Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 11

Tödliches Rennen: Flammentod auf der A555 (I)

Montag, 22. Juni 2026 · 44 min

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Shownotes

In der Nacht des 1. Dezember 2023 liefern sich zwei Nachwuchsspieler des 1. FC Köln auf der A555 in Fahrtrichtung Bonn einem Gericht zufolge ein illegales Rennen. Bei Wesseling verliert einer der Fahrer die Kontrolle über seinen Audi und stößt mit großer Wucht gegen das Heck eines unbeteiligten VW Polos. Der Kleinwagen fängt Feuer. Die beiden Insassinnen – eine 49-jährige Frau aus Lüdenscheid und ihre 23-jährige Tochter, die in Bonn studierte – kommen ums Leben.

In dieser ersten Episode rekonstruieren wir, was in dieser Nacht auf der A555 passiert ist – auf Basis von Zeugenaussagen und einem Unfallrekonstruktionsgutachten, das mehr als anderthalb Jahre auf sich warten ließ. Wir erzählen, wer Ylvi Sophie und ihre Mutter Christina Solmecke waren. Und wir sprechen darüber, wer die beiden jungen Männer sind, gegen die später Anklage erhoben wird – und was wir über den Abend wissen, der diesem Unfall vorausging.

In einer zweiten Episode sprechen wir dann über den Prozess, der im Februar 2026 beginnt und am 22. April 2026 mit einem Urteil endet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – die Angeklagten haben Revision eingelegt. Episode II gibt es ab dem 6. Juli 2026!

Zu Gast ist GA-Reporterin Sarah Remsky, die den Fall von Beginn an verfolgt und alle zehn Verhandlungstage begleitet hat.

Unsere Berichterstattung zum Fall: ga.de/thema/a555-prozess
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Freitag, 1. Dezember 2023, gegen 23.30 Uhr, Autobahn 555, Fahrtrichtung Bonn, Höheanschlussstelle Wesseling. Die Autobahn ist für diese Uhrzeit noch gut befahren. Auf der linken Spur zieht ein silberner Audi A5 an anderen Autos vorbei, daneben ein silberner Mercedes E400. Beide Autos fahren extrem schnell, teilweise mit fast 200 Stundenkilometern.

Wie in einem Computerspiel, wie ein Zeuge später sagt. In den Fahrzeugen sitzen vier junge Männer. Sie kommen von einem Fußballspiel und sind nun auf dem Weg nach Bonn. Der Beifahrer im Audi filmt mit dem Handy. Laute Rap und Technomusik ist zu hören. Der Fahrer wippt mit dem Kopf im Takt, rappt mit, gestikuliert.

Auf dem rechten Fahrstreifen fährt ein VW Polo. Eine 23-jährige Studentin aus Bonn und ihre 49-jährige Mutter sind auf dem Heimweg von einem Konzert in der Lanxess Arena in Köln. Plötzlich knallt es. Der Audi stößt mit großer Wucht gegen das Heck des Polos. Der Kleinwagen dreht sich auf der Fahrbahn, explodiert und geht in Flammen auf.

Für die beiden Frauen darin kommt jede Hilfe zu spät. Hallo und willkommen zurück zu Akte Rheinland. Hier besprechen wir alle zwei Wochen immer montags wahre Verbrechen und Kriminalfälle aus dem Rheinland, vor allem aus Bonn und der Umgebung. Wenn ihr unseren Podcast mögt, dann tut ihr uns einen ganz riesengroßen Gefallen, wenn ihr ihn abonniert, ihm folgt.

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Wenn uns das mal durchgeht, ist es keine Absicht. Gerne dann einfach nochmal melden. Oder ihr wart zu gemein. Ja, das kann auch passieren, aber dann tut es auch mir nicht sehr leid. Ja, das zum Vorgeplänkel, jetzt kurz zu uns. Ich bin Anna-Maria Bekes und bei mir ist heute meine liebe Kollegin Sarah Remski. Hallo. Hi Sarah.

Du warst ja vor einiger Zeit schon mal bei uns und total aufgeregt. Das stimmt, das ist wirklich schon lange her. Und jetzt bist du bestimmt überhaupt nicht mehr aufgeregt, weil wir jetzt auch noch mit Video aufnehmen. Ihr habt es mir jetzt noch leichter gemacht. Das ist sehr nett von euch. So sind wir.

Also ich glaube, ein bisschen Aufregung kann ja nie schaden. Ja, bin ich auch jetzt wieder und ich werde wahrscheinlich die Hälfte vergessen, aber ich erzähle euch so viel, wie ich kann. Das glaube ich auch und ich glaube, das ist eine Menge, denn du hast einen Grund aufgeregt zu sein, hast du vielleicht, aber auf jeden Fall keinen Grund unsicher zu sein.

Denn ich glaube, in diesem Fall, den wir jetzt hier besprechen, da kennst du dich wirklich so gut aus, wie wahrscheinlich niemand sonst. Auf jeden Fall keine andere Journalistin oder Journalist, den ich kennen würde oder die. Das kann gut sein, ja. Du hast ja auch schon gesagt, das ist deine tiefste Recherche bisher gewesen, oder?

Ja, auf jeden Fall. Also wir reden heute über einen Fall und einen Prozess, bei dem ich jede Minute dabei war, außer bei dem eigentlichen Geschehen. Und der mich bis heute begleitet und ich glaube auch meine ganze Karriere lang begleiten wird. Also ich denke jeden Tag an die Beteiligten. Ja, das kann ich gut verstehen. Deswegen ist das heute auch ein bisschen Therapie.

Das glaube ich. Du hast den Fall ja wirklich, wie du sagst, von Beginn an verfolgt, vor allem dann den gesamten Gerichtsprozess wirklich. Zehn Verhandlungstage. Zehn Verhandlungstage von vorne bis hinten begleitet. Und es ist ganz wichtig zu sagen, dieser Fall ist wirklich sehr, sehr umfangreich. Und der ist so umfangreich, dass wir es für sinnvoll halten, unsere Besprechung dazu in zwei Episoden zu splitten sozusagen.

Und in dieser ersten Folge sprechen wir ausführlich über das, was passiert ist und über die beteiligten Personen. Und in einer zweiten Folge, die dann in zwei Wochen kommen wird, da werden wir dann insbesondere auf diesen Gerichtsprozess eingehen, der vor gut einem Monat zu Ende gegangen ist. Genau, am 22. April 2026 ist das Urteil gefallen. Angefangen hat der Prozess, glaube ich, am 20. Februar, also zwei Monate hat es gedauert.

Okay, dazu kommen wir, wie gesagt, dann in Folge 2. Jetzt lasst uns erst mal dazu kommen, worum es hier denn eigentlich geht. Ganz lapidar, ja. Vielleicht ist noch wichtig zu sagen, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, denn die beiden Angeklagten haben Revision eingelegt. Der BGH prüft also gerade, ob das Urteil erhalten wird. Definitiv, das ist sehr wichtig nochmal zu sagen.

Also, worum geht es hier? Man könnte ganz lapidar ja vielleicht sagen, um einen Autounfall. Aber es ist ja viel mehr, oder? Was ist denn da passiert? Ja, es ist tatsächlich nicht irgendein Autounfall, sondern einer, der nicht zuletzt viele gesellschaftliche Fragen auch aufwirft. Was ist passiert? Also es ist in einer Nacht im Dezember, wie wir eben ja schon gehört haben.

Befanden sich zwei FC-Nachwuchsspieler auf dem Heimweg von einem Fußballspiel, und sind dabei, so sagt das Gericht, ein Rennen gefahren und sind dabei miteinander kollidiert. Und der eine ist dann in das Auto einen VW Polo gefahren. Wo zwei Frauen drin saßen, nämlich Ilvi Sophie Solmecke und ihre Mutter Christina.

Und ja, die sind dabei bei diesem schrecklichen Unfall gestorben. Passiert das Ganze im Dezember 2023? Und zwar auf der A555, also der Autobahn 555. Das ist die, sag ich mal, kleine Autobahn zwischen Köln und Bonn. Bekannt auch als Diplomatenrennbahn. Das ist natürlich zu Hauptstadtzeiten die Bezeichnung gewesen.

Ich bin auf dem Weg hierhin tatsächlich über diese Autobahn gefahren und... Kommen dann halt immer an diesem Unfallort vorbei, den man auch bis heute sehen kann. Da ist nämlich so ein kleines Viereck auf der Fahrbahn, was eben neu geteert werden musste nach dem Unfall. Und ja, das erinnert mich jedes Mal wieder daran, wenn ich auf dem Weg ins Büro bin, was da passiert ist. Ja, das glaube ich.

Diplomatenrennen waren eben, weil die Diplomaten schnell von Köln nach Bonn und zurückkommen mussten oder wollten. Was mich interessiert, das Ganze ist passiert auf dieser Autobahn und zwar in dem Abschnitt zwischen Wesseling und Bornheim. Was macht denn diesen Abschnitt so gefährlich? Also die Diplomatenrennbahn, die du eben angesprochen hast, die befindet sich eigentlich erst hinter unserem Unfallpunkt.

Da ist nämlich unbegrenzt und da wird oft und gerne sehr, sehr schnell gefahren, weil es wirklich einfach eine gerade Strecke ist. Wie gesagt, der Unfallpunkt ist aber minimal davor und zwar in einem Bereich, wo 120 kmh Höchstgeschwindigkeit gelten. Und konkret ist die Kollision passiert in Höhe der Autobahnauffahrt Wesseling, also wo gerade die Autos auf Wesseling auftreten.

Die Autobahn auffahren. Das Auto ist dann circa, glaube ich, 200 Meter noch weiter geschleudert worden. Deswegen ist eben dieser Quadrat im Teer ein bisschen später, eben auch hinter dem Unbegrenztzeichen, aber der Unfall eben ist bei 120 kmh Höchstgeschwindigkeit passiert. Genau. Und vor diesem Unfallpunkt gibt es und gab es damals noch eine leicht anders aussehende lange Baustelle.

Die immer noch besteht tatsächlich. Wohlgemerkt, es ist zweieinhalb Jahre her. Die sieht ein bisschen anders jetzt aus, die gibt es aber immer noch. Und die Fahrbahnen sind dort immer noch verengt, muss man dazu sagen. Also ich habe ja gerade schon gefragt, warum es da so gefährlich ist. Jeder, der hier in der Ecke arbeitet und mit dem Auto fährt, der kennt wahrscheinlich diesen Autobahnabschnitt.

Ich bin da auch früher oft hergefahren. Man weiß, dass die Autos da wirklich hergeschossen kommen. Und es ist da natürlich auch schon viel passiert, davor und auch nach diesem schrecklichen Unfall. Also es ist wirklich ein sehr gefährliches Teilstück offenbar, weil die da eben so schnell unterwegs sind. Sehr gerade Strecke.

Genau. Kannst du denn für uns mal die letzten Sekunden quasi vor diesem Unfall und dann den Unfall selbst rekonstruieren? Ja, ich kann es zumindest. Also natürlich haben die Angeklagten eine andere Version vorgetragen vor Gericht. Aber ich kann das rekonstruieren, was das Gericht annimmt. Die letzten Sekunden vor dem Unfall sind recht genau belegt, beziehungsweise auch anschaubar.

Denn es gibt ein Handy-Video, was der Beifahrer von einem Angeklagten, den wir Emil nennen, gemacht hat. Ich glaube, das ist knapp 20 Sekunden lang. Und es zeigt eben die letzten Sekunden vor dem Aufprall. Es läuft Musik im Auto, Rap ... Im EP fährt über 200 kmh. Und webbt mit im Takt, hat die Hände teilweise nicht am Lenkrad, guckt den Beifahrer an, der ihn filmt und man sieht in der Ferne rote Rücklichter kommen.

Und genau, irgendwann bricht das Handyvideo dann ab. Vorher hört man einen Knall, dann gehen alle Airbags auf, das sieht man noch. Der Filmende verzieht das Handy nach rechts und es endet. Und das ist eben der Punkt der Kollision, beziehungsweise es sind ja eigentlich zwei Kollisionen, Denn zuerst. Kollidieren oder beziehungsweise touchieren sich Emil und Richard, also der Audi von Emil mit dem Mercedes von Richard, der auf dem Standstreifen fährt.

Da kommen wir dann später nochmal genauer drauf. Und dann verliert Emil die Kontrolle und fährt mit seinem Auto eben in den unbeteiligten VW Polo rein. Zu dem die roten Rücklichter gehörten. Genau, zuvor immer näher kam. Genau. Der Gutachter sagt oder hat berechnet, dass Emil Peetz bei der Kollision etwa 205 kmh gefahren sein muss.

Der Polo fuhr etwa 100 kmh. Ja, genau. Und zwischen diesem ersten Tuschieren, und der eigentlichen Kollision lagen laut dem Gutachter 0,73 Sekunden. Das konnte er auch sehr gut rekonstruieren, nämlich dank dieses Handy-Videos hat er sehr anschaulich gezeigt. Er hat die Tonspur gemessen und da sieht man eben den ersten Ausschlag, wo klar ist, das ist dieses Tuschieren mit dem Mercedes. Seitlich haben die sich berührt.

Und dann sieht man einen zweiten Ausschlag in dem Handy-Video eben noch, als die Airbags aufgehen. Das muss eben laut seiner Schlussfolgerung die zweite Kollision gewesen sein, die eigentlich die tödliche. Und das Schreckliche ist, dass dann dieser Polo, der da völlig unbeteiligt fuhr, in Flammen aufgeht und die beiden Opfer in diesem Auto verbrennen.

Also die sind wirklich in diesem Auto dem Tod geweiht, kann man nicht anders sagen. Genau. Nicht mehr gerettet werden. Es gibt Zeugenaussagen zu diesem Unfall, die den Fahrstil, sehr viele, es wurden sehr viele Zeugen befragt. Es war ungewöhnlicherweise, ich glaube es war um die 10 Uhr, halb elf abends.

23.30 Uhr war es. Okay, also schon recht spät, trotzdem waren da noch einigermaßen viele Autos unterwegs. Es war ein Tag, also ein Freitagabend im Dezember und viele Leute hatten an diesem Tag, wie wir auch, eine Weihnachtsfeier. Also die allermeisten Zeugen sagten, ich kam von einer Weihnachtsfeier.

Ich wurde abgeholt und so weiter. Und ich bin übrigens auch in dieser Nacht, ich weiß nicht, ob ich das schon mal erzählt habe, an diesem Unfallauto vorbeigefahren noch. Weil ich ja, ich wohne in Köln. Die Weihnachtsfeier war bei uns am 1. Dezember eben in Bonn. Und mein Vater hat mich abgeholt und wir sind eben über die A555 zurück.

Er sagte, ich habe gerade eben im Radio gehört, dass ein schwerer Unfall passiert. Und man sah dann auch schon, es war alles ausgeleuchtet. Also das Unfallteam war offenbar schon, das war mitten in der Nacht, irgendwann um zwei sind wir erst zurückgefahren. War alles ausgeleuchtet, man sah die Unfallstelle und wir sind dann eben ein bisschen langsamer, aber nicht gaffend dran vorbeigefahren und ich sah dieses Auto und sagte nur zu ihm.

Wer auch immer da drin war, lebt nicht mehr. Das war mir sofort klar. Also es war in dem Moment, das Auto war noch nicht abgeschirmt. Aber es war, ja, das war ein sehr ergreifender Moment für mich. Aber ich wusste natürlich in dem Moment noch nicht, dass ich zwei Jahre später diesen Prozess begleiten werde.

Aber ja, zurück zu den Zeugen. Also es gab so viele Zeugen, weil die Polizei, danach einen Aufruf gestartet hatte und nach Leuten gesucht hat, die eben um diese Zeit auf der Autobahn unterwegs waren. Und B, weil die Autobahn für eben einen Freitagabend recht voll war, wegen dieser Weihnachtsfeier. Ja, stimmt.

Das heißt, es gab verschiedene Zeuginnen und Zeugen und viele haben eben auch die beiden später Angeklagten. Wir sagen jetzt mal, dass wir natürlich wieder nicht deren echten Namen benutzen, sondern sie Emil und Richard nennen. Du hast sie auch in deinen Artikeln genannt. Die haben eben die beiden bzw. deren Autos beobachtet, ein Audi, ein Mercedes.

Und die haben im Grunde einen Fahrstil beschrieben wie in einem Computerspiel. Was genau haben die gesehen? Also man muss ein bisschen differenzieren. Also ein Großteil hat Emil gesehen. Aber nur manche haben Richard gesehen. Und da gibt es auch unterschiedliche Abschnitte. Also ich sagte ja eben schon, die beiden Angeklagten waren auf dem Rückweg von einem Fußballspiel.

Beziehungsweise vorher waren sie noch in einem Bürgerrestaurant Essen in Hürth. Und sind dann eben von Hürth auf die A4. Und dann eben am Kreuz Köln-Süd auf die A555. Und die ersten Zeugen, beobachten die zwei Autos schon auf der A4, also recht früh in der Fahrt und, sagen, dass sie auch da schon sehr, sehr rasant fahren und teilweise Autos von rechts und links überholen.

Also der eine von rechts und der andere von links, die wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Eine Zeugin sagte, ja, die Lichthupe hinter mir hörte gar nicht mehr auf. Und sie fuhr halt auf der rechten Spur und wusste gar nicht, wo sie hin sollte. Aber er fuhr halt, und das war offenbar, also sie erinnerte sich an den Audi, also offenbar Emil, der irgendwie dann letztendlich sie überholte.

Aber immer wieder die Lichthupe betätigte und drängelte. Das geht. Dann in der Baustelle, beziehungsweise am Anfang der Baustelle, die in Köln-Gurudorf beginnt, schon auf der A555. Weiter, da gibt es so einen brenzligen Moment, wo da wird die Spur verengt am Anfang der Baustelle. Sprich, die Baustellenbarken fangen an.

Und auch da werden Leute von rechts und von links überholt und die Autos scheren nur ganz, ganz knapp vor diesem Baustellenbarken ein, sodass es für manche aussieht, als wollen sie sogar auf diese abgesperrte Spur fahren. Also wirklich ein wilder Fahrstil, um es mal gelindet zu sagen. Ja. Und viele Zeugen haben halt auch schon vorher gesagt, ich habe gedacht, hoffentlich passiert da nichts.

Wenn die so weitermachen, das geht nicht gut. Das kennt man ja. Also ich finde, jeder von uns kennt solche Begegnungen. Und das sind ja meistens, ehrlich gesagt, so Fahrer, ich glaube nicht, dass man da jetzt zwingend gendern muss, die sich selbst, da kommen wir sicherlich im zweiten Teil noch zu, total überschätzen und eigentlich immer nur Glück haben, dass die anderen auf sie aufpassen, weil sie selber leider ihr Fahrzeug nicht halb so gut im Griff haben, wie sie glauben.

Und so scheinen die da auch unterwegs gewesen zu sein. Ja, Emil sagt später im Prozess, es ging eigentlich nur um die Musik und um den Flow. Und er hatte ja offenbar auch sehr viel Spaß dabei, denn dieses eine Kollisionshandy-Video, was ich eben beschrieben habe, das war nicht das einzige Video, was dabei gefilmt wurde, sondern es gab drei allein von dieser Fahrt.

Ja, also für ihn war es Spaß. Ja, und der Spaß, der hört da sehr, sehr abrupt und schnell auf, denn wir haben gerade schon gesagt, dieser Unfall fordert zwei Todesopfer und zwar Mutter und Tochter. Anfangs war noch nicht ganz klar, wer in diesem Auto saß, denn die beiden sind, wie gesagt, verbrannt. Ja, also die Polizei hat tagelang eben nicht die Identität der Opfer genannt oder bestätigt.

Ich weiß aber inzwischen, dass sie aufgrund des Autokennzeichens schon in der Nacht eine Verbotung hatten, zumindest, wer da drin sitzt. Also die Angehörigen wurden recht schnell informiert. Aber ja, die zwei Opfer... Das wurde erst mal nicht öffentlich gemacht. Genau, und es musste eben erst mal bestätigt werden, dass das wirklich der Fall ist.

Ja, und nicht mit jemandem anders in dem Auto unterwegs war. Genau. Die Opfer sind Ilvi-Sophie und ihre Mutter Christina Solmecke. Und die waren unterwegs von Köln nach Bonn, wo Ilvi gewohnt hat. Sie kamen von einem RIN-Konzert in der Lanxess Arena, glaube ich, in der Köln Arena. Und ja, ich denke, die waren in guter Stimmung, als sie da auf der Autobahn unterwegs waren, oder? Was wissen wir darüber? Auf jeden Fall.

Also Ilvi war damals 23, ihre Mutter war 49. Sie kommen eigentlich aus Lüdenscheid, aber Ilvi ist eben 2019 nach Bonn gezogen, um hier zu studieren. Ilvi ist sehr gerne zu Konzerten gegangen, das hatte sie auch ein bisschen von ihrer Mutter. Sie sind auch sehr, sehr gerne zusammen zu Konzerten gegangen, und eben an diesem Abend auch.

Das RIN-Konzert in der Lanxess Arena war ausverkauft, 20.000 Menschen waren da, wie ich gelesen habe. Es war eine super Stimmung. Dann kam als Special Guest noch ein anderer Lieblingskünstler von Ilvi auf die Bühne, das war Schmidt, was sie wohl auch... In gute Stimmung versetzt haben muss. Sie war dort auch mit einer Freundin, Laura.

Mit ihr habe ich leider nicht persönlich reden können, weil das sie immer noch zu sehr mitnimmt. Ich würde gerne noch mehr über diesen Abend wissen, aber kann sehr gut verstehen, dass man das nicht so einfach erzählen kann. Aber ich bin eigentlich davon überzeugt, dass es eine tolle Stimmung war für beide Beteiligten.

Mit wem du aber sehr viel gesprochen hast, Das ist Chris, das ist Ilvis bester Freund. Genau. Und er konnte dir ganz viel über diese junge Frau, die da leider ihr Leben gelassen hat, erzählen. Genau, also er konnte mir sehr viel über Ilvi erzählen. Über Christina weiß ich leider nicht so viel. Ihre Angehörigen waren eben auch eher zurückhaltend, was ich auch verstehen kann. Da ist jeder anders.

Ilvis Vater war ja sehr offen, ist auch während des Prozesses und danach sehr offen aufgetreten. Davor hat er auch mit Medien geredet, Aber die Eltern waren eben getrennt. Dementsprechend liegt es auch nicht bei ihm, etwas über Christina Solmecke zu erzählen. Deswegen wissen wir eben leider nur Sachen über Ilvi.

Ich bin aber sehr dankbar, dass Chris, ihr bester Freund, da so offen mit mir geredet hat und ich ihr ein Gesicht geben konnte. Ja. Genau. Und eben auch mithilfe ihres Vaters. Ja, erzähl mal, was war sie für eine junge Frau? Okay, also Ilvi kam, wie gesagt, aus Lüdenscheid, ist 2019 nach Bonn gezogen. Da hat sie Geografie studiert im Bachelor.

Sie wollte Stadtplanerin werden, hat 2023 im Sommer, glaube ich, auch ein Praktikum bei der Stadt St. Augustin gemacht für Stadtplanung. Ja, wollte ihr Studium abschließen, wollte dann noch ein Master machen und ein Auslandssemester. Das waren so ihre Pläne. Sie war eine sehr, also ich habe sie eben leider nicht kennenlernen dürfen, aber eine, so wie ich, Wie es mir erzählt wurde, eine sehr, sehr liebe, offenherzige junge Frau.

Der ihre Freunde sehr wichtig war. Also sie hatte nicht viele enge Freunde, aber dafür dann auch wirklich enge Freundschaften, für die sie wohl immer da war, wie Chris mir erzählte. Genau. Sie war 1,84 groß, was ich irgendwie erwähnenswert finde, weil man kann sie sich, glaube ich, am besten vorstellen.

Also eine schlanke, große junge Frau, die sich einfach irgendwie über ihre Freiheit und ihr freies Leben im Studium hier in Bonn gefreut hat. Ich glaube, ein schönes altes Wort wäre lebenslustig. Ich glaube, das wird sie ganz gut beschreiben. Ja, dazu passte auch ihr Name. Den finde ich auch ganz besonders.

Ilvi hatte ich vorher noch nie gehört. Und Chris hat mir dann erzählt, dass sie nach der besten Freundin von Vicky, dem Wikinger, benannt ist. Die eben ihren besten Freund total unterstützt und ihn gegen Mobbing schützt und so weiter. Und ich glaube, genau so war Ilvi eben auch. Ja, vielleicht müssen wir auch kurz darauf eingehen, wie Chris und Ilvi sich kennengelernt haben. Das ist ja eigentlich eine ganz ungewöhnliche Freundschaft, oder? Fand ich zumindest.

Ja gut, es ist auch irgendwie eine Studentenfreundschaft, denn es war so ein bisschen so eine On-Off-Beziehung zwischenzeitlich. Also Chris hat Ilvi kennengelernt, als sie zum WG-Casting kommt, nämlich 2019. In Bonn. In Bonn, Limperich, wohnte Chris da schon in einer WG. Er hat mir erzählt, da wohnten irgendwie 20 Studenten in dem Haus.

Und es war irgendwie so ein bisschen wie so eine Art altes Hotel. Ich weiß es nicht genau, auf jeden Fall hatte jedes Zimmer auch ein Bad. Also irgendwie sehr coole WG, kann ich mir vorstellen. Und er hat gesagt, beim Casting hat er schon gemerkt, dass da eine Verbindung ist zwischen ihm und Ilvi. Und sie ist dann eingezogen und kurze Zeit später waren sie eben ein Paar.

Da haben sie dann aber irgendwann gemerkt, das klappt nicht so richtig. Das war dann irgendwie mit einigen Off- und On-Anläufen verbunden. Aber irgendwann haben sie gemerkt, okay, uns ist eigentlich diese Freundschaft oder wie er sagte, Seelenverwandtschaft wichtiger. Und beste Freunde sind sie dann geblieben. Beziehungsweise er hat gesagt, beste Freunde trifft es eigentlich nicht. Also es war einfach, genau.

Er hat gesagt, sie war eher wie eine Schwester für ihn. Und sie war so sein Ruhepol und er war ihrer. Und sie haben einfach, also sie hat gesagt, wir haben gerne koexistiert. Wir haben auch oft einfach nebeneinander gesessen und sie hat an der Switch gedaddelt und ich habe irgendeinen Film geguckt und das war auch okay.

So war so ein bisschen ihre Freundschaft. Klingt wirklich ein bisschen wie Geschwister und ich finde das eine sehr erwachsene, Entscheidung für so junge Menschen oder überhaupt für Menschen zu sagen, okay mit einer Beziehung, sag ich mal einer romantischen Beziehung, wie man so sagt da klappt es nicht, aber wir haben eine Freundschaft, die total toll ist und die behalten wir, ne? Genau. Ja.

Ja, sie konnten halt über alles reden. Er hat gern für sie gekocht. Sie war wohl eigentlich Vegetarierin, aber wenn er Fisch gekocht hat, hat sie gern Fisch gegessen. Sie sind gern spazieren gegangen. Dann hat Evi immer, wenn sie Enten gesehen hat, sich gefreut, weil sie so Enten liebte. Das war nicht ein ganz süßes Detail.

Und sie liebte Katzen, weil sie auch mit Katzen aufgewachsen bin. Da kann ich mich sehr gut mit identifizieren. Ja, sie zeichnete gerne, spielte Cello und hat in Bonn auch einen Hip-Hop-Kurs belegt, weil sie sich mal ausprobieren wollte. Also vielseitig interessiert. Genau, total. Hat einfach ein sehr lebenslustiges Leben gelebt.

Ja, das dann leider in diesem Dezember 23 viel zu früh zerstört wurde. Zerstört wurde, genau. Genau. Chris hat über diese... Diesen Tod auf eine schreckliche Art und Weise erfahren. Er hat tatsächlich, in den Nachrichten das Bild gesehen von diesem ausgebrannten VW Polo und das Auto erkannt, wenn ich das richtig verstanden habe.

Ja, also es war so, er hat Ilvi an dem Tag ihres Todes noch gesehen. Sie waren spazieren mittags, bevor sie auf dieses Konzert gefahren ist. Sie haben wie immer eigentlich hin und her WhatsApp-Nachrichten geschrieben. Bis Yvi dann irgendwann nicht mehr antwortete. Was ihn aber, so wie ich das verstanden habe, auch nicht so verwundert hat, weil es eben abends war.

Was ihn mehr verwundert hat, war dann am nächsten Morgen, er war glaube ich auf einer Party und hatte einen Kater und ist aufgewacht und hat ihr geschrieben und, dann kam nur noch ein Pfeil eben bei WhatsApp, also die Nachricht ist nicht mehr angekommen, da hat er sich schon gewundert, weil Yvi hat eigentlich ihr Handy nie ausgemacht.

Und dann hat es an der Tür geklingelt und Ilvis Mitbewohner stand vor der Tür. Ilvi wohnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr in derselben WG wie Chris, sondern in einer Zweier-WG nahe der Bonner Oper. Und der Mitbewohner sagte ihm dann, ja, die Polizei war gerade da und hat gefragt, ob Ilvi hier ist. Und sie war eben nicht da.

Also sie ist da nie angekommen, natürlich. Und dann haben die zwei sich halt überlegt, sie gucken jetzt mal, was los ist, weil eben die Polizei ihnen keine weiteren Infos gegeben hat. Und dann hat er von diesem schweren Unfall in der Nacht gelesen und hat das Auto gesehen und mir hat gesagt, als ich dieses Auto gesehen habe, war mir klar, was passiert ist und es hat sich angefühlt, als hätte man mir das Herz rausgerissen. Ja.

Da kriege ich immer noch Gänse. Ja, das verstehe ich. Ja. Genau, und so hat er dann davon erfahren, dass seine beste Freundin gestorben ist. Das ist das, was wir zu den Opfern bis hier sagen können. Natürlich müssen wir auch über die Täter sprechen. Wir können ja sagen Täter, denn sie sind verurteilt, wenngleich das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Emil und Richard nennen wir sie, wie gesagt. Und es waren Nachwuchstalente beim 1. FC Köln. Kannst du dir vielleicht gleich noch erklären, was genau das bedeutet. Und was mich auch interessieren würde, erst mal, dass du ein bisschen was zu den Biografien der beiden sagst und auch welchen Eindruck die auf dich gemacht haben.

Also du hast sie ja vor Gericht dann, ich will nicht sagen kennengelernt, aber du hast sie ja wirklich beobachten können, ob das jetzt ganz normale Jungs in Anführungsstrichen waren oder ja, ob man da irgendwie gedacht hat, da stimmt irgendwas nicht. Ganz lapidar gesagt, ne? Ja, also Richard und Emil waren zum Unfallzeitpunkt 20 Jahre alt.

Jetzt inzwischen sind sie 22. Und es sind zwei sehr unterschiedliche Typen, finde ich, auf den ersten Blick, die eigentlich gar nicht so zusammenpassen. Denn Emil, sieht aus wie ein David-Beckham-Verschnitt, sage ich mal so. Also wirklich ähnlich. Und Richard ist eher so der Bubi-Typ. Also er hatte seit dem Unfall auch zehn Kilo abgenommen.

Ihm geht es halt psychisch nicht gut, man hat schon gemerkt, dass es ihn auch wirklich mitnimmt. Und deswegen war er eher so klein und schmächtig. Es gab aber auch andere Zeiten, aus denen ich Fotos gesehen habe, wo er dann doch natürlich diese sportlichere Statur hatte. Aber ich würde ihn trotzdem eher so als schüchternen Bubi charakterisieren.

Mit manchmal auch so einem kleinen Pornoschnurrbärtchen, wenn ich das sage. Schön. Jetzt hast du einen Einblick. Also zwei sehr unterschiedliche Typen, die sich aber dann wohl in dem letzten Jahr vor dem Unfall beim FC so zusammengefunden haben. Und es hat sich da eben eine Freundschaft entwickelt. Also Fußball war deren Beruf, wenn ich das richtig verstanden habe, oder? Zu diesem Zeitpunkt schon. Also Profifußballer.

Korrekt. Also die waren zu dem Zeitpunkt Spieler in der U21 des 1. FC Kölns. Und da verdient man ja schon Geld. Also, Richard war schon länger dabei, der ist glaube ich mit 13 zum FC gekommen und da gibt es wohl Staffelverträge, wo man am Anfang weniger verdient und je länger der Vertrag geht und je höher man kommt, desto besser wird das Gehalt.

Der hatte also am Ende so ein Gehalt von 5.000 brutto als 20-Jähriger. Nee, brutto oder netto? Ich weiß es nicht. Der hat auf jeden Fall für 20-Jährigen recht viel Geld verdient. E-Mail-P eben ein bisschen weniger. E-Mail ist, erst mit 14, nee. Emil P. ist erst mit 16, glaube ich, zum FC gekommen. Vorher hat er bei Viktoria gespielt und wurde da gescoutet.

Genau. Also Viktoria, Köln. Viktoria, Köln auch, genau. In der dritten Liga. Zum Umfallzeitpunkt waren beide auch nicht mehr in der Schule. Ich meine, sie waren auch 20, aber sie hatten vorher, also Richard hat Fachabi und Emil P. Meine ich, hat keinen Schulabschluss, weil er eben, ja, sein Plan A war Fußball.

Und einen Plan B gab es nicht. Und einen Plan B gab es nicht. Kannst du noch ein paar Einzelheiten zu deren Biografien sagen? Das heißt, ungefähr, wo die gelebt haben. Wir müssen das natürlich jetzt nicht offenlegen. Und auch, wie die Freundschaft war. Ja, also beide kommen aus dem Rhein-Sieg-Kreis und sind von dort aus, also haben beide bei ihren Eltern gelebt zum Unfallzeitpunkt und sind von dort aus immer gependelt nach Köln zu den Spielen. Und, Richard hat Emil im letzten Jahr vor dem Unfall in die Freundesgruppe so ein bisschen in seine eigene integriert.

Das war dann insgesamt eine fünfköpfige Freundesgruppe. Also die bestanden schon, Emil war in dieser Gruppe und dann kam Richard dazu. Nee, andersrum. Richard war in der Freundesgruppe und hat Emil hinzugezogen. Also Richard hatte Freunde aus seinem damaligen, also dem Verein, wo er als Kind gespielt hat und mit denen war er immer noch sehr, sehr gut befreundet.

Das waren genau drei Jungs und da kam Emil P. dann so dazu und Richard hat auch erzählt, dass Emil eher so der Initiator dann ab da war. Er, beschreibt sich selber als Player. Ich meine, das passt so ein bisschen zum, David Beckham-Verschnitt. Und er ist auch eher so der Party-Typ und hat die Jungs dann mal ein bisschen angeregt dazu, nach den Spielen mal in den Klub zu gehen. Und so, das kannte Richard M. wohl vorher nicht so.

Und genau, sie waren ja auch zusammen im Urlaub in Spanien dann und haben sich da so ausgetobt. Ähm, aber ja, also Emil hat diese Gruppe ein bisschen verändert und ist auch ein bisschen so der Anführer geworden. Einfach sehr dominant auf dem Namen. Was die beiden ja offenbar eint, ist eine Vorliebe für schnelle Autos.

Richtig? Offenbar, ja. Beide hatten ein schnelles Auto. Die, ähm, auch in der Familiengeschichte so ein bisschen begründet ist, also dass beides haben, beide haben diese Liebe für Autos von ihren Vätern, ähm, Und ihre Väter haben sie, wenn ich das so sagen darf, so ist es meiner Meinung nach, von dem, was ich gehört habe, gelaufen, auch ein bisschen motiviert, diese Autos sich anzuschaffen.

Denn Emils Vater fuhr wohl immer Audi, und Audi war die einzige Marke für ihn und sein Sohn wollte deswegen eben auch einen Audi haben, weil sein Vater ja so ein schönes Auto hat. das. Hat er dann irgendwann mit seinem FC-Gehalt auch geschafft. Für 12.000 Euro hat er sich diesen Audi geholt. Aber ich glaube, er selbst hat nur 4.000 gezahlt, oder?

Ja, genau. Er hat 4.000 bezahlt, seinen Eltern 8.000. Und er hat sie wohl bis heute auch nicht zurückgezahlt komplett. Weil EMI P. Eben gerne Geld für die schönen Dinge des Lebens ausgegeben hat. Und trotz seines vergleichsweise hohen Gehalts für sein Alter nicht so viel zurückgelegt habe. Das ging Richard aber wohl ähnlich.

Und auch bei Richard ist es der Vater, der. Dicke Autos liebt. Es gibt da so ein Video, das wurde auch bei Gericht gezeigt, da sitzt Richard in einer roten FC-Jacke in einem Mercedes-AMG, und beschleunigt von 70 auf 240 oder so. Gefilmt wird er dabei von seinem Vater, der diese Probefahrt angeleiert hat.

Und glaube ich, sehr stolz ist auf seinen Sohn. Genau. Richard entscheidet sich aber danach, dieses Auto nicht zu holen. Denn er meint, das war dann doch ein bisschen zu viel. Stattdessen holt er sich eine Mercedes E-Klasse. Die aber auch schon schnell genug auf jeden Fall fährt und teuer genug war. Also zum Unfallzeitpunkt waren, glaube ich, noch 40.000 oder 45.000 davon offen.

Ich weiß nicht, wie viel er insgesamt bezahlt hat, das hat er nicht gesagt. Aber ja, ein teures Auto für einen 20-Jährigen. Ja, und ein schnelles, in der Tat. Es gibt so eine Snapchat-Gruppe dieser fünf Freunde. Und da ist der Satz gefallen, wir machen eine neue Fast & Furious-Reihe. Jetzt frage ich mich, wie ernst kann man das nehmen? Ist das nur jugendliche Prahlerei?

Oder was steckt dahinter? Das war ja schon ein Ding für die, ganz offensichtlich. Ja, also Snapchat, das ist das eine, Snapchat spielt halt eben eine ganz große Rolle im Leben von den Zweien. Ich glaube, das ist auch recht normal. in dem Alter, also ja, und die haben da eben untereinander, also zu zweit hin und her geschrieben, aber auch eben in dieser Gruppe, wo sie oft Videos offenbar posteten von Autofahrten.

Von eigenen Autofahrten. Von eigenen Autofahrten, aber auch von Leuten, die mit sehr viel Geschwindigkeit irgendwo langfahren. Und dieses Fast and the Furious Gespräch, das war tatsächlich nicht in der Freundesgruppe, das war ein Gespräch zwischen Richard und Emil, wo Emil die Videos waren nicht mehr auf, doch die waren sehr schwierig auffindbar.

Die löschen sich ja von alleine bei Snapchat. Genau, und das Gericht musste dann nochmal einen IT-Experten heranziehen, der die dann wieder hergestellt hat und eben sagen konnte, welche Videos das waren. Und das waren eben Videos von Leuten, die schnell fahren und sich dabei sehr cool fühlen. ähm. Und Emil hat dann eben Richard geschrieben, hey, so können wir das auch mal machen. Wir machen eine neue Fast and the Furious-Reihe. Also das ist kein Zitat, aber so im Wortlaut war es so.

Sollten wir auch mal machen, oder? In anderen Nachrichten hieß es irgendwie, wir brettern durch die Stadt. Also das ist einfach zentral für die, ne? Schnell fahren, schnelle Autos fahren, dicke Autos fahren, umgangssprachlich gesagt. Also es gab auch ein Video von Emil, wo er mit 150 durch eine 30er-Zone fährt und sagt, 150 bei 30 und ich fahre nur Opio Corsa und schlage euch trotzdem bei jedem Rennen.

Solche Dinge. Also Autos waren schon ein Thema. Das haben sie zwar auch die Freunde eben, die anderen drei, die auch ausgesagt haben vor Gericht, bestritten, dass das so ein großes Thema war. Aber die Nachrichten sprechen eben eine andere Sprache. Es gibt auch so ein Video, wo einer der Freunde von denen irgendwo langfährt, ich glaube es war im Spanienurlaub, und die ihn dazu anstacheln, sehr, sehr schnell irgendwo langzufahren und alle jubeln und so.

Es war so ein Ding, was die hatten, dass die alle gerne schnell fahren. Schnell fahren und ja teilweise ist das ja auch... Gemeingefällig fahren. Gemeingefällig fahren, aber das ist ja auch dieser Renncharakter, der da ja noch eine Rolle spielen wird. Genau. Wenn wir über den Prozess sprechen, noch mal genauer zu. Ich würde erst mal sagen, überbewerten muss man sowas nicht immer unbedingt, weil es natürlich auch irgendwo so ein bisschen unter jugendlicher Leichtsinn fällt, aber sowas kann halt wie man sieht, so schnell schief gehen.

Ausatmen. Und was ich aber jetzt wirklich schockierend finde ist, wenn als dieser Spaß dann in Anführungsstrichen vorbei ist, durch diesen wirklich schrecklichen Unfall. Da verhält sich Emil meiner Meinung nach wirklich auf eine Art und Weise, die man nicht mit normalem Menschenverstand nachvollziehen kann.

Die kommen ja beide ins Krankenhaus, die Jungs. Das sage ich jetzt, die jungen Männer. Tatsächlich nur Emil. Emil kommt nur ins Krankenhaus? Ja, Richard kommt nicht ins Krankenhaus. Richard hat außer psychischen Problemen nichts davon getragen. Und Emil ist ja der, der in den Polo reingefahren ist. Emi hat wohl leichte Verletzungen am Ellenbogen. Aber die Rettungskräfte wollen halt sicher gehen, dass er nicht irgendeinen Schleudertrauma oder innere Verletzungen hat. Deswegen kommt er ins Krankenhaus mit seinem Beifahrer.

Mit seinem Beifahrer. Und die beiden machen dann im Krankenhaus Selfies. Ja, und schicken die auch einander. Und Emi schickt die auch einer Freundin, die er zu dem Zeitpunkt datete. Und zu diesem Zeitpunkt wusste er schon, was da passiert sein muss, oder? Ich bin mir nicht sicher, ob man ihm schon gesagt hatte, dass zwei Menschen gestorben waren zu dem Zeitpunkt.

Aber dass es ein ganz, ganz schlimmer Unfall war, muss er gewusst haben. Und eigentlich muss er auch gewusst haben, dass Menschen zumindest lebensgefährlich verletzt worden sind. Denn er hat das Auto ja brennen sehen. Er stand ja vor dem Auto. Also er ist nach dem Unfall aus seinem Auto rausgesprungen mit seinem Beifahrer, weil er erst dachte, sein eigenes Auto brennt, weil er eben Rauch gerochen hat.

Dann stand er vor diesem Auto und er wollte eigentlich noch hin, um es aufzumachen, aber die anderen Fahrer, die eben hinter ihm waren und dann inzwischen angehalten hatten, die haben ihn zurückgehalten und gesagt, da können wir nichts mehr machen. Und dann in dem Moment kam wohl auch eine Druckwelle und das Auto ist wohl explodiert.

Also er muss gewusst haben, was da passiert ist. Das muss man ihm wahrscheinlich nicht sagen. Und trotzdem, ja, er sagt, er wollte seiner Bekannten seine Halskrause zeigen. Und in Teilen glaube ich, dass das Teil ... Ich bin eben doch nicht mehr diese junge Generation, dass das eben Teil dieser Kultur ist, dass man sich dauernd irgendwelche Fotos von allen Situationen schickt.

Das kenne ich auch von meinem Neffen, der einfach nur an der Bushaltestelle steht und ein Foto von seinen Füßen macht. Also, dass es einfach so völlig normal in der Kultur sozusagen ist, dass man einfach alles dokumentiert irgendwo aus dem eigenen Leben. Genau. Aber trotzdem kann ich verstehen, dass es einfach für diese Situation völlig daneben ist. Und dass die Polizisten, die eben dann zu ihm kamen, auch dachten, der versteht den Ernst der Situation nicht. Und ich glaube, das hat er auch wirklich nicht verstanden in dem Moment. trotzdem.

Es ist auch schwer zu begreifen, das muss man direkt dazu sagen. Genau. Und er ist eh nicht so ein Typ, der so einen Zugang zu seinen Gefühlen und Gedanken hat. Also er verschließt sich diesen Dingen auch eher, die schwierig sind für ihn. Darauf kommen wir, glaube ich, dann noch mal zu sprechen. Und zwar, ich habe es schon angekündigt, in einer zweiten Episode, an dieser Stelle machen wir jetzt einen Cut.

Und tatsächlich gab es ja auch in diesem Fall einen langen Cut, wenn man so will. Denn es sind mehr als zwei Jahre vergangen zwischen dieser schrecklichen Unfallnacht, über die wir gesprochen haben im Dezember 2023 und dem Beginn des Gerichtsprozesses. Das ist nicht üblich. Das ist sehr ungewöhnlich für so einen Fall.

Und darüber sprechen wir dann beim nächsten Mal. Genau. Hört dann also unbedingt wieder rein und bis dahin. Das war Akte Rheinland, der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH. Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes. Produktionsleitung Andreas Deick.

Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere. Sprecher Daniel Dähling, Martin Busch.

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