
Wieder was gelernt - der ntv-Podcast
Guyana ist die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt
Dienstag, 9. Juni 2026 · 8 min
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Goldene Zeiten für Guyana: Das kleine südamerikanische Land profitiert wie kein anderes auf der Welt von der Neuordnung des weltweiten Ölmarkts. Der Iran-Krieg befeuert die Entwicklung des einst bitterarmen Landes zum ökonomischen Kraftpaket. Zumindest in der Theorie. Die Bevölkerung bekommt bisher nicht viel vom neuen Reichtum des Landes ab.
Text und Moderation: Kevin Schulte (x.com/SchulteKev)
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Goldene Zeiten für Guyana, das kleine südamerikanische Land, profitiert wie kein anderes auf der Welt von der Neuordnung des weltweiten Ölmarkts. Der Iran-Krieg befeuert die Entwicklung des einst bitterarmen Landes zum ökonomischen Kraftpaket, aber eher nur in der Theorie, zumindest bislang, denn die Bevölkerung bekommt noch nicht viel ab vom neuen Reichtum des Landes.
Darum geht es jetzt hier in dieser Folge von Wieder was gelernt, dem Podcast von NTV. Mein Name ist Kevin Schulte. Hallo, danke fürs Zuhören. Abonnieren Sie den Podcast unbedingt. Hinterlassen Sie gerne die 5 Sterne bei Spotify, bei Apple. Vielen Dank dafür und jetzt geht's los mit der neuen Folge über Guiana.
Schon vor dem Krieg im Iran war Guyana das wirtschaftlich am stärksten wachsende Land der Welt. Jetzt aber wird der kleine 800.000-Einwohner-Staat im Norden Südamerikas höchstwahrscheinlich noch mehr Gewinn einstreichen. Der Krieg im Iran hat Ölpreis-Schockwellen über den gesamten Erdball geschickt. Die weltweiten Energiemärkte formieren sich neu.
Neue Verträge werden geschlossen und langjährige Partnerschaften hinterfragt. Ölkonzern und ihre Kunden suchen nach stabilen Förderquellen. Davon profitiert Guyana wie kein anderes Land auf der Welt. Guyana, das liegt in Südamerika, eingerahmt von Venezuela, Brasilien und Surinam. Die ehemalige britische Kolonie sitzt nicht nur auf großen Ölreserven, sondern kann auch mit weiteren Standortvorteilen wuchern.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ölstaaten ist Guyana eine Demokratie, bietet politische Stabilität und fast uneingeschränkten Zugang zum Öl. Dafür zuständig ist ein Ölkonsortium, das von ExxonMobil geführt wird, einem der weltweit größten Mineralöl- und Gaskonzerne. Präsident Irfan Ali sagt, Guiana zeichnet sich durch eine Regierung aus, die Verträge und Gesetze durchsetzt, die aber auch auf Umweltschutz achtet.
Ölförderung mit gewissen Leitplanken berechenbar, stabil, der perfekte Partner auf dem globalen Ölmarkt. Und die richtigen Ideen. Guyana offers etwas rare, ein Stable, Demokratik, Atlantik-Basin Producere mit welt-class Deepwater-Technologie, Eine starkere environmentale Öffnung und eine Regierung, die seine Kontrakte und ihre Läden erfordert.
Innerhalb von nur sieben Jahren hat Guyana seine Ölförderung drastisch erhöht. Vergangenes Jahr wurde erstmals die Marke von über 900.000 Barrel pro Tag überschritten. Zum Vergleich, Saudi-Arabien liegt hier bei über 10 Millionen, die USA bei über 22 Millionen. Das kleine Guyana aber bewegt sich mit diesen Zahlen immerhin auf dem Level von Indien.
Guyana fördert im Schnitt täglich mehr als einen Barrel Erdöl pro Einwohner. Für nächstes Jahr wird die Ein-Millionen-Marke angestrebt. 2030 sollen täglich 1,7 Millionen Barrel gefördert werden. Noch einmal fast das Doppelte wie bisher. Das Bruttoinlandsprodukt von Guyana hat sich in den vergangenen sieben Jahren auf 27,5 Milliarden Dollar vervierfacht. Tendenz klar steigend.
Dafür verantwortlich vor allem die Rohölpreise. Die sind seit Beginn des Irankrieges Ende Februar um 30 Prozent nach oben geschossen. Das macht Guyana immer reicher. Das Land sitzt auf geschätzt 11 Milliarden Barrel-Ölreserven. Bis Ende des Jahres steigen die Einnahmen Guyanas aus dem Ölgeschäft voraussichtlich.
Auf über 4 Milliarden US-Dollar, so hat das Reuters ausgerechnet, unter der Voraussetzung, dass der Ölpreis so hoch bleibt wie derzeit. Das wären über 60 Prozent Mehreinnahmen im Vergleich zum vergangenen Jahr. Der Staat hat mit ExxonMobil vereinbart, dass der Ölkonzern so lange den Großteil der Ölgewinne einstreicht, bis er die anfänglichen Explorations- und Erschließungskosten wieder eingespielt hat.
Das könnte jetzt schneller klappen als ursprünglich geplant oder erwartet. Sogar noch in diesem Jahr, so die neueste Schätzung von ExxonMobil. Das würde Guyanas Gewinne aus dem Ölgeschäft deutlich erhöhen, weil das Land eben früher mehr von den Öleinnahmen abbekommt. Das einst bitterarme Land wird von Jahr zu Jahr reicher. Aber Guyanas wachsender Wohlstand ist, wenn überhaupt, nur teilweise zu spüren.
In der Hauptstadt Georgetown wird einerseits viel gebaut, auch Luxushotels. Andererseits sind Stromausfälle noch immer an der Tagesordnung in Guiana. Im Hinterland, wo viele Indigene leben, kommt von dem neuen Ölgeld so gut wie gar nichts an. Die Menschen in Guyana führen kein Leben in Saus und Braus. Von Zuständen wie in den Ländern der Emirate kann überhaupt keine Rede sein.
Seit Beginn der Ölförderung wächst das BIP von Guyana jedes Jahr zweistellig. Aber das kleine Land hat nach wie vor große Schwierigkeiten, den Aufschwung auf die Bevölkerung zu verteilen. Laut Regierung machten die Öl- und Gasindustrie im vergangenen Jahr 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Präsident Irfan Ali sagt, die höheren Einnahmen aus dem Ölgeschäft werden von höheren Importkosten für fast alle Güter wieder ausgeglichen.
Die riesigen Ölvorkommen also haben auch ihre Schattenseiten. Dieses Phänomen wird als Ressourcenfluch oder als holländische Krankheit bezeichnet. Das hat Guiana-Experte Federico Vodas bereits 2020 hier im Podcast am Beispiel der Niederlande erklärt. Er war mehrere Jahrzehnte lang Professor am Institut für Weltwirtschaft in Kiel.
Die Niederlande in den 60er Jahren. Es gab ja einen Riesenfund an Erdgas in den Niederlanden. Und das war auch für die Niederlande ein Riesenfluch, weil sich die gesamte Wirtschaft nur auf das Erdgas gestürzt hat. Und man hat viele andere Dinge, die auch wichtig sind, in einer Wirtschaft ziemlich vernachlässigt.
Man hatte natürlich das Glück, dass es große Unternehmen wie Philips in den Niederlanden gab, die mit ihrer Forschung weiter vorangegangen sind und sich nicht haben stören lassen. Aber große Teile der niederländischen Wirtschaft lagen brach. Es konzentrierte sich alles nur auf das Erdgas. Diese sogenannte niederländische Krankheit oder holländische Krankheit ist etwas, was viele Länder auch betroffen hat in Afrika, in Nationalamerika, wenn man sich zu stark nur auf einen Rohstoff, nur auf eine Industrie gestürzt hat.
Guyana versucht, die eigene Wirtschaft auf stabilere Füße zu stellen. Als eine der ersten Maßnahmen hat die Regierung 2019 einen Staatsfonds eingerichtet. Alle Einnahmen, die Guyana behält, aus dem Ölgeschäft fließen seitdem dort rein. Seit 2021 gibt es außerdem ein Gesetz, das die Öl- und Gaskonzerne dazu verpflichtet, mit landeseigenen Lieferanten und Anbietern Verträge zu schließen.
90 Prozent der Mitarbeiterverpflegung müssen von guyanischen Unternehmen kommen. Außerdem 25 Prozent der medizinischen Dienstleistungen. Die Regierung will mit dem Gesetz dafür sorgen, dass die eigene lokale Wirtschaft immer weiter ausgebaut wird. Die Regierung von Guyana werde nicht daran gemessen, wie viel Barrel-Öl man fördere. Es gehe darum, dass ein Kind in einem abgelegenen Dorf dieselben Chancen hat, wie ein Kind, das in der Hauptstadt Georgetown geboren wird.
Das ist das Ziel von Präsident Irfan Ali. The measure will be this. Did a child born in a remote indigenous village have access to the same opportunity as a child born in Georgetown? Did a farmer get cheaper fertilizer and reliable electricity? Did a small manufacturer get a chance to compete? Did the forests still stand?
Did the people still own their future? That is the Guyana we are building, Noch ist Guyana kein florierendes Land, trotz des weltweit höchsten Wirtschaftswachstums. Die gut 800.000 Einwohner sind besorgt. Es gibt Debatten über Inflation, steigende Staatsschulden und die Angst vor der holländischen Krankheit.
Und die Angst davor, ein zweites Venezueler zu werden. Guyanas Nachbarland ist das beste Beispiel dafür, wie auch gigantische Ölfelder im Zweifel ein Land nicht vor dem Verfall retten können. Das war wieder was gelernt, der NTV-Podcast. Ich bin Kevin Schulte, vielen Dank fürs Zuhören. Abonnieren Sie den Podcast unbedingt, dann verpassen Sie in Zukunft keine Folge mehr. Tschüss, danke und bis zum nächsten Mal. Ciao.