Wieder was gelernt - der ntv-Podcast

High-Protein-Produkte sind vor allem eins: teuer und stark verarbeitet

Donnerstag, 28. Mai 2026 · 11 min

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Shownotes

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Mit dem Protein-Hype lässt sich aktuell viel Geld verdienen. Protein-Produkte werden teuer vermarktet. Sie versprechen Muskeln und sollen beim Abnehmen helfen. Stimmt das? Und wie schädlich ist zu viel Protein im Körper?

Text und Moderation: Caroline Amme (n-tv.de/20654570)
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Mit dem Protein-Hype lässt sich aktuell viel Geld verdienen. Proteinprodukte werden teuer vermarktet. Sie versprechen Muskeln und sollen beim Abnehmen helfen. Aber stimmt das überhaupt? Und wie gefährlich ist es, wenn mal zu viel Protein im Körper landet? Darum geht's in dieser Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt.

Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie auf sämtlichen Podcast-Plattformen und in der NTV-App. Abonnieren Sie den Podcast gern, dann bekommen Sie eine Nachricht, wenn es eine neue Folge gibt. Ich bin Caroline Amme. Hallo und Willkommen. Alle möglichen Produkte werden momentan mit dem Zusatz High-Protein beworben.

Käse, Müsli, Brötchen und sogar Schokoriegel und Eis. Proteinlebensmittel sind im Trend. Früher eher bei Sportlern beliebt, haben sie inzwischen die breite Masse erreicht. High-Protein-Produkte werden als gesunde Alternative zum Dessert oder Snack angepriesen. Es gibt sie auch in konzentrierter Form, als Pulver oder als Fertiggetränk.

Der Markt für proteinreiche Lebensmittel und Getränke wächst, weltweit. Vor allem in den USA, in Großbritannien, in Deutschland, in Frankreich und in Spanien. Dieses Jahr erreicht er voraussichtlich einen Wert von 22 Milliarden US-Dollar. Tendenz steigend. Befeuert wird der Boom durch ein größeres Gesundheitsbewusstsein, aber auch von Abnehmenspritzen wie Osempik oder Veguvi.

Damit sie beim Abnehmen keine Muskeln abbauen, essen die Nutzerinnen und Nutzer oft proteinreiche Lebensmittel. Der Ernährungsexperte Lars Selig vom Universitätsklinikum Leipzig hat noch eine andere Antwort darauf, warum ausgerechnet Proteine gerade so im Trend sind. Der Hype um High-Protein-Produkte oder eiweißreiche Lebensmittel, denke ich, resultiert daraus, dass die anderen Makronährstoffe schon so einen negativen Stempel haben.

Wir haben nur drei Makronährstoffe, das sind die Kohlenhydrate, das sind die Fette und die Eiweiße. Und Fett wird immer verteufelt, das böse Fett, das hat zu viel Energie. Kohlenhydrate werden verteufelt, da kriege ich Übergewicht und Diabetes und damit bleibt nur noch Eiweiß, wo sich dann die Industrie drauf stützt und stürzt, dass man Eiweiß gut vermarkten kann und gut verkaufen kann.

Und tatsächlich hat Eiweiß auch positive Effekte, wie zum Beispiel, dass es länger satt macht. Proteine sind Eiweiße. Sie gehören zu den drei Hauptnährstoffen. So wie auch Kohlenhydrate und Fette haben sie für unseren Körper eine lebenswichtige Funktion. Sie sind ein Baustoff für Knochen, das Bindegewebe, Organe, die Haut und Muskeln.

Außerdem transportieren sie Nährstoffe wie Fett oder Sauerstoff durch den Körper. Das heißt, dass unsere Zellen nur durch Eiweiß aufgebaut werden können. Und wenn Zellen zerstört werden, was jeden Tag passiert durch unser Leben, müssen die Zellen neu gebildet werden. Und das passiert mit Eiweiß. Plus, dass Eiweiß auch noch eine Immunfunktion hat. Das heißt, alle Immunzellen bestehen aus Eiweiß. Alle Zellen bestehen aus Eiweiß.

Und dabei hat es natürlich ganz viele Funktionen, weil es in jedes Organ irgendwie was hintransportieren muss. Da die Körperzellen ständig erneuert werden, brauchen wir jeden Tag eine Eiweißration. Proteine bestehen aus mehreren Bausteinen, den Aminosäuren. Einige dieser Aminosäuren kann unser Körper nicht selbst bilden, die müssen wir mit der Nahrung aufnehmen.

Dafür gibt es genaue Vorgaben. Erwachsene bis 25 Jahre sollen 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht zu sich nehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Bei einem Gewicht von 70 Kilo braucht man also pro Tag 56 Gramm Protein. Ältere brauchen etwas mehr, ein Gramm, und wer viel Sport macht, sollte bis zu zwei Gramm Proteine pro Kilo Körpergewicht zu sich nehmen.

Sportler brauchen das Eiweiß, um Muskeln aufzubauen und zu erhalten, erklärt Mediziner Christoph Specht bei NTV. Man bekommt aber nicht automatisch mehr Muskelkraft, wenn man mehr Proteine isst. Man muss zusätzlich auch mehr trainieren. Ansonsten wird der Kalorienüberschuss dann als Fett im Körper eingelagert.

Aus der Sportlerwelt kommt es ja, dass Proteine gut sein sollen für den Muskelaufbau. Das stimmt auch in gewisser Weise, nämlich dann, wenn die Muskulatur natürlich auch gleichzeitig trainiert wird. Dann braucht es das Protein als Bausteine, die Aminosäuren, um die Muskulatur aufzubauen. Wenn ich aber nur Proteine zu mir nehme, dann passiert da gar nichts, sondern diese zusätzlichen Proteine werden umgebaut in Fett.

Ich habe also nichts gewonnen. Zu viel Proteine, auch beim Trainieren, hilft aber auch nicht. Denn wir wissen, mehr als 11 Prozent der Kalorien sollte nicht über Proteine zu sich genommen werden. Der Rest ist eben Fett und Kohlenhydrate. Eiweiße stecken in allen möglichen alltäglichen Lebensmitteln. Besonders viel enthalten Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier.

Außerdem Hülsenfrüchte wie Soja oder Linsen. Auch in Brot, Haferflocken, Nüssen, Kartoffeln, Reis und Pilzen sind Proteine drin. Tierische Eiweiße kann der Körper besser verwerten als pflanzliche. Dafür sind pflanzliche Eiweiße gesünder. Weil man dann noch andere gesunde Stoffe mitisst, wie Vitamine oder Ballaststoffe.

Um den Proteinbedarf zu decken, brauchen gesunde Menschen also kein spezielles Proteinpulver oder den Riegel mit der Extraportion Protein. Das gilt auch für Freizeit- oder Leistungssportler. High-Protein-Produkte sind vor allem eins. Teuer, sagt Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale. Im Durchschnitt kosten sie fast doppelt so viel wie vergleichbare Produkte ohne das Extra-Protein. High-Protein-Produkte, die angereichert sind und so werblich herausgehoben werden, die werden in aller Regel teurer verkauft.

Wir finden nämlich im Supermarkt eine ganze Reihe von Produkten, die von Natur aus eiweißreich sind und die nicht ausgelobt werden. Also Produkte, die Hülsenfrüchte enthalten oder auf Hülsenfruchtbasis hergestellt wurden. Das sind Milchprodukte, Käse, auch Fleischprodukte und Eier und Fisch sind auch sehr eiweißhaltig. Also könnte man seinen Eiweißbedarf ganz normal mit üblichen Lebensmitteln decken.

Wenn auf einer Lebensmittelverpackung Proteinquelle steht, müssen im Produkt mindestens 12 Prozent des Energiegehalts aus Protein stammen. So viel ist von Natur aus in 100 Gramm Quark enthalten. Den Zusatz High-Protein dürfen Hersteller nur dann auf ihre Verpackung drucken, wenn 20 Prozent des Energiegehalts aus Eiweiß stammen.

So viel enthalten übrigens 100 Gramm Lachs natürlicherweise. Viel Protein heißt aber noch lange nicht, dass das Produkt gesund ist. Oft sind diese Lebensmittel stark verarbeitet. Bei der Werbung geht es wirklich nur um den Proteingehalt. Es geht nicht um die Gesamtheit der Nährstoffe, sodass auch Produkte wie Kartoffelchips oder Bonbons Eiweiß angereichert sein können, aber trotzdem viel Zucker oder viel Fett enthalten können.

Diese Werbung bezieht sich nur auf das Eiweiß, sagt aber nichts über den Wert des Produktes insgesamt aus und das ist eigentlich der Knackpunkt. Wir als Verbraucherzentralen fordern schon sehr lange, dass solche Auslobungen nur dann gemacht werden dürfen, wenn ein bestimmtes gesundheitsförderliches Nährwertprofil insgesamt eingehalten wird.

Aber das ist im Moment nicht vorgegeben. Die Hersteller von Eiweißshakes und Co. Versprechen nicht nur mehr Muskeln, sondern auch Gewichtsverlust. Und das ist auch richtig. Proteine helfen dabei abzunehmen. Eiweiße machen schneller satt und das Sättigungsgefühl hält länger an. Deshalb werden zum Abnehmen Rezepte empfohlen, die viel Eiweiß und wenig Kohlenhydrate enthalten.

Die proteinreiche Diät wirkt allerdings nur kurz. Am Anfang wird man die Kilos schnell los. Nach einigen Monaten passt sich der Stoffwechsel aber an und man nimmt wieder zu, sagt Lars selig. Sinnvoll ist es, langfristig die Ernährung umzustellen. Wenn wir es gezielt machen mit Diäten, High-Protein, Low-Carb, High-Carb, Low-Fat, dann sehen wir, dass bei allen Ernährungsformen, egal wie ich die mache, immer am Anfang Gewicht abgenommen wird.

Der Stoffwechsel sich aber darauf adaptiert und alle wieder zunehmen, egal was ich mache. Das heißt, so richtig beim Abnehmen hilft es nicht so gut, aber es macht halt satt. Und wenn ich das begleite mit einer Ernährungstherapie mache, dass ich mir also auch die anderen Lebensmittel angucke, die ich esse und sicherlich noch Einfluss auf Ernährungsverhalten lege, dann kann es tatsächlich ein dienlicher Faktor sein. Proteine sind lebenswichtig.

Zu wenig davon zu essen, schadet unserem Körper. Aber wie ist es, wenn man aus Versehen mehr Eiweiß isst als empfohlen? Studien dazu gibt es bisher nicht. Aber das Doppelte der empfohlenen Menge ist unbedenklich, sagt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Also pro Kilo Körpergewicht 1,6 Gramm Proteine.

Für gesunde Menschen ist ein Mehr an Proteinen also kein Problem. Man sollte dazu aber mehr trinken, denn das viele Eiweiß wandelt der Körper zu Harnstoff um und der muss rausgespült werden. Wenn man sich das Eiweiß mal genau anguckt, also was besteht denn das? So ein bisschen Kohlenstoff und Wasserstoff und vor allem Stickstoff.

Und der Stickstoff, das wird abgebaut und wird als Harnstoff über die Niere ausgeschieden. Und wenn wir zu viel Harnstoff aus den Nieren ausscheiden, dann kann das eventuell Nierenprobleme mit sich bringen. Dem würde man therapeutisch begegnen, um zu sagen, lieber Patient. Wir gucken mal, warum hast du erhöhten Harnstoffverlust aus der Niere?

Das können auch Erkrankungen sein, kann aber auch Eiweißabbau sein. Wenn der Protein-Hype so anhält, könnte das noch einen unerwarteten Nebeneffekt haben, schreibt die Financial Times. Grundstoff für viele Proteinprodukte ist Molke. Diese Flüssigkeit entsteht bei der Käseherstellung. Früher war sie eher Abfall, heute mausert sie sich zum Hauptprodukt.

Die Molke wird zu einem Molkenprotein eingedampft, auch Whey genannt. Molke wird deshalb immer begehrter und auch teurer. Die Molkepreise haben sich seit 2023 verfünffacht. Europäische Molkereikonzerne wie Arla aus Dänemark oder Friesland Campina aus den Niederlanden kommen mit dem Produzieren kaum hinterher.

Wenn die Molkereibetriebe mehr Molke produzieren, stellen sie auch mehr Käse her. Wenn das so weitergeht, könnte das zu einem Überangebot an Käse führen. Das war der NTV-Podcast wieder was gelernt zum Thema Proteine. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, lassen Sie uns gern bei Spotify oder Apple Podcasts 5 Sterne da.

Ich bin Caroline Amme. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.

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