Anmelden

Thema des Tages

Krawalle in Frankreich: Wo führt das hin? | Leonie Heitz

Mittwoch, 21. Oktober 2026 · 31 min

MP3

Shownotes

Wir sprechen mit der Frankreich-Korrespondentin des ORF Leonie Heitz darüber, wie sie die Ausschreitungen in Frankreich erlebt hat und wie es weitergeht
Brennende Regierungsgebäude, Plünderungen und tausende Verletzte Protestierende sowie Einsatzkräfte. Die Situation in Frankreich ist am vergangenen Wochenende vollends eskaliert. Wir sprechen heute mit der ORF-Korrespondentin Leonie Heitz darüber, wie sie die Proteste erlebt hat und was in Zukunft dagegen unternommen werden kann.

Unterstützt uns! Mit einem STANDARD-Abo für nur einen Euro im ersten Monat. Nur solange die Aktion läuft: derstandard.at/smartabo (checkout.derstandard.at/produkt/der-standard-s…)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Gleich zwei Folgen zu den Protesten in Frankreich und das nur an einem Tag. Das werden sich vielleicht jetzt einige Zuhörer fragen, na ja nachdem wir die Aufnahme mit unserer Kollegin Flora Mori beendet haben hat uns dann auch noch eine Zusage von Leonie Heitz erreicht. sie ist Korrespondentin für den ORF in Paris und hat es die Proteste der vergangenen Wochen natürlich mitverfolgt.

Auch mit ihr wollten wir natürlich sprechen und auch ihre Perspektive mit einbringen. also jetzt die zweite Folge zu den protesten in frankreich Brennende Regierungsgebäude, Ausschreitungen, unzählige Verletzte sowie Plünderungen. Die Bilanz der Unruhen in Frankreich ist verheerend! Wir schauen uns heute an warum Frankreich derzeit offenbar im Chaos versinkt, wer die Schuld daran trägt was es ausgelöst hat und wie es weitergehen könnte.

Ich bin Daniel Retschitz-Ecker. das ist Thema des Tages der Nachrichten Podcaste Standard. Leonie Heiz, Korrespondentin für den ORF in Frankrich heute hier im Standardpodcast herzlich willkommen. Danke schön, danke für die Einladung Vorher, wenn man etwas in die Vergangenheit geht und sich ihren Bericht für den ORF vom sechsten Oktober ansieht.

Da sprechen sie unter anderem davon dass es wohl erneut Ausschreitungen geben wird. allerdings gehe man davon aus das die Polizei sich zurückhalten wird. jetzt nach den extrem schweren Ausschleitungen von vergangenen Wochenende hätten Sie so eine Eskalation so eine Zuspitzung der Lage irgendwie erwartet.

Es war insofern schon auf eine Weise erwartbar, da die Aufrufe in den sozialen Medien sich sehr gehäuft haben und das schon sehr lange. Es war schon sehr lang die Sprache von einer Rückkehr der Gelbwesten zum Beispiel. Und wenn wir uns zurück erinnern damals waren ja auch schon die Proteste sehr gewaltsam.

Die Gileshonen hatten ja schon einmal fast den Elysée-Palast eingenommen und haben schon den Arktetriumf in Feuer gesteckt. Und vor allem in den Tagen vor dem Samstag haben sich dann immer mehr Berichte gemerkt, dass es Tausende von Aktionen gibt diese geplant sind sowohl von den Gileschon aber auch von anderen Akteuren.

also ich denke Es war schon klar das ist sehr groß wird dieser samstag. Ich denke aber auch dass die Polizei sehr schlecht vorbereitet war und das finde ich eigentlich verwunderlich. Innenminister mittlerweile eingestanden, hat ja seinen Rücktritt auch angeboten. Emmanuel Macron, der das aber abgelehnt hat.

Aber da war wirklich sicher ein Polizeiversagen und eine nicht ausreichende Vorbereitung. Ein Grund warum das Ganze so eskaliert ist – und das wird sicherlich noch aufgearbeitet werden müssen. Eine der Höhepunkte war ja am vergangenen Wochenend, der am Samstag als ja unter anderem ein historisches Rathaus niedergebranntes rund zweitausend Personen festgenommen worden sind.

ich glaube es waren über fünfhundert Verletzte. Was kann man denn über diesen Samstag sagen? Warum ist das an diesem Tag genauso eskaliert. Ich denke, dass sich da sehr viel Wut in der französischen Gesellschaft aufgestaut hat. Also angefangen hat das Ganze ja mit den Schülerprotesten schon vor zwei Wochen.

Es hatten aber auch schon die Beamten im öffentlichen Dienst zum Beispiel protestiert weil ihnen Kürzungen bei den Gehältern also Einfrierung ihrer Gehäuter gedroht wurde von der Regierung. es gibt unterschiedliche Gruppierungen, die schon länger unzufrieden sind. Die Landwirte haben schon vor längerem protestiert Die Fischer z.B wegen der hohen Benzinpreise vor allem.

Und da am Samstag sind eben all diese Gruppierungen zusammengekommen, es geht also nicht mehr nur noch um die Bildung sondern auch um die hohen Lebenshaltungskosten und die niedrigen Löhne, um die Hohen Benzinpreise die ja auch überall in der Welt spürbar sind. derzeit und deshalb man muss ja immer wieder betonen haben hunderttausende auch friedlich demonstriert Und wenn es um die Eskalationen gibt, muss man immer differenzieren.

Also da gibt es verschiedene Gruppierungen, die in diesem Fall Chaos gestiftet haben. Zum einen gibt es traditionell in Frankreich eigentlich bei allen Demonstrationen die sogenannten Black Blocks. Die kommen meistens aus dem linksradikalen zum Teil aber auch aus dem rechtsradikaler Spektrum sind zum Teil international organisiert und kommen gezielt zu Demos um Chaos zu stiften, um die unübersichtliche Lage auszunutzen und zu Brandstiften zum Beispiel oder sich gezielt mit der Polizei anzulegen.

Deshalb eben auch dieser Anschlag auf das Rathaus von Limorj. da wird ja gezielt sozusagen ein Symbol der Republik angegriffen. Und dann gab es andere Gruppierungen, die geplündert haben. Also die in Geschäfte eingestiegen sind und die Scheiben eingeschlagen haben und sich zum Beispiel Sneaker unter den Nagergeristen haben, die auch von diesem Chaos profitiert haben.

Das muss man sagen war dieses Mal besonders ausgeprägt. also so ausgeprägte haben wir das noch nicht gesehen. Aber kann man es bei diesen Ausschreitungen irgendwo festmachen, von wem die Gewalt tatsächlich ausging? Sie haben ja schon diese mehreren Gruppen angesprochen. Einer der Verdächtigen, der dieses Ratshaus angezündet haben soll gibt die Polizei beispielsweise heute bekannt das solle ein vierzig Jahre alter Linksextremist sein, den Behörden auch bekannt waren.

Da muss man jetzt schauen, was die Ermittlungen ergeben. Es stimmt, dass es erste Berichte dazu gibt. Insgesamt unterstellt ja die Regierung der linksradikalen Partei LFI, also Unburgsames Frankreich das sie die Proteste und Gewalt anheizen. Dazu muss man allerdings sagen, dass da vor Kurzem ein Artikel von dem investigativen Magazin Mediapart rausgekommen ist, die sagen, dass man LFI für diese Gewalt verantwortlich machen muss.

Man muss auch immer im Hinterkopf behalten, dass wir hier in Frankreich im Wahlkampf sind. Die Präsidentschaftswahlen sind ja im April, also ziemlich genau in sechs Monaten und deshalb muss man diese Anschuldigungen immer mit Vorsicht genießen. es gibt noch keine konkreten Beweise dafür das LFI diese Gewaltung schürt.

Das ist die Partei von Jean-Luc Mélenchon. Über diesen Punkt werden wir auch noch sprechen, was das jetzt politisch für diese Kopierung bedeutet. Was mich noch interessieren würde... Ich meine Ausschreitungen, Proteste in Frankreich. Das gibt es immer wieder mal um das jetzt ganz polemisch zu sagen dass in einem Pariser Vorort einmal ein paar Autos brennen.

Das ist jetzt wahrscheinlich kein Grund dafür, dass internationale Medien stundenlang Berichten und Sondersendungen starten oder wir hier diesen Podcast führen würden. Es gibt aber dieses Mal einen vehementen Unterschied. wo sehen Sie den? Ja also ein Unterschied wie gesagt ist das Ausmaß der Plünderungen.

das hat man hier noch nicht so gesehen und das geht ja auch gezielt gegen Privatleute, die da deren Existenzen an diesen Geschäften hängen. Wir haben die Bilder gesehen von Geschäftsleuten, die am nächsten Tag die Scherben aufgesammelt haben und den trennen waren weil das ihre gesamte Existenz damit in Bach runtergegangen ist.

Und das ist wirklich etwas was hier sehr viele auch stark... berührt. und auch diese massive Gewalt gegen Symbole der Republik, wie das Ratus zum Beispiel. Das haben wir auch noch nicht so gesehen. Ich glaube ein Grund dafür ist dass der Unmut in der Gesellschaft einfach sehr groß ist. Die Wut gegen die Regierung Macron ist extrem.

Wir haben ja schon im Jahr zwei tausend achtzehn eben die gelbwesten Proteste gesehen Mit eigentlich ähnlichen Forderungen. Damals ging es ja auch los mit einer Erhöhung des Benzinpreises, damals sollte das eine Ökosteuer sein. und damals haben eben die Gelbwesten gesagt Es reicht uns Die Lebenshaltungskosten sind ohnehin schon hoch, die Löhne sind recht niedrig Was stimmt?

Frankreich hat im OECD-Vergleich recht niedrige Löhnen. Das war so ein rale Ball wie man in Frankreich sagen würde. Also es reicht uns Wir gehen jetzt auf die Straße und wir protestieren Und wenn man jetzt zurück schaut, das war ja ist seitdem eigentlich nicht viel passiert. Emmanuel Macron hat daraufhin gesagt, okay ich nehme diese Ökosteuer zurück aber bitte helft mir dann jetzt Maßnahmen zu treffen für... gegen den Klimawandel im Prinzip für den Klimaschutz und hat einen Rat einberufen, bei dem verschiedene Bevölkerungsteile mitreden durften wie Frankreich die Klimawende in den Griff bekommen soll.

Da ist aber eigentlich nichts von übrig geblieben von diesen Maßnahmen und deshalb ist auch von den Gilleschons so eine Art bitterer Nachgeschmack übriggeblieben das eigentlich keine der Forderungen wirklich erfüllt wurde. Wie gesagt, es sind verschiedene Bevölkerungsteile und ein großer Unmut insgesamt in der Gesellschaft.

Das wird zum Beispiel die Regierung Macron vorgeworfen, dass in seiner Amtszeit die Milliardäre in Frankreich ihr Vermögen verdoppelt haben – gleichzeitig gibt es über eine Million mehr arme Menschen, also unterhalb der Armutsgrenze leben. Und das ist einfach ne soziale Schieflage, die denke ich auf Dauer nicht gut gehen kann.

Es ist natürlich nicht allein die Verantwortung aber sie wird eben dafür verantwortlich gemacht hier. Aber das ganze Jahr hat ihr mit Schülerprotesten begonnen und über die redet jetzt eigentlich kaum noch jemand, ich gehe mal davon aus und dass es jetzt nur das was ich aus der Außenbetrachtung aus Medienberichten mitbekomme, dass diese Schüler jetzt auch zu größten Teilen höchstwahrscheinlich eher weniger an diesen ganz großen Ausschreitungen beteiligt waren.

sind diese Proteste gekapert worden von diesen Kopierungen? oder wie können wir uns das vorstellen? Ja, also von vornherein gab es bei den Schülerprotesten sehr schnell auch Ausschreitungen. Das waren dann aber oft Gruppen die eigentlich gar nichts mit diesen Schülerprotessen zu tun hatten. Also oft waren das Schüler, die von anderen Schulen kamen und eben Schulen in Brand gesteckt haben oder auf das Lehrpersonal zum Beispiel eingeschlagen haben oder sie verletzt haben.

Die Schüler haben sich von Anfang an davon distanziert. Ich habe mit vielen gesprochen. Sie waren eigentlich sehr enttäuscht davon dass ihre Bewegung durch diese Gewalt sozusagen unglaublich wirklich gemacht wird und haben sich von Anfang an davon distanziert. Man muss dazu aber auch sagen, dass es da so eine gewisse Gewaltspirale hier in Frankreich gibt.

Also das haben wir auch am Samstag gesehen, dass zum Beispiel auf der Place de la République, wo ja Eintreffpunkt für die Demos war ... Die Polizei schon angefangen hat Trenngas zu werfen bevor überhaupt die Demo losgegangen ist. Bevor überhaupt die ersten Steine geworfen wurden, wurden Trennengaskranaten en masse auf die Demonstranten geschickt.

also es gab zb ein Orchester was auf der place de la Republique friedlich musiziert hat und auf die wurden Trenngasgranaten geworfen, sodass sie ihr Konzert abbrechen mussten. Und das haben wir auch schon bei den Schülerprotesten gesehen. Also ich war zum Beispiel einen Tag vor einer Schule, wo eine Schulblockade war, sehr friedlich verlaufen ist.

Es haben sich sogar die Eltern vor die Schüler gestellt, um sie zu schützen vor der Polizei, die wirklich mit einem großen Aufgebot vor Ort war. Sie haben zwar ein kleines Feuer vor der Schule angezündet aber wie gesagt das ist in Frankreich nichts so was Besonderes und die Feuerwehr kam sofort und hat es gelöscht und währenddessen auch wir unsere Interviews geführt haben wurden wir die ganze Zeit mit Trennengasgranaten beworfen.

Also ich habe auch Trenngas abbekommen. Es brennt extrem in den Augen, wir mussten dann unseren Dreh zwischendurch unterbrechen und das Gefährliche daran ist ja auch dass die Polizei gar nicht wirklich sieht wo sie diese Granaten hinwerfen und es ist ja immer wieder zu Verletzten gekommen und diese Vorfälle schüren natürlich die Gewalt auf der anderen Seite auch wieder.

Wir haben schon geredet über die linksradikalen Gruppierungen, die plündern kommen die sich immer weiter aufschaukelt zwischen Polizei und der Gegenseite. Glässt dich das irgendwie erklären, warum wenn ich ihn jetzt zugehört habe die Polizei offensichtlich mit sehr harten Maßnahmen direkt zu Beginn reingeht?

Das hat ja auch ein junger Mann glaube ich war es durch eine Blendgranate oder eine Rauchgranate seine Hand verloren. also wirklich eine fürchterliche Verletzung. Warum reagiert man offensichtlich so nervös und sofort mit wirklich brutalen Mitteln? Ja also ich würde sagen in Frankreich ist Allgemein, die Polizei sagen wir mal so salopp nicht so zimperlich.

Das ist mir schon auch bei den Gilleschonen-Protesten aufgefallen. Die Presse hat da keinen Ausnahmestatus sondern ich wurde auch von einem Polizisten mit dem Schild umgerempelt zum Beispiel ohne mir vorher zu erklären dass sich vielleicht woanders hingehen soll und dann wird dann sofort hart durchgegriffen.

Ich denke es eine andere Kultur hier in Frankreich. Es gibt auch Berichte aus der Polizei von ehemaligen Spezialeinheiten, die sagen es gibt eine regelrechte Kultur innerhalb der französischen Polizei. Dass man die demonstrierenden Versuche zu entmenschlichen nicht so viel Verständnis für sie auszudrücken damit man ja härter gegen sie vorgehen kann.

also ich denke das ist das ein und dass es sozusagen systemisch in Frankreich auch traditionell schon immer mehr zu Ausschreitungen gekommen ist und deshalb auch hat Hertha reagiert wird. Warum es jetzt gerade zu diesen sehr harten Polizeieinsätzen kommt? Ja, ist eine gute Frage. Es gibt eine Gruppe der Gesellschaft die sagt, die Regierung hat halt keine anderen Antworten dazu kommen wir vielleicht auch später noch dass sich die Regierung ja kein Geld hat um auf diese Bedürfnisse einzugehen.

also wenn man es vergleicht während der gelbwesten die haben ja sieben monatelang protestiert wurden zehn tausend menschen verhaftet. und jetzt im Zeitraum von zwei wochen wurden auch zehntausend Menschen verhaftete und davon sind die meisten minderjährige die dann eine Nacht auf der Polizeiwache verbringen.

Das sind meistens nur sehr kurze Verhaftungen, also das heißt Gardavu und da darf man vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden festgehalten werden. aber da hören wir auch Berichte von ja Jugendlichen, die in der Polizeiwache auf dem Boden schlafen mussten. Nichts zu essen oder zu trinken bekommen haben.

und ja das macht schon sehr nachdenklich sagen hier auch viele dass es einfach nachdenklich stimmt wie dagegen die Jugendlichen in diesem Land vorgegangen wird. Das sind zum Teil Kinder Und die Polizei ist halt völlig übervertretend und unverhältnismäßig bewaffnet. Das kritisieren mittlerweile auch internationale Organisationen wie Amnesty International zum Beispiel.".

Aber Frau Heidster scheint ja in Frankreich wirklich so einiges im Argen zu liegen, wenn es denn offensichtlich – wie Sie das jetzt geschildert haben schon als normal gilt – dass auf der einen Seite – und ich verkürze es jetzt absichtlich – demonstrierende gleich mal was anzünden oder auf der anderen Seite die Polizei ohnehin immer mit sehr hoher körperlicher Gewalt antwortet?

Was sagen denn beispielsweise die Französinnen und Franzosen dazu, die mit diesen Demonstrationen nichts am Hut haben? Ja also das sorgt auch hier in Frankreich für Besorgnis. Dass man ein bisschen den Eindruck bekommt dass der französische Staat vielleicht dieser Lage gar nicht her wird und es nicht schafft die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.

Also ich denke Ja, Ausschreitungen ist man gewöhnt. Aber dieser Samstag wird auch hier in Frankreich in die Geschichte eingehen als nochmal ein Wendepunkt wo es noch mal extrem eskaliert ist und ich denke aber gleichzeitig steckt dahinter eben dieses große soziale Ungleichgewicht in der Gesellschaft und das einfach dringend angegangen werden muss.

Man muss auch dazu sagen dass... Ich finde jetzt natürlich sich in den Medien sehr viel auf die Gewalt konzentriert wird und dabei immer wieder in den Hintergrund rückt, dass eben auch sehr viele sich friedlich eingesetzt haben für ihre Bedürfnisse. Darüber wird jetzt viel weniger geredet und das ist natürlich schade.

Das ist natürlich ein Punkt. wir kommen wahrscheinlich noch zu den Forderungen an Sie, aber wir haben sie ja eigentlich schon angeschnitten so ist es nicht ganz ignoriert. zu unserer Verteiligung was mich noch interessieren würde Und das sagen jetzt nicht nur extrem rechte Parteien wie beispielsweise in Frankreich, dass die Migration und vor allem die Pariser Vororte und die Menschen die hier demonstriert haben.

Da sieht man ja auch den Fotos einen gewissen Anteil an diesen Ausschreitungen haben. Wie groß ist denn ihre Einschätzung nach dem Problem? Ja, ich denke da muss man sehr vorsichtig sein. Weil es wird jetzt natürlich Ermittlungen geben wer da wirklich brandgeschatzt hat und geplündert hat. Es kommen diese Vorwürfe auch viel aus dem Ausland.

Also es hat ja Donald Trump zum Beispiel das schon vorgebracht Und Präsident Macron hat sich ja heute dazu geäußert, dass er sagt also da wird auch vom Ausland mit dem Feuer gespielt indem man diese Vorwürfe vorbringt und das so darstellt als wären es vor allem Einwanderer die hier Chaos stiften. Und Frankreich eben seine Einwänderung nicht im Griff hat.

Ich denke wie gesagt da muss man vorsichtig mit umgehen und schauen was die Ermittlungen ergeben. Was sicherlich stimmt ist das bei den Plünerungen Jugendliche aus benachteiligten Vororten beteiligt sind und da muss man vielleicht noch mal etwas mehr auf deren Bedingungen eingehen. Ich glaube, ich habe schon ein bisschen was dazu gesagt dass die halt relativ perspektivlos sind.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich ist sehr hoch also bei siebzehn bis zwanzig Prozent. Die Bildungschancen sind in bestimmten vororten viel schlechter als in anderen Teilen Frankreichs. Also das Ungleichgewicht im Bildungssystem und die Chancenungleichheit ist sehr groß. Und ich glaube insgesamt haben wir es mit einer Generation zu tun, die sozusagen findet man hat in ihre Zukunft geklaut.

also wenn man sich anschaut der Klimawandel unsere Erde brennt und gleichzeitig haben sie Angst dass ihnen die künstliche Intelligenz ihre Jobs wegnimmt wenn sie überhaupt einen bekommen. zudem kommt eben, dass diese Jugendlichen – wenn sie Migrationshintergrund haben und in bestimmten Vororten, in bestimmte Brennpunkten leben auch sehr viel Diskriminierung von Polizeisalte ausgesetzt sind.

Dazu gibt es Studien, dass halt die Jugendliche mit arabischen Migrations-Hintergrund oder schwarze Jugendliche viel häufiger von der Polizei kontrolliert werden als andere. Und das ist da eben auch zum Teil zu Schikanierungen kommt. Bauen sich natürlich Spannungen zwischen den Jugendlichen und der Polizei auf.

Und es gibt tatsächlich, also wir haben das ja auch schon zum Teil nach Fußball Champions League Finalen gesehen, dass die Jugendlichen dann aus den Vororten in die Stadt gekommen sind weil sie einfach gezielt sich dann bei der Polizei auch zum Teil reichen wollen. Das rechtfertigt natürlich diese Gewalt auf keinen Fall.

Ich denke, es sind Faktoren, die helfen Sie zu verstehen und die auch der Regierung helfen würden Sie zu verstehen. Aber was jetzt gerade getan haben, ist eine Problemschilderung und sie haben es auch selber betont das ist keine Rechtfertigung und ich glaube auch irgendwie dass Zukunftsängste jetzt kein Grund dafür sind Schaufenstein zu schlagen und die Existenz von anderen Menschen zu ruinieren.

also das nur auch mal dazu gesagt. aber is denn in Frankreich dieses Problembewusstsein? da macht man irgendwas dagegen damit eben nicht wieder ein paar Monaten das nächste Rathaus brennt und die nächsten Geschäfte ruiniert sind? Also die Regierung, die reagiert vor allem mit Härte soll jetzt ein Gesetz geben zum Beispiel dazu dass jemand der plündert auch bezahlen soll oder jemand der Brandschatzt oder Anschläge macht.

das ist natürlich relativ schwierig dann zu beurteilen in diesen unübersichtlichen Lagen, wer wirklich tatsächlich beteiligt war und wenn nicht. Und da will die Regierung alle über einen Kamm scheren. dazu gibt es große Widerstände. auch der Senat hat jetzt ein Vorschlag vorgelegt das künftig bei Demos etc., Die Sicherheitskräfte besser vorbereitet werden sollen.

also zum Beispiel wird gesagt wir müssen uns im Vorfeld besser informieren Dienste müssen besser auf diese Gruppen vorbereitet sein. Wir brauchen mehr Informationen, denn man muss ja schon sagen dass es eben eine Minderheit ist die dieses Chaos stiften Und man sich schon fragt, warum die nicht besser in Schacht zu halten sind.

Warum sie nicht besser von den anderen Demonstranten zu trennen sind etc. und da gibt es jetzt eben einige Vorschläge das zum Beispiel auch Drohnen eingesetzt werden sollen, die bei den Demos dann für die bessere Übersicht sorgen sollen oder zum Beispiel mit den Demonstraten kommunizieren sollen im unübersichtlichten... Situation.

Das sind jetzt erste Vorstöße, das muss man schauen ob das dann auch sich in Gesetze übersetzt und ob es sich auch bewährt natürlich. Eine Nachfrage hätte ich dazu sehen jetzt gerade gesagt dass jene die Dinge zerstören auch dafür aufkommen müssen. Das ist in Frankreich nicht so. also wenn wir beide jetzt losziehen würden und im Wiener Rathaus eine Scheibe einschlagen würden dann würden wir natürlich dafür auf kommen müssen.

Ist ja das normalste der Welt. Ja, das Problem ist wie gesagt bei diesen Situationen oft dass es sehr unsübersichtlich ist und es sehr schwer ist im Nachhinein die meist vermunden Jugendlichen überhaupt ausfindig zu machen. Und dieser Vorstoß soll jetzt eben sozusagen in die Richtung gehen, okay wir können nicht einzelne Menschen ausfindig machen.

Deshalb würden wir ganze Gruppen von denen wissen dass sie vor Ort waren dafür verantwortlich machen. und es war auch im vor allem jetzt in diesem Zusammenhang mit den Jugendlichen die ja auch nochmal eine andere Gesetzeslage haben. da wurde halt viel vorgeschlagen das dann die Eltern für die Schäden aufkommen sollen.

Gut, das klingt jetzt aber auch ehrlich gesagt nicht nach der praktikabelsten Lösung denn eine Gruppe Jugendlicher ist ja kein Verein den man irgendwie zur Verantwortung ziehen kann oder so. Das sind die Einzelpersonen? Genau. also da ist dann die Frage wo es die Grenze. woran macht man fest wer damit mitgemacht hat?

wenn ich also mitgehangen mit gefangen sozusagen verstehe so ist das alles gemeint. Ich habe heute auch gelesen, dass der Innenminister für die kommenden Tage in manchen Regionen möglicherweise eine Ausgangssperre verhängen möchte. Kann das irgendwie weitere Ausschreitungen möglicherweise verhindern?

Ja, es gibt sogar schon Ausgangssperren. Also seit Montagabend zum Beispiel hier in Paris und manchen Vierteln. Ich wohne in der Nähe der Plastiler Republik und letzte Nacht zum Beispiel habe ich Helikopter gehört die eben für diese Ausgangsperre eingesetzt werden um das zu überprüfen und überwachen.

bisher hat das dafür gesorgt dass wieder mehr Ruhe eingekehrt ist denn es wurde ja Sonntag Abend auch nochmal geplündert Und seit Montagabend sind die Berichte also wirklich zurückgegangen. Gleichzeitig gibt es natürlich Menschen, die kritisieren dass man uns jetzt einsperrt und das ihre Freiheit dadurch eingeschränkt wird.

aber ich denke vorläufig ist es keine so schlechte Maßnahme um mal die Lage zu beruhigen Wenn wir auf die politische Ebene wechseln, unser Korrespondent Stefan Brändle schreibt etwa davon dass sowohl die Ultrarechten als auch die Linkspopulisten also das Duell Le Pen gegen Mélenchon – das haben wir ja vorhin schon angesprochen – für die Gewalt und Zerstörung verantwortlich werden.

Beide würden von den Szenen uns der Polarisierung profitieren! Ist das ein erster Vorbote dieses anstehenden entscheidenden Wahlkampf in Frankreich? Ja...also Im Wahlkampf sind wir auf jeden Fall mittendrin, das stimmt. Ich würde jetzt nicht unbedingt sagen dass sie dafür verantwortlich sind, dafür haben wir noch keine handfesten Anhaltspunkte.

Dass Sie davon profitieren aber eher also vor allem die rechtsnationale... die sich jetzt quasi so positioniert, dass sie sagt wir sind eigentlich die einzigen in diesem Land, die noch für Recht und Ordnung sorgen können. Und die diese Lage in den Griff bekommen können. Die ja gleichzeitig auch Versprechungen machen an diejenigen, die zum Beispiel fordern, dass die Benzinpreise gesenkt werden.

Also Marine Le Pen hat das fest in ihrem Wahlprogramm drin. wie genau Sie finanzieren will, ist nicht so klar. Aber darauf geht sie ein und ich denke dass sie von diesen Protesten auf jeden Fall profitieren wird. Gleichzeitig die linksradikalen LFI also das Unbeugtsame Frankreich mit Mélenchon, die unterstützen ja die Proteste und gehen zum Teil auch mit demonstrieren.

Da würde ich sagen, dass Ihnen bei den jugendlichen Wählerstimmen wahrscheinlich mehr Wählerstimmen bringen wird. Gleichzeitig denke ich, dass es eventuell gemäßigte Wähler abschrecken kann die jetzt eben die Gewalt im Vordergrund sehen. insgesamt muss man aber sagen das ist natürlich in Frankreich nichts Neues ist, dass sich in diese Proteste politische Parteien mischen und dass sie sie unterstützen.

also das ist eigentlich eine relativ normale Gemengelage. Und wo bleibt in dieser Gemengelager jetzt der französische Präsident Emmanuel Macron? Wie steht der da? Ja, Emmanuel Macron hat sich nach diesem extremen Wochenende zu Wort gemeldet. Er hat aber ehrlich gesagt eigentlich nicht viel gesagt. also es wurde sehr viel von seiner Rede erwartet weil das muss natürlich schon einiges passieren damit sich der Präsident vor's Volk stellt.

er hat aber eigentlich ja kaum was gesagt und kaum was zu bieten. Also er hat erstens kein Geld, weil Frankreich ist hoch verschuldet. die Staatsschulden betragen fast hundertzwanzig Prozent der Wirtschaftsleistung und deshalb sind die Zinsen an den Finanzmärkten sehr hoch und deshalb muss Frankreich sparen.

Die Regierung hat ja auch einen Sparhaushalt vorgelegt Genau, also da kann er eigentlich keine Zugeständnisse machen. Und gleichzeitig ist er auch in der öffentlichen Meinung einfach von vielen sehr verhasst und kann damit nicht wirklich viel gewinnen. Was er jetzt tut, ist gerade in den Nahen Osten gereist um zu den Benzinpreisen mit verschiedenen Staaten zu verhandeln.

Das wäre natürlich... ein etwas mittel bis längerfristiges Mittel, um auf die Bevölkerung zuzugehen. Aber ich wage es zu bezweifeln dass das aufgeht dieser Rechnung. Frau Heiz, es gab in den vergangenen Tagen auch in Belgien beispielsweise Italien aber auch Albanien Demonstrationen und auch hier ist es teilweise zu Krawallen und Verhaftungen etc.

gekommen. Wie würden Sie das jetzt einordnen, bleibt das Ganze mehr oder weniger ein französisches Unikum? Oder könnte diese Gewalt und die Probleme sind ja in vielen Ländern ähnlich tatsächlich eine ganze Europaschule machen. Ja also ich denke auch dass es da Parallelen gibt, dass viele dasselbe beklagen in unterschiedlichen Ländern und den unterschiedlicher Couleur.

Also ich kenne jetzt am besten Bedingungen an französischen Schulen und weiß, dass da wirklich einiges im Argen liegt. Also vielleicht nochmal kurz ein Beispiel, weil wir da auch noch nicht so viel darüber gesprochen haben, dass Schülerinnen und Schüler in benachteiligten Vororten über ihre ganze Schulaufbahn hinweg einen Jahr lang an Unterricht verlieren, weil Lehrer einfach nicht ersetzt werden das Ratten- und Kakaolaken über die Gänge laufen.

Ich glaube, wir haben es zu genüge in Beiträgen auch schon gehört. wie stark diese Missstände auch in anderen sind, das weiß ich nicht. Aber es gibt ja auch in Österreich derzeit Sparmaßnahmen im Bildungsbereich und deshalb denke Anliegen, die in vielen Ländern ähnlich sind. Und das andere ist vielleicht, dass sich heutzutage eben diese Protestbewegungen über die sozialen Medien viel schneller ausbreiten.

Also wir haben das ja auch schon bei den Genset-Protesten in Entwicklungsländern zum Beispiel gesehen, also von Nepal bis Marokko Großproteste entstanden sind weil Jugendlichen gesagt haben Wir haben ähnliche Anliege und ja, dass es heutzudage durch die sozialen Medien sehr viel schneller überschwappt auf andere Länder.

Frau Heiz, ich finde man kann wahnsinnig viel über ein Land lernen indem man sich anschaut wie es denn mit dem Thema Jugend und Bildung umgeht und wie viele Fokus- und Wertschätzung man in dieses Thema investiert. Wenn ich Ihnen jetzt so zuhörte wirkt es ein bisschen so als wäre Frankreich dabei einen Teil dieser Generation wirklich zu verlieren?

Ja, ich denke da ist Frankreich gerade auf einem guten Weg. also... Man kann's vielleicht auch so sagen, dass Frankreich sehr viel in die Pensionen investiert und für ältere Menschen sehr viele in dieser Gesellschaft ausgegeben wird. Und das zum Teil auf dem Rücken der Jugendlichen passiert, die eben immer weniger Zukunft sehen und für die weniger ausgegeben wird stattdessen.

Also weil es ist z.B., Bildungsbudget im Vergleich zwischen Frankreich und anderen europäischen Ländern eigentlich gar nicht so niedrig ist. In Frankreich wird sehr viel für Bildung ausgegeben, aber darin finden sich versteckte Posten nämlich die dann wiederum die Pensionskassen des öffentlichen Dienstes stopfen.

Und ja also ich würde sagen es ist fast ein bisschen so eine Generations... Kampf. Jung gegen Alt, dass da die Jungen eher geopfert werden als die Älteren weil sie natürlich potenziell Wahlstimmen sind. Das muss man es auch mal sehen und wahrscheinlich ihr die Staatsbürgerschaft haben und wählen können oder?

Viele der Jugendlichen haben ja auch die Staats Bürgerschafts sind ja oft Einwanderer zweiter dritter Generation die eingebürgert sind. aber natürlich ist die Ballbeteiligung bei den Pensionisten am höchsten nicht bei den Jugendlichen. also das ist denke ich Ein Grund, was ich finde auch interessant finde ist wir hatten ja vor kurzem sehr gewalttätige Proteste von Landwirten.

Die sind mit Traktoren in Radhäuser gefahren die haben tonnenweise Kudungen auf öffentliche Gebäude geschüttet und haben wirklich viel Schaden angerichtet. das ist nicht so sehr um die Welt gegangen. Und da hat auch die Regierung sehr anders darauf reagiert, hat er mit Verständnis reagiert und ja das ist ja eine berechtigte Wut, die sich ausdrückt.

Ich denke darin zeigt sich auch ein bisschen das Ungleichgewicht dass die Landwirte einfach eine viel größere Lobby haben in diesem Land und Jugendliche eben nicht. Die Frankreich-Korrespondentin des ORF war das Leonie Hals. vielen Dank für ihre Zeit heute und alles Gute, beste Grüße nach Paris! Danke, schöne Grüße.

Und wenn euch Thema des Tages gefallen hat, abonniert den Kanal auf der Podcast-Platform eurer Wahl oder auch auf YouTube. Da sind mir mit Videopodcasts vertreten! Einfach Kanal abonnieren und nicht vergessen Glocke drücken. Ich bin Daniel Retschitzäcker. Vielen Dank fürs dabei sein. Bis zum nächsten Mal.

Anmelden oder registrieren

Jetzt

0:00 / 0:00