfristig alle Menschen missionieren wollen würde. Wäre das trotzdem ein Schritt in eine Richtung, wo man sagt, ja, da ist sowas, also Begegnung ist möglich und da werden Hürden abgebaut.
Und ich glaube nicht, dass der Methodismus so die christliche Spielart ist, die irgendwann mal alle mitspielen. Aber wenn wir das so schaffen, irgendwie unsere Ressourcen zu teilen und uns für die gute Sache einzusetzen, ich glaube, das schadet auf keinen Fall. Ja, und es ist wirklich, es findet Resonanz. Also wir haben bei diesem Justice Sunday mit den Gästen sind immer mindestens drei bis fünf Leute da, die noch nicht da waren.
Und es ist dann so, dass es da einen theologischen Impuls von mir zu dem Thema gibt und dann berichtet der Gast aus seiner Lebenswelt. Und danach gibt es noch eine Resonanzrunde. Also jeder darf irgendwie drauf reagieren und machst dann eine Viertelstunde im Gespräch. Und ich fand es jetzt gerade mit der Letzte, mit diesem.
Bauernverband Vorsitzenden, der kommt aus der konventionellen Landwirtschaft, der ist also nicht zu 100% eins, der sagt, wenn wir alle auf ökologische Landwirtschaft umstellen, klappt das mit der Ernährungssicherheit in Deutschland nicht mehr und so. Aber wir haben gemerkt einfach, es geht gar nicht darum, nur mit den gleichen Leuten am Tisch zu kommen, aber mal, in einem verlangsamten Raum, wo es um Reflexion miteinander geht zu sitzen und Nicht eben, wir streiten hier, was ist das Bessere, sondern wie kann sich im Bereich Landwirtschaft das Thema Gerechtigkeit, das Thema, wie geht aufblühen und gedeihen da und das miteinander zu reflektieren und dann den NABU und den Landwirt, die sich oft auch nicht gut können.
Miteinander am Tisch oder in der Runde zu haben und zu merken, okay, da kann wieder was ganz anderes entstehen, ein neues Miteinander. Sondern das ist, glaube ich, in unserer derzeit so auf, gehetzten und auf Clickbait aus Gesellschaft was ganz Wertvolles. Also. Ja, das ist eine Form von Kirche, die lebe ich gern. Das ist richtig schön, das von dir zu hören, weil ich kenne dich auch noch aus früheren Jahren, da waren wir mal eingeladen zusammen beim Bischof als Teil der Gruppe der Unzufriedenen, und es ist schön zu merken, dass du mittlerweile auch einen Ort hast, wo du, gerne bist, gerne als Pastor bist, gerne Kirche mitgestaltest.
Ich wünsche euch da alles Gute und ich habe noch eine Abschlussfrage, die Sarah ganz gern ihren Gästen stellt. Wenn du jetzt unbegrenzt Zeit und Ressourcen hättest, in deinem Heilbronn mittendrin, wo würdest du sie einsetzen oder was würdest du machen? Wenn ich unbegrenzt Ressourcen und Zeit hätte, dann geht das Konzept nicht aus, gell?
Von Suffizienz und zur Ruhe kommen auch und in Saisonleben passt da nicht richtig rein, merke ich. Aber ich glaube, ich würde einfach noch viel mehr machen von dem, was wir eh schon machen. Also ich merke einfach, die Zeit ist endlich. Jeder Tag hat nur 24 Stunden. Wir planen jetzt wieder ein großes Konzert für nächsten Sommer in unserem Garten mit einer internationalen Band, die auch das Thema Klimagerechtigkeit bespielt und so.
Also zu Groß-Events mache ich schon gern, einfach auch um unsere Arbeit noch ein bisschen mehr publik zu machen und so. Und da auch immer, also dieses Arbeiten an Netzwerken und mit anderen Leuten ins Boot holen und miteinander unterwegs sein und dann aber in diesen Sachen auch uns nicht zu verstecken und Theologie zu treiben, das ist glaube ich was, das würde ich noch viel mehr dann tun, ja.
Aber ich sitze dann auch gerne in unserem Kreis stehen immer auch Liegestühle, in unserem Sitzkreis da im Karten. Ich setze mich dann auch immer gerne in so einen Liegestuhl und genieße das Rauschen in den Blättern der Bäume. Ja, genau. Damit kommst du ja dem nach, was du vorhin gesagt hast, dass der Sabbat die Ruhe der wichtigste oder ein sehr wichtiger Teil dieser Schöpfung ist.
Vielen, vielen Dank, Volker, für alles, was du hier geteilt und erzählt hast. Ich hoffe, dass da für viele Leute Einblicke mit dabei waren, wo sie sagen, hey, da könnte ich auch was bei mir in der Gemeinde umsetzen. Vielleicht müsste es nicht gleich ganz so sein, dass alles dem Thema untergeordnet wird, aber so ein Themenabend oder eine kleine Gruppe, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt.
Nehmt euch da die sozialen Grundsätze, wenn ihr Lust habt. Das Dokument verlinken wir in den Shownotes und Seite 15 bis Seite 20 sind eigentlich diese Themen verhandelt, also die Gemeinschaft der gesamten Schöpfung und dann noch Verantwortung für die Schöpfung. Das sind so die Überschriften, unter denen es läuft.
Ich verlinke euch auch Heilbronn mittendrin, damit ihr da mal vorbeischauen könnt und den Wilden Süden muss ich jetzt auch mal hier in die Shownotes packen, damit ihr seht, wo wir herkommen Volker und ich. Ich wünsche dir einen goldenen Oktober, ruh dich gut aus nach dem langen und erlebnisreichen Sommer und ich freue mich, wenn wir uns bald mal wieder auf anderer Ebene begegnen Jawohl, ebenso.
War sehr schön mit dir im Gespräch zu sein Macht's gut, eine gute Woche euch und viel Spaß nächste Woche mit Sarah und Sarah.