
Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 16
Alles oder nix – Leben und Tod des Giwar Hajabi aka Xatar (Update)
Montag, 31. August 2026 · 52 min
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Shownotes
Giwar Hajabi, bekannt als Xatar, war einer der einflussreichsten Rapper Deutschlands – und eine der widersprüchlichsten Figuren der Bonner Stadtgeschichte. Aufgewachsen auf dem Brüser Berg, als Kind aus dem Iran geflüchtet, später verurteilt wegen eines spektakulären Goldraubs. Dann Labelboss, Unternehmer, Identifikationsfigur für eine ganze Generation. Am 7. Mai 2025 wurde er tot in einer Kölner Wohnung aufgefunden. Er wurde 43 Jahre alt.
In dieser Sommerpause-Episode hört ihr unsere Originalfolge von 2020, in der Xatar selbst zu Wort kommt. Danach spricht Anna Maria Beekes mit Kollegin Celina Baumann über alles, was seitdem passiert ist: den Tod, die Todesursache, die Beerdigung auf dem Bonner Nordfriedhof, das Gedenkkonzert in der Kölner Lanxess-Arena – und die Fragen, die dieser Lebensweg aufwirft.
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Akte Rheinland. Ein Podcast des Bonner Generalanzeigers über wahre Verbrechen. Generalanzeiger Bonn, 15. Mai 2025. Der Name, unter dem ihn alle kennen, spielt diesmal keine Rolle. Von Khatar, Kurdisch für Gefahr, ist nirgendwo die Rede. Nicht bei der Predigt, nicht am Grab, nicht in den Gesprächen der Trauernden.
An diesem Donnerstagmorgen geht es um Jiva, den 43-jährigen Familienvater, der auf dem Brüserberg aufgewachsen ist und einer der einflussreichsten Musiker der deutschen Rap-Geschichte wurde. Hallo und willkommen zurück bei Akte Rheinland. Hier geht es an jedem zweiten Montag um Verbrechen und Kriminalfälle aus Bonn und der Umgebung.
Mein Name ist Anna-Maria Bekes und wir sind weiterhin in der Sommerpause oder auch nicht, wie ihr seht. Das hier ist unser drittes Update aus der Sommerpause, ist auch dann gleichzeitig das letzte Update und ab dem 14. September gibt es hier wieder neue Folgen von Akte Rheinland. Wir holen ja in dieser Sommerpause ein paar ältere Folgen aus dem Archiv, die wir für besonders hörenswert halten und wir rahmen diese Episoden mit einem Update.
Und heute geht es dabei um unsere Episode zum Rapper Khattar, die wir im Jahr 2020 aufgenommen haben. Jiva Hajabi, bekannt als Khattar, hatte 2009 einen Goldraub begangen, war ins Ausland geflohen, schließlich im Irak festgenommen und zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Wir haben damals ausführlich über seinen Lebensweg gesprochen, über die Frage, was Gangsterrap bedeutet, darüber, warum er für so viele Jugendliche in dieser Stadt, in Bonn, seiner Heimatstadt, eine Stimme war und ist.
Und natürlich haben wir über das Verbrechen gesprochen, das er begangen hat. Im Mai 2025 ist Jivar Hajabi gestorben. Er wurde 43 Jahre alt. Schon kurz nachdem sein Tod bekannt wurde, haben wir unsere Episode nochmal hochgezogen und ganz schnell gemerkt, das Interesse ist wirklich riesengroß. Deshalb wollten wir schon länger ein Update aufnehmen und das hier ist jetzt unsere Gelegenheit dazu.
Ihr hört also jetzt zunächst unsere Originalfolge, in der auch Ratar selbst zu Wort kommt und dann spreche ich mit meiner Kollegin Celina Baumann darüber, was seitdem passiert ist. Wenn ihr diesen Podcast bisher noch nicht abonniert habt, dann tut ihr uns einen riesengroßen Gefallen, wenn ihr das jetzt macht. Also folgt unserem Podcast, abonniert ihn auf Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer ihr uns gerne hört.
Eine Bewertung mit fünf Sternen, die hilft uns am allermeisten. Dankeschön dafür und jetzt kommt unsere Episode der Gangster Rapper und das Gold. Autobahn 81, 15. Dezember 2009. Zwei Männer sind im Auftrag eines Schmuckhändlers mit einem Transporter und 120 Kilogramm Schmuck und Zahngold auf dem Weg zu einer Metallscheideanstalt in Pforzheim.
Zwischen Veidelsheim und Mundelsheim überholt sie ein dunkler BMW. Auf dem Armaturenbrett blinkt Blaulicht. Eine Leuchtschrift am Heck fordert die Männer auf zu folgen. In dem BMW, so ermittelt die Polizei, sitzen der Rapper Khatar, ein 24-Jähriger aus Rheinbach und ein 22-Jähriger aus Meckenheim. Dessen DNA finden Ermittler später an Handschellen, mit denen die Opfer gefesselt sind.
Am Tag trägt das Trio grüne Oberteile und schwarze Westen mit der Aufschrift Polizei. Die drei geben sich als Beamte der Steuerfahndung aus und erklären Fahrer und Beifahrer, sie seien wegen Steuervergehens verhaftet. Die beiden werden gefesselt und im Wald ausgesetzt, während Komplizen den Transporter ausrauben, so die Ermittler.
Herzlich willkommen bei einer neuen Episode von Akte Rheinland, dem Crime-Podcast des Generalanzeigers. Wir sprechen hier jeden zweiten Donnerstag über Kriminalfälle aus Bonn und der Region. Mein Name ist Jonathan Kemper und ich bin Mitarbeiter der Digitalredaktion. Und ich bin Anna-Maria Wilkes, hallo auch von mir. Ich bin Redakteurin hier beim GA und unser heutiger Fall ist gleich in mehrerer Hinsicht etwas untypisch für unser Format.
Zum einen spielt der eigentliche Fall gar nicht hier in Bonn, sondern in der Nähe von Stuttgart. Zum anderen ist dieser Fall eigentlich nur ein Teil einer ganzen Geschichte. Und weil diese Geschichte eine echte Bonner Geschichte ist, finden wir, dass sie in diesem Podcast nicht fehlen darf. Und das vielleicht Ungewöhnlichste, der erwiesene Haupttäter in diesem Fall, wird hier in diesem Podcast stellenweise selbst zu Wort kommen.
Wir haben nämlich wie immer einen Gast zu uns eingeladen und der hat mit dem Protagonisten des Falls vor kurzem ein langes und sehr lesenswertes Interview geführt, das wir euch in den Shownotes verlinken. Ja, herzlich willkommen, Raja Mukherjee. Du bist ebenfalls Redakteur hier beim GA und du hast im August kurz vor seinem Konzert hier in Bonn den Gangster-Rapper Khattar, bürgerlich Jiva Hajabi, für den GA interviewt.
Sag mal, war das eigentlich schwierig, einen Termin bei ihm zu bekommen? Ja, hallo erstmal von meiner Seite aus. Das war schon ein bisschen schwierig insofern, als es über mehrere Ebenen ging, über das Label. Da hat man mal mit dem einen Mitarbeiter gesprochen, dann mal mit der Managerin und da gab es einen ersten Termin, der verschoben worden ist.
Und dann gab es einen zweiten Termin, der verschoben worden ist und beim dritten Termin, der sollte eigentlich am Freitagmorgen stattfinden und dann, bereitet man sich ja entsprechend darauf vor, das hat dann ein bisschen gedauert, war dann am Abend gewesen und eigentlich ganz entspannt ab 21 Uhr und war eine schöne Stimmung gewesen, kann man nicht anders sagen. Hört sich gut an.
Also an dieser Stelle wollen wir direkt mal im Vorhinein auf einen Vorwurf eingehen, den wir ganz sicher an dieser Stelle bekommen werden, nämlich, dass wir einem Kriminellen eine Bühne bieten müssen. Dazu ist zu sagen, dass wir zum einen natürlich ein öffentliches Interesse bedienen. Das haben wir zum Beispiel auch getan, als wir zur Eröffnung von Khatars Köfte im Bissier in Bonn gegangen sind.
Wenn es so einen Riesenandräng gibt, dann ist es unsere Aufgabe als Presse, das auch darzustellen. Genau, das bedeutet aber nicht, dass wir Khatar oder irgendjemand anders hofieren oder so. Oder wie man, um direkt im Slank zu bleiben, Props geben. Richtig. Und zum Kriminellen. Der Khatar hat seine Strafe bekommen.
Der hat sich abgesessen, er ist rehabilitiert, wie es unser Gesetz nun mal vorsieht und er sagt selbst, dass er nicht mehr kriminell ist. Er geht kritisch mit seiner Vergangenheit um und aus all diesen Gründen halten wir es für völlig legitim, über ihn zu berichten, mit der kritischen Distanz, die natürlich dabei nötig ist.
Worum soll es also heute gehen? Im Mittelpunkt dieser Episode steht natürlich das spektakuläre Verbrechen, für das Khatar in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt geworden ist. Der Goldraub. Anna, kannst du uns vielleicht erzählen, was damals passiert ist? Ja, das war so. Am 15. Dezember 2009 haben vier als Steuerfahnder getarnte und auch verkleidete Männer einen Goldtransporter auf der A81 bei Ludwigsburg entführt.
Ihn steuerten zwei Angestellte eines Schmuck- und Großhandelsunternehmens, ein ehemaliger Polizist und der Schwiegersohn des Schmuckhändlers. Und dann kam ein dunkler BMW mit Blaulicht und Leuchtschrift am Heckfenster. Also bitte folgen, stand da, überholt diesen Transporter. und als der Fahrer des Transporters stoppt, hält dahinter noch ein roter VW-Bus.
Da steigen vier Männer mit Polizeiwesten aus und sagen ja, sie sind Steuerfahnder. Die fesseln dann Fahrer und Beifahrer des Transporters, erklären den beiden, sie seien festgenommen, ihre, Firma würde durchsucht und dann setzen die ihre Opfer im Wald aus, flüchten mit dem Transporter und da drin sind 120 Kilogramm Schmuck und Zahngold im Wert von rund 1,8 Millionen Euro.
Das klingt ziemlich filmreif, sondern das ist auch nach allem Anschein auch gut geplant gewesen. Aber ich glaube, eine Kleinigkeit hatten die Täter vergessen, oder? Ja, und zwar das Kennzeichen der SU für den Rhein-Sieg-Kreis. Das führt dann natürlich auch dazu, dass Anfang Februar 2010 fünf Spezialeinsatzkommandos gleichzeitig in Bonn, Rheinbach, Wesseling und Gummersbach zuschlugen und vier Verdächtige vorläufig festnahmen.
Es folgen weitere Festnahmen, unter anderem in Meckenheim. Hatar ist allerdings erstmal nicht dabei. Wo ist der denn eigentlich? Ja, er flog erstmal nach dem Überfall aus Deutschland ins Ausland und unterwegs meldet er sich dann per Videobotschaft aus Moskau, muss man sich mal vorstellen. Und dann geht es später weiter in den Irak und dort wird er schließlich vom kurdischen Geheimdienst festgenommen und im Mai 2010 nach Deutschland abgeschoben.
Am 14. Juli 2010 wird dann Anklage gegen Jiva Hajabi alias Khatar und fünf weitere Tatverdächtige erhoben. Am 27. Oktober beginnt der Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Prozess zieht sich sehr lange hin. Erst im Dezember 2011, also mehr als ein Jahr später, fällt ein Urteil. Die Große Strafkammer hat dann in Aussicht gestellt, im Fall eines Geständnisses die Haftstrafen auf sieben bis acht Jahre zu begrenzen. Und daraufhin gesteht Khatar den Goldraub dann auch.
Das Gericht verurteilt ihn am 22. Dezember 2011 wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu acht Jahren Haft. Davon sitzt er allerdings nur vier Jahre ab. Unter anderem in der JVA Rheinbach, hier quasi um die Ecke. Aber da ist er nicht untätig, kann man sagen, oder?
Ja, er hat sogar was gelernt im Gefängnis, was er auch erzählt, nämlich Geduld. Wenn die Straße in meiner Schule war, dann war der Knast die Uni. Und die Gefangenschaftler haben ihn auch gelernt, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Genau, ich glaube, er hat dort heimlich sein Album Nummer 415, was gleichzeitig auch seine Gefangennummer war, aufgenommen.
Und er hat in einem anderen Interview erzählt, wie man das am besten macht. Er sagt, am besten mit einem korrupten Beamten, der einem alles reinschmuggelt, aber diesen Service gibt es nicht überall. Stuttgart ist schräg, die Schwaben sind sehr ordentlich, im Norden ist es besser, Nordrhein-Westfalen geht auch sehr gut.
Genau. Und er hat zum Beispiel einen 30 Meter langen Faden aus einer Bettdecke gezogen, fast wie im Film, ein Blasrohr dazugenommen und eine Nadel dazu gebastelt, über die Mauer gespuckt und ein Paket draußen drangebunden. Also jemand hat dann draußen ein Paket drangebunden und ihn dann so hoch zersorgt. Genau.
So hat er sich bis zuletzt sogar einen Kassettenrekorder, Kopfhörer und ein Diktiergerät reingeschmuggelt. Und für den Produzenten alle Details aufgesprochen mit Zeitstempeln und so weiter. Das muss eine Heidenarbeit für den Produzenten gewesen sein. Jatar sagt selber, dieses Album hat sein Leben gefickt.
Und die Bände hat er dann per Post verschickt und als er einen wichtigen Deal mit Amazon abschloss, haben sie ihn erwischt. Das Handy wurde ihn dann schließlich abgenommen und er kam in Einzelhaft. Aber auf der anderen Seite sein Album stieg auf Platz 19 der Deutschen Schatz ein. Also im Grunde kann man sagen, dass Rattar sich seine musikalische Karriere, die zwar schon vorher lief, aber danach erst richtig durchgestartet ist, im Knast aufgebaut hat, oder?
Und wie auch immer man das finden mag, nach allem, was wir wissen, hat er seine kriminelle Karriere ja beendet. Genau, aber wir sollten trotzdem mal darüber sprechen, wie und warum diese kriminelle Karriere überhaupt begonnen hat, oder? Das war nämlich auch quasi hier um die Ecke am Brüser Berg. Dazu hören wir uns jetzt erstmals einen kleinen Ausschnitt aus dem Interview an, das Raja mit Khattar geführt hat.
Ich habe sehr viele Stationen in meinem Leben gehabt, die man als Tiefpunkt nennen könnte. Und wenn man solche Tiefpunkte gehabt hat, denkt man bei jedem Schluck Wasser, das man trinkt, an diese Momente. Deswegen, das hat nichts mit Zeit zu tun, das geht einfach nicht raus aus dem Kopf. Es gibt ja Menschen, die möchten eigentlich grundsätzlich gar nicht über die Kindheit und die Vergangenheit von Kriminellen oder Verbrechern sprechen.
Ich sehe das etwas anders und ich glaube nicht, dass man das eine ohne das andere betrachten kann. Was natürlich nicht heißt, dass das eine eine Entschuldigung oder Rechtfertigung für das andere sein darf. Wie und wo jemand aufsetzt, darf nie eine Entschuldigung für eine kriminelle Karriere sein. Aber es gibt ja durchaus Menschen mit ähnlichen Biografien, die einen ganz anderen Weg einschlagen.
Trotzdem glaube ich, dass man aus einer privilegierten Position heraus ziemlich einfach behaupten kann, dass jeder Mensch sich total frei und problemlos gegen diesen falschen Weg entscheiden könnte. Genau. Einmal um seine Kindheit, kurz zum Reisen. Hatta wurde 1981 im Iran geboren und flüchtete mit seinen Eltern als Kleinkind über den Irak nach Deutschland.
Und im Irak sollen die Eltern gefoltert worden sein. Wie hat diese Flucht ihn geprägt? Weiß man darüber etwas? Ja, sehr. Denn im Grunde genommen ist es ja eine Biografie, also wenn man das erlebt, die eben nicht die erkennt natürlich. Und man merkt einfach, dass die Eltern tief getroffen sind. Er spricht ja auch im Interview darüber, dass sie einfach wirklich traumatisiert waren letztendlich.
Und das ist ja etwas, eine Erfahrung, die verlässt einen ja nie wieder. Und das müssen die Kinder auch gespürt haben als Folge sozusagen auch dieser Flucht letztendlich dann. Also hat es ihn auch geprägt. Ich glaube auch nicht, dass so etwas jemanden nicht prägen kann. Das wäre naiv, das zu glauben. Kurz als Einschubs 2010 wird Rataj übrigens selbst als Gefangener im Irak nach seiner Festnahme mit zwei weiteren Verdächtigen, einer davon der Rapper Sami, drei Monate lang vom kurdischen Geheimdienst verhört und gefoltert.
Und ich glaube, man muss nicht besonders viel Fantasie haben, um sich vorzustellen, was diese Erfahrung dann in ihm ausgelöst und auch wieder hochgespült haben dürfte. Genau. 1985 zieht die Familie schließlich in die Papageiensiedlung am Brüserberg in Bonn. Dazu können wir euch auch eine sehr sehenswerte Kurz-Doku der Filmakademie Baden-Württemberg empfehlen, die ihr bei YouTube findet und wir euch natürlich in den Shownotes verlinken.
Ja, ganz kurz zu der Papageiensiedlung, nur für den Hintergrund, um zu wissen, wo Katar aufgewachsen ist. Das ist eine Hochraussiedlung hier auf dem Brüserberg in Bonn im Stadtbezirk Hartberg. Dieser Ortsteil Brüserberg entstand in den 1970er Jahren, war so eine Art Modellsiedlung für menschliches Miteinander. da viele Fußgängerbereiche, Spielplätze und so weiter im Zentrum, vor allem mit Geschosswohnungsbau und an den Rändern mit den typischen Einfamilien- und Reihenhäusern.
Anfangs wohnten auf dem Brüserberg sehr viele Bundesbedienstete. Bonn war ja damals noch Hauptstadt und die Ministerien waren nicht weit entfernt. Diese Papageiensiedlung entwickelte sich aber durchaus zu dem, was man gemeinhin einen sozialen Brennpunkt nennt. Wobei sich über den Begriff sicher streiten lässt, aber unstrittig ist, dass es dort viel Kriminalität gab und der Anteil an Zuwanderern, besonders hoch war.
Das nur für den Hintergrund, um eben zu verstehen, wo Chata herkommt. Der Vater hat eine klassische Musikausbildung und er wird später Dirigent bei den Bonner Philharmonikern. Als Rata 15 ist, trennen sich die Eltern. Er sagt, danach wurde es wild. Genau und dazu muss man auch wissen, dass die Mutter natürlich auch eine eigene Geschichte hat und das bringt ja auch dann letztendlich die ganze Familie.
Also ein Studium, der Mutter wird nicht anerkannt. Sie muss Gelegenheitsjobs annehmen, zum Beispiel als Kinderpflegerin und als Putzkraft. Und das ist auch ein bisschen die Zeit, in der Khatar sich aus der Schule zurückzieht. Wie gesagt, am Gymnasium in Hartberg und eine Drogendealer-Karriere beginnt, wenn man das so nennen darf.
Und nebenbei macht er Musik und nennt sich da auch schon Khatar, was aus dem Kurdischen, glaube ich, stammt und für Gefahr steht. Er schießt auf Türsteher, lässt sich Kokain aus Kolumbien liefern, in Gläsern flüssig, vertickt das dann, macht das große Geld zunächst und dann kommen die großen Schulden.
Das ist ja geradezu eine klassische Geschichte von der schiefen Bahn, oder? Dabei hatte Khataga kein schwieriges soziales Milieu im eigenen Elternhaus. Er kam aufs Gymnasium und sagt selbst, dass Geld zu Hause nie ein großes Thema war, sondern Bildung eigentlich die Währung war. Ja, aber es lässt sich dann eben doch nicht vermeiden, dass er auf dem Gymnasium dann derjenige ist, der anders ist, weil er eigentlich das einzige Kind mit Migrationshintergrund unter sogenannten deutschen Kindern ist.
Was hat er dazu gesagt? Genau, darauf geht er auch ein. Er hat auch darüber geschrieben in seinem Buch. Er nennt es ja Asikanake, so ist er genannt worden oder betrachtet worden letztendlich. Ein harter Begriff natürlich, aber so war, glaube ich, einfach auch die Wahrnehmung, mit der er das eben verspürt hat, so wie er eben wahrgenommen wurde.
Und er erzählt ja auch an einer Stelle, dass er zum Beispiel bei Geburtstagen nicht dabei sein konnte. Und auch im Schulunterricht war es teilweise so, dass er Ausgrenzung gespürt hat. Er spricht im Interview auch darüber, dass es eben Rassismus war, unser purer Rassismus. Eben offenbar auch ausgelöst durch Lehrer, die durch ihre eigene Vergangenheit es nicht anders gelernt haben. Also er macht das sehr differenziert, er sagt eben, die kannten es nicht anders, sie kannten keine Ausländer, keine Migranten, keine Zugewanderten und deswegen war das eben so, wie es war, ne? Mhm.
Das war ja nicht die einzige Schule, auf der er dann war. Also auf dem Gymnasium hat es dann, glaube ich, nicht geklappt. Dann kam er auf eine Gesamtschule in Köln und da gab es dann, Zitat, ich sage es deutlich, Zitat, lauter Kanacken wie ich, da war nichts mehr mit Rassismus. Dafür haben sie aber nur noch gekifft anscheinend.
Genau, er ist zweimal sitzen geblieben und dann wieder nach Bonn zurück auf eine Gesamtschule. Aber er sagt selber auch, hat alles nicht geklappt, das war nicht mein Weg. Relativ gut war allerdings in Deutsch und Lyrik, wie er selber sagt. Was ich persönlich interessant finde, Hatar gibt ja nicht anderen die Schuld für den Weg, den er eingeschlagen hat, sondern sich selber.
Und über seine Schwester sagt er, sie ist in der gleichen Siedlung aufgewachsen und zur gleichen Schule gegangen, aber sie hat nie irgendetwas verbrochen. Sie ist den, wie er sagt, perfekten Weg gegangen. Ja, das war das, was ich eben auch meinte. Natürlich gibt es auch andere Wege, die man einschlagen kann, aber man sollte eben nicht glauben, dass es so einfach ist.
Wir können jetzt, glaube ich, nicht und sollten auch nicht auf jede Einzelheit eingehen. Fakt ist, Khatar betreibt sozusagen parallel eine musikalische und eine kriminelle Karriere. Dann kommt der Goldraub von 2009, über den wir ja ausführlich gesprochen haben, die Festnahme, die Verurteilung, das Gefängnis und schließlich die Freilassung.
Wie geht es jetzt eigentlich weiter? Bereut er, was er gemacht hat? Auf jeden Fall. Zumindest wird es deutlich, indem er sich im Interview auch dargestellt hat. Er stellt die kriminellen Sachen als Großtat heraus. Obwohl er sich, muss man auch sagen, nicht in die Karten schauen lässt natürlich. Also ein bisschen, wie soll man sagen, er glorifiziert das nicht, zumindest nicht im Interview, aber ja.
Der Name seines Labels, alles oder nix, kann man das auch so ein bisschen als sein Lebensmotto bezeichnen? Ich glaube schon tatsächlich. Also man muss irgendwie am großen Rad drehen und, geht ja auch im Interview darauf ein, dass es ein bisschen auch um Stärke geht, die man ja auch sozusagen für sich selber und, nach außen einmal darstellen muss. Und da musst du wirklich einfach groß rauskommen sozusagen. Entweder alles oder nichts halt.
Dazu gibt es auch noch eine Geschichte, die sich Jahre später erst entwickelt hat. Es gibt eine Doku vom Funk-Format Y-Kollektiv. Da wird ein Hacker gezeigt, der sich selber Kai nennt und er sagt, dass er für große Label-Bosse quasi Newcomer pusht und den Klicks bei Streaming-Diensten wie Spotify oder YouTube kauft.
Chatar selber ist darauf auch quasi indirekt in einem anderen Musikvideo wieder eingegangen. Und meiner Meinung nach zumindest wirkt es so, als würde er das auch ein bisschen bestätigen. Ein bisschen ironisch vielleicht. Aber meinst du, er hat irgendwie noch kriminelle Energie? Gut, wir können natürlich nicht hinter die Fassade schauen, das ist ganz klar.
Also er ist eine Persönlichkeit, man kann auch sagen des öffentlichen Lebens letztendlich. Und er wird sicher auch sozusagen ein Stück weit sich darstellen müssen. Ich glaube einfach, dadurch, dass er ja, wie gesagt, einräumt, dass er Sachen auch gemacht hat, er spricht ja von Tiefpunkten, die nicht gut waren, kann man zumindest annehmen, dass er da auch drüber nachgedacht hat.
Und wenn er sich auch vergleicht mit seiner Schwester, mit seiner Familie insgesamt, wird er nicht alles gutheißen können, was er gemacht hat. Ob jemand, wenn er einmal was gemacht hat, das nicht ein zweites Mal macht oder meinetwegen etwas anderes macht, das können wir natürlich nicht ausschließen an dieser Stelle.
Deswegen müssen wir es differenziert betrachten. Ich muss jetzt mal festhalten für den Augenblick, dass er die Haftstrafe abgesessen hat. Das muss man festhalten. Und bisher ist ja nichts anderes bekannt geworden, was so in die Richtung gehen könnte. Das muss man auch berücksichtigen natürlich. Ja, andererseits, so wie 2009, ist seine Geldnot, glaube ich, heutzutage nicht mehr.
Er ist bekannter und einflussreicher Gangster-Rapper selber. Aber er ist auch als Label-Boss natürlich verantwortlich oder hat andere Einnahmequellen durch andere Musiker. Er betreibt mehrere Unternehmen, unter anderem Shisha-Bars. und seit neuestem eben auch ein Köfte-Grill hier in Bonn. Das soll aber nicht die einzige Filiale sein. Er will daraus sogar, glaube ich, ein Franchise machen und über Deutschland hinaus expandieren.
Ja, sprechen wir doch mal über seine Musikkarriere. Da habt ihr ja einiges recherchiert. Ja, zum ersten Aufzuhl und Erfolg. Also er kam 2007 zurück nach Bonn. Er war auf so einer Akademie gewesen, glaube ich. Auch um einem Haftbefehl zu entgehen. Genau, er war in London, um Musikmanagement oder sowas zu studieren.
Genau. Ja, aber dieser Haftbeweg wurde wegen Mangel an Beweisen dann aufgehoben, ne? Genau, richtig. Dann kam er zurück und hatte den ersten Auftritt. Genau. Da hatte er natürlich noch nicht so einen Einfluss und hat deshalb Freunde als Sicherheitsleute engagiert, weil er gerade Stress auch mit den falschen Leuten hatte.
Aber einer dieser Freunde war leider betrunken und nicht nur das, er hatte sogar eine Gaspistole dabei. Der besoffene Freund gibt auf der Bühne einen Schuss ab und der Saal muss evakuiert werden. Das Konzert wird abgebrochen. Ja und was kurios ist, zufällig war ein Fernsehteam dabei, nämlich von RTL 2.
Der Beitrag war der Chefetage aber wohl zu heikel. Damit kam mit einem Platz in der Sendung Der Bluff, wurde das Ganze entschädigt. Und Rata entzieht Literaturstudien in vier Wochen zu Gangster-Rappern um. Genau, das bringt ihm auch überregionale Bekanntheit und sein erstes Album Alles oder Nix, was dann eben auch der Name seines Labels wird, erscheint 2008 und wird aber auch eineinhalb Jahre später indiziert.
Er spielt den Titeltrack für den Kinofilm Kopf oder Zahl, was sein größter Erfolg wird, wird danach sogar in die Playboy-Mansion von Hugh Hefner eingeladen. Aber auch das bleibt nicht ohne Zwischenfall, denn er gerät mit einer weiblichen Besucherin aneinander und kassiert nach einem verschütteten Drink einen Schlag und den erwidert er sogar und landet schließlich im Los Angeles County Jail.
Er sagt selber, ihm muss jemand etwas ins Glas geschüttet haben, denn normalerweise würde er von Alkohol nicht so aggressiv werden. Und kauft sich mit einer Kaution von 50.000 Euro frei, flieht über die mexikanische Grenze vor einem Prozess und festigt damit letztendlich auch sein Image als Gangster-Rapper.
Kaschmiermäntel, Zigarren, teure Autos mit glänzenden Felgen. Doch das Image kostet natürlich auch Geld. Seine Musik kann ihm zu diesem Zeitpunkt jedenfalls seinen Lebensstil noch nicht finanzieren. Jetzt müssen wir noch mal ganz kurz anmerken, das ist jetzt die Musikkarriere vor dem Knast. Was mich interessiert ist, kannst du sagen, welche Rolle die Tätigkeit des Vaters spielt? Er hatte eine klassische Musikausbildung und war Dirigent.
Welche Rolle spielte das für Hatta, für seine musikalische Karriere? Ja, eine wichtige Rolle, denke ich. Wir haben es eben schon erwähnt, dass der Vater einerseits sehr streng war, ihn auch dazu, könnte man fast sagen, gezwungen hat oder angetrieben hat, um Klavier zu lernen, es war richtig zu lernen.
Aber auf der anderen Seite hat er ihm, glaube ich, auch ein gewisses Rüstzeug mitgegeben. Also der Vater ein großer Beethoven-Fan, damit ein Bezug zu Bonn. Und es soll wohl auch so gewesen sein, dass der Bonn total happy war, als die 85, trotz dieser widrigen Umstände, nach Bonn gekommen waren. Also Bonn und Beethoven natürlich, die Heimatschaft Beethovens.
Und ich denke, es ist einfach ein Samen eingepflanzt worden in Hatta, sich einfach mit Musik zu beschäftigen, ne? Wobei er dann doch eine etwas andere Richtung eingeschlagen hat als sein Vater, nämlich den Gangster-Rap. Jetzt müssen wir mal gucken, welche Bedeutung hat eigentlich Gangster-Rap in Deutschland?
Wenn ich das richtig sehe, hat man doch eigentlich früher gedacht, sowas kann es ja gar nicht in Deutschland geben. Es gibt ja gar keine Ghettos wie in den USA oder Frankreich. Das ist eine ziemliche Fehleinschätzung, oder? Ja, ich denke mittlerweile hat sich Rap und gerade auch Gangster-Rap als sehr bekannte Kunstform von der Nische jetzt einfach zum Mainstream entwickelt.
Und es ist auch inzwischen vollkommen normal, dass harte Begriffe, Schimpfwörter und so weiter auch in letztendlich chartplatzierten Tracks vorkommen. Wobei Khatar selbst da ja nicht, auch mit einigen seiner früheren Tracks zumindest mit einem, ja nicht sehr zufrieden ist. Das habe ich in einem anderen Podcast gehört. Da hat er gesagt, für einen, ich weiß nicht welcher Track das war, aber den möchte er tatsächlich auch gar nicht mehr selbst hören, weil er von seiner Mutter richtig Ärger dafür bekommen hat. Es gibt wohl Grenzen.
Man kann ja bestätigen auch, denn er räumt ja selber ein, dass es manche Titel gibt und Lyrics, die er tatsächlich als obszön bezeichnet. Also so obszön, dass sie sie sozusagen öffentlich nicht nennt. Gleichwohl, er steht ja dafür ein, weil es gibt ja diese Titel. Das ist dann wahrscheinlich wirklich der Unterschied zwischen Kunst und der Wirklichkeit, die dann hoffentlich ja nicht ganz so ist.
Wir hören uns einfach mal an, was Rattar selbst dazu sagt. Klaas, das ist eine Freikultur. Das ist die Kultur. Das ist die einflussreichste Kultur, die es gerade in diesem Land gibt, was Sprache angeht, was Klamottenstyle angeht, was Ästhetik angeht, also visuelle Ästhetik, die in Mainstream-Medien benutzt wird.
Unsere Videoleufe sind mittlerweile die Videobirke von Mercedes und Lufthansa, das sind die, mit denen wir vor zehn Jahren anfangen, Videos zu machen. Das ist schon so die einflussreichste Kultur und auch sehr spannend, es ist sehr spannend, weil es so verdammt ehrlich ist. Was ich daran auch besonders interessant finde, man neigt ja ganz schnell dazu zu sagen, dass so eine Karriere, und ich meine jetzt nicht die Kriminelle, sondern beispielsweise diese erfolgreiche Musikkarriere, einen Menschen aus dem Ghetto rausbringt.
Aber was Khatar betrifft, ist das zumindest ein Trugschluss, was sein Lied Ich will hier nicht weg beweist. Das dürfen wir natürlich hier nicht einspielen, aber wir haben einen Teil davon einsprechen lassen und das hören wir uns jetzt mal an. Ich will nicht weg hier, weil ich total süchtig bin. Nach meinen Leuten, die alle hier im Viertel sind.
Von Kurden bis zu Russen, Türken und Afghaner, Iranern, Arabern und Afrikanern. Albanern, natürlich habe ich die Deutschen nicht vergessen. Ich grüße die Papageiensiedlung, ihr seid die Besten. Ich will nicht weg hier, weil es hier das beste Essen gibt. Den besten Kebab und die beste Currywurst aus Rind.
Ich will nicht weg, weil die Kripo mich seit 15 Jahren kennt. Prominent, woanders wäre ich doch der Kripo fremd. Und wenn ihr alle sagt, es gebe nichts als Dreck hier, dann sage ich, Haut rein, denn ich will niemals weg hier. Ich will hier nicht weg, weil ich find's perfekt hier. Warum sollte ich weg?
Ich bleib allein aus Respekt hier. Für Familie, Freunde und meine Stadt, wenn's drauf ankommt, ist das alles, was ich hab. Warum sollte ich weg von hier? Schau dich mal richtig um, alles Jackpot hier. Du kannst mit Jogginghose rausgehen und du brauchst dich nicht schämen, weil die Frauen hier draußen auch so aussehen. Und je dreckiger das Hochhaus ist, umso fetter sind die Autos, wenn du rausblickst.
Okay, ich gebe zu, hier gibt es auch schlechte Zeiten, Tage, die nix als Kopfschmerzen bereiten und trotzdem liebe ich diese dreckige Luft. Ich gehe hier nur weg, wenn ich muss. Meine Stadt Bonn und NRW, das ist der Grund, warum ich hier nie weggehe. Das ist ja eine richtige Liebeserklärung an sein Viertel, die ganz sicher auch in der Papageiensiedlung hier in Bonn oder überhaupt da in der Ecke Brüserberg etc.
Gut ankommt, denn da ist Rattar ja ein absolutes Idol, oder? Das kann man sagen, seine Homebass ist ja auch Bonn, so hat er das so ein bisschen auch zum Ausdruck gebracht, jetzt auch vor dem Konzert, was da hier geplant ist, auch insofern, als die Leute hier auch seine Titel kennen, die so ein bisschen, also die Insider-Geschichten auch kennen, also das ist das Betonte.
Also ich freue mich sehr, nach so vielen Jahren überhaupt das erste Mal wieder in Bonn ein Konzert zu spielen. Das ist für uns alle was richtig Geiles. Also wenn man, keine Ahnung, überall gespielt, wo man spielen kann, in Deutschland, in Schweiz, in Österreich, wo überall, nur nicht in Bonn, deswegen.
Wie lange ist es schon her, dass du da gespielt hast und aufgetreten bist? Zwölf Jahre, glaube ich. Zwölf Jahre? Im Ernst? Dann ist es natürlich was Besonderes. Wir haben da alle noch nie gespielt. Einmal dann gespielt, so in der ersten Konzert überhaupt, und dann nie wieder, in Bonn. Aber es gibt ja eine Frage, die ist bis heute nicht geklärt.
Wo ist das Gold? Aufgetaucht ist es ja nie, aber es gibt da so ein paar Anspielungen in Songs, glaube ich. Hast du was aus dem rausbekommen können? Ich selbst direkt nicht. Er war da ein bisschen so geknöpft, um es mal so zu sagen. Die Frage ist natürlich gefallen, wo das Gold ist. Ja, wir können uns mal ganz kurz anhören, was er dazu gesagt hat, nämlich nicht viel.
Der 15. Dezember 2009 gab es diesen Überfall mit drei Komplizen auf dem Geldtransporter auf der A81. Ist ja auch eine starke Sache, dass man sich als Polizist und Steuerfahnder verkleidet sozusagen und dann nochmal diesen Geldtransporter dann quasi einem anhält Wegen Schmuck und Zahngold, 1,7 Millionen.
Ist das eigentlich leicht mitzunehmen? Ich meine, Gold in Kisten, ist das leicht wegzutragen oder ist es eine Sache von mehreren Minuten, dass man die Sachen weggepackt? Genau die Frage, wo es auch geblieben ist. Wo das Gold geblieben ist, sozusagen, mit der Schmuck. Ein Schiss. Wie hat er reagiert auf die Frage? Ich glaube, es war eine Mischung aus Überraschung und ein wenig saumöschig kann ich sagen.
Ich glaube, er hat ganz klar gemacht, er möchte die Frage nicht so direkt beantworten, und ist sozusagen darüber hinweggegangen. Aber du hattest keine Angst? Ich hätte keine Angst, nein. Ich hätte nicht den Eindruck, dass er mich in der nächsten Sekunde über den Tisch ziehen würde, sozusagen und mich dann am Kragen packt, dass er nicht.
Ich glaube, er geht ein Stück weit gelassen damit um, gar keine Frage. Aber mehr möchte er dazu nicht sagen und macht es auch deutlich, dass er dazu nicht mehr sagen möchte. Wenn ich noch kurz eine Frage stellen darf, wie war der denn überhaupt? Was ist das für ein Mensch? Der kommt einem jetzt, wenn man dein Interview liest, total sympathisch vor. Ist das so oder täuscht das?
Es ist natürlich immer eine Momentaufnahme, gar keine Frage. Man trifft sich für etwa eine halbe Stunde, in der man das Interview macht. Das ist die erste Begegnung gewesen. Aber ich habe einen Mann erlebt, mit 38 Jahren, der eigentlich recht entspannt hineingekommen ist in den Raum, uns alle sehr höflich begrüßt hat, uns aufgefordert hat, noch Getränke zu nehmen, Süßigkeiten.
Der in Flipflops quasi, weil es auch so warm war, dann vor uns stand und saß und auch alles mitgemacht hatte, was sozusagen jetzt die Wünsche betraf, Richtung Fotos und solche Sachen. Und auch während des Gesprächs war er recht höflich, ein bisschen müde vielleicht gewesen vom vielen Produzieren und vom Arbeiten aber es war eigentlich im Grunde genommen eine ganz entspannte Situation gewesen, hat auch noch ein Foto gemacht, man kann auch ein Selfie machen zum Beispiel mit ihm, also die Fragen durfte man stellen die hat auch dann das mitgemacht, ein Video und so weiter und so fort also von daher war es eigentlich keine Sekunde so, dass man dachte, wow, der packt dich jetzt gleich und dann liegst du dann quasi in Köln auf der Straße,
Dürfen wir dein Selfie dann auch mitzeigen? Ja klar. Super. Ja, willkommen zurück. Ihr habt jetzt gerade unsere Originalfolge von 2020 gehört. Ist also sechs Jahre her. Jetzt wisst ihr, wer Shiva Hajabi war. Und jetzt sprechen wir darüber, was seitdem alles passiert ist. Bei mir ist meine Kollegin Celina Baumann. Hallo. Hallo.
Celina, du bist Volontärin bei uns beim Generalanzeiger und du warst davor schon freie Mitarbeiterin. Und du warst auch schon bei uns, als im Mai 2025 die ersten Gerüchte die Redaktion erreicht haben. Hatar ist tot. Ich weiß noch, ich war auch im Dienst, ich kann mich daran erinnern, dass ein Kollege anrief und sagte, er hat das irgendwo gehört.
Das war gar nicht im Internet, sondern er hatte das tatsächlich von einem Freund gehört. Aber kurz danach verbreitete sich diese Meldung dann auch schon auf Social Media. Ja, zu dem Zeitpunkt habe ich auch schon die ersten Posts gesehen, als ich tatsächlich auch in der Online-Redaktion saß. Und ja, war da auch erst mal geschockt, da das so aus dem Nichts kam. Ja, absolut.
Für uns ist in so einem Moment wichtig, ja, natürlich wollen wir schnell vorne mit dabei sein im Nachrichtengeschäft, Gerade im lokalen Nachrichtengeschäft und Rata ist für uns eine lokale Größe. Das heißt, es ist natürlich wichtig, dass wir da schnell eine Nachricht haben wollen. Noch viel wichtiger ist aber, dass diese Nachricht auch wirklich stimmt und das Schlimmste, was man machen kann, ist im Grunde eine Fake News über den Tod eines Menschen zu verbreiten.
Also müssen wir warten, bis wir das verifizieren können. Und das hat in dem Fall ein kleines bisschen gedauert. Dann aber war klar, der Bonner Rapper Khatar ist tatsächlich gestorben. Er wurde leblos in einer Kölner Wohnung gefunden. Diese Wohnung soll einer Geschäftspartnerin gehört haben. Und er hat da offensichtlich an seinem neuen Album gearbeitet. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat den Tod dann am Folgetag bestätigt. Was waren so die Reaktionen?
Rapper Haftbefehl schrieb auf Instagram, mir fehlen die Worte, mein Bruderherz. Ich hoffe, du bist an einem besseren Ort jetzt. Farid Bang, Flair, SSIO, der ja ebenfalls aus Bonn kommt und viel mit Rathar zusammengearbeitet hat, hat sich auch geäußert, alle melden sich. Die Betroffenheit war hier in Bonn auch sofort spürbar.
Die Brüder Amir und Meldi Fasani, die Rathar aus Kindheitstagen kennen, sagten dem Generalanzeiger, Rathar war mehr als nur ein Rapper. Er war unser Bruder, unser Held, unsere Stimme aus Bonn. Wir kommen später noch dazu, was Rathar für viele gerade junge Menschen in Bonn bedeutet. Die Todesursache war zunächst unklar und natürlich sorgt sowas immer für Gespräche.
Die Staatsanwaltschaft Köln hat dann sofort ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, ein übliches Verfahren in so einem Fall, eine Obduktion angeordnet und auch ein chemisch-toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Im September 2025 hat die Staatsanwaltschaft diese Ermittlungen dann eingestellt und der Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer hat mitgeteilt, dass es keine Hinweise auf ein schuldhaftes Verhalten anderer Personen gäbe, Also keine Fremdeinwirkung.
Die genaue Todesursache hat die Behörde zu diesem Zeitpunkt noch nicht genannt. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen und seiner Familie. Kurz dazu, Shiva Hajjabi war verheiratet, seine Frau und er... Kannten sich schon seit Kindheitstagen, waren seit mehr als 15 Jahren zusammen gewesen. Und er hat sie und fünf gemeinsame Kinder hinterlassen.
Ja, es blieb lange unklar, wie und warum Hatar gestorben ist. Da gibt es natürlich auch mal jede Menge Gerüchte und Spekulationen, auf die wir hier jetzt nicht näher eingehen wollen. Ein Jahr nach seinem Tod hat dann seine Witwe das Schweigen gebrochen. Fava Hadjabi spricht in der ARD-Dokumentation, Hatar, ein Leben ist nicht genug, erstmals öffentlich über den Tod ihres Mannes.
Über den Moment, als sie erfahren hat, dass er tot ist, sagt sie dort, ich habe in diesem Moment alles verloren, was ich selber bin. Das ist ein Schlag ins Gesicht, man wird zu Pulver. Und zu seiner Todesursache sagt sie, dass er an einem Herzinfarkt starb. Ihre Worte dazu sind sehr eindrücklich. Sie sagt, er ist fit gewesen, sei es mental und auch physisch.
Ich kann es mir nicht erklären, ich will es mir nicht erklären und ich möchte auch nicht, dass es mir irgendwer erklärt. Bekannt war, dass Rata 2021, also im Grunde gar nicht mal so lange, nachdem wir hier dieses Interview mit ihm veröffentlicht hatten und diesen Podcast, einen Schlaganfall erlitten hatte.
Danach hatte er 50 Kilo abgenommen, um seine Gesundheit in den Griff zu bekommen und offenbar hatte das, ja zumindest nachdem was außen wahrnehmen war, funktioniert. Er schien auf einem guten Weg zu sein, hatte Pläne, erarbeitete offenbar ja an neuer Musik und übrigens Fava Hajabi hat auch mit uns gesprochen.
Sie war zum Interview hier zu Gast mit unserem Kollegen Nikolaus Ottersbach und den Link zu diesem Interview poste ich in die Folgenbeschreibung dieser Episode. Apropos, Nikolaus Ottersbach war auch bei der Beerdigung von Khatar. Die fand am 16. Mai 2025 auf dem muslimischen Teil des Bonner Nordfriedhofs statt.
Ja, das Datum hatte sich erst am Vortag über Social Media verbreitet. Die Behörden haben mit bis zu 8000 Menschen gerechnet und sich entsprechend vorbereitet. Es gab mehrere Teams, sogar eine Drohne war im Einsatz. Am Ende kamen rund 1000 Menschen an sein Grab und alles blieb friedlich und ruhig. Nikolas hat dort eine sehr bunte, gemischte Menge erlebt. Da waren viele Jugendliche von Brüserberg, die eigentlich offiziell in der Schule hätten sein müssen.
Da waren dann Menschen in Anzügen, ganz offensichtlich nicht aus prekären Verhältnissen. Und es war eigentlich die versammelte deutsche Rap-Szene da. Also wirklich sehr, sehr viele Größen aus dem deutschen Rap. Weggefährten, Freunde, Familie natürlich und auch Hatars Anwalt, der ihn damals nach dem Goldraub verteidigt hatte.
Und Angehörige haben dann den dunkelbraunen Sarg geschultert mit goldfarbenen Griffen und orangefarbenen Margeritten drauf. Dann hat offenbar jemand angefangen, sein Handy rauszuholen, wollte diese Szene filmen. Und da hat ein Mann wirklich sehr, sehr deutlich gerufen, weg damit. Also dieser Moment sollte nicht festgehalten werden aus Respekt.
Der Sarg ist dann auch geöffnet worden und Ratah war in ein weißes Leichentuch gewickelt nach muslimischer Tradition. Und die Reaktionen fielen auch sehr unterschiedlich aus. Manche waren ganz still, und andere sind wirklich förmlich zusammengebrochen und haben immer wieder seinen Namen gerufen. Ja, und sechs Wochen später, am 40. Todestag nach muslimischer Tradition, gab es dann nochmal ein stilles Gedanken am Grab.
Und 150 Menschen kamen, darunter SSIO und andere Wegbegleiter. Und auch Khattas Mutter war dabei, die immer wieder seinen Namen gerufen hat und weint. Auch bei dieser Gelegenheit war ein Reporter von uns natürlich vor Ort. Und man hat da deutlich gemerkt, dass auch 40 Tage nach dem Tod von Jiva Hajabe die Trauer natürlich sehr, sehr frisch, sehr groß war.
Aber auch im März 2026, als seine Witwe hier bei uns zu Besuch war, zum Interview, da war die Trauer noch immer sehr präsent. Und ich meine jetzt nicht bei der Familie, das ist klar. Aber der Manager hat uns da auch erzählt, dass die offenbar noch am selben Morgen am Grab gewesen waren. Und da haben sie einen Fan getroffen, der extra aus München angereist war und der eben am Grab saß und bitterlich geweint hat.
Im Mai dieses Jahres fand dann in Köln das Gedenkkonzert für Chatar statt. Auch da wurde nochmal ganz deutlich, wie groß diese Anteilnahme immer noch ist. Du warst ja auch dabei. Kommen wir vielleicht jetzt erstmal ganz kurz dazu, warum du hier bist. Denn du hast ja nicht nur in diesem Fall recht viel Einblick, sondern du interessierst dich ja grundsätzlich auch, glaube ich, für diese Musikszene, richtig? Ja, genau.
Auch aufgrund meines Studiums in Musik- und Medienwissenschaft. Und auch generell bin ich Hip-Hop-Fan. Ja, genau. Und ich war bei dem Konzert selbst vor Ort am 7. Mai 2026, genau ein Jahr nach seinem Tod, fand das in der Lexus Arena in Köln statt. Tribute to Qatar hieß es. 20.000 Menschen sind gekommen, die Arena war ausverkauft.
Auf der Bühne stehen Jan Delay, Peter Fox, Max Heere und Joy Denelein, Farid Bang, Ecofresh, SSIO, Dardan, Schwester Eva und einige Überraschungsgäste auch. Was würdest du sagen, was der emotionalste Moment bei diesem Konzert war? Tatsächlich Schwester Emma. Sie hatte auch einen neuen Song eigens für Khatar geschrieben, in dem sie ihre gemeinsame Zeit beim Label Alles oder Nix Revue passieren lässt.
Darin würdigt sie ihn als Menschen, der ihr den Ausstieg aus dem Rotlichtmilieu halt auch ermöglicht hat. Weil sie an dem Abend selbst oft mit den Tränen kämpft, lässt sie den Song abspielen, statt ihn selbst zu performen. Aber auch damit wird deutlich, wie emotional der Moment für sie war. Und damit ist sie auch an dem Abend nicht allein gewesen.
Zudem wird angekündigt, dass bald ein posthumfertiggestelltes Ratteralbum erscheinen wird. Bevor wir jetzt über die Bedeutung sprechen, die Rata für so viele Menschen hatte und hat, möchte ich nochmal auf das eingehen, das in unserer alten Folge, die ihr eben gehört habt, die zentrale Rolle spielt, nämlich auf den Goldraub und den langen juristischen Nachklang.
Denn der war 2020, als wir die Folge aufgenommen haben, noch nicht abgeschlossen. Zur Erinnerung, noch mal ganz kurz zusammengefasst, im Dezember 2009 überfällt eine Gruppe von Männern aus dem Raum Bonn auf der Autobahn 81 bei Ludwigsburg einen Goldtransporter. Die Männer geben sich als Steuerfahnder aus, fesseln die Fahrer, setzen sie in einem Wald aus und verschwinden mit 120 Kilogramm Schmuck und Zahngold im Wert von rund 1,7 Millionen Euro.
Von dieser Beute fehlt bis heute jede Spur. Hatta wird 2011 vom Landgericht Stuttgart als Kopf dieser Bande zu acht Jahren Haft verurteilt. 2014 wird er vorzeitig aus der Haft entlassen. Also der saß natürlich vorher schon in der U-Haft. Der war ja auch im Irak auf der Flucht etc. Darüber haben wir ausführlich gesprochen. Aber das juristische Nachspiel, das hat sich wirklich noch Jahre weitergezogen. Denn 2021 steht dann ein mutmaßlicher siebter Komplize vor dem Landgericht in Stuttgart wiederum.
Ein Mann aus dem Raum Bonn, dem vorgeworfen wird, eines der Tatfahrzeuge damals gefahren zu haben und die Beute in Sicherheit gebracht zu haben. Das heißt, der Mann soll wissen, wo das Gold ist. Da haben die sich natürlich erhofft, dass er das dann auch zugibt. Der bestreitet das aber vehement vor Gericht und in diesem Prozess tritt eben auch Khatar als Zeuge auf und er entlastet den Mann. Ist jetzt vielleicht auch nicht wahnsinnig überraschend.
Also er sagt, nee, der war gar nicht dabei. Interessanterweise haben sehr viele Medien damals über den Auftakt dieses Prozesses berichtet. Das hat natürlich auch uns hier beim Generalanzeiger interessiert. Über den Ausgang dieses Prozesses findet man aber leider gar nichts. Also habe ich mal beim Landgericht Stuttgart angefragt und tatsächlich herausgefunden, dass der Mann am 27. April 2021 freigesprochen wurde. Also die konnten dem ganz offensichtlich keine Beteiligung an diesem Goldraub nachweisen.
Dieses Urteil ist auch rechtskräftig seit dem 5. Mai 2021 und dieser Prozess war der letzte, zumindest uns bekannte juristische Nachläufer. Des Goldraubs von 2009. Was bleibt, ist die Frage nach dem Gold. Hatar sagt im Prozess, also in seinem Prozess, er und seine Komplizen hätten für den Coup jeweils nur 25.000 Euro erhalten.
Das Gericht hielt diese Aussage für nicht glaubhaft. Wo aber diese 1,7 Millionen Euro in Gold geblieben sind, das weiß bis heute niemand offiziell. Unser Kollege hat ihn ja damals im Interview auch gefragt. Und da hat er ja auch nicht drauf geantwortet. Lass uns aber jetzt mal über das sprechen, was hinter diesem Konzert, hinter dieser Trauer steckt. Wer war denn Shiva Hajabi für so viele Menschen, die ihn eigentlich verehrt haben oder verehren?
Ja, für viele Jugendliche, besonders aus Stadtteilen wie dem Brüserberg, Tannenbusch oder Medinghofen, war er ein Vorbild. Mini Fasani sagt im GA, für uns Bonner Jungs war er der Beweis, dass man es von ganz unten nach ganz oben schaffen kann. Jeder Track hatte Seele, hatte Wahrheit, hatte Straße. Sein Bruder Amir ergänzt, Rata war nicht irgendein Rapper, er war Familie.
Nicht im Blut, aber im Herzen. Ja, und vor dem Konzert habe ich tatsächlich auch mit zwei Fans gesprochen, die Ratas Karriere von Anfang bis Ende verfolgt haben. Da war zum einen Hidayat aus Bontanbusch. Ja, er und seine Jungs verbinden ihre ganze Jugend mit dem Bonner Rapper und wünschen sich an diesem Abend, dass dessen Vermächtnis gewürdigt wird.
Und Chile aus Düsseldorf freut sich vor allem auf die vielen Künstlerinnen und Künstler, die zusammengekommen sind, um an Chatar zu erinnern. Besonders geprägt haben sie seine Songs über die Schwierigkeiten, die Jugendliche mit anderer Herkunft in Deutschland haben. Also du hast eben die Stadtteile genannt, Brüserberg, Tannenbusch, Medinghofen, nur damit das komplett ist für Leute, die jetzt nicht gut sich in Bonn auskennen.
Das sind im Grunde Stadtteile, in denen überdurchschnittlich viele sozial benachteiligte Menschen wohnen und überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund, was leider sehr oft übereinkommt. Ja, und noch eine Sache, die zeigt, wie komplex dieses ganze Thema ist. Nach Khatars Tod hat jemand hier in Bonn eine Petition gestartet, um eine Straße am Brüserberg, also dem Viertel, in dem Khatar aufgewachsen ist, nach ihm benennen zu lassen. Das haben tatsächlich über 2700 Menschen unterschrieben, die sich in der Stadt.
Die Petition blendet seine kriminelle Vergangenheit auch nicht komplett aus. Also da heißt es, trotz aller Kontroversen war sein Lebensweg eine Geschichte von Aufstieg, Reue und Engagement. Also Reue finde ich da besonders interessant, dass da wirklich auch gesagt wird, er hat das bereut. Ja, das stimmt. Und man muss ja auch sagen, er hat nach der Haft mehr gemacht als Musik. Also er hat das Label Alles oder Nix Records aufgebaut, das anderen Künstlern eine Chance gegeben hat.
Und SSIO und Schwester Ewa sind nur zwei der größten Namen da. Er hat eine Stiftung gegründet, die Kinder in schwierigen Verhältnissen unterstützt hat. Auch für die Flutopfer der Ahr hat er gesammelt. Er hat 2016 Benefizkonzerte für den Bau eines Waisenhauses im kurdischen Nordirak organisiert. Und er hat 2024 in der Elbphilharmonie gespielt in Hamburg. Ja, das ist wirklich eine große Sache.
Zur Wahrheit gehört auch dazu und deshalb nenne ich es hier. Bei der Beerdigung von Khatar hält den Grabspruch Abdul Alem Hamza, das ist ein Salafist, den die Stadt Bonn vergeblich abzuschieben versucht hatte. Und dem wird die Verbreitung von Hasspropaganda vorgeworfen. Wir sehen, es gibt einfach viel Widersprüchliches im Leben von Shiva Hajjabi.
Ja, und vielleicht ist das auch ein Teil der Erklärung dafür, warum wir als Redaktion jedes Mal, wenn wir über Khatar berichten, damit Protest bei manchen Menschen hervorrufen. Oh ja, der Vorwurf in diesen Leserbriefen und auch Kommentaren, die ich auch schon selber sehr oft gelesen habe, ist eigentlich immer gleich.
Warum schreibt der GA so ausführlich über einen Kriminellen? Warum wird ihm so eine Bühne gegeben? Und prinzipiell kann ich diesen Reflex natürlich nachvollziehen. Allerdings darüber, dass Chatar dieses Verbrechen begangen hat, haben wir selbstverständlich sehr ausführlich berichtet. Immer wieder Berichterstattung über ihn kommt nicht ohne Erwähnung dieses Goldraubs aus, das muss man ganz klar so sagen.
Und das wiederum ruft dann oftmals auch Kritik der anderen Seite hervor. Da heißt es dann, ja, können die das denn nicht irgendwann mal gut sein lassen? Er hat es doch abgesessen und er ist doch jetzt auf dem richtigen Weg. Aber wir können es natürlich auch nicht gut sein lassen, denn das gehört ebenso zum Leben von Shiva Hajabi wie seine Musik, wie sein Engagement und wie die Bedeutung, die er als Künstler hat.
Was seine Tat betrifft, möchte ich gerne dazu mal was sagen. Wir leben nach meinem letzten Kenntnisstand in einem Rechtsstaat. Und dieser Rechtsstaat hat diesen Mann verurteilt. Er hat seine Strafe abgesessen, Bestandteil unseres Rechtssystems ist die Resozialisierung, also das Wiedereingliedern einer Person, die straffällig geworden ist, ihre Strafe verbüßt hat, in unsere Gesellschaft.
Und ich fürchte, genau da steckt so ein bisschen das verborgen, was leider oft der wahre Anlass für diese Kritik an unserer Berichterstattung zu Chatar ist. Wenn ich glaube, dass dieser Mensch sowieso nicht zu mir gehört, zu meiner Welt gehört, zu meiner Gesellschaft gehört, dass er da sowieso gar nichts verloren hat, wenn ich ihm sowieso aufgrund seiner Herkunft und aufgrund seines Glaubens nur das Schlechteste zutraue, dann passt es mir natürlich gar nicht in den Kram.
Wenn dieser Mensch sich, und das hat Shiva Hajabi nach allem, was wir wissen, getan, im besten Sinne des Wortes resozialisiert. Wenn er sich engagiert, sich eine Karriere aufbaut, Geld verdient und Geld investiert und auch spendet. Ja, mehr muss man dazu, glaube ich, nicht mehr sagen. Vielleicht eins noch, wir haben komischerweise noch keine einzige Zuschrift erhalten, wenn wir über andere prominente, verurteilte Straftäter berichten.
Nennen wir mal nur Boris Becker oder Uli Hoeneß. Woran mag es wohl liegen? Ja, das ist eine gute Frage. Was alles nicht heißen soll, dass wir den Goldraub natürlich in irgendeiner Form verharmlosen oder kleinreden. Im Gegenteil, du hast es eben schon gesagt, das ist ein Verbrechen. Und als solches sollte es ja auch verurteilt werden. Absolut.
Und es gibt ja durchaus auch ausgewogenere Stimmen, die sich von dem, was ich eben beschrieben habe, deutlich abheben. Eine von ihnen stammt von Rolf Hasselkus. Er ist Lehrer und Gewerkschafter aus Bonn und er hat uns im Mai 2025 einen Leserbrief geschickt, in dem er schildert, er habe als Pädagoge selbst erlebt, wie Jata in der Jugendbande Brüser Berger-Assis eine immer größere Rolle spielte, in Jugendzentren provozierte.
Das ist eben das, was er schildert. Wir können das nicht überprüfen. In den Drogenhandel soll er verwickelt gewesen sein, mit sexistischen und gewaltverherrlichenden Songs Anerkennung bei Jugendlichen gefunden haben. Und er erkennt an, dass Khatar vielen jungen Menschen eine Stimme gegeben hat. Aber er fragt, kann dieser Lebensweg ein Masterplan für Jugendliche mit Migrationshintergrund sein?
Und er stellt die Frage, ob ausgerechnet Khatar diesen jungen Männern helfe zu lernen, was man aus seinem Leben machen kann. Ja, das ist natürlich eine andere Qualität von Kritik auch. Das ist jemand, der aus eigener Erfahrung spricht, der nicht pauschal urteilt und der eine echte Frage stellt. Finde ich auch. Und die Frage ist natürlich völlig berechtigt.
Rata hat eine kriminelle Vergangenheit. Die hat er nicht versteckt. Er hat dazu bestanden, aber er hat sie vielleicht zumindest zeitweise auch ein bisschen zu seinem Markenzeichen gemacht. Und ich muss dem Leserbriefschreiber das schon recht geben, wenn er sagt, dass das natürlich kein Masterplan sein kann und sein sollte.
Und gleichzeitig die Jugendlichen, die jetzt in Jatar eine Stimme gefunden haben, die in ihm ihre Stimme sehen, die haben das, glaube ich, nicht getan, weil sie Goldraub super finden. Also die haben das gemacht, weil er einfach von der Realität gesprochen hat in seiner Kunst, die ihre Realität war und die sonst in der Öffentlichkeit nicht viel Stimme gefunden hat bis dahin.
Ja, weil sonst das eben vorher niemand gemacht hat. Ja, ich denke auch, das ist der Kern. Nicht, ob man seine Taten gut findet, sondern halt, ob man versteht, warum er für so viele Menschen so viel bedeutet hat. Das sind zwei verschiedenen Fragen, meiner Meinung nach. Das denke ich auch. Der Bonner Rapper Sugar MMFK sagte nach dem Tod über Khatar ...
Er ist mit Beethoven einer der größten Musiker der Stadt gewesen. Und da will man vielleicht im ersten Moment schmunzeln, aber irgendwie, ich glaube, da ist was Wahres dran, oder? Würde ich auch so unterschreiben. Finde ich auch. Also eine Identifikationsfigur ist er ja auf jeden Fall. Ja, auf jeden Fall. Also für migrantische Jugendliche, für Menschen, die in Deutschland aufwachsen und sich trotzdem oft nicht zugehörig fühlen, weil ihnen halt leider oft das Gefühl gegeben wird, dass sie nicht dazu gehören.
Er hat von Armut und Rassismus gesprochen, von Flucht und Perspektivlosigkeit. Und er hat das getan, ohne es zu beschönigen. Und gleichzeitig hat er natürlich, das gehört wie gesagt auch zur Wahrheit dazu, mit seiner kriminellen Vergangenheit kokettiert. Und wo das Gold geblieben ist, das wird vielleicht für immer ein Rätsel bleiben.
Also Fazit, wir bewegen uns da echt in einem Spannungsfeld. Nicht entweder oder, sondern beides kann nebeneinander existieren. Beides gleichzeitig oder vielleicht würde Chatar selbst auch sagen, alles oder nix. Und das wäre dann auch das Schlusswort für dieses dritte und damit letzte Update in unserer Sommerpause. Wie gesagt, ab dem 14. September sind wir wieder mit neuen Folgen für euch da.
Dankeschön, Celina, dass du bei uns warst. Sehr gerne. Und Dankeschön an euch fürs Zuhören. Bis bald. Macht's gut und tschüss. Der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes. Produktionsleitung Andreas Deick.
Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere. Sprecher Daniel Dähling, Martin Busch.