Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 12

Tödliches Rennen: Flammentod auf der A555 (II)

Montag, 6. Juli 2026 · 47 min

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Shownotes

Am 20. Februar 2026 beginnt vor dem Landgericht Köln der Prozess gegen zwei damals 20-jährige Nachwuchsspieler des 1. FC Köln. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen verbotenes Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Beide räumen ein, deutlich zu schnell gefahren zu sein. Ein Rennen habe es nicht gegeben.

In dieser zweiten Episode sprechen wir über den Prozess, der zehn Verhandlungstage dauert. Wir erklären, warum das Verfahren mehr als zwei Jahre nach dem Unfall beginnt – und welche Rolle das Unfallrekonstruktionsgutachten dabei spielt. Wir schauen auf das zentrale Beweismittel: ein Handyvideo aus dem Audi, das die letzten Sekunden vor dem Aufprall zeigt und das die Aussagen beider Angeklagter widerlegt. Und wir sprechen über die Erkenntnisse der Rechtspsychologin, die beide Angeklagten exploriert hat – über narzisstische Bewältigungsstrategien, fehlenden Zugang zu Emotionen und den Druck, dem beide ausgesetzt waren.

Am 22. April 2026 fällt das Urteil. Der Richter stellt klar: Das war kein tragischer Unfall, sondern ein Verbrechen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – beide Angeklagte haben Revision eingelegt.

Wir sprechen außerdem über Andreas Wrede, Ylvis Vater, der als Nebenkläger am Ende des Prozesses das Wort ergreift – und über die Frage, warum ein 18-Jähriger in Deutschland ein 300-PS-Auto steuern darf, aber kein PS-starkes Motorrad.

Zu Gast ist GA-Reporterin Sarah Remsky, die alle zehn Verhandlungstage begleitet hat.

Unsere Berichterstattung zum Fall: ga.de/thema/a555-prozess
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General-Anzeiger Bonn: ga.de

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Akte Rheinland. Ein Podcast des Bonner Generalanzeigers über wahre Verbrechen. Generalanzeiger Bonn, 22. Februar 2026. Mehr als zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall auf der A555 bei Wesseling hat vor dem Landgericht Köln der Prozess gegen zwei heute 22-Jährige begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung und die Teilnahme an einem illegalen Autorennen vor.

Beide räumten am ersten Verhandlungstag ein, deutlich zu schnell gefahren zu sein. Ein Rennen habe es aber nicht gegeben. Am 1. Dezember 2023 war es gegen 23.30 Uhr in Höhe der Anschlussstelle Wesseling in Fahrtrichtung Bonn zu einer folgenschweren Kollision gekommen. Ein VW Polo fing Feuer. Eine 49-jährige Mutter aus Lüdenscheid und ihre 23-jährige Tochter, die in Bonn studierte, starben noch an der Unfallstelle.

Nach Darstellung der Anklage sollen die beiden damals 20-Jährigen ihren Audi A5 und ihren Mercedes E400 auf jeweils rund 200 Stundenkilometer beschleunigt haben. Laut Anklageschrift entwickelte sich ein Wettstreit darum, wer den rechtsfahrenden Polo zuerst überholt. Hallo, zurück zu Akte Rheinland, wo wir heute wie an jedem zweiten Montag über Verbrechen und Kriminalfälle aus dem Rheinland berichten.

Und das hier ist unsere zweite Episode zum Raserunfall auf der Autobahn 555 zwischen Köln und Bonn. Und wenn ihr die erste noch nicht gehört habt, dann solltet ihr das unbedingt vorher nachholen. Ich bin Anna-Maria Bekes und bei mir ist wieder meine Kollegin Sarah Remski. Hallo. Hi. Wir haben ja über das, was damals im Dezember 2023 passiert ist, ausführlich gesprochen. Der Weg zur Anklage in diesem Fall und dann wiederum auch zur Eröffnung der Hauptverhandlung, der war sehr langwierig und zäh.

Wie kam das? Was waren denn so die Hindernisse? Also das Haupthindernis war das Unfallgutachten in diesem Fall, was wirklich sehr lange gedauert hat. Also am 1. Dezember 2023 war der Unfall und der Prozess begann im Februar 2026. Gutachten in solchen Unfällen sind immer sehr komplex. Da müssen sehr viele Tests gemacht werden, da muss sehr genau hingeschaut werden.

Das dauert alles sehr lange. Allerdings war es trotzdem ungewöhnlich lange und auch so lange, dass die Staatsanwaltschaft den Gutachter mehrere Male angemahnt hat, wo denn jetzt dieses Gutachten überhaupt bleibt. Ich maße mir nicht an zu sagen, dass das, eben wirklich so komplex war, dass es jetzt gerechtfertigt war, dass man so lange braucht.

Das weiß ich einfach nicht, aber es hatte, so der Richter, dieses Gutachten hatte durchaus Tiefgang und dementsprechend hat es sich auf jeden Fall gelohnt zu warten. Auch wenn es, glaube ich, sowohl für die Angeklagten, muss man sagen, als auch natürlich vor allem für die Angehörigen der Opfer eine sehr quälende Zeit war.

Ja, natürlich. Jetzt muss man dazu sagen, dieses Gutachten war natürlich, Da muss man natürlich versuchen, sekündlich so einen Unfall nachzuvollziehen. Und dann nicht nur gutachterlich, sondern das muss ja gerichtsfest im Grunde sein. Und der Gutachter, ich glaube, das ist heutzutage üblich, dass die Polizei eigene Unfallaufnahmeteams hat, die den Unfall an der Unfallstelle aufnehmen und alle Beweismittel abspeichern.

Aber das bedeutet eben auch, dass der Gutachter nicht selber an der Unfallstelle war. Ich kann mir vorstellen, dass es das ein bisschen komplizierter noch macht, weil er eben mit den Mitteln der Polizei arbeiten muss und da ist auch nicht immer alles dabei. Dann gab es aber eine Anklage und es sollte verhandelt werden, eigentlich vor dem Amtsgericht, richtig?

Genau, es sollte eigentlich verhandelt werden vor dem Amtsgericht Brühl, aber dem war es dann im Endeffekt zu komplex, dieses Verfahren. Was waren denn die Anklagepunkte? gegen die beiden. Verbotenes Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge. In Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr. Ja. Ja.

Und das Amtsgericht hat dann gesagt, Amtsgericht Brühl war es, glaube ich. Das Amtsgericht Brühl, genau. Das zuständig ist eben für den Unfallort. Richtig, Besseling. Und dann ist es zum Landgericht Köln gegangen, also in die höhere Instanz. Genau, weil das eben besser gewappnet ist, mit solchen komplexen Fällen umzugehen.

Und man hat ja auch gesehen anhand der Länge des Verfahrens, diesen zehn Verhandlungstagen, vielen Zeugen, dass es wirklich gerechtfertigt war. Ja, denke ich auch. Bevor wir jetzt zum Prozess selber kommen. Ich glaube aber auch zusätzlich, dass noch eine Rolle gespielt hat, dass es nicht am Amtsgericht gelaufen ist, dass es ja seit 2017 diesen Straftatbestand des Rennens, illegalen Kraftfahrzeugrennens eben gibt, der ja jetzt auch angeklagt war, der ja auch mit bis zu, also Jugendstrafe bis zu zehn Jahren Haft verurteilt werden kann.

Das ist die wenigste Jugendstrafe, die es gibt. Und das darf das Amtsgericht ja gar nicht verurteilen. Die dürfen, glaube ich, nur Haftstrafen bis zu fünf Jahren verurteilen. Und weil eben zum Anfang des Prozesses nicht klar war, was im Endeffekt verurteilt wird und wie hoch die Strafen sein werden, natürlich wollte man da auch auf Nummer sicher gehen. Ja, verstehe. Ja.

Bevor wir jetzt auf den Prozess selber zu sprechen kommen, würde ich noch mal kurz einen Rückgriff machen auf das, was wir am Ende unserer ersten Episode besprochen haben. Und zwar das Nachtatverhalten, sagt man das ja so in Ermittlerkreisen, von insbesondere Emil, dem einen Angeklagten. Wie gesagt, Emil und Richard nennen wir die Angeklagten, sie heißen in echt ganz anders.

Und wir haben dann schon ausgeführt, dass Emil nach diesem schrecklichen Unfall, er ist also mit Tempo mutmaßlich über 200, gegen diesen VW Polo gekracht, der dann in Flammen aufging, was er auch mit eigenen Augen sehen konnte. Hat trotzdem kurze Zeit später im Krankenhaus, da wurde er eben hingebracht, um auszuschließen, dass er Schleudertrauma oder ähnliches hat, Selfies gemacht und verschickt.

Wie hat er sich ansonsten so nach der Tat verhalten? Das war ja nicht das Einzige. Er hat dann mit einer Bekannten geschrieben oder beziehungsweise einer Frau, die er damals datete, zumindest locker. Kennenlernphase nennt man das. Richtig, also sie kannten sich auch, glaube ich, zu dem Unfallzeitpunkt erst zwölf Tage.

Also es war noch nicht so eng. Aber diese Frau hatte einen Vater, der Anwalt ist. Und das kam ihm natürlich sehr zu Pass. Er hat geschrieben, ich brauche deine Hilfe und hat ihr eben auch dieses Bild mit der Halskrause geschickt, um ihr zu zeigen, ich habe hier einen Unfall gehabt. Und genau, also das war jetzt keine Prahlerei in dem Sinne.

Oder kam es so rüber? Weiß ich nicht. Für die Polizisten erschien es so, die da im Krankenhaus waren. Ob das so war, mag ich nicht einzuschätzen. Ich will da auch nicht es schlimmer machen, als es eh alles schon ist. Auf jeden Fall hat er in der Unfallnacht noch mit ihr telefoniert. Und sie hat vor Gericht ausgesagt, er hätte ihr gesagt, dass sie ein Rennen gefahren sei.

Ja, das ist natürlich zentral. Ziemlich entscheidende Aussage, genau. Und er bestreitet das, dass er das gesagt hat. Und er war dann auch nicht so erfreut, dass sie das der Polizei sagte im Nachgang. Und relativierte das ihr Gegenüber dann und sagte, dass dieses Rennen hätte ja nur vor der Baustelle in Godorf stattgefunden. Also sprich auf der A4 und bis zum Kreuzköln-Süd circa.

Und nach der Baustelle, wo eben der tödliche Unfall passiert ist, da seien sie gar kein Rennen mehr gefahren. Er hat sie dann auch so beeinflusst, dass sie dann ihre Aussage bei der Polizei nochmal angepasst hat. Aber vor Gericht war sie dann schon wieder, natürlich zwei Jahre später, so von ihm abgekommen, dass sie doch sagte, nein, er hat wirklich gesagt, wir sind ein Rennen gefahren, wir haben einen Unfall gebaut.

Ja, genau. Aber das war tatsächlich nicht das Einzige, was komisch war nach der Tat. Denn auch Richard hat sich ein bisschen komisch verhalten. Er hat auf der Fahrt, also Sekunden nach dem Unfall auf der Fahrt, er ist ja weitergefahren noch, er ist ja nicht in den VW-Polo reingefahren, sondern er hat ja, also ist mit MLP nur seitlich zusammengestoßen und konnte eben weiterfahren bis zur nächsten Ausfahrt.

Und hat auf dieser Fahrt dann versucht, entweder Emil P. oder seinen Beifahrer anzurufen. Er sagt, um eben sicherzugehen, dass es denen gut geht, weil er nicht gewusst hat, was passiert ist. Aber dabei soll dann dieser Beifahrer gesagt haben, lösch mal bitte deine Anrufliste, damit die nicht wissen danach, dass wir telefoniert haben.

Und das ist natürlich irgendwie sehr ungewöhnlich, wenn er nur fragen wollte, ob es denen gut geht, was ja durchaus gerechtfertigt ist nach dem Rundunfall. Dazu kam dann eben noch, dass er der Polizei bei Eintreffen sagte, dass er den Auffahrstreifen mit der Ausfahrt verwechselt hätte und das so alles passiert wäre.

Also eine ganz, ganz komische Aussage, wo er gesagt hat, er wollte ja nur seinen Freund schützen damit. Also da waren so ein paar Ungereimtheiten, die dann für das Gericht doch so aussahen, als hätte er eben was verbergen wollen. Und für das Gericht eben dann, das war diese Auffassung, Und das ist das Rennen war, was er verbergen wollte. Ja, du hast doch gesagt, er wollte seinen Freund schützen. Die beiden waren, das haben wir ja ausgeführt, befreundet.

Im Gerichtssaal sieht das dann ein bisschen anders aus. Also da herrschte wohl echt so eine Art eisige Stimmung zwischen den beiden, Emil und Richard. Und eigentlich haben die auch versucht, wenn ich das jetzt mal so ganz kurz zusammenfassen will, sich die Hauptschuld gegenseitig zuzuschieben, oder? Ja, also die Verteidigungsstrategie schien zu sein, den anderen zu beschuldigen.

Was im Endeffekt nicht so gut geklappt hat. Aber sie haben am ersten Verhandlungstag beide ausgesagt. Richard hat ausgesagt, dass Emil ihn vor dem Unfall versucht hätte abzudrängen, von der Straße. also wir müssen uns vorstellen, das ist die A55, drei Spuren. Nach der Baustelle fährt Emil ganz links, Richard mittig.

Und Richard sagt, Emil zieht immer weiter rechts rüber und er muss immer nachziehen, weil er so eng vor ihm fährt, dass es nicht anders geht, bis auf den Standstreifen. Also Emil fährt dann auf dem Standstreifen. Ja, beziehungsweise erst auf diese Auffahrt und dann weiter auf dem Standstreifen. So begründet er eben, warum er da war überhaupt bei dieser Kollision.

Und Emil dagegen sagt, dass Richard ihn auf dem Standstreifen von rechts überholen wollte und ihn dann dabei angetitscht hätte. Also er sagt quasi, er... Also er hätte ihn gar nicht gesehen, er hätte gar nicht geahnt, dass er rechts von ihm ist. Genau, er hat gar nicht geahnt, dass er rechts von ihm ist. Also Richard hätte ihn angetischt und nur deswegen hätte er ja die Kontrolle verloren und wäre in diesen Polo reingefahren.

Sonst hätte er diesen Polo noch überholen können, so sagt sein Verteidiger. Und das sieht allerdings der Gutachter anders. Ja, wir haben ja über ein ganz zentrales Beweismittel schon mal in der ersten Episode gesprochen, dass dieses Handy-Video aus dem Audi, das du beschrieben hast, also das wirklich der Beifahrer von Emil macht, das 20 Sekunden lang ist. Knapp, ja.

Und dann wirklich tatsächlich die Sekunden vor dem Aufprall und den Aufprall selbst zeigt. Genau. Aus dem der Gutachter dann auch rekonstruieren konnte, richtig? Genau, richtig. Also das war ein wirklich zentraler Bestandteil des Gutachtens. Der hat dieses Video komplett auseinandergenommen und das hat glücklicherweise auch sehr zur Aufklärung beigetragen.

Darin zeigt sich nämlich zum einen, dass Emil in den letzten 16 Sekunden vor, der Kollision eben nicht die Spur wechselt, sondern die ganze Zeit auf der rechten Spur fährt. Das heißt, er kann Richard nicht abgedrängt haben, zumindest nicht da und nicht unmittelbar vor dem Unfall. Das ist das eine. Und zum anderen widerlegt das Video aber auch die Aussage von Emil P., so zumindest der Gutachter, das ging die ganze Zeit um Scheibenwischer-Positionen.

Sehr technisch dann teilweise. Ja, sehr technisch, weil man eben sieht, dass diese Scheibenwischer-Position die ganze Zeit auf der, also ein bestimmter, Punkt des Scheibenwischers die ganze Zeit auf Höhe. Der Straßenmarkierung ist. Bis kurz vor der Kollision, da verschiebt es sich nämlich leicht nach rechts, woraus der Gutachter dann geschlossen hat, dass Emil versucht hat, den Polo rechts zu überholen.

Das Doofe war eben nur, dass Richard offenbar genau dieselbe Idee hatte und eben schon rechts war. Und so kommt es dann zur Kollision. Ja, und dabei möchte ich nochmal sagen, das ist wie gesagt eine dreispurige Autobahn. Die mittlere Spur und die linke war weitgehend frei. Sie hätten ganz einfach normal überholen können, aber sie wollten es offenbar beide über den Standstreifen tun.

Und das mit Tempo 200. Ja, während der Polo 100 fuhr. Genau, also beide sind circa gleich schnell gefahren. Zumindest zum Zeitpunkt, als sie sich gegenseitig antitschten, so der Gutachter. Also dieses Handy-Video ist, wie gesagt, sehr zentral in diesem Prozess und widerlegt im Grunde beide Aussagen. Das heißt, damit ist diese Strategie, sich da gegenseitig die Schuld zuzuschieben, gescheitert.

Also der Verteidiger von MEP, der sich wirklich alle Mühe gegeben hat, den Gutachter zu diskreditieren, hat lange eben versucht zu sagen, das sei alles ganz anders. Aber das Gericht hat es dann eben doch so gewertet, wie der Gutachter. Also vor Gericht wird ja dann immer der wahrscheinlichste Hergang einer Tat angenommen und das war dann eben am Ende das.

Es ging halt so weit, dass der Verteidiger gesagt hat, dieses Video zeige gar nicht die tödliche Kollision, sondern nur zweimal das Tuschieren zwischen Mercedes und Audi. Ja, das hat er dann unter anderem, also er musste ja irgendwie diese Ausschläge auf der Tonspur begründen. Und er meinte eben, es reiche schon, dass die sich zweimal seitlich touchieren.

Aber dann gehen ja die Airbags normalerweise nicht auf. Das hat der Gutachter dann eben auch gesagt, ähm. Also er hat versucht, das irgendwie anders darzustellen und auch versucht zu begründen, warum Emil ja auf jeden Fall normal links überholen hätte wollen, aber hat es im Endeffekt zumindest für das Gericht nicht gut genug geschafft.

Ja, wir sagen nochmal der Vollständigkeit halber, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und beide angeklagte Revisionen eingelegt haben. Der Bundesgerichtshof prüft das gerade und dann werden wir sehen, ob der Fall nochmal aufgerollt werden muss oder ob das Urteil hält. Kommen wir mal genauer auf diese beiden Angeklagten zu sprechen.

Es gab ja auch eine Psychologin, die die beiden exploriert hat, sagt man. Das heißt, die hat ja mehrstündige Gespräche mit sowohl Emil als auch Richard geführt und auch mit deren Eltern, wenn ich es richtig verstanden habe. Was mir da hängen geblieben ist, war, dass die Psychologin von narzisstischen Bewältigungsstrategien gesprochen hat. Und zwar bei beiden.

Was meinte sie denn da? Also sie hat gesagt, dass beide ihre Unsicherheit, ihre innere, durch Leistung, Status und Außenwirkung kompensieren würden. Und sie hat gesagt, das ist auch eigentlich ganz gut. Fußballer müssen das so machen. Nur so werden sie auch zu diesen Leistungen getrieben, die sie da erbringen müssen.

Aber sie sagt eben auch, dass dafür andere Persönlichkeitsanteile. Wie das Emotionale und Soziale bei beiden zurückgeblieben ist für ihr Alter. Du hast ja schon mal angedeutet, dass gerade Emil keinen richtigen Zugang zu seinen Gefühlen hat, offensichtlich. Das hat die Psychologin so festgestellt. Was ist denn damit gemeint? Ja, das merkte man auch vor Gericht sehr doll.

Emil hat nicht viel gesagt, das ist auch sein gutes Recht, aber er hat auch keinerlei Emotionen gezeigt. Es gab so ein paar Momente, wo ich schon gesehen habe, dass ihm jetzt Tränen in den Augen standen, aber er hat alles ihm Menschenmögliche getan, um diese zu verdecken und dass es keiner sieht. Also er ist, und das glaube ich oder habe ich so wahrgenommen, eben von seinen Eltern bzw.

Von seinem Vater hauptsächlich dazu gepolt worden, eben ein starker Mann zu sein, der keine Träne vergießt. Er sagte der Psychologin, dass er seinen Vater in seinem Leben nur einmal habe weinen sehen und das sei beim Fußball gewesen. Denn der Vater, war früher auch mal Profifußballer und wollte diese Karriere auch für seinen Sohn sehen.

Auch da hat er ihn sehr gepusht, was Emil positiv wahrgenommen hat. Aber ich glaube eigentlich auch, also ohne jetzt Küchenpsychologie betreiben zu wollen, glaube ich, auch einen großen Druck ausgelöst hat. Ja und ich glaube ehrlich gesagt, das ist absolut gar nicht selten. Ich glaube viele von uns haben ihre Väter nie oder nur wenig weinen sehen.

Und überhaupt scheint es ja so zu sein, das ist ja tatsächlich auch wirklich psychologisch nachgewiesen, ohne dass wir jetzt Psychologinnen wären, Sondern dass. Männern oftmals im Grunde das Weinen so abtrainiert wurde schon als Kinder, dass sie das sich nur erlauben, wenn es um Sport geht. Ja. Und die einzige wirklich erlaubte Emotion, die man zeigen darf, ist auch oftmals im Sportkontext. Ja.

Und dann ist es auch oft Wut. Oder eben Freude, die aber, das ist jetzt meine persönliche Meinung, diese Freude wirkt auch oft recht aggressiv. Ja, wie schon, ja. Das ist aber, wie gesagt, meine Meinung. Und ich glaube, das ist wirklich ganz schrecklich, wenn man sich das überlegt, dass du, und ich möchte damit nicht diese Taten relativieren, absolut gar nicht, kein bisschen.

Aber ich habe... Es geht ja immer, man sagt ja, es geht ja um das Verstehen. Genau, so ist es. Und nicht darum, Verständnis für die zu haben. Das ist halt ein Unterschied. Ganz genau, so ist es. Und ich habe trotz allem auch Mitleid mit Menschen, die so wenig Zugang zu den eigenen Emotionen haben und so gehemmt auf eine Art und Weise sind, auch so unsicher, dass sie dann im schlimmsten Fall.

Ihrer Außenwelt gegenüber in irgendeiner Art und Weise missbräuchlich oder gewalttätig werden. Das gibt es, glaube ich, sehr oft. Ja, auf jeden Fall. Also er war auch seinen Eltern gegenüber nicht offen, was seine Emotionen angeht. Er wollte auch da, also sowohl nach außen als auch innerhalb seiner Familie immer stark wirken.

Er hat dann erzählt, dass er einmal, nämlich kurz vor dem Unfall, hätte er vor seiner Mutter geweint, und hat das aber so beschrieben, also gegenüber der Psychologin, als wäre ihm da ein Fehler passiert. Ja, das wird als Schwäche angesehen. Genau. Also vor dem Unfall ging es Emil nämlich gar nicht so gut, weil er eine Verletzung gehabt hat und schon seit einigen Monaten nicht gespielt hat.

Und die Mutter erzählte der Psychologin unter anderem. Dass sie Angst hatte, dass er eben Selbstmord begeht. Also dass er depressiv ist. Das hatte sie nicht gesagt, aber im Grunde würde das ja bedeuten. Korrekt, genau. Sodass sie irgendwie jeden Morgen und jeden Abend immer in sein Zimmer geguckt hat, um sicherzugehen, dass er nichts getan hat.

Also soweit war es schon. Das finde ich schon heftig. Das ist heftig, genau. Und traurig, dass man dann nicht auf den Gedanken offenbar kommt, zu sagen, lass uns doch mal mit jemandem darüber sprechen. Mit jemandem, der sich auskennt. Mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten. Denn das kann ja sehr, sehr helfen in solchen...

Es war aber wohl so, dass die Mutter hat auch gesagt, er hatte zwar, also er hat sie respektiert, aber er hatte keinen Respekt vor ihr. Also Respekt hatte er wirklich eigentlich eher dem Vater gegenüber und der hat sich offensichtlich nicht so gesorgt. Ja. Sondern er hat sich wahrscheinlich eher darum gesorgt, dass er halt seit Monaten nicht spielen durfte.

Also so ein Vater, der im Grunde den eigenen Traum da in dem Jungen verwirklichen will. Genau, genau so wirkt es für mich. Er hat ihm zwar, das wohl auch immer gesagt, er müsse eigentlich einen Plan B haben, weil er selber hat ja auch nicht immer Fußballprofi sein können, sondern musste es irgendwann aufgeben, aber da ist er wohl gar nicht zu ihm durchgedrungen.

Also es gab, wie gesagt, keinen Plan B. Das gilt ja für beide wahrscheinlich. Wobei Richard sich ja völlig anders verhält. In der ersten Folge hast du schon mal gesagt, die sind auch völlig unterschiedlich vom Typ her. Und was im Prozess dann ja besonders auffällt, ist, Richard weint durchaus mehrmals.

Ja, Richard zeigt Gefühle. Man hat ihm deutlich angesehen, dass es ihm psychisch nicht gut geht. Also er hat auch gegenüber der Psychologin wohl vermehrt geweint. Also sie meint, er hatte nach dem Unfall auch eine depressive Episode und so wie ich das wahrgenommen habe, dauert die auch noch an. Und er ist aber im Gegensatz zu Emil in Therapie.

Das ist gut. Genau. Das führe ich unter anderem darauf zurück, dass seine Mutter solchen Dingen eben wesentlich offener gegenübersteht. Übersteht. Also die Eltern von beiden Angeklagten waren, also die Eltern von Emil, waren den ganzen Prozess, also bei jedem Prozesstag dabei. Bei Richard war es nur die Mutter. Aber diese Mutter war oder ist wirklich, also die habe ich so als Löwenmama wahrgenommen und ich, ja, wie gesagt, ohne irgendwie Verständnis für die Täter zu zeigen, glaube ich, dass es eben, dass diese Angehörige vielleicht auch ein Opfer dieses Ganze. Auf jeden Fall. ist.

Das habe ich auch so wahrgenommen. Genau, und von dieser Mutter. War er aber zum Unfallzeitpunkt, Richard M., also recht entfernt, denn er lebte zu dem Zeitpunkt bei seinem Vater, nicht mehr bei seiner Mutter. Und sein Vater ist eben ein ganz anderes Kaliber. Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass er der Grund ist, warum Richard gerne große Autos mag.

Er ist aber wohl auch, so wie ich das wahrgenommen habe, eben nicht der, der für ihn wirklich da war. Also im Grunde sehr präsente und dominante Väter, die aber emotional überhaupt nicht zugänglich sind, so scheint es. Emil, Richard, sorry, hat ja auch im Prozess gesagt, dass es ihm leidtut. Ja. Glaubst du ihm diese Reue oder hast du das Gefühl, das ist keine echte Reue, ist das vielleicht nur eine Strategie zur Verteidigung gewesen oder ist es irgendwie Selbstmitleid?

Ich glaube, also diese Worte, die er am Ende an den Vater gerichtet hat. An Ilvis Vater. An Ilvis Vater, genau. Es waren seine letzten Worte vor dem Urteil. Ich habe die ihm abgenommen. Also er hat gesagt, er würde alles tun, um es rückgängig zu machen. Und er hat dann auch ein bisschen komisch gesagt, dass er jetzt hofft, dass der Vater nicht sein Leben wegschmeißt deswegen. und dachte so, ja, too late, so der arme Mann.

Du hast dem das Unfassbarste angetan, was nur geht. Aber ich habe es ihm abgenommen, er redet ein bisschen holprig, aber das ist so ein bisschen diese Fußballer-Manier. Und ich glaube, er konnte es nicht anders ausdrücken. Und ich glaube, es waren seine ehrlichen Emotionen zu dem Zeitpunkt. Ich glaube auch, dass zwischendurch er geweint hat, auch an Stellen, wo ich dachte, das ist jetzt schon Selbstmitleid.

Aber ich glaube auch, dass er Reue hat. Also das schließt sich ja beides nicht aus. Nein, das stimmt. Genau. Was allerdings ich ein bisschen kritisch sehe, ist, dass beide keine, Entschuldigungsbriefe an den Vater geschickt haben. Auch bis zum Urteil nicht. Und dazu hatten sie ja zwei Jahre Zeit. Laut Richards Anwalt hätte er wohl einen abgeschickt, Der ist aber nie angekommen. Also man weiß es nicht.

Emil hat wohl eingeschrieben, aber nicht die richtigen Worte gefunden und es deswegen lieber sein lassen. Verstehe. Und so war der Stand. Und bei Emil kommt eben noch dazu, dass er, obwohl er natürlich auch das letzte Wort hatte, sich dann entschieden hat, wieder nichts zu sagen. Was, du hast ja schon gesagt, es ist natürlich sein gutes Recht. Was sein Recht ist.

Aber ich hätte mir für ihn gewünscht und für Elvies Vater eben auch, dass er zumindest dann den Mut zeigt, mal eine Emotion und einen ehrlichen Gedanken loszulassen. Zumal natürlich ganz blöd gesagt ein Geständnis auch strafmildernd wirken könnte. Ja, Geständnis ist nochmal eine andere Sache. Das ist nochmal was anderes. Aber zumindest.

Ein Schuldeingeständnis. geständen ist nicht ja also die schuld hat er ja definitiv können oder nicht, jetzt haben wir da so einen kleinen einblick in die persönlichkeiten der beiden bekommen und auch vielleicht in mögliche gründe dafür dass sie sich so entwickelt haben aber was mich noch interessiert ist konkret an diesem tatabend im dezember 2023, was können was hat denn da vielleicht aus sich der psychologen rolle gespielt möglicherweise.

Dafür, dass sie eben dieses Rennen ja offenbar gefahren sind. Also Emil war eben zu diesem Zeitpunkt verletzt und durfte schon seit ein paar Monaten nicht spielen, musste eben zugucken mit seinen Freunden auf den Besucherbecken. Aber auch Richard hat an diesem Abend gar nicht gespielt. Also er war im Kader, ist aber nicht zum Einsatz gekommen. Korrekt, er war im Kader, hätte eingewechselt werden können, aber der FC, die U21 hatte kurz vorher einen Trainerwechsel und dieser Trainer sah Richard wohl nicht mehr in seiner Spielstrategie.

Ich bin kein Fußballexperte, aber er wurde seitdem eben nicht mehr so oft eingewechselt und darüber war Richard sehr frustriert, hatte sehr viele Selbstzweifel, hatte Angst seinen Vertrag zu verlieren und so weiter. Und ich glaube, das dürfen wir nicht unterschätzen, denn man lächelt das vielleicht leicht weg, aber das ist deren Beruf und auch wahrscheinlich deren Berufung.

Richtig. Und das, wo... Sind halt darauf getrimmt. Genau. Und sie stellen sich so ihr Leben vor, sie richten ihr ganzes Leben auf diesen Profisport aus. Und wenn du dann nicht spielen kannst, ist das, glaube ich, ganz schlimm. Der Psychologin hat Richard auch erzählt, dass das Geißbockheim für ihn ein Zuhause war und er hatte in diesem Sinne auch Angst, eben sein Zuhause und seine Familie zu verlieren. Also an diesem Fußballvertrag hing eben sehr viel für ihn.

Genau und das war auch nach dem Spiel, das Spiel ist übrigens 3-3 ausgegangen, obwohl der FC wohl in der ersten Halbzeit 3-0 vorne lag. Ja, das kennen wir ja. Genau, das kennen wir. Das ist die FC-Strategie. Nach dem Spiel hat sich dann eben auch noch mal dieser Frust gezeigt, laut der Psychologin. Da sind nämlich alle, also sowohl Richard als auch Emil als auch die beiden späteren Beifahrer, noch in der Nähe Burger essen gegangen.

Und bei dem Essen hat also Emil erzählt, dass sie versucht haben, Richard so ein bisschen wieder auf gute Laune zu bringen. Und der sei wohl sehr frustrierend gewesen, dass er schon wieder nicht spielen durfte, hat das so ein bisschen überspielt mit Witzen, wie das junge Männer vielleicht eben so machen.

Und die anderen wollten eben ihn halt auffangen. Aber so oder so, sagt die Psychologin, überwiegt an dem Abend eben dieses Gefühl von Frust und von, diesem Leistungsdruck, den sie eben im Moment nicht erfüllen konnten. Und für die Psychologin war eben klar, dass sie durch diese Fahrweise, die sie dann an den Tag gelegt haben, sich irgendwie ausleben und darstellen wollten und, sich selber wieder damit aufwerten wollen. Ja, und vielleicht auch ein bisschen die Kontrolle sich zurücknehmen.

Du hast ja vielleicht auch ein Gefühl der Hilflosigkeit, entweder weil du durch eine Verletzung außer Gefecht gesetzt bist oder weil du irgendwie auf der Bank sitzt, obwohl du doch gerne spielen willst. Und dass man dann irgendwie sagt, ja, aber das hier, unbewusst natürlich, das hier habe ich vermeintlich unter Kontrolle. Unter Kontrolle, vermeintlich, ja.

Du hast eben Ilvis Vater schon mehrmals angesprochen. Ilvi ist ja eines der beiden Opfer. Ilvi und ihre Mutter Christina sind bei diesem schrecklichen Unfall verstorben. Und Ilvis Vater, die Eltern waren getrennt, der Vater Andreas Vrede, hat am Ende dieses Prozesses, er war Nebenkläger im Prozess und hat am Ende, bevor es eben zur Urteilsverkündung kam, das Wort ergriffen im Gerichtssaal und eine wirklich sehr, sehr emotionale Rede, kann man sagen, gehalten.

Was fandest du da am stärksten? Das war wirklich, glaube ich, der emotionalste Moment im ganzen Prozess. Er hat eine Rede gehalten, also er hat es abgelesen, weil er gesagt hat, ich kann es nicht, kann es auch so kaum, aber ich möchte hier die Worte finden. Und unter anderem hat er eben gesagt, ich habe mein Kind verloren und mit ihm ein Stück meiner Seele.

Also das war einer der ersten Worte und ich glaube nicht mal das Auge des Vorsitzenden Richters ist trocken geblieben. Also der Richter wirkte auf mich sehr objektiv und auch sehr offen und zurückgenommen, wie es eben auch ein Richter sein muss, aber eben in dem Moment konnte er, glaube ich, auch nicht mehr.

Und er sagte, ich bin heute nicht hier, um Emotionen allein sprechen zu lassen, dafür gibt es in unserem Rechtsstaat keinen Platz. Ich bin hier, weil diese Gefühle eine Ursache haben und diese Ursache sitzt hier. Und kriege ich schon wieder Gänsehaut. Da hat er eben die beiden Angeklagten angeguckt dabei und er hat dann trotzdem eingeordnet und gesagt, ich möchte aber keine Rache.

Ich möchte ein faires Urteil, um mit dem, was mir widerfahren ist und was hier passiert ist, um damit irgendwie leben zu können. Ich will nicht, das hat er auch mehrfach gegenüber Journalisten betont, Und ich will nicht, dass die ihr Leben lang ins Gefängnis wandern. Das geht bei Jugendstrafrecht sowieso nicht. Aber eben bis zu zehn Jahre wäre schon gegangen.

Aber ich will, dass sie nicht einfach mit einer Bewährungsstrafe davon kommen und ihr Leben weiterleben können, so wie es war. Weil das kann meine Tochter auch nicht und meine Ex-Frau auch nicht. Also er hat zu einer fairen Strafe aufgerufen. Genau. Damit er irgendwie damit leben kann. Und er hat dann eben auch nochmal, und ich glaube, da sprechen wir ja gleich drüber, darauf aufmerksam gemacht, dass es in Deutschland da eine Gesetzeslücke gibt und dass, junge Menschen in einem Alter, wo sie nicht einschätzen können, wie gefährlich ein Auto ist, das so stark ist, so ein starkes PS-Auto fahren dürfen.

Es fällt dann ja ein Urteil am 22. April dieses Jahres, 2026, Was gibt es für Strafen für die Angeklagten? Ja, der Richter hat beide des verbotenen Kraftfahrzeugrennens schuldig gesprochen. Und Richard viereinhalb Jahre Haft gegeben und Emil fünf Jahre. Also sechs Monate nach Jugendstrafen. Recht, genau.

Also die Psychologin hatte eben auch gesagt, dass sie beide eher als Jugendliche einschätzen würde als Erwachsene. Und das war eigentlich auch allen im Prozess klar, dass das Gericht dem wahrscheinlich folgen würde. Also sie kam auch wirklich so rüber. Also in der Öffentlichkeit wurde das ja viel diskutiert. Aber jeder, der dabei war, dem war klar, dass es fair ist, die nach Jugendstrafrecht zu vorteilen.

Aber trotzdem ist der Richter eben mit diesen viereinhalb beziehungsweise fünf Jahren deutlich über das gegangen, was sowohl die Verteidiger natürlich, aber auch die Staatsanwaltschaft gefordert hat. Also das sind wirklich sehr hohe Strafen nach Jugendstrafrecht. Die höchste Strafe nach Jugendstrafrecht sind zehn Jahre. Und bis zu zehn Jahre hätte er auch bei diesem Straftatbestand verurteilen können. Ja, richtig.

Es ist auf jeden Fall als hartes Urteil gesehen worden. Wie hat denn der Richter das begründet? Der hat ja sehr deutliche Worte gefunden. Er hat wörtlich gesagt, dass ein tragischer Unfall war das nicht. Hier sind zwei Menschen einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Er hat auch gesagt, dass sie weder von Emil noch von Richard ja wirklich ein Geständnis bekommen haben. ähm, Sondern eben nur Alternativerklärungen bzw.

Schutzbehauptungen, wie er das gewertet hat. Um eben die eigene Strafe möglichst zu mildern. Genau. Also er hat gesagt, die Kammer habe keinerlei Zweifel daran, dass sie ein Rennen gefahren sind. Und wertete eben Strafverhalten, dass sie das nicht zugegeben haben. Und sagte auch zu Richard wortwörtlich, dass.

Er habe sich vielleicht in den vergangenen Jahren einiges schön geredet, aber das, was er gesagt habe, sei eben kein Geständnis, sondern was anderes. Und bei Emil, der ja eben die härtere Strafe bekommen hat, werteten sie natürlich noch verschärfen, dass er weniger Reue gezeigt hat und ihm nicht zugänglich war.

Und offenbar die Schwere der Tat noch nicht versteht. Aber es lag jetzt nicht daran, dass er selbst derjenige war, der auf das Auto gepreit ist. Das ist, glaube ich, sehr wichtig, das zu betonen. Denn das Rennen, das sind, nach Auffassung des Gerichts, beide Gefahren und deshalb sind beide gleich schuld an diesem schrecklichen Tod.

Und das Strafmaß wird dann eben damit begründet, dass Emil da noch weniger Reue gezeigt hat. Genau, genau. Zusätzlich, das ist vielleicht auch noch wichtig zu erwehren, erwähnen, haben sie eine Führerscheinsperrfrist bekommen. Also zwei Jahre dürfen sie, also haben sie keine Fahrerlaubnis und das gilt nach der Haft.

Sie haben bis zum Prozess auch keine Fahrerlaubnis gehabt, die ist seit dem Unfall weg gewesen, aber eben danach sollte das Urteil halten auch nicht. Und danach bekommen sie den Führerschein auch nicht einfach wieder, sondern sie müssen dann Prüfungen machen und zeigen, dass sie wieder fahrtauglich sind.

Wenn sie das sind. Wenn sie das dann werden, genau. Nun sitzen die beiden, glaube ich, noch nicht im Knast. Nein, denn das Urteil ist ja, wie wir gesagt haben, noch nicht rechtskräftig. Und solange es nicht rechtskräftig ist, müssen sie die Strafe auch nicht antreten. Das war auch so ein bisschen der Punkt, warum ich mich gefragt habe, ob sie in der Woche nach dem Urteil, ob sie wirklich Revision einlegen werden.

Denn für sie bedeutet das jetzt, dass sie nochmal vielleicht so sechs bis neun Monate warten müssen, um dann zu sehen, ob das Urteil hält oder nicht. Wenn es nicht hält und das neu aufgerollt werden würde, würde noch mehr Zeit vergehen. Aber zumindest vergehen eben diese neun Monate, die ja in diesem jungen Alter auch sehr entscheidend sind, auch für ihren weiteren Werdegang und für ihre Zukunft, die sie ja bis dahin, eigentlich, die einfach im Unklaren ist und wo sie nicht wissen, was sie weitermachen.

Schwebezustand sozusagen. Genau. Denn Emil war ja bis zuletzt immer noch Fußballer. Aber nicht mehr beim FC. Nicht mehr beim FC, nee, genau, das ist ganz wichtig. Also der SFC Köln hat die beiden direkt freigestellt, nachdem diese Vorwürfe da im Raum waren. Also nachdem klar war, die waren an diesem Unfall beteiligt, dann sind sie, glaube ich, auch entlassen worden.

Der Vertrag lief dann noch ein halbes Jahr weiter und sie haben wohl zwischendurch auch noch bei Trainings teilgenommen, aber eben nicht mehr als Teil der Mannschaft, und natürlich auch sowieso nicht mehr im Spielbetrieb. Genau, aber ja, auch diese Fußballerkarriere, also für Richard war eh klar, dass die beendet ist, also mit dem Unfall.

Er spielt zwar inzwischen. Also für ihn selbst. Für ihn selbst, genau. Er hat gesagt, ich kann nicht weiter Fußball spielen, das wäre nichts gewesen, hat er wirklich gesagt. Und inzwischen spielt er wieder, aber nicht professionell. Und auch nicht für Geld, das hat man ihm wohl angeboten, aber das wollte er nicht.

Dagegen Emil P., der ja selber sagt, er habe keinen Plan B, hat sich wieder einen Verein gesucht, das ist auch ein namhafter Verein, aber mehr will ich dazu nicht sagen, bei dem er dann wieder spielen konnte und bei dem es auch so gut aussah, dass es hätte sein können, dass er zumindest in die 2. Bundesliga vielleicht hätte kommen können. Also in die 1. Mannschaft dieses Vereins. Korrekt, genau.

Aber mein letzter Stand ist, dass seit dem Urteil er pausiert. Nun ist das natürlich für diese beiden traurig, aber es ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem Schicksal dieses Vaters, der seine Tochter verloren hat. Auch Chris wollen wir nicht vergessen, der beste Freund von Ilvi. Und ich denke, es gibt sehr, sehr viele weitere Menschen, die die beiden sehr vermissen und ohne sie weiterleben müssen. Ja, auf jeden Fall.

Ich fand das sehr interessant, dass Andreas Reda, also Ilvis Vater, in seinem letzten Wort, will ich es jetzt mal auch so nennen, eine systemische Inkonsistenz im deutschen Recht im Grunde angeprangert hat. Also hat im Grunde genommen gesagt, wie kann das sein, dass ein 18-Jähriger kein PS-starkes Motorrad fahren darf?

Das ist ja, glaube ich, erst ab 21 erlaubt, wenn ich das richtig verstehe. Genau, man darf mit dem Motorradführerschein zwischen 18 und 21 nur eine bestimmte PS-Klasse fahren und dann ab 21 alles, was man möchte. Und ab 18 darf man aber ein 300-PS-Auto steuern oder ein 500-PS-Auto. Was diese beiden ja auch gemacht haben. Also sehr PS-starke Autos gesteuert.

Das Ergebnis ist bekannt. Und Andreas Wrede hat im Grunde gefordert, dass es striktere Regeln geben müsste für Fahranfängerinnen und Fahranfänger. Die es auch in anderen Ländern schon gibt. Richtig, Frankreich oder Italien sind da Beispiele. Glaubst du, in Deutschland gibt es auch irgendwann mal so eine Gesetzesänderung, vielleicht sogar wegen dieses Falles oder eben wegen eines anderen Raser-Falles, die es ja leider zuhauf gibt?

Also meine Hoffnung wäre, dass das irgendwann so kommt, aber dass es wegen dieses Falls passiert, fürchte ich nicht. Also wahrscheinlich muss es noch viel dicker kommen, ich weiß nicht wie dick, weil eigentlich geht es schon gar nicht mehr dicker. Und wir lesen ja dauernd von Raserunfällen inzwischen. Die scheinen sich ja auch zu häufen. Und trotzdem passiert eben nichts, weil.

Dieses Tempolimit, das es nicht gibt, eben, wie so der heilige Grales in Deutschland und, viele da auf ihre Freiheit pochen. Ich finde ja, da kann man sich immer vergegenwärtigen, dass die Freiheit ja da enden muss, wo sie die Freiheit eines anderen tangiert. Und ich persönlich, wenn ich so an mich mit 18 zurückdenke, gut, ich hatte jetzt keinen dicken, fetten Audi, sondern einen Ford Fiesta mit, ich glaube, 43 PS.

Trotzdem, ich finde, man kann sich schon noch erinnern, ich zumindest, dass ich da auch teilweise zu schnell, weiß ich nicht, aber definitiv, ich weiß ja gar nicht, wie schnell dieses Auto, Du könntest wahrscheinlich nicht so schnell fahren, aber definitiv riskant gefahren bin. Denn ich finde, in diesem jungen Alter, und das mag sein, dass es sicherlich bei Jungs oder jungen Männern nochmal anders ist als bei jungen Frauen, tendenziell. Ich will das überhaupt nicht verallgemeinern.

Mein Gefühl ist es, dass gerade junge Männer, wo man ja auch weiß, das Gehirn wird noch viel später reif. Also erst mit Mitte 20 ist das wirklich ausgereift, dass da zusammenkommt. Ich überschätze mich total und ich habe aber gar nicht die Fahrpraxis. Ja. Denn Autofahren lernst du durch eine einzige Sache und das ist Praxis und die kannst du mit 18 nicht haben.

Ja, also sowohl Emil als auch Richard haben vor Gericht gesagt, dass sie sich als sichere Fahrer einschätzen. Immer noch. Auf Frage des Richters, was ich. Nicht ganz klug fand, muss ich sagen. Also selbst wenn sie das so nicht finden. Ja, völlig vermissen. Und das bringt mich wieder dazu, was ich in der ersten Folge gesagt habe.

Ich finde, du begegnest, und das sind nicht nur junge Männer, ich finde, du begegnest auf deutschen Autobahnen sehr vielen Fahrerinnen und Fahrern, die sich selbst komplett überschätzen und die darauf angewiesen sind. Auch älteren Fahrern. Auch älteren, absolut. Die darauf angewiesen sind, dass wir anderen auf die aufpassen.

Also ich habe mich während des Prozesses dauernd gefragt, wie war ich denn mit 20 und auch ich bin, glaube ich, mit 20 teilweise gemeingefährlich gefahren. Ich hatte halt ein Renault Twingo und keinen Mercedes E-Klasse. Was ja nur wieder zeigt, es wäre vielleicht sinnvoll, da entsprechend das Gesetz zu ändern.

Meine persönliche Meinung ist auch, dass die Leute, also die Fahranfänger, die eh normal fahren, die würde es ja gar nicht betreffen, weil, also zum Beispiel in Italien oder Frankreich liegt da, glaube ich, das Tempolimit für junge Fahrer bei, glaube ich, 110 oder 120 kmh. Also das dürfte man immer noch fahren.

Und das ist ja durchaus ein Tempo, wo man auch vorankommt. Also auf unseren Autobahn hier um Bonn rum kannst du meistens nicht schneller fahren, weil so viel los ist. Es würde wirklich eigentlich nur die Raser stoppen, die wirklich das Risiko sind. Und die anderen würde es wahrscheinlich gar nicht betreffen.

Deswegen halte ich das für eine gute Idee. Aber ich glaube, die deutsche Autolobby ist einfach zu stark. Ja, das kann sehr gut sein. Und wir kommen damit schon zum Ende dieser Episode oder dieser Doppel-Episode, besser gesagt. Wir danken euch wie immer ganz, ganz herzlich fürs Zuhören. Und wir sind natürlich wie immer gespannt auf euer Feedback zu diesem Fall.

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Danke. Dankeschön und macht's gut. Bis zum nächsten Mal. Das war Akte Rheinland, der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes. Produktionsleitung Andreas Deick. Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere. Sprecher Daniel Dähling, Martin Busch.

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