
Akte Rheinland· Staffel 10· Folge 15
Kann der Fall Daniel Schreiner noch aufgeklärt werden? (Update)
Montag, 17. August 2026 · 1 h 06
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Shownotes
Daniel Schreiner verlässt in der Nacht auf den 9. Januar 2011 um 2.36 Uhr die "Klapsmühle" auf den Kölner Ringen. 28 Minuten später wird er mit schwersten Kopfverletzungen auf dem Seitenstreifen des Autobahnkreuzes Bonn-Nord gefunden. Er überlebt – aber als Pflegefall. Was in dieser Nacht passiert ist, ist bis heute ungeklärt. Die Polizei geht von einer Gewalttat aus.
In diesem Update hört neben der Originalfolge zum Fall ein Update mit Daniels Mutter Barbara Schreiner und mit dem früheren Ermittler Hartmut Schremmer, der den Fall von Beginn an begleitet hat.
Artikel zum Fall (GA+): ga.de/bonn/stadt-bonn/fall-daniel-schreiner-20…
Die Episode des "Unsolved"-Podcasts: open.spotify.com/episode/2TSMV3WUJj7uieMqEkqVo…
Hinweise zum Fall: Wer in der Nacht auf den 9. Januar 2011 etwas beobachtet hat – in der Nähe des Autobahnkreuzes Bonn-Nord, auf den Kölner Ringen oder auf dem Weg dazwischen, oder wer glaubt, andere Hinweise zu diesem Fall geben zu können – wird gebeten, sich bei der Polizei Bonn zu melden: poststelle.bonn@polizei.nrw.de.
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Unser Podcast zum Fall Michael Winterhoff (cdn.audiorella.com/podcasts/1465-akte-winterho…)
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Vielleicht noch so das letzte bisschen was noch bleibt. Was mich zutiefst bestürzt in dem Fall ist, dass wir überhaupt keinen Tatergang haben, dass wir gar nicht wissen, wie Frau Schreiner schon sagt, was ist abgelaufen. Im Rahmen der Ermittlungen haben wir viele kleine Puzzlesteinchen zusammenfügen können und das gibt auch ein stimmiges Bild, aber letztendlich die, eine Minute, die zwei Minuten, die höchstens fünf Minuten oder noch nicht mal, am Ort zwischen dem Täter und dem Daniel.
Das können wir einfach nicht zusammenführen. Hallo und willkommen bei Akte Rheinland. Hier geht es an jedem zweiten Montag um Verbrechen und Kriminalfälle aus Bonn und der Umgebung. Mein Name ist Anna-Maria Bekes und das hier ist unser zweites Update für die Sommerpause. Heute geht es hier um einen Fall, den wir sogar schon in zwei Episoden besprochen haben. Das letzte Mal vor fast genau drei Jahren.
Damals sind zwei Menschen zu Wort gekommen, die dieser Fall nicht loslässt und wohl auch nie loslassen wird. Und diese beiden Menschen habt ihr eben zu Beginn auch wieder gehört. Es geht um den Fall Daniel Schreiner, der junge Mann, der mit damals 23 Jahren 2011 mit schwersten Kopfverletzungen an der Bonner Nordbrücke gefunden wurde, nachdem er mit Freunden in Köln feiern gewesen war und von dort scheinbar spurlos verschwand.
Schon 2023 habe ich mit dem Polizisten, der damals ermittelt hat, gesprochen, mit Hartmut Schremmer und außerdem mit Daniel Schreiners Mutter Barbara. Ich hatte schon länger vorgehabt, den Fall hier nochmal in Erinnerung zu rufen und ich glaube, das ist jetzt eine ganz gute Gelegenheit. In letzter Zeit gab es nochmal Fernsehbeiträge zum Fall Daniel und dadurch ist er vielleicht einigen wieder ein bisschen präsenter.
Wir wollen hier nämlich die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich in diesem Fall vielleicht doch noch was tun könnte, dass er nach so vielen Jahren vielleicht doch noch gelöst werden könnte. Deshalb habe ich mich nochmal mit Barbara Schreiner und mit Hartmut Schremmer verabredet und wir haben über Daniel gesprochen, über den aktuellen Stand im Fall und über die offenen Fragen, die es hier gibt.
Das alles hört ihr gleich im Anschluss an unsere Originalfolge zum Fall Daniel Schreiner. Für alle, die den Fall noch nicht kennen, in dieser Folge erfahrt ihr alles, was wir wissen und was wir nicht wissen. Was in der Nacht auf den 9. Januar 2011 passiert ist, wer Daniel Schreiner ist, und warum dieser Fall bis heute nicht aufgeklärt wurde.
Noch ein Hinweis, ich war außerdem bei Basti im Podcast Unsolved zu Gast und dort habe ich ebenfalls über Daniel gesprochen. Und den Link zu der Folge findet ihr in den Shownotes dieser Episode. Hört also auch da gerne rein. Und bevor es losgeht, wenn ihr diesen Podcast noch nicht abonniert habt, dann ist jetzt eine super Chance, das zu tun. Also abonniert uns gerne, folgt uns auf Spotify. Könnt ihr außerdem die kleine Glocke aktivieren, dann verpasst ihr auch keine neue Folge.
Und eine Bewertung, am liebsten natürlich 5 Sterne bei Spotify oder bei Apple Podcasts, hilft uns total. Dankeschön dafür. Und jetzt kommt unsere Originalfolge zum Fall Daniel Schreiner. Eine Nacht, die alles verändert. Wenn Barbara Schreiner ihren Sohn Daniel besucht, dann kann sie mit ihm über Fußball sprechen oder über Politik.
Sie kann Englisch mit ihm sprechen und Französisch. Doch was sie ihm heute erzählt, wird er morgen nicht mehr wissen. Daniels Kurzzeitgedächtnis ist vollkommen zerstört. Er ist halbseitig gelähmt. Die zehn Schritte, die er zwischenzeitlich zu laufen in der Lage war, sind heute unmöglich. Daniel kann kaum noch stehen, um vom Bett in den Rollstuhl umgelagert zu werden.
Der heute 35-Jährige, der einmal Medizin studieren wollte, ist ein Pflegefall. Eine halbe Stunde in einer Nacht vor gut zwölf Jahren hat sein Leben und das seiner Familie für immer verändert. Und bis heute weiß seine Mutter nicht, was in dieser Nacht auf den 9. Januar 2011 mit ihrem Sohn geschehen ist.
Hallo, wir begrüßen euch zu einer neuen Episode von Akte Rheinland, dem True Crime Podcast des Generalanzeiger Bonn. Hier sprechen wir an jedem zweiten Donnerstag über Kriminalfälle und Verbrechen aus der Region Bonn. Mein Name ist Johanna Lübcke und vielleicht ist es euch schon aufgefallen. Normalerweise meldet sich ja hier meine Kollegin Anna-Maria Bekes als erste zu Wort.
Heute ist sie aber ausnahmsweise mal in einer anderen Rolle hier und zwar als Expertin für unseren heutigen Fall. Ja, das stimmt. Hallo, daran muss ich mich ehrlich gesagt auch erstmal gewöhnen. Aber ja, in dem heutigen Fall habe ich mich ziemlich tief eingegraben. Also noch tiefer als normalerweise, weil er mich schon damals, als das Ganze passiert ist, beschäftigt und irgendwie auch nie losgelassen hat.
Dann haben wir den Fall, also den Fall Daniel Schreiner, ja bereits in unserer ersten Episode dieser Staffel behandelt. Und damals hatte ich ja schon angedeutet, dass sich ein Polizist, der damals ermittelt hat, bei mir gemeldet hat. Und darum wird es heute gehen. Aber auch darum, wie es Daniel und seiner Familie heute geht.
Denn ja, ich durfte auch mit seiner Mutter sprechen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt. Aber vielleicht fangen wir trotzdem nochmal von vorne an, weil vielleicht nicht alle die letzte Episode dazu gehört haben. Kannst du nochmal erzählen, was damals passiert ist? Ich versuche es. Also ich versuche mich kurz zu fassen. Ich würde trotzdem, glaube ich, allen empfehlen, vielleicht nochmal in die Episode 1 aus dieser Staffel reinzuhören. Das ist der zweite Fall, den wir da besprechen.
Aber in aller Kürze, es geht hier um Daniel Schreiner. Der war am 9. Januar 2011 23 Jahre alt. Der war am Vorabend dieses Tages, also dem Samstagabend, dem 8. Januar, mit Freunden in Köln in der Diskothek Klapsmühle auf dem Hohenzollernring feiern. Ist früher als seine Freundin nach Hause, oder raus aus der Disco, sagen wir es so. Er ist früher gegangen, die anderen haben noch weiter gefeiert.
Er hat dann mutmaßlich, aber selbst das ist nicht hundertprozentig geklärt, aber das ist das, was am nächsten liegt, ein Taxi genommen und ist in Richtung Bonn gefahren. Dort ist er dann gegen drei Uhr nachts, ungefähr eine halbe Stunde nachdem er in Köln aufgebrochen war, mit schwersten Verletzungen am Rande der Autobahn gefunden worden, im Kreuz Bonn-Nord.
Und Daniel ist seitdem schwerstbehindert. Darüber werden wir später noch sprechen. Ausschlaggebend dafür, dass wir das heute besprechen, ist, dass dieser Fall sehr rätselhaft ist. Es war erst von einem Unfall ausgegangen worden. Es war von einem sehr, sehr hohen Promillewert ausgegangen worden. Beides stellte sich als völlig falsch heraus. Zumindest der Promillewert ist definitiv falsch. Beim Unfall gehen wir schwer davon aus, dass das nicht sein kann. Auch das erklären wir in der ersten Folge.
Und jetzt geht es eben darum, was ist da in Wirklichkeit passiert und ehrlich gesagt vor allem darum, wer hat das getan. Denn es ist davon auszugehen, dass dem Daniel etwas angetan wurde, das zu diesen Verletzungen geführt hat. Genau, das war jetzt quasi der Stand, über den wir beim letzten Mal ja sehr ausführlich gesprochen haben.
Das war die Episode 1 von Staffel 5. Hört da gerne nochmal rein. Wir verlinken euch die Folge auch in den Shownotes zu dieser Episode. Und wie ging es dann weiter? Ja, wie gesagt, ich konnte dann den Kontakt zu Hartmut Schremmer herstellen, dem Kölner Polizisten, der damals an der Unfallstelle war und der sich seitdem, sehr in diesem Fall engagiert hat. Also auch noch im Ruhestand, in dem er sich nämlich seit zwei Jahren befindet.
Ich habe also nach einigen Versuchen über die Kölner Polizei endlich seine Handynummer bekommen und dann habe ich ihn einfach mal angerufen. Hier ist Birkes vom Generalanzeiger. Hallo Herr Schremmer. Meine Frage an Sie wäre jetzt quasi, sind Sie mit dem Fall überhaupt noch befasst? Jein. Ich sag mal so, ich glaube, da ist kaum einer so in dem Fall drin wie ich, obwohl er schon so alt ist.
Ja, weil ich damals der Sachbearbeiter war und sich das über Jahre hingezogen hat und immer wieder neu aufgerollt wurde durch die Medien. Und insofern ist ja auch vor zwei, drei Jahren nochmal eine neue Wendung reingekommen. Also insofern bin ich da drin in dem Fall. Was ist Tatmut Schremmer denn für ein Mensch? Also erstmal ist ja Herr Schremmer wirklich ein total netter, umgänglicher Mensch.
Sehr bodenständig, sehr geerdet. Was ich sehr lustig finde, er betont immer ganz stark, dass er ja Verkehrspolizist war und kein Mordermittler oder so. Das stimmt natürlich, aber ermitteln kann er, das hat er gezeigt und das hat er auch wirklich unermüdlich getan in diesem Fall. Ich glaube, das lässt ihm einfach keine Ruhe. Er würde Daniel und seiner Mutter Barbara so gerne helfen, die sich ja bis heute fragen, was damals in Wahrheit passiert ist.
Hartmut Schremmer ist Marathonläufer, das sieht man dem an und das lässt sich auch ein bisschen auf sein Verhältnis zu diesem Fall übertragen. Der gibt eben nicht auf, obwohl das nun wirklich sprichwörtlich schon eine extrem lange Strecke ist, auf der er sich mit diesem Fall Daniel Schreiner befindet.
Und, und das ist sehr wichtig zu betonen, der Hartmut Schremmer, der darf ja gar nicht mehr selbst ermitteln offiziell. Der ist kein Ermittler mehr, der ist kein Polizist mehr, der ist Privatmann. Und deshalb hast du ihn dann ja auch in seinem Wohnzimmer besucht und nicht auf dem Präsidium. Ja, richtig. Ich bin vor einigen Wochen zu ihm gefahren. Ich wurde da übrigens sehr gut mit Kaffee und mit Keksen versorgt, aber vor allem auch mit Informationen zu diesem Fall.
Der Hartmut Schremmer hat den Fall Daniel Schreiner wirklich in allen kleinsten Details in seinem Kopf abgespeichert. Ich glaube, den kann man um drei Uhr nachts aus dem Tiefschlaf wecken und dann könnte der dir das sofort referieren. Und er ist wirklich da auch super engagiert und du merkst ihm wirklich mit jedem Wort an, dass er da wirklich, der möchte gerne, dass da noch etwas passiert.
Ich weiß nicht, ich glaube, es könnte damit zu tun haben, dass er als Polizist auch Opferschützer war. Also das gibt es ja bei der Polizei, dass Beamte sich als Opferschützer weiterbilden lassen und die dann eben besonders auf die Opfer von in dem Fall, schweren Verkehrsunfällen, aber eben auch in anderen Fällen von Angehörigen von Mordopfern zum Beispiel im schlimmsten Fall eingehen können, dass die sich um die kümmern.
Und das merkt man ihm auch an. Ich glaube, das ist wirklich das, was ihm am Herzen liegt und das kann ich sehr gut nachvollziehen. Also, das ist sehr beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit er da immer dran geblieben ist. Hatte das denn Erfolg, also diese Hartnäckigkeit, die er da an den Tag gelegt hat?
Das ist sehr schwer zu sagen. Ich sage mal so, wenn er nicht da gewesen wäre, wäre da, glaube ich, noch viel weniger passiert. Der Fall war ja zweimal bei Aktenzeichen XY ungelöst, auch auf die Initiative von Hartmut Schremmer hin. Nach der zweiten Folge 2019 hat sich dann, und damit hat vermutlich niemand mehr so wirklich gerechnet, tatsächlich eine neue Zeugin gemeldet.
War das eine Bonnerin oder woher kam die? Nee, die Frau kommt aus dem Ruhrgebiet und nein, sie ist keine Augenzeugin dessen, was in dieser Januarnacht 2011 auf der Autobahn bei Bonn passiert ist. Aber sie konnte etwas sehr Wichtiges zu diesem Fall beitragen. Ein Campingplatz im Westerwald, Januar 2011. Ein Ehepaar baut einen Vorbau für das gemeinsame Mobilheim.
Ein Bekannter aus dem Rheinland hilft ihnen. Er ist Taxifahrer und ebenfalls oft auf dem Campingplatz. Guten Morgen und danke fürs Anpacken. Wie war denn dein Dienst? Ihr glaubt nicht, was mir diese Nacht passiert ist. Ich habe in Köln am Ringe einen Typ eingeladen, junger Kerl. Der wollte nach Bonn.
Ich also auf die Autobahn und mittendrin sagt er mir auf einmal, dass er nur 20 Euro dabei hat. Und es reicht nicht? Im Leben nicht. Das sind über 30 Kilometer. Ich weiß nicht, was der sich gedacht hat, aber ich hab den einfach rausgeschmissen. Wie jetzt rausgeschmissen? An der Autobahn. Ich hab dem mal gezeigt, wo der Hase langläuft. Mit mir kannst du sowas nicht machen.
Wir haben das jetzt hier mal szenisch nachspielen lassen und diese Szene, die beruht auf dem, was die Zeugin der Polizei und dann vor kurzem auch mir am Telefon erzählt hat. Und ich muss ehrlich sagen, das ist schon ein starkes Stück. Also diese Frau war auf dem Campingplatz, sie und ihr Mann, die waren da quasi Dauercamper.
Und da gab es noch einen flüchtigen Bekannten, der ebenfalls immer wieder auf diesem Platz anzutreffen war. Der half dem Ehepaar wohl dabei, also die haben einen Vorbau gebaut für dieses Mobilheim. Ich weiß, ich kenne mich damit nicht aus, aber dabei hat er auf jeden Fall geholfen, das zu errichten. Und dann hat sie mir gesagt, an einem Samstag oder Sonntagmorgen im Januar 2011, da hat ihr dieser Bekannte, ein Taxifahrer aus Trostorf, dann erzählt, dass er in der Nacht zuvor in Bonn einen jungen Mann aus dem Taxi geschmissen hat.
Wir haben es eben gehört, der hätte ihm gezeigt, wo der Hase langläuft. Also für die Frau war ganz klar, hat sie mir gesagt, der hat ihn richtig verprügelt. Das hat sie wortwörtlich so gesagt und auch der Polizei gesagt. Und dann, ich meine, das passt doch alles zusammen zu dem Fall, oder? Ja, das passt alles zusammen. Das Datum passt. Also wenn wir jetzt davon ausgehen, dass das ein Sonntagmorgen war, das passt einfach wie die Faust aufs Auge sozusagen.
Die Fahrt passt von Köln nach Bonn, von der Disco, die Umstände passen. Es stimmt auch, dass Daniel ungefähr 20 Euro Bargeld noch dabei hatte. Und dass das natürlich so wenig ist für die Fahrt von Köln nach Bonn. Ja, und die Folge dessen ist, da sitzt dann wenig später ein Mann, der in Trostdorf wohnhaft ist und als Taxifahrer arbeitet, im Vernehmungsraum der Bonner Kripo.
In deren Zuständigkeit ist der Fall jetzt gewandert, weil es jetzt offensichtlich kein Verkehrsdelikt mehr ist oder nicht mehr als solches behandelt wird. Und mit dabei sitzt auch Hartmut Schremmer von der Polizei Köln. Nichts hat so wundert, sagt er, wenn um Viertel nach sechs oder um halb sieben, wir sind um sechs Uhr da aufgeschlagen bei seiner Frau.
Er war nicht da, er hatte Frühdienst für Taxi fahren. Und dann, ja, dann rufen sie mal an, der soll kommen. Und Viertel nach sechs, halb sieben war der dann auch da. Und war total ruhig. Da bin ich doch aufgebracht oder sonst was irgendwie. War ich zumindest mal. Oder wäre empört oder außer mich. Das Einzige, ich bin ein, zwei Mal reingegrätscht, wo ich was aus der Akte wusste, was der Kollege noch nicht wusste.
Wie nach dem, nee, wir haben keine gelben Autos damals. Die haben nur so Funk-Mietwagen, so Mercedes, so was, wenn du den Geschäftsmann mal wohin fährst. Ich sage, das stimmte nicht. Sie haben dann, ach ja. So, ach ja. Aber ganz ruhig. Was mir aufgefallen ist, wenn so eine Sachen waren, das waren zwei, drei Mal, Dann hat er im Bereich von hier bis hier, zum Kiefer bis zum Ohr, da fing er an zu flattern.
So eine Nervengeschichte war also ganz, ganz komisch. Der ließ auch alles mit sich ergeben, das müssen wir Fotos machen, Fingerdrücken und dies und das, das machen wir dann, gehen wir da runter. Da würde ich doch mal fragen, was soll der Scheiß oder was wollen sie eigentlich von mir oder was auch immer.
Ja, ich kann da noch hinzufügen, Hartmut Schremmer hat mir mehrmals gesagt, dass er das klare Bauchgefühl hat. Und das sagt vielleicht bei einem sehr erfahrenen Polizisten auch was aus. Der war's. Und das Gefühl hat sich auch nicht mehr geändert. Also ich habe vom Bauchgefühl her, kann ich Ihnen sagen, der war's.
Aber der Mann, also dieser Taxifahrer, ist dann ja nicht weiter verfolgt worden, oder? Der Fall wurde dann ja eingestellt. Ja, richtig. Ich habe dazu mit Sebastian Buß von der Bonner Staatsanwaltschaft gesprochen. Und er hat mir erklärt, dass die Verdachtsmomente gegen diesen Mann sich nicht verfestigt hätten und das Verfahren deshalb erneut, das war ja schon mal eingestellt worden, eben eingestellt werden musste.
Verwundert war die Zeugin allerdings darüber, also die aus dem Ruhrgebiet, dass die Polizei Bonn nie Kontakt zu ihr aufgenommen hat, obwohl die Ermittlungen dort lagen. Also das finde ich, wenn ich das so sage, das ist sehr erstaunlich. Ich meine, du hast da einen möglichen Tatverdächtigen, der schon mal zur Vernehmung da war. Da wurde übrigens auch dessen Wohnung durchsucht und alles.
Du hast eine Zeugin, die konkrete Hinweise gibt und dann redest du nicht mehr mit der persönlich. Ja, ich kann das persönlich nicht nachvollziehen. Habe natürlich deshalb auch die Polizei Bonn gefragt und die können diesen Vorgang nicht mehr nachvollziehen, weil aus Datenschutzgründen keine Unterlagen zu dem Fall, der ja inzwischen auch verjährt ist, mehr vorliegen.
Also das hat mir der Polizeisprecher Robert Scholten auf Anfrage gesagt. Boah, das muss so bitter sein für die Angehörigen. Ja, absolut. Und der Fall, der hat natürlich noch eine ganz andere Dimension. Denn anders als bei anderen, ich sage jetzt mal mutmaßlichen Verbrechen, können die Angehörigen von Daniel ja nicht nur deshalb mich mit der ganzen Sache abschließen, weil das nicht aufgeklärt werden konnte.
Nee, Daniels Eltern sind ja tagtäglich konfrontiert mit den Folgen dieser Nacht, vor mehr als zwölf Jahren. Der Sohn Daniel, der im Januar 2011 auf einen Medizinstudienplatz wartete. Der ist ja nicht gestorben, aber er ist auch nicht mehr der, der er mal war. Und deshalb war es uns auch so wichtig, Daniels Mutter hier zu Wort kommen zu lassen.
Du hast dich also mit ihr zum Interview getroffen. Wie war das so? Ja, das war sehr intensiv in vieler Hinsicht. Erstmal habe ich mich natürlich total gefreut, dass Barbara Schreiner bereit war, mit uns zu sprechen. Das hat auch sehr lange gedauert, bis sie sich dazu durchgerungen hat, weil sie eigentlich, das muss man sagen, so ein bisschen müde ist von dem ganzen Kampf. Das werden wir gleich noch hören.
Aber ihr war das schon wichtig, dass das nochmal angesprochen wird. Und dann ist sie eben hier bei uns im Verlag vorbeigekommen und wir haben gesprochen. Erstmal haben wir viel in Anführungsstrichen off the record gesprochen. Das gehört auch nicht alles in den Podcast hier. Auch was sie über ihren Sohn erzählt hat. Fest steht, sie ist eine total angenehme Gesprächspartnerin. Die ist sehr klug, die formuliert sehr bedacht und sehr sachlich.
Also ich finde das absolut bewundernswert angesichts ihres Schicksals. Also ich meine, sie spricht da über ihren Sohn, dem sowas Schlimmes passiert ist. Sie ist da, wie gesagt, jeden Tag mit konfrontiert und da gehört schon einiges dazu, dann da so sachlich zu bleiben. Ja, also für sie war das bestimmt, also sicher auch sehr intensiv und ganz bestimmt nicht leicht, das alles nochmal zu durchleben und zu rekapitulieren.
Aber wir hören mal rein, was sie dir erzählt hat. Ja, und bezeichnend, wenn ich das vorher noch sagen darf, fand ich gleich am Anfang, ich habe sie gefragt, was ist ihr Sohn Daniel für ein Mensch? Also was ist er für ein Mensch? Das war die Frage. Und im Grunde hat sie es zumindest teilweise anfangs in der Vergangenheitsform erzählt. Also da wurde ganz deutlich, dass sich natürlich das Leben von Daniel und auch seine ganze Person durch diese eine Nacht völlig grundlegend verändert haben.
Daniel ist ein sehr aufgeweckter Junge gewesen. Er hatte einen etwas schwierigen Start ins Leben, hat sich dann aber wirklich durchgekämpft, äußerst liebenswert, hat einen, überschaubaren, aber sehr guten Freundeskreis gehabt, war sehr gerne im Kindergarten, sehr gerne in der Grundschule und auch später am Gymnasium.
Und er hat für sein Leben gern gelesen. Lesen ist eine große Leidenschaft. Er ist ein sehr politischer Mensch, hat sich alle relativ früh auch für Politik interessiert, und Musik mochte er eben auch sehr gerne und er hat keinen sehr großen Freundeskreis gehabt, er war überschaubar, aber ich würde schon sagen, er war sehr beliebt.
Wir haben dann natürlich über die Nacht auf den 9. Januar 2011 gesprochen, in der Daniel übrigens erstmals in seinem Leben eine Disco besucht hat. Das ist ja relativ ungewöhnlich. Der war damals 23 Jahre alt. Das war jetzt nicht so sein Ding, sagt seine Mutter. Also der ist nicht ständig feiern gegangen oder so.
Und sie hat sich dann an die Nacht bzw. an den Morgen danach erinnert. Es war merkwürdig. Ich habe relativ unruhig geschlafen. Ich bin also relativ spät eingeschlafen und kann das aber jetzt auch gar nichts Besonderem irgendwie festmachen. War einfach so eine Unruhe in mir. Und dann so gegen fünf Uhr morgens klingelt es eben an der Wohnungstür.
Und muss man erst mal realisieren, hast du das jetzt geträumt? Oder klingeln und Sonntag und frühmorgens. Und dann Sprechanlage und dann war es eben die Polizei und hat gesagt, dass man den Daniel schwer verletzt, bewusstlos aufgefunden hat in der Nähe der Bonner Nordbrücke. Und man hat dann angeboten, mich dorthin zu fahren.
Ins Krankenhaus zu fahren. Aber ich habe gesagt, ich möchte alleine fahren. Das ist natürlich rational jetzt gar nicht mehr begründbar. Aber ich bin dann alleine in die Klinik gefahren. Also die Polizisten haben das dann eben auch entsprechend akzeptiert. Mhm. Und ja, bin dort auf die neurochirurgische Intensivstation der Uniklinik in Bonn gefahren.
Was haben Sie da vorgefunden? Also was hat man Ihnen zu dem Zeitpunkt gesagt? Ich musste erst mal im Vorraum warten, weil Daniel noch versorgt wurde. Also da war noch nicht alles abgeschlossen, was die Versorgung anging. Und einer der Ärzte kam dann zu mir raus und sagte, ich müsste eben noch ein bisschen warten. Könnte auch vielleicht noch eine halbe Stunde dauern.
Aber es sähe gar nicht so schlecht aus. Der Schädelbasisbruch, den wurde man dann schon in den Griff bekommen. Man hätte ihn jetzt ins künstliche Koma erst mal verlegt. Und wenn ich am Abend wiederkommen würde, dann könnte man schon mehr sagen. Dann könnte man den Zustand dann auch entsprechend einordnen.
Daniel lag nach dieser Nacht 33 Tage lang im Koma. Erst nach vier Wochen wurde offenbar, so berichtet es die Mutter, ein MRT gemacht, also Bilder seines Kopfes im Magnetresonanz-Tomografie-Verfahren. Da wurde dann schon deutlich, dass die Verletzungen weitaus gravierender sind, als zunächst angenommen war.
Ja, dann war klar, das Kurzzeitgedächtnis ist quasi kaputt, lapidar gesagt. Wobei zum Zeitpunkt von Daniels Aufwachen noch niemand ahnen konnte, wie diese Geschichte weitergehen würde. Sie können sich sicher an den Moment erinnern, als er dann aufgewacht ist. Ich glaube, ihr Mann war bei Ihnen? Ja, es war so, wir sind natürlich auch sehr häufig zusammen, aber wir sind natürlich auch wechselseitig zu Daniel gegangen, haben uns dann eben abgewechselt, mein Mann vormittags, ich nachmittags oder teilweise auch gemeinsam.
Mein Mann kam also an dem Tag in die Godeshöhe und dann erzählte er mir, sagte eine Krankenschwester, ich habe ihren Sohn heute früh gewaschen und da hat er gesagt, das Wasser wäre ihm zu kalt. Und das war, ja, das war eine Sensation. Das war wie ein Dammbruch. Also er hat ein Empfinden und er äußert das auch noch.
Nicht nur, dass er sich schüttelt und hu, sondern er äußert sich auch noch, das Wasser ist mir zu kalt. Und dann ging das aber ganz langsam. Das war nicht so, dass er dann am nächsten Tag schon erzählt hat und, und, und. Aber man merkte so die Blicke, der Blickkontakt, dass das ein Erwachen war. Dass er also so ganz pö.
Ins Leben zurückkommt. Man muss dazu sagen, zu dem Zeitpunkt, als er aufgewacht ist, war Daniel schon in einer Spezialeinrichtung, in einer Reha, in der Frühreha sozusagen. Man hatte damals die Hoffnung, dass es sich bei dem Verlust seines Gedächtnisses um so eine vorübergehende Amnesie handelt. Dass das Gedächtnis also wiederkommen würde.
Und es wurden dann ganz viele Therapien begonnen, auch schon während des Komas übrigens. Und Daniel hat tatsächlich auch teilweise Fortschritte gemacht. Zum Beispiel konnte er mithilfe zehn Schritte laufen und heute ist das absolut undenkbar. Wie und wo lebt Daniel denn heute? Der wurde nach etwa einem Jahr von der Spezialeinrichtung in ein Pflegeheim in Bad Godesberg verlegt, wo er bis heute lebt.
Das ist ein Heim für junge Menschen mit erworbenen, also eben nicht angeborenen Hirnschädigungen. Daniel ist schwerstbehindert mit der Pflegestufe 5. Das ist die höchste, die es gibt. Der hat ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und ist halbseitig gelähmt. Das gravierendste auch für sein Umfeld ist aber dieser Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.
Und Barbara Schreiner hat das ja sehr eindrucksvoll beschrieben im Interview. Er hat weitestgehend sein Kurzzeitgedächtnis verloren. Das heißt, er hat ein relativ gutes Altgedächtnis. Er kann, sie können mit ihm Englisch, Französisch reden, sie können mit ihm Kreuzvertretungen machen, sie können über Politik mit ihm reden, er war ein Jahr in Amerika, er ist ein ganz großer Amerika-Fan.
Aber was das Aktuelle angeht, also wenn ich ihn jetzt besuche und zu ihm komme, und verlasse das Zimmer und komme zehn Minuten später wieder rein, bin ich neu da. Also oder wenn wir mal in Urlaub sind und sind zwei Wochen nicht da, dann sagt er nicht, Mensch, wo wart ihr denn die zwei Wochen? Also er kann überhaupt nichts zeitlich einordnen, gar nichts.
Daniels Familie hätte ihm gerne weitere und konstante Therapien ermöglicht, das war aber eben nicht möglich. Warum ging das nicht? Ja, diese Intensivtherapie in der Reha-Klinik, die hört ja irgendwann auf. Also man hat darauf irgendwann keinen Anspruch mehr. Daniel wurde dann in das Pflegeheim verlegt, aber er war auch mehrmals einige Wochen in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik, weil er auf gut Deutsch ausgerastet ist.
Und das Heim ihn dann, also so hat es auch seine Mutter bezeichnet, und das Heim hat ihn dann eben dorthin geschickt. Für die Familie war das, so berichtet die Mutter, der absolute Härtetest. Man muss auch sagen, da gehört Daniel natürlich überhaupt nicht hin. Sein Krankheitsbild ist ja ein ganz anderes. Er ist ja nicht psychisch erkrankt.
Er hat einen Hirnschaden durch diese schwere, schwere Härtetest. Also Körperverletzungen, also das erstmal so zur Vorgeschichte, warum das nicht möglich ist. Du hast es gerade schon gesagt, dass seine Mutter es ja auch so beschrieben hat, aber was heißt denn genau, er ist ausgerastet? Daniel hat ebenfalls durch die Schädigung des Gehirns regelmäßig Anfälle.
Das äußert sich so, dass er zum Beispiel auf seinen Rollstuhl oder auf die Bettkante haut und ganz laut schreit. Der Blutdruck steigt dann auf 200, der kalte Schweiß läuft ihm runter und das steigert sich eben immer weiter. Solange bis ihn völlige Erschöpfung übermannt. Wenn man diese Anfälle rechtzeitig bemerkt, dann können vertraute Personen, also seine Mutter, sein Vater oder auch Pflegepersonal, ihn quasi noch zurückholen oder runterholen, indem sie ihn in den Arm nehmen, ihn beispielsweise nach dem Namen des Opas oder so fragen.
Das bringt ihn dann wieder zurück aus diesem Anfall heraus. Aber das kann natürlich nicht immer klappen. Und so kommt es immer wieder zu diesen Anfällen, manchmal mehrmals am Tag. Was war denn jetzt mit den Therapien? Ja, ich bin ein bisschen abgeschweift. Also Fakt ist, die Schreiners haben einen Antrag auf Opferentschädigungshilfe beim Landschaftsverband Rheinland gestellt.
Der LVR, um das zu erklären, hätte den behindertengerechten Umbau des Hauses und alle Therapien gezahlt, die irgendwo Sinn ergeben hätten. Der Antrag wurde jedoch vom Sozialgericht in Köln abgelehnt. Das war im Mai 2012. Und der Grund ist, es ist nicht eindeutig beweisbar, dass Daniel tatsächlich Opfer einer Gewalttat geworden ist.
Der traurige Witz an der Sache ist, dass Daniel als Opfer selbst nachweisen müsste, dass er eben ein Opfer ist. Und er kann das natürlich überhaupt nicht in seinem Zustand. Wie soll das gehen? Und noch trauriger ist, mittlerweile wurde das Opferentschädigungsgesetz insofern geändert, als für den Antrag gar nicht mehr ausschlaggebend ist, ob eine Gewalttat oder ein Unfall vorliegt. Aber Daniel hilft diese Änderung natürlich nicht mehr.
Und für die Familie war das ein sehr, sehr großer Schlag. Das war so ein Schlag. Mein Anwalt hat mir damals abgeraten, noch weiterzugehen, ansonsten weitere, Prozesse da vielleicht noch anzustreben. Und ja, das war ein ganz, ganz, ganz schwerer Schlag, dass das nicht gegriffen hat, denn wir hätten alle Therapien für ihn bekommen, wir hätten weitermachen können.
Daniel wäre mit der durch das Opferentschädungsgesetz ermöglichten Hilfe heute in einem wesentlich besseren Zustand. Das kann man sagen, ja. Daniel kann sich also an die damalige Nacht überhaupt gar nicht mehr erinnern. Er hat sehr viel Kontakt mit zwei Kolleginnen, die auch Freundinnen von ihm sind, gehabt aus der Epileptologie, wo er ja gearbeitet hat, die ihn auch regelmäßig besucht haben.
Und dann hat er gesagt, ja, ich kann gar nicht alles sagen, meine Eltern leiden sowieso schon genug. Und das sind natürlich Sätze. Die man heute in einem ganz anderen Licht sieht. Aber sie haben natürlich auch versucht, mit ihm drüber zu reden. Aber er hat dann abgeblockt. Also da war dann auch nichts weiter zu erfahren.
Und später war das dann so, ja, waren das, was waren das für Leute? War das einer? Waren das zwei? Das ging dann mehr so in die Richtung Suggestivfrage, dass es überhaupt keinen Sinn hatte. Dass man es fast in den Mund gelegt hat. Das hatte dann aber auch keinen Sinn. Man weiß auch nicht, ob ihn das nicht vielleicht auch gequält hat.
Aber Sie haben erzählt, Sie sind mal mit ihm über die Nordbrücke gefahren. Ja, er ist mal zu einer Therapie gefahren worden über die Nordbrücke. Und es ist ja unmittelbar an der Nordbrücke, wurde er ja aufgefunden. Und dann sagte er, also hat uns dann der Fahrer berichtet von diesem Fahrzeug. Halt, halt, Stopp, anhalten, stehen bleiben. Hilfe Polizei holen.
Hat Daniel zu seinem damaligen Freundeskreis denn noch Kontakt? Ja, das habe ich seine Mutter natürlich auch gefragt. Und die Antwort finde ich auch relativ traurig. Ganz konkreter Kontakt besteht noch zu einem dieser Freunde. Und der regelmäßig sich erkundigt, wie es Daniel geht, der ihn auch besucht, was jetzt durch Corona allerdings sehr, sehr eingeschränkt war.
Mittlerweile hat sein Freund auch eigene Familie, zwei Kinder. Das ist natürlich klar, dass das dann auch eine ganz andere Situation dann ist, als damals, wo es passiert ist mit Daniel. Aber der Kontakt besteht und er erkundigt sich. Aber ansonsten muss man wirklich sagen, ist das der einzige Kontakt, der wirklich geblieben ist.
Alle anderen Kontakte sind praktisch nicht mehr existent. Und glauben Sie, dass es Daniel geholfen hätte, noch weiter Kontakt zu anderen zu haben? Ich bin der festen Überzeugung, dass es geholfen hätte, denn man hat gemerkt, wie er am Leben seiner Freunde noch mit teilgenommen hat. Also weil er ja dann auch am gesamten Freundeskreis den kennt und die Entwicklungen und dann verfolgt hat, aha, der sowieso hat jetzt eine Freundin und der sowieso heiratet und, und, und.
Also es war dann eben schlagartig Schluss. Also dieses, das war so ein Cut des früheren Lebens. Das war dann irgendwie zu Ende. Also ich kann total verstehen, warum dich das Interview so berührt hat. Mir wäre es wahrscheinlich nicht anders gegangen. Und ich finde es auch absolut bewundernswert, dass Barbara Schreiner auch nach so langer Zeit und so vielen Rückschlägen nicht aufgibt und weiter für ihren Sohn kämpft.
Und du hast sie ja auch gefragt, was sie sich davon erhofft oder wünscht. Meine ganz, ganz große Hoffnung wäre erstens mal, dass aufgeklärt wird, was passiert ist, was passiert ist, warum, durch wen. Das wäre natürlich für uns eine... Eine große Hilfe, weil für mich rechtfertigt nichts, kein Streit, kein gar nichts, dass ich einen jungen Menschen in die Schwerbehinderung prügele, was unumkehrbar ist.
Und da haben wir auch den Knackpunkt in diesem Fall, oder? Genau, der Fall müsste aufgeklärt werden. Problem ist, die Tat, so es denn eine Tat war, die ist heute schon verjährt. Man hätte diesen damaligen Tatverdächtigen, über den wir eben gesprochen haben, 2019, 2020 eine Gewalttat nachweisen müssen, um die Verjährungsfrist um weitere zehn Jahre verlängern zu können.
Dann hätte man also mehr Zeit gehabt, den Fall aufzuklären. Welche Chance gibt es denn jetzt noch realistisch betrachtet auf eine Aufklärung? Also, soweit ich das recherchieren konnte, leider nur geringe Chancen. Entweder müsste der damalige Tatverdächtige diese Tat von sich aus gestehen, weil er irgendwie nicht mehr damit leben kann oder so.
Oder Zeugen müssten sich mit konkreten Hinweisen darauf melden, dass dieser Mann die Tat begangen haben könnte. Ich habe natürlich kurz bevor wir diese Episode hier aufgenommen haben, noch mal Kontakt mit Hartmut Schremmer aufgenommen. Wir haben noch mal länger telefoniert und ja, wenig verwunderlich ist er natürlich weiterhin dran, in Anführungsstrichen, und er hat auch ein paar Ansätze.
Zum Beispiel hat er die Hoffnung, dass dieser Fall als Cold Case vom LKA Düsseldorf neu aufgerollt werden könnte. Und ich habe natürlich auch dort nachgefragt, also genau genommen bei der OFA, der operativen Fallanalyse. Und die haben ja auch geantwortet. Und zwar leider, dass in dem Sachgebiet, also in der OFA, keinerlei Informationen zu dem Fall Daniel Schreiner vorliegen.
Der Fall wurde nicht als Cold Case erfasst oder gemeldet. Und dann steht noch in der Mail, als Cold Case gelten ungeklärte Tötungsdelikte oder vermissten Fälle, bei denen der Verdacht eines Tötungsdeliktes besteht. Die Entscheidung darüber, ob ein Fall rechtlich als Tötungsdelikt gewertet wird, obliegt der zuständigen Staatsanwaltschaft.
Das heißt, die Bonner Staatsanwaltschaft müsste sagen, das war ein Tötungsdelikt? Ja, genau. Also das könnte ja zum Beispiel auch, um das zu erklären, ein versuchter Totschlag sein oder so. Also um es lapidar zu sagen, das Opfer muss nicht zwingend tot sein, damit man von einem Tötungsdelikt spricht.
Und gibt es sonst noch irgendwelche Ansätze in dem Fall? Einen ganz kleinen Hoffnungsschimmer gibt es. Und zwar gibt es eine Uhr. Das ist die Uhr, die Daniel an besagtem Abend trug. Die wurde am mutmaßlichen Tatort bzw. ein paar Meter davon entfernt, ja, 10, 20 Meter davon entfernt, in der Böschung gefunden.
Das Armband hingegen lag direkt dort, wo man Daniel fand. Also der Verdacht liegt nahe, dass jemand weggeschmissen hat. Also diesen Uhrkörper sozusagen war übrigens unversehrt. Also das Glas ist nicht kaputt oder sowas. Diese Uhr war natürlich ein mögliches Beweismittel. Also wurde als Asservat aufbewahrt bei der Polizei.
Und als der Fall dann eingestellt war und auch keine Hoffnung mehr bestand, dass der noch aufgeklärt wird seitens der Polizei, da wurden Daniels Mutter dann eben seine Sachen und auch diese Uhr ausgehändigt. Und es besteht die Hoffnung, das sagt Herr Schremmer, dass an dieser Uhr sich möglicherweise DNA befindet des mutmaßlichen Täters.
Ganz, ganz allzu sicher sollte er sich vielleicht dann doch nicht fühlen. Also ich finde den Gedanken echt gruselig, dass da jemand rumlaufen und auch weiter Taxi fahren könnte, der so etwas getan hat. Ich auch. Zumal es auch heißt, dass dieser Typ eine extrem kurze Zündschnur hat und schnell ausrastet, gerade wenn es um Geld geht.
Der hatte wohl auch mit seinen Arbeitgebern immer Streit um Geld. Also bei dem möchte man wirklich nicht im Taxi sitzen und das Portemonnaie vergessen haben. Nee, die Vorstellung ist relativ bizarr, ja. Ich muss auch ehrlich sagen, dieser Fall, der lässt mich, also ich kann Herrn Schremmer total verstehen, der Fall lässt mich auch nicht mehr los und ich hoffe wirklich, dass der doch noch aufgeklärt werden kann. Also, dass die Bonner Polizei vielleicht zumindest versucht, da nochmal was zu machen und nochmal tätig wird.
Das würde ich Daniel und seinen Eltern von Herzen wünschen und ja, deshalb war es uns auch so wichtig, nochmal eine Episode zu diesem Fall zu machen. Und an dieser Stelle haben wir eine große Bitte an euch. Wenn ihr irgendwelche Hinweise zu diesem Fall habt, irgendwelche Erinnerungen, dann meldet euch gerne bei uns.
Ja, und wir geben das dann natürlich gerne an die Polizei weiter. Daniel Schreiners Eltern haben für Hinweise, die zur Aufklärung des Schicksals ihres Sohnes führen, eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt. Ihr Sohn lebt seit 2012 im Pflegeheim in Bad Godesberg. Ein halbes Jahr, nachdem sich sein Leben für immer änderte, bekam Daniel Schreiner Post.
Die Zulassung für das Medizinstudium, auf die er fast fünf Jahre lang gewartet hatte. So, jetzt habt ihr alles gehört, was wir bisher wissen und ihr habt gehört, wo dieser Fall steht oder besser gesagt, wo er feststeckt. Ich habe, wie gesagt, nochmal mit Barbara Schreiner und mit Hartmut Schremmer gesprochen und eins ist klar geworden, beide kämpfen weiter.
Fangen wir mit der Frage an, die sich wohl alle stellen, die diesen Fall kennen. Wie geht es Daniel heute? Seine Mutter Barbara antwortet darauf so. Der Zustand von Daniel hat sich nicht verändert. Er ist nach wie vor halbseitig gelähmt, linkseitig gelähmt und er leidet unter massiven Anfällen. Er wird mit Psychopharmaka behandelt, was aber diese Anfälle letztendlich nicht verhindern kann.
Er lebt im Pflegeheim jetzt seit 14 Jahren und das zum Glück in Bad Godesberg liegt, das also für uns gut erreichbar ist und er ist auch dort relativ gut versorgt. Aber Fortschritte sind keine zu verzeichnen und wenn ich das mal mit 2011 vergleichen darf, in dem Jahr, wo es passiert ist, wo er in der Godeshöhe war und intensivst therapiert wurde, dann ist von diesem Zustand nichts mehr übrig.
Mehr als 15 Jahre sind vergangen seit Daniels Leben und damit auch das seiner Eltern sich innerhalb von nur 28 Minuten komplett verändert hat. Unwiderruflich. Daniels Vater ist immer noch jeden Tag bei ihm. Barbara Schreiner kommt zwei- bis dreimal die Woche mindestens zu Daniel. Ja, und wie die Besuche verlaufen, das hat sie mir auch erzählt.
Es ist natürlich immer so ein bisschen tagesformabhängig, wie ist er gerade drauf und ist er müde oder erschöpft oder er hat natürlich Zeitfenster. Die Zeitfenster, in denen er wach ist, sind natürlich unterschiedlich. Gute Tage, schlechte Tage. Und er bekommt jeden Tag den Generalanzeiger vorgelesen, besonders den Sportteil.
Er ist politisch nach wie vor sehr interessiert. Er hat ja das große Glück, dass so ein Teil Altgedächtnis noch da ist. Altgedächtnis. Das neue Aufnehmen, das findet ja so gut wie nicht mehr statt oder man muss das sehr, sehr oft wiederholen. Aber so dieses Altgedächtnis, Schule, Englisch, Französisch.
Er hat einen Pfleger, der spricht Französisch. Der ist immer ganz begeistert, wenn er sich mit ihm unterhalten kann. Aber der General ist ein wichtiger Bestandteil. Das Kreuzvertretsel kommt dann immer so zum Schluss. Und. Ich bin überzeugt davon, dass mein Mann einen extrem hohen Anteil daran hat, dass Daniel so wie er jetzt noch zugänglich ist. Dass überhaupt dieser Zustand jetzt noch da ist.
Das finde ich wirklich jedes Mal aufs Neue bemerkenswert und irgendwie faszinierend, wie das menschliche Gehirn funktioniert, also Sprachen, Politik, Fußball, das ist alles noch da bei Daniel. Was aber nicht mehr geht, das ist das Neue, was jetzt passiert, das ist Minuten später wieder weg. Früher sind die Schreiners manchmal mit Daniel in die Stadt gefahren, nach Bad Godesberg, haben dann Eis gegessen oder sind essen gegangen.
Und sie sagt also seiner Mutter, das ist heute eigentlich nicht mehr möglich, weil Daniel eben weiterhin diese Anfälle bekommt und das teilweise mehrmals am Tag. Wir sind früher öfter mal in die Stadt mit ihm nach Godesberg. Aber nachdem diese Anfälle dann so heftig sind und man auch merkt, wie er leidet und diese Reaktion dann der Umgebung, was ist denn mit dem los und was hatten der und warum brüllten der so.
Na, da haben wir das ein bisschen zurückgefahren. Man geht mal zum Friseur oder mal eine Pizza essen oder mal ein Eis essen, aber das ist nicht mehr so wie früher, weil diese Anfälle doch extrem zugenommen haben und sie sind eben nicht in den Griff zu bekommen. Ich habe dann auch Hartmut Schremmer gefragt, was ihn an diesem Fall bis heute beschäftigt. Er ist ja jetzt seit Jahren in Pension, könnte im Grunde jetzt, ein ruhiges Leben führen.
Und er war ja auch gar kein Mordermittler im weitesten Sinne. Er hat ja nicht in Tötungsdelikten ermittelt. Er war Verkehrspolizist, das betont er ja selbst immer wieder. Trotzdem lässt ihn der Fall nicht los und trotzdem lässt er nicht los. Wir hören mal rein. Ja, was mich zu tief bestürzt in dem Fall ist, dass wir überhaupt keinen Tatergang haben. Dass wir gar nicht wissen, wie Frau Schreiner schon sagt, was ist abgelaufen.
Im Rahmen der Ermittlungen haben wir viele kleine Puzzlesteinchen zusammenfügen können. Und das gibt auch ein stimmiges Bild. Aber letztendlich die eine Minute, die zwei Minuten, die höchstens fünf Minuten oder noch nicht mal am Ort zwischen, dem Täter und dem Daniel, das können wir einfach nicht zusammenführen.
Ja, diese Lücke, diese paar Minuten, die wirklich niemand bis heute rekonstruieren kann, Die beschäftigt natürlich auch Barbara Schreiner und ich habe sie mal gefragt, das kommt ja oft zu kurz, wie geht es ihr denn selbst mit der ganzen Sache? Bescheiden. Also ich, ja, irgendwie müssen wir ja da durch.
Und was für uns natürlich auch bedrückend ist, ist, dass man im Grunde genommen, oder wir, mein Mann und ich, dass man kein Umfeld mehr hat. Man hat keinen Freundeskreis mehr, die Verwandtschaft ist weit weg. Also die Verwandtschaft meines Mannes, meine Eltern leben nicht mehr, mein Bruder auch nicht.
Und die sind alle in Bayern unten und insofern zieht sich auch der Freundeskreis zurück, weil das ist ein Thema, wo man ja genau weiß, bei denen ändert sich ja nichts, die Situation ändert sich nicht. Und. Man ist da sehr allein und ich suche mir dann halt mal, dass ich gehe gerne ins Kino, ich lese, ich schaue Dokumentationen. Also das ist einfach um mal, zum Beispiel Kino, dann ist man mal zwei Stunden raus, man ist wirklich mal woanders.
Diese Gedankenmühle, die hört dann eben auch mal auf. Aber er fehlt mir natürlich unendlich. Das ist eine Dimension dieses Falls, die ich für wirklich sehr wichtig halte und die vielleicht in der Diskussion darüber oft droht unterzugehen in der Wahrnehmung. Daniel lebt, er ist nicht gestorben damals, aber das bedeutet eben nicht, dass das Leben seiner Familie weitergeht wie vorher, ganz im Gegenteil.
Es bedeutet, dass sie jeden Tag mit den Folgen dieser einen Nacht konfrontiert sind, dass sie nie abschließen können. Sie haben keinen Abschluss, Sie haben keine Antworten. Und Daniels Mutter selbst hat das so beschrieben. Wenn ich seine Freunde von früher angucke, er hat jetzt vor 20 Jahren Abitur gemacht, 2006, und mir die so angucke mit Kind und Haus und Freundinnen und allem.
Und was habe ich? Ich habe um dieses Kind damals gekämpft. Ich wäre bei der Geburt fast gestorben. Und dann tut man alles für sein Kind. Und dann geht er das erste Mal in seinem Leben in eine Diskothek, die dann auch kurioserweise noch Klapsmühler heißt. Und ... Keiner weiß, warum er da weg ist, warum er von sich aus da auf einmal weg wollte.
Oder diese Klärung, wie gesagt, was ist denn passiert? Warum hat er das gemacht? Und kann man wegen Geld, wegen 20 oder 30 Euro, er hätte sich nach Hause fahren lassen, er weiß ganz genau, dass er mich jeden Tag und Nacht rausklingen kann. Ich hätte das Taxi bezahlt, das wäre alles kein Thema gewesen.
Und es ist, dass dafür ein Leben wirklich zerstört wird. Und es ist ein zerstörtes Leben. Natürlich lebt er noch. Aber es ist ein Mensch, der niemals mehr in der Lage sein wird, selbstständig zu leben. Der kann sich ja, ich habe am Anfang gesagt, der kann sich ja noch nicht mal Brötchen kaufen. Er ist gelähmt, er ist auf den Rollstuhl angewiesen, er ist auf Hilfe angewiesen.
Also diese Aussichtslosigkeit. Und wissen Sie, wenn Sie die ganzen Jahre hinter sich haben, es gab immer noch Hoffnung, dass man den Täter findet, dass man, er hat einen Hirnschrittmacher bekommen, dass der Hirnschrittmacher hilft und, diese Therapie und jene Therapie. Und dann kommen sie in so ein Zeitfenster, wo sie wissen, es ist nicht mehr der Satz, die Hoffnung stirbt zuletzt, die Hoffnung ist gestorben.
Es gibt keine Hoffnung mehr. Es gibt keine Hoffnung mehr, also dass sich der Zustand von Daniel verbessert. Und die einzige Hoffnung ist, dass. Man es aufklären könnte, dass man den Täter wirklich haftbar machen könnte für das, was er getan hat. Das ist vielleicht noch so das letzte bisschen, was noch bleibt.
Hartmut Schremmer ist als ehemaliger Polizist ein sehr reflektierter Mensch, würde ich sagen. Und er fragt sich wirklich immer wieder selbst... Haben wir damals Fehler gemacht oder wurden damals Fehler gemacht? Sind vielleicht die Ermittlungen von Anfang an in eine falsche Richtung gelaufen? Natürlich beschäftige ich mich auch.
Haben wir damals bei der ersten Unfallaufnahme etwas vergessen? Was haben wir falsch gemacht? An was haben wir gar nicht gedacht? Oder waren wir so betriebsblind, dass wir uns, auf einen Verkehrsunfall gestürzt haben und den auch professionell bearbeitet haben, aber darüber hinaus andere Eventualitäten vergessen haben oder überhaupt nicht bedacht haben.
Im Nachhinein muss ich aber sagen, Spuren wurden alle gesichert, der Daniel wurde untersucht, der Daniel wurde versorgt. Es war auch alles stimmig, da hätten wir nichts anders machen können. Ich muss sagen, das glaube ich ihm. Der Fehler, der da gemacht wurde, der lag ja auch gar nicht bei den Beamten vor Ort.
Der Fehler lag in den falschen Ausgangsinformationen, vor allem eben diesem völlig falsch berechneten Promillewert von fünf Promille, der komplett fern jeglicher Wahrheit war. Und dann gibt es da noch was, das mich auch wirklich beschäftigt, diese Zeugin. Die Frau, das haben wir ja in der Originalfolge schon beschrieben, die Frau hat sich ja erst nach der zweiten Aktenzeichen XY-Sendung gemeldet.
Ich habe ja vor drei Jahren auch mit ihr gesprochen und Hartmut Schremmer hat darauf auch noch mal zurückgeblickt. Da kommt mir immer noch diese Zeugin, diese spätere Hauptzeugin oder einzige Zeugin in den Kopf, die sagte, ich habe, es gab ja zwei Sendungen von Aktenzeichen XY und die erste, die war im August 2011.
2011 im Januar war die Tat, also ein gutes halbes Jahr danach. Und die Zeugin sitzt zu Hause und war sich völlig sicher, der war das. Der war das, der mir das erzählt hat auch. Und sie war sich auch klar und sicher, die kriegen den. Ihr fataler Glaube war, ich brauche mich nicht melden, weil die Taxen haben GPS, die kriegen den.
Und deshalb hatte sie sich beim ersten Mal Aktenzeichen XY nicht gemeldet, erst beim zweiten Mal. Und da mussten wir ermitteln. Und dann ging das Ganze ja auch erst in eine ganz andere. Ich muss sagen, ich finde das schwer zu fassen. Die Frau, die hat eine Information, die diesen Fall möglicherweise hätte aufklären können und das zu einem sehr frühen Zeitpunkt.
Das war ja im Jahr, in dem das Ganze passiert ist, in dem die Sendung ausgestrahlt wurde und in dem sie die Sendung auch gesehen hat. Und die war sich einfach sicher, den kriegen die sowieso. Jetzt stellt sich die Frage, ist dieser Frau ein Vorwurf zu machen oder wurde damals ganz am Anfang fahrlässig ermittelt?
Und ich glaube, beides kann man im Grunde nachdenken. Nicht mit Ja beantworten. Das ist, wie so vieles bei diesem Fall, eine Verkettung unglücklicher Umstände. Und trotzdem zeigt das, wie fragil solche Ermittlungen sind, wie viel davon abhängt, dass Menschen eben auch reden. Ich glaube, das darf man selbst nie unterschätzen, wie wichtig die eigene Beobachtung manchmal sein kann. Ja, Zeuginnen und Zeugen sind unzuverlässig, das ist bekannt.
Trotzdem glaube ich, wir dürfen uns da manchmal selbst auch nicht unterschätzen und dürfen uns überwinden, so eine Beobachtung dann auch der Polizei mitzuteilen. Auch wenn wir sie vielleicht doch für irrelevant halten. Oder wenn wir denken, naja, wenn ich das so klar sehe, dann muss denen das auch klar sein.
Denn so ging es ja damals dieser Frau. Und ich kann euch da wirklich nur ermuntern, wenn ihr irgendetwas beobachtet, was mit einem möglichen Verbrechen zu tun haben könnte oder mit einem anderen Delikt, dann scheut euch nicht, die Polizei zu informieren. Ja, die sind überlastet und ja, natürlich kann es sein, dass die dann auch mal genervt sind von ständigen Hinweisen und Anfragen.
Aber in diesem Fall hätte das eben vielleicht dazu beitragen können, diesen Fall doch zu lösen. Als sich unsere Zeugin hier in diesem Fall dann doch noch meldet, liegt der ganze Vorfall schon viele Jahre zurück und es ist noch dazu Corona. Hartmut Schremmer hat auch darauf nochmal zurückgeblickt. Ich war als Sachbearbeiter gar nicht mehr zuständig. Es gab offiziell auch überhaupt keinen Fall. Der Fall war abgeschlossen, die Verkehrsunfallflucht.
Man musste komplett neu anfangen. Eine neue Dienststelle. Und erschwerend war natürlich auch die Zeit, es war Corona. Das heißt, jeder fuhr mit halber Besatzung. Man erreichte die Leute sehr schwer. Und jetzt übergeben sie mal als Sachbearbeiter einen neun Jahre alten Fall an eine neue, an eine andere Behörde, an eine neue Dienststelle, die sich in gut tausend Seiten reinarbeiten soll oder muss.
Im laufenden Betrieb. Die hatten zu dem Zeitpunkt, Und das ging nämlich dann an die Todesermittlungen bei der Polizei Bonn und die hatten gerade Mordfälle zu bearbeiten. Und dann kommt jetzt jemand und sagt, ich habe da was, vor neun Jahren war da mal was und ich habe da eine Zeugin. Sie haben das dankend entgegengenommen, aber ich sage mal, die...
Die Arbeitstiefe, die konnten die auch gar nicht haben. Ja, und dann kommt noch etwas, das Hartmut Schremmer wirklich mitnimmt. Das sieht man ihm in dem Moment auch förmlich an. Ich habe es ihm angesehen und man merkt es ihm auch an. Ich war einsetzt, als die Staatsanwaltschaft, sagte, wir haben keine Akten mehr. Es gab keine Akte mehr.
Es gab auch keine sichergestellten Sachen mehr. Die werden ja asserviert, die werden aufbewahrt, um später noch was ermitteln zu können. Das gab es alles nicht mehr und das war mit Sicherheit auch innerlich. Ja, diese bürokratischen Wörter, die sagen erstmal auf den ersten Blick nicht viel aus. Verjährung, Aktenlöschung, Zuständigkeitswechsel.
Aber auf der anderen Seite dieser Wörter, da sitzt eine Mutter, die fährt ins Pflegeheim und die sieht ihren Sohn, der nicht mehr der Sohn ist, den sie kannte. Es gibt ein Foto von Daniel Schreiner aus jener Nacht im Januar 2011 aus der Klapsmühle. Sein bester Freund hat das Foto damals gemacht. Und das ist das letzte Foto aus seinem alten Leben.
Und das ist das Foto, das ich also wirklich liebe. Nicht nur, weil es das letzte aus seinem alten Leben ist, aber da lächelt er und da strahlt er. Und er kann ja zum Beispiel auch heute nicht mehr lachen. Das ist ja durch die Hirnschädigung. Er kann ja nicht mehr lachen. Er kann leicht lächeln, aber lachen kann er nicht mehr.
Und ich liebe dieses Foto. Ich bin seinem Freund unendlich dankbar, dass er das Foto gemacht hat. Hartmut Schremmer hat den damaligen Tatverdächtigen, sogar Beschuldigten zeitweise, also diesen Taxifahrer, selbst im Vernehmungsraum erlebt. Und er beschreibt nochmal, wie auch die Durchsuchung bei diesem Mann abgelaufen ist.
Was mich bei diesem Mann total und auch bei seiner Frau verwunderte, wir hatten eine Durchsuchung bei ihm gemacht. Wir sind mit Staatsanwaltschaft und Polizei da morgens um sechs aufgeschlagen. Und er fragte überhaupt nicht danach. Er fragte nicht nach Grund, er war auch nicht empört. Er ließ alles über sich ergehen.
Das ist tatsächlich ungewöhnlich. Also wenn bei mir morgens um sechs Polizei- und Staatsanwaltschaft vor der Tür stehen würden, da würde ich anders reagieren. Und ich glaube, das geht den meisten Menschen so. Da ist man empört, entsetzt, verwirrt, hat auch Angst. Und zumindest stellt man ein paar Fragen, würde ich meinen. Dieser Mann nicht.
Und in der Vernehmung danach war es offenbar ähnlich. Aus meiner Sicht, fatalerweise war diese ganze Durchsuchung in 15, 20 Minuten vorbei. Und er gab ein, zwei Unterlagen von seiner Arbeitsstelle. Und das reichte dem Kollegen auch. Und dann sind wir wieder gefahren. Und haben ihn mitgenommen, gleich zur Vernehmung als Beschuldigter, zum Polizeipräsidium nach Bonn.
Dort wurde er vernommen von dem Kollegen. Es war sehr auch negativ, es war in einer gewissen Eile. Normal wird eine Vernehmung videografiert. Das war auch nicht der Fall, weil das Geräteffekt war. Es war alles so negativ passend. Und dann saßen wir mehr oder weniger passiv mit dabei, wir Kollegen von der Unfallbearbeitung und eine weitere Staatsanwältin und haben ihn beobachtet.
Der Kollege konnte letztendlich nur aktuelle Fragen stellen. Sachen früher von dem Tathergang, von dem Abend, das hatte er, die Fragen konnte er ja nur von mir oder aus der Akte haben. Und dementsprechend war das auch relativ schnell abgearbeitet. Er saß extrem ruhig da. Ich durfte mich auch einige Male mit einigen Fragen mit einklinken.
Und mir ist aufgefallen, er hat drei-, viermal die Unwahrheit gesagt. Ansonsten war er alles ruhig und sachlich. Ich konnte alles erklären, aber ein, zwei, drei Sachen eben nicht. Hartmut Schremmer nennt hier auch ein konkretes Beispiel. Und das ist eins, das ich besonders bemerkenswert finde. Es ging darum, das Fahrzeug, das verdächtige Fahrzeug, ein Taxi, gelbes, beiges Taxi.
Und er sagt, wir haben nur schwarze Mietwagen. Und das war de facto gelogen, weil zu diesem Zeitpunkt, haben wir überprüft, waren von der Firma zwei oder drei Taxigelbe Großraumlimousinen zugelassen. Diese Großraumlimousinen, die zehn Zeugen gesagt haben, wir haben da so eine Großraumlimousine gesehen.
Und er sagte, nein, wir haben nur schwarze Mercedes. Also das ist eindeutig kein Versehen. Das ist eine ganz konkrete und auch überprüfbare Lüge. Und es ist auch interessant, dass dieser Mann, dieser damals Tatverdächtige und Beschuldigte, angab überhaupt nichts von diesem Vorfall, um Daniel Schreiner mitbekommen zu haben.
Also dass das damals passiert ist, welche Diskussionen es danach gab, da sagte er, nee, hätte er gar nicht mitbekommen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das halte ich für völlig ausgeschlossen, denn dieser Fall, der ist schon 2011 durch alle Medien gegangen. Der ist auch Jahre später, wie gesagt, zweimal bei Aktenzeichen XY gewesen.
Es gab weitere Beiträge darüber, es gab Berichterstattung in den Zeitungen. Es kann nicht sein, dass ein Taxifahrer davon nichts mitbekommen haben will. Zumal ja auch das Thema Taxis sehr schnell eine Rolle gespielt hat in diesem Fall. Und da kann man sich schwer vorstellen, dass innerhalb der Branche da nicht drüber gesprochen worden ist.
Und Hartmut Schremmer hat noch etwas beschrieben, das er nach eigener Aussage so noch nie gesehen hat. Was mich am meisten, das sehe ich heute noch, so beeindruckt hat, dieser Mann hatte im Bereich zwischen dem Jochmann und dem Kiefer unten, den Bereich des... Der Wangen. Da fing er total unkontrolliert an zu zittern.
Das war eine Reaktion, das habe ich noch nie so gesehen. Also wenn so die Nerven gezittert haben, hat man ja schon mal. Und bei ihm war das im Gesichtsbereich jetzt. Und immer dann, wenn wir ihm die Lüge überführt haben. Und das sagte auch die junge Staatsanwältin, die auch ihn nur beobachtet hat. Ja, die Polizei hat danach diesen Mann, den sie vernommen hatten, wieder zurück nach Hause gebracht mit dem Auto und Hartmut Schremmer hat ihn dann auf dem Rückweg nochmal angesprochen, hat ihm was gesagt.
Und das finde ich bemerkenswert, weil es zeigt, wie Schremmer diesen Fall einordnet. Er glaubt nicht, dass es sich hier um einen kaltblütigen Täter handelt. Das ist kein Krimineller und das ist kein Schläger. Der hat vielleicht eine kurze Zündschnur, wie die Zeugin auch sagte. Dass er in den zwei, ein, zwei Minuten während der Fahrt, im Rahmen der Eskalation, dass er da ausgeklickt ist. Dass da was schiefgelaufen ist.
Da ist der Daniel, der vielleicht müde ist. Er war ja auch alkoholisiert. Da sagt man vielleicht auch mal Sachen, die man sonst nicht sagt. Vielleicht ist es da irgendwie eskaliert und vor allen Dingen haben mehrere Zeugen unabhängig voneinander gesagt, wenn es ums Geld ging, da hat der ausgeklickt. Und da habe ich dann auch später noch Zeugen und Fakten erfahren, das sind Indizien, das spricht alles dafür.
Und dann hat er eine Leerfahrt von 50 Kilometern und kriegt dann nicht mal Geld dafür, da kann schon mal der Schalter umklicken. Ich finde ja, das macht es in gewisser Weise eigentlich fast noch schwerer zu greifen und zu begreifen. Diese mutmaßliche Tat, das war ja offenbar kein geplantes Verbrechen, das war kein Raubüberfall.
Und anscheinend, wenn es sich so abgespielt hat, wie vermutet wird, dann war es eine Eskalation, die aber in wenigen Minuten ein ganzes Leben zerstört hat und die bis heute niemand zugegeben hat. Ich habe beide, Barbara Schreiner und Hartmut Schremmer, gefragt, was sie dem mutmaßlichen Täter sagen würden.
Ich würde ihn bitten, zuzugeben, dass er den Daniel überfallen hat, dass er ihn in diesen Zustand gebracht hat, und dass er ja nicht nur sein Gewissen erleichtern würde, sondern dass er uns von einer, mein Mann und mich von einer quälenden Ungewissheit befreien würde, die uns jetzt wirklich schon seit 15 Jahren.
Begleitet. Und dass wir sehr, sehr froh wären, wenn er sich bereit erklären könnte, das einfach, auch um für sich abzuschließen, um da reinen Tisch zu machen. Und für uns wäre es eine ganz, ganz große Erleichterung, weil dieses große Fragezeichen, was ist wirklich, warum passiert, dann wegkäme. Also ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass er nicht gut schläft, dass ihm das schon beschäftigt, das muss er immer mit sich rumtragen.
Tragen und diesen Ballast kann er abwerfen. Das kann halt nur er machen. Und, Er würde der Frau Schreiner, dem Herrn Schreiner, sehr, sehr helfen, sich selber wahrscheinlich auch oder seiner Partnerin auch. Dass er mit sich Frieden schließen kann. Das wäre so mein Appell. Das ist kein Vorwurf, das ist keine Drohung. Das ist eine Bitte von einer Mutter und einem pensionierten Polizisten, die beide seit 15 Jahren auf eine Antwort warten.
Ich würde mich da selbst noch gerne anschließen und denjenigen, der Daniels Zustand zu verantworten hat, bitten, mal in sich zu gehen, vielleicht mal in den Spiegel zu gucken und sich zu fragen, ob er nicht reinen Tisch machen möchte. Ob er nicht wenigstens den Eltern dieses jungen Mannes die Möglichkeit geben möchte, endlich abzuschließen.
Der Fall Daniel Schreiner ist verjährt. Die Akten existieren nicht mehr, das Verfahren ist eingestellt Und trotzdem kämpfen seine Mutter und Hartmut Schremmer, der pensionierte Polizist, immer weiter, weil sie gar nicht anders können. Die Belohnung, die die Familie Schreiner für Hinweise ausgesetzt hat, die zur Ergreifung des Täters führen können, die beträgt 10.000 Euro.
Und Barbara Schreiner hat mir gesagt, dass sie sogar bereit wäre, diese Belohnung zu verdoppeln. Für Hinweise, die wirklich zur Überführung des Täters führen würden, wären wir auch bereit, die zu verdoppeln, sprich 20.000 Euro. Das ist es uns wert und das würde uns so helfen. Es bringt uns unseren Sohn nicht zurück, wie er vorher war.
Aber diese Tat, dieses Verbrechen, es ist keine Tat, es ist ein Verbrechen. Und das nicht zu wissen, was da wirklich, warum, wie passiert ist, wie auch Herr Schremer ja eben ausführlich geschildert hat, diese Zeitspanne, die da fehlt, das ist uns das wert. Auch an euch an dieser Stelle nochmal die ganz, ganz dringende Bitte, wenn ihr glaubt, dass ihr irgendetwas beobachtet habt, wenn ihr glaubt, irgendwas zu wissen, so klein euch diese Beobachtung auch scheinen mag, dann zögert bitte nicht und meldet euch bei der Polizei Bonn.
Ich poste die Kontaktdaten auch nochmal in die Folgenbeschreibung. Ihr könnt euch natürlich auch direkt bei uns melden. Das geht per Mail an podcast.ga.de, per Kommentar bei Spotify oder bei YouTube. Oder ihr schreibt uns eine Nachricht oder einen Kommentar auf unserem Instagram-Kanal. Da heißen wir at Akte Rheinland.
Und teilt bitte gerne diese Episode mit allen, von denen ihr glaubt, dass da vielleicht noch jemand etwas wissen könnte. Das kann per Zufall irgendwann so weit kommen, dass es doch diese eine Person sieht, die den Fall noch nicht kennt und die auf einmal denkt, okay, da weiß ich doch was, da kann ich doch vielleicht helfen und dann tut das bitte.
Denn vielleicht kann das dann doch noch dazu führen, dass dieser Fall aufgeklärt wird. Ja, Daniels Schicksal ist leider nicht mehr änderbar, sein Zustand wird sich nicht mehr verbessern, aber zumindest könnte dieser Fall juristisch dann noch aufgeklärt werden, damit Barbara Schreiner und Hartmut Schremmer endlich abschließen können.
Aber auch, damit sowas möglichst nicht nochmal passiert. Denn wenn wir einmal annehmen, dass der damals Tatverdächtige, damals Beschuldigte, tatsächlich der Täter wäre, dieser Mann, gegen den nie Anklage erhoben wurde, der fährt heute weiterhin Taxi. Das war unser zweites Update in der Sommerpause von Akte Rheinland.
Das nächste und letzte Update gibt es dann am 31. August. Und reguläre Folgen hört ihr hier wieder ab dem 14. September. Macht's gut. Dankeschön fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Akte Rheinland. Der GA-Podcast zu Kriminalfällen aus Bonn und der Region. Akte Rheinland ist eine Produktion der Generalanzeiger Bonn GmbH.
Redaktion und Moderation Anna-Maria Bekes Produktionsleitung Andreas Deick.