Behind Science

Philipp Reis: Hallo, wer ist da?

Samstag, 24. Januar 2026 · 27 min

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Shownotes

Er ist der erste, der Ton mit Strom übertragen kann, aber die Wissenschaft findet's gar nicht gut. Warum Philipp Reis nie als Erfinder des Telefons bekannt wurde, erfahrt ihr in dieser Folge. Guckt euch gerne auch die Aufzeichnung (ardmediathek.de/video/hr-retro-oder-abendschau…), des ersten Test-Spruchs an.

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Einen schönen Science-Samstag wünschen wir euch. Hallöchen. Hi. Wir hoffen, ihr habt es schön. Wir sind auf jeden Fall ganz froh, dass wir uns hier wieder so gut unterhalten können. Also für mich fühlt sich das immer an, als würden wir einfach telefonieren. Wobei es ist sogar ein Video-Call. Luisa und ich sehen uns.

Ja. Ihr hört uns. Das ist ja schon advanced. Und es ist so vom Gefühl her, als würde man einfach telefonieren und über so eine Story quatschen, die man gerade gehört hatte und die Zufälligkeit in der Wissenschaftsgeschichte stattgefunden hat. Ja, voll, ja. Aber trotzdem, vorneweg reden wir auch immer noch so ein bisschen und dann danach irgendwie noch ein bisschen. Man erfährt immer wieder, was beim anderen gerade los ist und so. Und dazwischen ist dann diese Geschichte.

Also für mich ist das auch wie so eine kleine Redestunde immer hier mit dir. So ein kleiner... Kleine Therapiestunde. Auch manchmal. Wo man alles einmal ausbreitet. Auch manchmal. Oh, willst du was loswerden heute? Musst du was mit uns teilen? Oh Gott, nee, so war das jetzt nicht gemeint. Nicht die Nummer gegen Kummer, aber manchmal kann man hier schon ganz gut so seine Gedanken sortieren, finde ich.

Immer gut, finde ich, wenn man den Hörer in die Hand nimmt und eine Freundin anruft oder einen Freund oder irgendwie jemanden, mit dem man sprechen kann. Wo wir schon voll im Thema sind hier. Absolut. Und das ist ja echt nochmal anders sprechen können über Distanz. Das ist eigentlich heute unser Thema.

Ja, das stimmt. Wenn man eben die beste Freundin, die beste Freund nicht um die Ecke wohnen hat und auf diese Leitung angewiesen ist, dass man da was teilen kann und so weiter. Wir haben letzte Woche ja schon darüber gesprochen, was für ein Riesenvorteil es dann auf einmal war, als man sozusagen Nachrichten über den Atlantik verschicken konnte auf einmal.

Also das war wirklich, hat die Welt nochmal verändert. Und heute geht es sozusagen weiter mit dieser langen Leitung, die wir hier legen. Genau, weil das waren ja nur Nachrichten zum Lesen. Und heute geht es wirklich um Live-Nachrichten zum Hören und darauf antworten können. Wir sprechen heute über Philipp Reis und die Erfindung des Telefons.

Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider, Ich musste bei dieser Folge noch mal so ein bisschen mich zurückversetzen in die Zeit, als man noch kein Handy hatte. Also so kein mobiles Telefon, mit dem man so dieses Gefühl hat, ich bin jetzt quasi permanent, könnte ich mit meinen Freundinnen verbunden sein.

Erinnerst du dich daran? Mhm, schwer. Also da hat man ja dann wirklich, ich hatte ja zum Glück hier viele irgendwie in der Nachbarschaft, die ich kannte, da hat man ja dann wirklich geklingelt. Ja, stimmt. Oder übers Haustelefon angerufen. Und da finde ich es so schön, da ist mir letztens mal klar geworden, da hatte man ja oft dann auch die Eltern dran oder die Geschwister oder so.

Und auch andersrum, wenn Freunde meiner Eltern hier angerufen haben, habe ich ja auch oft mit denen gesprochen und das kommt ja gar nicht mehr vor. Wie bist du drangegangen ans Telefon? Hallo, hier ist Luisa Pfeifenschneider. Ich auch. Auch mit Luisa Pfeifenschneider. Und auch immer Hallo zuerst. Ja, aber es ist doch total super.

Ich fand immer Leute ganz komisch, die einfach nur Ja oder Hallo. Lass mich mal eben überlegen. Oder habe ich immer gesagt, Marie Eickhoff, Hallo? Wie an so einer Telefonzentrale. Marie Eickhoff, Hallo. Was kann ich für Sie tun? Genau. Nee, aber irgendwie finde ich das eigentlich ganz schade. Also ich telefoniere auch einfach sehr, sehr gerne.

Deswegen an dieser Stelle schon mal vielen Dank, Philipp Reis. Auf jeden Fall. Für viele gute Stunden telefonieren. Und ich finde, erstens telefoniert man weniger mit Leuten, mit denen man so jetzt mal nicht sprechen würde, seit es irgendwie Handys gibt. Und man spricht auch oft nicht mehr so lang. Bei mir ist das dann, dass ich mich zum Telefonieren verabrede, aber zu einer festen Uhrzeit.

Also ich mache so Termine dafür aus. Es ist nicht mehr dieses, man wählt einfach mal eben diese Nummer und wie du gesagt hast, Freundin damals, ich habe noch echt viele Nummern auswendig, vor allem, weil die auch so kurz waren, also bei uns, das ist erländlich, da gab es viele Nummern, die waren nur vierstellig.

Ja, ich wollte gerade alle aufsagen. Ich glaube, teilweise sind die noch belegt. Ja, und teilweise sind das jetzt auch so PIN-Codes von mir, weil die so schön kurz waren. Ja, genau. Aber wirklich, ich kenne auch, das geht mir genauso, ich kenne diese ganze Nummer noch auswendig. Also das kann ich nur mit meiner eigenen Handynummer. Ich wollte gerade sagen, gar nicht alle kennen ihre eigene Handynummer auswendig, weil die sind ja so lange.

Genau. Ja, ja. Ja, telefonieren ist schon irgendwie eine schöne Sache, wo gute Erinnerungen mit verbunden sind. Aber wir sind ja schon aufgewachsen mit Telefon ohne Kabel. Das muss ja auch ein bisschen schwieriger gewesen sein, wenn du dann mit deinem Freund oder so telefonieren wolltest und dann saß da irgendwie die Mutter im Nebenraum und du konntest aber nicht das Telefon mitnehmen, weil es da an dieser Telefonstation war.

Stimmt. Das stelle ich mir auch ein bisschen anstrengend vor. Brauchte man so eins mit einem ganz langen Kabel. Überhaupt. Erinnern wir uns ja gar nicht an eine Zeit ohne Telefon. Also seit es uns gibt, dann gab es immer schon ein Telefon, unser Glück. Aber wir wollen uns jetzt mal ein bisschen in die Zeit zurückversetzen, in der es noch kein Telefon gab.

Und man muss auch sagen, die Erfindung des Telefons, die wurde am Anfang überhaupt gar nicht so richtig beachtet. Vor allem von der Wissenschaftswelt nicht. Die wurde eher weggelächelt und auch der Erfinder des Telefons blieb ziemlich unbekannt. In manchen Geschichtsbüchern kommt dieser originale Erfinder auch gar nicht vor und deswegen fanden wir es sehr wichtig, dass ihr heute von ihm erfahrt, denn er kommt sogar aus Deutschland.

Oh ja, das kann man am Namen schon so ein bisschen ablesen. Und seine Geschichte beginnt quasi da, wo auch die der Sonnenmilch begonnen hat. Die OGs von Behind Science werden sich erinnern, die anderen könnten gerne nochmal nachhören. Philipp Reis wird 1834, also vor 192 Jahren, in Gelnhausen geboren.

Das liegt bei Frankfurt. Und Philipps Vater Karl ist Bäcker. Da ist diese Verbindung zusammennig, dessen Erfinder auch Bäcker war. Also die Bäckersöhne scheinen ganz gute Ideen zu haben. Und Philipps Mutter heißt Marie. Wie sollte es anders sein? Mal wieder eine Marie bei uns in der Geschichte. Beide kommen in dieser Geschichte leider nur sehr, sehr kurz vor.

Denn Marie stirbt schon mit 23 Jahren, sodass Philipp bei seinem Vater und seiner Oma aufwächst. Aber auch sein Vater stirbt schon mit 34 Jahren. Und da ist Philipp gerade einmal 10 Jahre alt. Und ab dem Moment ist er vollweise. Ja, die Oma verkauft dann das Haus der Familie in Gellenhausen und schickt Philipp nach Friedrichsdorf.

Da ist das Institut Garnier, das damals sehr renommiert ist. Es ist ein Internat für Jungen, das sogar international bekannt ist. Philipp hat da ziemlich viel Spaß auf diesem Internat und er bleibt da, bis er 14 ist. Eins der größten Highlights an dieser Schule sind die große Bibliothek. Da hat er ganz besonders viel Freude dran und ansonsten Englisch und Französisch.

Das sind so welche von seinen Lieblingsfächern. Also er spürt da so richtig cool, hier kann ich meinen Wissensdrang so richtig irgendwie befriedigen. Und er sagt auch später mal, ich lernte leicht und gerne. Das finde ich richtig schön, dass er so quasi dann in sein Schulleben gestartet ist. Auf jeden Fall.

Also für Englisch kann ich das verstehen, für Französisch nicht so. Das war nicht mein Lieblingswort. Hat man auch bis jetzt nicht bemerkt an unseren Folgen, die französischen Namen. Stimmt. Ich mag Frankreich und ich mag die französische Sprache, aber der Unterricht, ich weiß auch nicht, war das nix.

Die französische Sprache, aber französisch nicht. Ja, du weißt. Nicht in der Schule, ja. Französisch Unterricht. Und als er dann durch war im Internat, hat er in Frankfurt eine Ausbildung gemacht in einer Farbwarenhandlung. Sein Ausbilder war sehr zufrieden über seinen fleißigen und pünktlichen Azubi, sodass er beschlossen hat, toller Junge, dem gebe ich auch ein bisschen Privatunterricht.

Das finde ich mal echt richtig Engagement. Und so bekommt Philipp Privatunterricht in Mathematik und Mechanik. Und auch das ist total sein Ding, merkt er. Also irgendwie rutscht er hier ganz gut so durchs Leben, nachdem da am Anfang ja sehr, sehr viel, sehr schwierig für ihn erstmal war. Ja, voll schön, dass er da so Leute trifft, die irgendwie bemerken, der hat Bock was zu lernen, dem geben wir jetzt mal Möglichkeiten.

Das ist richtig toll. Und jetzt fängt er auch schon so langsam an erfinderisch zu werden. Er erfindet zum Beispiel die ersten Inline-Skates, könnte man eigentlich sagen, denn er macht so Schlittschuhe mit Rädchen drunter, damit man auch ohne Eis damit fahren kann. Also es sind wirklich die ersten Inliner, würde ich sagen.

Und als so 20 Jahre später war das dann, auch glatter Asphalt auf den Straßen ist, da verbreiteten sich diese Rollschlittschuhe, so heißen die damals, nochmal ein bisschen mehr. Und alle finden die echt ganz gut. Also ja, da merkt man vielleicht schon, manchmal dauert es, bis so Erfindungen sich dann richtig durchsetzen.

Aber das Erfinden macht Philipp auf jeden Fall Spaß. Da ist er auf den Geschmack gekommen. Wir können euch mal noch von ein paar anderen Erfindungen erzählen. Denn er erfindet unter anderem auch das Veloziped. Das war eine Art Fahrrad aus zwei Holzrädern und einem Eisenrad, das mit den Händen angetrieben wurde.

Also auch Sofortbewegungsmittel hat er sich mal angeguckt. Kann ich mir richtig gut vorstellen. Da fragt man sich jetzt, wie kommt er jetzt zum Telefon? Ja, stimmt. Also bleib dran. Eine andere Top-Erfindung ist der zuverlässige Wecker. So nennt er das. Das ist ein Pflasterstein, den er als Gewicht an eine Kuckucksuhr hängt.

Und bei einer bestimmten Uhrzeit fällt dieser Stein runter durch den Hebelmechanismus des Stundenzeigers und reißt den Arm des Schläfers hoch zum Aufwecken. Das stelle ich mir sehr unangenehm vor. Da wäre ich auf jeden Fall auch wach. Und ja, das ist dann sozusagen so einer der ersten Wecker. Ja, sehr zuverlässig. Und er nennt es halt zuverlässiger Wecker.

Genau, das kann ich mir sehr gut verstehen. Ja, vor allem, glaube ich, war der sehr zuverlässig, weil man vielleicht Angst davor hatte, dass gleich der Arm hochgerissen wird. Und dann warst du bestimmt schon vorher wach. Oh Gott, das erst mal richtig einzustellen, dass der nicht ausgekugelt wird, sondern nur so ein bisschen angehoben wird, aber man davon wacht wird, stelle ich mir auch schwierig vor. Und dann geht ihm aber zuverlässig, na gut.

Und jetzt merkt er aber auch so ein bisschen gut, das Tüfteln macht mir Spaß, aber das alleine reicht nicht. Er möchte auch einfach wirklich was dazu lernen und sich das nicht nur so durch Tüfteln selber beibringen. Und deshalb geht er in das Institut von Dr. Poppe, so heißt er. Das war damals eine Art polytechnische Vorschule. Und da kommt er jetzt in Kontakt, hauptsächlich mit technischen und naturwissenschaftlichen Fächern.

Aber die Schüler da, die vermissen, dass sie da auch was über andere Fächer lernen, zum Beispiel Geschichte oder Geografie. Also es gibt da scheinbar viele, die so wissbegierig sind wie er. Und deswegen fangen die an, sich gegenseitig was beizubringen, indem sie einfach sich gegenseitig so kleine Vorlesungen halten oder so Referat oder TED-Talks, würde man heute vielleicht sagen. Ja.

Ja, und da bemerkt Philipp jetzt, dass ihm auch das Unterrichten ziemlich viel Spaß macht. Ich finde das total schön, weil er eigentlich so keine guten Voraussetzungen hat, sehr viel Bildung jetzt so im klassischen Sinne zu erhalten. Und einmal umgeben ist von lauter, wissbegierigen Menschen, die auch gerne ihr Wissen teilen. Also das ist irgendwie ganz...

Ganz schön. Und er saugt das wirklich auf wie ein Schwamm. Und in den Sommerferien 1854 hat Philipp seinen Lehrer Dr. Poppe dann bei einer Dienstreise begleitet, bei der er an der Straße viele, viele Telegrafenmasten beobachtet. Während er die da so anguckt, erzählt er Herrn Poppe von einer Idee, die er schon länger hat.

Und zwar hat er überlegt, ob er Töne oder komplette Musikstücke auch auf telegrafischem Wege verschicken kann. Also das ist was, was bei ihm so im Kopf erst mal rumgeistert. Ja, und das ist auch eine Idee, die er bald weiter verfolgen wird. Er macht jetzt erst mal ein Militärjahr, aber geht danach zurück nach Friedrichsdorf an das Internat Garnier, wo er ja das allererste Mal so richtig begeistert war vom Lernen. Aber dieses Mal ist er nicht mehr Schüler.

Sondern er ist selber Lehrer. Und zwar für dein Lieblingsfach, Französisch, aber auch für Physik. Und man sagt wohl über ihn, dass er ein strenger Lehrer war, aber auch sehr gerecht. Also er mochte das wohl gar nicht, wenn in der Klasse irgendwie gepetzt wurde. Finde ich sympathisch, wenn Lehrer darauf achten. Sehr cool.

Er galt als gelegentlich sehr reizbar, besonders bei Dummköpfen. Er war aber auch stets warmherzig, besonders denen gegenüber. Die sich bemühten, ihn zu verstehen. Das ist irgendwie das schönste Kompliment, was man als Lehrer bekommen kann. Was ihm aber wohl überhaupt nicht wichtig war, war, dass irgendwie alles schick sein sollte.

Frack und Zylinder war gar nicht so sein Ding. Er lief am liebsten in seinen abgeranzten Klamotten rum, irgendwie so ein Hausrock. Ist so ein bisschen wie die Jogginghose oder Jogginganzug von damals. Und er hatte so eine seidene, schwarze Kappe wohl immer auf. Also das war was, was... Ihm einfach überhaupt nicht wichtig war. Und deswegen hat er da auch keinen besonderen Wert drauf gelegt, dass er für andere da irgendwie sich hübsch macht.

Erinnerst du dich noch an so Outfits von Lehrern? Ja, ich habe einen Professor auch im Kopf. Ach, stimmt. Warte mal. Weißt du? War das der, wo wir überlegt haben, ob er das Hemd hoffentlich mehrfach hat? Ja. Das Karo-Hemd? Genau der. Ja, das stimmt. Das war wirklich krass, weil wir diesen Professor wirklich fast täglich gesehen haben. Und das über mehrere Jahre.

Und er hatte nur ein Hemd an. Ich erinnere mich leider. Also das war echt extrem. Und ich glaube sogar auch dieselbe Hose. Also entweder gab es Hose und Hemd in zigfacher Ausgabe. Das hoffen wir jetzt einfach mal. Oder er hatte eine sehr gute Waschmaschine und Trockner. Und da irgendwie so ein System.

Aber wir fanden ihn ja, glaube ich, beide sehr nett und sehr gut auch eigentlich, oder? Ja, ich glaube schon. Und ich glaube, er war auch so vom Typ, dass ihm das einfach nicht wichtig war. Finde ich sehr sympathisch. Ja, das stimmt eigentlich, ja. Aber wenn man dann so jemanden natürlich den ganzen Zeit anguckt beim Lernen.

Mich beschäftigt sowas dann schon auch. Ja, wir haben da ja auch schon uns drüber ausgetauscht. So, ey, Leute, er hat jetzt wirklich seit zwei Jahren dasselbe Outfit an. Das kann nicht sein. Nee. Ach ja, guck, Philipp war sowas auf jeden Fall auch nicht so wichtig. Ja. Philipp Reis. Und es wird dann aber noch mal ein bisschen interessant, als sich das Schulsystem ändert.

Denn die Landgrafschaft wird jetzt preußisch. Und das bedeutet, jetzt dürfen nur noch Lehrer unterrichten, die ein Lehrerexamen haben. Und das hatte er ehrlich gesagt nicht. Er ist ja so ein bisschen Quereinsteigerlehrer gewesen. Und deshalb durfte er jetzt nur noch die unteren Klassen unterrichten. Das bedeutet für ihn, er langweilt sich ehrlich gesagt etwas.

Ja, das ist natürlich auch so ein bisschen Stoß vor den Kopf für ihn. Und in dem Zuge kramt er aber jetzt was aus der Schublade. Wir haben ja schon häufiger darüber gesprochen, dass Langeweile so ein Motor auch sein kann. Stimmt. Und da kam dir jetzt was hervor, was da schon ein bisschen länger drin liegt.

Wir erinnern uns, und zwar ist es eine Idee über Gehörwerkzeuge und einen Apparat, mit dem man Töne aller Art in beliebiger Entfernung reproduzieren kann. Genial, dass das da so lange verstaubt ist. Ja, und es passt jetzt auch ausgerechnet zum Lehrplan, denn auf dem Lehrplan steht jetzt das Thema Ohr an und da sagt er sich, alles klar, da baue ich doch direkt mal ein Ohr.

Er schnitzt eins nach, also ja, versucht das so richtig, es gibt da auch Bilder von, die können wir euch mal verlinken, richtig so gut. Nachzubauen. Ein Modell. Ja, genau, ein richtiges Modell zu machen. Er simuliert dann mit einer Membran, also es ist so ein Tierhäutchen, das Trommelfell. Und mit einem Platinstreifen die Gehörknöchelchen von diesem Ohr.

Und dann gibt es ein Kupferdraht, durch den das Ohr mit einer Stricknadel verbunden ist. Diese Stricknadel, das ist quasi die Seite des Empfängers, des Lautsprechers. Und dazu kommen jetzt noch zwei Batterien. Und immer wenn die Membran dann vibriert und Schallwellen erzeugt, schließt sich jetzt ein Stromkreis.

Denn wenn die Schallwellen an den Platinstreifen kommen, dann fließt wirklich Strom weiter. Und kommt dieser Strom dann bei der Kupferspule an, bei diesem Kupferdraht an der Stricknadelseite, dann baut sich um diese Stricknadel ein Magnetfeld auf und die Nadel beginnt ganz leicht zu vibrieren. Und dabei entstehen Töne. Und das sind dann genau die Töne, die an dieser anderen Seite, also auf der Seite von der Membran, erzeugt wurden.

Das ist so cool. und jetzt überlegen sie noch, okay, wie können wir da jetzt... Das auch ein bisschen lauter hörbar machen. Und da kooperiert er mit dem Musiklehrer. Also hier tun sich Physik und Musik zusammen. Und der Musiklehrer sagt, ich habe hier noch eine alte Geige rumliegen. Die kann ich dir geben. Die kannst du als Resonanzkörper benutzen.

Ja, das ist richtig interessant, wie da der Weg hin war. Und er nennt jetzt dieses Instrument, haltet euch fest, Telefon. Aber er konnte am Anfang eben nur Musik übertragen, auch schön, aber halt noch keine Stimmen. Und das testen sie dann kurz darauf. Dabei spricht Philips Schwager in dieses Ohr, in dieses Modellohr hinein.

Und Philipp muss die Sätze auf der anderen Seite der Stricknadel wiederholen. Und damit niemand behaupten kann, er würde sie vorher kennen, hat sich sein Schwager absolute Quatschsätze ausgedacht. Erinnert so ein bisschen an stille Post. Und der erste Satz, der übertragen wird mit diesem Telefon, der heißt, das Pferd frisst keinen Gurkensalat.

Das wäre doch mal eine gute Frage bei Wer wird Millionär, oder? Stimmt, das ist echt gut. Oh Gott. Ist es A, das Pferd frisst keinen Gurkensalat. Es gibt richtig ein Video davon und das klingt auch so komisch. Also ja, so richtig hammermäßig kann man es noch nicht verstehen. Aber es ist schon, also alleine die Idee finde ich sehr lustig.

Ist so, wie wenn man telefoniert und in der Bahn sitzt wahrscheinlich. Hallo. Hallo. Bin gerade im Tunnel. Ja, genau. Also es klappt immer noch nicht ganz fehlerfrei mit dieser Sprachübertragung. Musik ist immer noch einfacher als Sprache zu übertragen. Aber es klappt immer besser. Und der erste Telefondraht, das ist auch ganz witzig, der verläuft übrigens von der Scheune hinter seinem Haus.

Das war nämlich so ein bisschen seine umgebaute Werkstatt. in das Wohnhaus. Also das ist so die erste Distanz, die sie dann versuchen zu überbrücken. Aber er möchte das jetzt schon auch so ein bisschen ernsthaft mal vorstellen und geht deswegen zu einem Treffen der Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt und präsentiert das da jetzt.

Also er macht da eine Show mit Musik und möchte das vorstellen. Sein Vortrag lautet Über Telefonie durch galvanischen Strom. Und ja, seine Forschung ist natürlich auch, dass davon dann am nächsten Tag die Zeitungen hoffentlich ganz euphorisch berichten. Ja, das ist so die Traumvorstellung. Aber leider, wie das so oft ist, so richtig der Durchbruch kommt damit nicht und die Wissenschaft sieht es wirklich als so eine Art Spielerei an und die watschen ihn auch so ein bisschen ab, weil er ja nur in Anführungsstrichen ein Lehrer ist und dann noch nicht mal einer, der so richtig ordentlich da reingekommen ist.

Also, ja, was ist von dem schon erwarten, so argumentieren sie. Genau, ja, ja, hier der Französisch und Englisch und so, ne. Ja, und als ihm dann endlich eine renommierte Veröffentlichung angeboten wird, lehnt er die ab mit den Worten, es ist zu spät. Also erstmal, ja, richtig traurig hier für diese geniale Erfindung.

Und tatsächlich erklärt er dann jetzt lieber seine Erfindung einem Publikum in seiner Gartenlaube. Da stellt er dann das Telefon als Musiktelegraf vor. Also der Name wird hier nochmal geändert. Und ja, preist quasi da vor so einem kleinen Publikum, was aber jetzt nicht so aus wissenschaftlichen Kreisen erst mal kommt, seine Erfindung vor.

Das finde ich auch sympathisch, dass er dann so sagt, okay, nee, ihr wolltet das nicht. Ihr habt nicht erkannt, was da für ein Potenzial ist. Zu spät, dann mache ich es jetzt nur noch hier mit meinen Freunden. Vielleicht war das so. So als Party-Gag so ein bisschen. Ja, oder vom Gefühl her wie so eine Bluetooth-Box heute.

Du konntest Musik übertragen, ja, eigentlich voll cool. Ja, stimmt, richtig gut, ja. Echt irgendwie wahrscheinlich sehr beeindruckend. Das war bestimmt die coolste Gartenlaube in der Region Frankfurt. Das ist schon mal ein Philipp in der Gartenlaube. Ja, natürlich wissen wir heute, das Telefon ist in unser aller Leben überhaupt nicht mehr wegzudenken.

Aber das wird er nicht mehr miterleben, Weil er mit nur 40 Jahren schon stirbt. Er hat eine Lungenkrankheit und ja, deswegen bekommt er davon wirklich absolut gar nichts mehr mit. Er hat damals gesagt, ich habe der Welt eine große Erfindung geschenkt, anderen muss ich überlassen, sie fortzuführen. Und das ist ja dann auch passiert, zum Glück. Aber er hat das eben schon damals gespürt, dass das eigentlich eine sehr große Erfindung war.

Aber das ist, finde ich, so ein bisschen tröstlich, weil man dann vielleicht davon ausgehen kann, dass er mit diesem Gedanken auch gegangen ist. Weil häufig haben wir hier auch Leute vorgestellt, die, glaube ich, da gar nicht dran geglaubt haben, dass die Erfindung noch mal groß werden kann. Dann nicht mehr. Und das finde ich irgendwie so ein bisschen deprimierend.

Also wenn man da so mit dem Gedanken gegangen ist, ich habe jetzt zwar was erfunden, aber niemand will es haben, sieht den Zweck davon. Ja, und in vielen Ländern tüftelt immer mal wieder jemand an diesem Thema Telefon. Und es kommen auch verschiedene gute Lösungen dabei heraus, sodass dann total viele Länder heute sagen, wir haben das Telefon erfunden.

Sehr berühmt ist der Bell-Apparat aus den USA von Alexander Graham Bell, ein Lehrer aus den USA. Also die Lehrer, die haben ja beim Thema Telefon auf jeden Fall einiges geleistet. Der lässt sein Telefon 1876 patentieren und ist bis heute der berühmteste Erfinder des Telefons. Auf seinen Namen werdet ihr also sicher schneller stoßen als auf den von Philipp.

Dabei war Philipp Reis der Erste, der es eben schaffte, Töne in elektrischen Strom umzuwandeln und an einem anderen Ort als Schall wieder auszugeben. Also er hat da so ein bisschen die Grundlage vorgegeben. Aber ja, beide haben quasi dann am Ende dafür gesorgt, dass wir heute telefonieren können. Ja, das stimmt, genau.

Andere haben dafür gesorgt, dass es dann noch mal richtig groß und bekannt wurde. Vielleicht war es dann auch einfach schon eine bessere Zeit. Also ich glaube, als Philipp so seine Idee hatte, da war auch die Wissenschaft noch so ein bisschen ... Noch nicht so weit. Ja, die war noch total beschäftigt mit Telegrafie.

Ja, ja, das war ja auch gerade erst passiert, so gefühlt. Genau, das könnt ihr auch noch mal in der letzten Folge nachhören, wie krass das halt war. Also da gab es ja auch noch total viel zu entwickeln und so zu entdecken und zu feiern. Und dass er jetzt mit so einem Telefon um die Ecke kam und auf einmal sagt, ich kann übrigens auch mit Ton.

Ja, das ist auch kurios auf jeden Fall. Mir fiel gerade noch eine Anekdote ein zum Thema Handy und Telefonieren generell. Ich hoffe, ich habe das hier noch nie erzählt. hat mir eine Kollegin erzählt, da waren Handys gerade so im Umlauf und man kannte das halt irgendwie noch gar nicht, dass Leute ein Handy haben.

Und dann war in der Schlange vor ihr beim Einkaufen eine Person, wo auf einmal das Handy geklingelt hat in der Tasche. So ein ganz alter Ton. Und die Person ging dran und sagte, Gustav, woher weißt du denn, dass ich einkaufen bin? Verstehst du? Weil sie nicht begriffen hat, dass ja egal ist, wo man mit dem Handy ist. Ach so, stimmt.

Weißt du? Also die Person dachte sozusagen, dass der Anrufer, also Gustav, nur anrufen kann, wenn man unterwegs ist. Nee, oder wissen muss, wo die Person erreicht werden kann. So, woher weiß denn, dass ich gerade einkaufen? Woher weiß denn, wo ich bin? Also es war wirklich so völliges Entsetzen. so spionierst du mir irgendwie nach.

Dabei ist es dem Handy ja egal, wo es angerufen wird. Also das finde ich eine ganz witzige Anekdote. Voll, nee, da hast du noch nicht erzählt. Ich habe es auch noch nie gehört. Sehr gut. Also wir, die anderen wissen das ohne mein Wissen. Genau, schreib es mal in die Kommentare. Wenn ihr die Geschichte schon kanntet.

Aber guckt mal, das ist doch eigentlich ein guter Reminder für uns alle. Ja, genau, vielleicht ein guter Reminder, um zu überlegen, wen man schon lange nicht mehr angerufen hat. vielleicht auch einfach so mal anrufen sollte. Ja, ich mag das eigentlich mal ganz gerne, wobei ich sagen muss, oft passt es dann auch nicht. Dann verabredet man sich dann doch noch mal.

Aber wir hören uns auf jeden Fall nächste Woche wieder. Das ist ganz sicher. Da verabreden wir uns jetzt heute. Da sprechen zwar nur wir in die eine Richtung, aber das wird auf jeden Fall passieren. Ich hoffe, ihr habt bis dahin eine schöne Woche und wir hören uns am nächsten Science-Samstag, wenn wir wieder eine neue Folge aus der Wissenschaft hier hervorzaubern.

Bis dahin, ruft liebe Menschen an, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.

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