
Wieder was gelernt - der ntv-Podcast
Die britische Regierung schreit nach Preisobergrenzen im Supermarkt
Mittwoch, 3. Juni 2026 · 9 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
+++ Alle Rabattcodes und Infos zu unseren Werbepartnern findet ihr hier: linktr.ee/wiederwasgelernt +++
Die Lebensmittelpreise in Großbritannien steigen extrem an. Experten warnen vor einer Lebensmittelkrise. Die Pläne der Regierung? Sie drängt Supermärkte dazu, die Preise für Grundnahrungsmittel zu deckeln. Und die Briten? Kommen sich plötzlich vor wie auf Kuba. Einigen tun die Geschäfte leid.
Text und Moderation: Caroline Amme (n-tv.de/20654570)
Sie haben Fragen? Schreiben Sie eine E-Mail an podcasts@ntv.de
Sie möchten "Wieder was gelernt" unterstützen? Dann bewerten Sie den Podcast gerne bei Apple Podcasts (podcasts.apple.com/de/podcast/wieder-was-geler…) oder Spotify (open.spotify.com/show/6w5kuaVaPvVDWGdPLXkONh).
Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de
Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Die Lebensmittelpreise in Großbritannien steigen extrem an. Experten warnen vor einer Lebensmittelkrise. Die Pläne der Regierung? Sie drängt Supermärkte dazu, die Preise für Grundnahrungsmittel zu deckeln. Und die Briten? Kommen sich plötzlich vor wie auf Kuba. Einigen tun die Einkaufsmärkte leid. Darum geht's in dieser Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt.
Unseren Podcast finden Sie auf allen Plattformen und in der NTV-App. Abonnieren Sie Wieder was gelernt gern, dann bekommen Sie eine Nachricht, wenn eine neue Folge fertig ist. Ich bin Caroline Amme. Hallo und willkommen. Nudeln, Tiefkühlgemüse, Schokolade, Eier, Rindfleisch und Olivenöl. Für diese Lebensmittel müssen die Menschen in Großbritannien viel Geld bezahlen.
In den vergangenen fünf Jahren sind die Lebensmittelpreise im Vereinigten Königreich extrem nach oben geschnellt. Die Lebensmittelinflation ist im April auf 3,7 Prozent gestiegen. Großbritannien schlittert in eine Lebensmittelkrise, warnen Experten. Ausgelöst durch extreme Wetterereignisse, Inflation und die Auswirkungen des Irankriegs.
Ende des Jahres wird die Lebensmittelinflation wahrscheinlich bei fast 10 Prozent liegen, warnt der britische Lebensmittelverband. Im November werden die Lebensmittel voraussichtlich um 50 Prozent teurer sein als 2021. Klima- und Energieschocks treiben die Preise nach oben, steht in einer neuen Studie der Denkfabrik Energy and Climate Intelligence Unit.
Und das, obwohl die Briten auch schon viel mehr für andere alltägliche Dinge zahlen müssen, wie Energie und Wasser. Kurzfristig leiden vor allem Briten mit weniger Geld in der Tasche. Langfristig aber das gesamte Land, sagt Christian Giaccarini, Ökonom bei der Denkfabrik im britischen Fernsehsender Channel 4.
Das ärmste Fünftel der Haushalte spürt die Auswirkungen zu etwa 75 Prozent stärker als das reichste Fünftel. Das liegt daran, dass sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Diese Haushalte sind nun gezwungen, bei Lebensmitteln zu sparen. Das wird zu ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen führen, zu weiteren Arbeitsausfällen und zu höheren Kosten für das Gesundheitssystem insgesamt.
Kinder werden Mahlzeiten auslassen. Das schadet uns gesellschaftlich sehr. Diese Auswirkungen werden wir erst in einiger Zeit sehen. Die britischen Wähler sind frustriert wegen der hohen Lebenshaltungskosten. Bei den Regional- und Kommunalwahlen haben sie der Partei von Premierminister Keir Starmer Anfang Mai die Quittung gegeben.
Labour hat so ein schlechtes Wahlergebnis eingefahren, dass Labour-Abgeordnete und Minister den Rücktritt des britischen Regierungschefs fordern. Finanzministerin Rachel Reeves hat das Desaster womöglich kommen sehen. Sie hat sich im April mit den Chefs der größten Supermarktketten des Landes getroffen.
Sie wollte besprechen, was man tun kann gegen die explodierenden Lebensmittelpreise. Die Politikerin hat anscheinend eine Lösung gefunden. Und die klingt wie eine Idee aus dem vergangenen Jahrhundert. Das Finanzministerium will, dass große Supermarktketten die Preise für Grundnahrungsmittel wie Eier, Brot und Milch deckeln.
Freiwillig, berichtet die Financial Times. Im Gegenzug will die Regierung einige Belastungen und Vorschriften für sie lockern, unter anderem die Verpackungsvorschriften. Die Regierung hat die Supermärkte aufgefordert, die Preise freiwillig einzufrieren, berichtet die BBC. Der Sozialismus lässt grüßen, kommentieren Leser unter den Beiträgen.
Wie Kuba, aber mit Regen, schreiben sie sarkastisch. Die britischen Supermarktkunden sehen es in einer Umfrage der Tageszeitung Independent etwas differenzierter. Eine Frau hält den Plan für eine schlechte Idee, weil sie glaubt, dass die Supermärkte zu kämpfen haben. Ein anderer meint, es ist eine indirekte Art zu helfen.
Und ein dritter Kunde glaubt, dass Supermärkte dann wahrscheinlich die Preise für andere Waren erhöhen werden. Sie können sich ein bisschen profitieren, aber meistens die Zeit, sie sind struggling. Ich denke, es ist falsch zu verabschieden die Supermarkt. Ich habe gehört, dass wenn ich in die Shop zu kaufen, ich komme zurück und sage, dass ich das Tomatow 2.000 Euro habe.
Es ist nicht wahr, aber es ist schwierig. Es ist schwierig. Es ist ein Indirektes Weg, und es ist, ich glaube. Es ist offensichtlich, reine Begeisterung haben diese Pläne nicht ausgelöst im Vereinigten Königreich. Der Gouverneur der Bank of England hat in einer Rede vor Abgeordneten des Finanzausschusses vom Parlament vor Preisobergrenzen gewarnt.
Das könne nach hinten losgehen, sagte er. Denn damit verschiebe man die Kosten künstlich. Das sei auf lange Sicht nicht nachhaltig. Auch Einzelhändler glauben, dass am Ende die Verbraucher draufzahlen. Sie befürchten, dass Supermärkte einfach andere Artikel dann verteuern, um keine Einnahmen zu verlieren oder ihre Kosten weiter decken zu können.
Das hat eine anonyme Quelle aus dem Supermarktbereich dem Guardian gesagt. Der Chef des großen britischen Einzelhandelsunternehmens, Marx & Spencer, nennt den Plan völlig absurd. Die Regierung solle sich nicht in die Wirtschaft einmischen, sagt er. Viele Händler, auch sein Unternehmen, machten bereits Verluste bei einigen Grundnahrungsmitteln wie Milch, Brot und Bananen.
Bei Eiern oder Zucker mache er nur sehr geringe Gewinne. Sein Vorschlag? Statt Preis-Obergrenzen einzuführen, solle die Regierung die Steuern senken. Der ehemalige Chef der Supermarktkette Esther, Stuart Rose, ist bei BBC Radio 4 ähnlich deutlich geworden. Die ganze Idee ist Quatsch und Unsinn und wird niemals durchgehen.
Ich betreibe zwar keine Geschäfte mehr, aber ich bin schon lange in der Branche. Das riecht nach staatlicher Kontrolle. Es ist idiotisch gefährlich und es wird niemals funktionieren. Stuart Rose vergleicht die heutige Zeit mit den 1970er Jahren, in denen er auch schon im Einzelhandel gearbeitet hat. Vor 50 Jahren wurde Großbritannien von der Ölkrise und ebenfalls massiver Inflation getroffen.
Die Lösung der britischen Regierung damals? Preisobergrenzen für wichtige Lebensmittel wie Brot. Damals haben die staatlichen Eingriffe zu Lieferengpässen und verdeckter Inflation geführt. Für die Einzelhändler war es ein Verlustgeschäft. Auch deshalb sind britische Supermarktketten heute kritisch, was Preiskontrollen angeht.
Ihr heftiger Protest hatte anscheinend Erfolg. Nur einen Tag nach den Berichten über ihren Vorschlag soll die britische Finanzministerin Rachel Reeves ihren Plan zurückgezogen haben, berichtet die Financial Times. Ende Mai hat sie dann eine neue Idee vorgestellt. Die Ministerin will für bestimmte Alltagsgegenstände die Zölle aussetzen und sie dadurch günstiger machen.
Auf der Liste stehen 125 Artikel des täglichen Bedarfs. Von frischem Obst und Gemüse wie Avocados, Bananen und Limetten, über Olivenöl und Brot bis hin zu Schokolade, grünem Tee und Kaugummi. Das Finanzministerium will die Zollsenkungen bis Ende Juni beraten, sagt Staatssekretär Dan Tomlinson beim Nachrichtensender LBC.
Das ist nur eine von vielen Maßnahmen. Ich behaupte nicht, dass das für die Menschen alles ändern wird, aber wir haben als Team des Finanzministeriums und als Regierung alle möglichen Maßnahmen geprüft, die wir ergreifen können, um die Lebenshaltungskosten zu senken. Derzeit gelten für die 125 Produkte auf der Liste unterschiedliche Zollsätze.
Wir beraten derzeit über die Aussetzung dieser Zölle, damit die Preise in den Geschäften sinken und mehr Waren zollfrei zu uns gelangen. Die Idee einer Preis-Obergrenze für Supermärkte scheint noch nicht vom Tisch. Schottland hat ähnliche Pläne. Dort ist sogar ein gesetzlicher Deckel für wichtige Lebensmittel geplant. Als vorübergehende Krisenmaßnahme heißt es, das entsprechende Gesetz soll trotz Kritik aus der Branche noch vor Jahresende eingeführt werden.
Das war der NTV-Podcast Wieder was gelernt zu den Lebensmittelpreisen in Großbritannien. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, dann freuen wir uns über 5 Sterne bei Spotify oder bei Apple Podcasts. Und wenn Sie das noch nicht getan haben, abonnieren Sie unseren Podcast gern. Ich bin Caroline Amme, bedanke mich fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal.