
Wieder was gelernt - der ntv-Podcast
So marode ist Berlin: "Wir schämen uns für unsere Polizeistandorte"
Freitag, 12. Juni 2026 · 26 min
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Shownotes
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Berlin bröckelt an allen Ecken und Enden. Landeseigene Gebäude wie Polizeistationen und Schulen sind marode. Dutzende Kultureinrichtungen wie das Deutsche Technikmuseum schlagen Alarm: Dringend nötige Sanierungen würden jahrelang aufgeschoben, es gebe ernsthafte Sicherheitsmängel. Das Hauptgebäude der Technischen Universität wurde bereits geschlossen.
Der Sanierungsstau bei Berlins öffentlichen Immobilien liegt bei aktuell 5,5 Milliarden Euro. "Die Polizeiliegenschaften machen den Mega-Anteil aus", sagt Birgit Möhring im Podcast. Sie ist Chefin der Berliner Immobilienmanagement (BIM) und für die Sanierungen verantwortlich. "Die Polizisten beklagen sich zu Recht", sagt sie. "Wir schämen uns manchmal sehr dafür, wenn wir sehen, wie es in den Standorten aussieht."
Auch Möhring ist klar: Der Sanierungsstau muss abgearbeitet werden. Doch dafür fehle das Geld. Oft reiche es gerade mal dafür, die Betriebssicherheit aufrechtzuerhalten.
Gast: Birgit Möhring (bim-berlin.de/ueber-uns/organisation), Geschäftsführerin der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
Moderation: Caroline Amme (n-tv.de/20654570)
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Berlin bröckelt an allen Ecken und Enden. Die Technische Universität ist aktuell wegen Baumängeln zum Teil geschlossen. Dutzende Kultureinrichtungen in Berlin wie das Technische Museum hatten vor einigen Wochen Alarm geschlagen. Sie beschweren sich darüber, dass dringend nötige Sanierungen jahrelang aufgeschoben werden. Sie sprechen von ernsthaften Sicherheitsmängeln.
Und auch andere landeseigene Gebäude wie Polizeistationen und Schulen sind marode. Der Sanierungsstau bei Berlins öffentlichen Gebäuden liegt bei aktuell 5,5 Milliarden Euro. Wie es um die Immobilien in Landeshand wirklich steht und was die Stadt tut, damit sie bald nicht mehr so bröckeln, das bespreche ich hier in dieser Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt mit Birgit Möhring, der Chefin der Berliner Immobilienmanagement, kurz BIM.
Hallo, schön, dass Sie da sind. Hallo, guten Tag. Danke, dass ich hier sein darf. Sie betreuen und verwalten die landeseigenen Gebäude der Hauptstadt. Wie viele sind das denn eigentlich ganz genau? Es sind nicht nur Gebäude. Wir haben Gebäude und Freiflächen. Und ich konzentriere mich jetzt mal auf die Gebäudeflächen. Wir haben etwa sechs Millionen Quadratmeter Gebäudeflächen in Betreuung.
Und wenn man das jetzt in Gebäude umrechnen würde, dann haben wir ungefähr 3600 Wirtschaftseinheiten, sagen wir dazu. Aber wie gesagt, es sind kleine Gebäude, es sind große Gebäude. Deswegen sind, glaube ich, die Quadratmeterflächen die entscheidenden. Und welche sind das so? Also viele sind ja historische, bekannte Wahrzeichen in Berlin. Absolut, wir haben das Brandenburger Tor beispielsweise, das ist auch ein Gebäude.
Wir haben Polizei, Feuerwehr, wir haben die Freiwilligen Feuerwehrwachen, wir haben Finanzämter, Justizvollzugsanstalten, Kultureinrichtungen, Schulen, die zentral verwalteten Schulen. Wir haben aber auch ein weiteres Vermögen, wo wir Grundstücke und Gebäude haben, die das Land Berlin zwar selber nicht unbedingt braucht für die öffentliche Verwaltung, aber mit denen das Land Berlin eine Nachnutzung verbindet.
Sowas wie die alte Münze zum Beispiel. 3.600 Gebäude, das kostet ja sicherlich eine ganze Stange Geld, das alles zu verwalten, oder? Das kostet viel Geld. Also wenn ich jetzt einfach mal schaue, was wir im Jahr an Betriebskosten, Betriebskostenvorauszahlung umsetzen, dann sind wir etwa bei 413 Millionen, 415 Millionen in etwa.
Und das ist im Grunde genommen nur der Betrieb. Dazu kommen dann bauliche Unterhaltungsmaßnahmen und über den Abbau des Sanierungsstaus sprechen wir ja noch. Genau, dazu kommen wir später noch. Viele meckern ja darüber, dass Berlin auseinanderfällt, aber mal ganz ehrlich, wie schwierig ist es denn, diese 3600 Gebäude in Berlin zu verwalten?
Gerade eben so viele historische Gebäude, wo viele Technik wahrscheinlich noch. Aus dem letzten Jahrhundert stammt und die Inneneinrichtung noch aus dem Jahrhundert davor. Das ist ja sicherlich auch eine schwierige Aufgabe. Ja, wir haben einen sehr heterogenen Bestand, also einen sehr vielfältigen. Wir haben teilweise sehr moderne Gebäude, die auch schon saniert sind, die in einem guten Zustand sind.
Aber wenn ich mir gerade die Polizeiliegenschaften anschaue, Sie haben es angesprochen eben, das geht ja auch immer wieder durch die Presse völlig zurecht, da sind teilweise die Wachen wirklich marode. Und da sind wir auch sehr unglücklich darüber, dass die Polizistinnen und Polizisten teilweise in solchen Umgebungen ihren Dienst verrichten müssen.
Welche Rolle spielt der Denkmalschutz? Ja, das ist ein wichtiger Punkt bei uns. Wir haben also im Bestand etwa 40 Prozent unserer Gebäude denkmalgeschützt. Das ist viel. Und wenn Sie ein denkmalgeschütztes Gebäude sanieren wollen, dann sind Denkmalschutzauflagen zu beachten. Und das ist teilweise natürlich ein Kostenfaktor, ist aber auch ein Zeitfaktor.
Welche Dinge haben Sie denn zu tun, so als oberste Hausverwaltung Berlins? Sind das so Aufgaben, die man kennt von seiner eigenen Hausverwaltung im Mietshaus? Also der Putzdienst muss organisiert werden, die Heizung fällt aus oder das Dach muss mal neu gedeckt werden? Genau, das sind genau die Themen.
Ein bisschen komplexer. Wir müssen natürlich sicherstellen, dass die Technik funktioniert, dass die Betreiberverantwortung ordentlich wahrgenommen wird durch uns. Die Gebäude müssen funktionsfähig bleiben und das ist angesichts des Sanierungsstaus schon eine Herausforderung. Also die Kernaufgaben der BIM sind wirklich das Betreiben der Liegenschaften. Also es geht auch darum, um Winterdienste zu machen, Grünschnitte zu machen, aber eben insbesondere natürlich die Gebäude, die genutzt werden, gut in Schuss zu halten.
Das sind ja so Aufgaben, die eine normale Hausverwaltung eben auch zu tun hat, wenn es denn schneit, mal zu schippen und so weiter. Wie funktioniert es denn, wenn zum Beispiel das Technikmuseum, gehört ja auch zu Ihnen, anruft und sagt, ja, da kommt jetzt Wasser durch die Decke. Schicken Sie dann einfach einen Handwerker hin? Ja, wir haben tatsächlich einen Notdienst, auch 24 Stunden jeden Tag, der also Havarien beseitigt.
Ich mache mal eine ganz dramatische Havarie. Stellen wir uns vor, bei einer JVA, also Justizvollzugsanstalt, geht das Rolltor nicht mehr zu oder auf. Das wäre dramatisch, da muss sofort jemand kommen. Das heißt, da gibt es auch dann natürlich unterschiedliche Gefahrenstufen und wir melden das entsprechend.
Wir haben Rahmenvertragspartner, heißt also Firmen gebunden, die darauf eingerichtet sind, dann auch sehr schnell zu reagieren in bestimmten Segmenten. Und das ist natürlich die Voraussetzung, dass wir einen technisch einwandfreien Betrieb für jedes spezielle Gebäude gewährleisten können. Aber Ihr Beispiel mit dem Technikmuseum wäre eben genau so.
Wassereinbruch ist eine Havarie, da muss sofort was passieren. Und wie oft werden die Gebäude geprüft, ob da vielleicht ein Schaden demnächst vorliegen könnte? Wir haben Prüfintervalle. Die richten sich nach den gesetzlichen Vorschriften. Und immer wieder sind ja die öffentlichen Gebäude in Berlin in den Schlagzeilen, also wegen maroder Schulen oder bröckelnder Museumsdecken teilweise auch jahrelang deshalb geschlossen.
Wie geht es denn überhaupt den Häusern aktuell, die Sie alle betreuen? Also Technikmuseum hatten wir schon angesprochen, Brandenburger Tor und die ganzen anderen. Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Also wir haben in den letzten Jahren durchaus einiges sanieren können. Wir hatten immer die Philosophie und die verfolgen wir nach wie vor, dass wir bei einem Sanierungsstau, den wir erkennen, natürlich versuchen, den insgesamt zu beheben.
Ich will mal kurz erklären, was ich damit meine. Wir haben die Gebäude, die betriebsnotwendig sind, also insbesondere die, die von der Verwaltung genutzt werden, die haben wir alle betrachtet. Das heißt, wir haben sie nach einheitlichen Maßstäben begangen und haben geschaut, wie sieht es mit dem Brandschutz aus.
Ihr Beispiel TU, wie sieht es mit dem Brandschutz aus, muss da was gemacht werden, ist das Gebäude standsicher, genügt es den gesetzlichen Anforderungen, sind die technischen Anlagen in Ordnung, müssen wir irgendetwas tun. Und diese Erkenntnisse haben wir gesammelt und haben daraus einen sogenannten Fahrplan gemacht, wie wir sanieren wollen, nach welchen Kriterien welche Gebäude zuerst gemacht werden.
Also das Wichtigste, das Schlimmste wird zuerst gemacht. Wenn wir, können Sie sich vorstellen, wenn wir Brandschutzprobleme in einem Gebäude haben, was ein Finanzamt ist, mit Publikumsverkehr, dann muss da schnellstens reagiert werden. Und ähnlich sieht es natürlich auch mit öffentlichen Einrichtungen wie Kultureinrichtungen aus.
Wenn wir dort Brandschutzprobleme haben und wir haben Besucherverkehr, dann kann da nicht zugewartet werden. Nun ist es so, dass wir bei den Gebäuden sehr unterschiedliche Bedingungen haben. Ich bleibe mal bei den Kultureinrichtungen. Ein Theater des Westens beispielsweise, was einen deutlichen Sanierungsstau ausweist oder auch die Gebäude des Deutschen Technikmuseums, die können wir nicht einfach schließen für eine bestimmte Zeit und in Ruhe sanieren.
Das kann man auch mit dem Finanzamt nicht machen, das kann man auch mit einer Polizeiliegenschaft nicht unbedingt machen. Aber man hat vielleicht andere Möglichkeiten, in Bauabschnitten zu bauen, als ich das bei einem Theaterbetrieb habe. Auch bei einem Gerichtsgebäude, wo Gerichtsverhandlungen stattfinden, kann ich nicht einfach sagen, ich mache jetzt Stemmarbeiten, während ein Schwurgericht tagt.
Also wir müssen immer auf den Betrieb in dem speziellen Haus wirklich Bezug nehmen und Rücksicht nehmen und das macht eben auch Sanierung so kompliziert. Und diese Prio-Liste, also wer ist denn da ganz oben aktuell? Polizei. Die Polizei, den Stellen, auf die wollte ich noch später auch zu sprechen kommen.
Sie haben es schon angesprochen, Sanierungsstau, der ist hoch, 5,5 Milliarden Euro, eine ganz schön hohe Summe. Wie teilt sich das auf auf die verschiedenen Gebäude in Berlin? Also es ist tatsächlich so, dass die Polizeiliegenschaften den Mega-Anteil ausmachen. Wir haben einen sehr hohen Sanierungsstau auch bei unseren zentral verwalteten Schulen, bei den JVA's, bei den Kultureinrichtungen natürlich auch, im allgemeinen Bestand, wie wir das formulieren, Finanzämter beispielsweise, aber eben auch die Bürodienstgebäude der Senatsverwaltung ist es relativ unterschiedlich.
Insofern würde ich mal sagen, wenn wir jetzt die Kultureinrichtungen so ein bisschen einsortieren wollen, dann bewegen die sich in einem. Ich würde mal sagen, gesunden, ungesunden Mittelfeld. Also die sind nicht in Ordnung und da müssen wir auch definitiv was machen. Aber mit den beschriebenen Folgen, dass wir auf Spielbetriebe natürlich Rücksicht nehmen müssen.
Und vielleicht noch kurz zu der Zahl, die 5,5 Milliarden, die Sie angesprochen haben, das sind jetzt wirklich die Maßnahmen, die ich eingangs schilderte. Brandschutz, Standsicherheit, Betriebssicherheit. Wir haben aber auch natürlich gesetzliche Auflagen zu befolgen. Also wir müssen barrierefrei werden in öffentlichen Gebäuden.
Das ist noch nicht mit drin. Und wir müssen die Energiewende hinbekommen in Berlin. Das wollen wir. Das ist auch noch nicht mit drin. Wenn ich das dazu rechne, dann sind wir bei 8,4 Milliarden. Vergangenes Jahr habe ich die Summe gefunden, das für knapp 350 Millionen Euro saniert wurde. Also das ist ja eine ziemlich geringe Summe verglichen mit dem, was eigentlich ausgegeben werden muss.
Warum wurde da nicht mehr ausgegeben? Wir sind ja zu 100 Prozent vom Haushalt abhängig. Das heißt, wir haben ein sogenanntes Mieter-Vermieter-Modell. Das bedeutet, dass die Verwaltungen, die bei uns Gebäude nutzen, eine Miete zahlen an uns. Diese Miete bekommen sie im Haushalt vom Haushaltsgesetzgeber zur Verfügung gestellt.
Und mit dieser Miete müssen wir wirtschaften. Das heißt also, davon zahlen wir beispielsweise eben so eine Bauermaßnahme auch. Und diese Mieten haben sich seit Jahren nicht erhöht, obwohl die Kosten gestiegen sind, sodass wir da einfach ein eklatantes Missverhältnis haben. Und wir werden natürlich sehen, das haben wir auch bei uns in der Planung, dass wir jedes Jahr die abzurechnenden Baumaßnahmen, danach richten wir uns, also was, bringen wir wirklich auf die Schiene, was können wir abrechnen, das sind die Maßnahmen, die auch umgesetzt werden.
Die erhöhen wir jetzt Jahr für Jahr in ungefähr fünf Prozent Schritten. Also beispielsweise wollen wir im nächsten Jahr 507 Millionen Euro abrechnen. Das ist dann eine Steigerung, die sich langsam auswirken wird. Nur wir haben eben natürlich auch einen begrenzten Personalkörper. Wir können nicht überpersonalisieren. Wir müssen als Landesgesellschaft auch aufpassen, dass wir uns da nicht übernehmen an der Stelle.
Und wie gesagt, es fehlt im Ergebnis nach hinten raus natürlich das Geld, um den Sanierungsstau wirklich in absehbarer Zeit abzubauen. Wir haben Liquidität, die wir jetzt einsetzen, aber die ist eben auch endlich. Sie haben ja schon die Mieteinnahmen angesprochen. Davon werden die Reparaturen bezahlt, der historischen Gebäude oder der sanierungsbedürftigen Gebäude.
Und da hat sich ja anscheinend doch einiges angesammelt an Mieteinnahmen. Warum kann man diese anderthalb Milliarden Euro, die Zahl habe ich gelesen, nicht komplett für die Sanierung einfach verwenden? Wir haben ja unterschiedliche Gebäude in unterschiedlichen Vermögen. Und wir haben die Verabredung damals getroffen, als die BIM gegründet wurde, das ging zurück auf eine Forderung nachvollziehbar der Senatsverordnung für Finanzen, dass das Geld, was wir einnehmen, die Mieten, aber auch Vorauszahlungen auf Betriebs- und Nebenkosten, dass das alles bei der Landeshauptkasse auf ein Konto geht.
Das heißt, es verlässt den Landeskreislauf nicht. Dieses Geld geht nicht auf ein Girokonto der BIM, sondern es bleibt im Landeskreislauf. Ganz wichtig, weil das Land damit auch arbeiten kann. Das Land muss dafür in der Größenordnung keine Kredite aufnehmen. Wir holen uns dieses Geld immer nur, wenn wir es brauchen.
Also Beispiel Betriebs- und Nebenkostenvorauszahlungen bekommen wir jeden Monat eine erklägliche Summe X. Und wenn dann eben die Energieversorger beispielsweise Rechnungen stellen, holen wir uns das Geld und bezahlen die. Wir nehmen aber auch Mieten ein, die wir weiterreichen an externe Vermieter, weil wir ja auch am Markt anmieten für die Berliner Verwaltung.
Das sind durchlaufende Posten. Und wenn ich das mal alles reduziere, also die Summen reduziere, die ich bei den 1,4 Milliarden dazurechne, die aber nicht zum Bauen zur Verfügung stehen, dann bleibt eben nicht mehr so viel. Dann bleiben ungefähr... Wenn ich dann noch Nutzermaßnahmen dazu rechne, wo der Nutzer sagt, ich möchte gerne hier noch etwas gebaut haben und dort etwas gebaut haben, dann bleiben so um die 560 Millionen.
Anfang März haben 24 Berliner Kulturinstitutionen Alarm geschlagen, unter anderem auch das schon erwähnte Technikmuseum, weil die Gebäude gravierende Sicherheitsmängel haben, schon seit vielen Jahren anscheinend. Und da gibt es auch ein Schreiben an die Kulturverwaltung, da heißt es, es werde in immer mehr Fällen ernsthaft die Sicherheit von Mitarbeitern, Publikum und Kulturgut gefährdet.
Und Sie werfen Ihnen als Immobilienmanagement vor, die Gebäude nicht ordentlich kontrolliert zu haben. Stimmt das denn? Das stimmt so nicht in der Aussage. Wir sind da auch in einem sehr guten Dialog mit der Kulturverwaltung und dem Technikmuseum. Es ist richtig, dass das Technikmuseum wirklich über sehr marode Gebäude verfügt, das muss man eindeutig sagen.
Und ich hatte ja eingangs schon erläutert, dass wir Prüfintervalle haben, die sich nach gesetzlichen Vorschriften richten, die auch eingehalten werden und die Betriebssicherheit sehen wir nicht als gefährdet an. Wir haben jetzt auch Abhilfe geschaffen in einem Fall, der wirklich dramatisch war. Das ist alles richtig.
Wichtig ist, glaube ich, an der Stelle nochmal zu erwähnen, dass die Kultureinrichtungen insofern anders vielleicht behandelt werden müssen und auch angesehen werden müssen als eine Polizeiwache, oder ein Finanzamt, weil eine Kultureinrichtung wie das Technikmuseum, speziell das Technikmuseum, auch über eigenes technisches Personal verfügt.
Und da sind wir jetzt gerade im Gespräch auch mit dem Technikmuseum, wie wir uns vielleicht auch Aufgaben anders aufteilen können. Ohne, dass wir jetzt insgesamt die Verantwortung abgeben. Wir werden natürlich die Baumaßnahmen und die Sanierungsmaßnahmen da machen. Wir werden auch den Betrieb sicherstellen. Aber man kann natürlich darüber diskutieren, ob man, bei Reparaturmaßnahmen beispielsweise, sich anders abstimmen kann.
Ob da eben möglicherweise vor Ort mehr Aufgaben übernommen werden können durch das Technikmuseum als durch uns. Sowas macht vielleicht Sinn und genau das besprechen wir gerade. Was sind denn die aktuellen Baustellen im Technikmuseum? Wo hakt es denn da? Wir haben durchaus Probleme mit technischen Anlagen.
Die sind veraltet, das ist tatsächlich so. Wir haben aber auch, wenn Sie sich Standorte wie Depots angucken, haben wir einen heftigen Sanierungsstau. Also da arbeiten wir gerade an Alternativlösungen, um überhaupt ein Depot für das Technikmuseum sicherzustellen, wo eben Exponate auch sicher gelagert werden können und nicht plötzlich, wenn eine Havarie entsteht, Wassereinbruch oder ähnliches vernichtet werden.
Und das ist in der Tat eine Gefahr. Sie haben mal dem Tagesspiegel in einem Interview gesagt, allein im Technikmuseum gibt es pro Jahr rund 550 Störmeldungen. Was sind denn das so für Störmeldungen, weshalb sie da angepingt werden? Ganz unterschiedlicher Art. Das reicht von der Havarie, die Sie beschrieben haben, Wassereinbruch bis hin zu unterlassener Wartungsleistungen.
Das passiert übrigens auch. Also es ist nicht so, dass unsere Dienstleister da immer einwandfrei funktionieren. Das ist dann unsere Aufgabe, die Dienstleister ordentlich zu steuern. Das muss ich deutlich dazu sagen. Aber es ist ein bunter Strauß an unterschiedlichen, teilweise auch in der Tragweite sehr unterschiedlichen Störmeldungen.
Die laufen alle zentral bei uns auf und die werden alle zentral abgearbeitet. Wir haben dort ein System, wo eben die Firmen, die wir über Rahmenverträge gebunden haben, Rahmenverträge heißt, dass wir dann mehrjährige Verträge haben, wo Firmen auch besser kalkulieren können, dass sie ihr Personal entsprechend vorhalten.
Sich dann die Aufträge holen, uns bestätigen digital, ich habe den Auftrag, ich erledige ihn. Dann muss kontrolliert werden, macht die Firma das wirklich und macht sie es ordentlich. Das ist unsere Aufgabe. Auch die Berliner Philharmonie muss dringend saniert werden ab 2032. Wie lange macht das Haus dann zu? Tja, das wird die große Frage sein. Das wird ein paar Jahre dauern, weil so eine Sanierung, das erfordert einen dreistelligen Millionenbetrag.
Das muss erstmal im Haushalt überhaupt gefunden werden, das Geld. Und dann müssen wir tatsächlich schließen. Das kann man unmöglich in der Spielpause machen. Das kann man natürlich gar nicht im laufenden Spielbetrieb machen. Das heißt also, da müssen erstmal die Voraussetzungen geschaffen werden, dass wir die Philharmoniker woanders unterbringen, dass das Geld zur Verfügung steht und dann kann man über die Sanierung nachdenken.
Die Intendantin sagt, es gibt viele Probleme im Haus, regelmäßig Schäden. Das sieht man jetzt nicht. Der Saal sieht halt ganz schön aus. Welche Probleme verbergen sich denn in der Philharmonie? Naja, es sind wirklich Grundsanierungen. Also alles, der bunte Strauß dessen, was wir schon besprochen haben.
Also Sie müssen sich das wirklich so vorstellen, wir müssen dieses Haus schließen und müssen es von Grund auf sanieren. Also die Leitungen stammen aus den 60ern? Ja, es ist alles alt und es muss alles überprüft werden, es muss in Teilen wirklich erneuert werden, auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden.
Das ist eine sehr, sehr komplexe Maßnahme. Die Polizeistationen in Berlin stehen ganz oben auf ihrer Sanierungsliste, sind ja auch etliche Gebäude in der Stadt. Sie haben feuchte Decken, die Toiletten sind immer wieder gesperrt, hier sind sogar Ratten unterwegs. Ähnlich sieht es bei den Feuerwehren aus und auch die Schulen immer wieder in den Schlagzeilen. Und man hat irgendwie den Eindruck, jugendliche, öffentliche Sicherheit ist der Stadt gar nicht so wichtig. Warum passiert da so wenig in solchen Gebäuden? Ich verstehe diesen Arne komplett.
Und ich kann Ihnen sagen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen bei der BIM, die wirklich auch zuständig sind, bis hin zur Führungsetage sich oft schämen, wenn wir in diese Standorte gehen und uns das anschauen, weil wir wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich eben in angenehmer Arbeitsatmosphäre zu arbeiten. Und das ist da nicht überall sichergestellt.
Es ist so, dass wir im Grunde genommen die Polizeiliegenschaften damals übernommen haben, schon mit einem deutlichen Sanierungsstau. Der ist nicht entstanden während der Bewirtschaftung durch die BIM, der war schon da. Und wir hatten eben immer nur begrenzte Mittel, um den abzubauen. Das ist eigentlich das Hauptproblem. Also wie viele Polizeiliegenschaften, worüber reden wir da? Welche Größenordnung etwa?
Ja, die Polizeiliegenschaften machen etwa eine Million Quadratmeter Raumfläche aus, Bruttoraumfläche. Bei den Feuerwehren ist es ein bisschen weniger, ne? Ja, da unterscheiden wir ja auch noch zwischen den Freiwilligen Feuerwehren und den Berufswachen. Dieses Jahr sollte ja eigentlich für die Sanierung von Polizeiwachen mehr Geld ausgegeben werden. Also 60 Millionen Euro hat die Berliner Innensenatorin angekündigt, aber eigentlich nötig sind wohl 1,75 Milliarden. Reicht doch niemals aus, oder?
Das stimmt, aber wir können eben leider auch nicht alles auf einmal machen. Wir werden mehr Prioritäten in den Polizeiliegenschaften setzen. Das ist verabredet, das machen wir auch. Aber ich hatte das ja vorhin schon erläutert, ich will es vielleicht nochmal ausführen. Wir haben eben sehr unterschiedliche Dienstbetriebe in den Liegenschaften.
Und wenn sie dort ein volles Haus haben und 24 Stunden jeden Tag Dienst tun, dann können sie eben im Bestand auch nur in Bauabschnitten sanieren, weil sonst müssten sie ein Haus komplett leerziehen und ein anderes Haus herrichten, um die Polizisten dort unterzubringen. Was auch nicht so einfach ist, weil Polizeilegenschaften, zumindest Wachen, ja auch in bestimmten Regionen sich befinden müssen.
Also es nutzt ja nichts, jetzt am Stadtrand Drehscheiben zu errichten, um alle Polizeiwachen da unterzubringen. Die müssen ja in ihren Einsatzgebieten bleiben. Das heißt also, diese Sanierungen, gerade bei solchen wirklich gut genutzten und viel genutzten Gebäuden, sind schwierig einzutakten zeitlich.
Und das ist eben auch nochmal ein Faktor, der uns dabei behindert. Die Häuser sind eben nicht leer, wir können nicht einfach losbauen. Ähnlich sieht es ja auch bei den Feuerwachen aus. Da liegt der Sanierungsbedarf bei einer halben Milliarde Euro. Ebenfalls Schimmel, undichte Fenster und so weiter. Es fehlt an Rauchmeldern. Wie ist da der Zeitplan?
Auch ganz genauso. Da sind wir in engen Abstimmung mit der Feuerwehr, was wir wo machen können. Und da kommen ja noch andere Aspekte dazu. Wir haben dort auch sicherheitstechnische Probleme. Das heißt, wir kümmern uns auch darum, auch das ging ja immer wieder durch die Presse, dass Einbrüche stattfinden, gezielt offensichtlich Einbrüche stattfinden, um bestimmte Dinge auch zu entwenden.
Da sind wir mit dem Landeskriminalamt und der Feuerwehr im Gespräch, wie wir im Grunde genommen schrittweise nicht nur sanieren, sondern auch die Sicherheit in den Gebäuden erhöhen. Das ist ein komplexes Maßnahmenbündel, was wir da vorhaben. Wenn Sie so vorrechnen, wie viel Geld da ist, wie viel Geld ausgegeben werden kann, kann man da nicht einfach auch den Bund um Hilfe bitten?
Ich meine, Berlin ist das Aushängeschild und kann der nicht was zuschießen, damit es hier mal vorangeht mit der Sanierung? Ja, das wäre wünschenswert. Das würden wir uns auch sehr wünschen, aber das liegt natürlich nicht in meiner Macht. Also das ist dann auf politischer Ebene auszuhandeln und... Da muss man eben schauen. Es gibt ja auch Wege und Möglichkeiten, mit dem Bund mal ins Gespräch zu kommen.
Es ist ja kein Geheimnis, die Baukosten sind extrem gestiegen und es ist auch nicht leicht, eine Baufirma zu finden. Wie merken Sie das denn in Ihrem Alltag? Das merken wir durchaus. Wir sind ja sogenannter öffentlicher Auftraggeber. Das heißt also, wir sind eine kommunale Gesellschaft. Wir müssen also öffentlich ausschreiben in der Regel ab einem bestimmten Wert einer Maßnahme.
Und das bedeutet, dass wir nicht einfach wie ein privater Dritter irgendwo hingehen können, Branchen ein Adressbuch aufschlagen und sagen, hier ist eine Firma, die beauftragen wird. Das geht nicht. Wir müssen uns eben an Vergaberecht halten. Und das sind sehr komplexe und auch langwierige Verfahren, die wir da teilweise haben.
Und dann ist immer die spannende Frage, finden wir genug Interessenten, die sich an solchen Ausschreibungen beteiligen und welche Preise bieten die an. Wir haben Fachkräftemangel in Deutschland, das lesen wir auch ständig in der Zeitung, das spüren wir auch. Wir haben teilweise Lieferkettenprobleme, auch das spüren wir und das spüren die Firmen.
Und da sind wir sehr abhängig vom Markt. Also wir haben sehr unterschiedliche Ergebnisse. Wir haben teilweise bei solchen Ausschreibungsverfahren gute Ergebnisse, wo wir dann wirklich sagen, Glück gehabt, hier passt alles, hier können wir loslegen. Aber das heißt dann eben auch immer noch nicht, dass wenn wir jetzt eine Grundsanierung haben, wo viele Gewerke beteiligt sind.
Ich mache mal ein Beispiel. Nehmen wir mal an, wir haben ein Kulturhaus mit einer Bühne und da muss eben vielleicht Brandschutz gemacht werden. Das ist das eine Gewerk. Dann nehmen wir mal an, da muss an der Bühnentechnik was gemacht werden und dann wird das ja eingetaktet. Erst macht der eine das eine, dann schließt der andere sich an.
Wenn in dieser Kette eine Firma nicht leistungsbereit ist oder fähig oder uns wegbricht, dann steht die Baustelle wieder still. Das heißt, dann sind wir wieder gefordert oder unser Vertragspartner dafür zu sorgen, dass es Ersatz gibt, dass es wieder vorangeht. Das sind diese komplexen Maßnahmen, die teilweise dann eben zeitlich nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellt.
Das trifft nicht nur uns, das trifft alle, die bauen. Aber es ist ein gutes Beispiel, um zu verdeutlichen, was eben, sagen wir mal, auch im Rahmen einer Baumaßnahme alles an Schwierigkeiten auftreten kann. Wie sieht denn der Zeitplan für dieses Jahr aus? Was steht da noch so auf Ihrem Zettel? Da steht eine ganze Menge drauf. Wir wollen natürlich Schwerpunkte bei der Polizei setzen, das sagte ich schon.
Wir haben dort eine Vielzahl an, ich sage mal, auch durchaus kleineren Maßnahmen, die aber dazu beitragen, die Betriebssicherheit in den Liegenschaften aufrechtzuerhalten. Und die müssen dringend angepackt werden. Das kann mal eine Strangsanierung sein. Das sind aber auch durchaus Brandschutzmaßnahmen.
Das muss aber nicht immer gleich eine Grundsanierung sein. Das hängt natürlich auch wiederum zusammen mit der Höhe des Sanierungsstaus. Je höher der Sanierungsstau in einzelnen Gebäuden wird, desto weiter geht die Betriebssicherheit eines solchen Gebäudes zurück, kann man sich ja vorstellen. Je mehr Marode in einem Gebäude ist, desto weniger ist gewährleistet, dass die technischen Anlagen wirklich auch funktionieren.
Das heißt, ich muss dann hier mehr reparieren. Ich muss mehr in kleinere Maßnahmen gehen. Und das ist eben etwas, was uns in Zukunft auch beschäftigen wird. Also eher diese Betriebssicherheit auch aufrechtzuerhalten und immer wieder zu versuchen, dabei auch Grundsanierungen. In Angriff zu nehmen und Gebäude wirklich gut herzurichten.
Also das heißt, wenn die Berliner Polizeiwachen in so schlechtem Zustand sind, ist denn Berlin in der Sicherheit auch gefährdet? Nein, Berlin ist in der Sicherheit nicht gefährdet. Also da muss man wirklich sagen, und das möchte ich auch nochmal in aller Deutlichkeit tun, ich habe eine Hochachtung vor den Polizistinnen und Polizisten, die sich völlig zu Recht beklagen, aber trotzdem ihren Dienst hervorragend verrichten.
Deswegen schämen wir uns auch manchmal sehr dafür, wenn wir auf die Standorte gehen und sehen, wie es da aussieht. Und wir tun alles und setzen alles dran, um das zu verbessern. Vielen Dank, dass Sie bei uns waren. Birgit Möhring, Chefin der Berliner Immobilienmanagement, kurz BIM. Vielen Dank für den Besuch.
Ja, sehr gerne. Ich habe mich sehr gefreut, hier zu sein. Danke fürs Gespräch. Das war der NTV-Podcast Wieder was gelernt zum milliardenhohen Sanierungsstau in Berlin. Unseren Podcast finden Sie auf sämtlichen Podcast-Plattformen. Lassen Sie uns gerne eine Bewertung da. Das geht bei Apple Podcasts oder Spotify.
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