
Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 37
Chile – Atacama, Patagonien und der längste Landrücken der Erde
Donnerstag, 11. Juni 2026 · 26 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Diese Folge führt nach Chile, jenen schmalen Streifen Land, der sich über 4.300 Kilometer von der Atacama bis nach Kap Hoorn zieht. Wir besuchen die trockenste Wüste der Welt mit ihren riesigen Teleskopen und ältesten Mumien der Menschheit, hören vom 9,5er-Beben von Valdivia 1960 und von 56 aktiven Vulkanen, vom Kupfer, das die Welt mit Leitungen versorgt, und vom Lithium, das in den Salzseen lagert. Wir folgen den Spuren der Mapuche, sprechen über Allende, die Diktatur Pinochets und den verfassungspolitischen Aufbruch seit 2019. Wir hören von Neruda und Mistral, von Patagoniens Gletschern und Torres del Paine, von Carménère-Wein und den Moai der Osterinsel. Eine ruhige Reise durch ein Land, das jedes Klima der Erde auf einem schmalen Rücken trägt.
Quellen
Collier, S. & Sater, W. F. (2004). A history of Chile, 1808–2002 (2nd ed.). Cambridge University Press.
Comisión Nacional sobre Prisión Política y Tortura. (2004). Informe Valech. Gobierno de Chile.
Garreaud, R. D. et al. (2020). The Central Chile Mega Drought (2010–2018): A climate dynamics perspective. International Journal of Climatology, 40(1), 421–439.
UNESCO World Heritage Centre. (o. D.). Settlement and artificial mummification of the Chinchorro culture in the Arica and Parinacota Region. whc.unesco.org/en/list/1634
Weltbank. (2024). Chile country overview. World Bank Group.
Weitere Schlafreise Reihen:Schlafreise durch das Periodensystem der Elemente (open.spotify.com/show/03THZe9B4c7Vj9wKhrguAG?s…)Schlafreise durch die Natur (open.spotify.com/show/2p1D2FnFb4SAWh4V0otDBj?s…)Schlafreise durch vergessene Welten (open.spotify.com/show/1cIURslV7tA4ogc6R7lkOQ?s…)Schlafreise durch das Universum (open.spotify.com/show/1NWso6EVJt3G3ILJmQOzDt?s…)
Englische Reihen:Sleep Journey through Lost Worlds (open.spotify.com/show/6y7nbw6KHTs06A7engHj4C?s…)
Weitere Wissensreise Reihen:Wissensreise durch die Psychologie (open.spotify.com/show/47d45rBzQO7QalFfhy2Olq?s…)Wissensreise durch die Länder der Erde (open.spotify.com/show/5cD50trcQMfWpw19dJuGMm?s…)Wissensreise durch die Urzeit (open.spotify.com/show/70D3GCMGUldf8cHwH7i7Bc?s…)Wissensreise durch die Geschichte (open.spotify.com/show/22pLqMMAUbfx0gSBzKCZmP?s…)
Hinweis: Die Vertonung ist KI-unterstützt. Das Skript an sich wurde von uns ohne KI erstellt. Die neuen Folgen von Schlafreise durch das Universum und der Psychologie sind komplett ohne produziert.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch die Länder der Erde, deinem Podcast zum Entspannen, Loslassen und lernen. Wenn dir der Podcast gefällt, bewerte ihn bitte, das hilft uns, weitere Folgen zu produzieren heute reisen wir in ein Land, das einer geografischen Laune zu trotzen scheint.
Chile zieht sich als schmaler Streifen am westlichen Rand Südamerikas von der Wüste bis nahe an die Antarktis. Von Arika im Norden bis Kap Horen im Süden misst das Festland etwa 4300 Kilometer in der durchschnittlichen Breite hingegen nur rund 180 Kilometer. Damit ist Chile das langgestreckteste Land der Erde. Wäre das Land waagerecht über Europa gelegt, würde es von Lissabon bis ins westliche Russland reichen. Diese außergewöhnliche Form ergibt sich aus der Geographie, denn im Osten erhebt sich die Andenne Cordillere, die das Land über seine gesamte Länge begrenzt, im Westen schiebt sich der Pazifik bis an die Küste, und so entstand auf einem Streifen zwischen Berg und Meer ein Staat, in dem fast jedes Klima der Erde zu finden ist.
Die Republik Chile umfasst etwa 756000 Quadratkilometer Festland, dazu kommen pazifische Inselbesitzungen wie die Osterinsel, die Juan Fernandez Inseln und der chilenische Antarktis Sektor mit weiteren rund 1,2 5000000 Quadratkilometern auf dem Festland leben etwa 19,8 Millionen Menschen mehr als 40% davon in.
Im Großraum der Hauptstadt Santiago die geologische Geschichte Chiles ist eine Geschichte beständiger Bewegung. Die Natzka Platte schiebt sich mit etwa 7 Zentimetern pro Jahr unter die südamerikanische Platte, eine der schnellsten Subduktionen weltweit. Daraus erklärt sich, warum Chile eines der Seismisch aktivsten Länder der Erde ist.
Über 50 aktive Vulkane verteilen sich entlang der Anden, der Villarica im Süden gilt als einer der aktivsten Südamerikas. Der Ojos del Salado an der Grenze zu Argentinien ist mit 6893 Metern der höchste Vulkan der Erde und nachdem Akoncagua der zweithöchste Berg der westlichen Hemisphäre. Die ständige Bewegung des Untergrunds prägt die Architektur, die Bauvorschriften und das alltägliche Bewusstsein der Chileninnen und Chilenen. Im äußersten Norden erstreckt sich die Atacama, jene Wüste, die als die trockenste der Welt gilt, an manchen Messstellen wurden über Jahrzehnte hinweg keine messbaren Niederschläge verzeichnet, die.
Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt vielerorts unter 2 Millimetern pro Jahr. In extrem trockenen Sektoren noch weit darunter. Die Kombination aus dem kalten Humboldtstrom im Pazifik, der Verdunstung dämpft dem Regenschatten der Anden und der Lage in einer Hochdruckzone hat hier eine Landschaft geschaffen, die der Marsoberfläche so ähnelt, dass NASA und ESA Geräte in der Atacama testen, bevor sie zum Roten Planeten geschickt werden. Die klare Luft, die geringe Bewölkung und die Höhenlage von mehr als 2000 Metern machen die Wüste zugleich zu einem der besten Orte der Welt für die Astronomie in den Bergen rund um San Pedro de Atacama steht das Atacama Large Millimeter Array, kurz Alma, das größte
Bodengebundene Radioobservatorium der Welt. Ein Verbund aus 66 Antennen auf 5000 Metern Höhe auf dem Cero Paranal betreibt die Europäische Südsternwarte das Very Large Telescope und am Cero Amazonis entsteht derzeit das Extremely Large Telescope, das nach seiner Fertigstellung mit einem Hauptspiegel von 39 Metern das größte optische Teleskop der Erde sein wird. Etwa 40% der weltweiten astronomischen Beobachtungskapazität konzentriert sich heute im Norden Chiles und nach Schätzungen könnte dieser Anteil in den kommenden Jahren auf über die Hälfte steigen. Der Sternenhimmel über der Atacama ist von einer Klarheit, die in den meisten Teilen der Welt verloren gegangen ist. In dieser scheinbar leblosen
Landschaft finden sich überraschende Spuren menschlicher Geschichte. Im Tal von Chinchoro an der Nordküste haben Archäologinnen und Archäologen die ältesten künstlich mumifizierten Körper der Welt entdeckt. Die chinchoro Kultur begann etwa 7000 vor unserer Zeitrechnung mit der Einbalsamierung ihrer Toten, also etwa 2000 Jahre früher, als die Ägypter seit 2021 sind diese Stätten Unesco Welterbe. Weiter im Inland hinterließ das Volk der Atacamenos in San Pedro de Atacama und den umliegenden Oasensiedlungen, die seit über 1000 Jahren bewohnt sind.
Im 15 Jahrhundert dehnte sich das Inkarreich bis in die nördlichen Andengebiete des heutigen Chile aus, doch die Inka stießen weiter südlich auf den entschlossenen Widerstand der Mapuche eines Volkes. Das im fruchtbaren Mittelland und in den südlichen Wäldern lebte. Die Mapuche hielten ihre Unabhängigkeit auch über die spanische Eroberung hinaus und führten einen langwierigen Konflikt mit der spanischen Krone, der mehr als 3 Jahrhunderte währte und in vielen Phasen mit Verträgen, Grenzziehungen und neuen Aufständen einherging.
Bis heute leben die Mapuche. Deren Name in ihrer Sprache Mapudungun die Menschen des Landes bedeutet vor allem im Süden des Landes und stellen mit etwa 1,7 Millionen Menschen die größte indigene Bevölkerung Chiles. Die spanische Eroberung begann 1541, als Pedro de Valdivia die Stadt Santiago am Fuß der Anden gründete.
Über die folgenden Jahrhunderte entwickelte sich die Kolonie als entlegene und vergleichsweise arme Provinz des Vizekönigreichs Peru. Erst die unabhängigkeitsbewegungen Anfang des 19 Jahrhunderts veränderten diese Lage grundlegend. Am 18 September 1810 bildete sich in Santiago eine erste Regierungsjunta ein Datum, das bis heute als Nationalfeiertag begangen wird.
Nach Jahren des Kampfes proklamierte Bernardo Ohiggins, Sohn eines irischstämmigen Vizekönigs Perus, am 12 Februar 1818 die formelle Unabhängigkeit von Spanien mit der Schlacht von Maypu im April desselben Jahres, in der die patriotischen Truppen unter josé de San Martin die Royalisten schlugen, war die spanische Herrschaft militärisch beendet.
O. Higgins gilt als Vater des modernen Chile und sein Reiterstandbild prägt zentrale Plätze des Landes. Im 19 Jahrhundert erweiterte Chile seine Grenzen mehrfach im Salpeterkrieg von 1879 bis 1884, auch Pazifikkrieg genannt, besiegte Chile eine Allianz aus Peru und Bolivien. In der Folge gewann es die nördlichen Wüstenregionen, in denen riesige Vorkommen an Natriumnitrat und Kupfer lagen. Bolivien verlor durch diesen Krieg seinen Zugang zum Meer, eine historische Wunde, die das Verhältnis der beiden Länder bis heute belastet, der Salpeter war im späten 19 und frühen 20 Jahrhundert ein zentraler Rohstoff für Düngemittel und Sprengstoffe.
Und sein Export bescherte Chile einen rasanten Aufschwung zwischen 1880 und 1920, entstanden in der Atacama Dutzende von Bergwerkssiedlungen, sogenannte Ophicinas, deren Ruinen heute zum Teil Welterbe sind, etwa die Stätten Humberstone und Santa Laura. Mit der Erfindung der industriellen Stickstoffsynthese durch Fritz Haber und Karl Bosch in den Jahren um 1909 verlor der natürliche Salpeter rasch an Bedeutung und die Officinas wurden eine nach der anderen verlassen.
Heute liegen sie wie Geisterstätte in der Wüste mit ihren wellblechfassaden Theatern und Schulen, deren leere Klassenräume noch die Buchstaben an den Tafeln tragen. Der wirtschaftliche Schwerpunkt verlagerte sich auf das Kupfer. Chile besitzt die größten bekannten Kupferreserven der Welt und ist mit Abstand der größte Produzent.
Etwa ein Viertel der globalen Kupferförderung stammt aus chilenischen Minen, die Mine Chuki Camata in der Atacama ist eine der größten Tagebauminen der Welt, ihr offenes Becken misst etwa 4,3 Kilometer Länge. 3 Kilometer breite und über 1000 Meter Tiefe auch die Mine El Teniente in der Nähe von Rankagua zählt zu den weltweit größten unterirdischen Kupferminen. Mit der Energiewende und der wachsenden Nachfrage nach Elektromobilität gewinnt zudem das Lithium an Bedeutung, das in den Salzseen der Atacama, vor allem im Salar der Atacama in großen Mengen vorkommt.
Chile hält etwa ein Drittel der weltweit nachgewiesenen Lithiumreserven und ist nach Australien der zweitgrößte Förderer. Der Abbau ist allerdings hoch umstritten, weil die Salzsohle, aus der das Lithium gewonnen wird, in der ohnehin trockensten Region der Welt enorme Wassermengen beansprucht und die fragilen Ökosysteme der Lagunen mit ihren Flamingopopulationen bedroht.
Im 20 Jahrhundert war Chile lange eine der stabileren Demokratien Lateinamerikas. Es gab reformregierungen, Volksparteien, eine starke Gewerkschaftsbewegung und eine ausdifferenzierte Zivilgesellschaft. 1970 wurde Salvador Allende, ein sozialistischer Arzt und langjähriger Senator, zum Präsidenten gewählt.
Er war der erste marxistische Staatschef, der durch freie demokratische Wahlen ins Amt gekommen war. Seine Regierung verstaatlichte die Kupferindustrie und führte weitreichende Agrarreformen durch. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten, soziale Polarisierung und die offene und verdeckte Einflussnahme der Vereinigten Staaten, deren CIA bereits vor Allendes Amtsantritt Operationen gegen ihn durchführte, schwächten die Regierung am 11 September 1973 putschte das Militär unter General Augusto Pinochet. Allende kam im Präsidentenpalast La Moneda während der Bombardierung des Gebäudes ums Leben. Es begann eine Diktatur, die bis 1990 dauern sollte. Die Bilanz dieser Diktatur ist erschütternd, die Wahrheitskommissionen Rettich
und Vallech haben zusammen mehr als 40000 Opfer politischer Gewalt dokumentiert. Etwa 3200 Menschen wurden ermordet oder bleiben bis heute verschwunden, etwa 38000 wurden gefoltert, Tausende flohen ins Exil. In Lagern wie der Villa Grimaldi oder dem Estadio National fanden systematische Misshandlungen statt, zugleich setzte das Regime in der Wirtschaftspolitik auf eine radikale Marktöffnung.
Beraten von einer Gruppe chilenischer Ökonomen, die in Chicago bei Milton Friedman studiert hatten und als die Chicago Boys bekannt wurden. Sie privatisierten staatliche Unternehmen, deregulierten Märkte und führten ein privates Renten und Krankenversicherungssystem ein, das in vielen Aspekten als Vorbild für spätere Reformen in anderen Ländern diente. Die.
Chile wurde zu einem wirtschaftlichen Aufsteiger Lateinamerikas, doch die soziale Ungleichheit blieb hoch. 1988 verlor Pinochet ein Plebiszit, in dem die Bürgerinnen und Bürger über eine weitere Amtszeit abstimmten, 1990 trat ein gewählter Präsident, Patricio Ailwin, das Amt an Pinochet. Behielt bis 1998 die Stellung des Oberbefehlshabers der Armee. Später blieb er Senator auf Lebenszeit. Im selben Jahr wurde er in London auf Antrag eines spanischen Richters verhaftet, was eine internationale Debatte über universelle Gerichtsbarkeit auslöste. 2006 starb er, ohne je verurteilt worden zu sein.
Die Aufarbeitung der Diktatur prägt das Land bis heute. Mit Gedenkstätten wie dem Museo de la Memoria Ilos Dereccius Humanos in Santiago mit gerichtlichen Verfahren, die noch immer laufen, und mit Familien, die auf die Klärung des Schicksals ihrer Angehörigen warten. Die wiederhergestellte Demokratie ist eine der stabileren in Lateinamerika geworden, mit regelmäßigen Wahlen und einem breiten Parteienspektrum von links bis rechts im Oktober. 2019 erschütterten allerdings große Protestbewegungen das Land, ausgelöst durch eine Erhöhung der Metropreise in Santiago. Die rasch zu einem Aufstand gegen tiefgreifende soziale Ungleichheit, hohe Bildungs und Gesundheitskosten und die starre Verfassung von 1980 anwuchsen
die Slogans es geht nicht um 30 Pesos, es geht um 30 Jahre wurden zum Sinnbild, 2020 stimmten knapp 80% der Wählerinnen und Wähler in einem Referendum für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Ein erstes Verfassungsprojekt wurde 2022 in einer Volksabstimmung deutlich abgelehnt. Ein zweites 2023, ebenfalls 2022, wurde Gabriel Borric, ein ehemaliger Studentenführer mit 35 Jahren, der bis dahin jüngste Präsident der Geschichte des Landes. Sein Mandat steht für den Versuch, eine neue, Beteiligungsorientierte und umweltbewusste Politik zu gestalten, in einem schwierigen wirtschaftlichen und politischen Umfeld.
Die Hauptstadt Santiago liegt im fruchtbaren Mittelland auf etwa 520 Metern Höhe, eingebettet zwischen der Andenkordillere im Osten und der Küstenkordillere im Westen. Die Stadt zählt mit ihrem Großraum etwa 7000000, Einwohnerinnen und Einwohner, ihre Lage in einem Talkessel macht sie anfällig für Smog, insbesondere in den Wintermonaten. Doch wenn an klaren Tagen die schneebedeckten Andengipfel über dem Häusermeer auftauchen, gehört Santiago zu den eindrucksvollsten Hauptstädten der Welt. Das historische Zentrum mit dem Hauptplatz, der Kathedrale und dem Präsidentenpalast La Moneda erinnert an die koloniale Vergangenheit.
Während Viertel wie Lastaria, Bellavista oder Vitacura die kulturelle und kulinarische Dynamik des modernen Chile zeigen. Etwa 100 Kilometer westlich liegt Valparaiso, der wichtigste Hafen des Landes, eine Stadt der steilen Hügel, der Standseilbahnen, der bunten Wellblechhäuser und der literarischen Erinnerungen.
Denn hier hatte der Nobelpreisträger Pablo Neruda eines seiner 3 Häuser, las Sebastiana Valparaiso ist seit 2003 Unesco Welterbe Seal. Die Küche Chiles ist mediterran beeinflusst und vom Meer reich versorgt mit über 6400 Kilometern Küstenlinie verfügt das Land über eine der produktivsten Fischereiregionen der Welt.
Der kalte Humboldtstrom bringt Sardinen, Sarddellen, Stachelmakrelen, Tintenfische und an den Steilküsten die berühmten Riesenmuscheln und Locos hervor, eine Schnecke, die zu den Delikatessen zählt. Coranto, ein Eintopf aus Muscheln, Fleisch, Würsten und Kartoffeln, der traditionell in einer Erdgrube gegart wird, stammt aus dem südlichen Chiloe Empanadas, gefüllte Teigtaschen, die häufig mit Hackfleisch, Zwiebel, Ei und Oliven gefüllt sind, gelten als die Pidepino, das chilenische Nationalgericht. Im Süden prägen die Einflüsse deutscher Einwanderer das Bild. In Städten wie Valdivia, Osorno und Puerto Varas trifft man auf Kuchen, Bier und Schwarzwälder Kirschtorte, im Norden ist die Küche von peruanischen und
bolivianischen Traditionen beeinflusst. Mit ceviche, Quinoa und der scharfen pebre Sauce, die. Der chilenische Wein zählt seit Jahrzehnten zur Weltspitze. Mit etwa 130000 Hektar Rebfläche und Anbaugebieten von Aconcagua bis Itata ist Chile einer der wichtigsten Weinexporteure der südlichen Hemisphäre, die carmener Rebsorte, einst in Bordeaux verbreitet, dort aber durch die Reblausplage des 19 Jahrhunderts fast verschwunden. Überlebte ausgerechnet in Chile und wurde 1994 wiederentdeckt. Sie gilt seither als chilenische Spezialität, das südliche Chile jenseits der Region um den Vulkan Osorno und den Jankihuese geht in die Region der Patagonischen Anden und Fjorde über.
Patagonien teilt sich Chile mit Argentinien doch der chilenische Teil ist von Inseln, tiefen Fjorden, Eisfeldern und kaum besiedelten Wäldern geprägt. Das nördliche und das südliche Patagonische Eisfeld bilden die größte Eismasse der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis, zusammen umfassen sie eine Fläche von etwa 17000 Quadratkilometern.
Aus diesen Eisfeldern fließen Gletscher direkt in die Fjorde. Der bekannteste der Perito Moreno, liegt zwar auf argentinischer Seite, doch auch auf chilenischem Gebiet sind Gletscher wie der San Raffael, der Pio 11. Und der Brüggengletscher gewaltige Erscheinungen. Der Nationalpark Torres del Paine mit seinen 3 granitenen Türmen, dem türkisfarbenen Pehoesee und seinen Pumas gilt als eines der spektakulärsten Schutzgebiete der Welt und wurde 1978 als UNESCO Biosphärenreservat anerkannt.
Ganz im Süden, jenseits der Magellanstraße, beginnt Feuerland, das Land der Feuer. So benannt nach den Lagerfeuern der indigenen Jamana, die Magellan 1520 bei seiner Durchfahrt Saar Kap Horn am südlichsten Ende ist ein Ort der Seefahrtsmythen hier treffen Pazifik und Atlantik in stürmischen Wassern aufeinander, die chilenische Verantwortung für den Naturschutz ist beträchtlich, etwa 20% des Festlandes stehen unter Schutz mit 41 Nationalparks.
Im Patagonischen Süden hat die Zusammenarbeit zwischen dem chilenischen Staat und der Stiftung Tomkins Conservation, gegründet von dem verstorbenen US amerikanischen Unternehmer Douglas Tomkins und seiner Frau Christine Tomkins, zur Schaffung neuer Schutzgebiete von über 4000000 Hektar geführt, darunter der 2018 gegründete Patagonia Nationalpark.
Das Engagement Christine Tomkins, die nach dem Tod ihres Mannes 2015 das Werk fortgeführt hat, ist eines der eindrucksvollsten Beispiele privater Naturschutzanstrengungen weltweit. Im Pazifik gehört Chile zu den Vorreitern bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten, etwa 43% der Ausschließlichen Wirtschaftszone sind inzwischen geschützt.
Darunter das gewaltige Schutzgebiet um die Osterinsel und das Schutzgebiet Nasca des Venturadas im Pazifik, die Osterinsel selbst auf rapanui te pito o te Henua, der Nabel der Welt genannt, liegt etwa 3500 Kilometer westlich des chilenischen Festlandes und ist eine der entlegensten bewohnten Inseln der Erde. Sie wurde wahrscheinlich zwischen dem 6. Und 12 Jahrhundert von polynesischen Seefahrern besiedelt.
Die berühmten Moai, Statuen, fast 1000, monumentale Steinfiguren, die zwischen dem 13 und 17 Jahrhundert errichtet wurden, zeigen die Vorfahren der Familien und Clans und sind bis heute eines der eindrucksvollsten Beispiele megalithischer Kunst. Die größten Moai sind bis zu 10 Meter hoch und wiegen über 80 Tonnen, wie sie aus dem Steinbruch Rano Raraku zu ihren Standorten transportiert wurden, beschäftigt die Forschung seit Jahrzehnten.
Heute lebt auf der Insel eine kleine Bevölkerung von etwa 7700 Menschen, die ihre eigene Sprache und Kultur lebendig hält. Und sich seit der Eingliederung in den chilenischen Staat 1888 zugleich für mehr Selbstverwaltung einsetzt. Die jüngere Umweltgeschichte Chiles ist von Dürren geprägt, die zentrale Region erlebt seit 2010 eine sogenannte Megadürre, die längste und intensivste in der Instrumentell dokumentierten Geschichte des Landes.
Studien chilenischer und internationaler Forschungseinrichtungen zeigen, dass diese anhaltende Trockenheit überwiegend dem menschengemachten Klimawandel zuzuschreiben ist. Stauseen wie der Embalse El Jesso, der Santiago mit Trinkwasser versorgt, erreichten zeitweise historische Tiefststände. Waldbrände, die in den verdorrten Wäldern und Plantagen besonders in den Sommermonaten zunehmen werden.
Haben in den letzten Jahren Millionen Hektar zerstört und im Februar 2024 in der Region Valparaiso über 130 Menschen das Leben gekostet. Zugleich ist Chile zu einem Vorreiter bei den erneuerbaren Energien geworden. Die Atacama hat eine der weltweit höchsten Sonneneinstrahlungen und beherbergt einige der größten Solarkraftwerke Südamerikas. Die Windverhältnisse im Süden ermöglichen den Ausbau von Windenergie bis 2050 strebt das Land an, vollständig klimaneutral zu wirtschaften.
Bereits heute Decken erneuerbare Energien einen wachsenden Anteil des Stromverbrauchs im Jahr 2023 lag dieser bei über 35% mit weiter steigender Tendenz. Die Verbindung dieser ambitionierten Energiepolitik mit dem Lithiumabbau und dem Schutz der Salzlagunen bleibt eine der zentralen ökologischen Herausforderungen. Chile ist eine Geographie wie eine Galerie der Erde, es zeigt, was diese Welt zu bieten hat, von der Lebensfeindlichsten Wüste bis zu den jüngsten Vulkanen, von den ältesten Mumien bis zu den modernsten Teleskopen. Von einem brutalen historischen Bruch bis zum Versuch eines verfassungsmäßigen Neuanfangs, von der gigantischen Eismasse Patagoniens bis zu den fragilen Salzlagunen der Atacama. Eine Gesellschaft, die nach
Jahrzehnten von Diktatur und nach Wochen von Protest die Geduld aufbringt, ihre Verfassung gemeinsam neu zu denken und die ihren Verfassungstexten in Volksabstimmungen begegnet. Erinnert daran, dass Demokratie ein langes Atmen ist. Ein Hin und Her zwischen Aufbruch und Korrektur.