Zur Sache· Staffel 1· Folge 31

VAD-Präsident Burkhard Weller: Was den Autohandel jetzt bewegt | #31

Freitag, 23. Oktober 2026 · 29 min

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Shownotes

Erstmals bei „Zur Sache“ ist ein externer Podcast-Gast geladen. Automobilwoche-Chefredakteur und Herausgeber Burkhard Riering spricht in dieser Ausgabe mit VAD-Präsident Burkhard Weller über die Stimmung im deutschen Autohandel, den wachsenden Einfluss chinesischer Automarken und die Chancen und Risiken der Transformation zur Elektromobilität.
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Timecodes:
Die aktuelle Lage im deutschen Autohandel
Warum die Branche immer stärker konsolidiert
Weshalb Kunden weiterhin im Autohaus kaufen
Chinesische Automarken auf dem Vormarsch
Wie E-Autos das Werkstattgeschäft verändern
Verbrenner-Aus, Förderung und politische Herausforderungen

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Burkhard: Wie geht es im deutschen Autohandel? Hat das Geschäft in Zeiten von Digitalisierung und KI eine Zukunft? Was plagt die

Weller: Vielen

Burkhard: Händler gerade? was wird von dem, was die Kunden eigentlich immer schon gerne hatten? Das möchte ich heute besprechen. Nicht mit einem Redaktionsmitglied, sondern mit einem Überraschungsgast. Bei uns ist heute Burkhard Weller, Präsident des noch jungen Verbandes Automobil. Händler Deutschlands und einer der größten Händler sowieso. Deutschlands Hallo Burkhardt.

Weller: Ja, ebenfalls hallo Burkhardt, vielen Dank, dass ich heute dabei bin.

Burkhard: Ja, wir freuen uns auch, denn wir haben einiges zu besprechen. Ich habe es in der Einleitung kurz gesagt. Ansetzen möchte ich mal mit einer Pressemitteilung, die du kürzlich herausgegeben hast, wo beschrieben worden ist, wie gut es dem deutschen Autohandel geht. Dann steht auch ihr und da mal auf einer Kanzel und sagt, alles ist viel besser, als wir immer meinen. Gleichzeitig berichten wir über Insolvenzen großer Autohändler. Wie passt das zusammen?

Weller: Ja, fangen wir mal ganz hinten an. Diese Insolvenzen, sind ja in der individuelle Probleme. Das heißt, sind Unternehmensprobleme, die haben nicht unbedingt was mit der Branche zu tun. Gerade bei den zwei ganz Großen, die jetzt natürlich durch die Presse wanderten, da wissen wir schon zumindest bei dem Berliner, dass das schon länger brodelt und dass das jetzt gerade noch mit einem anderen großen Unternehmen zusammenkommt. Das misslich, aber das sind wirklich... Dinge, die das Unternehmen zu vertreten hat und nicht die Branche. Also ich sehe da jetzt keine Welle losgetreten, dass wir hier in Insolvenzwelle treten. Nein, das ist nicht Zu der ersten Frage, warum sage ich der Branche geht es gut, braucht man ja nur auf die Zahlen gucken. Die Absatzzahlen. Wir werden dieses Jahr vier, vielleicht sogar fünf Prozent mehr Absatz machen als letztes Jahr. Anfang des Jahres habe ich das nicht geglaubt. Unsere Prognose war ja auch so, 2,7 Millionen Neuzulassungen mit ein bisschen Glück und im guten Dezember kommt eine knappe 3 davor. Das ist doch wirklich gut. Ich hätte das nicht geglaubt. Ich hätte das auch für die Zukunft nicht geglaubt. Aber es scheint sich die Branche wieder ganz gut zu erholen. Deutschland. hat nichts mit der Industrie zu tun. Und wir kommen in so Industriegejammer. Die Industrie hat natürlich ohne Zweifel Problem, weil in China und Nordamerika fehlt. Aber das hat ja nichts mit Deutschland zu tun und nichts mit deutschen Händlern.

Burkhard: Der Absatz, knapp 3 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr sagst du, das hilft euch natürlich. Was bedeutet das denn für die Marge? Was sagen VAD-Mitglieder, wie es Geschäft wirklich läuft? Weil Absatz kannst du natürlich gut heißen,

Weller: Puschnipp.

Burkhard: versemmeln.

Weller: Ja, das ist so, ohne Zweifel. Die Marge ist unter Druck, auch das ist ja bekannt. Wir kommen von 1,9, 1,8 Prozent Umsatzrendite auf letztes Jahr 1,4 und dieses Jahr schlimmstenfalls auf 1,1 oder sogar 1 Prozent. Das ist natürlich, ich will mal sagen, gerade noch so auskömmlich. Also darunter wird es eng. Das ist natürlich der Sache geschuldet, das was ich eben schon gesagt habe. Die Industrie ist unter Druck, die Bänder laufen, aber die Autos gehen eben nicht nach China und nicht nach Nordamerika. Sie müssen irgendwo in den europäischen, schräg-strich deutschen Markt gedrückt werden und drücken geht immer nur über den Das ist misslich, gar keine Frage, aber das ist noch keine Krise. Wir müssen sehen, dass wir da rauskommen, das muss wieder irgendwie 2 % wandern wird es aber nicht am morgigen Tag sein, sondern da muss man sich langsam hochkämpfen. Da gehören Kostenstrukturen dazu, man enger schnallen muss. Da ist aber die Branche ganz gut unterwegs. Da muss man auch sagen, wir werden immer weniger Händler und wenn wir weniger werden, dann bleiben die besseren übrig. ist so und die können das dann schon.

Burkhard: Sprichst du Konsolidierung an? Insolvenzwelle hast du vorhin gesagt, gibt es nicht. Konsolidierung, die läuft weiter und warum läuft sie eigentlich weiter? Warum kann ein Familienbetrieb mit einem Umsatz X nicht mehr alleine überleben?

Weller: Nee, das kann er. Konsolidierung hat nichts mit Groß und Klein zu tun und nicht mit Familienbetrieb oder einer Gruppe. Sondern da geht es wirklich bei den Kleinen, aufhören, ist das in der Regel häufig ein Nachfolgeproblem. Die Kinder haben studiert, die machen keinen Einzelautohandel. Einzelautohandel ist ja wirklich, wenn du da 20, 30 Millionen Umsatz machst und dann 1 % Umsatzrendite hast, dann ist das dünn. gibt es ganz wenig Kinder, nachfolgen in diese kleinen Betriebe. Dadurch konsolidiert sich das. Die sagen eben Papa, Mama, verkauft euren Betrieb, dann könnt ihr euren Lebensabend noch genießen. Die Immobilien stehen in der Regel immer in guten Orten und sind was Dann kann man das machen. Und das ist die Konsolidierung. Ich bin ja schon ein paar Jahre Autohändler, nämlich 47. Ich habe eine Zahl im Kopf. Als ich anfing, waren wir 24.000 Autohäuser, die gehörten in etwa 21.000 Unternehmern. Und heute sind wir noch 12.000 Unwischen-Autohäuser und die gehören noch 5.600 Unternehmen. Meine Prognose 10.000 Autohäuser unter 1.000 Unternehmen. Das ist der Lauf der Zeit.

Burkhard: Bis

Weller: Also einmal die Konsolidierung über die kleinen, die keine Nachfolge haben, dann die Konsolidierung über die mittleren, wo die Liquidität zu eng ist. Gibt es bei großen auch, wo die Liquidität eng ist. Und das ist das A und O. der Branche gehört einfach eine unglaubliche Liquidität. Ich überlege, ich habe mich vor 47 Jahren mit 80.000 Mark Eigenkapital selbstständig gemacht. Das würde heute einen halben Tag reichen. Auch beim kleinen Unternehmen. Das Spiel ist heute anders geworden und darum verändert sich die Branche. Das ist nichts Aufregendes und nichts Schlimmes, das haben andere Branchen schon hinter sich.

Burkhard: Du sagst 10.000 Betriebe, wäre so ist das so eine Art Bodensatz dann, dabei bleibt es dann erst mal stabil oder

Weller: Ich glaube,

Burkhard: oder

Weller: Deutschland bleibt das, weil wir sind auch so gewohnt, dass wir für einen Autokauf nicht weiterfahren als 50 Kilometer und für einen Service nicht weiter als 25, 30. Wir sind nicht in Amerika, wir fahren nicht für einen Liter Milch eine Stunde Auto. das hat hier eine andere Geschichte. Und darum werden wir so die 10.000, das ist so eine Pi mal Daumen-Regel, Autowäser werden das bleiben. Und die sind in meiner Meinung nach 500, 600 Händen.

Burkhard: stationäre Autohandel stabiler als man denkt. Ich glaube du hast auch vor zehn Jahren in der Automobilwoche mal gelesen, die Digitalisierung nimmt jetzt derart rasant zu, dass die Autohäuser stark abnehmen, überall Stand ist. Jetzt ist zehn Jahre Ist es Trend der plausibel klang, aber in Wirklichkeit gehen die Leute ins Autohaus und kaufen sich weiter ein Auto. Ist so einfach?

Weller: Ich kann... Ja, ist tatsächlich so einfach. Tatsächlich, wie du sagst, das stand vor zehn Jahren in der Presse. es haben ja auch die Hersteller geglaubt. Auch die Hersteller haben ja gehofft, nicht nur geglaubt, sondern sie haben auch gehofft, dass die Digitalisierung so voranschreitet, dass man so ein am Laptop klickt und dann schickt der Hersteller es vor die Haustür. Es waren zwischenzeitlich tatsächlich mal etwas über 1%, die rein digital gekauft wurden. Jetzt ist es schon wieder unter 1%. Also der Kauf findet, Gott sei Dank, und tatsächlich im Autohaus statt. Die Leute wollen ins Autohaus. Wir merken auch jetzt wieder, auch wir konnten das in unseren Häusern natürlich spüren, so bis vor fünf Jahren haben wir eigentlich permanent abnehmende Besucherzahlen gehabt. Wir haben immer am Wochenende geöffnet für Schautage. Da haben wir schon diskutiert, lohnt das überhaupt noch, da kommt doch gar keiner mehr. Da waren dann auch wirklich nur noch, was weiß ich, zehn Leute am Tag, die gesagt, dafür brauchen wir die Bude nicht aufmachen. Und heute steht das Auto wieder da. Der Individualverkehr lebt.

Burkhard: Ja, ja.

Weller: Und der wird im Autohaus gekauft, also nicht digital. Dafür ist die Investition zu hoch. Wir sprechen nach der Eigentumswohnung. Das ist das zweiteuerste Gut, was man sich Gutverdiener 10-, 12-mal im Leben kauft. Das mache ich nicht per Klick. Das will ich schon mal anfassen. Wenn es ein anderes Auto ist oder ein anderes Modell, will ich es auch fahren.

Burkhard: Das Auto ist teuer geworden, Burkhard. Also das war vorhin Rabatte angesprochen und der Wettbewerb wird härter. Aber 50.000 Euro mal eben in die Hand zu nehmen für einen Neuwagen ist doch eine harte Nummer. Trotzdem hat es dieses Jahr geklappt mit knapp drei verkauften Autos. ist denn das Gibt es eine verdeckte Rabatt-Schlacht, weil der Listenpreis ist hoch und geht anders rein? Wie funktioniert es gerade?

Weller: genau, man muss ja Preis sehen, der in der Preisliste steht und der Preis, nachher auf dem Kaufvertrag steht. das wird natürlich häufig sehr oft gesponsert von den Herstellern. Überraten, nicht über Preisnachlässe, sondern das macht man in der Regel über das Leasinggeschäft, über Leasingraten. Denn sonst könnte man ja nun wirklich auch nicht ein Auto, was 40.000 Euro kostet, mit einmal für 249 Euro leasen. Die Rechenmaschine hat ja keiner, wie das geht. Da sind ja dann mit einmal hohe Nachlässe eingerechnet, die aber schon eigentlich als Support vom Hersteller kommen, über die Herstellerbank dann verpackt und so zum Verbraucher kommt. Und darum bin ich nicht bei dir, dass das Auto teurer geworden ist. Das ist ohne Zweifel in der Preisliste so, aber insgesamt, wenn man mal die letzten... 30 Jahre, das habe ich tatsächlich mal gemacht, mir angeguckt habe, dann ist das immer passend zum Einkommen ausgeglichen worden. Das Autofahren an sich ist wirklich nicht teurer geworden. Darum können sich ja auch so viele erlauben, Gott sei Dank ist das so. Also ich sehe das nicht, dass real teurer geworden ist. In der Preisliste gebe ich dir durchaus recht, kann ein Beispiel nennen, wenn wir jetzt die Chinesen nehmen, B-Wai-Di. Ich sehe eine Preisliste auch nicht billiger als ein deutsches Auto. Die kosten auch 40, 45. Aber am Ende kosten die 199 Euro. Also liegt es. Also

Burkhard: Okay.

Weller: Autofahren wird preiswert gemacht über den Hersteller. Die Wände laufen, die Autos müssen raus und dann wird es schon funktionieren.

Burkhard: bist auch BYD Händler inzwischen, Viele Händler nehmen sich Chinesen mit in die Showrooms. Wie siehst du die Entwicklung? Ist es eine Bereicherung für den Händler, weil er mit Vielfalt pumpen kann oder füllt er seine Showrooms einfach weil er noch Platz hat?

Weller: Beides. Beides angesprochen und beides stimmt. Es gibt Hersteller, nehmen wir jetzt mal z.B. namentlich BMW, die ja in knapp zwei Jahren in die Agentur gehen und für die Agentur weniger Fläche benötigen, weil sie glauben, müsste weniger Autos stellen. Schauen wir mal, ob das so ist. Und die haben uns ja sogar angetrieben. dazu zu nehmen. Wir gesagt, was sollen wir mit dem Rest des Schauraums machen, den ihr uns ja mal empfohlen habt, es vorsichtig auszudrücken. ja, da muss man sich dann eine Marke suchen. Und wenn ich jetzt mal von unserem Unternehmen ausgehe, wir haben uns dann eben MG und BWiD gesucht, weil wir gesagt haben, wir müssen eigentlich Autos unter unseren jetzigen Marken haben, also unter BMW und unter Toyota, damit wir da Publikum und die Autofahrer auch da unten abholen. Das heißt in der 20- bis 30.000 Euro Range. ich glaube nicht, dass die Chinesen sich im Premiumbereich breit machen werden in Deutschland. Springen wir nur von Deutschland, in anderen Ländern wird das anders sein. Aber in Deutschland ist da die Gefahr nicht, ich glaube nicht, dass man eine Chinese für 80 oder 100.000 Euro kauft. Dafür kann ich auch wirklich einen tollen BMW haben.

Burkhard: Ja, also Heritage und Tradition und deutsches Premium schlägt wahrscheinlich chinesisches

Weller: da kann man ja mal ganz in die ganze weite Vergangenheit gehen. Es hat Saab nicht geschafft, es hat Volvo nicht geschafft, Citroen nicht, Fiat hat mal versucht da oben reinzukommen, Alfa hat es versucht, Jaguar hat es versucht, Niemann hat Lexus, Infiniti, wie sie alle heißen. haben alle irgendwie ein ganz bisschen paar Autos verkauft, aber dass da Durchbruch kam und die deutschen Premium-Marken wurden verdrängt, das sehe ich nicht.

Burkhard: Also die Chinesen gewinnen an Bedeutung im unteren Segment. Womit wir bei Elektromobilität insgesamt gekommen, zu bleiben. Elektroautos, Elektromobilität. Ihr verkauft sie wahrscheinlich gerne. Aber was ist mit dem Werkstattgeschäft? Hast du da Bedenken, dass sprudelnde Einnahmequelle in den nächsten zehn Jahren deutlich sinken wird wegen weniger Wartungsgeschäft und weniger Ersatzteilen.

Weller: Ja, da habe ich nicht nur Bedenken, sondern da beschäftigen wir uns schon ganz tüchtig mit. Wir haben ja Gott sei Dank ein Land, tolle Vorreiter sind in der Elektromobilität Norwegen. Und das schauen wir uns schon genau an, was da ist haben auch Kontakte dahin zu anderen Händlern, die wirklich definitiv sagen, es dauert zehn Jahre und dann hat sich der Werkstatt Umsatz halbiert. Das ist natürlich gravierend. Wir alle wissen, dass wir in einer Werkstatt über 60 Prozent unseres Ertrages machen, des Gesamtertrages. Und das kann man natürlich nicht halbieren, das wäre eine Katastrophe. Also wir müssen sehen, dass wir auf den Markträubern gehen, also wir müssen uns Glas zurückholen, Smartrepair machen wir schon, aber noch nicht konsequent genug. Wir müssen das Reifengeschäft, was auch schon ganz gut wieder im Fachhandel zurückgekommen ist, nahe zu 100 Prozent zurückholen. Wir müssen ohne Zweifel Festpreise machen, dass wir ältere zu uns bekommen. Wir verlieren ja jetzt unsere Kundschaft so in der Regel nach fünf, sechs Jahren. Aber viel an freien Werkstätten und da müssen wir aufpassen, dass das nicht passiert. Wir haben Zeit, aber nicht viel, zehn Jahre ist kurz. Und das geht ja nicht erst in zehn Jahren los, sondern es geht jedes Jahr ein bisschen. Mit jeder Elektrofahrzeugzulassung. geht irgendwie 40-50 % Werkstattgeschäft flöten. Das Auto hat weniger Teile, es geht weniger kaputt und folgedessen

Burkhard: Ja.

Weller: wird weniger

Burkhard: Im September war ich auf der Auto Mechanica und eins der Top-Themen fern ab der Bühne, sondern hinter den Kulissen war, die Markenwerkstätten und der Original-Ersatzteil-Handel total dem Bach runtergeht, die Original-Ersatzteile des VW-Konzerns zum Beispiel so teuer sind, dass nur noch andere Anbieter... zurückgegriffen wird und da auch immens Geschäft verloren geht. Gleichzeitig werden freie Werkstätten bevorzugt. Es gibt auch mehr Gebrauchte auf dem Markt. Das ist vielleicht ein Industrieproblem am Ende, aber auch für die Markenwerkstätten.

Weller: Ja, da muss die Industrie reagieren, tun sie kann ich jetzt wieder von BMW sagen. Die haben so einen Classic Line heißt das. Das heißt, das sind eben Reparaturen und Teile über sechs Jahre alte Autos und da ist der Preis anders gestaltet und das muss es sein. Davon muss es mehr geben, definitiv wird aber kommen. Also alle OEMs denken nicht nur darüber nach, sondern haben das Ding in den Startlöchern. Das wird kommen. Anders halten wir die Kunden definitiv nicht.

Burkhard: Fracht vorhin das Agenturmodell an, was in zwei Jahren bei BMW startet. Das war mal ein großer Hype, auch bei uns in der Redaktion in unseren Medien. Der Hype ist ein paar Jahre her. Dann ist es deutlich ruhiger geworden. Wo steht denn das Agenturmodell heute? Gibt es Erfolgsstories aus deiner Sicht? Und wie viel Zukunft hat das? Bleibt es eine Nische, wird es groß?

Weller: Also OEMs, die sich das erlauben können, müssen das machen. Das ist natürlich eine finanzielle Frage. Das heißt, alles, was heute der Händler finanziert, nämlich den gesamten Neuwagenbestand und dann auch noch über die Herstellerbank, das ist ein Geschäftsmodell bei denen, fällt ja weg. Das haben sie ja selbst an der Backe. das muss einer heben können. Und darum freue ich mich, dass das BMW als Zweiter da reinspringt. Mercedes hat es ja vorgemacht. konnte man wirklich sehen, wie sich sowas entwickelt. Das dauert ein halbes Jahr, halbes Jahr gingen die Zahlen runter, weil der Kunde sich erst dran gewöhnen muss, dass er mit einem Mal nicht mehr herumfeilschen kann, sondern dass das, was da dran steht, auch der Preis ist. Und der ist ein bisschen niedriger als vorher, aber natürlich nicht, was weiß ich, 15, 16, 17 Prozent, was man im Extremfall raushandeln kann. darum muss man ganz deutlich sagen, die Agentur ist das Beste, was uns passieren kann. Wir kennen es jetzt seit anderthalb Jahren, fast zwei Jahren, bei MINI. Da haben wir ja schon vorgelegt und da war genau das Gleiche wie bei Mercedes. Halbes Jahr ging es runter, gingen die Absätze runter, heute sind sie weit drüber, weil der Kunde der nimmt das extrem gerne an. Ich habe einen Preis fertig, da wird nicht rumgehen. Das Unangenehmste am Verkaufsgespräch ist doch das Preisgespräch. Und immer wenn ich auch als Kunde, als Kunde habe ich immer das Gefühl, ich habe nicht das letzte rausgeholt. Als Verkäufer habe ich das Gefühl, ich habe es fürs Unternehmen das Beste rausgeholt. Und dieses Ding fällt weg. Und dann ist das Verkaufsgespräch eine ganz andere Basis, weil dieses Unangenehme da raus ist. Und wo haben wir denn das? Ich meine, wir gehen gehen einkaufen, wir kaufen einen Anzug ein und einen Boss-Anzug kostet im KDW 5,99 und kostet bei Oberpolinger 5,99.

Burkhard: weil wir ja vorhin über Listenpreise und Rabatte gesprochen haben, da kann man ja viel ausgleichen. In Zukunft kann man nichts mehr ausgleichen, werden dann die Listenpreise ein bisschen runtergesetzt.

Weller: Ja, das muss dann der Hersteller machen. Also wenn jetzt irgendein Modell nicht läuft oder die Produktion ist zu hoch für den Markt, dann muss der Preis korrigiert werden. Aber das ist dann Herstellerangelegenheit, nicht mehr Handelsangelegenheit, weil uns der Lagerdruck ja auch nicht mehr stört. Steht da, muss der Hersteller sagen, ja, dann müssen wir jetzt was tun, fließt gerade nicht ab. Irgendwie hängen...

Burkhard: Geschäft wird demnach auch verlagert. Also vom Händler auf den OEM. Investitionen verlagert vom Händler auf den OEM womöglich. Aber auch die ganzen Risiken, die unternehmerischen Risiken hat ja der OEM auch. Also wir haben ja in letzter Zeit viel gehört über das Restwert-Fiasco. Und da gehen ja richtig sorgenvoll in die Zukunft deswegen kurzfristig. Das heißt, dass das die OEMs jetzt auch Gefahr laufen, großen Abschreibungen zu sitzen, die jetzt noch on top kommen, wo sie kaum noch Rendite haben.

Weller: könnte passieren, da wo der OEM in der Verpflichtung ist, in der Restwertverpflichtung, da können das passieren. Wobei wir Moment einen relativ stabilen Gebrauchtwagenmarkt haben. Also diese Restwertgeschichte sehe ich eigentlich nur da als Problem. Und das hast du ja angesprochen, da gibt es ein paar Handelsbetriebe, zwei davon haben wir gleich am Anfang genannt. Es gibt ein paar Handelsbetriebe, die haben das übertrieben und die haben die Restwerte zu hoch geschrieben und haben das Risiko selbst übernommen. Wir zum Beispiel in unserem Unternehmen machen das überhaupt nicht. Wir übernehmen kein Restwertrisiko. Weil ich gesagt habe, ich weiß zwar nicht, was in drei Jahren Dieselwert ist, ich weiß nicht, was in drei Jahren Elektroautowert ist oder ein Hybrid oder oder oder. Das muss der Hersteller machen. Oder die Hersteller banken, das können

Burkhard: ...

Weller: Sie ja Aber ein Autohändler darf

Burkhard: Das war's

Weller: keinen Restwert übernehmen. Das muss der OEM machen.

Burkhard: ich wusste gar nicht, dass das geht. ich

Weller: das das geht man verzichtet nur vorne ein bisschen auf Provision. Aber wenn man vorne gierig ist, dann muss man hinten das Risiko übernehmen. Und da habe immer gesagt, das machen wir nicht. haben keine Glaskugel fertig. Wir müssen mit dem zurechtkommen, was wir, was wir real verdienen und nicht gebraucht werden oder Restwerte sind keine Wette, sondern das sind Risiko.

Burkhard: Burka, du bist auch Präsident des Jungen Verbandes der Automobilhändler Deutschlands, demnach auch sehr politisch in Berlin unterwegs. Kommen wir mal zu Politik und zu Regulierung und Regeln und Gesetzen. Welche politischen Vorgaben und Entscheidungen hat denn den Autohandel zuletzt besonders getrigert? Also negativen oder gibt es auch was Positives? Aber was umtreibt euch? auf politischer Ebene.

Weller: mal ganz global fangen wir schon mal damit an, dass wir zur Politik gegangen sind und haben gesagt, was jetzt unter der neuen, unter dieser Regierung nicht ganz so dramatisch war wie unter der alten und der rot-grünen, das Auto Besheng an sich, Deutschland besteht nicht aus Berlin, München und Hamburg, wo man sicherlich mit den Öffentlichen gut unterwegs ist. sondern wir sind ein Flächenstaat und da brauche ich ein Auto. ich wohne in Osnabrück, das ist keine kleine Stadt, aber mit 160.000 Einwohnern bist du da ab 22 Uhr ohne Auto aufgeschmissen. war das erste, wo wir gesagt haben, da müssen wir und dann haben wir gesagt, was sind denn überhaupt die Bedingungen, vor welche Aufgaben stellt uns die Politik und da fangen wir an mit Verbrennervorbot, da sind wir mit der Industrie in einem Boot. Das Verbrennervorbot für 2035 ist eine Katastrophe. Jetzt in den letzten Tagen. Wir haben sicher Macron Merz auf höchster Ebene getroffen und versuchen da irgendeinen Kompromiss auszuarbeiten. Wird ja auch kommen. wir brauchen das alles nicht. Wir brauchen diese Vorschriften nicht. Das E-Auto setzt sich alleine durch. Das sehen wir doch. Wir haben jetzt im September 36, 37 Prozent E-Auto-Anteilzulassung gehabt. Und das E-Auto wird immer besser und setzt sich von alleine durch. Also die ganzen Umweltauflagen, die alle wichtig sind, aber die dürfen nicht vernichtend sein.

Burkhard: Du hast den Zuwachs bei Elektroautos angesprochen, aber wir haben ja zurzeit eine E-Förderung, die da ja hilft und das ist da auch eine staatliche Maßnahme. Aber das nehmen wir gerne mit oder würdest du sagen auch nicht mal die E-Förderung braucht es?

Weller: Nein, Das haben wir, also da haben wir gleich im Dezember, als das verkündet wurde, aber noch nicht raus war, wie es wird und wie es abgewickelt werden wird. Sofort sind wir losgelaufen und haben gesagt, erstens finden wir die Prämie überflüssig. Diese 3,3 Milliarden, hätte man besser in Kita-Toiletten Uni-Ausbildung gesteckt. Aber es war nicht zu ändern. Umweltminister wollte das unbedingt. Er hatte das Geld losgeeist von der Koalition. Also wollte er sich den Kranz auch aufsetzen. Dann haben wir aber gesagt, mindestens dann muss aber der junge Gebrauchtwagen rein, sonst passiert das, was tatsächlich jetzt passiert ist. Der junge Gebrauchte, 14 oder 16 Monate, das ist mal egal, so ähnlich wie die Abwrackprämie damals. Da war der junge Gebrauchte auch dabei. Dann hast du Tageszulassungen drin und wir haben viel mehr deutsche Autos da drin, weil das natürlich die die und wenn ich eine Tageszulassung zulasse oder weiterverkaufe mit einer Prämie, dann zieht ja in der Regel auch das immer ein nächstes Auto nach aus der Produktion. Also wir hätten die Deutschen ein bisschen protegiert damit in der Herstellung oder zumindest mal die Europäer. Haben wir nicht. Insofern können wir genau an der Statistik erkennen, dass die chinesischen Autos bevorteilt sind. Einmal, sie sowieso schon preiswert sind und dann noch die 6000 oder 4000, je nachdem, was für ein Einkommen ist, obendrauf. Dann kommt eine wahnwitzige Rate raus und bevorzugt definitiv preiswerte Autos und die preiswerten Autos kommen nun mal aus China. Das aber ist meiner Meinung nach, auch da bin ich mir noch nicht so sicher, kann auch ein großer Vorzieheffekt sein. Prämie ja auch, da ist viel passiert, aber danach ist es auch in den Keller gegangen, wird hier in etwa auch so sein, dass viele nehmen die Prämie schnell mit. Und das sehen wir im Gebrauchtwagenbereich, der Gebrauchtwagenbereich stockt im Moment logischerweise, weil ja ein neues Auto billiger ist als ein Gebrauchter mit der Prämie. Also die, die vorher einen Gebrauchtwagen gekauft haben, kaufen jetzt natürlich einen neuen und seien freuen sich und fahren den aber zehn Jahre. das ist für mich ein Vorzieheffekt des Nixdolles. Nehmen wir mit, aber hilfst nicht.

Burkhard: Okay, Eine Prognose für 2027 habe aber noch nicht beim Absatz, oder?

Weller: Ja, die ersten wagen sich tatsächlich, dass sie sagen, wird auch noch, da könnte sogar eine gute Drei davor kommen, also Drei eins. Also ich bin da wirklich vorsichtig, ich bin noch nicht dabei. Dafür ist die Stimmung im Land, ich wüsste nicht, wo die sich drehen sollte im Moment. Dafür die Politik nicht so unterwegs, dass sie unsere gute Stimmung macht. Geld ist ja da, daran liegt es ja nicht. Geld ist da, es wird noch nicht ausgegeben. Jedenfalls nicht fürs Auto.

Burkhard: Burkhard, ich hatte ja eingangs gesagt, dass du sehr positive Kommunikationen betreibst mit deinem Verband und auch als Unternehmer. Habe ich das so bisschen verstanden, dass dich auch diese Stimmung in Deutschland einfach furchtbar nervt und dass uns alle ein bisschen ist das auch so bisschen Absicht von dir übertrieben positiv was darzustellen?

Weller: übertrieben positiv gar nicht. bin fest davon überzeugt. Erst mal bin ich ein positiver Mensch, schon immer gewesen und will das auch bleiben und will mich da gar nicht runterziehen lassen. Ich frage mich einfach, was ist denn das Problem? Wir haben ja wie schon über viele Dinge gesprochen. die Werkstätten laufen gut. Wir werden dieses Jahr vielleicht drei Millionen oder knapp drei Millionen Autos verkaufen. Das ist auch wieder gut. Wir leben in einem total friedlichen Land. Wir haben keine Erdbeben, wir haben keine Fluten, wir haben keine Hitzewellen, jedenfalls keine, die man nicht überleben kann. ich weiß gar nicht, ist denn los? Wir haben alle Arbeit, alle die arbeiten wollen, haben Arbeit, an jedem Bus, an jedem Transporter hinten steht dran, Mitarbeiter gesucht. Also auch weniger Qualifizierte können arbeiten. Überall höre ich, haben Fachkräftemangel, Handwerker werden gesucht, wie verrückt. Da sage ich jetzt mal ganz grob, wenn jetzt eben Autohersteller, ein paar... Tausend Leute entlassen. Ja, das sind ja alles Handwerker, dann sollen sie ins Handwerk gehen.

Burkhard: Abschlussfrage, trotzdem gilt es ja immer etwas zu verbessern in diesem Lande. Wenn du eine einzige Sache einer deutschen Autoindustrie oder der zuständigen Politik sofort ändern könntest, sofort, welche wäre es und warum? Einmal Industrie, einmal Politik. Abschlussfrage.

Weller: Die Industrie soll sich auf das besinnen, was sie kann, nämlich die Finger aus dem Handel rauslassen. ganz sagen sie ja auch Hersteller und Handel einfach trennen. Punkt. Wir handeln, die stellen her, liefern uns die Ware, wir verkaufen die. Alle Versuche, die sie immer wieder machen, da ein bisschen was vom Handel wegzunehmen, sollen sie lassen. Und bei der haben wir eben schon darüber gesprochen, wirklich einfach mal positiv nach vorne schauen, zu sagen, was können wir, was kann dieses Land? Dieses Land kann unglaublich viel, wir haben immer noch unglaublich viele Ingenieure, die gute Arbeit leisten. Dass wir hier am Ende in diesem Land keine preiswerten Autos zusammenschrauben können, dürfte wohl klar sein. Nicht bei 40 Euro Brutolohn.

Burkhard: Burkhard, ich dir für das gute Gespräch. Bist du eigentlich auch beim Automobilwoche-Kongress am 11. und 12. November in Berlin dabei?

Weller: Ich tagsüber dabei. Vorher sehen wir wahrscheinlich beim goldenen Lenkrad.

Burkhard: Das ist richtig.

Weller: Und

Burkhard: ich wollte nur darauf hinweisen an alle Zuhörer, 11. und 12. November, der Branchen-Treff in Berlin mit den ganzen Größen, mit den

Weller: Hm.

Burkhard: vielen Burkhardt, die du allerbestens kennst. Es kommen viele Händler, aber es kommen auch die CEOs der großen OEMs und Supplier. Das ist der kleine Werbeblock. Burkhardt hat mich

Weller: Ja.

Burkhard: sehr, sehr gefreut und das müssen wir demnächst mal wiederholen. Ich

Weller: Ja, vielen Dank.

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