
Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 14
Lynchmob in Beuel: Der Mörder Adolph Moll
Montag, 20. Juli 2026 · 57 min
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Shownotes
In dieser Folge von Akte Rheinland geht es um einen der schrecklichsten historischen Kriminalfälle aus Bonn-Beuel: den des Mörders Adolph Moll.
Im Jahr 1823 macht die Polizei eine schreckliche Entdeckung. Im Haus des 26-jährigen Schusters Adolph Moll finden die Ermittler nicht nur den Leichnam seines Freundes Heinrich Ochs. Auch die sterblichen Überreste von Molls Stiefmutter Margarethe und ihres dreijährigen Sohnes Johann werden entdeckt. Margaretha war im sechsten Monat schwanger. Der Fall erschüttert ganz Beuel — und die Wut im Ort entlädt sich wenig später auf dramatische Weise.
Anna Maria Beekes spricht mit Reporterin Ebba Hagenberg-Miliu darüber, was über Adolph Moll bekannt ist, wie die Morde bekannt wurden, warum der Fall die Menschen damals so erschütterte und weshalb er bis heute nicht vergessen ist.
Ebbas Artikel zum Fall beim General-Anzeiger: ga.de/bonn/beuel/historischer-mordfall-in-bonn… (GA+)
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Wer sich der Sünde netz vertraut und ihrem Reize frönet, der freiet eine Höllenbraut, und wird mit Tod gelöhnet. Zu Schand und Lastern eilt er fort und schließt den Lebenslauf mit Mord. Hallo und willkommen zurück bei Akte Rheinland. Hier besprechen wir an jedem zweiten Montag Verbrechen und Kriminalfälle aus dem Rheinland, speziell aus der Region Bonn.
Das tun wir natürlich auch heute wieder. Es ist wieder ein Bonner Fall, genauer ein Beuler-Fall. Und es ist mal wieder ein historischer Fall. Ich weiß aus eurem Feedback, dass ganz viele von euch das richtig toll finden. Ich liebe auch historische Fälle. Und bei mir im Studio ist heute eine Frau, die historische Fälle auch sehr liebt, und sich mit dem heutigen sehr gut auskennt. Mein Name ist Anna-Maria Bekes und ich begrüße ganz herzlich meine Kollegin Ebba Hagenberg-Millio. Hallo. Hi.
Du warst ja schon mal bei uns zu Gast, da haben wir über den Fall des jüdischen Metzgers oder Fleischermeisters Josef Lewy gesprochen, der 1935 in Bad Godesberg, von einem wütenden Mob, kann man sagen, ermordet wurde. Das war eine echt aufwühlende und auch sehr wichtige Geschichte, wie ich finde, die wir zusammen erzählt haben.
Die Episode hat sehr, sehr positive Resonanz bekommen und das ist natürlich in erster Linie deiner Expertise zu verdanken. Also nochmal vielen Dank dafür. Für alle Hörerinnen und Hörer und auch Zuschauerinnen und Zuschauer, die dich noch nicht kennen, jetzt in aller Kürze. Ebba, du bist freie Journalistin für verschiedene Medien, unter anderem hier für uns beim Generalanzeiger.
Du schreibst bei uns unter anderem, ja vor allem für die Ressorts Lokales Bonn, Feuilleton und Uni. Und dein Spezialgebiet, das sind ja nicht gerade so die leichten, seichten Themen, sondern eher die etwas schwereren. Du hast dich unter anderem mit dem sehr, sehr großen Missbrauchsskandal am Bonner Aloysius-Kolleg oder ARCO, wie man es nennt, sehr ausführlich befasst, vielleicht auch ein Thema, das man mal im Podcast aufgreifen könnte.
Und du hast eben ein Faible für die historischen Themen. Außerdem arbeitest du als Buchautorin und als Moderatorin. Habe ich irgendwas vergessen? Nö, das war's schon. Das war es schon, genau. Außerdem erinnere ich mich, dass du beim letzten Mal gesagt hast, dass es dir besonders wichtig ist, die Geschichten der Opfer zu erzählen.
Und ich glaube, das ist uns im Fall Josef Lewy ganz gut gelungen. Heute könnte es aber, um schon mal so ein bisschen vorauszublicken, etwas schwieriger werden, denn wir wissen so viel nicht über die Opfer, oder? Genau. Aussagen über die Opfer können wir weniger machen. Und damals die Zeitgenossen Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich auch eher für die Täter, für die bösen Jungs interessiert. Das ist so, auf jeden Fall.
Wusstest du eigentlich, dass unsere gemeinsame Folge sogar für einen Journalistenpreis nominiert worden ist? Also eingereicht worden ist. Nicht nominiert, aber vorgeschlagen. Das gehört sich auch so. Bekommen haben wir ihn leider nicht. Aber das hat tatsächlich ein Hörer, hat den damals eingereicht, den Podcast. Ich habe mich total darüber gefreut.
Also nochmal vielen Dank an dieser Stelle. Aber ja, leider ist nichts daraus geworden. Vielleicht ein anderes Mal. Wir verlinken auf jeden Fall diese Episode zu Josef Lewy nochmal in den Shownotes. Hört sie euch also gerne an, wenn ihr sie noch nicht kennen solltet. So, jetzt werde ich noch mal ganz schnell was sagen. Ich hoffe, es ist nicht ganz so lang, aber ich muss es einmal loswerden.
Ich habe nämlich diesmal eine kleine Bitte an euch. Ihr wisst ja, es hilft uns und diesen Podcast total, wenn ihr uns auf den Podcast-Plattformen eures Vertrauens folgt, wenn ihr bei Spotify diese kleine Glocke aktiviert. Und es ist natürlich auch total hilfreich, wenn ihr fleißig kommentiert. Bei Spotify, bei YouTube, per Mail, an podcast.ga.de.
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Da haben wir ja recht viele, aber wir haben nach meinem Eindruck da echt eine ganz tolle Community, aus der auch immer wieder ganz wertvolles Feedback kommt und tolle Themenvorschläge, die auch schon das ein oder andere Mal zu neuen Episoden beigetragen haben. Also, kommentiert bei Instagram unsere Beiträge, schreibt uns Nachrichten, taggt uns in eurer Story, aber vor allem teilt bitte unsere Beiträge und Reels, denn das ist die Währung, in der momentan auf Insta gezahlt wird.
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Denn heute gehen wir noch deutlich weiter in der Zeit zurück als beim letzten Mal. Du hast es gerade schon angedeutet, Anfang des 19. Jahrhunderts. Wir gehen diesmal nicht nach Bad Godesberg, sondern wir befinden uns im Beul des Jahres 1822. Beul ist heute ja einer der vier Bonner Stadtbezirke, umfasst alle rechtsrheinischen Stadtteile und war lange eine eigenständige Gemeinde und einige Jahre, ich glaube von 52 bis 69 sogar eine Stadt.
Aber damals, also 1822, war Beul noch ganz schön klein, oder? Eher ein Dorf. Genau, aber es war dabei, sich zu machen. Also Beul an sich war über lange Zeit ein Bauernort und ein Fischerdorf. Am Rheingelegen natürlich die Teile und hat sich dann Anfang des 19. Jahrhunderts, wir sprechen ja jetzt von der Zeit 1822 bis 1925, zu einer modernen Gemeinde entwickelt.
Es lebte dann in der Zeit vom Bergbau und von erster Industrie. Da gab es Gas- und Wasserwerk, Sieb- und Tabakfabrik, Weberei, Messerschmiederei, also da war schon einiges vor Ort. Und was nicht zu unterschätzen ist, für die Zeit damals, sämtliche Wohn- und Fabrikgebäude hatten elektrischen Strom, waren also angeschlossen.
Also das war nicht das letzte Kaff, sondern Beul war im Kommen. Und was jetzt für Bonn auch interessant ist, es war dabei, sich zu entwickeln zum Wäschereizentrum für die linke Seite. Und da geht es, glaube ich, Klick bei einigen Bonnern. 1824 ist genau in unserer Zeit, gab es diesen Wäscherinnenaufstand gegen die Arbeitsbedingungen in Beul.
Also die starken Frauen sind auf die Barrikaden gegangen. Und das ist letztlich dann die Wiege für unseren Bönschen. Karneval für die Weiberfastnacht und das wird hier ausgiebig gefeiert. Von daher sind wir da jetzt in der Zeit genau richtig. Der Bürgermeister in der Zeit war die Bürgermeister Marei, die lag in Villig, und das hat sich erst geändert, als die Kennedybrücke, also später genannte Kennedybrücke, über den Rhein geschlagen wurde.
Dann ging die Bürgermeister Marei erst an das, an den heutigen Ort, eben in die Nähe des Rheins. Also damals war, wo das Herz tickte von Boyle, das war Villig. Und der Bürgermeister war zu der Zeit, über die wir jetzt sprechen, der legendäre Leonard Stroph. Gibt es ja auch dieses Stroph-Haus heute noch, wo viele Veranstaltungen historischer, Seite auch stattfinden.
In die Stroph-Familie hat, interessanterweise, habe ich letztens darüber berichtet, Ernst von Schiller eingeheiratet. Das ist der Sohn des großen Friedrich Schiller. Er selber war Richter am Gericht in Köln und hat eben eine Tochter dieses Hauses geheiratet und war von daher sehr verbandelt und war sehr oft in Beuel vor Ort.
Und was anderes, das fand ich jetzt auch interessant, war ja auch gerade die, Universität in Bonn gegründet worden und ein ganz berühmter Student war Heinrich Heine, genau 1819, 1820. Und der hat in Beul für sein Studium gepaukt und, wie er sagt, geoxt. Und wenn ich das dann zitiere, oft, wenn ich an den Trauerweidenalleen meines paradiesischen Beuls, paradiesischen Beuls, da freuen sich alle, zur Zeit der Dämmerung dämmerte, sah ich vor mir schweben den leuchtenden Genius des Ochsen in Schlafrock und Pantoffeln, also typischer Heine.
Und es gibt ja auch in Beul heute eine Heine-Straße. Das heißt, kurz gesagt, Beul, kleine Gemeinde, gutbürgerliche Bürgerschaft und streng katholisch. Da sind wir. Da sind wir. Jetzt wissen wir ungefähr, wo wir zeitlich und räumlich sind. Aber wie bist du denn eigentlich auf diesen Fall aufmerksam geworden?
Ich bin an sich überhaupt keine Krimi-Liebhaberin. Ich mache mich immer sehr unbeliebt, wenn ich sage, dass ich kein Tatort gucke. Also von daher muss ich jetzt nicht sein für mich Mord und Totschlag. Ich habe journalistisch Kontakt mit Klaus Rigg bekommen. Und der ist für mich in den letzten Jahren Quelle und Ideengeber für eine ganze Menge von Artikeln geworden, die sich genau mit historischen Kriminalfällen auseinandersetzen. Und irgendwie habe ich dann Blut geleckt.
Klaus Rigg ist der stellvertretende Verwaltungsleiter des Bonner Gefängnisses, das ja 1995 geschlossen wurde. Er war aber zum Schluss, wie gesagt, stellvertretender Verwaltungsleiter und hat ein wahnsinnig tolles Archiv. Das ist ja für uns Journalisten eine Fundgrube. Und er hat ein Buch rausgegeben, Rechtspflege und Strafvollzug in Bonn im Wandel der Zeiten.
Das habe ich für den GA auch mal besprochen. Von daher haben wir einen engen Kontakt. Und er hat mich auf diesen Fall auch aufmerksam gemacht, sodass ich mich mit diesem bösen Jungen beschäftigte. Beschäftigt habe und dann gesehen habe, es ist vom Psychologischen her, es ist vom Soziologischen her wahnsinnig interessant, solche Fälle.
Die gehen uns direkt letztlich an. Denn die Frage, warum haben wir Normen und Gesetze und was passiert, wenn die gebrochen werden? Also das ist ja eine hochaktuelle Frage auch heute. Ich will das gar nicht weiter ausführen. Ja, du hast völlig recht, das ist auch das, was ich daran immer so interessant finde, das soziologische und psychologische hinter solchen Fällen und nicht das Grausige, was man dann bis ins Detail besprechen muss, sondern genau das, was du sagst.
Und die Menschen haben sich ja im Grunde genommen wenig verändert. Das heißt, wir finden das, was damals passierte, dann auch heute wieder. Aber wir können Schlüsse draus ziehen. Und dann als Germanistin sage ich dann natürlich, dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, Goethe-Faust. Das ist an diesen Fällen vieles zu lernen.
Und wenn wir drauf gucken, Achtung. Ist das nicht nur vom Gruseligen her interessant, sondern für uns als Menschen. Also von daher bin ich da gelandet bei diesen Berichterstattungen und deshalb bin ich jetzt auch hier. Und der Klaus Rigg hat mir eben Einblick ins Archiv gegeben und dieser Adolf Moll, über den wir heute sprechen wollen, ist ein besonders drastischer Fall.
Das ist er auf jeden Fall. Erstmal danke für dieses schöne Plädoyer für True Crime. Das hat mir sehr gut gefallen. Du hast es gerade schon gesagt, der Protagonist dieses Falls, über den wir jetzt sprechen, der heißt Adolf Moll. Wer ist das denn? Für den Adolf kann er nichts. Damals war der auch noch unbelastet. Genau, aber er kommt aus einem kleinen Schusterbetrieb eben im Beul.
Und zuerst war es der Vater, der den Laden führte. Und dann, als der Vater 1821 gestorben ist, dann so ein Sohn. Er war 26 Jahre alt zu der Zeit, als das passierte. 1923. 1823. Er war katholischer Religion, ist klar, und er war ledig und er hatte drei Jahre Militärdienst hinter sich und stieg dann wieder ein.
Er wird beschrieben als gesunder und äußerst kräftiger Mensch. Er hatte, wie Zeitgenossen sagen, eine ungewöhnliche Fertigkeit im Arbeiten, also er war ein sehr guter Schuster. Aber der Professor, der ihn, das werden wir darüber noch mal sprechen, der ihn sich genau angeguckt hat aus verschiedenen Gründen, hat gemeint, der ist so intelligent, der ist so fit.
Im Grunde genommen ist er nicht gefordert genug gewesen in seinem Schusterberuf und das ist schade. Aber unser Junge hat sehr früh schon zu schmuggeln angefangen und hat sich kleine Diebstähle geleistet. und sodass die Nachbarn in der Zeit damals sagten, es ist ein nichtsnutziger Junge. Wir würden heute sagen, er entsprach letztlich nicht ganz der Norm und war auffällig für die Zeitgenossen.
Was mich noch interessiert, wir haben in einer anderen historischen Episode, der zum Würger von Alfter, verlinke ich auch gerne nochmal für euch. Da haben wir gelernt, dass dieses Schusterhandwerk zu der Zeit, das spielt nämlich genau in dieser Zeit auch, nicht gerade angesehen war und, vor allem auch nicht sehr lukrativ.
Wie war das denn, Adolf Moll hatte dann vielleicht auch Geldprobleme oder seine Familie? Also es hat auf jeden Fall nicht gereicht, dass in den kleinen Schusterbetrieb reinkam. Er musste auch rausgehen, er musste sich die Aufträge holen und es hat auch auswärtig dann gearbeitet, er war viel unterwegs.
Und wie er gelebt hat 1822, sagen dann die Quellen, er lebte, seitdem er von dem Militärstande zurückgekommen ist, ungefähr zwei Jahre im Hause seines Vaters, seines verstorbenen Vaters, mit seiner Stiefmutter Margarete und dem dreijährigen Halbbruder Johann zusammen, wo er sein Handwerk trieb. Also das war die Familienkonstellation. Der Vater war gerade gestorben.
Er hatte eine deutlich jüngere Ehefrau zurückgelassen, einen dreijährigen Sohn, und, wie gesagt, unser Adolf dann als 26er, kräftiger junger Mann mit dazu. Das war der Ausstand. Das war die Konstellation. Genau. Wir sind also jetzt im Sommer des Jahres 1822 und da passiert, ja, was Seltsames im Hause Moll.
Adolfs schwangere Stiefmutter, die ist offensichtlich schwanger, schon sichtbar schwanger, und sein kleiner, drei Jahre alter Halbbruder, hast du gerade schon gesagt, die verschwinden auf einmal. Die sind auf einmal einfach weg. Die Polizei wird auch eingeschaltet, die durchsuchen auch das Haus, finden aber nichts. Und ja, es gibt da so einen Verdacht im Dorf.
Ja, im Ort wird erzählt, als sein Vater tot war, fing er an, er, der Adolf Moll, mit seiner Mutter auf sehr vertrauten Fuße zu leben. Mit seiner Stiefmutter ist damit gemeint. Stiefmutter, genau. Und als er gewahr wurde, dass seine Stiefmutter schwanger war, wurde er seines Schamgefühls überwältigt und er wurde sehr unruhig.
Das sagen die Quellen. Das heißt, es war auf jeden Fall eine moralisch schwierige Lage für die beiden und man muss auch sagen für drei. der kleine Johann als, Kleinkind mittendrin in der Geschichte. Und über die Wohnsituation sagten die Nachbarn eine Schande, dass zwischen wohlanständigen Ehefrauen, wenn sie die Frau sehen, wurde dann getuschelt, Schande ist das für unser ganzes Dorf, wenn sowas ist, was macht diese Frau und was macht dieser junge Mann?
Und was lag da näher, der ist in Zusammenhang eben zu bringen, dass die Schwangerschaft vom Stiefsohn her rührte. Und es, wir würden jetzt heute sagen, Ausweg wäre vielleicht gewesen, wenn die beiden geheiratet hätten. Dazu ist es aber nicht gekommen, wissen wir nicht, warum nicht. Gut, unser Adolf war auf den Tanzböden auch sehr aktiv.
Ich glaube, das war nicht unbedingt sein Plan. Wobei es hätte ja, ich weiß nicht genau, wie die rechtliche Lage jetzt mit Stiefmutter und dann auch dem Stiefbruder, wie das genau ist, es hätte ja einiges geklärt. Also das wäre bestimmt die beste Lösung gewesen. Aber in der Zeit war es einfach nicht möglich, unter einem Dach zu leben und dann wird eben diese Stiefmutter schwank.
Was hat denn Adolf Moll Nachbarn und Polizei erzählt? Da wurden ja sicher Fragen gestellt, oder? Hat er sich da irgendwie geäußert? Ja, das Delikat ist, dass der Moll gerade in der Zeit wegen eines kleinen Betrugs auch noch hinter Gittern war. Also als geschaut wurde, wo ist denn jetzt die Frau mit dem kleinen Jungen geblieben.
Die waren schon eine Zeit lang weg und dann haben die da Fragen gestellt. Und der Moll selber hat gesagt, dass ihm kurz vor seinem Eintritt in den Arrest das Gerücht kundwart, was ihn als Vater des Kindes bezeichnete, womit seine Stiefmutter schwanger ging. Er hielt ihr dies vor, worauf sie erklärte, sie wolle ihm nicht länger mehr zur Last sein, das sagt der Moll.
Und üble Nachrede veranlassen, das will sie nicht. Sie wolle den Mann aufsuchen, der daran schuld sei. Also das heißt, den Kindsvater, da wollte sie jetzt hingehen, sagt der Moll. Wirklich sei sie am nämlichen Tage mit dem Kind weggezogen, ohne dass er seither etwas von ihr gehört hätte. Eigene Kleidung habe sie zurückgelassen, wobei sie sagte, sie wollte aber bald kommen und sie wieder abholen.
Das heißt, er war schon so clever zu wissen, dass sein Haus durchsucht wird und dass man diese Kleidung dieser Frau finden würde. Und dann ist noch ein Element, weil wir später auch darüber reden werden, hat er das nicht bereut, was er sich alles zulasten hat, kommen lassen. Es hieß, mit einer ungewöhnlichen Kühnheit ging Moll jetzt zu Gange und er ging zu dem Bürgermeister Stroph und forderte ein Zeugnis seines Unmittelbarseins, dass er diejenigen gerichtlich belangen könne, welche seine Unschuld in Zweifel gezogen hätte.
Also er droht regelrecht, wer ihm das zur Last liegt, dass die Stiefmutter und der Stiefbruder verschwunden sind, dem würde er verklagen. Also das heißt, so keck ist der. Er scheint sich sehr sicher seiner Sache zu sein. Ja, also und meines Erachtens ist es auch eine Flucht nach vorne. Aber da in dem Moment hat es geklappt.
Genau, denn dieser Fall, dieses Verschwinden, das bleibt ungeklärt. Also wir wissen nicht, wo sind die Stiefmutter und der kleine Bruder hin. Die Monate ziehen ins Land. Wir sind jetzt über ein Jahr weiter. Wir sind im Jahr 1823 und wir springen in den September dieses Jahres. Und im September, da findet in Beul ja heute noch etwas statt, das damals schon stattfand, nämlich Pützchensmarkt.
Also ganz kurz zur Erklärung für diejenigen, die es nicht wissen. Pützchensmarkt ist ein Jahrmarkt, also eine richtig, richtig große Kirmes, die es seit 1367 gibt. Und seit Anfang des 18. Jahrhunderts findet Pützjens Markt ab dem 2. September-Wochenende auf den Marktwiesen von Pützjen-Bechlinghoven statt, gehört eben auch zu Beul.
Und während dieses Jahrmarkts taucht jetzt 1823 ein alter Kamerad von Adolf Moll auf und die beiden verbringen einen Abend zusammen. Dieser Mann heißt Heinrich Ochs. Und wie kommt es jetzt dazu, dass der auf einmal in Beul auftaucht? Was haben die beiden da gemacht? Also die Quellen sagen, am 10. September nämlich ging Heinrich Ochs, Schneidermeister zu Köln, Gatte und Vater von fünf Kindern mit 60 Talern nach Pützken, um auf dem Markt Tuch, also Stoffe für seine Arbeit einzukaufen.
Das Problem, dass sein großes Pech war, dass die Tuchhändler schon weg waren. Das heißt, er stand mit seinen Talern da und... Da muss ihm unser Adolf Moll über den Weg gelaufen sein, denn der Freund aus Soldatenjahren tauchte auf und die Quellen sagen, beide Teile legten ihre Freude an den Tag miteinander, einige Stunden verbringen zu können.
Und der Moll sagt, du musst bei mir schlafen, ich mache dir eine Streu und sein Freund nahm dieses freundschaftliche Anbieten an und es wurde noch ein Glas Brandwein getrunken, ich denke es waren ein paar mehr und dann legte man sich zu Bette. Das ist die erste Version, die erzählt wurde. Dann gab es noch diverse andere, denn der Moll wurde dann doch öfters verhört, wie das denn jetzt zusammenhängt, hing.
Und dann erzählt er so Sachen wie, wir sind auch noch in ein Gasthaus ausgegangen und dann haben wir uns getrennt. Dann ist der Ochs Richtung Rhein gegangen. Dummerweise hat einen als Zeuge auch ein Geselle vom Moll ausgesagt. Und er sagte, als er schon eine Weile fort war, sagte Moll, es wäre doch ungeschickt, dass er den Freund nicht dabehalten hatte, da er ohne Geld zu verzehren bei ihm hätte bleiben können.
Und er schickte mich ihm nach, dass ich ihn wieder zurückbringen möchte. Und an der Brücke fand ich noch den Ochs. Und als ich ihm das mitgeteilt hatte, ging er wieder mit mir zurück. Er trank dann mit dem Meister Moll Kaffee und wir alle aßen zusammen. Und dann ging ich schlafen. Mehr weiß ich nicht. Das heißt, der Geselle bezeugt, der Ochs, der Freund aus Köln, der ist im Haus gewesen an dem Abend und hat da übernachtet. Und ist nicht weggegangen zum Rhein und nicht mehr aufgetaucht. Genau.
Was auf jeden Fall feststeht, der Ochs verschwindet auch. Der ist auf einmal auch spurlos verschwunden. Ja, und Adolf Moll, der trauert jetzt seinem alten Kameraden nicht so wirklich hinterher. Nö, sieht da, glaube ich, keinen Anlass. Es ist aber dann so, die Ehefrau aus Köln, die schickt ihren Gesellen nach Beul, um Erkundigungen einzubringen.
Und der kriegt raus, also sein Herr, der hat bei einem Freund übernachtet. Und dann kriegt der Geselle raus, wer der Freund ist. Mit einem gewissen Adolf Moll hat er sich zusammengetan. Und dann, als er dann auch bei diesem Nachfragen zu wollen äußerte, wurde ihm bemerkt, dass Moll im schwarzen Buche stehe.
Das heißt, Moll ist vorbestraft. Das heißt, Vorsicht, worauf er selbst, der Geselle, nicht mehr den Moll darum ansprechen wollte und die Sache dem Bürgermeister, also wir sind wieder bei Stroph, mitteilte. Das heißt, der Geselle geht zum Bürgermeister von Boyle. Und erstellt Anzeige und beschreibt ganz genau die Kleidung seines Herrn, die Uhr, die er mit hatte, die Pfeife, die er mit hatte und dass er 60 Thaler hatte, die er offensichtlich nicht ausgegeben hat.
Das haben die Leute gesagt, dass er nicht auf Pützchensmarkt kaufen konnte. Das heißt, da war ganz schöne Summe Geld im Spiel. Und jetzt könnte man sagen, der Moll, ist er übermütig, ist er leichtsinnig? Denn genau diese Sachen, die der Geselle angegeben hat aus Köln, die werden bei ihm gefunden. Und er trägt sogar die Kleidung von dem Ochs und er schmeißt mit Geld um sich.
Und am nächsten Tag lässt er sich sogar auf den Tanzböden von Beul sehen und mit besserer Kleidung als früher. Und er raucht auch vom Ochs die Tabakspfeife. Und er hat einen neuen grünen Überrock sich machen lassen und zu ihm habe Moll geäußert, also zu den Leuten ihr werdet euch noch wundern, dass ich mir so viel anschaffe die Ursache ist, dass ich jetzt heiraten will.
Das heißt, er hat eine Freundin, mit der er immer tanzen geht und ihr werdet euch noch wundern, was ich mir noch alles anschaffen kann. Das ist schon erstaunlich. Also das ist die Erklärung für den urplötzlichen Reichtum über Nacht. Also, das alles ruft dann logischerweise wieder die Polizei auf den Plan.
Und dann kommt es dazu, dass am 18. und 19. September 1823 Polizisten Haus und Garten von Adolf Moll richtig auf den Kopf stellen. Also, die waren ja schon mal da, um zu durchsuchen, haben nichts gefunden. Jetzt werden sie allerdings fündig. Und wie? Und jetzt wird es ernst. Denn man findet bei der Hausdurchsuchung sofort die Kleider und die Pfeife des Ermordeten. Und auch die Uhr kam zum Vorschein.
Und als man den Moll fragte, wie er zu diesen Sachen gekommen sei, da erwiderte er, dass er sie von einer Frau gekauft habe und weiter nichts davon wisse. Dummerweise findet man dann auch die Holzachst, mit der er den Freund erschlagen hat, und einen Strohsack und ein Kissen mit frischem Blut drauf. Und bei der leiblichen Durchsuchung findet man auch eine schwarzseidene Weste unter der Wollenen des Moll, gerade wie der Vermisste eine trug, in welcher etwas Nähseide, ein goldener Ring vorgefunden ward und in der Rocktasche befand sich eine Brieftasche, worin ein paar goldene Ohrhänge von Ochs drin waren.
Jetzt fragt man sich, ist der Moll verrückt, mit sowas bei sich zu bunkern und sowas auch noch anzuziehen? Und schließlich findet man sogar nicht nur eine Leiche, den Ochs, den hat man im Kartoffelbehälter der Wohnstube gefunden, also da war er erstmal provisorisch untergebracht sozusagen. Man findet dann auch die Leichen von Margarete Moll, also seiner Stiefmutter und vom kleinen dreijährigen armen Johann Moll und wie gesagt, die Margarete Moll ist im sechsten Monat schwanger.
Das heißt, im Grunde genommen sind da jetzt vier Leichen gefunden worden und. Mit schweren Verwundungen, also mit zerschmetterter Hirnschale, ist an einer Stelle gesagt, tiefen Wunden auch am Hals, aus der Schlinge wird der Adolf Moll seinen Kopf nicht mehr ziehen können. Ganz eindeutig nicht, nee. Also wir fassen nochmal zusammen, da wird durchsucht, erstmal finden sie eben Kleidung und weitere Gegenstände von dem verschwundenen Heinrich Ochs und dann tatsächlich seine übel zugerichtete Leiche, der ist mit einem Beil, wie gesagt, ermordet worden und jetzt, was ich ganz interessant finde, oder interessant ist vielleicht gelinde gesagt, Adolf Moll, der war ja dabei, als diese Grabungen auf dem Grundstück stattfinden und der soll da seelenruhig
gesessen und Brot und Pflaumen gegessen haben. War der denn wirklich so ruhig oder? Also die Quellen sagen, seine Rohwahrheit ging so weit, dass er Pflaumen und Brot bei diesem Auftritt aß und so war der Vormittag vergangen. Dann aber am Nachmittag schien sich in die Tigerseele ein lichter Strahl zu senken.
Er fühlte sich durch das Zureden, die Ermahnung und den furchtbaren Anblick gerührt, betete ein Vaterunser und gestand, sowohl seinen Freund als auch die Stiefmutter, den Bruder und das Kind ermordet zu haben. Das heißt, in dem Moment, wo es nicht mehr anders geht, da geht er damit raus. Aber andererseits, seine erste Reaktion war gewesen, er hat mehrfach versucht zu fliehen.
Also man hat ihn, da ist eine Menschenmenge zusammengeströmt, hat ihn gejagt, regelrecht durch Beul und dann über die Felder und nur ein Knecht, der auf einem, Pferdewagen saß, hat ihn dann einholen können, der Mann war sportlich, der war fit. Anfangs hat er auch gesagt, dass zur Tat Nummer 1, also zur Ermordung von Stiefmutter und dem Kind, er habe mit seiner Stiefmutter Streit gehabt wegen ihrer Schwangerschaft, weil sie von ihm schwanger zu sein behauptete, was sie auch zu anderen Leuten gesagt haben müsse, weil ihn die Leute als Ursache davon angeben.
Und in diesem Streit habe er sie mit dem Beil in demselben Zimmer wie dann später den Ochs getötet und seinen kleinen Bruder, weil dieser so schrecklich schrie und er sich verraten zu werden, fürchtete. Er habe, das sagte er am Anfang, er habe die Stiefmutter nicht geschwängert und er habe nicht auf dem Lager mit ihr geschlafen.
Diese Frau sei vielmehr mit jedem Juden sonnabends in der Straße, hätte sie zu tun gehabt. Das heißt, er verleumdet die ermordete Stiefmutter, ganz böse. Und zu Satz 2 sagt er, dass er da nicht wegen des Geldes wegen den Freund Ochs erschlagen habe, sondern nur im Streit und, dann passt aber nicht so ganz, er ist so wohlüberlegt vorgegangen, dass er in einem dieser Ringe, den er, in der Kleidung dann hatte, schon in der Zeit, bevor es wirklich ruchbar wurde ...
Den Namen von diesem Ochs hat rausstreichen lassen, rauspfeilen lassen und Adolf Moll aufstechen hat lassen. Und er wollte ja heiraten. Das heißt, diesen Ring hatte er geplant. Diesen Ring wollte er der Geliebten geben. Von daher ist er sehr planvoll vorgegangen. Und er hat immer wieder, er ist immer nur so weit gegangen zuzugeben.
Was er nicht widerlegen konnte. aber böserweise eben beschuldigt er regelrecht die Opfer. Der Streit mit dem Ochs, ja, ist der Ochs vielleicht auch mit beschuldigt gewesen, dass dieser Streit entstanden ist. Und die Stiefmutter, die hat die Schande gebracht. Und irgendwann kommt er dann dazu zu sagen, ja, er hat wirklich mit dieser Frau geschlafen und das ist auch sein Kind.
Aber letztlich, dann sagt er, an dieser Schande trägt meine Stiefmutter die Hauptschuld. Sozusagen die Stiefmutter ist die Verführerin gewesen. Sowas impliziert das doch. Also das heißt, der ist nicht dumm, der ist clever. Also heute würde man sagen, er versucht so ein bisschen auf Totschlag hinzulenken.
Denn er hat sich dazu hinreißen lassen quasi. Er konnte dann irgendwann nicht mehr anders, weil die anderen ja auch eine Mitschuld tragen. Also er hat sich das schon so genau überlegt und ist wie gesagt so vorgegangen. Und da geht es immer Puzzleteil nach Puzzleteil, kommt dann immer mehr dazu. Wo er dann irgendwann auch nicht mehr raus kann. Da muss er es zugeben.
Was ich in dem Zusammenhang überhaupt nicht verstehe, ist, wie er dann so dreist sein kann. Anders kann man es ja nicht bezeichnen. Da auf der Tanzfläche mit der Kleidung dieses damals noch vermissten Mannes, rumzulaufen, zu tanzen, Sessenpfeife zu rauchen und da zu prahlen. Eigentlich kann man das doch nicht mit dieser hohen Intelligenz in Einklang bringen, oder? Ja, ich würde noch mal sagen, dumm, wie gesagt, ist er nicht. sondern er denkt sich vielleicht, also kann man jetzt vermuten, dass es beim ersten Mal ja nun wirklich sauber geklappt hat.
Er hat letztlich drei Morde begangen und ist dafür nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Und als dann ein Jahr später dieser Freund auftauchte und er weiß, dass der so viel Geld mit hatte und es bei Pützchen Smag nicht ausgeben konnte. Da kann ich mich jetzt auch noch bereichern und da kann ich dann meine eigene Hochzeit bezahlen.
Also da denke ich, dass sowas in ihm vorgegangen ist. Dieser Professor, der ihn in der Gefangenenzeit und dann bis zur Hinrichtung und danach auch noch ihn appliziert hat und so, aber der ihn wirklich begleitet hat, der ihn, der ist. Einige Male ins Gefängnis gelassen worden und war immer im Gespräch, um wissenschaftlich davon zu profitieren, der sagt, der Moll sei sehr reizbar gewesen und in einer stetigen Unruhe, ein Mensch, der, der Lust und Begierde hatte zu stehlen, sich schön zu kleiden, gut zu zechen und sich auch, Zitat, in dem sinnlichen Geschlechtstriebe deutlich äußern wollte.
Dann sagt der Enne Moser, dieser Professor aber auch, auf die Frage, warum er die Sachen des Ox so offen getragen habe, sagt der Moll, es scheint, es habe mich so benehmen müssen, damit die Tat an den Tag komme. Das heißt, in dem Moment, wo er dann nicht mehr ein und aus kann, wo es ganz klar ist, dann fängt er an, an sowas wie ein Schicksal zu glauben. Es dreht es.
Es musste jetzt so kommen. Und könnte man auch fragen, vielleicht konnte er die Schuld dann doch nicht mehr aushalten. Vielleicht ist er so kaltschnulzig dann doch nicht gewesen. Obwohl, wenn man überlegt, letztlich hat er seine Geliebte, die Stiefmutter, seinen kleinen Stiefbruder, einen Dreijährigen, den er getötet hat, nur weil er geschrien hat.
Und sein eigenes Kind im Bauch dieser Stiefmutter umgebracht. Und dann natürlich noch in diesem Haus weitergelebt, bei dem Grundstück, wo er die vergraben hatte, über ein Jahr. Also da ist eine Kaltblütigkeit schon da, aber vielleicht auch in der Gefangenenzeit, geht er in sich. Und es haben ja einige Personen mit ihm gesprochen.
Ich denke, dass da auch von der Kirche Leute da waren, die ihm da auch. Beigestanden haben oder vielleicht auch eben zu Geständnis und zur Räube bringen wollten. Und dass das einen gewissen Effekt dann schon hatte. Man weiß es nicht. Was man weiß, ist, dass die Menschen in Beul, das hast du eben auch schon angedeutet, die sind wirklich außer sich vor Wut und vor Zorn.
Also als das jetzt alles ans Licht kommt und da wirklich klar wird, ja, der hat tatsächlich diese Frau und den kleinen Jungen umgebracht und dann jetzt auch noch diesen Freund. Dass Menschen Rache gelöst gegenüber Straftätern verspüren, das ist ja nichts, das es nur im 19. Jahrhundert gegeben hätte. Was damals aber geschah, ja, da fragt man sich, das würde es wahrscheinlich heute nicht mehr geben, oder?
Ich weiß es nicht. Würde ich nicht ganz ausschließen, aber auf jeden Fall war es so, dass aufgebrachte Beuler, die nachts das Haus ihres Nachbarn regelrecht abgefackelt haben, haben das runtergebrannt und haben seine sämtlichen Obstbäume im Garten niedergehauen. Also sie haben wirklich versucht, alles zu zerstören, was da irgendwo war und setzten dann auch symbolisch eine Strohpuppe mit seiner Kleidung, während er im Gefängnis saß, eine Strohpuppe mit seiner Kleidung in Brand, und war sicher ein Ventil, etwas zu tun, was Trauer und Wut in irgendeiner Weise besänftigte.
Und es hat, aber auf jeden Fall zeigt es, dass die Menschen damals auf jeden Fall nicht fähig waren zu verstehen oder das zu akzeptieren. Das waren ja auch letztlich ihre eigenen Nachbarn, die da zu Tode gekommen sind und wie gesagt zwei Kinder und das zu verarbeiten. Da würde heutzutage die Notfallsehsorge kommen und psychologische Dienst und, man würde einen Gedenkgottesdienst machen, solche Dinge, die dann ich meine, die Die Wut der Menschen ist heute bestimmt genauso groß, aber es gibt dann eben Möglichkeiten, damit vielleicht etwas umzugehen.
Damals gibt es dann eben Kommentare, kann der Mensch tiefer sinken, der verruchte böse Wicht sah täglich das Grab seiner nächsten Verwandten, die er erschlagen hat, vor Augen und wurde nicht gerührt. Er zog die Kleider des ermordeten Freundes an und machte im Tanzsaale sich lustig, denn er hat danach, kurz danach ist er gleich wieder tanzen gegangen.
Er arbeitete und schlief in der nämlichen Stube, wo der erschlagene Freund verscharrt lag, diese mordsüchtige Hyäne. Der müsste jetzt die Höchststrafe kriegen. Und das war klar, was es damals war, die Todesstrafe. Und die Leute damals sagten eben, das Haus wurde niedergerissen und an dessen Stelle ein Kreuz zur steten Erinnerung hingesetzt.
Das heißt, die haben sich schon überlegt, dass sie so eine Art Gedenkstätte dann da machen. Im Grunde genommen ist das wieder ein Gedanke, den man heute dann auch, also ohne das Haus niederzubrennen, Aber immerhin, dass man da eine Stelle schafft, wo man hinpilgern kann. Wo man mit dieser Aufruhr, mit dieser Trauer, mit der Wut hingehen kann.
Ein Mahnmal im Grunde genommen. Genau. Also das haben die Boiler schon in der Zeit gemacht. Was ich interessant finde, sind mehrere Sachen eigentlich. Zum einen finde ich es interessant, dass die ihn entmenschlichen. Das macht man ja auch oft mit Tätern. Das ist dann ein Monster. Aber natürlich ist das ein Mensch, wie du und ich auch, nur eben ein Mensch, der solche Taten begeht.
Und wir kommen ja sicherlich gleich noch dazu, wie man das psychologisch beurteilen kann. Und was ich mich natürlich gefragt habe, wenn der Moll zu dem Zeitpunkt nicht schon im Knast gesessen hätte, hätte dann vielleicht nicht nur eine Strohpuppe gebrannt? Also ich denke auch, der ist mehrfach an den Tatort gebracht worden.
Und wir haben ja eben gehört, dass er bei einem Fluchtversuch, dass da die ganze Meute mitgelaufen ist, also die aufgebrachten Bürger mitgebrannt sind. Ich glaube, das hätte im Lünchmord geendet. Den hätten sie an den Baum gehängt. Vermutlich. Auf jeden Fall war die für die Menschen damals sehr wichtig und letztlich ist es das heute auch, ein hartes Gerichtsurteil.
Aber der Moll hatte sogar. Eine Berechtigung, dass er in Revision gehen wollte. Der hat in Berlin angefragt, ob dieses Urteil, was dann gefällt wurde, eben die Todesstrafe, ob das nicht abgeändert werden könnte. Aber im März 1824 hat der Richter mit zwölf Laien geschworenen, nach damaligem Recht, wie gesagt, die Todesstrafe verhängt.
Und der Richter, das war, wir kommen wieder zurück, dieser Ernst von Schiller, der Sohn von Friedrich Schiller. Und sogar seine Mutter, also die Frau von Friedrich Schiller, Charlotte von Schiller, schrieb ihm damals, solche Vergehungen und Verirrungen sind schrecklich. Schonung kann der Richter da nicht zeigen. Und das hat er auch nicht, der Sohn, sondern hat ihn zu Tode verurteilt und Moll ist am 3.
Mai 1824 auf dem Kölner Margaretenplatz, da wo heute der WDR sendet, öffentlich in der Guillotine geköpft worden. Vor seiner Hinrichtung hat er, auch das erinnert mich wieder an unseren Fall des Würgers von Alfter, ein Geständnis abgelegt. Du hast ja eben schon gesagt, er hat ja vorher schon gestanden, kleinschrittig gestanden.
Das heißt, die Frage ist ja, ob das jetzt von echter Reue getragen war. Du hast es eben schon so ein bisschen angedeutet, man weiß ja nicht, vielleicht ist er ja im Gefängnis in sich gegangen. Also von Reue würde ich jetzt nicht ausgehen, wenn jemand in Revision gehen will. Also da geht man, glaube ich, anders vor.
Und dieser Mediziner, der Bonner Professor, der ihn da die ganze Zeit begleitet hat und untersucht hat, nachdem er im Gefängnis gelandet ist, schrieb, sein Mangel aller Erziehung ließ ihm keine höhere menschliche, noch weniger himmlische Gefühle aufkeimen. Und ich konnte deshalb auch in seinem früheren Leben keine wahre Spur eines echten Mitleids oder einer echten Reue erforschen.
Das heißt, das ist hartes Urteil. Er lebte unbesorgt wie der Vogel in der Luft, nur für den kommenden Tag. Gibt es, glaube ich, auch heute Menschen, die genauso leben. Ich meine, nicht zum Mörder werden, aber so eine Perspektive haben. Und als Beispiel war natürlich, dass er direkt nach dem Mord an seinem Freund, der doch das Vertrauen zu ihm hatte und den er eingeladen hatte, noch am selben Abend ging er zur Tanzmusik und hatte gar keine besondere Angst, noch weniger Reue und er konnte auch wieder gut schlafen, hat er diesem Professor dann erzählt.
Der Professor wiederum sagt, zu niemandem hat er überhaupt in seinem Leben eine wahre Liebe entwickelt. Aber er hatte weder zu seiner Stiefmutter noch zu dem Freund Hass, sondern er agierte aus augenblicklichen Wallungen und Trieben. Also absolut situationsbezogen, keine große Planung. In dem Moment, war er fähig zu morden.
Als eine Mal aus falschem Schamgefühl bei der Stiefmutter und. Bei dem Freund aber schon aus Habgier. Die 60-Taler, die würden doch ganz gut zu ihm passen. Das spricht ja wirklich für eine große Gefühllosigkeit. Und dann im Gefängnis ist er bekannt dafür, dass er die Portionen alle aufisst und dass er richtig fett ansetzt und dann auch dem Wein ganz gut zuspricht.
Also in der Zeit müssen die ganz schön gebechert haben im Gefängnis, das ist erstaunlich. Und ein Zeuge der Hinrichtung dann in Köln hat geschrieben, in dem scheinbar reugen Anglitze war jedoch ein Zug dem hämischen Lächeln gleich wahrnehmbar, welcher auch noch nach der Hinrichtung vorhanden war. Das heißt, dieser Kopf des Häftlings, der mit der Guiatina abgetrennt wurde, der wurde dann in der Zeit in die Anatomie einer Universität gebracht und hier in die Anatomie von Bonn.
Und da wäre, sagt dieser Zeitzeuge, immer noch dieses hämische Lächeln gewesen. Wobei. Dieser Zeitzeuge schreibt sehr, sehr negativ. Also weniger, mehr negativ als der Professor, der schon versucht, die verschiedenen Schottierungen dieses Menschen, die verschiedenen Entwicklungen da nachzuvollziehen.
Ob das nicht auch eine gewisse, Einseitigkeit ist, Dass man dann auch noch in eines Sterbenden im Gesicht noch die Häme sieht. Also das müsste wirklich mit... Das ist natürlich auch einfacher. Einfach ihn als Grund auf Böse zu bezeichnen ohne Schattierung. Ja, klar. Was ich noch interessant finde, er hat ja, wie gesagt, gestanden. Und er soll ja sogar dann noch einen weiteren Mord gestanden haben.
Ja, kurz vor der Hinrichtung hat er gesagt, dass ihm noch was auf dem Herzen liege, nämlich, dass er seinen alten Vater, also im Jahr davor erwürgt habe, wo ihm das Blut auf das entsetzlichste Mund und der Nase geflossen sei. Das hatten natürlich auch die Zeitgenossen damals, die guten Bürger in Beul, die Vermutung, wenn der schon seine Stiefmutter, den Stiefsohn und so weiter alle umbringt, dann hat er wahrscheinlich auch seine Hände im Spiel gehabt, dass am Jahr davor der Vater plötzlich starb.
Aber dieser Professor, der eine Moser. Wie gesagt, der versucht hat, mit ihm wirklich längere Zeit im Gespräch zu bleiben, meinte, durch ein sorgfältiges Nachforschen, glaube ich, deshalb zur Überzeugung gelangt zu sein, dass der alte Moll nicht durch Mörders Hand gefallen sei. Also, wollte er sich da noch interessant machen?
Haben die ihm so zugesetzt, willst du noch was anderes beichten und so? Und dann wird er sich gesagt haben, ja, vier Morde, dann ist der fünfte auch kein Unterschied mehr. Ich werde sowieso einen Kopf kürzer gemacht, keine Ahnung. Ist nicht geklärt worden. Ist nicht und ist aber auch nicht wahrscheinlich, denn ich denke, dass dieser Professor dann schon gesagt hätte, die Möglichkeit besteht schon, dass er auch da schon.
Aber welchen Grund hätte er da gehabt? Ja, man hätte höchstens spekulieren können, dass er damals schon mit der Stiefmutter anwandeln wollte. Aber das ist rätselhaft. Kann man nicht. Viel zu holen war nicht. Viel zu erben war nicht. Ja. Also am 3. Mai, hast du schon gesagt, 1824 endet das Leben dieses mindestens vierfachen Mörders Adolf Moll mit dessen Hinrichtung in Köln.
Und nun hast du ja mehrfach schon angedeutet, die Geschichte um ihn, die endet ja nicht dadurch, dass eben dieser Bonner Anthropologe, Professor Josef Enne-Moser, eine Untersuchung vornimmt zu Moll. Also das wurde genannt, über die nähere Wechselwirkung des Leibes und der Seele. Genau. Richtig. Der Fall war natürlich spektakulär. Das war nicht nur für das kleine Beul, das klitzekleine Beul war das die Sensation des Jahrzehnts wahrscheinlich, sondern das wurde.
Über die Lande hinaus publik gemacht und kommentiert. Und schon bei der Gefangennahme gab es Kommentare. Wir hatten eine Strophe dieses Gedichts am Anfang hier, dieses Beitrags. Es stammt aus dem anonymen Werk, also ist nicht bekannt, wer das verfasst hat. Kurze Geschichte grässlicher Mordtaten, welche im Dorfe Beul Bonn gegenüber am 3. Juli und am 10. September durch den Schuster Adolf Moll verübt worden ist.
Ein Gedicht und ein Sachbericht. Das heißt, da war das Bedürfnis da, das müssen wir jetzt noch mal kommentieren. Da kann man was draus machen, vielleicht auch journalistisch. Dann hatte ich eben diesen Zeitzeugen genannt, der da dieses hämische Lächeln noch gesehen hat. Das war ein Herr J. Schmitz, der Arznei-Beflissene, wie er sich selber genannt hat.
Der hat auch was über diesen Weg des Adolf Moll und dann auch den Weg des Schädels, der in die Anatomie der Universität Bonn gegangen ist, geschrieben. Und der berichtet auch, dass der Moll auch unter der Guillotine absolut die Ruhe bewahrt hat. Der ist nicht panisch geworden. Auch interessant. So, und dann kommen wir zu diesem Professor Ennemoser, Josef Ennemoser, der war in der Zeit wirklich bekannt.
Der ist danach nach Süddeutschland gegangen, Und war da wirklich eine Kapazität. Der hat 1825 diese von dir genannte Untersuchung, vielseitige Untersuchung, veröffentlicht, weil er eben die Möglichkeit hatte, im Gefängnis und dann bei der Hinrichtung dabei zu sein. Und er konnte dann den Körper auch untersuchen.
Und jetzt wird es gefährlich, denn im 19. Jahrhundert, die Kriminologie war so in den Anfangszügen und was natürlich interessierte, auch damals schon, die Forschung nach der Ursache von Taten. Wie kann es sein, dass das Grupp der Menschen friedlich miteinander lebt, auch wenn sie mal eine schwierige Kindheit und Tierklassschläge hatten und andere werden zu Bestien.
Die Ursache von Taten, was der Ennemoser da ermittelt hat, das ist längst widerlegte Theorie. Der Ennemoser sagte auf jeden Fall, dass der Moll voll schuldfähig war. Das ist wiederum interessant. Also gibt es keinen Abstrich, der hat gewusst, was er tat. Aber seine angeblich mörderische Natur lasse sich an seinen tierischen Organen ablesen. Vor allem Molls missgebildete Organe machten ihn zum Mörder.
Das heißt, dieser Professor macht sich auf die Spur, was kann ich an dem sehen. Was mir zeigt von außen schon, das ist ein Mörder. Oder vielleicht kann ich das dann auch an meinen Mitmenschen sehen, die rumlaufen. Wer könnte zum Mörder werden? Und dann waren das, Elemente wie, er hatte fuchsartige Augen, der Moll, er hatte einen affenähnlichen Mund.
Und er hatte, als er ihn eben untersucht hatte, dann als er tot war, eine zu kleine Lunge. Das heißt, die These von diesem Enemosa war, man kann mörderischen Charakter eines Menschen schon an seinem Aussehen und an seiner Anatomie ablesen. Und das ist natürlich brisant, unsere Geschichte. Das ist im Grunde genommen eine tickende Zeitbombe.
Menschen einzuteilen nach Anatomie und Menschen einzuteilen, wir sind das und das sind die anderen. Und Menschen einzuteilen danach, wir sind die Guten. das sind die Bösen. Und das kann ich schon da und da ablesen. Hat der fuchsähnliche Augen, hat der einen affenmäßigen Mund, dann gehört der zu den anderen, zu denen, die zu Mördern werden.
Und das ist natürlich hochgefährlich. Man kann sich vorstellen, wozu das führen kann. Man weiß leider sogar, wozu es führen kann. Wissen wir, zu was es geführt hat. Und manchmal denkt man, heutzutage könnte es wieder dazu kommen. Leider ja, das stimmt. Andere Sachen, die Enne Moser festgestellt hat, waren natürlich, wie du sagst, durchaus interessant, nämlich so diese psychologischen, oder auch soziologischen Aspekte.
Genau, also das ist schon interessant zu sehen, dass er eben auch einräumt, dass dieser Mann eigentlich Qualitäten hatte, die über das hinausgingen, was er als Schuster leisten konnte. Und wenn er, die These stellt er irgendwann mal im Laufe dieser Untersuchung auch auf, wenn er mehr Bildung bekommen hätte, wenn er mehr Zuwendung bekommen hätte, vielleicht auch Liebe bekommen hätte, die fehlte ja wohl auch im Hause Moll.
Denn der Vater, schreibt der Enne Moser, soll auch ein Gauner gewesen sein. Also von daher, jetzt nicht Mörder, aber Gauner. Von daher war das eine Umgebung, die nicht unbedingt gut formte. Aber wie gesagt, diese Schlüsse zu ziehen, dass ich ablesen kann, der hat die und die Anatomie und der ist prädestiniert. Der wird auf jeden Fall ein Mörder.
Das ist eben dasjenige, wo man heutzutage auf jeden Fall Abstand halten sollte. Ja. Was glaubst du, warum uns so ein Fall wie der von Adolf Moll auch heute, das ist ja über 200 Jahre her, warum fasziniert uns das immer noch so? Das ist ja sogar Teil von Stadtführungen hier. Genau. Die Stadtreisen hier in Bonn haben im Rahmen ihres Rundgangs Hexenspuk und Mordgeschichten, Mordgeschichten, auch ein Kapitel über den Boiler Adolf Moll.
Es gab 1988 ein WDR-Hörspiel Drei Moll Mord. Ich kann nicht so gut in den Bönschen Dialekt, aber das war auf Bönsch und hat gesprochen Ernst H. Hilbig, der hat den Mörder gesprochen, das ist eine bekannte Größe im kölschen Karneval, glaube ich, gewesen auch. 2016 Zeitfenster, das Projekt der Stadtarchiv Bonn mit dem Exponat, was wir, glaube ich, jetzt hier auch zeigen. Dieses kleine Aquarell, wo die Mitbürger das Haus vom Moll anstecken und nachher dann das Kreuz stellen.
Werden wir auf jeden Fall auf Instagram dann zeigen, ja. Und wir haben auf meinen Artikel, der im Generalanzeiger-Beul auf der Beuler-Seite lief, dann auch einen Leserbrief bekommen von einem Professor Heinz Schott. Der ist Medizinhistoriker hier in Bonn. Und als er die 2000-Jahr-Feier-Bonn-Ausstellung über die Medizin organisiert hat, schreibt er uns, hat er sich im Anatomischen Institut auf die Suche nach dem Schädel von dem Moll, der immer noch im Register stand, gemacht und hätte ihn ausstellen wollen.
Und da siehe da, der war nicht da. Und dann hat er rausgekriegt und ist da auch hin in die Kölner Anatomie. Teile dieses Schädels sind in Köln jetzt noch und werden da auch den Medizinstudenten als Anschauungsmaterial gezeigt. Und daneben wird diese Enemoser, also diese Schrift des Professoren, über die wir uns mehrfach gesprochen haben, gelegt. Und er weist uns darauf hin. Es gibt auch in Bonn, das wusste ich gar nicht, eine Enemoser Straße.
Nicht nur eine Heinrich-Heinz-Straße, es gibt auch eine, aber eine Adolf-Moll-Straße gibt es nicht. Und wie aktuell das ist oder wie, dass es uns noch fasziniert, ja, wir stehen hier zusammen. In der Tat. Hat ja auch was, ne? Definitiv. Und ich denke, dass jetzt von mir her, aus meiner Sicht, dass es einfach super interessant ist, spannend ist, über die sozialen Zusammenhänge in der Vergangenheit und heute nachzudenken.
Also ich denke mir an mehreren Punkten bei seiner Vita habe ich mir gedacht, wie gut ist das heute zu leben. Ja. Es muss niemand aus sozialen Gründen einen Mord begehen. Es verhungert niemand, der auch wenig verdient. Wohlgemerkt hier, wo wir leben. Genau, hier vor Ort, unser Leben, wie dankbar wir sein müssen.
Und ich muss auch nicht verbergen, und es ist keine Schande für ein ganzes Dorf, wenn ich unverheiratet schwanger werde. Also man muss sich ja auch die Situation, Du hast vorhin gesagt, wir werden heute wenig über die Opfer sagen können, aber man muss sich diese Situation, dieser Margarete Moll auch mal überlegen.
Die ist plötzlich Witwe geworden, die ist noch jung. Die muss auch nachgedacht haben, wie geht es jetzt für mich weiter? Wo kann ich zu Hause bleiben? Ich verliebe mich dann in meinen Stiefsohn oder weiß man nicht. Man weiß nicht, wie das Kind entstanden ist. Oder es war Missbrauch im Gange. Die Frau hat auf jeden Fall den schwarzen Peter gezogen.
Und dann sogar noch im Tod. Und dann noch im Tod. Und dann wird sie auch noch verleumdet, dass sie mit jedem Juden, gehen auch wieder drei Lichter an, wie furchtbar, wie man sowas sagen kann. Also die Situation dieser Frau, die ist mir dann auch klar geworden. Und da denke ich mir, also wie gesagt, wie gut, dass wir hier leben.
Dass wir uns eben fragen müssen, zu was der Mensch unter bestimmten Umständen fähig ist. Da muss man sich fragen, was für Gräueltaten heute passieren. Warum ist der Mensch dazu fähig? Oder auch, was könnte es verhindern? Wo könnten wir einen Hebel ansetzen, dass es nicht dazu kommt? Wenn diese Konstellation so ist, dass der Mensch dann den Mord als...
Als einzigen Ausweg sieht, um aus dieser Schandesituation rauszukommen oder auch um an Geld zu kommen. Ja? Ja. Also im Grunde genommen sind es letztlich hochaktuelle Fragen, die man sich auch bei diesem Fall gut stellen kann. Aber natürlich ist das spektakulär. Das ist er auf jeden Fall. Auch wegen dieser Lünch-Justiz, die da stattfindet.
Da haben wir ja eben auch schon drüber gesprochen, inwieweit das heute stattfinden könnte. Die Frage würde ich auch gerne mal an euch weitergeben und packe eine Umfrage zu dieser Episode bei Spotify rein. Nehmt da gerne teil. Also was glaubt ihr, könnte sowas auch heute noch passieren? Und in welcher Form natürlich?
Ich finde, du hast sehr schöne Schlussworte gefunden zu diesem Fall. Im Plural. Danke dir wirklich ganz, ganz herzlich, dass du wieder da warst. Es ist wirklich ganz, ganz wertvoll, diese Expertise bei uns zu haben. Und wir kommen damit zum Ende dieses Falls. Und ich danke dir für die schöne Moderation. Dankeschön.
Ja, und euch danken wir natürlich ganz herzlich fürs Dabeisein, fürs Zuhören, fürs Zuschauen und wir freuen uns auf euer Feedback und darauf, dass ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid. Bis dann. Tschüss. Das war Akte Rheinland, der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes Produktionsleitung Andreas Deick, Mitarbeiter Sabrina Bauer, Simeon Gerling und andere Sprecher Daniel Dähling, Martin Busch.