
040 Streng vertraulich: Die Lage in Hamburg· Folge 78
Highlight Folge: Wie Scholz Merz hätte schlagen können – und andere Machtkämpfe
Samstag, 25. Juli 2026 · 39 min
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Shownotes
Wir überbrücken die aktuelle Ferienzeit mit einem ganz besonderen Highlight für eure Ohren! In unserer heutigen „Best of“-Ausgabe blicken wir zurück auf die allererste Folge unseres Erfolgs-Podcasts „040 – Streng vertraulich. Die Lage in Hamburg“. Matthias Iken und Lars Haider, zwei der bekanntesten Journalisten der Hansestadt, berichten seit gut 20 Jahren für das Hamburger Abendblatt und nehmen euch hier exklusiv mit hinter die Kulissen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ihr Versprechen steht von Tag eins an fest: Hier erfahrt ihr exklusive Hintergrundinformationen, die es sonst nirgendwo gibt – und ja, sollte der HSV am Wochenende den Aufstieg in die Bundesliga schaffen, wird natürlich auch der Sport eine Rolle spielen!
In dieser legendären Premierenfolge beleuchten die beiden den Hamburger Exodus in Berlin und decken auf, dass der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz einst fast Bürgermeister von Hamburg geworden wäre. Außerdem blicken die Journalisten auf die Frage, ob Peter Tschentscher das Zeug zum neuen Rekord-Regierungschef hat, und nehmen den offenen Machtkampf unter die Lupe, der zu dieser Zeit bei den Hamburger Grünen ausgebrochen ist. Ein absolut zeitloser und spannender Rückblick, der perfekt in den Urlaubskoffer passt!
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040 – streng vertraulich. Die Lage in Hamburg. Herzlich Willkommen, mein Name ist Lars Haider. Ich bin der Chefredakteur des Hamburger Abendblatts und beschäftige mich seit 15 Jahren intensiv mit dieser Stadt. Mein Kollege Matthias Iken ist noch mal mindestens fünf Jahre länger dabei und er weiß Dinge, die eigentlich keiner wissen darf und die wird er in diesem Podcast verraten.
Und so viel kann ich schon mal verraten. Gemeinsam wollen wir beide euch in diesem Podcast in 040 mit hinter die Kulissen der Hamburger Politik, der Hamburger Wirtschaft und manchmal vielleicht auch der Hamburger Gesellschaft nehmen. Und nächste Woche wird es durchaus möglich auch mal um den Sport gehen, sollte der Hamburger SV tatsächlich in die erste Bundesliga aufgestiegen sein.
So, Matthias, bist du bereit für unsere erste Lagebesprechung? Ja. Ich habe ihm gesagt, er soll einmal Ja sagen, das hat er jetzt hier getan. Und es geht los um folgende Themen. Viereinhalb Themen. Erstens Exodus in Berlin, wie Hamburg auf Bundesebene ganz viel Macht verloren hat. Zweitens, der neue Kanzler, wie Friedrich Merz fast einmal Bürgermeister in unserer schönen Stadt geworden wäre. Drittens, der alte und der neue Bürgermeister.
Braucht Peter Tschentscher eigentlich überhaupt noch jemanden, um zu regieren? Und viertens, da werden wir uns beschäftigen mit dem Machtkampf bei den Grünen und uns fragen, warum Deutschlands erfolgreichste Wissenschaftsministerin plötzlich ihren Platz räumen musste. Und viereinhalbens, kurzer Blick auf die OMR.
Matthias, in Berlin, Hamburg, bis vor wenigen Tagen stellte den Bundeskanzler, den Kanzleramtsminister, den Regierungssprecher, das waren viele Staatsräte, Auf einmal sind die alle weg. Die erste Frage, was machen die jetzt eigentlich? Also ich kann nur sagen, ich habe mal mit Steffen Hebelstreit, der hier Regierungssprecher ist, gesprochen, der sagt, er macht jetzt erstmal lange Urlaub.
Olaf Scholz, der Bundeskanzler, ganz interessant. Hast du den Zapfenstreich gesehen? Ja, er gehört ja ein bisschen dazu, finde ich, als politischer Interessierter. Und er ist ja kein großer Musikfan, aber er hat natürlich seine Songs schon mit Bedacht gewählt. Ich muss mal sagen, also Erisa Franklin, Respekt, ist das so etwas wie das Lebensmotto, das politische Lebensmotto von Olaf Scholz gewesen?
Naja, ich finde, da schließt sich ein Kreis. Er ist mit dem Respekt-Wahlkampf ins Kanzleramt eingezogen und mit Respekt hat er sich jetzt davon wieder verabschiedet. Das ist eigentlich ganz selbstironisch und konsequent. Kanntest du von den Beatles in my life? Nein. Das war jetzt nicht mein Song, den ich irgendwie als ersten erwartet hätte.
Und ich habe mich dann mit dem Text beschäftigt. Wenn man dann den Text liest, dann ahnt man, es ist wahrscheinlich keine Liebeserklärung an die SPD. Es ist so ein bisschen an seine Frau Britta Ernst. Es ist so ein bisschen dieses, ich habe viele Orte gesehen, ich habe viele Menschen getroffen, aber niemand liebe ich so wie dich.
Also Liebeserklärung sind wir einig an Britta Ernst. Ja, Haken hinter. Und jetzt kommt der dritte Auszug aus den zweiten brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach. Und auch das eine versteckte Botschaft? Ja sicher, also er hat nicht Harmonia gewünscht. Es war ja ein Programm, gut man kann sagen die Beatles waren zumindest bei ihrer Erwachsenwerdung in Hamburg, aber ansonsten war das doch ein Programm, was ohne Hamburg auskam und Brandenburg ist sein neuer politischer Schwerpunkt, seine neue politische Heimat.
Er ist ja der einzige Direktkandidat der SPD, der da gewonnen hat und ich glaube, das ist auch zu verstehen, dass er jetzt weiter als Ostpolitiker im Bundestag agieren will. Ich habe vor anderthalb Jahren mit Scholz ihn mal gefragt, wie das denn wäre, falls er nicht mehr Bundeskanzler sei, ob er dann nach Hamburg zurückkommen würde.
Und dann sagt er so ein bisschen verstammelt, nee, das ist nicht geplant und tatsächlich müssen wir davon ausgehen, dass Olaf Scholz in den nächsten vier Jahren in Potsdam leben bleibt, diese Rolle als einzig gewählter SPD-Direktkandidat in den ostdeutschen Ländern lebt und nicht nach Hamburg zurückkommt.
Das finde ich erstmal noch konsequent. Du sagst es ja schon als Abgeordneter aus Potsdam, kann ja schlecht in Hamburg wohnen, aber das ist alles auch noch zu frisch. Und dass man da so ein bisschen die Tapeten wechselt, finde ich nachvollziehbar. Erinnere dich daran, als Angela Merkel als Kanzlerin ausschied, war das ja eines der Lieblingsgerüchte der Hamburger Gesellschaft, dass Angela Merkel nach Blankeniese zieht.
Wovon alle irgendwie gesprochen haben, was alle erwartet haben. Man hatte schon so ein Haus ausfindig gemacht. Konkretes Haus und man dachte eigentlich, sie mussten noch vorfahren. Indes, sie kam nie. Also ich glaube, man muss da bei diesen Gerüchten armer vorsichtig sein. Und ich finde es erstmal konsequent, was will Olaf Scholz jetzt hier in seiner alten Wohnung, wo er schon als Anwalt wohnte, wo er sich hochgearbeitet hat, bis hin zum Bundeskanzler.
Was soll er da jetzt? Ich finde, es ist konsequent zu sagen, da muss jetzt erstmal was anderes kommen. Und diese Tätigkeit in Brandenburg ist doch sehr, sehr konsequent. Aber wäre es nicht auch konsequent, dass Olaf Scholz diese Wohnung, die er in Altona hat, die ja nach wie vor noch bewacht wird? Ich glaube, da kommt schon mindestens ein sechsstelliger Betracht, wenn ich mich nicht täusche, zusammen.
Mehr sogar. Also gut, das sind natürlich immer so Summen, die muss man auch ein bisschen mit Vorsicht genießen. Da werden dann die Stunden multipliziert mit den Kosten. Am Ende des Tages wird dafür kein Polizist mehr eingestellt und wenn man nicht mehr bewachen muss, wird auch keine Stelle abgeschafft. Also es ist ein bisschen Pi mal Daumen gerechnet.
Auch bei Helmut Schmidt hat damals keiner nachgefragt, aber der wohnte ja auch. Der wohnte im Neubergerweg in seinem Doppelhaus, Rheinhaus. Olaf Scholz hat eine Mietwohnung, die gehört ihm auch nicht. Ich frage mich immer, warum hält er die seit so vielen Jahren? Weil die Miete so günstig ist? Die ist auch günstig. Ja, ich glaube, es ist auch mit Erinnerungen verbunden. Und es heißt ja auch, dass Britta Ernst häufiger da ist als er.
Also offenbar hat man gern noch einen Koffer in Hamburg. Aber am Ende des Tages muss ich auch sagen, Auch wenn man sich den Hamburger Immobilienmarkt anschaut, wäre es nicht konsequenter, die Wohnung freizugeben und wenn man dann mal nach Hamburg kommt, ich habe mir sagen lassen, es gibt auch ganz gute Hotels hier.
Kann man da vielleicht auch absteigen. Das wird nicht teurer sein als so eine Wohnung, auch wenn die Miete günstig ist, weiter zu finanzieren. Und ich frage mich gerade irgendwie jetzt Olaf Scholz, wo er aus dem Gröbsten raus ist. Der hat ja unglaublich viel Geld verdient in den vergangenen Jahren. Und dann sagte ein Bekannter zu mir, sag mal, ist der Bundeskanzler eigentlich Millionär?
Und ich habe so bei mir gedacht, Vermögen, wofür hat er denn Geld ausgegeben? Der hatte eine Wohnung, ich weiß nicht, was die Miete kostet, also lass es mal irgendwie ein Tausender sein, wahrscheinlich nicht mal, weiß ich nicht. Aber der hat ja gut verdient, der hatte ja gar keine Zeit, Geld aus. Ja, also ich finde, das ist immer so ein Denken, man muss realistisch sein.
Ein Bundeskanzler wird gut bezahlt, aber wird jetzt auch nicht so üppig bezahlt wie ein Industrieboss zum Beispiel. Wir haben das ja gerade auch berichtet, also wenn man bei Bayerstor Vorstandschef ist, hat man ein Vielfaches, eine zweistellige Millionensumme. Man hat als Bundeskanzler irgendwie am Ende 300.000 oder 350.000 sind es, glaube ich.
Das ist nichts, wo man am Hungertuch nagen muss, aber man wird auch nicht Millionär. Und ich glaube, jetzt erst beginnt langsam die Zeit des Geldverdienens. Denn wenn man als Festredner irgendwo auftritt, gerade als. Bundeskanzler, der gerade erst das Kanzleramt verlassen hat, da zahlen viele wahrscheinlich auch gutes Geld. Aber auf jeden Fall muss man sich um ihn keine Sorgen machen. halt vor Jahren schon mal gesagt, das sind glaube ich die ganzen Altersbezüge, die ihr habt, die gehen schon so an so ein fünfstelliges, am Ende ein fünfstelliges Monatseinkommen.
Meinst du, dass er ein Buch schreiben wird wie Angela Merkel? Ja, noch nicht. Dafür ist er noch zu aktiv. Bei Angela Merkel war ja wirklich mit dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt ihre Tätigkeit vorbei. Bei Olaf Scholz weiß man das nie so. Er ist ein total durch und durch politischer Mensch und er wird, glaube ich, die nächsten vier Jahre nicht nur auf der hinteren Bank versauern wollen.
Er wird sich ja noch ein bisschen prägen, auch ein paar Impulse geben und ich glaube, so lange wird er noch kein Buch schreiben. Ich muss natürlich aufpassen, habe ich mir gedacht, dass Robert Habeck, der ja in seinem vorigen Leben Autor war, der kann ja sehr gut schreiben, ist glaube ich Doktor der Literaturwissenschaft und der könnte dann natürlich diese ganze Ampelgeschichte, wahrscheinlich würde er es sogar mehr verkaufen als Olaf Scholz.
Wahrscheinlich das Kinderbuch, er ist ja vor allem ein Kinderbuch, das darfst du ja nicht übersehen, also vielleicht ist es auch ein bisschen leichter, verdaulich und verständlich. Wobei das immer gemeint ist mit dem Killer-Portor. Er hat viele. Sachbücher geschrieben. Das kann man so nicht stehen. Er könnte, glaube ich, auch ein gutes Sachbuch über die Zeit der Ampel schreiben.
Er hat sogar eins geschrieben, was ich sehr gerne gelesen habe, wo er seine Gedanken auch zu einem linken Patriotismus niedergeschrieben hat. Das ist schon durchaus lesenswert. Das ist auf jeden Fall nicht verkehrt. Also Olaf Scholz hat aber sozusagen für sich seine Aufgabe gefunden, während seine rechte Hand, Wolfgang Schmidt, zuletzt Bundeskanzleramtsminister, hat uns allen, hat an vielen Journalistinnen und Journalisten einen netten Brief geschrieben aus dem Bundeskanzleramt nochmal.
So ist er ja. Er hält ja Kontakte und muss man sagen, das ist ja auch eine unheimliche Stärke, weil er so viele Bälle immer in der Luft gehalten hat. Also wenn er Jongleur wäre, würde er in jedem Zirkus auftreten können. Der hat ja wirklich ganz, ganz viele Aufgaben gehabt und trotzdem seine Kontakte nie vernachlässigt.
Aber er hat jetzt auch gesagt, da geht es erstmal drei Wochen nach Bayern und da will er einfach mal ausschlafen. Und das kann ich auch gut nachvollziehen, weil ich glaube, in den letzten dreieinhalb Jahren gab es nicht so viel Schlaf. Ist es klug von der SPD auf jemanden mit der Erfahrung mit den Kontakten, mit dem Netzwerken von Wolfgang Schmidt zu verzichten?
Also wenn ich entscheiden würde, würde ich sagen nein. Aber wir sehen ja, dass Lars Klingbeil wirklich eigentlich alle Scholzjahne abgeräumt hat. Er hat ja wirklich einen sehr, sehr radikalen Schritt gewählt und gemacht. Das ist natürlich einerseits auch ganz geschickt, weil so entsteht der Eindruck, das war dieses Wahlergebnis, was ja finster war mit den rund 16 Prozent. Das war Scholz schuld.
Was da übersehen wird, wer war eigentlich Parteivorsitzender? Also er hat das so ein bisschen quasi geschickt, Scholz alles in die Schuhe geschoben und da ist es natürlich konsequent zu sagen, Neuanfang, aber du sagst es zu Recht, ob ich auf jemanden, der über so viele Kontakte, so viel Wissen und auch so viel strategisches Denkvermögen verfügt, ob man da auf alle verzichten kann, ich bin gespannt.
Und das ist ja fast schon, finde ich, um einmal kurz, und das werden wir in diesem Podcast auch immer machen, natürlich den Blick nach Berlin zu lenken, weil wir glaube ich auch in Sachen Friedrich Merz völlig konträr sind, aber... Es ist schon irre, da gibt es eine Doppelspitze bei der SPD mit Lars Klingbeil und Saskia Esken und man hat doch das Gefühl, dass Lars Klingbeil alles allein entschieden hat. Also man weiß jetzt gar nicht, was aus Saskia Esken wird.
Die saß immer dabei, die war immer dabei und sie hat ja auch immer gesagt, dass sie da ihren Teil so beigetragen hat. Aber am Ende hat Lars Klingbeil aus dieser Niederlage für sich einen gewaltigen Erfolg gemacht, ist jetzt Parteivorsitzender. Das ist ja eine Zahl zu, die Zahl 18. Das ist ja sehr, sehr lustig, dass nicht nur Friedrich Merz 18 Stimmen fehlten bei der Wahl am Dienstag im ersten Wahlgang, sondern jetzt auch bei der Fraktionschefwahl fehlten wieder 18 Stimmen für seinen Vertrauten.
Und da sieht man halt, dass in der Fraktion einigen das auch wirklich krumm nehmen. Also er muss, glaube ich, jetzt in den nächsten Monaten auch liefern, weil sonst wird er ein Problem bekommen. Du meinst, es sind dieselben 18 gewesen? Und das ist ja... Naja, ob es immer dieselben sind, 100% deckungsgleich werden sie nicht sein, aber 10% auch nicht.
Das ist schon zumindest eine interessante Koinzidenz, dass diese beiden Zahlen 18 bei den Neinsagern jeweils auftauchen. Er hat Menschen verletzt, das ist normal in so einem Prozess, aber er hat genau wie du sagst es geschafft, als Gewinner daraus zu gehen und Saskia Eskin, die genauso verantwortlich ist wie er, als Verliererin.
Und das ist schon, muss man sagen, auf der einen Seite machtpolitisch großartig, auf der anderen Seite menschlich schwierig. Absolut. Menschlich schwierig ist ein schöner Übergang. Es wird auch schwierig, nicht nur menschlich, sondern politisch schwierig für Hamburg. Die Kontakte Hamburgs, des Hamburger Senats in die Bundespolitik waren glänzend.
Es ist weiterhin eine SPD, die SPD ist weiterhin an der Regierung beteiligt, aber eben nicht mehr an der Spitze. wenn man jetzt guckt, wir hatten, den Bundeskanzler war ein Hamburger, der Kanzleramtsminister war ein Hamburger, der Regierungssprecher war ein Hamburger, mehrere Staatsräte und so weiter.
Jetzt ist da eigentlich nur noch einer. Na zwei. Also wir haben einmal in der CDU jetzt Christoph de Vries, der im Innenministerium wirkt. Und Rolf Bösinger wechselt ja ins Finanzressort, der vorher in der Baubehörde war. Und damit ja eigentlich für eines der wichtigsten Programme auch zuständig, was Olaf Scholz als Versprechen damals gegeben hat. Die 400.000 neuen Wohnungen jährlich.
Das ist sicher nicht die Schuld von Herrn Bösinger, dass das nicht geklappt hat. Aber insgesamt zeigt sich, dass das Gewicht der Hamburger Politik dramatisch abgenommen hat. Gucken wir einfach nur mal Schleswig-Holstein. Gut, Karin Prien gilt jetzt so ein bisschen wieder als Hamburgerin. Kommt auf Blagenese. Aber machen wir uns nichts vor, dann wäre auch Angela Merkel eine Hamburgerin gewesen. Entscheidend ist ja, dass es enge Kontakte zu den politisch relevanten Figuren auf Führungsebene gibt.
Und die hat natürlich Karin Prien jetzt nicht, weil sie a. aus der CDU kommt und b. Auch schon lange aus Hamburg weg ist. Und man darf das nicht unterschätzen, als es damals so aussah. Wir erinnern uns, dass es damals so aussah, als würde es eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene geben. Da hat der damalige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz zum ersten Mal ein längeres Gespräch mit der damaligen FDP-Chefin Katja Suding gesucht.
So nach dem Motto, wir müssen mal gucken, dass wir jetzt unsere Hamburger Interessen irgendwie unterbringen. Das ist ja nicht wenig. Hamburg hat auch in der Vergangenheit von diesen starken Verbindungen nach Berlin profitiert, auch finanziell. Da muss man sagen, steuert man jetzt eine Phase zu, die unangenehm werden kann?
Na, unangenehm zumindest hat man es manchmal nicht ganz so einfach. Früher muss man sich vorstellen, natürlich, Tschentscher ist ja Bürgermeister auch mit Unterstützung von Olaf Scholz geworden. Die beiden hatten engen Draht und wenn es mal Probleme gab, war das ein kurzes Telefonat. Wenn Peter Tschentscher jetzt ein Problem hat, auch bei Friedrich Merz anruft, wage ich zu bezweifeln.
Er muss dann den Weg über Lars Klingbeil gehen. Aber Lars Klingbeil ist natürlich eher den niedersächsischen Interessen quasi verbunden, wenn es diese alten quasi Interessensideen gibt. Und da muss man sagen, ist Hamburg schon nicht mehr so gut aufgestellt, wie es das mal war. Und es hätte alles ganz anders kommen können und damit kommen wir zu unserem Thema Nummer zwei. Und das hat man vergessen, das musst du erklären.
Friedrich Merz, der neue Bundeskanzler, man denkt immer noch so, der ist jetzt wirklich Bundeskanzler. Irre. Aber so ist es. Hat ja ein bisschen gedauert. Der wäre fast mal Hamburger Bürgermeister, oder zumindest Kandidat für den Posten des ersten Bürgermeisters geworden. Oder wäre sogar Bürgermeister geworden. Ich finde, man kann sagen, er wäre fast mal Bürgermeister geworden. Die Geschichte, das ist ganz lustig, ich habe da auch mit ein paar Leuten gesprochen, einige haben es auch zumindest lauwarm dementiert.
Es gab ja 2009 eine neue Regierung in Berlin und zwar hat Angela Merkel ja dann den alten Koalitionspartner SPD, sie wird sagen Gott sei Dank, verloren. Es gab die schwarz-gelbe Regierung und da gab es einen Kandidaten, Ole von Beust, der als Minister gehandelt wurde und für den das auch sehr, sehr konsequent in der Karriereplanung gewesen wäre.
Sein Favorit war damals das Amt für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Darauf hatte er große Lust, aber allein er kam nicht zum Zuge. Er war damals Hamburger Bürger. Er war Hamburger Bürgermeister, aber er war es auch schon acht Jahre. Und nach acht Jahren ist es ja relativ konsequent, ich meine, Olaf Scholz war auch sieben Jahre Bürgermeister, dass man da, wenn man noch Ambitionen hat, den Gang nach Berlin macht.
Er kam damals nicht zum Zuge, da gibt es verschiedene Erklärungen auch. Und dann verließ ihn auch so ein bisschen, das kann ich nachvollziehen nach so vielen Jahren, die Motivation, die Lust. Und es war klar, er würde irgendwann zurücktreten. Und da hat natürlich die CDU auch geguckt, wer kann ihn beerben. Und es gab starke Kräfte in der Hamburger Union, die sagten, der Mann muss von außen kommen.
Das Modell hat damals die SPD übrigens vorgemacht. Klaus von Donahni kam ja aus Rheinland-Pfalz als Überraschungskandidat und wurde damals Bürgermeister. Und da fiel die Wahl auf einen Mann aus dem Sauerland namens Friedrich Merz. Der hatte sich ja 2007, muss man sagen, auch ein bisschen unter Absingen schmutziger Lieder aus der Politik verabschiedet, hatte sich eigentlich auf Wirtschaft eingestellt, und der bekam nun, nachdem er ja auch raus war aus dem Bundestag, diesen Anruf von Ole von Beust, ob er sich das vorstellen könne.
Und er hat wohl, das zumindest sagen meine Quellen. Sich Bedenkzeit ausgebeten und dann nach Rücksprache mit seiner Frau abgesagt. Und dann gab es dann ja, wie man wissen muss, eine Hamburger Lösung. Es wurde dann Christoph Ahlhaus, aber auch der bekam mehr Stimmen als erwartet. Also man kann davon ausgehen, hätte Friedrich Merz Ja gesagt, wäre er mit der Mehrheit von Schwarz-Grün 2010 gewählt worden.
Dann aber wäre die Geschichte anders verlaufen. Aber das Witzige wäre, es hätte dann 2011 das Duell Friedrich Merz gegen Olaf Scholz gegeben. Ja, davon kann man ausgehen. Was jetzt 14 Jahre später dann zugunsten von Friedrich Merz ausgegangen ist. Das wäre wirklich sehr, sehr interessant geworden. Wir haben es da nochmal nachgespielt auf Bundesebene. Aber man muss wissen, dass Olaf Scholz in dem Moment, als Ole von Beuys zurückzog, schon gesetzt war.
Also ich kann mich an eine Umfrage erinnern, die wir damals beim Abendblatt gemacht hatten. Das war vor dem Rücktritt von Ole von Beuys. Und da hatte Scholz erstmals den Bürgermeister überholt. Also es wäre sehr, sehr reizvoll geworden. Ich bin ja ein Fan von der Viel-Welten-Theorie. Das hätte ich mir gerne mal angeschaut, das Gipfel-Duell zwischen den beiden.
Nun hat man gesehen, dass das Duell ist für Friedrich Merz ausgegangen. Olaf Scholz war bei der Wahl zum Kanzler. Saß er, weiß ich nicht, nochmal in der ersten Reihe bei der SPD, also neben Saskia Esken und Lars Klingbeil. Mal sehen, wo er künftig sitzt, wird gespannt sein. Und er war, als dann der erste Wahlgang so ausging, wie er ausging, nämlich Friedrich Merz, der erste Kanzlerkandidat, war in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der nicht im ersten Wahlgang gewählt wurde, ist Olaf Scholz kopfschüttelnd rausgegangen und dann hat ihn irgendwie.
Ein Reporter, was hat ihn ein Reporter gefragt? Ob er sich jetzt freuen würde. Genau. Also muss man sagen, eine selten dämliche Frage. Und Olaf Scholz hat ihn dann aber... Und einen Vogel gezeigt. Fand ich total sympathisch. Also das sind ja so manchmal, er hatte ja, muss man sagen, haben wir uns ja auch im Wahlkampf drüber unterhalten, was ich ja eigentlich unsäglich fand, weil das, was auf irgendeiner Party um halb zwölf gesagt wird, taugt nicht für die Berichterstattung.
Aber er hatte natürlich schon mal so Momente und das war natürlich einer, wo man maximal angespannt ist. Und wenn dann so eine selten doofe Frage von links kommt, muss ich ganz ehrlich sagen, Haken hinter, kann ich gut verstehen, dass er den Vogel gezeigt hat. Vielleicht hätte er sogar manchmal ein bisschen mehr aus sich rauskommen müssen.
Ich erinnere mich da an Peer Steinbrück, der hat jetzt immer zu viel gemacht. Du erinnerst dich an den Stinkefinger, den er gezeigt hat. Da fand ich den Vogel von Scholz ganz angemessen. Vielleicht hätte er häufiger Journalisten und auch Mitstreitern in der Politik den Vogel zeigen müssen. Hätte ihm vielleicht genützt, weil er hatte ja manchmal auch zu Unrecht so ein bisschen den Ruf, doch sehr, sehr nordisch unterkühlt zu sein und eigentlich hätte er auch mehr machen können.
Und da war, ich habe ja damals dieses Buch über Olaf Scholz geschrieben. Ich erinnere mich. Und war jetzt nochmal in den letzten Tagen bei ganz vielen beim MDR, NDR, ARD und so weiter zu Gast. Ja, beim Seppen bin ich auch auf dich gestoßen. Und dann kam immer wieder die Frage, deshalb erzähle ich das.
Immer wieder die Frage, ob wir Hansaaten alle so sind und die Antwort ist nein. Und mein Eindruck war auch, dass Olaf Scholz in dieser Phase als Bundeskanzler wirklich nochmal das versucht hat, auf die Spitze zu treiben mit dieser Nüchternheit. Haken hinter, Haken hinter, aber nochmal die Frage an dich, wie überrascht warst du, dass es im ersten Wahlgang tatsächlich gescheitert ist?
Also ich hatte gedacht, das würde knapp, aber dass es so quasi krachend scheitert, hatte ich nicht für Möglichkeiten, weil, das ist ja auch ganz interessant, die Reaktion, ich weiß nicht, wie du das gesehen hast, die waren ja geradezu hysterisch. Also auch von mir, ich muss ehrlich sagen, ich bin ganz froh, dass der erste Kommentar dann durch den zweiten ersetzt worden ist.
Aber nicht nur ich, die FAZ hat es geschafft, die beiden Kommentare einfach nochmal ein paar Stunden nebeneinander zu stellen. Die ganze Republik atmete so ein bisschen die Staatskrise und man hatte das Gefühl, da bricht gerade was zusammen. Und heute mit schon wieder ein paar Tagen Abstand sieht man das auch eher als ja, sage ich mal, Fehler, den man heilen kann. Das war da, aber in dem Moment wirklich fast schon der Untergang, der Abgrund, an dem wir standen.
Naja gut, natürlich, weil die Hoffnung, das Versprechen war ja, jetzt ist dieser ganze Chaos, dieses ganze Ampelchaos zu Ende. Jetzt wird es wieder ordentlich, jetzt wird es wieder in ruhige Bahnen gehen und dann passiert etwas, was in der ganzen Geschichte Deutschlands noch nicht passiert ist. Und meine These ist ja, und das werden wir über die Wochen, Monate und Jahre, die dieser Podcast hoffentlich geht, verfolgen.
Meine These ist ja, ich befürchte, dass Friedrich Merz ein ähnliches Schicksal bevorstehen könnte wie Olaf Scholz, er es nur noch nicht weiß. Das ist unmöglich. Er ist, glaube ich, eh ein Kanzler des Übergangs. Das ist allein schon sein Alter wahrscheinlich. Also er kann jetzt nicht wie Adenauer irgendwie über ein Jahrzehnt regieren. Da muss man glaube ich realistisch sein.
Aber die Gefahr besteht. Nur, und das finde ich, ist wirklich ein starkes Argument. Deshalb fand ich es auch befremdlich. Auch so in meinem sozialen Umfeld fanden viele das A lustig und B auch verdient. Ich habe ja gesagt, Leute, wir sind in einer Situation, wo das nicht mehr lustig ist. Und wo wir uns solche Aussätze eigentlich nicht leisten können.
Weil jetzt geht es wirklich darum, ein verunsichertes Land wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Und dazu brauchen wir SPD und CDU. Dafür brauchen wir Lars Klingbeil und Friedrich Merz. Und was wir nicht brauchen, ist irgendwie der Eindruck, dass die sich spinnefeind sind. So ist es. Erster Wahlgang gescheitert, Friedrich Merz, erster Wahlgang, einen Tag später Peter Tschentscher, der alte und neue Bürgermeister lässt sich wählen und dann denkt man immer so, in Hamburg ist im Moment irgendwie politisch alles anders, bei der Bürgerschaftswahl schafft es die AfD nicht mal über 10% zu kommen, Rot-Grün bleibt stabil an der Regierung, und Peter Tschentscher hatte im ersten Wahlgang.
Keine, die ihn nicht gebeten haben. Er hat eine Stimme mehr gehabt, als die Koalition überhaupt Abgeordnete hat. Und dann, oh toll, Peter Tschentscher. Und ich habe ja am Anfang so ein bisschen, zugespitzt gesagt, braucht er überhaupt noch einen Oppositionspartner oder kann er sich einfach zur Wahl stellen?
Weil es aus allen Parteien Menschen gibt, die sagen, ach, das ist ein toller Bürgermeister. Und da sagst du, naja, Vorsicht, das ist gar nicht so ungewöhnlich in Hamburg, dass der Bürgermeister bei der Wahl mehr Stimmen hat, als die Koalition Abgeordnete. Das ist Tradition, das war eigentlich immer so. Also Peter Tschentscher würde sagen, Vorsicht an der Bahnsteigkante bei dieser Bewertung. Aber Scholz hatte irgendwie einmal drei Stimmen, einmal eine Stimme mehr. Ich hatte eben schon gesagt, Christoph Ahlhaus hatte zwei Stimmen mehr.
Ode von Beust meines Wissens auch. Also irgendwie gehört es dazu, dass man den Bürgermeister wohl auch aus der Opposition wählen kann. Es ist ja am Ende auch nicht so... So rasend entscheidend, ob ich jetzt 71, 70 oder 72 Stimmen habe, aber es gibt einem natürlich ein gutes Gefühl und es passt genau in deine Erzählung rein.
Irgendwie in Hamburg gehen die Uhren anders. In Hamburg ist alles ein bisschen erfolgsorientierter. Man hat eine andere Streitkultur und bringt die Dinge auf den Weg und das ist natürlich etwas, was wir uns im Bund jetzt auch wünschen. Wir sind gespannt, ob es da so weit kommt. Wir müssen noch über eine Sache sprechen, die ich interessant fand im Vorfeld. Für mich, das war auch für mich die große Überraschung.
Vor der Wahl hatte ich mit Marcel Schweitzer und Peter Tschentscher gesprochen und da ging es auch so ein bisschen um die Perspektive 2030. Bleibt Peter Tschentscher so lange Bürgermeister? Wäre er der Dienst, also der längst amtierende Bürgermeister in der Geschichte Hamburgs? Das ist auch deshalb interessant, weil ja am Anfang viele gesagt haben, Wer wird Nachfolger von Olaf Scholz?
Und ich hatte damals den Eindruck, dass auch Marcel Schweitzer, der schon der Senatssprecher mit der längsten Amtszeit war, vorhatte, diesen Weg mitzugehen. Und dann, kurz vor der Wahl in der Bürgerschaft, sagt Marcel Schweitzer, ich höre auf, ich übergebe. Und ich habe mich gefragt, erst habe ich gedacht, kriegt der irgendwie einen Job in Berlin? Alles, was man jetzt weiß, anscheinend nicht.
Er macht ja ein Geheimnis draus. Ja, aber warum ist Marcel Schweitzer? Warum ist der gegangen? Warum ist der plötzlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr Senatssprecher? Tja, das ist eine gute Frage, die ich hier auch so nicht beantworten kann. Ich glaube, halb zog es ihn, halb sank er hin. Die beiden haben ja schon gut harmoniert auf den ersten Blick oder auf die letzten Jahre betrachtet.
Aber der Abgang hat natürlich noch eine andere Geschichte zu erzählen. Nämlich, dass es da durchaus auch Dinge gab, die nicht so optimal gelaufen sind. Und er sagt ja immer, er hat sich jetzt beruflich neu orientiert. Wahrscheinlich hat er was. Das würde zumindest diesen Termin erklären. Es ist ja manchmal so im Leben, dass der, den er beerbt, noch gar nichts von seinem Glück weiß.
Und dass er deshalb vielleicht schweigt. Aber überrascht war ich auch und ich muss ganz ehrlich sagen, ich hätte es auch nicht erwartet. Also ich weiß nicht, was du da gehört hast. Ja, ich habe mich so ein bisschen umgehört im Umkreis des Senats, in der SPD und da kam eine Sache zur Sprache. Die ich interessant fand und die ich nicht weit hergeholt hole, dass er sagte, dieser Bürgermeister ist, was die Veröffentlichung anbelangt, nicht ganz leicht.
Also Olaf Scholz war glaube ich auch nicht ganz leicht, aber wir erinnern uns, wenn man zu Olaf Scholz zum Interview kam, dann hat er das Interview geführt, dann ist er da selber noch rüber gegangen, aber hat jetzt nicht vorher viele Detailfragen gehabt. Das ist bei Peter Tschentscher anders. Und meine, was ich so höre ist so, dass Marcel Schweitzer irgendwann diese schwierigen Abstimmungsprozesse vielleicht auch leid gewesen sein könnte.
Ich spreche es im Konjunktiv. Also, dass die beiden sich da sehr unterscheiden, die beiden Bürgermeister, stimmt. Also, man muss sagen, Olaf Scholz hatte auch einen engeren Draht zu den Journalisten als Peter Tschentscher. Der konnte auch Kritik gut aushalten. Das würde ich bei seinem Nachfolger nicht unbedingt sagen. Und das ist natürlich für einen Sprecher, der so ein bisschen zwischen den Welten steht, dann anstrengend auszuhalten.
Und das kann auch sein, dass ihn das so ein bisschen vielleicht ermutigt hat, nochmal was anderes zu machen. Aber weil du es gerade sagtest, finde ich wirklich eine spannende Frage. Ich kann mir gut vorstellen, dass Peter Tschentscher diese fünf Jahre voll ausreizen möchte. Ich kann mir mal vorstellen, dass in der SPD, wo es ja zumindest ein, zwei, drei Kandidaten geben könnte, die auch nochmal auf dieses Amt schielen, irgendwann unruhig werden und mit den Füßen beginnen zu scharren.
Man sagt ja eigentlich immer, wenn man übergibt, gern in der Mitte der Legislaturperiode. Das wäre in Hamburg so in zweieinhalb Jahren. Ja, und da muss man sagen, hat er ja auch schon eine beträchtliche Zeit von 2018 bis Anfang 2028. Das wären dann fast zehn Jahre. Das ist wahrscheinlich auch ganz plausibel. Es ist auch, finde ich, gut für ein Amt.
Und zwar unabhängig davon, wie gut oder schlecht es der Mann oder die Frau vorher gemacht haben, weil man wird mit der Zeit immer ein bisschen entrückter. Wie lange bist du jetzt stellvertretender Chefrichter des Abendblats? Lars, da musst du mal den Weg freimachen. Gute Frage, 2008, also insofern noch viel, viel länger, aber man wird natürlich ein bisschen, quasi behäbiger und man hat alles schon mal gesehen und hat weniger neue Gedanken und lässt sich auch von seinem Umfeld immer mehr in einer Blase quasi in Sicherheit wiegen und da ist es gut, wenn man mit einem neuen, frischen Ansatz auch reinkommt und deshalb war ich immer dafür, auch eigentlich Ämter auf zwei Legislaturperioden zu begrenzen.
Du hast gesagt, es sind drei, die sich interessieren. Also ich würde jetzt sagen Melanie Leonhardt. Es sind immer mehr, die sich interessieren, als die, die dann auch eine Chance haben. Aber Melanie Leonhardt ist sozusagen eigentlich auch, eigentlich müsste doch die nächste Bürgermeisterin eine Frau sein, weil das hat es in der Geschichte.
Hamburg ist noch nicht gegeben, es ist noch keine Frau Börger. Also Melanie Leohart ist eine, die sich da, der man das zutrauen würde sowieso. Ja, Andreas Dressel ist auch jemand. Und wer ist der Dritte? Naja, es gibt schon so ein paar, die sich, glaube ich, das ganz gut vorstellen können. Also die noch so ein bisschen damit kokettieren, ob das ein Andi Gorote zum Beispiel ist, von dem ich mir vorstellen kann.
Das ja auch noch nicht ganz aufgegeben hat, so ein Amt auch anzutreten. Aber du hast Recht, ich vermute Stand jetzt, aber du weißt, in zweieinhalb Jahren kann viel passieren. Würde ich sogar Andi Dressel in der Führungsposition sehen und dann Frau Leonhard. Wir werden es sehen und ich bin mir gar nicht sicher, ob der Bürgermeister, der erste Bürgermeister, der wirkt nicht so, als hätte er den Spaß verloren.
Nein, das kann auch gut sein. Und dann vielleicht bei der Wahl übergibt. Wie sind wir in Hamburg? Machtkampf, einen Machtkampf hat es bei den Grünen Da ist man dann auch ein bisschen überrascht gewesen. Es war so, dass irgendwie zwischen Frau Fegebrang und Frau Blumenthal, richtig? Ja, zwischen denen, also ich glaube der Machtkampf war eher noch zwischen den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden, die ja durchaus auf einen Wechsel in den Senat gehofft haben, also Dominik Lohrsen und Jennifer Jasperg.
Und auf der anderen Seite der Parteivorsitzende Mariam Blumenthal, die auch gerne in den Senat wollte. Und da gab es so ein bisschen so ein Personentableau, wo geguckt wurde, wie kriegen wir das alles. Auf den Weg. Eigentlich war es ja relativ einfach. Der Umweltsenator Jens Kerstern ist ausgeschieden aus persönlichen Gründen nach einer langen Zeit.
Und damit hatten die Grünen ja einen Posten zu vergeben, nämlich den des Umweltsenators, der Umweltsenatorin. Aber das war Frau Blumenthal. Offensichtlich hat er gesagt, nee, nee, damit kenne ich mich nicht gut genug aus. Ich möchte eigentlich, eigentlich möchte ich Schulsenatorin werden. Das ist ein Bereich, den die SPD nicht hergegeben hat, aus Gründen.
Und dann wollte sie sowieso Vergleichbares machen. Und ist dann letztendlich ja Wissenschaftssenatorin geworden. Da hat Katharina Fegebank den Platz freigemacht. Wenn man Katharina Fegebank in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten beobachtet hat, Dann weiß man, wie sehr ihr diese Behörde ans Herz gewachsen ist.
Sie ist gerade im vergangenen Jahr nochmal zum dritten Mal als Wissenschaftsministerin des Jahres gewählt worden in Deutschland. Ich hatte dann danach die Gelegenheit, unter anderem mit dem Chef des UKE. Christian Gerloff, zu sprechen, der sagte, ich verstehe das nicht. So, warum man dann diesen Platz frei macht, aber das sind dann sozusagen die Kräfte in der Partei, weil Katharina Fegebank auch wusste, das ist meine Parteivorsitzende.
Am Ende muss die diesen Koalitionsvertrag unterschreiben und das tut sie nur, wenn sie selber einen Senatorenposten bekommt. Ja, wobei, ich glaube, es kommt ja auch hinzu, wir haben gerade darüber gesprochen, dass zwei Legislaturperioden dann auch reichen. Und das ist natürlich exakt bei ihr das gewesen. Sie ist jetzt seit zehn Jahren Wissenschaftssenatorin. Sie hat es, muss man wirklich sagen, such mir einen, der sich negativ äußert.
Schwierig. Also wird echt schwierig. Und das ist natürlich wirklich eine Qualität. Davon muss man einfach auch als politischer Beobachter erstmal den Hut ziehen. Dass man dann aber nach zehn Jahren sagt, hey, wenn mein Ziel nochmal ist, was anderes zu werden als die erfolgreichste Wissenschaftssenatorin in Hamburg, dann muss sie sich bewegen.
Und da liegt es natürlich nahe, ein Ressort zu besetzen, was natürlich mehr Wumms mitbringt. Und das ist natürlich das Umweltressort auf jeden Fall. Da kann man sich auch mal mit dem Bürgermeister streiten, was sie ja bislang eigentlich nie gemacht hat. Sie war ja bislang sogar eher jemand, der vermittelt hat.
Jens Kerstahn und Peter Tschentscher waren keine Freunde mehr. Die lagen oft über Kreuz und da kam dann auch gerne Katharina Fegebank und hat zwischen den beiden vermittelt. Jetzt muss sie ein bisschen die Rolle wechseln und selber zur Angreiferin werden. Aber das ist das Ressort, aus dem sie wahrscheinlich, wenn sie es gut macht, eine bessere Chancen hat.
Ins Bürgermeisterzimmer zu wechseln, als als Wissenschaftssenator. Wobei sie jetzt auch mit Marian Blumenthal auch jemanden hat, der Nacht drückt und Nacht drängt. Also die hat ja offensichtlich mit Macht versucht, in den Senats zu kommen. Ja, die hat auf jeden Fall ein Machtbewusstsein. Und das ist ja immer so, siehe Lars Klingbeil, so das erste Moment, weil auch bei Lars Klingbeil ist klar, der möchte natürlich nicht.
Es gibt die schöne Geschichte, als er mal bei Markus Lanz war und Markus Lanz ihn dann hinterher in die Garderobe gebeten hat und ihn fotografieren wollte. Und Lars Klingbeil erst so ein bisschen gezögert hat. So geht die Geschichte. Und Markus Lanz dann gesagt hat, aber ich muss doch Fotos von dir machen.
Man duzt sich dann gerne mal hinter, wenn die Kameras aus sind. Du bist doch schließlich der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Und dann sind die Fotos offensichtlich gemacht worden. Also, das ist ja so lustig, dass eigentlich man davon ausgehen kann, dass das Duell SPD-CDU in vier Jahren, dann vielleicht hast du das Duell Lars Klingbeil und Jens Spahn ist. Das ist aber vielleicht eine andere Geschichte.
Auch spannend, ja. Und in Hamburg ist dann halt die große Frage, Blumenthal, Fegebank, was? Fegebank, was? Also wenn Katharina Fegebank will, also sie wird ja eher stärker. Ja. Und man darf auch nicht übersehen, Mariam Blumenthal hat jetzt natürlich erfolgreich sich quasi in das Ressort oder in den Senat reingebracht, aber hat auch da natürlich ein paar Verletzungen hinterlassen.
Und Machtpolitik ist immer auch gefährlich. Sie kann natürlich schnell zu Erfolgen führen. Sie kann aber auch, weil man sich viele Gegner macht, irgendwann im Aus enden. Und Katharina Fegebank hat auch in der Partei natürlich sehr, sehr viele Fürsprecher, eigentlich viel weniger Gegner als andere. Und da bin ich mir relativ sicher, auch wenn fünf Jahre Wahl sind, dass wenn sie will, und so habe ich ihren Wechsel verstanden und so ist es auch so ein bisschen kommuniziert worden, sie wäre gerne Wissenschaftssenatorin geblieben, aber sie musste und wollte jetzt nochmal was Neues machen.
Und da war einfach Frau Blumenthal clever und hat einfach die alten Fraktionschefs, die sich auch vorstellen können, zusammen in die Umweltbehörde zu gehen. Also Lorenzen als Senator und Irne Feiersberg als Staatsrätin. Und dann haben viele gesagt, nee, so geht es auch nicht. Also insofern muss man sagen, vor Pokert, schönes Machtspiel, aber für die Statik des Senats auch interessant.
Und das werden wir verfolgen. Wir haben uns vorgenommen, dieser Podcast heißt ja 040, das heißt über 40 Minuten geht es nicht. Auf keinen Fall. Auf keinen Fall. Und wir müssen noch einmal ganz zum Schluss OMR, Digitalmesse. Ja, da musst du erzählen. Du warst ja gestern da, auf der Bühne, an der Theke. Und das ist ja interessant, was mir gar nicht so bewusst war. Wir haben das schon mal drüber geschrieben.
Aber dass tatsächlich die OMR mit der Hamburg-Messe einen Vertrag, wusstest du das, wie lange der Vertrag dauert? Zehn Jahre. Zehn Jahre. Also tatsächlich. Und das war interessant, weil in diesem Zehn-Jahres-Zyklus war die OMR 2025 die Nummer eins. Das heißt, Hamburg hat auf jeden Fall nach neun dieser, neun OMRs vor sich.
Und ich wollte dazu noch einmal was sagen, weil man das hier immer so als selbstverständlich hinnimmt, wenn so Veranstaltungen so toll sind. Aber es ist ja nicht selbstverständlich, dass die so groß ist und dass sie in Hamburg bleibt. Und was der Philipp Westermeyer da macht, ist wirklich großartig. Und Stichwort, du hast es gesagt, irgendwie immer gucken, dass man sich verändert.
Philipp Westermeyer ist ja jetzt dazu übergegangen, im vergangenen Jahr schon und auch in diesem Jahr, sich stärker zurückzunehmen. Also früher hätte er das wichtigste Interview mit. Dirk Nowitzki, NBA-Legende, alleine gemacht. Diesmal war auf der Bühne Andrea Petkovic, die ehemalige Tennisspielerin, übrigens eine kandiose Fragenstellerin und Moderatorin.
War mir gar nicht so klar. Also wirklich journalistisch top. Können wir einstellen. Hat er sie mitgenommen und zieht sich so ein bisschen zurück, um eben auch dieses OMR auf breitere Beine zu stellen, damit das irgendwie nicht nur so eine Philipp Westermeyer Veranstaltung ist, sondern eine Veranstaltung ist, die auch ohne ihn funktionieren kann.
Geht in der Politik nicht, das geht in der Wirtschaft, wo man sich dann vielleicht irgendwann so alt ist er auch nicht, aber im Vergleich zu den Leuten, die auf die OMR kommen, wo ja gerne mal so zwischen 20 und 25 sind da viele, da ist, wie sagt man schon, da könnte Philipp auch schon der Papa sein mit.
46 ist er, wusste ich nicht. Und er hat ja schon mal den, das ist dann so der Teaser für die nächste Woche, er dreht ja eine Doku über den Hamburger SV und hofft natürlich wie kein Zweiter, dass der HSV an diesem Wochenende tatsächlich den Aufstieg in die Bundesliga perfekt macht. Ich guck's mir auch im anderen Fall an.
Du guckst es dir so an. Und dann sogar fast lieber. Und vielleicht sprechen wir nächste Woche darüber. Das war die erste Folge von 0 für 0 streng vertraulich, die Lage in Hamburg. Ich hoffe, ihr habt ein paar Dinge erfahren, die ihr vorher nicht wusstet. Wusstet, für mich war es so, lieber Matthias. Also vielen Dank.
Lass uns weiter an deinem Wissen teilhaben und wir hören uns mindestens einmal nächste Woche. Wenn es Not sein sollte, gibt's diesen Podcast auch mal zweimal die Woche. Je nachdem, was in Hamburg passiert. Bis nächste Woche. Tschüss. Tschüss.