
Wieder was gelernt - der ntv-Podcast
So treibt Trump Kanada in die Arme der EU
Donnerstag, 30. Juli 2026 · 8 min
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Shownotes
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Große Bodenschätze, demokratische Werte und eine starke Wirtschaft - Kanada ist ein interessanter Partner für die EU. Enger zusammenarbeiten wollen Ottawa und Brüssel sowieso. Schließlich müssten beide der erpresserischen Politik von US-Präsident Donald Trump standhalten, sagt SWP-Experte Johannes Thimm.
Gast: Johannes Thimm (swp-berlin.org/wissenschaftler-in/johannes-thimm) leitet bei der Stiftung Wissenschaft und Politik die Forschungsgruppe Amerika. Die Stiftung berät den Bundestag und die Bundesregierung bei der Außen- und Sicherheitspolitik.
Text und Moderation: Lea Verstl (n-tv.de/autoren/article4287999.ece)
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Große Bodenschätze, demokratische Werte und eine starke Wirtschaft. Kanada ist aus vielen Gründen ein interessanter Partner für die Europäische Union. Enger zusammenarbeiten wollen Ottawa und Brüssel jetzt sowieso. Schließlich müssen beide der erpresserischen Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump standhalten.
Aber wie genau können die Kanadier und die Europäer voneinander profitieren? Wo liegen die Grenzen der Zusammenarbeit? Und wird Kanada vielleicht sogar der EU beitreten? Antworten auf diese Fragen gibt diese Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt. Abonnieren Sie den Podcast gerne überall, wo es Podcasts gibt.
Und wenn Sie Wieder was gelernt unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Ich bin Lea Ferstl. Hallo und herzlich willkommen. Mal zettelt er einen Handelskrieg an, dann schwelgt er wieder in Annexionsfantasien. Donald Trump riskiert frühere Verbündete der USA fast im Wochentakt.
Viele Länder wenden sich inzwischen von dem launischen US-Präsidenten ab. Dazu gehören auch Kanada und die Europäische Union. Die Verantwortlichen in Ottawa und Brüssel sind bedient davon, dass Trump sie immer wieder kränkt und ziehen Konsequenzen. Johannes Tim beschäftigt sich bereits seit Jahren mit Trump und der US-Außenpolitik.
Er leitet bei der Stiftung Wissenschaft und Politik die Forschungsgruppe Amerika. Die Stiftung berät den Bundestag und die Bundesregierung bei der Außen- und Sicherheitspolitik. Johannes Tim sagt, die Zölle auf US-Importe hätten die kanadische Wirtschaft ins Markt getroffen. So habe Trump Kanada in die Arme der EU getrieben.
Bei der Zusammenarbeit gehe es auch um den Handel mit Bodenschätzen. Das betrifft einmal tatsächlich auch einfach Öl und Gas. Auch da ist Kanada ein wichtiger Exporteur. Und gerade für Europa könnte das eine Möglichkeit sein, weil der Nahe Osten durch den Irankrieg jetzt als Öl- und Gaslieferant deutlich weniger verlässlich geworden ist, weil man sich eben nicht mehr auf die USA verlassen will.
Also die europäischen Staaten haben ja das Wegfallen der russischen Gaslieferungen wegen des Ukraine-Kriegs dadurch ausgeglichen, dass sie verstärkt amerikanisches Flüssiggas importiert und gekauft haben. Und genau wie Kanada hat aber Europa im Moment sehr starke Bedenken, wie verlässlich die USA als Lieferant sind.
Und man will sich eben nicht noch stärker von den USA abhängig machen Und deswegen gibt es sozusagen Überlegungen, die Energielieferungen aus Kanada zu verstärken und eben auch diese kritischen Rohstoffe, einschließlich Seltererden, verstärkt aus Kanada zu beziehen und eben dann auch Kooperationen zu machen, um weitere.
Dieser Rohstoffe zu erschließen und zu fördern. Kaum jemand treibt die Pläne, mehr zu kooperieren, so voran wie Mark Carney. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar wollte der kanadische Premier die Europäer mit einer mutigen Rede wachrütteln. Wenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte, hat er damals gesagt.
Die Mittelmächte müssten gegen Trump zusammenhalten. Mark Carney hat ein enges Verhältnis zu Europa wegen seiner Biografie. Mark Carney war ja selbst, bevor er Premierminister wurde, Präsident der Zentralbank Kanadas. Aber er war auch Präsident der britischen Zentralbank. Und zwar zu der Zeit, als Großbritannien den Brexit beschlossen hatte und der Brexit-Krise.
Gemanagt werden musste. Und in dieser Zeit war er eben Vorsitzender der britischen Zentralbank und hat diese Aufgaben sehr erfolgreich bewältigt. Also der kennt Europa sehr gut, kennt die EU sehr gut. Der hat auch ein sehr großes Selbstbewusstsein. Also der hat eben das Format, dass er sich nicht so leicht von Trump einschüchtern lässt.
Könnten sich vielleicht auch der eine oder die andere europäische Politikerin ein Beispiel dran nehmen. Der kanadische Premier will mit den Europäern aber nicht nur handeln. Kanada und die EU arbeiten künftig auch in der Verteidigungspolitik enger zusammen. Beide sind bisher militärisch von den USA abhängig und wollen das schleunigst ändern.
Brüssel erlaubt Ottawa sogar, sich an europäischen Fördertöpfen zu bedienen. Und ein entscheidender Schritt, also bei so EU-Geschichten muss man ja immer ein bisschen überlegen, was ist Ankündigung und was steckt dann wirklich dahinter, aber ein wichtiger Schritt auch für Kanada, ist die Tatsache, dass die EU es jetzt erlaubt hat, dass europäische Mitgliedstaaten, die sich Rüstungsgüter beschaffen wollen und dafür auf EU-Gelder zurückgreifen.
Diese Rüstungsgüter auch aus Kanada beschaffen können. Das ist eine große Ausnahme. Normalerweise sollen sozusagen für diese Art der Beschaffungsprojekte, wo gemeinsame EU-Gelder für verwendet werden, wo die EU Kredite zur Verfügung stellt, um den EU-Mitgliedstaaten dabei zu helfen, Rüstungsgüter zu beschaffen, die sollten auf dem europäischen Markt gekauft werden.
Aber da hat eben jetzt Kanada auch durch ein neues geschlossenes Abkommen Zugang zu diesem Markt und kann Rüstungsgüter in die EU verkaufen. Die USA sind unter Trump inzwischen eher zum Sicherheitsrisiko für die Kanadier und die Europäer geworden. Am liebsten würde der US-Präsident die dänische Insel Grönland besetzen.
Kanada bezeichnete Trump schon mal als den 51. Bundesstaat der USA. Drohgebärden wie diese sollten zumindest teilweise ernst genommen werden, sagt Johannes Thimm. Ich halte es jetzt auch nicht für realistisch, dass es wirklich zu so einer Art Anschluss kommt. Das machen die Kanadier nicht mit und so weit würde auch Donald Trump nicht gehen.
Kanada sind ja auch NATO-Partner der USA. Aber es ist wohl tatsächlich so, dass es in Alberta, das ist eine westliche Provinz Kanadas, die auch etwas konservativer geprägt ist als der Rest des Landes. Das ist die Region, wo viele dieser Rohstoffe, zumindest der Energievorkommen, sind, Unabhängigkeitsbestrebungen gibt.
Und es gibt Leute aus dem Trump-Umfeld, aus der MAGA-Bewegung, aus Washington, die diese kanadischen Unabhängigkeitsbestrebungen in Alberta unterstützen. Und das ist eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Kanadas, das ist ein Angriff auf die kanadische Souveränität und das ist eigentlich nicht hinnehmbar.
Und es zeigt eben, dass dieses Gerede vom 51. Bundesstaat eben nicht nur Gerede ist, sondern dass es da tatsächlich politische Initiativen in diese Richtung gibt. Dass sich Kanadier und Europäer gemeinsam gegen den übergriffigen Trump wehren, liegt nahe. Geht die Zusammenarbeit aber so weit, dass Kanada der EU beitreten wird?
Für eine Mitgliedschaft müssen die europäischen Verträge geändert werden. Dort sind die geografischen Grenzen festgelegt. Nur europäische Länder dürfen der EU beitreten. Die meisten Kanadier wehren aber dafür, dass ihr Land ein Teil der Europäischen Union wird. In einer Umfrage der kanadischen Tageszeitung The Globe and Mail haben knapp 60 Prozent der Kanadier dazu Ja gesagt.
Wie wahrscheinlich ist ein EU-Beitritt Kanadas? Johannes Tim glaubt eher nicht daran. Ich glaube nur, dass tatsächlich die Bestrebungen dafür noch nicht fortgeschritten genug sind und dass generell natürlich die Hürden für den EU-Beitritt relativ hoch sind und die Verfahren sehr lang sind. Die Aufnahmekriterien würde Kanada wahrscheinlich, zumindest die wirtschaftlichen Aufnahmekriterien würde Kanada sehr gut erfüllen.
Aber ich bin auch nicht sicher, ob das wirklich, trotz dieser Umfragen, die Sie zitiert haben, ein Teil der kanadischen Identität ist. Kanada ist nicht nur eine europäische Nation, es ist eben auch eine pazifische Nation. Es hat gerade in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr viel Einwanderung aus Asien nach Kanada gegeben.
Kulturell gibt es also durchaus Unterschiede zwischen Europäern und Kanadiern. Wenn es hart auf hart kommt, überwiegen am Ende aber vermutlich die Gemeinsamkeiten. Und falls nicht, tut die Notwendigkeit ihr Übriges, Trump die Stirn bieten zu müssen. Das war wieder was gelernt. Ich bin Lea Ferstel. Tschüss und bis zum nächsten Mal.