Wissensreise durch die Länder der Erde· Staffel 1· Folge 36

Sri Lanka – Insel des Teeschimmers zwischen Buddhismus und Traumstränden

Sonntag, 7. Juni 2026 · 25 min

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Shownotes

Diese Folge führt nach Sri Lanka, jene tropfenförmige Insel im Indischen Ozean, deren Geschichte 38.000 Jahre zurückreicht. Wir folgen den Spuren des Buddhismus, der vor 2.300 Jahren auf die Insel kam und dessen ältester gepflanzter Baum, der Sri Maha Bodhi in Anuradhapura, bis heute wächst. Wir besteigen den Löwenfelsen von Sigiriya, wandern durch das Hochland mit seinen Teefeldern, von denen jedes Blatt von Hand gepflückt wird, hören von Elefanten, Leoparden und Blauwalen, von Saphiren und Ceylon-Zimt. Wir sprechen über den Bürgerkrieg von 1983 bis 2009, den Tsunami von 2004, die Wirtschaftskrise und die friedliche Volksbewegung Aragalaya von 2022. Eine ruhige Reise durch ein Land, in dem vier Religionen denselben Berg verehren und in dem die Geschichte in jeder Schicht der Landschaft eingegraben ist.
Quellen
De Silva, K. M. (2005). A history of Sri Lanka (rev. ed.). Penguin Books.
DeVotta, N. (2004). Blowback: Linguistic nationalism, institutional decay, and ethnic conflict in Sri Lanka. Stanford University Press.
UNESCO World Heritage Centre. (o. D.). Sacred City of Anuradhapura. whc.unesco.org/en/list/200
Vereinte Nationen. (2011). Report of the Secretary-General's Panel of Experts on Accountability in Sri Lanka. United Nations.
Weltbank. (2023). Sri Lanka development update: Bridge to recovery. World Bank Group.
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Heute reisen wir auf eine Insel, die wie ein Tropfen vor der Südspitze Indiens im Indischen Ozean liegt. Sri Lanka, offiziell die demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka, hat eine Fläche von etwa 65610 Quadratkilometern und ist damit etwas kleiner als Bayern. Auf dieser Fläche leben rund 22000000 Menschen.

Die Insel misst von Norden nach Süden etwa 435 Kilometer. In der größten Ost West, Ausdehnung etwa 225 Kilometer von der südindischen Küste trennt sie die Palkstraße, eine flache Meerenge, die an ihrer schmalsten xer stelle nur etwa 30 Kilometer breit ist. In dieser Meerenge liegt eine bemerkenswerte Formation aus Sandbänken und kleinen Inseln, die Adamsbrücke oder Ramabrücke genannt wird.

Sie zieht sich wie eine unterbrochene Linie zwischen Sri Lanka und Indien hin und ist in zahlreichen Mythen verankert, vor allem im hinduistischen Epos Ramayana. In dem der Affenfürst Hanuman mit seinen Helfern eine Brücke baut, um die entführte Sita zu retten. Geologisch gehört Sri Lanka zur indischen Platte und hat eine sehr alte Gesteinsbasis, in der sich Edelsteine in außergewöhnlicher Vielfalt finden, Saphire, Rubine, Topase, Mondsteine, Alexandrite und der berühmte Pattaracha, ein orange, rosa schimmernder Saphir. Werden seit über 2000 Jahren auf der Insel gefördert. Die Stadt Ratnapura im Süden des Hochlands trägt den Namen Edelsteinstadt und ihre Schwemmlandvorkommen versorgen den Weltmarkt bis heute.

Marco Polo, der die Insel im 13 Jahrhundert besuchte, schrieb von Rubinen und Saphiren, die in keinem anderen Land in solcher Qualität zu finden seien. Der größte Saphir, der je gefunden wurde, der sogenannte Stern Adams mit 1404 Karat, stammt aus Sri Lanka. Die Landschaft der Insel ist in sich erstaunlich vielfältig, im Norden und an der Küste dehnen sich flache Ebenen aus, im Süden und im Zentrum erhebt sich ein Hochland, dessen höchster Gipfel der Pidoruta LA Gala 2524 Meter erreicht. Bekannter, wenn auch nur 2243 Meter hoch ist der Adamsspitz auf Sinhalla Sri Pada genannt.

Der heilige Fußabdruck der Berg ist Pilgerziel für 4 Religionen zugleich, Buddhisten verehren auf seinem Gipfel den Abdruck Buddhas, Hindus sehen darin den Fußabdruck shivas, Muslime und Christen jenen Adams. Auf einer Insel, in der 4 große Religionen seit Jahrhunderten nebeneinander leben, erzählt diese geteilte Heiligkeit viel über die Schichten der Geschichte. Sri Lanka ist eine der ältesten ununterbrochen besiedelten Regionen südasiens, archäologische Funde aus der Höhle Fahien Lena belegen menschliche Besiedlung seit mindestens 38000 Jahren.

Die ältesten Bewohner sind die Wedda, eine kleine indigene Gemeinschaft, die heute nur noch wenige 1000 Menschen umfasst und deren Sprache zunehmend verschwindet. Die singhalesische Mehrheitsbevölkerung führt ihre Herkunft auf eine Einwanderung aus dem nördlichen Indien zurück, die nach traditioneller Chronik um 543 vor unserer Zeitrechnung mit der Ankunft des Prinzen Wijaya begonnen haben soll. Die singhalesische Sprache gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und ist eng mit den nordindischen Sprachen verwandt.

Die zweitgrößte Volksgruppe sind die Tamilen, die im Norden und Osten der Insel siedeln und eine dravidische Sprache sprechen, eng verwandt mit dem Tamil Südindiens. Hinzu kommen die sogenannten Indien Tamilen, deren Vorfahren im 19 Jahrhundert von den Briten als Arbeitskräfte für die Teeplantagen ins Hochland gebracht wurden, sowie die muslimischen Moors, deren Wurzeln auf arabische und persische Händler des Mittelalters zurückgehen, etwa 250. Vor unserer Zeitrechnung erreichte der Buddhismus die Insel, die.

Der Sohn des indischen Kaisers Ashoka Mahinda soll ihn dem damaligen König Devanampia Tissa überbracht haben. Wenig später kam Mahindas Schwester Sanghamita mit einem Spross des Heiligen Bodi Baums von Bodgaya, jenem Feigenbaum, unter dem Buddha die Erleuchtung gefunden haben soll. Dieser Spross wurde in Anurat Hapura eingepflanzt und wächst dort bis heute. Der Srimaha Bodi gilt als der älteste vom Menschen gepflanzte Baum mit dokumentierter Geschichte, etwa 2300 Jahre alt. Anoratapura wurde für mehr als ein Jahrtausend die Hauptstadt Singhalesischer Königreiche und entwickelte sich zu einem religiösen und politischen Zentrum von außerordentlicher Bedeutung.

Die Stadt zählte auf ihrem Höhepunkt vermutlich mehrere 100000 Einwohnerinnen und Einwohner und beherbergt heute Ruinen von Stupas, deren größte die Jettavanaramaya im dritten Jahrhundert errichtet, ursprünglich rund 122 Meter hoch war und damit zu den höchsten Bauwerken der antiken Welt zählte. Nur übertroffen von den großen Pyramiden Ägyptens. Im 11 Jahrhundert verlegte das Singhalesische Königtum seinen Sitz nach Polonaruva ebenfalls in der trockenen Zone im Nordosten.

Dort regierte Paragramabahu, der Große, der zwischen 1153 und 1186 ein riesiges Bewässerungssystem ausbauen ließ und die berühmte Aussage prägte, kein Tropfen Regenwasser dürfe ungenutzt ins Meer fließen. Die alten Bewässerungsreservoirs auf Singalesisch Veva sind eines der eindrucksvollsten Zeugnisse vorindustrieller Hydrotechnik. Manche dieser künstlichen Seen sind über 1500 Jahre alt und liefern bis heute Wasser für den Reisanbau. Auch sie sind seit 1982 als Teil der antiken Hauptstadt Welterbe der UNESCO.

Zwischen Anoratapura und Polonaruva erhebt sich aus der Ebene ein einzelner roter Felsen, etwa 200 Meter hoch. Der Sigiria der Löwenfelsen auf seinem Gipfel ließ König Kashyapa im fünften Jahrhundert eine Palaststadt errichten, er hatte den Thron usurpiert, indem er seinen Vater ermordete und seinen Halbbruder ins Exil trieb und fürchtete dessen Rückkehr.

So baute er eine Festung in den Himmel. Die Anlage umfasste Gärten, Wasserspiele, einen Audienzplatz auf dem Plateau und an den Felswänden, Fresken von Frauengestalten in leuchtenden Farben, die heute zu den wichtigsten Zeugnissen frühmittelalterlicher Malerei Südasiens zählen. Der Aufstieg führte einst durch das geöffnete Maul eines gewaltigen Löwen aus Ziegelmauerwerk, von dem heute noch die beiden Pranken erhalten sind. Sigeria gilt seit 1982 als UNESCO Welterbe und gehört zu den meistbesuchten Städten Sri Lankas. Die Geschichte der Insel ist von Beginn an auch eine Geschichte des Austauschs mit der Außenwelt. Über die Seidenstraße zur See gelangten arabische, persische und chinesische Händler an die

Häfen im frühen 15 Jahrhundert besuchte der chinesische Admiral Cheng Heel die Insel mehrfach im Rahmen seiner großen Expeditionen, 1505 betraten die Portugiesen erstmals die Insel und nannten sie Zeilau die. Sie beherrschten zunächst die Küstenregionen, bauten Festungen und versuchten, die Bevölkerung zum Katholizismus zu bekehren. 1656 vertrieben die Niederländer die Portugiesen blieben jedoch ebenfalls auf die Küstengebiete beschränkt, während im Hochland das Königreich Candy unabhängig blieb. Die Niederländer errichteten ein eindrucksvolles Festungssystem, dessen bedeutendstes Beispiel die Festung von Galle ist. Seit 1988 UNESCO Welterbe und eines der besterhaltenen kolonialen Stadtensembles

Asiens. 1796 übernahmen die Briten die Kontrolle über die niederländischen Besitzungen und 1815 brach mit der Kapitulation des letzten Königs von Candy auch die Singalesische Unabhängigkeit des Hochlands zusammen. Die gesamte Insel wurde britische Kronkolonie unter dem Namen Ceylon, die Briten veränderten das Gesicht des Landes grundlegend, sie legten Straßen und Eisenbahnlinien an.

Errichteten eine Verwaltung und vor allem große Plantagen. Zunächst pflanzten sie Kaffee, der bis in die 1860er Jahre der wichtigste Exportartikel war, bis ein Pilz hemilaja Vastatrix die Kaffeebestände innerhalb weniger Jahre vernichtete. Daraufhin pflanzten die Briten Tee. Der schottische Plantagenpionier James Taylor legte 1867 in Lou Le Condera die ersten Teefelder Sri Lankas an und innerhalb weniger Jahrzehnte verwandelte sich das zentrale Hochland in ein Mosaik aus Terrassierten Teefeldern, das bis heute eines der charakteristischen Landschaftsbilder der Insel prägt. Bis zu Beginn des 20 Han Jahrhunderts wurde Ceylon zum zweitgrößten Teeproduzenten der Welt. Ceylon Tee vor allem die

Hochlagensorten aus Nuvara, Elia und Uwa gilt unter Kennern als einer der feinsten Schwarztees überhaupt. Sri Lanka ist heute der viertgrößte Teeproduzent der Welt mit einer jährlichen Produktion von etwa 290000 bis 320000 Tonnen. Wer durch die Hügel von Haton oder Haputale wandert, sieht überwiegend Frauen in farbigen Saris zwischen den Hüfthohen Teesträuchern, die jedes Blatt einzeln pflücken und in geflochtenen Körben auf dem Rücken sammeln. Diese Arbeit ist anstrengend und schlecht bezahlt, und sie wird bis heute überwiegend von Frauen tamilischer Herkunft geleistet, deren Vorfahren als Vertragsarbeiter aus Südindien gebracht wurden.

Am 4. Februar 1948 erlangte das Land die Unabhängigkeit von Großbritannien, zunächst als Dominion Ceylon 1972 wurde es zur Republik 1978, nahm es den Namen Sri Lanka an, was übersetzt etwa Heiliges, Glanzvolles Land bedeutet. In den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit verschärften sich allerdings die Spannungen zwischen der singhalesischen Mehrheit, etwa 75% der Bevölkerung und der tamilischen Minderheit, etwa 11%, sowie weiteren Gruppen. 1956 wurde Singhalesisch zur alleinigen Amtssprache erklärt, was viele Tamilen aus Verwaltung und Bildung verdrängte. Sprachpolitische Konflikte, ungleiche Zugangschancen zu Bildung und Beruf und das Empfinden einer dauerhaften Marginalisierung führten dazu,

dass sich in der tamilischen Bevölkerung im Norden und Osten Widerstandsbewegungen formierten. 1983 eskalierten die Spannungen mit dem sogenannten schwarzen Juli. Einem Pogrom gegen Tamilen in Colombo und anderen Städten, bei dem mehrere 100 bis mehrere 1000 Menschen getötet wurden. Damit begann ein Bürgerkrieg, der bis 2009 andauern sollte.

Die Natur Sri Lankas ist von außergewöhnlichem Reichtum. Trotz ihrer Größe gehört die Insel zu den weltweiten Hotspots der biologischen Vielfalt. Allein bei den Wirbeltieren weist sie einen hohen Anteil endemischer Arten auf, also Arten, die nur dort vorkommen, etwa 26% der Säugetiere, 49% der Reptilien und über 80% der Amphibien sind endemisch.

Der asiatische Elefant Elephas Maximus Maximus lebt hier in einer eigenen Unterart, die auf etwa 5000 Tiere geschätzt wird. In den Nationalparks Jala, Wilpattu, Udavalave und Mineria lassen sich die Elefanten in oft großen Gruppen beobachten. Im Jala Nationalpark im Südosten findet sich auch eine der weltweit höchsten Leopardendichten der Srilankische Leopard Panthera pardus Cotilla ist ebenfalls eine eigene Unterart und stark gefährdet.

Schwarzbären, Sambahirsche, Lippenbären, zahlreiche Affenarten und mehr als 230 Vogelarten machen die Tierwelt zu einem der großen Anziehungspunkte des Landes. In den Gewässern um die Insel leben Blauwale, deren Vorkommen vor Mirissa zu den wenigen weltweit zählt, an denen die größten Tiere der Erdgeschichte regelmäßig beobachtet werden können. Die Pflanzenwelt umfasst rund 3200 Blütenpflanzen, davon etwa ein Viertel endemisch, der Sinaradja Regenwald im Südwesten ist UNESCO Welterbe.

Und einer der letzten zusammenhängenden Tieflandregenwälder Südasiens, die feuchte Zone an der Südwestküste, empfängt durch den Südwest Monsun jährlich bis zu 5000 Millimeter Niederschlag, während die Trockenzone im Nordosten mit dem Nordost Monsun deutlich weniger Regen erhält. Dieses Klimagefälle erklärt die Vielfalt der Vegetation und die unterschiedliche Wirtschaftsstruktur der Regionen. Reis ist das Grundnahrungsmittel Zimt, Pfeffer, Kardamom, Muskat und Nelken machten die Insel über Jahrhunderte zu einer der gefragtesten Quellen für Gewürze, Ceylon, Zimt, Cinamomum, Verrum.

Gilt botanisch als der echte Zimt und wird bis heute als der hochwertigste Zimt überhaupt geschätzt. Mit einem feinen, weniger scharfen Aroma als der weiter verbreitete Cassia Zimt. Die kulturelle Identität Sri Lankas ist tief vom terrawada Buddhismus geprägt, etwa 70% der Bevölkerung sind Buddhisten, rund 12% Hindus.

Etwa 10% Muslime und etwa 7% Christen. Anders als in den meisten anderen buddhistischen Ländern hat sich auf der Insel der Terrawada bewahrt, die älteste der 3 großen buddhistischen Schulen, das wichtigste religiöse Heiligtum ist der Sri Dalada Maligawa, der Zahntempel von Candy in. In dem ein Zahn Buddhas verehrt wird, der nach buddhistischer Tradition aus dem Scheiterhaufen des Erleuchteten gerettet und im vierten Jahrhundert nach Sri Lanka gebracht wurde. Jedes Jahr im Juli oder August findet die Essala Perahera statt, eine zehntägige Prozession durch Candy mit etwa 100, festlich geschmückten Elefanten, traditionellen Tänzern, Trommlern und Fackelträgern. Die Reliquie wird in einer

goldenen Schatulle auf dem Rücken des Tempelschmuck Elefanten durch die Stadt getragen. Die alte Königsstadt Candy, malerisch um einen künstlichen See im zentralen Bergland gelegen, war bis 1815 die letzte unabhängige Hauptstadt der singhalesischen Könige und ist seit 1988 Unesco Welterbe. Insgesamt zählt Sri Lanka 8 Welterbestätten. Neben Candy Galle und den 3 historischen Königsstätten Anurat, Hapura, Polonaruva und Sigiria sind das die heilige Stadt Anurat Hapura, die Höhlentempel von Dambula, das Sinharaja Waldreservat und das zentrale Hochland mit dem Knackelsgebirge und dem Hawton Plains Nationalpark, in dessen Schichten die Endwelt.

World's End abrupt 870 Meter in die Tiefe stürzt die Hauptstadt des modernen Sri Lanka ist offiziell Sri Jayawardenepura Kotte, ein östlicher Vorort des wirtschaftlichen Zentrums Colombo, in dem sich Parlament und Regierungssitz befinden. Colombo selbst, am Indischen Ozean gelegen, ist die mit Abstand größte Stadt und der wichtigste Hafen des Landes.

Die Stadt zählt mit ihrem Großraum etwa 5,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Sie ist ein Spiegel der bewegten Geschichte des Landes mit portugiesischen, niederländischen und britischen Spuren, mit Hindu, Tempeln und Moscheen, mit dem buddhistischen Gangaramaya Tempel und der modernen Hafenstadt, einem ambitionierten Stadtentwicklungsprojekt. Das auf einer künstlich aufgeschütteten Halbinsel entsteht und das Gesicht der Hauptstadt in den kommenden Jahren stark verändern wird.

Die jüngere Wirtschaftsgeschichte Sri Lankas ist von schweren Erschütterungen geprägt. Im April 2022 erklärte die Regierung den Staatsbankrott das erste Mal seit der Unabhängigkeit. Die Krise hatte mehrere Ursachen. Hohe Auslandsschulden, ausbleibende Einnahmen aus dem Tourismus während der Corona Pandemie, ein Einbruch der Überweisungen aus der Diaspora und schwere wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen.

Besonders das überstürzt verordnete Verbot synthetischer Düngemittel im April 2021 führte zu drastischen Ernteausfällen bei Reis und Tee. Ohne dass die ökologische Landwirtschaft auf diesen Schritt vorbereitet gewesen wäre. Im Sommer 2022 kam es zu Massenprotesten, die als Aragallaya Singhala für Kampf bekannt wurden. Bürgerinnen und Bürger besetzten den Präsidentenpalast in Colombo, schwammen indessen Pool und kochten in seiner Küche. Präsident Gotabaja Rajapaksa floh und trat zurück. Ein Vorgang, der in Südasien beispiellos war. In den folgenden Monaten verhandelte die Übergangsregierung ein Hilfspaket mit dem Internationalen Währungsfonds, die Inflation überschritt im September 2022 vorübergehend 70%

Treibstoff und Medikamente waren knapp, lange Schlangen vor Tankstellen prägten den Alltag. Bis 2024 zeigten sich Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung. Die Inflation sank deutlich, der Tourismus erholte sich und im Herbst 2024 wählten die Sri Lankerinnen und Sri Lanka mit Anura Kumara Dizanajake einen Präsidenten aus dem linken Lager, dessen Antritt einen politischen Bruch mit den Jahrzehnte alten Machtstrukturen markierte.

Die Küche der Insel ist ein eigenständiges Universum. Anders als die indische Küche, mit der sie verwandt ist, setzt die Srilankische Küche stärker auf Kokosnuss, frische Curryblätter und eine besonders scharfe Würzung, dem Chiling. Das Reis und Currygericht ist die Grundform des täglichen Essens, oft mit 5 bis 8 kleinen Beilagen, serviert von Linsen Dahl über Sambol aus geriebener Kokosnuss, Chili und Limette bis zu Currys aus Jackfrucht, Aubergine, Bohnen oder Fisch.

Hoppers dünne Pfannkuchen aus Fermentiertem Reisteig und Kokosmilch, oft mit einem Spiegelei in der Mitte, gehören zum traditionellen Frühstück. String Hoppers gedämpfte Nudelkringel aus Reismehl werden mit Curry und Sambul gegessen. Kottu, ein gehacktes Gemisch aus rotiteig Gemüse und oft Fleisch, das auf einer großen Stahlplatte mit 2 Klingen geschnitten und vermischt wird, ist die rhythmische, Geräuschvolle Straßenmahlzeit der Abende. Die akustische Signatur des Kottustands gehört zur städtischen Klangwelt Sri Lankas. Die Literatur des Landes ist in Singalesisch, Tamil und Englisch entstanden.

Michhael Ondatje, geboren 1943 in Colombo, lebt seit Jahrzehnten in Kanada und wurde mit dem Roman der englische Patient weltberühmt. In anils Geist verarbeitete er die dunklen Seiten des Bürgerkriegs in seinem Geburtsland Cham. Selvadurai, ebenfalls in Sri Lanka geboren, hat in Funnyboy das Spannungsfeld zwischen ethnischer und sexueller Identität in einem polarisierten Land literarisch verarbeitet. Schehan Karunatilaka erhielt 2022 für seinen Roman die 7 Monde des Maali Almeida den Bukka Preis, eine surreale Auseinandersetzung mit dem Bürgerkrieg, in der ein verstorbener Fotograf die 7 Tage zwischen Tod und Wiedergeburt nutzt, um seine Mörder zu enthüllen. Diese Bücher tragen die

Geschichte einer Insel in die Welt, deren Schmerz und Schönheit untrennbar miteinander verbunden sind. Eine Gesellschaft, die nach Jahrzehnten von Gewalt und nach Monaten von Hunger die Kraft aufbringt, ihre Regierung friedlich zur Verantwortung zu ziehen, erinnert daran, dass demokratische Beteiligung kein Selbstläufer ist, sondern eine immer neu zu erringende Errungenschaft.

Vielleicht ist es das, was zwischen den Teehängen, den Wellen und dem Glockenton der Tempel mitschwingt, wenn der Wind über die Insel zieht. Die leise Geduld jener, die wissen, dass jedes Saatkorn, jeder Baum und jede Stimme zählt.

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