
Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 35
Libanon – Beirut, Zedern und das Gedächtnis des Nahen Ostens
Mittwoch, 3. Juni 2026 · 27 min
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Shownotes
Diese Folge führt in den Libanon, ein Land von nur 10.452 Quadratkilometern, das eine Geschichte von Jahrtausenden trägt. Wir folgen den Spuren der Phönizier, die das Alphabet entwickelten und mit Zedernholz die antike Welt belieferten, besuchen das phönizische Byblos, das römische Baalbek und die alten Klöster der Qadisha-Schlucht. Wir erkunden Beirut, das einstige Paris des Nahen Ostens, sprechen über die maronitische, drusische, sunnitische und schiitische Vielfalt, über den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990, die Zedernrevolution, die Hafenexplosion 2020 und die Wirtschaftskrise. Wir hören von Fairuz, Gibran und Maalouf, vom Wein des Bekaatals und den letzten Zedernhainen, die der Klimawandel bedroht. Eine ruhige Reise durch ein kleines Land mit einem großen Gedächtnis.
Quellen
Hourani, A. (2013). A history of the Arab peoples (rev. ed.). Faber & Faber.
Salibi, K. (1988). A house of many mansions: The history of Lebanon reconsidered. University of California Press.
Traboulsi, F. (2012). A history of modern Lebanon (2nd ed.). Pluto Press.
UNESCO World Heritage Centre. (o. D.). Ouadi Qadisha (the Holy Valley) and the Forest of the Cedars of God (Horsh Arz el-Rab). whc.unesco.org/en/list/850
Weltbank. (2021). Lebanon economic monitor: Lebanon sinking (to the top 3). World Bank Group.
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Heute reisen wir in ein Land, das auf der Landkarte fast wie ein schmaler Streifen wirkt und doch eine Geschichte trägt, die größer ist als seine Fläche. Der Libanon, offiziell die libanesische Republik, misst gerade einmal rund 10452 Quadratkilometer und ist damit kleiner als Schleswig Holstein.
Auf dieser begrenzten Fläche leben etwa 5,3 Millionen Menschen mit libanesischer Staatsangehörigkeit, hinzukommen geschätzte 1,5 Millionen syrische Geflüchtete und etwa 200000 palästinensische Geflüchtete. Was den Libanon zu einem der Länder mit der weltweit höchsten Aufnahmequote im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung macht.
Die Zahlen schwanken, weil seit 1932 keine offizielle Volkszählung mehr stattgefunden hat. Diese Tatsache allein erzählt schon viel über das Land, denn die konfessionelle Zusammensetzung ist so politisch aufgeladen, dass eine schlichte Bestandsaufnahme als Bedrohung des fragilen Gleichgewichts gilt.
Der Libanon grenzt im Norden und Osten an Syrien, im Süden an Israel und im Westen an das Mittelmeer. Die Küstenlinie erstreckt sich über etwa 225 Kilometer und parallel zum Meer ziehen sich 2 Gebirgszüge durch das Land, dazwischen liegt die fruchtbare, bekar Ebene, der höchste Gipfel der Kürnat A sauda erreicht 3088 Meter.
Wer von Beirut aus startet, kann morgens am Mittelmeer schwimmen und mittags im Gebirge Skifahren. Eine Tatsache, die Reiseführer gern hervorheben und die zugleich ein Bild vom alten, weltgewandten Libanon zeichnet, das in der Realität der vergangenen Jahre brüchiger geworden ist. Beirut, die Hauptstadt, liegt auf einer Halbinsel, die sich in das Mittelmeer hineinschiebt.
Die Stadt wird oft als Paris des Nahen Ostens bezeichnet, ein Beiname, der aus den 1950er und 1960er Jahren stammt, als Beirut tatsächlich ein Zentrum des Bankwesens, des Verlagswesens und der intellektuellen Auseinandersetzung war. Die Stadt zählt heute mit ihrem Großraum etwa 2,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, was bedeutet, dass nahezu jede zweite Person im Libanon in oder um Beirut lebt.
Die Spuren ihrer Geschichte reichen mindestens 5000 Jahre zurück, archäologische Funde belegen eine durchgehende Besiedlung seit der Bronzezeit. Unter dem heutigen Stadtzentrum liegen die Ruinen Kanaanitischer, Phönizischer, römischer, byzantinischer, arabischer Kreuzfahrer, zeitlicher und osmanischer Bauwerke.
Wenn in Beirut eine Baugrube ausgehoben wird, stoßen die Bauarbeiter regelmäßig auf antike Mauern, Mosaike oder Münzen. Die Phönizier jenes seefahrende Volk, dessen Erbe sich der heutige Libanon mit besonderem Stolz aneignet, errichteten an dieser Küste ein Netz von Stadtstaaten, das die antike Mittelmeerwelt entscheidend prägte. Die wichtigsten dieser Städte waren Byblos, Tyros, Sidon und Berytos, das heutige Beirut.
Byblos, auf arabisch Ibail, gilt als eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt mit Siedlungsspuren, die etwa 8000 Jahre zurückreichen. Der Name Bibel leitet sich vom griechischen Wort für Papyrus ab, der über Byblos in den Mittelmeerraum gehandelt wurde, und so trägt das wichtigste Buch Dabiskis der westlichen Religionsgeschichte den Namen einer libanesischen Hafenstadt.
Die Phönizier waren es auch, die zwischen dem 11 und 9. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ein Alphabet entwickelten, das mit nur 22 Konsonantenzeichen auskam und damit die Grundlage für das griechische, Lateinische, hebräische, arabische und letztlich für nahezu alle alphabetischen Schriften der Welt legte.
Wenn wir heute lesen und schreiben, tun wir das auf einem Fundament, das vor fast 3000 Jahren an dieser Küste gelegt wurde. Die Phönizier handelten mit Zedernholz, Purpurfarbe und Glas, besonders das Holz, der Libanon Zeder, Zedrus Libany war im Altertum begehrt, es war fest Harzreich, langlebig und gegen Schädlinge widerstandsfähig.
Die Pharaonen Ägyptens bezogen Zedernholz für ihre Tempel und Sonnenschiffe. Der biblische König Salomon ließ den Tempel in Jerusalem mit Zedernbalken errichten und die Schiffe der phönizischen Flotte bestanden aus diesem Holz. Die Bibel erwähnt die Zedern des Libanon an mehr als 70 stellen, und sie wurden zum Sinnbild für Stärke, Reinheit und Beständigkeit. Heute sind diese Wälder fast verschwunden. Wo einst geschlossene Zedernforste die Hänge des Libanongebirges bedeckten, finden sich nur noch Reste. Der größte und bekannteste ist der Pscharihain, auch Wald, der Zederngottes genannt, im Norden des Landes, auf etwa 2000 Metern Höhe, dort wachsen rund 375 Bäume, von denen einige nachweislich über 1000 Jahre alt
sind. Und einzelne werden auf bis zu 3000 Jahre geschätzt. Seit 1998 ist dieser Hain Teil des UNESCO Welterbes, die CDR ist heute nicht nur ein botanisches Relikt, sondern das zentrale nationale Symbol, sie ziert die libanesische Flagge in der Mitte zwischen 2 roten Streifen auf weißem Grund, die. Die Flagge wurde 1943 angenommen. Im Jahr der Unabhängigkeit von Frankreich. Die Zeder steht für Unsterblichkeit und Verwurzelung, das Weiß für den Schnee der Berggipfel und für Frieden das Rot für das Blut, der für die Unabhängigkeit gefallenen.
Der Klimawandel bedroht inzwischen die letzten Bestände, die. Studien zeigen, dass die Schneedecke im Libanongebirge in den vergangenen Jahrzehnten merklich zurückgegangen ist und dass sich die Vegetationszonen nach oben verschieben. Die Zeder, die kühle, feuchte Höhenlagen braucht, hat immer weniger Raum.
Forschende rechnen damit, dass ohne Schutzmaßnahmen ein Großteil der natürlichen Verbreitungsgebiete bis zum Ende dieses Jahrhunderts verschwunden sein könnte. Aufforstungsprojekte wie das Programm der Organisation Josur Lubnan haben 100 Tausende junger Zedern und anderer einheimischer Arten gepflanzt. Doch eine Zeder erreicht erst nach etwa 40 Jahren eine sichtbare Größe.
Die Geschichte des Libanon ist eine Geschichte der Überschichtungen nach den Phöniziern kamen die Assyrer, die Babylonier, die Perser. Mit Alexander dem Großen die Griechen, danach die Römer und Byzantiner. Die Römer hinterließen in Bahlbeck im Bekatal eines der eindrucksvollsten Tempelensembles der antiken Welt. Die Anlage der Jupiter, Baccus und Venus geweiht war, beherbergt den größten römischen Tempel überhaupt, die 6 noch stehenden Säulen des Jupitertempels sind etwa 22 Meter hoch.
Die Steinblöcke des Fundaments gehören zu den größten je verbauten Megaliten. Einzelne Wiegen über 800 Tonnen. Wie diese Steine vor rund 2000 Jahren bewegt wurden, beschäftigt die Bauforschung bis heute, bahlbeck ist seit 1984 Unesco Welterbe, ebenso wie Tyros, Byblos und die Cadisha Schlucht mit ihren frühchristlichen Klöstern.
Im siebten Jahrhundert kam Mitte der arabischen Eroberungen der Islam in die Region, doch das Libanongebirge blieb über die Jahrhunderte ein Rückzugsraum für religiöse Minderheiten, die maronitischen Christen eine ostkirchliche Gemeinschaft, deren Ursprung auf den syrischen Mönch Maron im vierten und fünften Jahrhundert zurückgeht, siedelten ab dem siebten Jahrhundert in den Hochtälern des Nordens.
Sie blieben dort, als das Umland muslimisch wurde, und entwickelten eine eigenständige Identität, die später eine besondere Beziehung zu Rom und zum französischen Königshaus pflegte. Die Drosen, eine im 11. Jahrhundert aus dem schiitischen Islam hervorgegangene esoterische Gemeinschaft, fanden im Schufgebirge südöstlich von Beirut Zuflucht. Schiitische Muslime siedelten vor allem im Süden und in der nördlichen bekha Ebene, sunnitische Muslime in den Küstenstädten.
Diese geografische Verteilung der Konfessionen ist bis heute spürbar, während der Kreuzzüge zwischen dem 11 und 13 Jahrhundert war die libanesische Küste Schauplatz heftiger Kämpfe. Anschließend gehörte das Gebiet zum Mamlukischen, später zum Osmanischen Reich, das etwa 400 Jahre lang von 1516 bis 1918 die Region beherrschte.
Unter den Osmanen genossen die Bergregionen eine gewisse Autonomie, verwaltet von lokalen Emiren, von denen Fakredine II im frühen 17 Jahrhundert besonders hervortrat. Er versuchte, einen eigenständigen libanesischen Staat zu etablieren, baute Beziehungen zur Toskana und zu Frankreich auf und führte den Seidenanbau im großen Stil 116 135 wurde er auf Befehl des Sultans hingerichtet.
Im 19 Jahrhundert geriet der Libanon zunehmend in das Blickfeld der europäischen Großmächte. Frankreich verstand sich als Schutzmacht der Maroniten, Russland der Orthodoxen, Großbritannien der Drusen, 1860 brach im Libanongebirge ein konfessioneller Bürgerkrieg aus, bei dem schätzungsweise 10000 bis 20000 maronitische Christen getötet wurden. Die europäischen Mächte intervenierten und das Osmanische Reich musste der Bergregion einen Sonderstatus als Muttersarifat Libanonberg gewähren, verwaltet von einem christlichen Gouverneur unter osmanischer Oberhoheit. Mit dem Zerfall des Osmanischen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Frankreich 1920 das Mandat, über das Gebiet und schuf den Großlibanon in seinen
heutigen Grenzen er. In dem es die Bergregion um die Küstenstädte, den Nordteil und die bekka Ebene erweiterte. Damit wurden auch große muslimische Bevölkerungsanteile in den neuen Staat einbezogen. 1943 mitten im Zweiten Weltkrieg erklärte sich der Libanon für unabhängig. Politiker aus den verschiedenen Konfessionen schlossen den Nationalpakt eine ungeschriebene Übereinkunft, die die wichtigsten Staatsämter konfessionell verteilte.
Der Staatspräsident sollte stets ein maronitischer Christ sein, der Ministerpräsident ein sunnitischer Muslim, der Parlamentspräsident ein schiitischer Muslim, der stellvertretende Parlamentspräsident ein griechisch orthodoxer Christ. Die Sitze im Parlament wurden im Verhältnis 6 zu 5 zugunsten der Christen verteilt.
Diese Aufteilung beruhte auf der Volkszählung von 1932, da sich die demografische Zusammensetzung seither erheblich verschoben hat, gilt der Pakt vielen als Quelle anhaltender Spannung, doch jeder Versuch einer Reform berührt das fragile Gleichgewicht. In den 1900 50er und 1900 60er Jahren erlebte der Libanon eine Blütezeit.
Beirut wurde zum Finanzplatz der arabischen Welt, die Universitäten zogen Studierende aus der ganzen Region an, die Amerikanische Universität Beirut gegründet 1866 und die Universität Saint Joseph gegründet 1875. Gehörten zu den renommiertesten Hochschulen des Nahen Ostens. Die libanesische Presse veröffentlichte das, was in Damaskus, Bagdad oder Kairo zensiert wurde.
Künstlerinnen wie die Sängerin Fairus, geboren 1934 als nuhad Hadad, prägten eine arabische Moderne, die Tradition und westliche Einflüsse verband. Fairus. Die mit den Komponisten Assi und Mansur Rabbani zusammenarbeitete, gilt heute als kulturelle Ikone des gesamten arabischen Raums, und ihre Stimme begleitet bis heute die Morgenstunden in unzähligen libanesischen Haushalten.
Doch unter der Oberfläche wuchsen die Spannungen. Die palästinensischen Geflüchteten, die nach der Gründung Israels 1948 und dem Sechstagekrieg 1967 in den Libanon gekommen waren, organisierten sich politisch und militärisch. Die Palästinensische Befreiungsorganisation verlegte nach ihrer Vertreibung aus Jordanien 1970 ihr Hauptquartier nach Beirut im April 1975 brach der Bürgerkrieg aus. Der bis 1990 andauern sollte.
Die Konfliktlinien verliefen zunächst zwischen christlichen Milizen und einem Bündnis aus linken, muslimischen und palästinensischen Kräften, doch im Verlauf der 15 Kriegsjahre zersplitterte das Konfliktgeschehen in zahllose Allianzen und Bruchlinien, Syrien intervenierte 1976 in. Israel marschierte 1978 und 1982 in den Süden ein.
Die Belagerung Beiruts im Sommer 1982 dauerte über 2 Monate. In den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Satila wurden im September 1982 zwischen 803500 Zivilisten von christlichen Milizen ermordet, während israelische Truppen das Gebiet kontrollierten. Insgesamt forderte der Libanesische Bürgerkrieg etwa 150000 Todesopfer.
Hinterließ rund 17000 Vermisste, deren Schicksal bis heute ungeklärt ist, und trieb fast 1000000 Menschen ins Ausland. Beirut wurde durch eine Demarkationslinie geteilt, die sogenannte Green Line, weil sich entlang der verlassenen Häuser üppige Vegetation breitmachte. Mit dem Abkommen von Taif, das 1989 in Saudi Arabien geschlossen wurde, endete der Krieg offiziell. Das Abkommen änderte die Sitzverteilung im Parlament auf 50 zu 50 zwischen Christen und Muslimen. Die meisten Milizen wurden entwaffnet, mit einer entscheidenden Ausnahme.
Die Hisbollah, eine schiitische Bewegung, die 1982 als Reaktion auf die israelische Invasion mit iranischer Unterstützung entstanden war. Durfte ihre Waffen behalten, da sie als Widerstandsbewegung gegen die israelische Besatzung im Südlibanon galt, die erst im Mai 2000 endete. Die Nachkriegszeit brachte eine ambitionierte Wiederaufbauphase, der Geschäftsmann und spätere Ministerpräsident Rafik Hariri ließ das zerstörte Stadtzentrum nach einem umstrittenen Konzept neu errichten, die. Hariri wurde am 14 Februar 2005 durch ein Sprengstoffattentat in der Beiruther Innenstadt getötet. Das Attentat löste die sogenannte Zedernrevolution aus, eine Massenbewegung, die den Abzug der syrischen Truppen forderte, die seit dem
Bürgerkrieg im Land stationiert waren. Innerhalb weniger Wochen verließ die syrische Armee nach 29 Jahren das libanesische Staatsgebiet. Im Sommer 2006 kam es zum sogenannten Julikrieg zwischen der Hisbollah und Israel. 34 Tage lang bombardierte die israelische Luftwaffe libanesische Infrastruktur, schätzungsweise 1200, libanesinnen und Libanesen, überwiegend Zivilisten, kamen ums Leben sowie etwa 160 Menschen auf israelischer Seite. Überwiegend Soldaten mit dem Bürgerkrieg in Syrien der 2011 begann, kam eine neue Welle von Geflüchteten in den Libanon. Bis 2014 hatten sich offiziell über 1000000 Syrerinnen und Syrer im Land registriert, die ohnehin angespannte Infrastruktur, das Schul,
gesundheits und Energiesystem geriet unter immensen Druck. Bis heute haben weite Teile des Libanon nur wenige Stunden pro Tag staatlichen Strom, der Rest wird durch private Dieselgeneratoren überbrückt. Die Wirtschafts und Finanzkrise, die im Oktober 2019 mit Massenprotesten begann, gilt nach Einschätzung der Weltbank als eine der 3 schwersten Wirtschaftskrisen weltweit seit Mitte des 19 Jahrhunderts.
Das libanesische Pfund verlor binnen 3 Jahren über 98% seines Wertes gegenüber dem Dollar. Die Inflation überschritt zeitweise 200% jährlich, Banken beschränkten die Auszahlungen für Sparerinnen und Sparer, viele lebensersparnisse waren faktisch verloren, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte zwischen 2018 und 2021 um etwa 40%.
Eine Mittelschicht, die einst stolz auf ihre kosmopolitische Lebensart gewesen war, verarmte binnen Monaten schätzungsweise 1000000 Libanesinnen und Libanesen leben heute in der Diaspora in Brasilien, in den Vereinigten Staaten, in Frankreich, in Kanada, in Australien und in zahlreichen afrikanischen Staaten. Am 4.
August 2020 ereignete sich im Hafen von Beirut eine der größten nicht nuklearen Explosionen der Geschichte, etwa 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, die seit 2014 unsachgemäß gelagert worden waren, detonierten. Die Druckwelle zerstörte Teile der Innenstadt, beschädigte mehr als 70000 Wohnungen und tötete mindestens 218 Menschen. Weitere 7000 wurden verletzt, rund 300000 verloren Obdach, die Explosion war noch in Zypern 240 Kilometer entfernt zu spüren, bis heute ist die strafrechtliche Aufarbeitung blockiert.
Für viele Libanesinnen und Libanesen wurde der 4. August zum Sinnbild eines Staates, der seine Bürgerinnen und Bürger nicht mehr schützt. Trotz allem entfaltet sich im Libanon ein kulturelles Leben, dessen Reichtum auch unter widrigsten Umständen nicht versiegt. Die libanesische Küche von Humus über Tabulé, von Quibee über Manakisch bis zum Metze. Gilt international als eine der Raffiniertesten der Region. Sie ist Ausdruck eines mediterranen Erbes, das die Phönizier, die Römer, die Osmanen und die französische Mandatszeit gemeinsam geformt haben. Olivenöl, frische Kräuter, Zitrusfrüchte, Bulgur, Granatapfelmelasse und Tahini sind die tragenden Säulen, die. Die Weintradition des Bekkatals
reicht in phönizische Zeit zurück. Heute keltern Weingüter wie Chateau Musar, Chateaux Sara und Chateaux Kefrailler Tropfen, die international Beachtung finden. Chateau Musar wurde 1930 von Gaston Hochard gegründet und auch während der schlimmsten Bürgerkriegsjahre soll dort jeder Jahrgang gekeltert worden sein, ein bemerkenswertes Zeichen kultureller Beharrlichkeit.
Die libanesische Literatur, geschrieben auf Arabisch, Französisch und Englisch, hat international wirksame Stimmen hervorgebracht. Gibran Chalil Gibran, geboren 1883 in Beschari gestorben 1931 in New York, schrieb mit der Prophet eines der meistübersetzten Bücher des 20 Jahrhunderts, Amin Maluf. Geboren 1949 in Beirut, lebt seit 1976 in Frankreich und wurde 2011 in die Akademie Francaise aufgenommen. Sein Werk von die Kreuzzüge aus arabischer Sicht bis mörderische Identitäten bietet eine kenntnisreiche Reflexion über kulturelle Vielfalt und nationale Identität. In der Musik hat der Libanon weit über seine Grenzen hinausgewirkt neben Fairruts prägen Künstler wie Marcel Chalife, dessen Vertonungen der
Gedichte des palästinensischen Dichters Mahmud Darwisch zu Hymnen wurden, die kulturelle Landschaft, die Umweltsituation des Landes ist prekär, die Müllkrise, die 2015 mit der Schließung der zentralen Mülldeponie Nameh begann. Und in den Straßen Beiruts zu wochenlangem Müllchaos führte, machte sichtbar, wie sehr Korruption und Klientelpolitik selbst die Grundversorgung lähmen.
Die Küste leidet unter Abwassereinleitungen die Luftqualität in Beirut wird vor allem durch den Verkehr und die unzähligen Dieselgeneratoren beeinträchtigt. Studien der amerikanischen Universität Beirut zeigen, dass die Feinstaubbelastung in der Hauptstadt regelmäßig die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation überschreitet. Zugleich gibt es ein wachsendes Bewusstsein und Initiativen, die sich für Umweltschutz einsetzen, Naturschutzgebiete wie das Schufbiosphärenreservat, das größte des Landes mit 550 Quadratkilometern schützen verbliebene Zedernbestände. Eine reiche Pflanzen und Tierwelt und alte Terrassenlandschaften im Herbst 2024 erschütterte ein erneuter Krieg zwischen Israel und der
Hisbollah den Libanon. Nach einem Jahr von Grenzgefechten, das im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza begonnen hatte, eskalierten die Kämpfe im September und Oktober 2024. Eine massive Bombenkampagne, eine Bodenoffensive im Süden und die Tötung des langjährigen Hisbollah Generalsekretärs Hassan Nasrallah am 27 September 2024 markierten den dramatischsten Einschnitt seit dem Bürgerkrieg im November. 2024 trat eine Waffenruhe in Kraft, vermittelt durch die Vereinigten Staaten und Frankreich. Die Schäden sind enorm.
Ganze Ortschaften im Süden und in der bekka Ebene wurden zerstört, 100 Tausende waren Binnenvertrieben mit der Wahl Joseph Auens zum Staatspräsidenten im Januar 2025 und der Ernennung Nawaf Salams zum Ministerpräsidenten begann ein vorsichtiger Versuch politischer Erneuerung, dessen Erfolg ungewiss bleibt, eine Erde.
Die mit ihren Zedernhainen, ihren Korallenriffen, ihren Mohren und Wüsten so viel geleistet hat, verdient eine Sorgfalt, die über die Tagespolitik hinausreicht. Und ein Land, das so oft am Abgrund stand und in dem so viele Stimmen so leidenschaftlich um die Form ihres Zusammenlebens ringen, erinnert daran, dass auch eine Fragile. Manchmal mühsame demokratische Verständigung wertvoller ist als jede Ordnung, die mit Waffen erzwungen wird. Die Zedern haben gelernt, mit Stürmen zu leben, vielleicht ist das die leise Lehre, die der Libanon der Welt weitergibt.