Behind Science

Scipione Riva-Rocci: Stabiler Blutdruck

Samstag, 23. August 2025 · 11 min

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Shownotes

Zu viel Druck ist selten gesund. Beim Blutdruck ist es besonders heikel. Aber wie lässt er sich messen? Wir stellen euch die Erfindung des ersten Blutdruckgeräts vor. Und vielleicht habt ihr danach Lust, noch unsere Folge zur Erfindung des Herz-Katheters (open.spotify.com/episode/7mO1ruKf2vQSKIiwCo50g…) zu hören.

Hinweis: Wer genau hingehört hat, hat was vom dystolischen Wert gehört. Den gibt es nicht! Es gibt die Diastole: Wenn der Herzmuskel sich entspannt und das Herz sich mit Blut füllt. Und die Systole: Wenn der Herzmuskel sich zusammenzieht und das Herz Blut in den Körper pumpt.

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Science Snack. Behind Science in Kurzform. Heute geht's um Sirione Ricarocci, der das erste Blutdruckmessgerät entwickelt hat. Ja, ihr Lieben, dieser Snack ist nichts für schwache Nerven. Es klingt gleich am Anfang sogar ein bisschen wie die perfekte Halloween-Folge, obwohl wir sie hier mitten im Sommer aufnehmen.

Also ja, ein bisschen Blut wird es hier geben. Erschreckt bitte nicht. Aber ja, natürlich im Namen der Wissenschaft und im Namen der Gesundheit. Die brauchen wir doch alle. Denn als versucht wurde, zum ersten Mal einen Blutdruck zu messen, lief das ein bisschen aus dem Runder. Warum ist es überhaupt wichtig, sich den Blutdruck anzugucken?

Das ist ein sehr wichtiger Wert in unserem Körper. Denn nur wenn das Blut mit dem richtigen Druck durch unsere Gefäße fließt, dann kann er auch alle Organe mit Sauerstoff versorgen. Und das ist natürlich was, was super wichtig ist für uns alle. Und wenn der Blutdruck aber zu hoch ist, ist es gefährlich.

Denn das bedeutet zu viel Druck auf den Gefäßwänden. Und die Gefäße sind zwar schon in der Lage, sich auch ein bisschen zu weiten, wenn da jetzt viel Druck, im System ist oder auch andersrum sich zu verengen. Also sie sind so ein bisschen flexibel, aber unendlich viel Druck packen sie nicht. Und wenn ein Gefäß platzt, dann steht damit so dieses ganze Transportsystem.

Also unser Blutkreislauf auf der Kippe und das wird dann sehr gefährlich und riskant. Es lässt sich sogar sagen, hoher Blutdruck bedeutet ein kürzeres Leben. Also vielleicht habt ihr das auch schon mal so gehört, hoher Blutdruck ist echt sowas, was man nicht nur so sagt, sondern das ist was, da muss man sich Sorgen machen.

Das sollte man im Auge behalten. Aber umso wichtiger ist natürlich die Frage, wie kann man denn den Blutdruck überhaupt messen? Also wie kann ich messen, mit welchem Druck das Blut gerade in meinem Körper unterwegs ist? Ja, dazu braucht es ein Blutdruckmessgerät. Habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht.

Und die erste bekannte Blutdruckmessung hat der britische Priester und Forscher Stephen Hale 1713 gemacht. Er misst den Blutdruck bei einem Pferd und setzt ihm dafür ein Glasrohr in die Halsschlagader ein. Und da spritzt es jetzt ein bisschen. Da läuft sehr viel Blut sehr schnell durch. Und das war wohl wirklich eine ziemlich blutige Angelegenheit. Armstpferd.

Angeblich ist das Blut dabei zweieinhalb Meter hochgespritzt. Ja, halt direkt auch in die Halsschlagader. Richtig hoch, ne? Und dann wusch, wahrscheinlich auf einmal, er war wahrscheinlich auch völlig übergossen mit Blut. Ja, so pulsierend dann, ja. Ja, genau, genau, das hat er gar nicht mehr gestoppt. Oh Gott, ganz, ganz gruselig. Ich kann schlecht Blut sehen, muss ich ehrlich gesagt gestehen.

Das wäre nicht dein Experiment gewesen. Das wäre gar nicht mein Glück. Gut, dass es andere für uns gemacht haben. Ja, vor uns gemacht haben. Danke, danke, Steven. Ja, und richtig wild wird es jetzt aber, als er zusätzlich noch flüssiges Wachs in die Herzkammern der Pferde spritzt. Also er ist wirklich, ja, erforscht da alles Mögliche.

Aber er stellt dadurch jetzt eins fest, das ist das Gute an so einer Extremforschung, sag ich mal. Und zwar, dass der Blutdruck sowohl von der Leistung des Herzens als auch vom Widerstand der Blutgefäße abhängt. Also diese zwei Faktoren, das stellt er jetzt fest, sind irgendwie wichtig, um den Blutdruck messen zu können.

Check, das haben wir jetzt quasi in der Forscherhistorie schon rausgefunden. Das ist gut, dafür hat es sich jetzt schon mal gelohnt, das zu machen mit dem Glasröhrchen. Aber das Ding ist, erst mal gibt es keine andere Methode, als das mit diesen Glasröhrchen zu machen. Und deshalb wird das auch bei Menschen am Anfang gemacht.

Also man setzt denen so ein kleines Glasröhrchen in die Arterie ein, um so den Druck des Blutes zu beobachten. Das ist also immer noch eine ziemlich blutige Angelegenheit. Aber ihr könnt daran vielleicht erkennen, wie wichtig dieses Thema Blutdruck wert ist, dass man es trotzdem irgendwie versucht hat, so zu messen.

Ja, ja, voll. Stimmt. Also wirklich so alles in Kauf genommen, um zu wissen, wie steht es um den Blutdruck und wie gefeiert dann die Erfindung des ersten Blutdruckmessgeräts gewesen sein muss, könnt ihr euch ja wahrscheinlich ausmalen. Denn 1896 wurde eine Möglichkeit gefunden, wie es auch unblutig geht.

Und das ist die ganz klassische Variante, die auch bis heute noch genutzt wird. Und zwar Blutdruck messen mit einer Oberarmmanschette. Ja, das kennt man ganz gut. Ich habe jetzt sehr oft den Blutdruck gemessen bekommen. In der Schwangerschaft wird sowas immer gut überprüft. Und ich finde das ehrlich gesagt gar nicht so unangenehm. Ich weiß, dass es manchen Leuten richtig wehtut. Und eher, dass das manchen Leuten richtig unangenehm ist, dass die so Zähne zusammenbeißen müssen.

Aber es klemmt einem ja erst mal so das Blut ab. Also man klettet da quasi ja so diese Manschette um den Oberarm und dann wird das aufgepumpt und dann misst das den Blutdruck. Und ja, klemmt einem erst mal das Blut ab. Und danach ist es immer so ein richtig angenehmes Gefühl, weil so das Blut wieder jetzt zurück in die Hand strömt.

Manchmal fühlt man das richtig, wie das so ganz warm dann da. Wenn es so kalt wird und ja genau, schon ein cooles Teil. Ja, wir gucken uns das jetzt noch mal ganz kurz ein bisschen biologisch an, was denn da eigentlich passiert. Also diese Manschette, die presst die Arterie am Oberarm ab. Also das ist eines der Blutgefäße, das das Blut vom Herzen aus in unserem Körper verteilt, in dem Fall in den Arm bringt, den Arm mit Blut versorgt.

Und wenn man jetzt diesen Blutfluss nur für ... Einen Moment mit dieser Manschette abdrückt und parallel auch mal am Handgelenk fühlen würde, da kann man ja so in Verlängerung vom Daumen seinen eigenen Puls fühlen, dann merkt man irgendwann, huch, der Puls, der ist weg, denn da ist gerade gar kein Blut mehr unterwegs in den Armen.

Man kann dieses Pochen also nicht mehr fühlen und gleichzeitig steigt aber in einer angeschlossenen Messsäule. Das ist dann das, was heute aussieht so ein bisschen wie so eine Uhr eigentlich. Da kann man sehen, dass sich da eine Anzeige verändert. Und damals ist das so eine Anzeige mit einer Messsäule, die mit Quecksilber gefüllt ist.

Quecksilbermanometer nennt man das auch. Also Manometer ist einfach so ein Druckmessgerät. Und wenn man den Druck dann wieder ablässt, also die Manschette lockert, dann sinkt das Quecksilber. Und dann kommt dieser wichtige Moment, der sich schön anfühlt und der aber auch wirklich jetzt für die Messung wichtig ist.

Und zwar, wenn das Blut wieder durch die Arterie fließen kann. Das ist dann genau der Moment, in dem der Druck der Manschette kleiner wird als der Druck des Blutes. ist. Das fühlt man dann vielleicht, wenn man dieses warme Blut so wieder fließend fühlt. Man könnte den Puls dann genau in dem Moment wieder spüren und auch genau dann zeigt die Messsäule den Druck an, mit dem das Herz das Blut in die Schlagadern presst.

Und das ist ja der Wert, den wir ablesen möchten. Vielleicht habt ihr das schon mal gehört, man nennt das auch den systolischen Wert oder den oberen Wert. Also das beschreibt, so die Phasen, die das Herz parallel macht, zusammenziehen und wieder auffüllen. Das sind so dieser systolische und dystolische Wert.

Und bestenfalls liegt der bei 120 zu 80. Das wäre ein schöner Blutdruck. Ich habe immer eher niedrigen Blutdruck. Besser als zu hoch. Das stimmt. Aber deswegen friert man dann vielleicht auch mal schneller. oder so. Jedenfalls der Professor, der diese Methode mit der Oberarmmanschette entwickelt hat, heißt Sibione.

Er arbeitet an der Uniklinik in Turin und seine allererste Oberarmmanschette war noch ziemlich improvisiert, aber nicht ganz so improvisiert wie diese erste Untersuchung mit dem Glasröhrchen. Er nutzt dafür eine andere Erfindung, die es damals erst zwei Jahre gibt und die eigentlich gar nichts so mit Medizin zu tun hat und zwar einen Fahrradschlauch und das war dann die erste Manschette.

Kann man sich schon noch gut vorstellen, finde ich. Also, dass man da was mit abklären kann. Ja, und dass man da Luft reinpumpen kann. Also, da hat er eigentlich schon sehr schlau kombiniert. War sehr erfinderisch. Und erinnert mich auch so ein bisschen an diese Geschichte von Andreas Grünzig, weiß noch, der so lange mit einem Ballon experimentiert hat, bis daraus irgendwann ein medizinischer Katheter fürs Herz wurde.

Ja, irgendwie auch so eine unserer Lieblingsgeschichten. Weil die das so in der Küche, am Küchentisch so in der WG so entwickelt haben. Irgendwie ist das eine ganz tolle Geschichte. Die können wir ja auch noch mal verlinken. Ja, und könnte gerne noch mal weiterhören. Trotzdem ist toll, dass beide am Ende so bekannt geworden sind.

Wobei man sagen muss, dieser Name von Sibione, der ist noch etwas bekannter in der Medizin. Also nicht sein Vorname, sondern eigentlich sein Nachname. Ja, denn der Blutdruck heißt noch immer RR-Wert wegen Ricarocci und angegeben wird er immer noch in der Einheit Millimeter Quecksilber. Ja, wisst ihr jetzt warum? Weil das vorher mit Quecksilber gemessen wurde.

Also immer noch, als würde man eben mit dieser Quecksilbersäule messen. So ist es zwar heute nicht mehr. Es ist auch wirklich, Quecksilber hat in medizinischen Geräten wirklich nichts mehr verloren. Heute sind die Druckmesser, Manometer auch genannt, mit Flüssigkeiten gefüllt, meistens Gemische mit Wasser.

Aber die Einheit und das Kürzel RR eben von diesem Nachnamen sind noch von damals geblieben. Da habt ihr wieder ein bisschen Angeberwissen beim nächsten Mal Blutdruck messen. Das ist gut. Und heute gibt es ja auch diese automatischen Messgeräte. Also ich weiß nicht, kennt man auch so aus der Apotheke, die man sich zum Teil sogar nur so ans Handgelenk macht und dann ziehen die sich so zusammen und messen ganz automatisch.

Kann man auch machen, die sind allerdings längst nicht so genau. Also wenn ihr euren Blutdruck gut im Blick behalten wollt, dann lernt lieber diese ganz altbewährte Methode, auch wenn sie euch vielleicht ein bisschen altbacken vorkommt. Aber diese Technik von Sibione, das ist immer noch die beste. Ja, richtig stark. Gute Erfindung ist das.

Jetzt noch den Blutdruck im Blick behalten und ihn möglichst stabil halten, weder zu hoch noch zu niedrig. Dann ist alles wunderbar. Passt also gut auf euch und eure Werte auf. Wir hören uns am nächsten Science Samstag wieder. Bis dahin, macht's gut. Music.

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