
Weltunordnung· Folge 36
Wem gehört die Arktis, Ebbe Volquardsen?
Donnerstag, 26. Februar 2026 · 53 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Der Internationale Politikpodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Folge 15 mit Ebbe Volquardsen
Die USA greifen nach Grönland, Großbritannien entsendet einen Flugzeugträger in den Nordatlantik und China erweitert seine Eisbrecherflotte. Wird die Arktis zum nächsten Schauplatz im Kampf der Großmächte um Einfluss und Rohstoffe?
Die Arktis ist eine der Regionen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Doch statt auf Kooperation und Umweltpolitik zu setzen, treiben die Anrainerstaaten die Militarisierung der Region weiter voran. Auch die Europäische Union und Deutschland mischen kräftig mit. In der Arktis-Strategie von 2022 wird die Region als „in Bezug auf den Klimawandel, Rohstoffe und geostrategische Fragen für die Europäische Union von großer strategischer Bedeutung“ eingestuft. Die Bundesregierung unterstützt den Ausbau der militärischen Präsenz der NATO durch die Bundeswehr aktiv. Welche Folgen hat die Militarisierung der Arktis? Welche Interessen verfolgt die USA in Grönland? Und wie reagieren Russland und China auf diese Entwicklungen?
In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Ebbe Volquardsen über die Geopolitisierung der Arktis. Ebbe Volquardsen ist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und arbeitet als Professor für Kulturgeschichte in Nuuk (Grönland).
Schreibt uns an: weltunordnung@rosalux.org
Shownotes:
Volquardsen, Ebbe (2025): Can Trump’s bid for Greenland put an end to Denmark’s belief in colonial exceptionalism? (portal.vifanord.de/blog/can-trumps-bid-for-gre…) NORDEUROPAforum blog
Volquardsen, Ebbe (2025): Auf dünnem Arktiseis. (akweb.de/politik/auf-duennem-arktiseis-groenla…) In: Analyse und Kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis. Nr. 711.
Europäischer Ausschuss der Regionen (2022): Die neue Strategie der EU für die Arktis. (edz.bib.uni-mannheim.de/edz/doku/adr/2021/cdr-…) Stellungnahme. 150. Plenartagung, 29./30. Juni 2022.
Pertou Mach, Trine/Dragsted, Pelle (2026): Steht Grönland vor der Annexion? Sich Trump zu unterwerfen, wird nicht helfen. (rosalux.de/news/id/54245/steht-groenland-vor-d…) Kommentar. Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Felix Jaitner Weltunordnung. Der internationale Politik-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Ebbe Volquardsen Als Donald Trump in seiner ersten Präsidentschaft Ansprüche auf Grönland geltend machte, hielten das viele für einen schlechten Witz. Doch Trump meint es ernst. Und seit seiner Wiederwahl hat er die Annexionsforderungen sogar noch verschärft. Zwar weisen die Europäer die Pläne der US-Regierung beharrlich zurück, doch gemeinsam treiben sie die Militarisierung der Arktis aktiv voran.
Ebbe Volquardsen Im Rahmen der NATO-Mission Arctic Sentry schickt Großbritannien sogar einen Flugzeugträger in den Nordatlantik. In Russland wird diese Entwicklung aufmerksam beobachtet. Außenminister Sergej Lavrov kündigte an, sein Land werde angemessene Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn Grönland oder andere Teile der Arktis militarisiert werden.
Ebbe Volquardsen In den vergangenen Jahren hat Russland die militärische Infrastruktur in seinen arktischen Regionen deutlich ausgebaut. Und auch China wird in der Arktis immer präsenter. Der Klimawandel ermöglicht nicht nur Zugriff auf bisher unerreichbare Rohstoffe, sondern auch neue Handelswege wie die Nordostpassage.
Ebbe Volquardsen Und hier wollen die EU und ihre Mitgliedstaaten eifrig mitmischen. Laut der Arktis-Strategie von 2022 ist die Region in Bezug auf den Klimawandel, Rohstoffe und geostrategische Fragen für die Europäische Union von großer strategischer Bedeutung. Doch was ist eigentlich die Arktis? Eine eindeutige Definition ist schwer, da es sich nicht um einen klar abgegrenzten Kontinent handelt.
Ebbe Volquardsen In der Regel wird die Arktis als das Gebiet nördlich des nördlichen Polarkreises definiert. Neben dem Nordpolarmeer gehören dazu die Gebiete von acht Staaten. Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Kanada, die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation. Aber nicht Grönland. Denn als autonomer Teil des Königreichs Dänemark besitzt es keine vollständige staatliche Souveränität.
Ebbe Volquardsen Mein Name ist Felix Jeitner und in der heutigen Episode spreche ich mit Ebbe Volkwarzen über die Geopolitisierung der Arktis. Ebbe ist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und lebte als Professor für Kulturgeschichte zehn Jahre in Nug, der Hauptstadt von Grönland. Er hat zur Kolonialgeschichte Grönlands, der Politik der europäischen Arktis-Staaten in der Region und den aktuellen politischen Entwicklungen geschrieben und geforscht.
Ebbe Volquardsen Gemeinsam sprechen wir darüber, welche Interessen die USA in Grönland verfolgen, warum sich die EU an der Militarisierung der Region beteiligt, anstatt mit aller Macht den Klimawandel zu bekämpfen und wie Russland und China auf diese Entwicklung reagieren. Zum Schluss dann noch ein kurzer Hinweis. Wenn euch das Thema weiter interessiert, dann werft gerne einen Blick in die Show Notes. Dort findet ihr Links zu Abyss-Texten, der EU-Arktis-Strategie und einen aktuellen Text, der die Perspektive der dänischen Linken auf die Grönland-Problematik zeigt.
Ebbe Volquardsen Hallo Ebbe, ich begrüße dich herzlich im Podcast Weltunordnung.
Felix Jaitner Hallo und vielen Dank für die Einladung.
Ebbe Volquardsen Ebbe, du bist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und hast fast zehn Jahre als außerordentlicher Professor für Kulturgeschichte in Nuuk gelebt. Das ist die Hauptstadt von Grönland. Woher kommt eigentlich dein Interesse für die Arktis und wie hat dein Leben dort deinen Blick auf die Region verändert?
Felix Jaitner Ich gehörte vor inzwischen noch einigen Jahren damals am Nordeuropa-Institut in Berlin an der Humboldt-Universität zu einem kleinen Kreis von SkandinavistInnen, die sich begannen für die skandinavische Kolonialgeschichte zu interessieren. Das kam vielleicht auch aus so einem gewissen Unbehagen heraus, dass an diesen Nordeuropa- und Skandinavistik-Instituten immer so eine gewisse Verklärung des Nordens als eine besonders vorbildliche Region stattgefunden hat.
Felix Jaitner Wir kennen all diese Stereotype Skandinavien als Vorbilder in Sachen Gleichberechtigung, Menschenrechte. Und bei uns kam das so ein bisschen mit den Unbehagen über die damals um sich greifenden Schärfungen der Asylpolitik und vor allem in Dänemark, dass wir auch begannen, ja mal zu fragen, woher kommt denn das eigentlich, dass man ja doch so einen recht virulenten Nationalismus da beobachten konnte.
Felix Jaitner Und ja, da fiel der Blick auf die Kolonialgeschichten dieser Gesellschaft. Inzwischen ist dieses Thema ja innerhalb der Nordeuropaforschung völlig Mainstream. Also alle, die sich mit diesen Ländern beschäftigen, beschäftigen sich auch mit deren Kolonialgeschichte und den Schwierigkeiten, die die skandinavischen Gesellschaften haben, diese aufzuarbeiten.
Felix Jaitner Aber damals war das eben noch relativ neu und nach einigen Stationen an verschiedenen Universitäten in Deutschland fand ich diese Ausschreibung genug für eine unbefristete Stelle. Das ist ja in der Akademie relativ attraktiv und so blieb ich dann fast zehn Jahre dort und habe das große Privileg gehabt, eben die Welt aus der Perspektive derjenigen zu betrachten, die eben normalerweise als das andere fungieren im Diskurs und eben auch Gründer in einer Zeit zu erleben, wo, ja ich würde so weit gehen zu sagen, die ganz großen.
Felix Jaitner Die Herausforderungen globaler Art wirklich in einer Nussschale an einem Ort zu erleben sind, vom Klimawandel bis hin zu der Frage der kritischen Rohstoffe, eben der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte, wie wir mit den Gesellschaften des globalen Südens umgehen, zu den Grönland-Paratapfen, was hier auch gehört, und eben auch die Emanzipationen, Indigener Bevölkerung, die sich eben nicht mehr nur abbilden lassen, sondern vermehrt ihre Stimme erheben und selber definieren wollen, wie sie gesehen werden und auf ihre Geschichte blicken.
Ebbe Volquardsen Jetzt hast du ja bereits wichtige Themen angesprochen, über die wir heute sprechen wollen. Also zum einen den Klimawandel, der die Arktis natürlich extrem prägt, die Rolle von Kolonialisierung, Dekolonialisierung und Selbstbestimmung und auch die Frage von Geopolitik. Denn in der Arktis verschärfen sich seit einiger Zeit die Spannungen und exemplarisch zeigt sich das an den US-Annexionsforderungen gegenüber Grönland.
Ebbe Volquardsen Ich würde dazu noch mal kurz ausholen wollen, bereits während seiner ersten Amtszeit wollte US-Präsident Donald Trump Grönland annektieren. Und damals hielten das viele für eine absurde Forderung. Doch nach der Wiederwahl hat Trump seine Forderung ja sogar noch mal verschärft. Jetzt würde mich aus deiner Perspektive interessieren, was sind eigentlich die Hintergründe des US-Vorgehens und welche sicherheitspolitischen Ziele werden damit verbunden?
Felix Jaitner Also seit 2019 hat Donald Trump diese Annexionsfantasien immer wieder vorgetragen. Zwischendurch war er ja vier Jahre nicht im Amt, da wurde es stiller. Aber die Situation, in der sich Grönland befindet, mit einer Großmacht, die es sich einverleiben will, die besteht schon seit sechs Jahren und entsprechend haben sich auch Dynamiken zwischen diesen drei Akteuren, Grönland, den USA auf der einen Seite, aber vor allem auch Dänemark auf der anderen entwickelt.
Felix Jaitner Ich habe mich damals 2019 schon darüber gewundert, mit welcher Leichtigkeit europäische Medien diese absurd erscheinenden Forderungen aufgegriffen haben. Im Grunde wurden sie sehr viel ernster genommen. Da wusste man auch damals schon, dass es hier um vieles geht. Aber ich habe mich damals zu der These verleiten lassen, inzwischen sehe ich mich völlig darin bestätigt, 2019 hat Donald Trump den Grönländern ohne es zu wollen einen indirekten Gefallen getan.
Felix Jaitner Indem er eben den geopolitischen Wert Grönländers unterstrichen hat und auf diese Weise den Grönländern, die immer als Empfänger von altruistischen Gaben, sozusagen von allen Hosen seitens Dänemarks dargestellt wurden und auf diese Weise auch ermündigt und geschwächt wurden in ihrer Verhandlungsposition.
Felix Jaitner Auf einmal standen die als die Starken da, die von der ganzen Welt umworben werden. Und das, was Dänemark an den grönländischen Haushalt jährlich zahlt, wurde als das dargestellt, was andere Nationen auch bereit wären, für eine geopolitische, militärische Präsenz in Grönland zu zahlen. Und auf diese Weise haben wir sechs Jahre erlebt, wo Dänemark endlich realisiert hat, wie wichtig Grönland ist und Grönland ja diesen Zugewinn an Verhandlungsmacht geschickt ausgenutzt hat, um von Dänemark zwei Dinge einzufordern.
Felix Jaitner Auf der einen Seite die längst überfällige Anerkennung oder Aufarbeitung kolonialer Übergriffe bis in die Gegenwart und auf der anderen Seite mehr Mitsprache auch in außenpolitischen Dingen. Die Situation jetzt seit einem Jahr und insbesondere seit. In den letzten drei Monaten ist natürlich noch einmal eine ganz andere, da wurde mit Militär gedroht, da herrscht Angst.
Felix Jaitner Aber trotzdem gibt es immer noch Stimmen im Gründer, die selbst heute sagen, vielleicht sind wir am Ende die glücklichen Gewinner dieser geopolitischen Ungeheuerlichkeit, weil wir endlich eine gleichberechtigte Stimme haben und als ebenbürtige Partner in der Welt und nicht zuletzt von Dänemark wahrgenommen werden.
Ebbe Volquardsen Lass uns aber nochmal auf die US-Perspektive schauen und die geopolitischen Interessen aus US-Sicht. Warum Grönland?
Felix Jaitner Klar ist, dass Grönland einen großen geopolitischen Wert hat, aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen in der Welt. Das ist nicht erst seit gestern so. Wenn man eine Linie zeichnet auf dem Globus zwischen den großen Städten an der Ostküste der USA und Moskau, dann geht diese Linie direkt durch den Norden von Grönland.
Felix Jaitner Und das galt so auch schon im Kalten Krieg und zuvor im Zweiten Weltkrieg, wo nicht Russland der gefürchtete Aggressor war, sondern Nazi-Deutschland. Deswegen haben die USA Russland im Zweiten Weltkrieg besetzt, um dort einen Flughafen zu installieren. Und nach dem Zweiten Weltkrieg, als es denn der Kalte Krieg war und die Russen, die als Gefahr wahrgenommen wurden, hat man eine weitere Basis ganz im Norden errichtet, die Thule Air Base, heute Pitcho Fix Base Base.
Felix Jaitner Es steht völlig außer Frage, dass Grönland unglaublich wichtig ist für Frühwarnsysteme, für Raketenabwehr. Das ist einfach dieser Fleck. Wo eben bis zum Zweiten Weltkrieg nichts war, der als eine Station auf dem Weg zwischen den USA und Europa benötigt wird, um den amerikanischen Kontinent zu sichern.
Felix Jaitner Bloß, es besteht, wie gesagt, 1951 ein so weitgehendes Verteidigungsabkommen, dass die Amerikaner schon heute so gut wie alles tun und lassen könnten militärisch in Burland. Der Fakt ist, sie haben es nicht getan. Sie haben das getan, was sie Dänemark jetzt in diesem diplomatischen Schaukampf immer vorwerfen.
Felix Jaitner Sie haben die Arktis vernachlässigt. Sie hatten einst 10.000 Soldaten in Schule und jetzt sind es noch 300. Sie haben zahlreiche Militärbasen in Grönland beschlossen. Alles das könnten sie sofort wieder öffnen. Dazu kommen die seltenen Erden, die kritischen Rohstoffe. die es in der Tat in Grönland in großen Mengen gibt, nur sie liegen unter dem Eis.
Felix Jaitner Was man zu Grönland wissen muss, ist, dass es ein Land ist, wo kein Ort mit einem anderen durch eine Straße verbunden ist. Man kann also nicht von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf mit dem Auto oder mit dem Zug fahren. Man muss entweder mit dem eigenen Boot fahren oder man muss Inlandsflügel kaufen. Und die Rohstoffe liegen natürlich nicht in den Vororten von Nug, sondern irgendwo in der Landschaft, sodass man erst unglaubliche Investitionen in Infrastruktur vornehmen müsste, um sie überhaupt heben zu können.
Felix Jaitner Sprich Zufahrtsstraßen und Häfen und dergleichen anlegen. und es müsste natürlich auch die Arbeitskraft ins Land geholt werden, die das überhaupt durchführt. Insofern, sehr, sehr große Investitionen sind von Möten. Aber auch diese sind von den Grönländern ja gewünscht. Denn Grönländern, da kommen wir vielleicht noch darauf zurück, will seine Wirtschaft, seine Abhängigkeiten diversifizieren und wirbt seit Jahren dafür, dass unter anderem die USA in diese Projekte mit Grönländern investieren, damit Grönländern Wirtschaftskraft generiert, um die Unabhängigkeit, die das Ziel der meisten Menschen in Grönländern ist, auch ökonomisch finanzieren zu können.
Felix Jaitner Das hätten die Amerikaner seit jeher tun können. Das Dritte sind die Seewege. Ja, das ist alles noch ein bisschen mehr Zukunftsmusik. Aber ja, das Eis schmilzt und die Nordwestpassage wird vermutlich in absehbarer Zeit schiffbar sein. Und das geht durch gröningische Gewässer. Auch das ist von großem Interesse. Nur all dies wäre denkbar für die Amerikaner.
Felix Jaitner Ohne dass es jetzt eine Alektion sein muss. Insofern bleibt tatsächlich das, was wir vor einigen Jahren noch als völlig absurd interpretiert haben, nämlich der Wunsch Donald Trumps, das Territorium der USA zu vergrößern. Aus reinen imperialistischen Beweggründen oder aus dem narzisstischen Gedanken, dass er als einen Präsident in die Geschichtsbücher eingehen möchte, der tatsächlich das Territorium der USA erweitert hat.
Ebbe Volquardsen Das heißt, du würdest wirklich sagen, dass es hier um territoriale Erweiterungen geht als Ziel. Weil ich habe mich gefragt, was ist durch das sogenannte Grönland-Abkommen Ende Januar 2026 eigentlich neu? Wenn es tatsächlich so ist, wie du ja auch bereits gesagt hast, dass die USA sicherheitspolitisch weitgehend freie Hand in Grönland haben.
Ebbe Volquardsen Wenn es eigentlich auch so ist, dass es ökonomisch ein großes Interesse seitens Grönlands an Kooperationen gibt, wenn selbst Rohstoffausbeutung nicht unbedingt auf massiven Widerstand stößt. Das heißt, was ist eigentlich das Neue an dem informellen Abkommen und welche Verpflichtungen gehen damit einher?
Felix Jaitner Es gibt ja gar kein Abkommen. Das ist in den europäischen Medien oft auch falsch dargestellt worden. Es gab ein Gespräch mit Marc Rütte, der ja nicht befugt ist, im Namen Grönlands oder Dänemark zu sprechen. Und dann gab es etwas, das hat mich in der Tat auch überrascht, nach der Rede von Trump in Davos, wo dieser nach Wochen des Psychoterrors, so muss man es beschreiben, also ich habe mit vielen Menschen in Grönland besprochen, die wirklich nächtelang nicht beschlafen haben, weil sie nicht wussten, was passieren würde, und weil man die Meldungen von Trump nachts auf den sozialen Medien verfolgen wollte.
Felix Jaitner In Davos ist er dann zurückgerudert und hat zumindest mal vorläufig den Einsatz von militärischer Gewalt ausgeschlossen. Aber weiter sind wir nicht und dann haben sich die Medien die Medienaufmerksamkeit wieder anderen Schauplätzen zugewandt aber die Krise ist ja mit nicht vorüber es gibt jetzt, darüber haben in Dänemark einige ein bisschen geschmunzelt eine Arbeitsgruppe Arbeitsgruppe klingt ja immer so schön in, In Dänemark ist das ähnlich wie in Deutschland.
Felix Jaitner Man weiß, Arbeitsgruppen werden immer dann eingerichtet, wenn man ein Thema in die Länge ziehen will. Da wird viel diskutiert und Kaffee getrunken und am Ende nichts entschieden. Man hat mal darüber gesprochen, dass sich die Amerikaner auf so etwas einlassen. Das wurde in Dänemark ein bisschen ironisch kommentiert.
Felix Jaitner Wir haben unsere schwerste Waffe gezogen, die Arbeitsgruppe. Das heißt, wir haben uns Zeit gekauft. Das ist ja durchaus möglich, dass das auch gelungen ist. Aber es geht weiter. Die Art und Weise, wie das kommentiert wird, da erkenne ich dann vielleicht doch eine Strategie. Die Amerikaner um Trump herum haben, ihre hybride Kriegsführung sieht inzwischen so aus, dass man die anderen Akteure, sprich Dänemark und Grönland vor allem, aber wahrscheinlich Dänemark, in einem Zustand der dauerhaften Verunsicherung halten möchte.
Felix Jaitner Sobald die Dänen sagen, wir haben jetzt ja ein gutes Gespräch, und der Arbeitsgruppe sagt, der J.D. Wenz, ja, wir haben gute Gespräche. Und es geht ja um die Akquise oder die Modalitäten der Akquise Grönlands. Also es sind völlig andere Töne.
Ebbe Volquardsen Ich finde es ja interessant, dass du gerade im Hinblick auf das Vorgehen der USA immer wieder von hybrider Kriegsführung sprichst. Das ist ja etwas, was man im europäischen Diskurs häufig mit Russland assoziiert.
Felix Jaitner Wir müssen auch immer bedenken, es gibt da drei Akteure. Und Dänemark und Grönland haben völlig unterschiedliche Interessen, was die Zukunft dieser Kooperation angeht. Dänemark will Grönland behalten, die Amerikaner wollen Grönland haben und Grönland will keines von beiden, Grönland möchte selbstständig werden.
Felix Jaitner Und als dieser Midi-Akteur ist es ihnen ganz gut gelungen, die beiden anderen größeren gegeneinander auszuspielen und relativ viel in Richtung mehr Autonomie zu erreichen. Und die Frage ist jetzt, wie weit können sie dieses Spiel noch treiben und vielleicht sogar Dänemark zu einem neuen Abkommen bewegen, das wirklich revolutionär wäre, nämlich ein Abkommen, wo Dänemark etwa ein unabhängiges Grönland weiter fördert, aber unanerkehrt. Nein.
Felix Jaitner Wir sind keinen Schritt weiter als noch vor wenigen Wochen, was vermutlich den Ausschlag gegeben hat, dass Trump auf einmal mildere Töne anschlug, ist ja etwas ganz anderes. Die Umfragen zu den Wahlen, zu den Midterm-Elections. Wir erinnern uns, da gab es die schrecklichen Morde, das muss man ja sagen, der zwei Demonstranten in Minneapolis, die auch im Trump-Lager nicht gut angekommen sind.
Felix Jaitner Und das ganze zeitgleich mit dem Grönland-Thema, was in den Umfragen auch ein Verlierer-Thema für Trump ist. Wenn die Demokraten vielleicht sogar den Senat gewinnen, Dann hatten Dänemark und Grönland die Chance, weil zusätzliche Zeit tatsächlich ihr Verhältnis, was ja in den letzten Jahren wesentlich gleichberechtigter geworden ist, nicht zuletzt dank des externen Brugs durch Trump in Bahnen zu leiten, die vielleicht sogar in Grönland mehrheitsfähig wären.
Felix Jaitner Sollte die Republikaner die Mittwochs gewinnen, dann wird das Gleiche von vorne losgehen. Dann wird Donald Trump, und das ist jetzt meine gewagte Prognose, aber er hat es bereits zweimal getan, direkt vom Weihnachtsfest, wenn alle Leute sich nach Ruhe und Frieden sehnen, wiederkommen und am 22. Dezember die Annexion Grönlands fordern und somit in dieser Zeit, wo alle Menschen.
Felix Jaitner Diplomaten unter dem Weihlassbaum sitzen, die großmögliche Verunsicherung schaffen.
Ebbe Volquardsen Ich finde es ja interessant, dass du davon ausgehst, dass das Grönland-Thema aktuell vielleicht ein bisschen niedrigschwelliger köchelt, aber nichtsdestotrotz weiter zwischen der EU, Dänemark und den USA steht und eben damit ja auch ein potenzieller Sprengsatz für die weiteren transatlantischen Beziehungen ist.
Ebbe Volquardsen Dann finde ich auch interessant, dass du ja aus sicherheitspolitischer Perspektive erstmal schilderst, Da gibt es gar keine Notwendigkeit für die USA, weitere Zugriffsrechte auf Grönland zu erhalten und was wir ja auch sehen, es gibt Berichte über der US-Regierung nahestehende Unternehmer, die wirtschaftliche Interessen in Grönland verfolgen.
Ebbe Volquardsen Ein Beispiel wäre der US-Milliardär Ronald Lauder, Erbe des SD Lauder, Kosmetikimperiums und langjähriger Freund von Präsident Donald Trump. Es gibt auch bekannte Tech-Milliardäre, Sam Altman von OpenAI oder auch in Deutschland sehr bekannt Peter Thiel, die alle nachgewiesene Interessen im Rohstoffsektor haben.
Ebbe Volquardsen Das heißt, ich finde, Grönland steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren abzeichnet. Wir erleben das Ende der neoliberalen Globalisierungsordnung, das heißt die Abkehr von Freihandel, Bedeutungsverlust von internationalen Finanzorganisationen wie der WTO und dem IWF und stattdessen beobachten wir eine Überlappung von staatlichen Sicherheitsinteressen und wirtschaftlichen Interessen.
Ebbe Volquardsen Und hier steht Grönland im Mittelpunkt einer solchen Entwicklung und damit ja auch die Arktis. Lass uns jetzt aber vielleicht in einem zweiten Schritt ausgehend von der Entwicklung in Grönland auf die EU schauen. Denn ich finde die Reaktion der EU und speziell ja auch der dänischen Regierung sehr diskussionswürdig.
Ebbe Volquardsen Du hast ja bereits gesprochen über die koloniale Herrschaft Dänemarks über Grönland und damit einhergehen ja auch Verbrechen an der grönländischen Bevölkerung. Und meines Erachtens spielten die in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle. Also in der öffentlichen Diskussion in Europa und auch in Deutschland, müsste ich dazu sagen.
Ebbe Volquardsen Steht der Fall Grönland nicht exemplarisch für die fehlende Auseinandersetzung mit der eigenen Kolonialgeschichte?
Felix Jaitner Ja, ich könnte nicht mehr zustimmen. Das ist der absolut springende Punkt. Und meine These, mit der ich ja seit Wochen durchs Land ziehe, ist ja auch, dass man diese geopolitische Dynamik nicht verstehen kann, wenn man nicht gleichzeitig die erinnerungspolitische oder die dekolonisierungspolitische Dynamik betrachtet.
Felix Jaitner Dänemark tut sich wie alle europäischen Länder unglaublich schwer damit, seine eigene Kolonialgeschichte anzuerkennen und aufzuarbeiten. Da sind sie weder besser noch schlechter als alle anderen europäischen Länder. Die Diskurse ähneln sich wirklich auf frappierende Art und Beinsinn. Das ist unglaublich interessant. Und was den dänischen Fall inzwischen prominenter macht, ist, dass es eben immer noch diese Verbindung gibt.
Felix Jaitner Dass es also nicht nur irgendwie Nachkommen von Kolonisierten sind, die heute eine Anerkennung und Reparation fordern, sondern dass es immer noch ein quasi postkoloniales, ganz reales Verhältnis gibt, wo GrönländerInnen, die etwa nach Dänemark ziehen, wovon es viele gibt, noch heute... Ja, keine Rechtssicherheit genießen und eben systematischen Rassismus fürchten, etwa bei der überdurchschnittlich hohen Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder ihnen von staatlichen Institutionen weggenommen werden aufgrund kultureller Ressentiments.
Felix Jaitner Wir berichten Studierende mit Kindern etwa, dass sie sich nicht trauen, nach Dänemark zu gehen, weil sie Angst haben um ihre Kinder. Das ist also nicht etwas Theoretisches, sondern ganz real. Und diese Maßnahmen, die erinnern doch stark an die assimilationspolitischen Maßnahmen der 60er, 70er Jahre. Das war diese Zeit, wo Grönland keine wirkliche Kolonie mehr war, sondern als gleichberechtigte Provinz in den dänischen Staat eingegliedert wurde.
Felix Jaitner Und das wurde damals als Dekolonisierung verkauft den Vereinten Nationen, die dem zugestimmt haben. Aber in dieser Zeit musste eben diese halb nomadische Robbenfängergesellschaft, die Grönland damals noch war, in Windeseide. In Lebensstil fragen, an den sich etablierenden dänischen Wohlfahrtsstaat angepasst werden.
Felix Jaitner Das Ganze geschah nicht, indem man die Grönländer mitgenommen hat, was diese gehofft hatten. Die waren nämlich ursprünglich durchaus von Modernisierung, aber wollten natürlich selber Anteil an der Art und Weise haben, wie diese Modernisierung durchgeführt wurde. Aber es kamen 10.000 dänische Handwerker ins Land, Männer allein, wo kann man sich denken, was da passiert, die diese ganzen Dinge gebaut haben, und die Krankenhäuser und die Häfen und so weiter.
Felix Jaitner Und die Grönländer wurden nicht beteiligt an diesen Prozessen und erkannten erstmals, dass eben das Assimilationsversprechen, wie viele postkoloniale Völker erkennen mussten. Nicht zur Gleichberechtigung führte. Also man kann sich noch so viel Mühe geben, auf dieser vorgestellten zivilisierungsmissionarischen Hierarchie aufzusteigen und sich dem Westen anzugleichen.
Felix Jaitner Es gibt keine Gleichberechtigung und das haben die Grönländer in den 60er, 70er Jahren erleben müssen, am eigenen Leibe diese ganzen Maßnahmen, wo Kinder nach Dänemark verschleppt wurden, um sie zu einer dänischsprachigen Elite heranzuziehen und dann eben der Spiralenskandal, der ja doch wirklich auch, muss man sagen, durch die europäischen und amerikanischen Medien gegangen ist, wenn man das verfolgt hat, wo der Hälfte aller gebärfähigen jugendlichen Frauen ohne deren Zustimmung oder ohne deren informiertes Wissen eine auch für ihre Körper auch völlig unpassende Spirale eingesetzt wurde.
Felix Jaitner Um das Bevölkerungswachstum zu minimieren, wie es damals hieß. Aber das sind ja Übergriffe, deren Systematik sich die grönerische Bevölkerung erst in den letzten Jahren selbstbewusst geworden ist. Es ist nicht nur, dass Donald Trump... Geschafft hat, Grönlands Wert darzustellen, geopolitisch. Gleichzeitig fand ja auch noch die Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter statt, die eine Bewusstwerdung in Grönland auch ausgelöst hat, dass das, was Schwarze etwa in den USA, aber eben auch vor allem Indigene in den USA, in Neuseeland, in Australien, nicht zuletzt in Kanada erfahren haben, in der Art und Weise dem ähnelt, was die älteren Generation in Gründland erfahren hat.
Felix Jaitner Leute in unserem Alter oder etwas älter berichten mir, dass sie selber erst lernen mussten oder verlernen mussten, nicht mit einem internalisierten Minderwertigkeitsgefühl, auf ihre eigene Kultur zu blicken und eben diese Kritik artikulieren zu können, auch wenn sie sofort als... Auf Müpfigkeit und Undankbarkeit versucht wird, ja, stumm zu scheiden oder eben als unangemessen zu diffamieren.
Felix Jaitner Man muss sich vorstellen, in diesen fünf Jahren, von denen wir hier sprechen, hat es nicht nur Black Lives Matter gegeben, hat es nicht nur Donald Trumps Allektionsfantasien gegeben, auch das Internet hat in Grönland insofern Einzug gehalten, als dass man streamen kann. Als ich da hingezogen bin, konnte man zwar im Internet surfen, aber man musste für jedes Megabyte extra noch bezahlen, es gab keine Flatrate also man konnte kein YouTube gucken oder man konnte nicht den ganzen Tag auf Instagram unterwegs sein sprich, die jungen Leute haben damals noch dänisches Fernsehen abends geguckt und das ist eine Entwicklung, die in 5-6 Jahren völlig umgekehrt war also heute schaut keiner mehr dänisches Fernsehen,
Felix Jaitner sondern man schaut das, was auf YouTube halt ans Interessant sich darstellt und das sind natürlich eher Geschichten von Native Americans und Kanadiern und das schafft auf einmal ein ganz anderes kulturelles Archiv, Mette Friedrichsen, die Ministerpräsidentin Dänemark, die ja schon sehr lange im Amt ist, hat es wirklich begriffen, dass sie, wenn sie Grönland in der Union, in dem Staatsverbund halten will, und das ist im Interesse Dänemark natürlich.
Felix Jaitner Den Grönländern entgegenkommen muss. Es hat ja diese Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte gegeben. Der Diskurs ist heute immer noch rassistisch, aber verglichen mit vor fünf Jahren ist es ein unglaublicher Fortschritt, der da erzielt wurde. Es hat offizielle Entschuldigungen gegeben, sowohl für die entführten Kinder als auch für den Spiralenskandal.
Felix Jaitner Und Dänemark bewegt sich tatsächlich zu etwas hin, ohne dass sie daraus ein großes Ohai machen, was man eine Föderation nennen könnte, wo Grönländer und Ferringer nebeneinander drei unabhängige Völker repräsentieren. Denn dieser externe Druck von Trump hat Dänemark wirklich in eine Position manövriert, wo sie die schlechtesten Karten haben in diesem Dreierspiel, wo sie von beiden Seiten gepresst oder gedrängt werden und eigentlich jeder grönländischen Forderung nachgeben müssen, wobei ich die grönländischen Forderungen für angemessen halte.
Ebbe Volquardsen Du hast ja jetzt bereits schon mehrmals darauf hingewiesen, dass Grönland durchaus Gewinner dieser aktuellen geopolitischen Konstellation ist. Ich würde das gerne nochmal vertiefen. Also wie sehen die Menschen in Grönland eigentlich die Annexionsforderungen der USA, aber auch den sich verschärfenden Konflikt zwischen der EU und den USA?
Felix Jaitner Ja, ich möchte nicht den Eindruck wecken, dass die Menschen, dass die Entwicklungen positiv aufgenommen werden. Das ist eben das Schwierige. Es kann positive Nebeneffekte geben in einer grundsätzlich sehr unerfreulichen Situation. Es ist aber nicht so, wie das manchmal dann auch falsch dargestellt wird, dass sich jetzt die Gründer über diesen Druck von Donald Trump freuen würden. Ganz im Gegenteil.
Felix Jaitner Man muss verstehen, die große Mehrheit der Menschen in Gründern möchte unabhängig werden. Das ist wirklich ein weit verbreiteter Wunsch und daran hat auch Donald Trumps Neo-Imperialismus nichts geändert. Unabhängig nicht im Sinne von, dass man nicht Abhängigkeiten mit anderen Ländern hat. Das ist klar, das wird Grönland immer haben als ein Land mit 56.000 Einwohnern.
Felix Jaitner Aber man möchte eben von dieser einseitigen Abhängigkeit von Dänemark weg und seine Wirtschaft diversifizieren, aber eben auch neben Tourismus und den seltenen Erden, den Bergbau, wenn das auf ökologische und sozialverträgliche Art und Weise stattfindet, ist man da sehr offen. Aber man möchte eben mit den Kanadiern, mit den USA und der EU und den Briten und wem auch immer genau solche Beziehungen pflegen, wie auch mit Dänemark.
Felix Jaitner Auch die Politiker sind ja auf einmal, so gut sie das machen, in eine Situation versetzt, dass sie, sie haben bisher keine Außenpolitik betrieben. Eigentlich betreibt Grönland überhaupt keine Außenpolitik, da diese auch laut Selbstverwaltungsgesetz von 2009 noch bei Dänemark liegt. Da sieht man wieder mal, wie weit sich Dänemark auf Grönland hinzu bewegt hat, wenn Dänemark sogar eine grönländische Außenministerin de facto neben sich akzeptiert.
Ebbe Volquardsen Ich würde jetzt im zweiten Teil unseres Gesprächs versuchen, ausgehend von Grönland einen Blick auf die ganze Arktis zu werfen. Die EU und die USA haben sich ja darauf geeinigt, die militärische Präsenz in der Arktis massiv auszubauen. Und der Grund ist immer wieder vermeintliche sicherheitspolitische Bedrohung durch Russland und China.
Ebbe Volquardsen Es gibt jetzt im Rahmen der Arktis-Mission Arctic Sentry das Ziel, dass die NATO ihre Truppenpräsenz erhöht. Großbritannien verlegt jetzt seine Flugzeugträgerkampfgruppe in die Region. Deutschland wird sich auch beteiligen, unter anderem mit Eurofightern. Meine Frage an dich, wie real ist eigentlich die Präsenz von Russland und China in der Arktis?
Felix Jaitner Das kann ich im Einzelnen natürlich nicht beurteilen. Ich kann nur das wiedergeben, was Leute, die sich da besser auskennen, als ich sagen. Chinesische Schiffe, von denen Donald Trump widerspricht, die gibt es dort nicht. Punkt. Es gibt auch kaum ernsthafte Signale aus China, sich in Wirtschaftsprojekten zu engagieren.
Felix Jaitner Denn eines gab es, das zeigt vielleicht diese gesamte Machtkonstellation noch einmal, eine chinesische Firma hatte die Ausschreibung gewonnen, das zivile Flughafenterminal für den neuen internationalen Flughafen in Nub zu bauen. Und das haben die Amerikaner verhindert. Also da sind die Amerikaner nach Kopenhagen gegangen und haben gesagt, ihr Dänen, das müsst ihr verhindern, das wollen wir nicht. Und dann haben die Dänen das Grönland zu ganz günstigen Konditionen das Geld zur Verfügung gestellt.
Felix Jaitner Da sieht man mal wieder dieses Machtspiel. Amerika möchte die Chinesen nicht in Grönland haben, droht den Dänen und die Dänen müssen Grönland ein Geschenk machen und die Grönländer profitieren und haben einen schönen neuen Flughafen. Aber darüber hinaus hat es keine chinesischen Investitionen gegeben.
Felix Jaitner Man ist in Grönland vielleicht ein bisschen unvorsichtig gewesen, obwohl man kann es auch selbstbewusst nennen, zu sagen, wir heißen alle Investoren kommen, die mit uns ernsthaft Projekte durchführen wollen, auch die Chinesen. Allein die Chinesen sind nicht gekommen, ebenso wenig wie die Amerikaner. Ja, Russland, glaube ich, rüstet wohl in dem Teil der Arktis auf, der eben nördlich an Russland grenzt, vor allem vielleicht auch im Bereich Svalbard, Spitzbergen, Norwegen, diese arktische Inselgruppe da nördlich von Norwegen.
Felix Jaitner Aber auch in grönländischen Fahrwässern sind jetzt russische Boote auch nicht in dem Umfang zumindest vorhanden, wie das dargestellt wird. Die Fähringer, das sind ja die Dritten da in diesem Staatsverbund, die kleinen Fährur-Inseln da zwischen Norwegen, Schottland und Island, die haben wiederum noch einen Konflikt, dass sie mit Russland Fischereihandel betreiben.
Felix Jaitner Das wird aus den USA auch nicht gern gesehen. Und ich vermute mal, die Strategie der Europäer da, Sie versuchen natürlich dem nachzukommen, was die Vereinigten Staaten von Ihnen fordern, nämlich aufzurüsten, die 5% in der Verteidigung zu erreichen. Ja, aber ich glaube, Sie tun auch etwas anderes, was Sie natürlich nicht laut sagen, indem Sie zum Beispiel in Grönland präsent sind.
Felix Jaitner Sagen Sie natürlich, Sie wollen die Chinesen und die Russen abschrecken und so wird Donald Trump entgegenkommen. Sie wollen vor allem auch die Amerikaner abschrecken.
Ebbe Volquardsen Ich finde den Punkt sehr interessant und würde den nochmal gerne aufgreifen. Also ich finde, es wird deutlich, die Militarisierung der Arktis ist ja auch keine neue Entwicklung, sondern eher eine Beschleunigung bereits im Gange befindlicher Prozesse. Also 2022 hat die EU ihre Arktis-Strategie verabschiedet und die hat vier wesentliche Kernpunkte.
Ebbe Volquardsen Zum einen wird die Arktis als geopolitischer Raum definiert. Es wird zweitens festgestellt, man braucht eine stärkere Sicherheitsdimension, in der der Schutz von kritischer Infrastruktur gewährleistet wird und viertens auch militärische Aktivitäten stärker nachverfolgt werden können. Und jetzt frage ich mich sozusagen vor dem ganzen geopolitischen Gemängel, das du gerade skizzierst, in der die EU und die USA ja auch zunehmend widersprüchliche Interessen haben, gerade in der Arktis, in der China und Russland zumindest als eigenständige Akteure agieren, wird die Arktis eigentlich zu einer neuen Frontlinie in einer sich immer deutlicher abzeichnenden Blockkonfrontation? Oder ist das übertrieben,
Felix Jaitner Wenn man sich so wirklich mit einer Region in erster Linie beschäftigt, neigt man manchmal auch dazu, ihre Wichtigkeit zu überschätzen, aber dass die Arktis einer der ganz, ganz großen, ja, wie hast du es genannt, Frontiers, der Zukunft sein wird. Ja, davon bin ich inzwischen überzeugt. Es ist zumindest nicht mehr dieser konfliktlose Raum, auch durch den arktischen Rat, wo sogar Russen und Amerikaner bis zuletzt miteinander gesprochen haben.
Felix Jaitner Das ist wahrscheinlich ein von einem Mal vorbei. Aber man fragt sich inzwischen ja, wo auf der Welt es solche konfliktarmen Regionen überhaupt noch gibt. Die Arktis gehört eben auch nicht mehr dazu. Und ja, da stehen wir dann auch wieder vor dem großen Problem und da werden die Gründer dann auch aus einem schönen Traum erwachen, denn die Präsenz von internationalem Militär, auch wenn es zu ihrer Verteidigung ist, ist etwas, woran man in Gründer nicht gewöhnt ist und dem man auch äußerst kritisch gegenübersteht.
Felix Jaitner Denn man kann es ja nicht oft genug erwähnen, es handelt sich bei den Grundländern um ein indigenes Volk, das eine schreckliche Geschichte der Übergriffigkeit seitens sich als überlegen gerierenden Europäern am eigenen Leib erfahren hat und natürlich westlichen Militär zu Recht mit Skepsis begegnet.
Ebbe Volquardsen Ich würde jetzt mit dir zum Abschluss unseres Gesprächs gerne auch nochmal vorausblicken, wie sich die Arktis vor dem Hintergrund der jetzt skizzierten geopolitischen Verschärfung entwickeln wird. Aus meiner Sicht stellt es sich so dar, dass die sich herausbildende multipolare Weltordnung immer stärker geprägt wird von dem Bedeutungsverlust etablierter internationaler Organisationen, wie zum Beispiel der Vereinten Nationen.
Ebbe Volquardsen Und dadurch werden auch anerkannte multilaterale diplomatische Formate ersetzt durch direkte Verhandlungen zwischen den Großmächten, aber auch zwischen Großmächten und kleineren Ländern. In der Arktis gab es durchaus auch wichtige internationale Organisationen, wie zum Beispiel den Arktischen Rat, der auch eine wichtige Rolle gespielt hat bei der Regulierung internationaler Fragen und auch arktisübergreifender Themen.
Ebbe Volquardsen Und ich finde das auch deshalb wichtig, weil neben den arktischen Anrainerstaaten auch indigene Völker im Arktischen Rat vertreten sind. Was glaubst du denn, könnte der Arktische Rat auch konkret leisten, um geopolitische Spannungen in der Arktis zu vermeiden?
Felix Jaitner Ich bin da skeptisch, ob sich der arktische Rat wieder in absehbarer Zeit zu dem zusammenfinden kann, was er einmal war, nämlich dieses wunderbare Forum aller Arktis an Rheiner Staaten inklusive Russlands und der Vertreter der indigenen Völker in diesen Bereichen, also der Inuit und der Samen. Und die Inuit, die ICC, das ist die Gemeinschaftsorganisation der Inuit in Kanada, Alaska, Nordenland und Schukotka, dem östlichsten Teil Russlands, die hoffen sehr darauf, dass das wieder klappt, weil sie eben auch diese über vier höchst unterschiedliche Staaten verteidigte Gemeinschaft wiederbeleben wollen.
Felix Jaitner Zumindest nicht wollen, dass globale Krisen jetzt die Spaltung der Inuit intern noch weiter befördern. Ich bin da nicht so optimistisch, dass dieses Forum mit den Amerikanern und den Russen in der jetzigen Form oder ihren jeweiligen jetzigen Machthabern zu einem Forum wieder werden kann, wo eben, auf diplomatische Art und Weise mit dabei mal verhandeln. Vielleicht in der mittelfristigen Zukunft, das wäre wünschenswert, aber ich fürchte, der Arktische Rat ist im Moment vermutlich nicht das Gremium, das diese Konflikte lösen wird.
Ebbe Volquardsen Ich glaube ja schon, dass es auch regional verankerte Organisationen braucht, die zur Regulation von gemeinschaftlichen Fragen, Verwaltung, Austausch und so weiter. Und ich glaube, der Arktische Rat könnte da eine wichtige Rolle spielen. Aber ich finde, im Arktischen Rat zeigen sich ja auch Machtverhältnisse, über die wir die ganze Zeit sprechen.
Ebbe Volquardsen Also Grönland ist kein eigenständiges Mitglied im Arktischen Rat. Das finde ich schon mal bemerkenswert, obwohl die Anrainerstaaten der Arktis dort ja qua ihrer geografischen Lage eigentlich Mitglied sind. Zum Zweiten ist es ja so, dass seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine nur noch Angelegenheiten ohne russische Beteiligung behandelt werden.
Ebbe Volquardsen Und ich würde sagen, das ist ein Problem, weil die russische Arktis der geografisch größte Raum ist und auch am dichtesten besiedelt ist. Das heißt, russische Fragen zur Arktis haben eine gesamtüberregionale Bedeutung und da würde ich sozusagen zwei wichtige Probleme sehen in der Zukunft und in der Gestaltung des Arktischen Rats. Wie siehst du das denn?
Felix Jaitner Genauso. Ein Arktischer Rat ohne Russland macht keinen Sinn und ein Arktischer Rat mit Russland ist zurzeit schwer vorstellbar. Dass Gründenland da kein Mitglied ist, das ist die ständige Situation Grönlands, man ist halt kein eigener Staat. Das sind genau diese Dinge, die jetzt eins nach dem anderen tatsächlich fallen, wie Dominosteine.
Felix Jaitner Also Grönland wird mit Sicherheit irgendwann Mitglied werden im Arktischen Rat. Dann schreibt Bette Frederiksen einen Brief, dass sie das unterstützt und dann muss irgendwie eine Sonderregelung gefunden werden. Das klingt jetzt so lapidar, aber genau diese Dinge meine ich ja geschehen seit Jahren und das ist eben das Revolutionäre, dass sie oftmals auf dänische Initiative hinkommen.
Felix Jaitner Also wir werden irgendwann, wenn sich diese Entwicklung weiter fortspielen lässt, ohne größere Disruption seitens Trumps, dann werden wir irgendwann die paradoxe Situation haben, dass ein de facto unabhängiges Grönland daneben einem unabhängigen Dänemark agiert. Das Einzige, was sie noch nicht realisiert haben, ist der allerletzte Schritt, nämlich die Eigenstaatlichkeit.
Ebbe Volquardsen Was wir jetzt in unserem Gespräch nur gestreift haben, ist ja die Tatsache, dass die Arktis eine der Regionen auf der Welt ist, die am meisten vom Klimawandel betroffen ist. Ich finde ja sehr interessant, die Ideen zur Entwicklung der Nordostpassage, also sozusagen einen nördlichen Seeweg durch das Polarmeer von China über Russland bis nach Europa zu schaffen, einfach aufgrund der Tatsache, dass durch den Klimawandel im Sommer die Region weitgehend eisfrei ist und das ermöglicht beispielsweise intensivierten Handel.
Ebbe Volquardsen Also ein zentrales Interesse Chinas, das ja aus diesem Grund so eine ganze Eisbrecherflotte gebaut hat. Es ist dadurch möglich, verstärkt Rohstoffe in der Region abzubauen. Und gleichzeitig sehen wir aber einen Wandel in den vergangenen Jahren, in dem sich der Fokus der Arktisstaaten verschiebt von Umweltpolitik und Kooperation hin zu Militarisierung und Sicherheitsdenken.
Ebbe Volquardsen Was wären denn aus deiner Sicht notwendige Schritte für eine friedliche Koexistenz in der Arktis? Und wie könnten progressive Kräfte dazu beitragen, dass das umgesetzt wird?
Felix Jaitner Ich erwische mich immer wieder, und da bin ich sicherlich nicht der Einzige, dass man in so einen unglaublichen Pragmatismus verfällt, aber vielleicht ist es genau das, woran wir uns gewöhnen müssen. Wir skizzieren schreckliche Szenarien, schrecklich für unsere Ökosphäre und für die Lebenswege indigener Bevölkerung und versuchen dann trotzdem irgendwie einen pragmatischen Weg zu finden, der aus dieser Misere noch irgendwie eine gangbare Lösung, einen Gewinn erzielt.
Felix Jaitner Wie etwa die Leute, die jetzt sagen, wir müssen das grönländische Wasser kapitalisieren, denn anderswo haben Menschen Durst und die Gletscher schmelzen ohnehin. Diese Weltordnung, von der wir sprechen und mit dieser Überlegenheit von der Regeln passiert, war ja auch eine Weltordnung, die viel Unterdrückung zugelassen hat von eben kolonisierten Gruppen, von Minoritäten, vom globalen Süden, von Indigenen, Von allen, die eben nicht der Norm der westlichen Welt entsprachen.
Felix Jaitner Und wenn es in Grönland heute, und ich denke nicht nur in Grönland, sondern auch in den anderen Regionen, die sich etwa in der BRICS-Gemeinschaft zusammenschließen. Wenn es da heute optimistische Stimmen gibt, die sagen, vielleicht entsteht ja in dieser Zeit, wo die alte Weltordnung verschwindet, auch irgendetwas Neues, wo wir, diejenigen, die in dieser alten Weltordnung keine Stimme hatten.
Felix Jaitner Gehör finden können, wenn wir es denn geschickt angehen. Das ist, glaube ich, auch etwas, was man als Europäer wirklich schwer begreift. Diese Weltordnung, die uns so viel Sicherheit gab, die uns Wohlstand gebracht hat, die uns Bündnisse beschert hat, auf die wir uns zumindest verlassen konnten, auch wenn wir mit den Partnern hin und wieder nicht einer Meinung waren, die erscheint aus dieser indigenen Sicht ja überhaupt nicht so attraktiv.
Felix Jaitner Also die verlieren ja im Gegensatz zu uns überhaupt nichts, was ihnen irgendwie Wohlstand oder Rechtssicherheit oder körperliche Unversehrtheit garantiert hat, sondern sind jetzt vielmehr in einer Situation, wo alles noch viel schlimmer werden kann. Und das fürchten, glaube ich, die meisten Menschen im Grönland.
Felix Jaitner Aber eben auch in einer Situation, wo einiges vielleicht sogar besser werden kann für sie, nicht für die Dänen und die Franzosen und die Deutschen. Die Europäer müssen wirklich lernen, denn da haben sie keine Erfahrung, wenn sie mit den Grönländern und vielleicht den Samen in Nordskandinavien sich alliieren wollen.
Felix Jaitner Dass sie auf einmal indigene Völker an ihrer Seite haben, aus derer Perspektive sich die Sicht auch auf die jüngste Geschichte völlig anders darstellt, als aus der eines Franzosen oder Spaniers oder Deutschen. Die Grönländer sind ja 1985 aus der EU ausgetreten, als sie das konnten, nach der Einführung der Selbstverwaltung 1979.
Felix Jaitner Heute spricht man tatsächlich darüber, wieder einzutreten. Und ich weiß nicht, ob man sich zu einem solchen Schritt durchringen können wird, aber ein Europa, das vielleicht einen ähnlichen Lernprozess durchschreitet, wie das die Dänen in den letzten fünf Jahren getan haben. Und diesem Prozess noch fünf weitere Jahre gibt, also hin, andere Perspektiven nicht nur zu verstehen, sondern auch wirklich als ebenbürtig anzuerkennen und eben Grönland und andere indigene Bevölkerung des Norms fest in seine Gemeinschaft zu integrieren.
Felix Jaitner So eine EU könnte für Grönland vermutlich in der gegenwärtigen Situation ein Partner sein, der. Eine gewisse Sicherheit bietet und im Moment auch sowohl für die Europäer als auch für die Grönländer von Vorteil wäre. Also es ist schon richtig, dass sich die europäische Politik an die Seite Grönlands und auch Dänemark stellt.
Felix Jaitner Aber wenn man das denn so verkauft, wir verteidigen hier dänisches Territorium, dann könnte das genau die Strategie sein, die man sich im Weißen Haus überlegt. Sie wissen ganz genau, welche Äußerungen zu fällen sind, um in Grönland gewisse Sympathien zu erwecken und eben eine Spaltung zwischen Grönland und Dänemark zu verstärken, die ja ohnehin aus berechtigten Gründen vorhanden ist.
Felix Jaitner Man könnte also aus den USA sich dazu versteigen, zu sagen, wir Amerikaner sind die wahren Bewahrer des Selbstbestimmungsrechts der Grönländer und die Europäer sind diejenigen, die da gemeinsam dänisches Kolonialterritorium verteidigen. Deswegen ist es wichtig, aus europäischer Perspektive darauf hinzuweisen, dass es hier um das Selbstbestimmungsrecht Grönlands geht und nicht um das dänische Territorium.
Felix Jaitner Das ist unheimlich zentral, denn in Grönland nimmt man Europa zu Recht nicht als den freien Westen wahr, sondern eben als die anderen Länder, die genauso wie Dänemark es nicht schaffen, ihre Kolonialvergangenheit aufzuarbeiten. Und die USA auf der anderen Seite könnten ja genau das tun, das ist eigentlich meine Vermutung noch immer.
Felix Jaitner Sie könnten den Grönländern ein vergiftetes Angebot machen, nämlich genau diese freie Assoziierung, eben nicht mit Dänemark als großen Partner, sondern mit den USA, wo eben ein unabhängiges Grönland, ganz völkerrechtlich okay, nach Volksabstimmungen und so weiter, sich in ein Abhängigkeitsverhältnis mit den USA begeben könnte, was eben ökologisch und ja auch was die indigene Kultur angeht, wesentlich schlimmere Abhängigkeiten und eben auch ökologische Folgen haben könnte als jene, aus denen man sich gerade befreien möchte.
Ebbe Volquardsen Danke, Ebbe, für das spannende Gespräch. Es war vielleicht nicht unbedingt eine optimistische Note am Schluss, aber ich glaube, das entspricht auch der Lage, in der wir uns befinden. Und ich glaube, in der Arktis zeigen sich sehr gut, wenn auch häufig nicht unbedingt im öffentlichen Bewusstsein verankert, die wachsenden Widersprüche und Spannungen.
Ebbe Volquardsen Und ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir durch das Gespräch zumindest auf diese Entwicklung hinweisen. Und deswegen danke ich dir sehr herzlich für das Gespräch.
Felix Jaitner Ich danke dir auch. Es war sehr tiefgehend und es waren gute Fragen. Dafür herzlichen Dank. Und allen, die zuhören, vielen Dank für das Interesse. I wanna take the blame.