
BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 44
Die Liebeszelle: Der Raum, in dem niemand hinschaut. Und ein Ruf ohne Antwort.
Dienstag, 13. Oktober 2026 · 44 min
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Shownotes
#44: 🎙️ 5 Stunden allein in einem Raum ohne Kamera. Ein Ruf ins Dienstzimmer, auf den niemand antwortet.
Was geschah im Langzeitbesuchsraum der JVA Burg? Im April 2025 besucht Franziska A., 35, ihren Ehemann in der sogenannten Liebeszelle der JVA Burg in Sachsen-Anhalt – dem größten Gefängnis des Landes.
Sie verlässt den Raum nicht lebend. Ihr Mann spricht von einem Unfall, eine Gutachterin hält das für möglich. Das Landgericht Stendal verurteilt ihn trotzdem, der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil. Und ein anderer Gefangener zieht bis vor das Oberlandesgericht, weil ihm nach der Tat jeder Familienbesuch verwehrt wird.
Was bedeutet „im Zweifel für den Angeklagten“, wenn ein Gutachten einen Unfall für möglich hält? Warum Totschlag und nicht Mord? Und wie schützt der Staat Menschen in einem Raum, in dem bewusst niemand hinschaut?
⚖️ Totschlag oder Mord – wie würdet ihr entscheiden?
Schreibt es uns in die Kommentare.
Zwei Rechtsanwälte prüfen, was andere True-Crime-Formate nur erzählen: Rechtsanwältin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt & Strafverteidiger Sayıl Bayraktar.
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Hinweis: Angaben nach der öffentlichen Berichterstattung. Das Urteil des LG Stendal vom 17.02.2026 ist rechtskräftig (BGH, Beschl. v. 05.08.2026 – 6 StR 259/26). Diese Folge dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung.
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Burg ist eine Kleinstadt rund 25 Kilometer nordöstlich von Magdeburg am Elbe Havel Kanal. Gut 22000 Menschen leben hier, man nennt sie die Stadt der Türme, weil sich über den Dächern der Altstadt Kirchtürme und alte Stadttürme in den Himmel schieben. Ein Ort, an dem 2018 die Landesgartenschau stattfand, Blumenbeete, Spazierwege, Backstein. Und doch kennen die meisten Menschen in Deutschland den Namen dieser Stadt aus einem ganz anderen Grund. Nicht wegen ihrer Türme, sondern wegen ihrer Mauern. Es ist Donnerstag, der 3.
April, 2025 eine Frau steht an der Pforte des größten Gefängnisses von Sachsen Anhalt, sie kennt das Ritual. Geldbeutel abgeben, Ausweis abgeben und. Handy abgeben die Beamtinnen an der Pforte kennen sie auch, und sie kennen dieses Gesicht. Diese Frau freut sich jedes Mal, wenn sie hier steht. Heute ist kein gewöhnlicher Besuch, kein Tisch im großen Besucherraum, keine Aufsicht, die daneben sitzt, heute hat sie Stunden allein mit ihrem Mann in einem Raum. Den Beamte später vor Gericht wie eine kleine Wohnung beschreiben, mit einem Sofa, kochnische, Dusche, sogar mit einem kleinen Balkon.
Recht heimelig, sagt eine Zeugin später, was es in diesem Raum nicht gibt, ist eine Kamera, es gibt nur eine Rufanlage, die direkt ins Dienstzimmer führt, irgendwann im Laufe dieses Besuchs. Geht über diese Anlage einen Ruf im Dienstzimmer ein, was die Beamtin dort hört, wird sie 8 Monate später vor einem Schwurgericht schildern.
Gegen 14:00 Uhr schließen Bedienstete die Tür auf, Franziska ist 35 Jahre alt, und sie wird diesen Raum nicht mehr lebend verlassen. Und somit herzlich willkommen bei Buy Docter and Buy Docter, True Crime and Law. Ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger Saido Bairacter. Und ich bin Rechtsanwältin.
Nojan bairacter Hallo. Und ich muss gleich am Anfang etwas loswerden. Ich gehe seit vielen Jahren mittlerweile in Justizvollzugsanstalten ein und aus, um Mandanten zu besuchen und mit denen die Verteidigungsstrategie zu besprechen und das, was du gerade beschrieben hast, also Ausweis abgeben, Handy ins Schließfach durch die Schleuse, das kenne ich in und auswendig, ich kenne sogar dieses Geräusch, wenn hinter dir die erste Tür zufällt und die nächste erst aufgeht, wenn die erste ganz zu ist. Aber diesen einen Raum, in dem man stundenlang unbeobachtet ist, den sieht man als Verteidiger nie. Und da kommen nur die Gefangenen und ihre Familien rein. Ja, in der Tat kenne ich diese Atmosphäre auch, weil ich ja, ich glaube, 5 Jahre
justizvollzugshilfe gemacht habe. Ehrenamtlich muss ich sagen, im Rahmen meines Studiums damals, und das wollte. Ich gerade sagen, als Anwalt macht man sowas nicht. Nee, das war alles davor. Ehrenamtlich. Ehrenamtlich ehrenamtliche Sachen. Machen. Genau deshalb wollte ich diesen Fall unbedingt machen, weil er 2 Geschichten erzählt. Eigentlich die eine ist die Geschichte von Franziska A, einer Frau, die an ihrem Mann festgehalten hat und die in einem Gefängnis letztlich gestorben ist, also an einem Ort, an dem man eigentlich glaubt, dass der Staat alles im Blick hat und haben auch sollte.
Und die andere Geschichte betrifft uns alle. Ja, wieviel Nähe gestehen wir Menschen zu, die eingesperrt sind und auch die Frage und wer zahlt den Preis, wenn etwas schief geht? Ja, und dazwischen liegt ein Strafprozess, der juristisch richtig spannend ist, weil am Ende niemand im Saal genau sagen konnte, was in diesem Raum passiert ist. Und das Gericht war trotzdem überzeugt. Ja, fangen wir am besten wie immer bei ihr an. Franziska ist 35 Jahre alt, Sie kommt aus dem Altmarkkreis Salzwedel, ganz im Norden von Sachsen Anhalt, sie ist Mutter von 2 Kindern und sie ist verheiratet mit einem Mann, der im Gefängnis sitzt.
Ich will euch eine Szene erzählen, die ihre Mutter geschildert hat, weil ich finde, dass. Dass sie mehr über diese Beziehung sagt als jede Akte sonst. Jeden Abend, ungefähr gegen 18:00 Uhr klingelt das Telefon. Er ruft aus dem Gefängnis an, die Mutter sitzt mit ihrer Tochter auf dem Sofa, und Franziska springt jedes Mal sofort auf, nimmt das Telefon und geht damit nach unten. Und beim Telefonieren raucht sie eine Zigarette nach der anderen, und an einem dieser Abende hört die Mutter von oben. Wie die Stimme ihrer Tochter lauter wird? Sie wissen doch gar nicht, ruft sie ins Telefon, ob sie überhaupt Urlaub bekomme.
Urlaub wofür? Genau das ist die Frage. Die kommt später wieder. OK, lass mich kurz zu ihm kommen. Ich glaube nämlich, dass man ein falsches Bild bekommt, wenn man immer hört, Häftling in einem Hochsicherheitsgefängnis Stefan Arm ist zur Tatzeit 37 Jahre alt, er ist mehrfach vorbestraft, zuletzt wegen Betrugs. Und die Staatsanwaltschaft hat schon am Tag nach der Tat klargestellt, der Grund für seine Haft war kein Kapitalverbrechen.
Nach Angaben des Anwalts der Familie hat er gegen Bewährungsauflagen verstoßen und ist so nach Burg gekommen. Also klassisch Bewährung widerrufen. So wird das berichtet. Ja, und das ist vielleicht für viele, die zuhören, wichtig zu wissen, nämlich ein Bewährungswiderruf ist kein neues Urteil, das Gericht sagt dann im Grunde, du hattest deine Chance, du hast die Auflagen nicht eingehalten und jetzt wird die Strafe vollstreckt, die damals ausgesetzt war. Ich habe zum Beispiel Mandanten, die sitzen am Ende nicht wegen der Tat selbst, sondern weil sie dreimal nicht zum Bewährungshelfer gegangen sind.
Das klingt banal, aber genauso landen viele Menschen tatsächlich hinter Gittern. Und trotzdem sagt die Familie über ihn 2 Dinge, die man zusammen hören muss. Der Anwalt der Familie beschreibt die Ehe als überwiegend harmonisch und im selben Atemzug sagt er aber, Familienmitglieder hätten Stefan A.
Auch als manipulativ bezeichnet. Und dann kommt dieser Satz in Anführungsstrichen, er war keineswegs dumm. Ja, ein Satz, der in einem Strafprozess mehr Gewicht hat, als man denkt. Wenn jemand alles andere als dumm ist, dann schaut ein Gericht bei jeder Klärung, die er später abgibt, natürlich ein bisschen genauer hin.
Und die beiden haben 2021 geheiratet, und zwar in der JVA Burg selbst. Nach Darstellung des Familienanwalts mit einem ganz praktischen Hintergrund. Als Ehefrau bekommt sie umfassendere Besuchsmöglichkeiten. Ja, das ist tatsächlich so, und das überrascht vielleicht viele auch. Wer im Gefängnis sitzt, darf heiraten, die Ehe steht unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes, Artikel 6 nämlich, und dieser Schutz hört nicht an der Gefängnismauer auf, dann kommt eben mal einfach ein Standesamt in die Anstalt und aus demselben Artikel folgt auch, dass sich der Staat um den Kontakt zwischen Gefangenen und ihren Familien kümmern muss.
Das wird am Ende dieser Folge noch richtig wichtig. Ich finde an dieser Stelle noch etwas anderes wichtig, um ehrlich zu sein. Man hört so eine Geschichte und denkt sofort, warum heiratet eine Frau einen Mann im Gefängnis, aber ehrlich gesagt, wir haben in der Kanzlei so viele Familien erlebt, in denen einer drinnen sitzt und die anderen eben draußen alles zusammenhalten, ja, die Kinder, das Geld, die Wohnung und. Die Besuchstermine und die Anträge et cetera, das sind keine naiven Menschen, das sind oft die stärksten Menschen in der ganzen Geschichte.
Ja, da bin ich ganz bei dir. Bei meinen Mandanten sind das fast immer die Frauen, die Mütter, die Partnerinnen, die mich natürlich tagtäglich anrufen und fragen, wie es weitergeht, und die bringen dann die Unterlagen in die Kanzlei, Fragen, wann der nächste Besuch möglich ist. Und eine Mutter hat mir mal gesagt.
Herr Bayrak, da ich sitze die Strafe mit ab, nur ohne Urteil. Boah, das sitzt. Und als wir diesen Fall vorbereitet haben, musste ich tatsächlich oft an dieses Zitat denken, denn die Strafe trifft nie nur den, der verurteilt wurde. Ja, und Franziska war offenbar so jemand. Die Beamtinnen an der Pforte haben bemerkt, wie sehr sie sich jedes Mal auf diese Besuche gefreut hat und. Und eine Justizvollzugsbeamtin hat später vor Gericht gesagt, sie habe an diesem Tag vor dem Besuch ganz normal gewirkt. Also wörtlich hat sie gesagt, sie hat sich definitiv auf den Besuch gefreut und nach Berichten aus dem Prozess wollte sie sich auch nicht trennen oder so. Und er gehörte zu einem sehr kleinen Kreis. Das Justizministerium hat das
später im Rechtsausschuss des Landtags offengelegt, nämlich von rund 600 Gefangenen. In Burg. Waren ganze 36 überhaupt für diese Unbeaufsichtigten Langzeitbesuche zugelassen, also er war einer von 36 die Anstalt hatte ihn also vorher geprüft und gesagt, bei dem geht das, das ist voll in Ordnung. Ja, sie freut sich auf diesen Besuch. Er ist geprüft und für geeignet befunden, und am Telefon gibt es Streit um einen Urlaub, von dem wir noch nicht wissen, wofür er gedacht war.
Am Donnerstag, dem 3. April 2025, kommt alles in einem Raum zusammen, in dem niemand zusieht, lass uns kurz an diesem Ort ankommen, bevor wir in den Tag gehen, denn dieses Gefängnis. Ist in diesem Fall fast eine eigene Figur. Ja, ich kenne es tatsächlich. Sogar die JVA Burg ist nämlich kein altes Backsteingefängnis mit Gitterfenstern aus dem 19. Jahrhundert, wie man es aus Filmen kennt. Sie ist 2009 in Betrieb gegangen und war damals ein Modellprojekt gebaut und zum Teil betrieben in einer öffentlich privaten Partnerschaft.
Private Firmen haben Dinge wie das Gebäudemanagement oder die Verpflegung übernommen. Die Verantwortung für den Vollzug selbst blieb natürlich beim Start und das Ergebnis ist ein moderner, sehr funktionaler Komplex. Eigentlich hohe Sicherheit, Mauern, Zäune, schleusen, ein Ort, an dem jede Tür natürlich erst aufgeht, wenn die vorherige zu ist. Ja, und wer sitzt da ein?
Also es sind erwachsene Männer im geschlossenen Vollzug. Das sind gut 680 Haftplätze. Nach Burg kommen Gefangene mit längeren Strafen ab zweieinhalb Jahre vollzugsdauer, also auch lebenslange, dazu Menschen in Sicherungsverwahrung und Ende März 2025 waren es 605 Gefangene und 17 Sicherungsverwahrte.
Es ist das größte Gefängnis des Landes, muss man dazu sagen, und die Anstalt war schon vorher in den Schlagzeilen, denn 2022 hat dort der Attentäter von Halle 2 Bedienstete als Geiseln genommen und. Und 2024 kam heraus, dass Gefangene einen Lageplan der Anstalt besaßen. Oi OK, also ein Ort, an dem Sicherheit, ich zitiere dich eigentlich genau deswegen großgeschrieben wird.
Genau, eigentlich. Und gleichzeitig ist Burg in ganz Sachsen Anhalt das einzige Gefängnis, dass diese Langzeitbesuche überhaupt anbietet. Die rechtliche Grundlage ist ganz unscheinbar. Im Justizvollzugsgesetzbuch des Landes steht sinngemäß, der Anstaltsleiter kann mehrstündige unbeaufsichtigte Besuche zulassen, wenn das der Eingliederung des Gefangenen dient und er dafür geeignet ist. Das ist alles, und das Wort kann ist dabei entscheidend. Das ist ein Ermessen, kein Anspruch. Ja und?
Unbeaufsichtigt heißt das wirklich unbeaufsichtigt? Ja, das heißt tatsächlich wirklich unbeaufsichtigt. Also es ist niemand dabei. Das Ministerium hat nach der Tat ausdrücklich gesagt, nach der geltenden Rechtslage darf es in diesen Räumen keine Kameraüberwachung geben, das ist ja gerade auch der Sinn und Zweck dieses Langzeitbesuches weil die Menschen sollen für ein paar Stunden sowie etwas Alltag erleben, gemeinsam kochen, mit den Kindern spielen.
Ein paar sein und in Burg dauerten diese Besuche in der Regel 5 Stunden. Vorher gibt es natürlich Kontrollen, logischerweise und hinterher natürlich auch, aber dazwischen ist die Tür zu und man kann so das ja familienleben aufpeppen lassen, sage ich mal. Ja, für ein paar Stunden. Und jetzt stellt euch diesen Weg einmal vor.
Draußen der Parkplatz, die Pforte, das Schließfach für Handy und Geldbeutel. Dann kommt die Kontrolle, dann Türen, die sich hinter dir schließen, bevor sich die nächste öffnet. Es sind lange Gänge, kaltes Licht, Beton überall, also das Gefühl, hier wird jeder Schritt registriert und am Ende dieses Weges öffnet sich plötzlich.
Eine Tür in etwas, das aussieht wie eine kleine private Wohnung mit einem so feiner kochnische, Dusche sogar mit einem Balkon und eine Beamtin hat den Raum vor Gericht recht heimelig genannt. Ja, und genau dieser Bruch ist es, der mich an diesem Fall nicht loslässt. Also du musst dir das so vorstellen.
Du gehst durch den am stärksten kontrollierten Raum, den unser Staat kennt und. Und dann öffnet sich eine Tür und du landest in einem einzigen Raum darin, in dem niemand mehr hinschaut, also kein Auge an der Decke, kein Mikrofon, da ist nur ein Kasten an der Wand, eine Rufanlage, die direkt ins Dienstzimmer führt und für ein paar Stunden ist dieser Raum das Privateste, was es in einem Gefängnis je gibt.
Und deshalb heißt sie im Volksmund auch so wie wir unsere Folge genannt haben, Liebeszelle. Im Justizdeutsch, also Raum für Langzeitbesuche? Ja, das ist bisschen langweiliger, von Begrifflichkeit her und ehrlich gesagt finde ich das Wort Liebeszelle zu klein für das, was dort eigentlich passieren soll. Diese Besuche sind auch für Familien gedacht, für Väter und ihre Kinder.
Ja, mit einem gemeinsamen Kochen, reden, streiten, Zeit haben, eben ganz normal Familie sein, nur hinter Mauern. Ja, viele stellen das immer so dar, als wäre dieser Raum jetzt nur für das eine gedacht, für Paare meistens, aber das ist es halt nicht. Also viele, aber. Ist das auch erlaubt? Das ist auch erlaubt, ja klar.
Also wie schon gesagt, das ist einfach dein. Absolute Privatsphäre doch. Das machen, was du willst gerade. Das machen, was du willst. Alles legale. Da ist alles legal. Man kann alles machen, was man möchte, was legales, zumindest ne. Also du kannst ja nichts irgendwelche Sachen jetzt einschleusen oder sowas, da wird man ja kontrolliert, aber also so viele denken es ist nur für das eine gedacht, aber viele meiner Mandanten schätzen es wirklich, die das wahrnehmen dürfen, die freuen sich ja auch auf die Kinder. Ja ne die Spielen da mit den Kindern. Du musst dir so vorstellen, das ist das Wohnzimmer für 5 Stunden und ich kann mich noch ganz.
Genau die sind ja auch zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Also das darf man auch nicht. Vergessen. Viele Menschen sind ja hier 2 plus sozusagen Haftstrafen verurteilt worden, und ich hatte tatsächlich einen Mandanten, für den wir lange dafür gekämpft haben, dem dieser Besuch. Genehmigt wird.
Und er hatte gerade mal einen zweijährigen Sohn und das war halt für ihn Gold wert, weil er einfach diese 5 Stunden ja Vater sein durfte. Normalerweise ist es ja wirklich schwer für jemanden. Ja, aber zurück zum Fall, denn an diesem Donnerstag geht die Tür am Vormittag zu. Nach den Angaben, die damals von Polizei und Staatsanwaltschaft berichtet wurden, beginnt der Besuch um 09:00 Uhr.
Franziska A. Ist bei ihrem Mann und die Stunden vergehen gegen 14:00 Uhr, also am Ende der Besuchszeit, schließen Bedienstete die Tür auf. Eine Beamtin findet Franziska A. Leblos in dem Raum und ruft um Hilfe, die Bediensteten beginnen sofort mit der Wiederbelebung, bis medizinisches Personal eintrifft, allerdings kann ein Notarzt nur noch ihren Tod feststellen.
Und dann passiert etwas, dass ich aus Ermittlungsverfahren gut kenne. In den ersten Tagen weiß eigentlich niemand etwas Genaues. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagt am nächsten Tag sinngemäß, dass es in solchen Räumen keine Kamera gibt und man deshalb nicht genau nachvollziehen kann, wie die Frau ums Leben gekommen ist. Ermittelt wird natürlich gegen den Ehemann, Anfangsverdacht Totschlag und nach der ersten Leichenschau ist die Lage sogar noch unklarer.
Es werden zwar leichte Würgemale am Hals festgestellt, aber die werden zunächst nicht zwingend als tödlich eingeschätzt. Das muss man sich mal vorstellen. Die Familie bekommt die Nachricht und in den ersten Tagen steht im Raum, vielleicht war es gar keine Gewalttat. Ja, und dann kommt die Obduktion.
Polizei und Staatsanwaltschaft teilen gemeinsam mit Franziska A. Ist durch Gewalt gegen den Hals gestorben. Gegen den Ehemann ergeht Haftbefehl wegen Totschlags. Moment, das musst du erklären. Der Mann sitzt doch schon im Gefängnis, wozu braucht man da noch einen Haftbefehl? Ja, das ist eine super Frage.
Die stellen mir tatsächlich auch Angehörige von Mandanten, auch ständig, er sitzt ja wegen einer anderen Strafe ein, und die hat ein Ende, und wenn diese alte Strafe abgelaufen ist, müsste man ihn entlassen. Auch wenn gegen ihn wegen eines Tötungsdelikts ermittelt wird. Und deshalb kommt der Untersuchungshaftbefehl obendrauf.
Juristen nennen das Überhaft, also der Haftbefehl wartet sozusagen im Hintergrund und greift in dem Moment, in dem die alte Strafe endet, und genau so wurde es auch damals begründet, damit er nicht vorzeitig entlassen werden kann. Und die Anstalt reagiert sofort. Am 7. April hängt ein Aushang und da steht bis auf weiteres, und zwar mindestens bis zum 31. Dezember. 2025 finden keine Langzeitbesuche mehr statt. Für alle.
Und politisch geht es auch sofort los. Die linken Fraktionschefin im Landtag fordert Aufklärung und stellt die Frage, die über allem schwebt, ob diese Tat hätte verhindert werden können. Das Ministerium spricht den Angehörigen seine Anteilnahme aus und kündigt eine Aufarbeitung an und für die Bediensteten, die an diesem Tagdienst hatten, gibt es Unterstützungsangebote.
Ja, und das finde ich auch richtig so. Wir reden in solchen Fällen immer über Täter und Opfer, aber. Da steht auch eine Beamtin, die diese Tür aufgeschlossen hat und versucht hat, eine Frau wiederzubeleben. Ich hab mal mit einer Rettungssanitäterin gesprochen, die gesagt hat, die Einsätze, die man vergisst, sind die, bei denen das gut ausgegangen ist und die anderen bleiben, und diese Beamtin trägt das ihr Leben lang mit sich. Ja und?
Sie war ja nicht die einzige im Dienst, die an diesem Tag etwas mitbekommen hat. Denn Stunden vorher, mitten im Besuch, kommt aus genau diesem Raum ein Ruf ins Dienstzimmer. Anfang Oktober 2025 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Totschlags am 2. Dezember 2025 beginnt der Prozess vor dem Schwurgerichtskammer des Landgerichts und die Anklage ist kurz.
Er soll seine Frau so stark am Hals gewürgt haben, dass sie trotz umfangreicher Wiederbelebung gestorben ist. Der Angeklagte äußert sich zunächst nicht. Seine Verteidigerin kündigt an, er werde sich später einlassen und dann sagen, Justizvollzugsbeamte aus. Eine Beamtin berichtet von diesem Ruf während der Besuchszeit, geht über die Rufanlage aus dem Langzeitbesuchsraum ein Anruf im Dienstzimmer ein.
Und sie hört, so schildert sie es, ausschließlich das Stöhnen einer Frau. Und sie ordnet das als sexuell ein. Sie fragt nach und aus dem Raum sagt niemand etwas. Ja, also bei mir spult in meinem Kopf sofort der Verteidiger ab. Was wissen wir eigentlich über diesen Ruf? Wir wissen, was die Beamtin gehört hat, und wir wissen, wie sie es eingeordnet hat, das sind 2 verschiedene Dinge. Wir wissen allerdings nicht, wer die Anlage ausgelöst hat. Wir wissen auch nicht, ob es absichtlich war oder aus Versehen, und wir wissen nicht einmal die Uhrzeit und in jedem Prozess, den ich führe, da würde ich genau an dieser Stelle nachbohren, zu welcher Minute, wie lange, was genau war zu hören.
Mhm, ja, ich denke mir halt was, wenn das keine Lust laut war. Was wenn jemand nicht mehr sprechen konnte? Ja ich weiß es nicht. Das weiß einfach niemand. Und ja, die Beamtin hat an diesem Tag eine Entscheidung in Sekunden getroffen mit dem, was sie in diesem Moment wusste, welche Vorschrift damals für einen Ruf galt, auf den niemand antwortet, ist öffentlich nicht bekannt und aus einem einer späteren Tötung kann man nicht rückwärts schließen, dass vorher jemand etwas falsch gemacht hat, also das würde ich in keinem Verfahren gelten lassen, auch nicht gegen eine Beamtin.
Ja, aber die Frage stellen darf man, finde ich und. Ich stell sie euch. Was müsste so ein Ruf auslösen? Wann muss eine Tür aufgemacht werden, auch wenn es vielleicht peinlich wird, schreibt uns das gerne in die Kommentare, wir lesen die Kommentare sehr gerne, insbesondere ja das. Stimmt. So, und jetzt komme ich zum Prozess 10 Tage nach dem Prozessauftakt am 12.
Dezember äußerte sich der Angeklagte, und zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das ist kurz einen Satz wert. Das Gerichtsverfassungsgesetz erlaubt es, die Öffentlichkeit auszuschließen, wenn Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich zur Sprache kommen, deren öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde, und das betrifft hier nicht nur ihn. Sondern ganz besonders auch die Verstorbene. Ja, was er ja gesagt hat, ist mir deshalb nur mittelbar über den Anwalt der Familie.
Danach war es ein Unfall beim Geschlechtsverkehr, er habe seine Frau zur Luststeigerung gewürgt und dabei die Kontrolle verloren, weil er vorher synthetische Cannabinoide genommen habe. Mhm. Und nach Berichten aus dem Prozess hat eine Sachverständige diese Version für möglich gehalten, also aus gutachterlicher Sicht konnte man nicht ausschließen, dass es so gewesen sein könnte. Ja, und dann kommt diese andere Information, bei der ich wirklich schlucken musste.
Nach den Berichten soll er nach der Tat gesagt haben, er habe seine Frau gewürgt, weil er die Wahrheit wissen wollte. Wem gegenüber er das gesagt hat und in welchem Zusammenhang, ist nicht öffentlich bekannt. Ja, und da merkt man, wie sehr der Kontext zählt, je nachdem, wie dieser Satz gefallen ist, kann er viel bedeuten oder sehr wenig, deshalb bin ich bei jeder Äußerung, die nur aus zweiter Hand bekannt ist, sehr vorsichtig, aber 1 ist klar, mit der Unfallversion passt dieser Satz schlecht zusammen. Also liegen jetzt auf dem Tech ein Gutachten, das einen Unfall für möglich hält, die Einlassung des Angeklagten, es war ein Unfall, ein Satz nach der Tat über die Wahrheit, ein Ruf, den niemand sicher deuten kann und
keine Kamera. Ja, und stellt euch jetzt vor, ihr sitzt als Chefin oder als Chefin in diesem Verfahren. Ihr seid keine Juristen, ihr sitzt da sozusagen als Bürgerinnen und Bürger und sollt entscheiden. Ein Gutachten sagt, Es ist möglich. Muss ein Gericht dann nicht zwingend zugunsten des Angeklagten entscheiden? Im Zweifel für den Angeklagten heißt es ja, und genau da steigen wir jetzt ins Recht ein.
Ja, fangen mit dem Satz an, den alle kennen, im Zweifel für den Angeklagten in dubio pro reo. Der gilt ausnahmslos, aber er wird ganz oft missverstanden, das heißt nicht. Sobald irgendjemand sagt, es könnte auch anders gewesen sein, muss er freigesprochen werden. In der Strafprozessordnung steht in Paragraph 261 das Gericht entscheidet nach seiner Freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung geschöpften Überzeugung, also aus allem, was im Saal auf den Tisch kam, zusammen betrachtet. Und was braucht das Gericht für diese Überzeugung? Also nach ständiger Rechtsprechung keine mathematische Gewissheit, sondern ein Maß an Sicherheit, das vernünftigen Zweifeln Schweigen gebietet und das Wort, auf das es ankommt, ist
vernünftig. Ein Gutachten, das sagt, aus medizinischer Sicht ist dieser Ablauf möglich, bedeutet erst einmal nur. Die Befunde widerlegen die Version nicht. Ob sie stimmt, entscheidet nicht die Sachverständige, sondern das Gericht mit allen anderen Beweisanzeichen zusammen. Und das Gericht hat sich auf eine ganze Reihe solcher Beweisanzeichen gestützt.
So hat es später auch der Bundesgerichtshof festgehalten. Die Kammer sah die Täterschaft insbesondere aufgrund einer Vielzahl von Beweisanzeichen als erwiesen an. Welche das im Einzelnen Waren, steht in den schriftlichen Urteilsgründen. Und die sind nicht veröffentlicht. Ja, leider. Und jetzt muss ich als Strafverteidiger ehrlich sagen, was mich an diesem Fall umtreibt.
Wenn selbst ein Sachverständige sagt, ein Unfall ist möglich, wo genau endet dann der vernünftige Zweifel? Ich habe nämlich Verfahren erlebt, in denen ein einziges Gutachten der gesamte Wendepunkt war. In beide Richtungen. Also ich sag nicht, dass das Gericht hier falsch lag. Der BGH hat das Urteil geprüft und keinen Rechtsfehler gefunden.
OK, aber ich verstehe jeden, der an diesem Punkt hängen bleibt. Ja, für mich ist das genau der Unterschied zwischen einem theoretischen und einem vernünftigen Zweifel. Wenn ich es so ausdrücken darf. Eine Gutachterin schaut sich die Befunde an, sie sieht nicht das Telefonat am Abend, sie sieht auch nicht die Lügen. Sie hört nicht den Satz nach der Tat. Das Gericht sieht alles, und wenn alles zusammen in eine Richtung zeigt, dann darf ein Gericht auch sagen, ich bin überzeugt, auch wenn ein einzelnes Puzzlestück für sich genommen auch anders passen würde und die zweite große Frage, die mir wirklich am Herzen liegt, warum eigentlich Totschlag und nicht Mord?
Eine Frau, die ihren Mann besucht, der sich auf ihn freut, die mit ihm alleine in einem verschlossenen Raum ist, in dem sie niemand hört, wenn das nicht arglos ist, was dann? Ja, das ist die Heimtücke. Und die Frage ist berechtigt, erstmal das Grundsätzliche, also Totschlag ist die vorsätzliche Tötung eines Menschen, Mord ist ein Totschlag plus ein Mordmerkmal und eines Räume ich gleich ab, weil es auch falsch erzählt wird. Geplant gleich Mord, spontan gleich Totschlag, das ist steht nirgendswo im Gesetz und ist absoluter Unfug. Also Planung ist kein Mordmerkmal und hier zum Beispiel nehmen wir mal die Heimtücke heimtückisch tötet, wer die und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst ausnutzt und arglos ist.
Wer im Moment des Angriffs nicht mit einem Angriff rechnet, und jetzt kommt der Knackpunkt, ein Streit vorher schließt die Arglosigkeit nicht automatisch aus. Entscheidend ist, ob sie in dem Moment damit gerechnet hat, dass er ihr etwas antut. Wenn ein Gericht feststellt, dass es einen offenen Streit gab und die Tat aus diesem Streit heraus geschah, dann liegt es natürlich nahe, dass die Heimtücke deshalb verneint wird, aber da muss ich auch klar sagen, warum genau die Kammer hier kein Mordmerkmal angenommen hat, wissen wir ja leider nicht, weil wir die Urteilsgründe nicht vorliegen haben. Ja, und dennoch bleibt bei mir so ein Unbehagen. Ja, es ist ein Raum, in dem niemand helfen kann, ein Mensch, dem man vertraut, wenn das am
Ende kein Mord ist, dann muss man das der Familie aber sehr gut erklären können. Ja, und das ist auch eure Frage. Heute ist das Totschlag oder Mord, wie würdet ihr entscheiden, schreibt das doch gerne in die Kommentare. Ja, und dann habe ich noch einen dritten Punkt. Und der ist für viele, glaube ich, der Überraschendste.
Was wäre eigentlich gewesen, wenn die Version des Angeklagten gestimmt hätte, wäre er dann freigekommen? Also selbst wenn es so gewesen wäre, wie er es beschreibt, wäre das nicht straflos geblieben. Der Bundesgerichtshof hat schon 2004 in einer Grundsatzentscheidung genauso einen Fall entschieden, würden bei sexuellen Praktiken mit Einverständnis der Frau. Das Gesetz sagt in Paragraph 228 des Strafgesetzbuchs eine Körperverletzung mit Einwilligung ist trotzdem rechtswidrig, wenn die Tat gegen die guten Sitten verstößt. Und der BGH hat gesagt, diese Grenze ist jedenfalls dann überschritten, wenn der Einwilligende bei vorausschauender Betrachtung in konkrete Todesgefahr gebracht wird, also wer jemanden bis zur
Lebensgefahr wirkt, kann sich auf diese Einwilligung nicht berufen. Also auch bei der Unfallversion Körperverletzung mit Todesfolge oder fahrlässiger Tötung. Ja genau. Körperverletzung mit Todesfolge hat eine Mindeststrafe von 3 Jahren. Das heißt, in diesem Prozess ging es nie um Schuldige oder unschuldig, es ging um die Frage, wollte er sie töten oder hat er ihren Tod zumindest billigend in Kauf genommen, und das ist der Unterschied zwischen Totschlag, mindestens 5 Jahre und hinterlegten darunter. Und die Drogen, wenn er wirklich unter. Ja, synthetischen Cannabinoidenstand. Da muss man 2 Stufen unterscheiden. Die Erste ist die Schuldunfähigkeit, das ist in Paragraph 20 Strafgesetzbuch
geregelt. Wer nicht mehr steuern kann, was er tut, wird nicht bestraft, die zweite ist verminderte Schuldfähigkeit Paragraph 21 Strafgesetzbuch wenn die Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert war, kann die Strafe gemildert werden und der Vorsitzende Richter hat in der mündlichen Urteilsbegründung gesagt.
Ja, er hat die Drohung genommen, aber er hat dadurch nicht seine Steuerungsfähigkeit verloren. Also keinen Freifahrtsschein durch Drogen. Nein. Ob die Kammer eine erhebliche Verminderung geprüft hat und verneint hat, wissen wir leider auch nicht. Aber dass er die Kontrolle über sich ganz verloren hätte, das hat sie ihm ausdrücklich nicht abgenommen.
Und dann sagt dieses Gericht in seiner Urteilsbegründung noch etwas ganz anderes. Es benennt, was es für viel wahrscheinlicher hält als einen Unfall. Und plötzlich ergibt dieses Telefonat am Abend, ich weiß noch gar nicht, ob ich überhaupt Urlaub bekomme, einen ganz anderen Sinn. Es ist der 17 Februar 2026 und der letzte Verhandlungstag. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten.
Und dann? Verkündet die Schwurgerichtskammer ihr Urteil? Stefan A. Wird wegen Totschlags zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Und der Vorsitzende erklärt in der mündlichen Begründung, warum die Kammer nicht an einen Unfall glaubt. Das Gericht hält einen Streit nämlich für viel wahrscheinlicher, einen Streit, den auch Zeugen belegt hätten. Und worum ging es in diesem Streit um den tatsächlichen Zeitpunkt seiner Entlassung?
Über den hatte er seine Frau, so das Gericht, immer wieder belogen. Und da sind wir wieder bei dem Telefonat. Ob genau dieses Gespräch am Abend mit dem Streit zu tun hatte, wissen wir nicht, aber man stellt sich unweigerlich eine Frau vor, die ihr Leben um ein Datum herum plant, die überlegt, wann sie frei nehmen muss, um ihren Mann abzuholen, die vielleicht schon der Familie erzählt hat. Wann er wieder da ist und dieses Datum bestimmt nicht. Nach Überzeugung des Gerichts kam es im Zuge dieses Streits zu der tödlichen Würgerattacke.
Und jetzt muss man 2 Dinge auseinanderhalten, weil sich die Berichte da nur scheinbar widersprechen. In einem Teil heißt das, das Motiv sei im Dunkeln geblieben, in einem anderen der Streit um die Entlassung sei der Auslöser gewesen. Beides stimmt, der Streit ist der Anlass, den das Gericht festgestellt hat, warum ein Mann? So einem Streit seine Frau die Luft abdrückt, dieses tiefere warum, das bleibt hier leider offen. Und der Anwalt der Familie hat nach dem Urteil einen Satz gesagt, wir wissen es nicht.
Also die Familie hat den Prozess begleitet, sie hört alles, und am Ende gibt es ein Urteil, aber keine vollständige Antwort. Ja, und genau das ist Strafprozess. Ein Gericht muss nicht jede Sekunde kennen, um zu wissen. Was passiert ist. Und es muss nicht jedes Motiv verstehen, um einen Täter zu verurteilen.
Ein unbekanntes Motiv ist eben nicht dasselbe wie ein unbekannter Täter. Und die 10 Jahre ist das viel oder wenig. Also, Na ja, Totschlag hat einen Regelstrafrahmen von 5 bis 15 Jahre und 10 Jahre liegen genau in deiner Mitte. Welche Umstände die Kammer bei der Strafzumessung wie gewichtet hat, steht wieder in den Urteilsgründen, die wir nicht kennen.
Und deshalb halte ich nichts von Schlagworten wie Drogenrabatt oder zu milde, da fehlt uns einfach die Grundlagen. Die Verteidigerin legt Revision ein, und sie bleibt dabei. Und dass es ein Unfall war, ja. Und dann kommt der sechste Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Leipzig und prüft das Urteil umfassend in sachlich rechtlicher Hinsicht. Für alle die Zuhörende Revision heißt nicht, dass der Prozess noch einmal stattfindet.
Der BGH hört also keine Zeugen und schaut sich nicht die Beweise noch mal an. Er prüft, ob das Landgericht das Recht richtig angewendet hat und auch, ob die Beweiswürdigung lückenlos in sich schlüssig ist. Mit Beschluss vom 5. August 2026 verwirft der BGH die Revision Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten gebe es keine.
Und damit ist das Urteil rechtskräftig. Stefan A. Ist wegen Totschlags an seiner Frau verurteilt, und zwar endgültig. Strafrechtlich ist dieser Fall damit abgeschlossen, aber in der JVA Burg sitzen zu diesem Zeitpunkt noch dutzende andere Männer, die ihre Frauen, ihre Verlobten oder auch Kinder sehen wollen und für einen von ihnen beginnt mit dem Tod von Franziska A. Ein ganz eigener Kampf.
Der bis vor ein Oberlandesgericht geht. Ihr erinnert euch an diesen Aussagen vom 7. April 2025 keine Langzeitbesuche mindestens bis Ende des Jahres. Das Ministerium hat das so erklärt. Man wollte alle Zulassungen einer kritischen Einzelprüfung unterziehen und das Konzept und das Zulassungsverfahren überprüfen. Gefangene haben das in einem offenen Brief ganz anders genannt, eine Kollektivstrafe.
Und einer von ihnen ist vor Gericht gezogen. Nämlich ein Gefangener, der seit August 2024 für Langzeitbesuche mit seiner Verlobten zugelassen war. Er hatte 4 Besuche a 5 Stunden, alle ohne jede Beanstandung, und der nächste war schon genehmigt für 8.5. 2025 und dann kam dieser Aushang. Das Landgericht entscheidet noch im April 2025 diese pauschale Aussetzung war rechtswidrig.
Die Anstalt habe den hohen Stellenwert von Artikel 6 Grundgesetz nicht ausreichend beachtet, nicht auf den Einzelfall geschaut und keine Alternativen erwogen. Und die Ironie dabei ist ja, Einzelfallprüfung war ja genau das, was das Ministerium nach eigener Darstellung wollte. Ja, genau, den Termin im Mai hat das Gericht trotzdem nicht erzwungen. Im Eilverfahren hat es gesagt, die Anstalt könne Gründe haben und mein Besuch lasse sich ja auch nachholen, dann hat die Anstalt eine neue Regel eingeführt, wer zugelassen ist, braucht nach 6 Monaten ein erneutes Kontaktgespräch mit der Besuchsperson.
Das Gespräch kam bei diesem Paar nicht zustande. Die Anstalt lehnte weitere Besuche ab und das Oberlandesgericht Naumburg sagt im Februar 2026 so nicht Leute, wer einmal für geeignet erklärt wurde und dessen Besuche ohne Probleme verlaufen sind, genießt Vertrauensschutz. Die neue Prüfung ist in Wahrheit ein Widerruf und dafür muss man abwägen. Im Mai 2026 verpflichtet das Landgericht die Anstalt dann neu zu entscheiden.
Und bis dahin hatte dieses Paar über ein Jahr lang keinen einzigen Langzeitbesuch. Ja, seit April 2025 tatsächlich keinen einzigen. So steht es im Beschluss, wie die Anstalt danach entschieden hat, ist noch nicht öffentlich. Und ja, ich verstehe die Verlobte dieses Mannes schon. Sie hat nichts getan, aber wenn ich mir vorstelle, ich bin die nächste Frau, die in diesen Raum geht, nach dem, was Franziska A.
Passiert ist. Dann möchte ich, dass vorher jemand sehr, sehr genau hinschaut. Und für mich ist eine Pause nach so einer Tat zunächst einmal eher Schutz. Ja. Wobei ich sage, Schutz ja, aber nicht pauschal. Also diese Frau hat viermal ohne jedes Problem ihren Partner oder so und sie verliert den Kontakt wegen einer Tat, mit der sie nichts zu tun hat. Und genau das haben ja die Gerichte ja auch gerügt und das gehört finde ich auch hier zur Wahrheit. Diese Entscheidungen sagen nichts darüber, ob bei Stefan A. Etwas falsch geprüft wurde, das ist ein anderer Mann und dann auch ein anderes Verfahren einfach. Seit Oktober 2025 werden die Räume in Burg wieder genutzt. Mit einem überarbeiteten
Konzept. Was genau sich geändert hat, sagt das Ministerium allerdings nicht aus Gründen der Sicherheit und Ordnung öffentlich bekannt ist nur die Regel mit dem erneuten Kontaktgespräch. Und in Niedersachsen hat die Landesregierung ausdrücklich wegen des Falls in Burg ihre Schutzkonzepte offengelegt. Detektorenkontrollen vor und nach dem Besuch Eignungsprüfungen und Gespräche vorab. Das heißt nicht, dass es in Burg anders lief. Das zeigt nur, dass man über so etwas transparent einfach sprechen muss.
Und wenn ihr mich fragt, was ich mir wünschen würde, und das ist jetzt ausdrücklich meine eigene Meinung, ein vertrauliches Gespräch mit der Besucherin allein, ohne den Gefangenen. Eine Notrufmöglichkeit nur sie auslösen kann und eine klare Regel, was passiert, wenn aus diesem Raum ein Ruf kommt und niemand antwortet, ob irgendwas davon Franziska A.
Gerettet hätte, kann niemand sagen. Und ich als Strafverteidiger kann ja finde, dass die Räume kein Luxus sind. Der Gesetzgeber in Sachsen Anhalt wollte damit gerade den Gefangenen, die sobald keine Lockerungen bekommen, die Pflege enger Bindungen einfach ermöglichen. Denn irgendwann kommen fast alle ja wieder raus und dann ist die Familie oft das einzige, was sie trägt. Die Frage ist nicht liebeszellen ja oder nein, die Frage ist, wie schützen wir die Menschen, die durch diese Türen gehen, ohne allen anderen die Tür zuzuschlagen. Franziska A.
Stand an diesem Donnerstag im April an der Pforte, hat ihren Ausweis abgegeben, ihr Handy, ihren Geldbeutel. Und sie hat sich gefreut, wie jedes Mal. Das ist das, was von ihr in diesem Verfahren geblieben ist. In den Aussagen der Menschen, die sie zuletzt gesehen haben. So möchte ich mich an sie erinnern.
Das Urteil beantwortet, wer für ihren Tod verantwortlich ist, was es nicht beantwortet, ist die Frage, die gleich in den ersten Tagen gestellt wurde, ob es hätte verändert werden können. Diese Antwort schuldet nicht das Gericht, die Schulden je anderen. Ja, Totschlag oder Mord? Wie würdet ihr entscheiden und was muss passieren, wenn aus so einem Raum ein Ruf kommt?
Schreibt es uns gerne in die Kommentare und wenn euch die Folge gefallen hat, folgt uns überall, wo es Podcasts gibt, abonniert uns und wir sind auch auf Instagram tik tok präsent at baylactal Law talk ja. Danke, dass ihr bis hierhin dabei wart. Bis zum nächsten Mal. Ich sage schon mal Tschüss. Und ich sage, wie immer, passt auf euch auf, bleibt vorsichtig und achtsam.