
BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 42
30 Jahre Todestrakt, dann Hinrichtung und sie überlebt: Der Fall Christa Pike
Dienstag, 6. Oktober 2026 · 54 min
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Shownotes
#42: 🎙️Mittwoch, 30. September 2026, Nashville, Tennessee: Christa Pike liegt auf der Liege. Am Morgen wird ihre Hinrichtung gestoppt, am Abend wieder freigegeben – und dann geschieht etwas, das es in der Geschichte der Todesstrafe in den USA so noch nicht gegeben hat. 2 Dosen Gift. Sie überlebt.
Doch zuerst geht es um die Frau, wegen der sie überhaupt dort lag:
Colleen Slemmer, 19 Jahre alt, aus Florida. Sie liebte Computer, half Jugendlichen mit Behinderung und wollte im Januar 1995 nur eine Ausbildung machen. Sie kam nie zurück.
In dieser Folge rekonstruieren wir die Tat, die Beweise und einen Prozess, in dem die Jury in weniger als anderthalb Stunden über Leben und Tod entschied. Wir sprechen über 30 Jahre Warten im Todestrakt, über einen Tag, an dem ein Mensch gleich mehrfach zum Tode verurteilt wurde – und über die Frage, die jetzt alle stellen: Darf der Staat es ein zweites Mal versuchen?
📍 Zwei Rechtsanwälte prüfen, was andere True-Crime-Formate nur erzählen.
Mit Rechtsanwältin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt und Strafverteidiger Sayıl Bayraktar.
💬 Eure Meinung: Ist es gut, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gibt? Und dürfte ein Staat nach einer Nacht wie dieser ein zweites Mal vollstrecken? Schreibt es uns in die Kommentare.
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⚠️ Angaben nach der öffentlichen Berichterstattung. Todesurteil rechtskräftig (1998 bestätigt), Vollstreckung derzeit ausgesetzt. Stand der Recherche: 04.10.2026. Angaben zum Gesundheitszustand beruhen auf Mitteilungen der Verteidigung. Diese Folge ersetzt keine Rechtsberatung.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Stellt euch vor, ihr wisst seit 30 Jahren, an welchem Ort ihr Sterben werdet. Ihr kennt den Raum nicht, aber ihr wisst, dass es ihn gibt, ihr wisst, wie es passieren wird, eine Liege, Gurte, eine Nadel im Arm, ihr wisst nur nicht wann und dann eines Tages bekommt ihr ein Datum Mittwoch, 30 September 2026. Ihr habt ein knappes Jahr, um euch darauf vorzubereiten und dann ist dieser Mittwoch da.
Nashville, Tennessee, ein Hochsicherheitsgefängnis, die Rura Band Maximum Security Institution, die Hinrichtung ist für 10:00 Uhr morgens angesetzt, um 10:00 Uhr passiert nichts, kurz vorher hat ein Bundesberufungsgericht die Vollstreckung gestoppt. Die Frau, um die es geht, bekommt also am Morgen ihres Todestages die Nachricht heute nicht, vielleicht nie. Und dann vergehen Stunden gegen 18:00 Uhr kommt die nächste Nachricht, diesmal aus Washington. Der Oberste Gerichtshof der USA hebt den Stopp auf, mit 6 zu 3 Stimmen, es geht doch weiter, heute noch. Bevor um Mitternacht die Vollstreckungsfrist abläuft und dann beginnt das, was ihre Anwälte später in einem Eilantrag schildern.
Mehr als eine Stunde lang versucht das Team, eine Vene zu finden, mindestens 7 Nadeln allein im linken Arm, eine kommt beim Herausziehen um 90 Grad verbogen heraus und die Frau auf der Liege versucht mitzuhelfen. Sie zeigt Ihnen stellen an ihrem Oberarm, wo es vielleicht klappen könnte. Sie hilft mit, ihre eigene Hinrichtung möglich zu machen, um 19:27 Uhr Uhr Ortszeit öffnet sich ein Vorhang, in den Zeugenräumen sitzen Journalisten, Anwälte und die Familie einer jungen Frau, die vor mehr als 30 Jahren getötet wurde, die Frau auf der liege sagt noch ein paar Sätze sinngemäß. Sie werde diese Welt so verlassen, wie sie den größten Teil ihres Lebens verbracht habe, in Liebe. Dann fließt das Mittel und dann
geschieht etwas, das es in der Geschichte der Todesstrafe in den USA so noch nie gegeben hat. Sie überlebt Herzlich willkommen bei Bidacter and bidacter true Cram and Law. Ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger Sale Bidacter. Und ich bin Rechtsanwältin Nojan Bidacter. Heute geht es um einen Fall, über den gerade die ganze Welt spricht. Stand unserer Recherche ist der Sonntag 4. Oktober 2026 aber bevor wir über die Frau auf der Liege sprechen, müssen wir über die Frau sprechen, wegen der sie überhaupt dort lag.
Magst du uns erzählen, wer das war? Gerne. Sie hieß Coline slemmer, sie war 19 Jahre alt und nach dem 12. Januar 1995 hatte sie. Keinen einzigen Tag mehr. Coline kommt aus Florida, und was ihre Mutter May Martinez über sie erzählt, ist auf eine fast schmerzhafte Weise normal. Coline mag Rollschuhlaufen und Minigolf, sie liebt Computer, und zwar Mitte der 90er Jahre, als das noch etwas Besonderes ist.
Mit ihrem Stiefvater baut sie Rechner zusammen und schraubt sie wieder auseinander, immer wieder. Sie engagiert sich bei den Special Olympics und hilft Jugendlichen mit Behinderung. Und sie will aus ihrer Leidenschaft einen Beruf machen. Weil das Ausbildungszentrum in ihrer Heimatregion keine Computerausbildung anbietet, geht sie weg, hunderte Kilometer weit nach Knoxville in Tennessee zum Job corr. Das ist ein staatliches Ausbildungsprogramm für junge Menschen, oft aus eher schwierigen Verhältnissen. Ja, man wohnt dort und lernt einen Beruf, ein bisschen Internat, ein bisschen Berufsschule. Glücklich ist Colline dort allerdings nicht, sie erzählt ihrer Mutter, dass andere Jugendliche sie bedrängen, ja, und zu Hause in Florida liegen
noch Weihnachtsgeschenke für sie bereit, eingepackt. Jedoch wird niemand mehr sie auspacken. Colines Geburtstag war im September, wenige Tage vor dem Hinrichtungstermin in diesem September wäre sie 51 geworden, und ihre Mutter hat in diesen Tagen gesagt, sie wünsche sich vor allem eines, dass Coline als das liebe Mädchen in Erinnerung bleibt, das sie war, nicht als Opfer in der Geschichte einer anderen und. Und genau diese andere Geschichte muss ich jetzt erzählen.
Christa Gale Pike, geboren am 10 März, 1976 in West Virginia, aufgewachsen unter anderem Nerf Carolina was wir über ihre Kindheit wissen, stand zu großen Teilen aus späteren Gerichtsverfahren und aus Unterlagen ihrer Verteidigung, und dort ist ausführlich erörtert worden, dass sie vernachlässigt wurde. Es gab sucht in der Familie und auch sexualisierte Gewalt durch erwachsene Männer.
Nach Angaben ihrer Verteidigung sogar schon ab dem Kleinkindalter. Das Jugendamt holt sie als Teenagerin vorübergehend aus der Familie, mit 15 kommt sie in eine Jugendeinrichtung in den Blue Ridge Mountains, macht dort ihren Schulabschluss. Und der Anwalt, der sie damals in ihrem allerersten Verfahren vor dem Jugendgericht vertreten hat, ist heute ein pensionierter Richter.
In diesem Sommer hat er dem Gouverneur einen Brief geschrieben, sinngemäß schrieb er wir in North Carolina, ich eingeschlossen, haben Christa im Stich gelassen. Ja, das ist alles. Natürlich sehr furchtbar und trotzdem Tausende Kinder erleben so etwas und sie töten niemanden. Ja, das ist richtig. Aber eine schwere Kindheit entschuldigt natürlich keine Tat, aber sie erklärt, wer da vor Gericht steht, und wenn es um Leben oder Tod geht, muss man genau das wissen wollen.
Mit 18 landet Christa ebenfalls beim Jobcore Knoxville, sie will, so heißt es, Krankenpflegerin werden, und dort lernt sie. Tederyl Ship Canon er ist 17 Jahre alt, Ihren Freund und zur Gruppe gehört noch eine weitere junge Frau, nämlich Chadela Peterson. Sie ist 18 Jahre alt. Christa Ö. Ist überzeugt, dass Colin sich für Tederyl interessiert, das ist ihre Überzeugung, belegt ist das aber nicht und ebenfalls ist nicht belegt, dass Colin irgendwas in diese Richtung getan hat. Und dann kommt ein Mittwoch im Januar. 1995 Christa sagt an diesem Tag einen Satz zu ihrer Mitbewohnerin, einen einzigen Satz, und dieser Satz wird später vor Gericht zu einem der wichtigsten Beweise dafür, dass
das, was am nächsten Abend passiert, kein Ausraster war, sondern geplant. Grundlage für das, was jetzt kommt, ist die Entscheidung des Obersten Gerichts von Tennessee aus dem Jahr 1998. Dazu müssen wir aber zurückgehen auf den Mittwoch, 11 Januar 1995 eine Mitbewohnerin, Kim Iloilo, wird später auch sagen, Christa habe an diesem Tag angekündigt, sie wolle Colline töten. Am nächsten Tag, also am Donnerstag, dem 12 Januar, versucht Coline, ihre Mutter in Florida anzurufen. Ihre Mutter ruft zurück, da ist coline aber schon weg, gegen 20:00 Uhr tragen sich 4 junge Leute zusammen aus dem Zentrum, aus Christa Tedorial.
Shadowa und Coline Coline wird nach den Feststellungen des Gerichts mit dem Angebot, zusammen Drogen zu nehmen, an einen abgelegenen Ort gelockt. Hinter ein Heizkraftwerk am landwirtschaftlichen Campus der Universität. Christa hat einen Teppich Katar und ein kleines Hackmesser dabei, was dann passiert, dauert zwischen einer halben und einer ganzen Stunde, coline wird geschlagen und mit Klingen verletzt. Auf ihrer Brust wird ein Pentagramm eingeritzt. Tödlich ist am Ende stumpfe Gewalt gegen den Kopf mit einem brockenasphalt Colline ist zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, sie ist allein nachts im Januar mit 3 Menschen, die sie aus diesem Zentrum kennt.
Christa wird später sagen, sie habe eigentlich nur kämpfen wollen. Im Laufe des Angriffs habe sie Angst bekommen, Colline werde sie anzeigen. Und sie schildert sogar eine Unterbrechung, in der sie sich umgesehen habe, ob jemand kommt. Gegen 22:15 Uhr kommen 3 von ihnen zurück ins Zentrum, nach Kim Eloilos Aussage erzählt Chris da, was passiert ist. Und sie zeigt etwas ein Stück Knochen. Am Morgen danach findet ein Mitarbeiter der Universität Collines Leiche.
Identifiziert wird sie über ihre Zahnunterlagen und am Samstag, den 14 Januar, sitzt Christa bei der Polizei. Sie wird belehrt, vernommen, die Vernehmung wird aufgezeichnet, sie räumt die Tat ein und führt die Ermittler zu den Orten in einer Jacke, die ihr zugeordnet wird, liegt dieses Knochenstück.
Die Rechtsmedizin stellt fest, es passt in die Lücke in Collins Schädel. Dazu kommen 2 Zeuginnen, Blut an christas Kleidung mit Collins DNA Profil die Obduktion an der Schuld gibt es in diesem Fall nicht zu rütteln. Christa wird für den schwersten Mordtatbestand in Tennessee angeklagt. Das ist nämlich First Day Remurder und hierfür muss die Tötung vorsätzlich und vorausgeplant sein. Und die Ankündigung, am Vortag, die mitgebrachten Klingen und die Unterbrechung des Angriffs Werte das Gericht als Beleg für die Vorausplanung christas Einlassung, sie habe zunächst nur kämpfen wollen, ließ es nicht ausreichen, es gab nämlich mehrere Zeuginnen, die DNA und das Knochenstück um die Schuld ist in den 30 Jahren, wie du es
gesagt hast, danach nie ernsthaft gestritten worden. Gestritten wurde um etwas ganz anderes, nämlich um die Frage, ob dieser Mensch dafür sterben muss. Ja, und an dieser Stelle möchte ich euch etwas fragen. Bevor wir weitererzählen, ist es gut, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gibt oder gibt es Fälle, in denen ihr sagt, Ja, hier wäre sie gerecht? Schreibt uns gerne in die Kommentare ehrlich und ohne Filter.
Denn ihr werdet in den nächsten Minuten Dinge hören, die eure Antwort vielleicht verändern. Zur Einordnung kurz, in Deutschland gibt es die Todesstrafe seit 1949 nicht mehr Artikel 102 Grundgesetz ein einziger Satz die Todesstrafe ist abgeschafft. In der DDR wurde sie erst 1987 abgeschafft und dort ist 1981 zum letzten Mal ein Menschen gerichtet worden. Und Hessen hatte die Todesstrafe sogar bis 2018 noch in seiner Landesverfassung stehen, völlig ohne Wirkung, weil das Grundgesetz vorgeht, aber sie stand trotzdem da. Erst eine Volksabstimmung hat sie gestrichen. Und das Spannende ist die Deutschen waren damals gar nicht dafür, sie abzuschaffen.
Im Herbst 1948 kurz bevor das Grundgesetz beschlossen wurde, hielten nach einer Umfrage 74% die Todesstrafe für richtig. Die Abschaffung war eine Entscheidung gegen diese Mehrheit, und mit den Jahren hat sich die Stimmung dann gedreht, Anfang der 70er Jahre waren es nur noch rund 30%, dann kam der Terror der RAF. Und 1977 waren plötzlich wieder fast die Hälfte dafür. 2016 waren es in einer Umfrage nur noch 17% und 66% waren dagegen. Aber jetzt kommt der Punkt, der mich ehrlich gesagt nicht loslässt.
Fachleute berichten immer wieder, wenn man abstrakt fragt, sind die meisten in Deutschland dagegen. Aber wenn man ganz konkret fragt, zum Beispiel. Nach jemandem, der ein Kind vergewaltigt oder getötet hat. Dann sagen auf einmal mehr als die Hälfte ja für so jemanden schon. Ja, und das zeigt finde ich, ziemlich genau, worum es bei der Todesstrafe wirklich geht, nicht um Abschreckung. Dafür gibt es keinen belastbaren Beleg, es geht um ein Gefühl, um die Frage, gibt es Taten, für die ein Mensch sein Leben verwirkt hat.
Also. Wie seht ihr das gut oder schlecht, dass es sie bei uns nicht gibt? Schreibt es uns und am Ende der Folge fragen wir euch das noch mal. Mal sehen, ob sich bei euch etwas verändert hat. Und wo wir gerade bei Euch sind, kurz in eigener Sache, wenn euch unsere Folgen gefallen, folgt uns doch bitte abonniert bei der Program and Law überall, wo es Podcasts gibt und auf Instagram tik tok und Youtube ebenfalls unter bei der Law Talk. Das hilft uns wirklich enorm.
Und wir sind für jede Unterstützung dankbar. Ja, und dann ist da noch etwas, das uns am Herzen liegt. Es gab in den letzten Wochen die eine oder andere Nachricht von euch, in der ihr euch über die Werbung beschwert habt und ehrlich gesagt, das verstehen wir natürlich total. Niemand mag es, wenn man gerade mitten in einer Geschichte ist und dann kommt eine Unterbrechung, uns geht es als Hörer. Und Hörerinnen, anderen Podcasts genauso. Ja, aber wir wollen euch auch kurz erklären, worum es sie gibt.
Hinter jeder Folge stecken viele Stunden Arbeit, Recherche in Gerichtsentscheidungen, oft aus mehreren Ländern, wie hier faktenprüfung, schnitt, Ton, Musik, die Grafiken, und wir wollen natürlich, dass ihr das alles weiterhin kostenlos hören könnt, ohne Bezahlschranke und die Werbung ist einfach der Grund, warum das geht. Ja, und gleichzeitig wir sind für konstruktive Kritik immer offen.
Wirklich, wenn euch etwas stört, wenn ihr Ideen habt, wie wir es besser machen können, dann schreibt uns das gerne, wir lesen Eure Nachrichten und wir freuen uns über jede Einzelne, die uns hilft, uns weiterzuentwickeln. Ohne euch gäbe es diese Podcast nicht, ja, danke dafür. Ja, auch von mir danke. So, jetzt gehen wir zurück zum März 1996 nach Knoxville und da startet nämlich der Prozess gegen Christa Pijk und sie wird von Anfang an bis Ende gefilmt.
Fast jeder mögliche Geschworene hat schon von dem Fall gehört, Christa wird von 2 Pflichtverteidigern vertreten, der Hauptverteidiger heißt William Tolman. Nach Recherchen von Journalisten hatte keiner der beiden vorher je einen Todesstrafenfall verteidigt. Und um zu verstehen, was dann schief geht, muss man wissen, wieso ein Verfahren in den USA überhaupt aufgebaut ist.
Also es gibt 2 Phasen. Zuerst entscheidet die Jury über die Schuld und dann in einer eigenen zweiten Verhandlung über die Strafe, nämlich Überleben oder Tod. Und in dieser zweiten Phase geht es um die Frage, wie. Wer ist dieser Mensch? Das nennt man Medication, also mildernde Umstände, und in einem Todesstrafenfall ist das die wichtigste Arbeit der Verteidigung überhaupt.
Und dieser Prozess findet in einem bestimmten Klima statt. Mitte der 90er Jahre herrscht in den USA die sogenannte Satanic Panic, eine regelrechte Massenangst vor satanistischen Sekten. Es gab damals Prozesse, die auf erfundenen Ritualvorwürfen beruhten, und in diesem Fall reicht vielen das Pentagramm sofort.
Ritualmord, Teufelsanbeterin und der leitende Ermittler Randy York hatte nach Recherchen von Journalisten kurz vorher eine Fortbildung zu Satanismus besucht. Er hat später erzählt, Christa sei bei der Vernehmung regelrecht aufgekratzt gewesen. Aber wer die Audioaufnahmen ausgewertet hat, beschreibt etwas ganz anderes, und zwar eine weinende junge Frau, die sagt, sie habe sich selbst so noch nie erlebt, und nach Darstellung von Tedariels eigenem damaligen Verteidiger hatte nicht Christa, sondern Tedariel einen satanistischen Altar in seinem Zimmer.
Und das Satanistische sei nie das Motiv gewesen. 2 Bilder derselben Person, also derselben Stunde, und eines davon geht eben um die Welt. Das ist der Moment, in dem aus einer 18 Jährigen eine Figur wird und mit dieser Figur geht sie dann in den Gerichtssaal. Ich möchte mal kurz die Strafphase im US Todesstrafenprozess mal hier kurz erzählen. Weil da gibt es die Abwägung erschwerender gegen mildernde Umstände.
Und bei Christa Pike stellte die Jury 2 erschwerende Umstände fest. Einmal die besondere Grausamkeit mit Folter oder Misshandlung über das zur Tötung nötige Hinaus und Tötung, um eine Festnahme oder Strafverfolgung zu verhindern. Die Verteidigung hatte eine Psychologin beauftragt, die Christa's Lebensgeschichte aufgearbeitet hat. In 3 Bänden.
Und dann ruft Tallman sie in letzter Minute nicht als Zeugin auf, er hat später 2 Gründe genannt, wieso er das getan hätte. Erstens, es kam heraus, dass diese Dame früher eine Beziehung mit dem Hauptankläger hatte und das zu spät offengelegt hat. Und zweitens, das Gericht ordnete an, ihre Unterlagen an die Anklage herauszugeben und die Anklage markierte sich daraus die belastenden Stellen.
Stattdessen sagen Christas Mutter, ihr Vater und eine Tante aus, die Jury hört also durchaus Belastendes über ihre Kindheit, aber eben nicht das, was eine Fachfrau aus 3 Bänden hätte erklären können. Und wie lange hat die Jury dann beraten? Über die Todesstrafe weniger als anderthalb Stunden. Am 30 März 1996 wird Christa Pike zum Tode verurteilt, damals noch durch den elektrischen Stuhl. Sie ist 20.
Bei der Tat war sie 18 gewesen, und sie ist die einzige der 3, die überhaupt wegen eines Verbrechens angeklagt wird, auf dass die Todesstrafe steht. Tadarial war 17 für ihn war die Todesstrafe ausgeschlossen. Er bekommt lebenslang mit der Möglichkeit, irgendwann entlassen zu werden. Im Oktober 2025 wurde das geprüft und abgelehnt, die nächste Prüfung ist für 2031 vorgesehen und shadowa Peterson bekennt sich nur der Beihilfe nach der Tat schuldig.
Im englischen Accessory After Defect sagt gegen Christa und Thadario aus und bekommt Bewährung. Und jetzt kommt eine ganz wichtige Info, was mich als Verteidiger nachts wach halten würde. Um ehrlich zu sein, nach Angaben von Christas heutiger Verteidigung war die Anklage vor dem Prozess sogar bereit, den Fall mit lebenslanger Haft ohne Bewährung zu beenden.
Ein sogenannter Plee Deal. Christa lehnt ab, sie sagt, Tollman habe ihr versichert, eine Jury werde ein junges Mädchen nicht hinrechnen lassen. Tollman bestreitet das, er hat aber vor Gericht eingeräumt, er hätte das Angebot besser mit ihr besprechen müssen. Und jetzt kommt noch eine Info, er hat sich von ihr die Rechte an ihrer Lebensgeschichte unterschreiben lassen, weil er ein Buch über sich schreiben wollte, ihr eigener Verteidiger in einem Todesstrafenprozess, später sagt er, das hätte er nicht tun dürfen und.
Und ein Please Deal dieser Art wäre bei uns übrigens gar nicht möglich. Über den Schuldspruch selbst darf man in Deutschland nicht verständigen, das steht ausdrücklich in Paragraph 257 C der deutschen Strafprozessordnung und bei Mord sieht das Gesetz zwingend lebenslang vor, einen Handel nach dem Motto Du gestehst, Wir verzichten auf die Höchststrafe, den gibt es bei Mord in Deutschland nicht. Ja, und jetzt meine Gegenrede.
Das mag alles schlecht verteidigt gewesen sein, ja, aber Christa hat die Tötung am Vortag angekündigt, sie hat sich ein Messer mitgenommen, sie hat ein Stück von Collins Schädel in ihrer Jackentasche getragen und es herum gezeigt, dass es nicht der Moment eines verwirrten Teenagers gewesen, meines Erachtens. Das ist ein Plan, und das ist genau der Unterschied, den das Gericht zwischen ihr und den anderen beiden gemacht hat. Ja, und dieser Unterschied ist Real. Das bestreite ich auch heute gar nicht. Nur der Unterschied zwischen lebenslang und tot hing am Ende vielleicht nicht an der Tat, sondern an einem Anwalt, der ein Angebot nicht richtig erklärt hat und an einer Sachverständigen, die nie in den
Zeugenstand kam und am Ende dieses Prozesses beginnt etwas, das man sich ja wirklich kaum vorstellen kann, dass. Eine 20 jährige verlässt den Gerichtssaal mit einem Urteil. Das sagt der Staat wird dich töten, nur das wann steht nicht fest und dann beginnt das Warten für sie und jetzt kommen wir zu dem Teil, über den kaum jemand spricht.
Rister kommt nach dem Urteil ins Frauengefängnis von Tennessee, sie ist dort die einzige Frau im Todestrakt und das bedeutet? Sie lebt 28 Jahre faktisch in Isolation. Erst 2024 nach einer Klage einigt sich der Staat mit ihr, dass sie mehr Kontakt zu anderen Gefangenen bekommt, nach 28 Jahren, sie lebt mit dem Wissen, dass am Ende dieser Zeit der Staat sie töten will, und das ist länger, als sie vorher überhaupt gelebt hatte. Und jetzt stelle ich eine Frage an euch, was macht das mit einem Menschen?
Aber ich würde jetzt ein Gegenstück dazu ausführen. Und zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass diese Jahre nicht nur Jahre des Leidens sind. Im August 2001 kommt es nach einem Feuer zu einer Situation, in der mehrere Gefangene zusammen untergebracht werden und. Christa würgt eine Mitgefangene Patricia Jones mit einem Schnürsenkel bis zur Bewusstlosigkeit. 2004 wird sie dafür wegen versuchten Mordes zu weiteren 25 Jahren verurteilt und. 2012 fliegt ein Ausbruchsplan auf ein Besucher und ein ehemaliger Vollzugsbeamter werden festgenommen. Es soll Geld geflossen sein, eine akute Fluchtgefahr bestand nach Angaben der Ermittler jedoch nicht, und das ist auch Christa Pike.
Und wer über die 30 Jahre redet, muss auch über diese beiden Taten reden. Ja, das stimmt. Und trotzdem gibt es für dieses jahrzehntelange Warten sogar einen juristischen Begriff, das sogenannte Todestag Syndrom. Das ist kein amerikanisches Thema, sondern ein europäisches, und das hat auch mit einem Deutschen sogar zu tun, nämlich 1989, hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass Großbritannien einen jungen deutschen, Jens Söring, nicht an den US Bundesstaat Virginia ausliefern durfte, wo ihm die Todesstrafe drohte.
Der Grund war nicht die Hinrichtung selbst. Der Grund waren die Jahre davor, die jahrelange Angst im Todestrakt, das Warten, die ständige Ungewissheit. Das Gericht sagte, allein das kann eine unmenschliche Behandlung sein und die Auslieferung an Virginia hätte gegen Artikel 3. Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen wegen der zu erwartenden jahrelangen Haft im Todestrakt unter ständiger Todesangst. Verbot unmenschlicher Behandlung genau und das Bundesverfassungsgericht hat schon 1977 gesagt. Selbst wer lebenslang bekommt, muss eine realistische Chance haben, irgendwann wieder in Freiheit zu kommen, weil man einem Menschen sonst seine würde nimmt. Das ist der deutsche Gedanke.
Niemand ist nur seine schlimmste Tat. Und Christa? Die hatte nicht nur keine Chance auf Freiheit, sie hatte 30 Jahre lang die Gewissheit, dass am Ende der Tod auf sie wartet, Anfang der 2000 er Jahre wollte sie sogar ihre eigenen Rechtsmittel zurückziehen, sie wollte einfach nicht mehr kämpfen. Ein Gericht prüfte, ob sie das überhaupt wirksam entscheiden kann und ließ es zuerst. Später konnten ihre Anwälte erreichen, dass das Verfahren dann doch weiter ging.
Und das ist ein Muster, dass man aus Todesstrafenfällen kennt. Jahrzehnte in Isolation und irgendwann will jemand einfach, dass es aufhört. Juristisch ist das aber hochsensibel, darf ein Mensch auf sein eigenes Rechtsmittel verzichten, wenn es um sein Leben geht? Und 2019 kommt dann der Moment, der für mich das ganze System auf den Punkt bringt. Ein Bundesberufungsgericht bestätigt das Todesurteil, aber eine der Richterinnen, Jane Strench, schreibt dazu eine eigene Begründung und sie schreibt ein Todesurteil für jemanden, der bei der Tat 18 war, Verstöße wahrscheinlich gegen die Verfassung, aber.
Sie sei an die strengen Prüfungsmaßstäbe des Bundesrechts gebunden. Sie sagt also, das hier ist wahrscheinlich verfassungswidrig, aber ich bestätige es trotzdem und nur als Randbemerkung die Todesstrafe für Taten vor dem 18 Geburtstag ist in den USA verfassungswidrig. Maßgeblich ist das Alter bei der Tat und Christa war 18, also sie fällt nicht unter dieses Verbot.
Und jetzt halte ich bewusst dagegen, weil ich an May Martinez denke. Christa hatte 30 Jahre, ja 30 Jahre, in denen sie Briefe schreiben konnte, Besuche, bekam, Anwälte hatte, die für sie gekämpft haben, und Colline hatte nach dem 12 Januar 1995 keinen einzigen Tag mehr, und ihre Mutter hat diese 30 Jahre. Auch gelebt ja jeden Tag und sie hat jede Minute an sie gedacht. Das hat sie zumindest auch gesagt. Und wer spricht eigentlich über deren Warten? Ja, niemand bestreitet hier dieses Leiden, aber das eine Warten macht das andere nicht richtig. Was sagt ihr dazu?
Schreibt es in die Kommentare. Und dann mir 2026 zu dem Jahr, in dem alles zusammenkommt. Im Mai versucht Tennessee, einen Mann namens Tony Carrasas hinzurichten. Das Team findet keine geeignete Vene für den vorgeschriebenen zweiten Zugang und nach über einer Stunde wird abgebrochen. Christas Anwälte schlagen sofort Alarm, Christa hat eine Bluterkrankung, eine Thrombozytose, also zu viele Blutplättchen und sehr kleine Venen.
Und sie verlangt noch etwas, weil Christa als Kind immer wieder von erwachsenen Männern missbraucht wurde, so ihre Verteidigung, soll kein reines Männerteam sie aus der Zelle holen und Festschnallen. Und jetzt wird es juristisch wirklich absurd. Wer in den USA gegen eine Hinrichtungsmethode klagt, muss nach der Rechtsprechung beobachteten Gerichtshofs selbst eine Alternative benennen, eine realistisch verfügbare. Weniger schmerzhafte also.
Man muss vorschlagen, wie man stattdessen getötet werden will. Christas Anwälte schlagen eine feinere Kanüle vor Gesetz von qualifiziertem Personal und hilfsweise eng, weil die letzte Frau, in die Tennessee hingerichtet hat, vor mehr als 200 Jahren gehängt wurde. Ein Richter hört im August 3 Tage lang Sachverständige an. Der Staat sagt, die Venen sind zugänglich. Blutabnahmen haben ja auch funktioniert bislang, und das Mittel macht bewusstlos, bevor Schmerz entsteht. Der Richter gibt dem Stab also Recht, und am Montag, dem 28 September, lehnt Gouverneur Bill Lee das Gnadengesuch von Chris Darb.
Und in diesem Gesuch steht eine Erklärung von Christa, sie sei ein psychisch krankes, achtzehnjähriges Kind gewesen, und es mache sie heute krank, dass sie fähig war, so etwas überhaupt zu tun. Und schon 2025 hatte sie über ihre Anwälte gesagt, sinngemäß, Colline habe eine ganze eigene Welt gehabt, aus der sie sie herausgerissen habe.
Und da, wo Colline heute leuchten könnte, sei nur noch eine Leere. Und damit sind wir zurück an diesem Mittwoch. 30.9. Und ich möchte, dass ihr euch diesen Tag einmal aus Ihrer Sicht vorstellt. Sie ist schon vorher aus dem Frauengefängnis verlegt worden, 10:00 Uhr soll es soweit sein, kurz vorher kommt ein Stopp, ein Bundesgericht. 2 zu 1 stimmen will prüfen, ob ihre Missbrauchsgeschichte vor dem Todesurteil wirklich berücksichtigt wurde. Also es gibt Hoffnung, dann Stunden des Wartens und gegen 18:00 Uhr hebt der Oberste Gerichtshof in Washington den Stopp wieder auf, es ist 6 zu 3 ohne Begründung die Richterin. Schreibt mit 2 Kolleginnen, man greife ohne Not in ein laufendes Verfahren ein, nur damit der
Staat vollstrecken kann. Bevor dieses Verfahren abgeschlossen ist. Und dann beginnt das, was sie am Anfang gehört haben. Mehr als eine Stunde Nadeln Christa, die selbst stellen vorschlägt, das muss man sich ja auch mal vorstellen. Und dann 19:27 Uhr, der Vorhang öffnet sich, ihre letzten Worte kommen, dann erhält sie die erste Dosis Pentobarbital. Sie bleibt wach, dann die zweite Dosis, sie verliert das Bewusstsein, aber sie atmet, die Zeugen hören lautes Schnarchen, laut Verteidigung wird der Vorhang zweimal geschlossen, die Angehörigen von Colline erfahren nichts. Ihre Mutter erzählt später, plötzlich habe man sie gebeten, den Raum zu verlassen, ohne jegliche Erklärung. Sie nennt den Abend ein einziges
Durcheinander. Um 20:53 Uhr werden auch Medienzeugen Hinausgeführt. Christa schnarcht noch immer, draußen fahren dann Rettungswagen vor. Einer ihrer Anwälte war dabei. Er hat am Tag danach gesagt, Christas größte Angst sei nie das Sterben gewesen, sondern ein langer, Qualvoller Tod. Und Gouverneur Lee sagt am selben Tag, niemand habe gewollt, was in dieser Nacht passiert ist. Es hätte nichts passieren dürfen. Denn soweit bekannt, sei ja das Protokoll eingehalten worden. Man müsse jetzt herausfinden, warum das Ergebnis diesmal anders war als je zuvor.
Christa Pike hat die Hinrichtung überlebt. Und denkt einmal darüber nach, was ist. Das heißt, sie hat sich am Morgen auf ihren Tod vorbereitet, dann wurde er abgesagt, dann wurde er wieder angesetzt, dann hat man über eine Stunde in ihren Armen nach einer Vene gesucht. Dann hat man ihr das Mittel gegeben, dass sie töten sollte und dann ist sie nicht gestorben. Seitdem liegt sie in einem Krankenhaus, wie oft kann man einen Menschen eigentlich an einem einzigen Tag zum Tode verurteilen?
Ja, das ist eine berechtigte Frage. Da ist ja ziemlich viel schief gelaufen und der Stand heute am 4. Oktober nach Angaben ihrer Anwälte liegt Christa in einem Krankenhaus und. In Nashville. Sie ist bewusstlos intubiert und wird künstlich beatmet. Beide Arme sollen schwer verletzt sein, geschwollen, verbrannt, voller Blasen und das Krankenhaus versucht, das Pentovarbital aus ihrem Körper zu bekommen. Eine neuere Prognose gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht und ihre Anwälte erheben in einem Eilantrag einen schweren Vorwurf.
Niemand aus dem Hinrichtungsteam habe bemerkt, dass die Zugänge nicht richtig lagen oder die Venen geplatzt waren. Das Mittel sei ganz oder teilweise in ihren Körper gelangt, aber eben nicht so, wie es vorgesehen war. Ob das letztlich stimmt, ist natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt, die Strafvollzugsbehörde sagt, Wir haben jeden Schritt des Protokolls eingehalten.
Und mit diesem Antrag wollen die Anwälte erreichen, dass der Staat alle Beweise aus dieser Nacht sichern muss, sprich Gegenstände, unterlagen, elektronische Daten, bevor etwas verändert wird oder verloren geht. Bei uns wäre das funktional vergleichbar mit einem selbständigen Beweisverfahren. Sie haben außerdem eine beschleunigte Anhörung beantragt, eine Entscheidung des Gerichts gibt es aber bisher nicht.
Gouverneur Lee hat eine unabhängige Untersuchung angeordnet und die letzte für dieses Jahr geplante Hinrichtung ausgesetzt und am Samstag dann der nächste Paukenschlag. Der Chef der gesamten Strafvollzugsbehörde von Tennessee tritt zum Monatsende zurück, er sagt, seine Behörde habe sich an das Protokoll gehalten, aber er wolle der Untersuchung nicht im Wege stehen.
Kritiker werfen Ihnen nun vor, schon in seiner früheren Zeit in Arizona Verantwortung für Gefängnisse getragen zu haben, in denen Hinrichtungen misslungen sind. Christas Anwälte sagen, der Rücktritt ist gerechtfertigt, aber er hilft Christa jetzt nicht. Ja, was passiert ist es passiert und auf der anderen Seite gibt es wiederum stimmen, die genau das Gegenteil wollen.
Senatorin. Masha Blackburn, die Gouverneurin von Tennessee werden will, fordert, den elektrischen Stuhl zurückzubringen. Und damit sind wir bei der Frage, die jetzt alle stellen dürften, darf der Staat es doch einmal versuchen. Ja, und das ist, glaube ich hier der Schwerpunkt der Folge. Und genau hier muss man juristisch ganz genau hinschauen, denn die Hinrichtung ist ja nicht abgesagt worden, sie wurde vollzogen. Christa lag auf der Liege.
Das Mittel ist geflossen, 2 Dosen, nur der Erfolg ist letztendlich ausgeblieben und jetzt stellt sich eine Frage, die so kaum ein Gesetz beantwortet. Ist die Strafe damit verbraucht? Das Urteil von 1996 lautet nicht, der Staat darf es einmal versuchen. Es lautet auf Tod und solange sie lebt, ist dieses Urteil juristisch nicht vollstreckt. Also es gilt weiter eine eigene gesetzliche Regelung für den Fall, dass eine Hinrichtung scheitert, haben wir in Tennessee nicht gefunden, es gibt also keinen Paragraphen, der sagt, wer überlebt, ist jetzt frei und auch keiner, der sagt, dann wird es eben wiederholt, was aber was es aber gibt, ist ein Satz im Gesetz für die Hinrichtungsmethoden. Der zeigt, wie der Gesetzgeber
in Tennessee denkt. Dort steht nämlich sinngemäß kein Todesurteil wird herabgesetzt, nur weil eine Hinrichtungsmethode für verfassungswidrig erklärt wird. Das Urteil bleibt in Kraft, bis es auf eine gültige Weise vollstreckt werden kann, mit anderen Worten, wenn die Methode scheitert, fällt nicht das Urteil, es fällt nur die Methode. Aber was passiert denn jetzt?
Praktisch, weil es ist ja schon. An sich sehr fragwürdig, dass jemand hingerichtet werden soll und es dann doch misslingt und überlebt und dann wird versucht, dieser Mensch am Leben zu erhalten. Er steht morgen jetzt einfach wieder jemand mit der Nadel vor ihr. Nee, also so einfach ist das nicht.
Der Vollstreckungsbefehl galt nur für diesen einen Tag. Und ist um Mitternacht Ortszeit abgelaufen. In Tennessee setzt das oberste Gericht des Bundesstaates den Termin fest, und zwar auf Antrag des Staates, der Staat müsste also jetzt einen neuen Termin beantragen, der Gouverneur hat Christas Hinrichtung aber schon auf frühestens nächstes Jahr verschoben, die Untersuchung soll erst klären, was passiert ist, und ihre Anwälte werden sich gegen jeden neuen Termin natürlich wehren, mit allem, was das Recht hergibt.
Und dann gibt es noch ein Detail, dass kaum jemand denkt, weil ihre Tat vor 1999 begangen wurde. Darf Christa nach dem Recht von Tennessee selbst wählen, ob sie durch die Giftspritze oder auf dem elektrischen Stuhl sterben soll? Moment, sie müsste also im Zweifel selbst entscheiden, wie man das beim zweiten Mal macht, ja. Genau so ist das.
Heftig. Also ja. Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum überhaupt diese Grenze mit 1999 und wie ist das bei den Taten danach? Da gibt es keine Wahl. Tennessee hat 1998 gesetzlich festgelegt, wer seine Tat am 1. Januar 1999 oder später begangen hat, wird durch die Giftspritze hingerichtet. Und im Jahr 2000 hat der Gesetzgeber dann auch für alle, deren Tat vorher lag, die Giftspritze zur Regel gemacht, mit dem Recht, stattdessen den elektrischen Stuhl zu wählen.
Der Hintergrund ist ein juristischer, zur Zeit von Christas Tat war ein Tennessee der elektrische Stuhl, die gesetzliche Methode, deshalb lautete ihr Urteil 1996 ja noch auf den Stuhl, und man wollte niemanden nachträglich einfach eine andere Methode aufzwingen als die, die zur Tatzeit galt. Ein Jurist, der das Todesstrafengesetz von Tennessee vor Jahrzehnten mitgeschrieben hat, hat das einmal so zusammengefasst. Der Gesetzgeber darf die Methode ändern, aber nicht rückwirkend. Und das ist ja nicht nur Theorie. Es gab tatsächlich Menschen, die den Stuhl gewählt haben. Nach Angaben der Strafvollzugsbehörde haben allein in den Jahren 2018 und 2019 5 Gefangene in Tennessee selbst den elektrischen Stuhl
gewählt. Einer von ihnen war Edmund Sakowski. Er wurde so 2018 hingerichtet. Seine Anwälte sagten, er habe den Stuhl nur gewählt, weil er glaubte, das gehe schneller als die Giftspritze. Seit 2018 sind in Tennessee 5 Menschen auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden, zuletzt 2020. Und von den 40 Menschen, die heute in Tennessee im Todestruck sitzen, könnten 25 diesen Weg noch wählen, weil ihre Tat vor 1999 lag. Und 2014 kam noch eine Wendung dazu, weil es immer schwieriger wurde.
Die Mittel für diese Giftspritze zu beschaffen, hat Tennessee als erster Bundesstaat den elektrischen Stuhl als Pflichtersatz festgeschrieben. Also wenn ein Gericht die Giftspritze für verfassungswidrig erklärt oder die Mittel nicht zu bekommen sind, wird elektrisch hingerichtet, dann ohne Wahl und.
Im Gesetz steht ausdrücklich, dass das für jeden gilt, der eine solche Tat begeht oder begangen hat, also auch für Altfälle wie Christa. Ob das vor Gericht hält, ist natürlich eine andere Frage, das war schon 2014 unter Juristen umstritten und das oberste Gericht von Tennessee hatte schon 1979 entschieden. Dass ein neues Todesstrafengesetz nicht rückwirkend auf ältere Taten angewendet werden darf, also zusammengefasst, kann man sagen, dass die Forderung nach dem elektrischen Stuhl gerade jetzt nicht nur aus politischen Gründen kommt.
Das ist im Gesetz schon angelegt, wenn ein Gericht nach dieser Nacht sagen würde, die Giftspritze ist so nicht mehr haltbar, dann stünde der Stuhl eben automatisch bereit. Ja, genau. Bei uns würde man an dieser Stelle sofort an einen Grundsatz denken, der in Artikel 103 des Grundgesetzes steht. Niemand darf schärfer bestraft werden, als es zurzeit der Tat gesetzlich bestimmt war.
Bei uns stellt sich die Frage der Methode zum Glück nie, aber der Gedanke dahinter ist derselbe, der Staat soll die Spielregeln nicht nachträglich zu Lasten des Verurteilten ändern. Genau so ist es. Und jetzt zu den Gerichten, da gibt es genau 2 Fälle, auf die alle schauen. 1946 überlebt in Louisiana 117 Jähriger Willy Francis den elektrischen Stuhl, weil das Gerät nicht funktioniert hat und der Oberste Gerichtshof der USA sagte 1947 mit 5 zu 4 Stimmen. Ein zweiter Versuch ist zulässig und zur Begründung haben sie angeführt, dass das.
Ein Unfall war, niemand wollte ihn quälen und ein unvorhersehbarer Unfall macht die Strafe nicht grausam. Und Francis Anwälte hatten damals genau das Argument vorgetragen, dass heute christas Anwälte vortragen, dass schon die seelische Belastung die ganze Vorbereitung auf den Tod ein zweites Mal durchzumachen, eben grausam sei.
Die Mehrheit des Gerichts hat das 1947 nicht gelten lassen. Am 9. Mai 1947 wird Willy Francis hingerichtet mit 18 und 2009 überlebt in Ohio romal Broom ein Versuch, bei dem man über 2 Stunden keine Vene findet und dazu sagt das Oberste Gericht von Ohio 2016 auch hier ist ein zweiter Versuch zulässig. Und zwar, weil bei Broom nie ein Tropfen Gift in die Vene gelangt sei.
Das alles sei nur Vorbereitung gewesen, die eigentliche Hinrichtung habe nie begonnen und genau das passt ja gerade bei Christa nicht. Ja, genau das passt nicht, und zwar gleich doppelt. Erstens, bei Ihr hat die Hinrichtung begonnen und 2 Dosen wurden verabreicht. Das Mittel ist nach Angaben ihrer Anwälte zumindest teilweise in ihren Körper gelangt.
Das Argument aus Ohio, es war nur Vorbereitung, trägt also hier in diesem Fall nicht und zweitens das Argument aus Louisiana, es war ein Unfall, niemand konnte es ahnen, wird hier auch schwer sein, ihre Anwälte haben ja monatelang gewarnt, es liege eine Bluterkrankung vor, sie hätte kleine Venen und im Mai war in demselben Staat eine Hinrichtung genau an der Vene gescheitert. Wenn so etwas vorhersehbar war, dann ist es kein Unfall mehr einfach und schon 1890.
Wir gehen also noch weiter zurück, hat der Oberste Gerichtshof der USA gesagt. Grausam ist eine Strafe, wenn sie Folter bedeutet oder ein in die Länge gezogenes sterben und wisst ihr was das Bittere daran ist? Der Mann, um den es in diesem Urteil ging, William Kennner, wurde wenige Monate später als erster Mensch überhaupt auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet und.
Und auch diese Hinrichtung misslang dann nach dem ersten Stromstoß lebt er dann noch und die Geschichte dieser Hinrichtungsmethoden in den USA beginnt mit einer gescheiterten Hinrichtung. Letztendlich, und deswegen sagen die Anwälte von Christa, sie hat jetzt schon mehr ertragen als jeder andere Mensch in der Geschichte der amerikanischen Todesstrafe, nämlich 28 Jahre Isolation und dann noch ein vollständiger Versuch, sie zu töten.
Ja, rein rechtlich spricht nach allem, was wir wissen, viel dafür, dass ein zweiter Versuch zulässig wäre. Ein Experte für Todesstrafenrecht hat auf die Frage, ob Tennessee es noch einmal versuchen darf, ganz nüchtern geantwortet, und zwar mit wahrscheinlich ja, die Schuld ist ja durch diese Nacht nicht kleiner geworden, und der Staat hat sich nicht absichtlich verhalten, er hat ja.
Ja, muss man hier ganz offen und ehrlich sagen. Einfach schlecht gearbeitet, möglicherweise sogar besser gesagt, katastrophal. Aber daraus folgt doch nicht automatisch, dass das Urteil von einem Gericht nach 30 Jahren Prüfung plötzlich wegfällt, und ebenso dürfen wir nicht vergessen, die Generalstaatsanwaltschaft von Tennessee hat schon am. Tag selbst gesagt, dass dieses Hin und her in letzter Minute Collins Familie traumatisiert.
Ja, die sitzen da, werden Hinausgeschickt und wissen bis heute nicht, wie es weitergeht. Mhm, das kann ja nicht sein. Ja, bei uns in Deutschland könnte diese Frage ja gar nicht entstehen. Das ist vielleicht die eigentliche Antwort, ein Rechtsstaat, der keine Todesstrafe kennt, muss ich nie fragen, wie oft er es versuchen darf. Ja, rechtlich darf er wahrscheinlich. Ob er sollte ist, das ist eine ganz andere Frage. Und jetzt sage ich dir ganz ehrlich, wo ich stehe, ich bin gegen die Todesstrafe, das weißt du, aber ich bin auch Juristin und da ist ein rechtskräftiges Urteil nach 30 Jahren Überprüfung durch unzählige Gerichte, was wir vor uns liegen haben, also die Schuld steht schon mal fest. Wenn ein Staat jetzt sagt, wir
hören auf, weil es ein Archiv gegangen ist, dann hängt die Strafe plötzlich nicht mehr an der Tat, sondern eher am Zufall, am Zustand einer Vene. Und ich denke an eine Mutter, die in diesem Raum saß und jetzt nicht weiß, ob das alles noch mal von vorn beginnt. Ich verstehe jeden in Tennessee, der sagt, das Urteil muss vollstreckt werden.
Ja. Ist auf jeden Fall eine Meinung, die viele wahrscheinlich mit dir teilen. Ich unter anderem auch, aber ich sehe das natürlich teilweise auch als Verteidiger und ich finde, dass ein Staat, der einen Menschen 30 Jahre auf den Tod warten lässt, der ihm am Morgen seines Todestages Hoffnung gibt, sie am Abend wieder nimmt, der über eine Stunde in seinen Armen sticht und der.
Ihn dann nicht einmal töten kann. Da finde ich, dass dieser Staat seinen Anspruch verbraucht hat. Also wenn er es jetzt noch einmal versucht, bestraft er nicht mehr die Tat von 1995, sondern er bestraft das eigene Versagen und dafür kann Christa einfach nichts. Und was sagst du zu May Martinez?
Also dass ihr Verlust nicht kleiner wird, egal wie das ausgeht. Das ist ja wohl klar. Und dass ich ihr keine Antwort geben kann, die sich für sie richtig anfühlt, ist halt auch so. Ja, ja, schreibt uns auch gerne hierzu mal in den Kommentaren, wie ihr das seht, ob sie genug gelitten hat oder ob die Strafe doch erfolgreich vollzogen werden muss.
Ja. Und ihr habt jetzt die ganze Geschichte gehört, die von Colline die Computer liebte und nie zurückkam und die von Christa, die 30 Jahre auf ihren Tod gewartet und ihn überlebt hat. Ist es gut, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gibt oder gibt es Taten, für die ihr sie gerecht fändet? Und wenn ja, dürfte ein Staat es nach einer Nacht wie dieser ein zweites Mal versuchen? Hat sich eure Antwort im Laufe der Folge verändert? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Ja, bin sind gespannt auf jeden Fall und wie es mit Christa weitergeht, ist offen.
Ihr Zustand, die Untersuchung, die Frage, ob der Gouverneur das Urteil umwandelt, wir bleiben dran und melden uns, wenn es Neuigkeiten gibt. Und wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann folgt uns doch bitte abonniert bei recta True gram and law. Überall, wo es Podcasts gibt und auch auf Instagram, tik tok und youtube findet ihr uns unter bei recta Law Talk und ich sage schon mal Tschüss und bedanke mich schon für die ganz vielen Kommentare für die Likes und dass ihr uns folgen werdet. OK, und ich sage.
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