Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 235

David Riedel: Peter August Böckstiegel

Freitag, 7. März 2025 · 1 h 09

MP3

Shownotes

Was bedeutet es, ein Künstler zu sein – zwischen zwei Welten?

Peter August Böckstiegel war ein Mann zwischen Stadt und Land, zwischen Dresden, dem pulsierenden Zentrum der Kunst, und Werther in Westfalen, seiner ländlichen Heimat. Während er in der Großstadt in avantgardistischen Kreisen mit Conrad Felixmüller verkehrte und sich mit Vincent van Gogh als Inspirationsquelle auseinandersetzte, blieb seine Kunst tief verwurzelt in der westfälischen Landschaft und den Menschen des ländlichen Raums.

Sein Sohn Vincent Böckstiegel zog es als Fotograf in die Welt hinaus – und doch hatten Vater und Sohn etwas gemeinsam: Ein tiefer, menschlicher Blick auf das Authentische.

Was prägte die Kunst dieser beiden Männer? Warum entschied sich Vincent für ein Leben hinter der Linse? Und wie wirkt Böckstiegels Erbe heute in einem Museum mitten auf dem platten Land weiter?

Über all das spricht David Riedel, der künstlerischer Leiter des Museums Peter August Böckstiegel (museumpab.de).

Eine Folge über Kunst, Identität und die Frage, wie Kultur im ländlichen Raum gefördert und bewahrt werden kann.

Themen dieser Folge:

• Zwischen Dresden und Werther – Zwei Welten, ein Künstler

Wie Peter August Böckstiegel zwischen der pulsierenden Kunstszene Dresdens und der stillen, ländlichen Weite Westfalens eine unverwechselbare Bildsprache entwickelte.

• Kunst als Lebenswerk – und als Lebensunterhalt

Wie Böckstiegel nicht nur schuf, sondern auch vorausschauend seine Kunst vermarktete.

• Hanna Müller – Partnerin, Muse, Verbindung zur Avantgarde

Die Schwester von Conrad Felixmüller – die Rolle der Ehefrau in Böckstiegels Leben und Werk

• Das Echo der Heimat – Landschaft, Mensch und bäuerliches Leben in Böckstiegels Werk

Wie das westfälische Landleben Kulisse und Kern seines künstlerischen Ausdrucks wurde.

• Kunst im Schatten des Krieges – Verlust, Wandlung, Überleben Zwei Weltkriege, persönliche Verluste, zerstörte Werke

Wie verändern existenzielle Krisen den künstlerischen Ausdruck?

• Sammler mit Weitblick – Böckstiegels Leidenschaft für die Werke seiner Zeitgenossen Wilhelm Lehmbruck und Meisner Porzellan

Welche Werke fanden ihren Platz in seiner privaten Sammlung?

• Vincent Böckstiegel – ein Fotograf auf der Suche nach dem Unverfälschten

Wie führte sein Blick auf die Welt doch das Erbe seines Vaters fort?

• Ein Museum im Grünen – Kunst im Dialog mit der Landschaft

Wie das Museum Peter August Böckstiegel mitten im ländlichen Raum ein kultureller Anker wurde – und welche Rolle es für die Bewahrung des Erbes spielt.

• Warum Kunst auch jenseits der Metropolen ein Zuhause braucht

• Welche Bedeutung haben Kunstmuseen im ländlichen Raum – und wie kann Kultur außerhalb der Großstädte gefördert und lebendig gehalten werden?

Gast: David Riedel, Künstlerischer Leiter des Museums Peter August Böckstiegel (instagram.com/museumboeckstiegel)

Die Ausstellung

Von Arrode in die Welt – Dem Fotografen Vincent Böckstiegel zum 100.12. Februar 2025 – 18. Mai 2025Museum Peter August Böckstiegel, WertherMehr Infos: museumpab.de

Artists Talk // Mit Emil Dietrich & Vanessa Fengler // Do 13.03.2025 // 18–19.30 Uhr // 7, 4 Euro ermäßigt

Artists Talk // Mit Veit Mette & Mika Springer // Do 27.03.2025 // 18–19.30 Uhr // 7, 4 Euro ermäßigt

Nach einem gemeinsamen Get-together im Foyer erläutern die Künstler:innen ihre Werke, die in der Ausstellung den Fotografien von Vincent Böckstiegel gegenübergestellt werden. In einem einstündigen Gespräch tauschen sie sich mit Studierenden des Studiengangs Kulturvermittlung der Universität Bielefeld aus. Dabei schildern sie die Entstehung ihrer Arbeiten und ihre Sicht auf die Ausstellung.

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Links zur Folge

• Museum Peter August Böckstiegel – museumpab.de

• Infos zur Ausstellung – Von Arrode in die Welt (museumpab.de)

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Music. Und herzlich willkommen zu meinem Podcast die Leichtigkeit der Kunst. Ein Salon Podcast über Kunst, Kultur und Gesellschaft, Mein Name ist Claudia Linze und ich freue mich sehr, euch hier begrüßen zu dürfen. Fühlt euch eingeladen, mit mir in die Geschichten, Chancen und Herausforderungen einzutauchen, die Kunst, Kultur und Gesellschaft prägen.

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie Kunst Generationen verbindet, Stellt euch vor, Kunst wäre eine Brücke, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Malerei und Fotografie zwischen Vater und Sohn, Was bleibt bestehen, wenn Kunst über Generationen weitergetragen wird, Welche Geschichten erzählen die Werke, wenn wir sie aus der Perspektive von zwei Künstlern betrachten, die den selben Namen aber unterschiedliche Medien gewählt haben?

Beide haben auf ihre Weise die Essenz des Lebens eingefangen. Der eine mit dem Pinsel, der andere mit der Kamera. Peter August Böckstegel war ein Meister der Farbe, ein Maler des Expressionismus, dessen Werk von kräftigen Tönen und der tiefen Liebe zu seiner westfälischen Heimat geprägt. Sein Sohn Vincent Böckstegel hingegen hielt Momente des Lebens in Fotografien, suchte das Authentische. Das unverfälschte in Menschen und Orten. Weltweit, Doch was verbindet die beiden über das rein künstlerische hinaus? Um genau diese Fragen zu erkunden, habe ich heute einen besonderen Gast, David Riedel. Künstlerischer Leiter des Museums Peter August Böckstegel, Er begleitet uns durch diese faszinierende Familiengeschichte und hilft uns, die feinen, aber bedeutenden Linien zwischen Malerei und Fotografie zu entdecken,

lieber David, bevor wir in die Werke eintauchen, erzählt uns doch zunächst von deinem Weg in die Kunst, deine Reise begonnen? Ja, also meine Reise hat dadurch begonnen, dass ich von Kindesbeinen an. Von meinen Eltern in Museen verschleppt wurde. Das habe ich über mich ergehen lassen und das hat mir Spaß gemacht.

Sodass für mich völlig klar war, dass ich mich mit Kunst oder Kunstgeschichte beschäftigen würde nach dem Abitur. Das hat dann auch geklappt. Ich habe in Münster studiert. Ich habe, Ein Jahr in Paris studieren dürfen, wobei da eher andere Dinge im Vordergrund standen, aber na ja, wenn man als Erasmusstudent in Paris ist, dann, Geht man mit äh guten Vorsätzen in die Hauptstadt von Frankreich und kommt dann eben mit vielen Erfahrungen aus verschiedenen, Bereichen dieser tollen Stadt zurück. Also das war eine sehr inspirierende Zeit und als ich dann nach Münster zurückkam, fanden die Skulpturprojekte statt, zweitausendsieben, Und da war mir relativ schnell klar, dass ich nicht mehr studieren möchte, sondern dass ich eigentlich,

sehr gerne am Ende des Tages auch sehen möchte, was sich getan habe. Also ich habe dann für die Skulpturprojekte über zwei Jahre gearbeitet, Habe da Künstlerinnen und Künstler kennengelernt, habe da mit dem Publikum viel zu tun gehabt und das war dann eigentlich für mich klar, das Studium ist vorbei, jetzt geht's eben im besten Fall ins Museum, Und es waren immer wieder die Museen in Bielefeld und Münster und dann eben ab 2008 die Kunsthalle in Baden-Baden.

Wo ich durch meine Chefin dort unten wirklich sehr viel gelernt habe, auch in Sachen zeitgenössischer Kunst, Was für mich eigentlich immer ein klares Berufsziel war, Es war eine sehr schöne Zeit, eine sehr intensive Zeit und danach bin ich dann zurück nach Bielefeld gekommen, weil mein dann kommender Chef in der irrigen Vorstellung, ich würde perfekt Französisch sprechen, Auf mich zukam und eine Picasso-Ausstellung vorbereitete, die ich dann zusammen mit ihm in der Kunsthalle Bielefeld kuratiert habe und die, Dann zu einer weiteren kürzeren Zeit in der Kunsthalle führte, wo wir dann auf einmal die Frage gestellt wurde, kannst du dir vorstellen, dass Böckstieglhaus zu leiten?

Und Böckstiegl war mir aus meiner Kindheit noch ein Begriff, aber tatsächlich für mich völlig völliges Neuland in meiner Berufsplanung, Was mich ganz neugierig stimmte, war der Hinweis, dass man ja bald ein Museum dort planen würde und dass das dann auch meine Aufgabe wäre, dass, Eben zu begleiten und zu realisieren.

Und da war's eben dann klar, dass der nächste berufliche Schritt nach Werter führt, also ganz in die Nähe meiner Geburtsstadt Bielefeld zurück. Hatte ich auch nie mit gerechnet, aber hat dann eben seit 2012 für mich eine ganz, spannende und abwechslungsreiche Arbeit und Aufgabe gegeben. Du hast gerade gesagt, Böckstiege ja. Und Peter August Böckstiegl Museum. Wo ist denn da der kleine aber feine Unterschied? Also als ich hier angefangen habe 2tausendzwölf gab's tatsächlich nur das Böckstiegelhaus, Das ist das Geburtshaus des Künstlers, was fast 200 Jahre alt ist, wo der Künstler eben einen großen Teil seines Lebens verbracht hat, Ein altes Bauernhaus, was in dem Sinne überhaupt nicht museal ist, weil es natürlich nie als Museum geplant worden ist,

Und als ich von Bielefeld und Baden-Baden hierher kam mit den Ideen, oder eines Philipp Johnson Baus und Ausstellungen für solche Räumlichkeiten eben geplant habe oder überlegt habe, da war das natürlich ein, Kulturschock auf einmal in Räumen zu stehen, wo die Wände schief sind, wo, Fenster klein sind, wo es eigentlich wenig Möglichkeiten gibt, überhaupt an die Präsentation von Kunst zu denken.

Und deshalb habe ich begonnen in diesem Böckstiegel Haus in den ersten Jahren, Ganz kleine Wechselausstellungen zu machen im ehemaligen Atelier des Künstlers, weil da gab's zumindest mal acht bis neun Meter Wandfläche, Wo man etwas präsentieren konnte, also ich spreche nicht so gerne von Kuratieren, aber wo wir dort eben keine Ausstellung machen konnten, Und das war eine Ausstellung, die sich aus Böckstieges Kunstsammlung speisten und vor allem eben auch aus der lokalen Kunstgeschichte. Also die Frage, Was ist eigentlich in Bielefeld vor 100 Jahren gewesen? Was waren Böckstiegelswegbegleiter, Freunde, Künstler, Kollegen.

Das habe ich vor allem deshalb gemacht, weil es mich persönlich interessierte und weil ich gemerkt habe, dass das ein Punkt ist, der, Ganz unterrepräsentiert ist, also das sind Künstlerinnen und Künstler, die hatten teilweise seit ihrem Tod keine Ausstellung gehabt, Die waren ganz qualitätvoll und interessant. Es gibt unheimlich viele Anknüpfungspunkte an Biografie, aber eben auch an die große Kunstgeschichte des zwanzig. Jahrhunderts.

Und so habe ich wirklich mit solchen kleinen Ausstellungen gemerkt, dass es ein großes Interesse eben gerade an der regionalen Kunstgeschichte gibt und das hat eben auch wieder dann den Namen und das Böckstieglhaus, bekannter gemacht hier in der Region auf dem Weg eben hin zum heutigen Museum Peter Augustberg Stiegel und das ist eben nicht das Peter August Böckstiegl Museum, weil wir, eben nicht dauerhaft und immer Peter Augustberg Stiegel zeigen und seinen großen Nachlass tausenddreihundert Werke, sondern für uns hier in war's von ganz, ganz großer Bedeutung von Anfang an wichtig, dass wir Böckstieglswerk kontextualisieren wollen, in den Dialog stellen wollen mit, Künstlerinnen und Künstler seiner Zeit, dass wir ihn eben nicht wie in so einem Mausoleum hier dauerhaft hängen und,

in sich selbst ruhend zeigen wollen. Das hätte glaube ich über kurz oder lang dazu geführt, dass das Museum auch, Weniger Spannung hätte als es heute für viele Besucherinnen und Besucher hat, wenn man eben dreimal im Jahr hier eine neue Ausstellung zu sehen bekommt, Dann hat man vielleicht nicht immer Peter August Böck Stiegel, aber alle unsere Ausstellungen haben einen direkten oder zumindest indirekten Bezug zu seinem Werk Jetzt haben wir ja hier die besondere Situation, wenn wir nach Werter, Arode kommen, haben wir eigentlich gleich zwei Häuser, die wir versuchen können, plus ein wunderbares Cafe und ein wunderschönes Außengelände.

Eben habe ich das große Glück gehabt, dass du mich schon durch das, alte Fachwerkhaus mit den Erweiterungen, Atelier und so weiter durchgeführt hast und wir haben ja hier diesen wirklich wunderschön sich in dieses Gelände einfügen, denn, Neubau. Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe, dann sehen wir, in dem alten Zinnoberroten Haus die Werke Augustböckstieges und hier in dem Neubau die dreimal im Jahr wechselnden Sonderausstellungen und zur Zeit, Vincent Böckstiegls Fotografien. Also das ist im Moment eine besondere Situation, dass man Vater und Sohn ja sehen kann bei uns in den beiden Häusern. Normalerweise ist es so, dass man im im Künstlerhaus eben eine Dauerausstellung hat, die man nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Die Räume sind einfach klein und sehr schützenswert und.

Museumsgebäude, das Neue ist eben zu den regulären Öffnungszeiten geöffnet und zeigt eben diese drei Sonderausstellungen im Jahr. Einmal davon immer Böck SheeldZentrum und zwei andere Ausstellungen. Von daher versuchen wir immer ein sehr abwechslungsreiches Programm, hier zu zeigen. Wir befinden uns ja hier, man kann wirklich sagen, im ländlichen Raum. Auf dem Plattenland. Auf dem, na ja, bisschen hügelig ist ja schon. Das Ravensberger Hügelland. Genau.

Natürlich das Geburtshaus von Peter August Böckstiegl befindet sich hier. Wie kam es dazu, dass das Museum hier gebaut worden ist und, Ist es für dich Chance oder ist es Herausforderung, beides zugleich? Also die Situation des Museums und die Lage sind natürlich Herausforderungen und Chancen zugleich. Als entschieden wurde, dass das Museum auf dem Grund des Elternhauses Das Grundstück, das ja auch der Peter Augustberg Stiegel Stiftung gehörte, als das entschieden wurde, dass das Museum hier errichtet werden sollte, gab es natürlich kritische Stimmen die gesagt haben, Es wird euch nicht gelingen, Menschen hier nach Arode diesen Teil von Werter zwischen Bielefeld und Werter wirklich aufs platte Land zu locken. Das kann man ja ganz deutlich so sagen. Wir liegen nun mal nicht im Herzen der Kunstwelt.

Es hat diese Stimmen gegeben, Und es waren Stimmen, die wir ernst genommen haben und gegen die wir immer argumentiert haben in dem Sinne, dass wenn man das Museum an einer anderen Stelle bauen würde, Dann wäre diese schöne, fast magische Verbindung zwischen alt und neu, zwischen Geburtshaus und Museum wir natürlich nicht da und das alte Haus, was ja eigentlich der Kern dieses Ensembles ist und das erhaltenswert Wichtige, das würde nach und nach eigentlich.

Nicht zerfallen oder auch nicht verfallen, aber in der öffentlichen Wahrnehmung immer weiter zurückfallen, Das war uns ganz wichtig, dass es hier ein Ensemble gibt, ein Duo ich würde fast sagen ein Trio, denn zu dem neuen Bau und dem, alten Haus gehört auch noch das gestaltete Gelände des Museums Ensembles, was eben auch ganz entscheidend wichtig ist, dass man eben in diese Welt von Peter Augustböck Stiegel, auch gelangt, indem man sich eben auf den Weg macht, Ich finde es toll, wenn Museen mitten in der Stadt liegen und niedrigschwellig als dritte Orte heutzutage allen Menschen zugänglich sind. Das ist großartig und wichtig, ein Museum ist ein Ort der Bildung und der Kultur und, Das sind wir auch, allerdings eben man muss sich wahrscheinlich ein bisschen mehr auf den Weg machen und man muss ein bisschen mehr.

Willens sein in die Natur, aufs Land hierhin zu fahren und diese Herausforderung, wie gesagt, die nehmen wir an, Und die nehmen wir eigentlich gerne an, weil dieser Ort hier wunderschön ist und dieser Ort ist im Sommer ein, Belebter Ort durch ein sehr, sehr gutes Cafe, durch die Kunstvermittlung. Das ist ein Ort, wo man gerne isst, Es wunderschön hat und ich glaube die letzten Jahre und unsere glücklicherweise sehr guten Besucherzahlen haben uns gezeigt, dass die Sorgen, die am Anfang formuliert worden sind, dass dieses Haus hier, nicht hinpasst Und auch keinen Erfolg haben wird, dass wir die widerlegen konnten. Setzt du dich generell mit dem Thema Kunst und Kultur im ländlichen Raum auseinander? Also ich bin kein Experte für Kunst und Kultur im ländlichen Raum. Ich arbeite einfach damit jeden Tag und ich,

lerne und sehe jeden Tag, was es bedeutet, ein Museum in einer Region, in einem Kreis, in einer Stadt zu führen. Wo Kultur natürlich eine wichtige Facette ist und auch eine von vielen, vielen Menschen sehr geschätzte Facette, aber es ist natürlich auch ein Punkt, der Kosten verursacht, Das darf man nie vergessen und diese Kosten werden hinterfragt und wir müssen durch unsere Arbeit dafür sorgen, dass Menschen und dass die Politik mit einem positiven Blick auf uns schauen und dass es im ländlichen Raum vielleicht noch einmal eine große Herausforderung als in einer Stadt, wo man, mit anderen Kulturinstitutionen eigentlich so eine Art von Selbstverständlichkeit hat oder auch eine längere Zeit schon vor Ort ist, als wir hier mit unseren,

recht jung, sechs, sechseinhalb Jahren. Ich setze mich natürlich deshalb auch damit auseinander, weil was mir von Anfang an wichtig war und. Mir einfach wunderbar passt, ist, also wir wollen hier nicht so eine Art von intellektuellem Elfenbeinturm sein. Es würde, glaube ich, nicht zum Künstler passen und es würde auch nicht zum Ort passen, Wenn wir uns größtmögliche Mühe geben würden, eine Distanz oder eine Art von Barrierehaltung zu unseren Gästen zu kommen. Wir möchten ein offenes Haus sein, wir möchten ein Haus sein, das seine Gäste herzlich willkommen heißt und das eigentlich auf Augenhöhe mit, Jung und Alt hier den Künstler vermittelt Das ist entscheidend, glaube ich, im ländlichen Raum, um die Akzeptanz auch zu erhöhen, um eine Art von Verbundenheit zu erhöhen und daher fahr für uns von Anfang an,

ganz, ganz entscheidend wichtig, dieses Amt zu verbinden mit ehrenamtlichen Aktivitäten. Wir haben ein Team von fast über 70 ehrenamtlich Tätigen. Hier im Museum, die machen die Aufsichtsdienste, die machen Besucherservice und das ist für mich eigentlich ganz entscheidend, dass dieses Museum auch, Akzeptanz findet und dass man es gerne besucht, dass man hier auf Leute trifft, die einfach sehr gerne ihren Job machen und die sich mit diesem Ort verbunden fühlen. Und das schließt mich auch mit ein, wenn ich, In meinem beruflichen Leben mich seit mehreren Jahren nach Berlin oder nach London träumen würde, dann wäre ich hier falsch. Und dann würde man das auch an meiner Arbeit merken, Und deshalb ist es einfach so wichtig, dass man sich auch mit diesem Ort wirklich verbunden fühlt und für diesen Ort arbeitet und den ländlichen Raum,

als Herausforderung, sondern als Chance sieht. Auch um junge Positionen zu präsentieren jetzt aktuell bist du auch ich glaube fünf, Zeitgenössische Position hinzugeholt. Genau, das ist ein vorsichtiger, aber wirklich auch nachhaltender Versuch von mir in dieses Museum, immer wieder auch bei aller Verbundenheit zu Peter Augustböck Stiel zeitgenössische Positionen mit einzubeziehen.

Das haben wir in den letzten Jahren immer mal wieder in Form von kleinen Projekten, kleinen Ausstellungen, kleinen Interventionen gemacht. Und jetzt während der Vincent-Böckiegel-Ausstellung ist es auch so, dass fünf Studierende der HSBI, das ist die ehemalige Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld, dass die mit eigenen Projekten in Dialog treten, mit den Fotografien von Vincent Böckstiegl und das ist für mich nicht nur einfach eine Möglichkeit, diesen, Jung und sehr motivierten Fotografinnen, Künstlerinnen, Eine Chance zu geben, mal erst der Museumserfahrung zu sammeln, sondern es ist auch ganz im Eigennutz für mich Chance Vincent Böckstiegls Fotografien in die Jetzt-Zeit zu holen und auch kritisch zu hinterfragen mit einem heutigen Blick. Das finde ich gibt der Ausstellung noch mal eine andere Facette und einen anderen Blick und belebt diese Ausstellung.

Ich hätte ungern eine Ausstellung gemacht, die nur ein Blick zurück ist. Und Wincent Bergstiegel hat, Fast nur in schwarz-weiß fotografiert, in kleinem Format. Das ist sehr spannend und auch sehr schön, aber umso schöner ist es, wenn man mit den fünf Studierenden und übrigens auch dem Bielefelder Künstlerfight Metal in der Ausstellung so, ein paar Stimmen aus der Jetzt-Zeit hat Schön, Vergangenheit und Zukunft. Das war die Idee. Ja. Vielleicht müssen wir ja Peter August Böckstiegel erst einmal kennenlernen. Ja, Peter Augusböck Stiegel vorzustellen in, ich sage mal, einigen Minuten.

Ist gar nicht so leicht, denn keine Frage, es gibt bekanntere Namen in der Kunstgeschichte, Peter August Stiegel ist jemand, der immer wieder in verschiedene Schubladen gepackt worden ist und, Wir bemühen uns mit diesem Museum, diese Schubladen und ihre Inhalte zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen und vielleicht auch mal einzelne Schubladen abzuschließen, um eine etwas offeneren Blick auf den Künstler zu geben, also Peter August Böckstieg ist am 7. April 1889 geboren, 1951 gestorben im März, also ein Künstler, den man in der Kunstgeschichte in den 80er Jahren begonnen hat in die sogenannte zweite Generation des deutschen Expressionismus einzuordnen. Also deine Generation, die.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges ganz maßgeblich in ihrer Entfaltung als Künstler in ihren Anfängen künstlerischer Arbeit behindert worden ist. Andere Künstler, Beckmann, Schmidt-Rottluft, Kirchner waren vor dem Ersten Weltkrieg, mit ersten Ausstellungen, Aktivitäten, Verkäufen in der Kurzgeschichte notiert. Bei Böckstiegen war es so, dass er, grade sein Studium in Bielefeld beendet und dann sein Studium in Dresden fortgesetzt hatte, als der Krieg ausbrach. Das ist jemand, der in Wärter bei Bielefeld geboren ist. Das ist ein damals kleiner Ort abseits, Aller künstlerischen Beeinflussungen, das Elternhaus, das war ein kleines Bauernhaus, wo es offensichtlich eine Bibel gab, aber nicht wirklich Kunst oder Kunstbücher,

schon lange nichts an den Wänden, Da wurde gearbeitet, da wurde gelebt und dass der Sohn dann eins von sechs Kindern Künstler werden wollte. Das war schon recht früh klar. Das war alles andere als selbstverständlich und, hat sich durchsetzen können, indem er eben ganz deutlich gemacht hat, ich möchte Künstler werden, aber ja, ich weiß, dass man davon allein nicht leben kann und dass es eben, Auch Bedingungen gibt und Voraussetzungen, die man erst mal mit den Händen schaffen muss. Also der hat einen handwerklichen Beruf erstmal gelernt. Er ist Maler und Anstreicher geworden.

Und ist dann in Bielefeld auf die Kunstschule gegangen, die nun mal auch keine Akademie war, sondern, Die sogenannte Kunsthandwerkerschule, also auf dieser Schule war schon vom Namen her klar, die Schüler und wenigen Schülerinnen später sollten zunächst einmal etwas Handwerkliches lernen. Und nachdem Böckstiegl das einige Jahre absolviert hatte und auch mit großem Erfolg für damalige Verhältnisse sich in Bielefeld einen Namen gemacht hatte, Es war die erste Generation von Künstlern überhaupt ist er nach Dresden gegangen. Vorher hatte er, kennengelernt, seine Werke hatte seine Briefe gelesen, hatte sich über den Künstler einfach auch mit der Moderne identifiziert, damit eben was so ein Künstler eigentlich für ein Leben,

führen würde, denn weniger als van Goghs Bilder waren ja vor allem seine Briefe bekannt und die Erzählung über sein Leben. Und als sie dann über die Bilder regelrecht gestolpert ist in Hagen, im der Sammlung von Karl-Heinz Osthaus und dann auf der Sonderbundausstellung in Köln. Da hat wirklich eine Art von künstlerischen Paten eine Identifikationsfigur gefunden.

Die für ihr Zeitlebens wichtig sein sollte und Wincent Birk Stiegel sein Sohn heißt nicht ohne Grund Vincent, Das ist also ganz bestimmt eine Hommage an das Vorbild, genauso wie die vielen Sonnenblumen-Stilleben, die vielen bäuerlichen Motive, aber eben auch in den frühen Jahren und das sind Böckstiegs beste Bilder aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.

Wo einfach die Malerei, die Farben, Die Arbeit mit dem Pinsel ganz klar zeigen, dass er Vincent van Koch gesehen hat. Und das ist ja etwas, was viele junge Künstlerinnen und Künstler in dieser Zeit, auszeichnet, dass sie van Gogh gesehen, geschätzt und auch für ihr Werk als maßgebliche Inspiration, aufgenommen haben, dann kommt der Krieg, wen kann Böckstieg einigermaßen gut überstehen, auch als Künstler übrigens. Er kann, Hunderte Werke in dieser Zeit schaffen, weil er einen sehr kunstbegeisterten Vorgesetzten hat. Er schickt diese Werke, zurück von der Front nach Dresden, wo seine verlobte Hannah die Schwester von Konrad Felix Müller nur darauf wartet, diese Werke dann eben entgegenzunehmen und auf Ausstellungen und,

Sammler zu vermitteln, das klappt sehr gut. Hanna wird ihm also wirklich eine ganz, ganz große und wichtige Hilfezeit-Lebens. Organisieren des Künstlerlebens. Ich glaube, das kann man so sagen. Die beiden heiraten nach dem Ersten Weltkrieg und dann beginnt eigentlich das, was das Werk und das Leben von Peter Augustböck Stiegl auszeichnet, nämlich so ein heiliger Wechsel des Wohnortes. Also, Die Sommer sind werter, Westfalen vorbehalten, Provinz in dem Sinne vom künstlerischen her, aber für Böckstieg leben maßgebliche Inspirationsquelle und wie er das in vielen auch sehr pathetischen Worten umschreibt. Einfach der Ort, wo er seine künstlerische Energie hernimmt. Also, In den Sommermonaten wird hier gearbeitet, künstlerisch, es wird gemalt, es wird aquarelliert, es wird gezeichnet,

Und die Wintermonate verbringt die Familie daneben in Dresden, Kann das im Sommer gesehen und dann in seinen vielen vielen Druckgrafiken weiterverarbeiten und das ist eben ein sehr inspirierender Wechsel zwischen Stadt und Land, zwischen Kultur und Natur, die ihm eben ganz ganz wichtig ist, das Museum hier und ich, wir haben wirklich, Die große Aufgabe, ein ein über viele Jahrzehnte entwickeltes Klischee von Böckstieg einfach auch ein bisschen zu entkräften nämlich diese Idee, dass das so ein westfälischer Sturkopf war, der hier im Feld gestanden hat und gemalt hat für sich und.

Niemand sonst und der dann in irgendeiner Form auch nur in Westfalen wahrgenommen wurde und, niemandem sonst und das sind tatsächlich Klischees, die wir in den letzten Jahren hoffentlich haben, ein bisschen entkräften können und auch nachhaltig, war ein unglaublich begabter Netzwerker, der mit allerlei Künstlern Sammlern, Museumsleuten, kommuniziert hat über Jahre weg, über tausende Seiten von Briefen. Das war jemand, der in den 20er und auch in den dreißiger Jahren, den frühen 30erjahren Dutzende Ausstellung pro Jahr in ganz Deutschland hatte, Viele Gruppenausstellungen natürlich, Einzelausstellungen und der also alles andere als ein unbekannter Name war. Na ja und das ist eben was äh was für mich auch wirklich das Interessante ist an dieser Aufgabe hier und das Interessante am Bergstegel,

Dass man eben wirklich an den hinterlassenen Dokumenten, an den Briefen, an den, Vielen vielen Stellen dieses Netzwerkes, wo man auch heute mit Kolleginnen und Kollegen in ganz Deutschland eigentlich in Kontakt tritt, in Archiven, in Museen, in Sammlungen, Überall findet man gemeinsame Anknüpfungspunkte und kann Böckstiege verorten, einordnen. Irgendwo gibt's immer eine Verbindung.

Und das ist einfach für mich so ein toller, spannender Hinweis darauf auch, dass selbst, wenn jemand nicht in der allerersten Reihe der Kunstgeschichte steht, jemand als Künstler, Persönlichkeit trotzdem unglaublich spannend sein kann, Weil es so viele Möglichkeiten gibt, ihn in der Zeit, in der Kunst seiner Zeit, in der einfach auch Gesellschaft seiner Zeit einzuordnen. Die, Frage, wie hat er von seiner Kunst gelebt? Wird natürlich immer wieder gestellt, Wie hat jemand von Werte aus oder von Dresden aus so viele Ausstellungen pro Jahr organisieren können?

Da kam ja nicht wie heute der Kunsttransport und im Hintergrund wurde alles fein ordentlich organisiert und die Galeristen haben sich dann schon darum gekümmert. Nein, musste als Künstler selber die Transportkisten hämmern, sich um die ganze Organisation kümmern und dann, eigentlich seine sogenannten Kollektivausstellungen, wie man das nannte, von einem Ort an den nächsten Weiter reisen lassen, um nicht ständig den Hin- und Rücktransport, vom Ausstellungshaus nach Werter oder Dresden zu haben. Also das war eine richtige und das ist glaube ich etwas, was man oder was mir ganz, klar geworden ist bei der Beschäftigung mit dem Künstler. Wir sehen die Bilder, wir sehen Ausstellungen, wir fragen uns mit wem war er in Kontaktwort herausgestellt,

Aber spannend ist natürlich auch, wie hat das jemand in dieser Zeit einfach von der Aufgabe, von der Arbeit her, von der Organisation her bewältigt? Und da ist es dann natürlich auch spannend, wenn man jemanden hat, der nicht wie zum Beispiel Max Beckmann mehrere wichtige Galeristen hatte, war jemand, der die Vermittlung, die Vermarktung seiner Kunst selber in die Hand genommen hat. Spielt seine Frau und ihr Netzwerk da auch eine Rolle? Also Hannah Böckstiegel hat eine ganz ganz große Bedeutung für Peter August Böck Stiegel. Das ist, sehr, sehr konkret zu greifen und auch zu belegen in vielen, vielen Briefen im ersten Weltkrieg, wo sie wirklich für ihn diejenige ist, die, Die Farben waren die Front schickt, die Bilder von der Frauen entgegennehmen. Das funktioniert per Feldpost, alles wunderbar in den ersten Kriegsjahren und das Künstlerseinwerk Stiegel eigentlich wie,

vor dem Krieg weiter führen und Hanna ist da ganz entscheidend. Er konnte während des Kriegs zeichnen? Er konnte nicht nur zeichnen, Er konnte Gemälde malen und zwar auch große Gemälde, er konnte akquirieren und was mich besonders überrascht, wenn er dann in der Nähe von Städten ist, die eine Kunstakademie haben, wie zum Beispiel Breslau.

Entstehen dann Lithografien, da kann er also auch Steindrucke machen und das funktioniert wirklich dadurch, dass ihn Hannah versorgt mit den Materialien, die er braucht und dass er einen Feldwebel hatte, einen Vorgesetzten, der sich erst einmal von ihm hat porträtieren lassen und er dann so überrascht und begeistert war von dem Ergebnis, dass er zu Böckstiege wirklich gesagt hat.

Mach dein Ding, ich besorge dir einen kleinen Atelierraum. Ich stelle dich von verschiedenen Diensten frei, du musst nicht in die erste Reihe der Front, sondern du kannst weiterhin als Künstler tätig sein. Was ist allerdings nicht von Böckstiege gibt es in irgendeiner Form Kriegsmotive, die er dann malt mit dem guten deutschen Soldaten und dem, bösen Feind oder es gibt keine Verherrlichung des Kriegerlebens oder solche Geschichten, sondern es sind Motive, die er sich aussucht, auch schon zuvor gemalt hat. Familien, Mütter mit Kindern, das bäuerliche Leben, Landschaften.

Man merkt dann schon einen Unterschied in den Darstellungen, denn das sind ja für ihn Leute, die sind ihm nicht so vertraut wie seine Familie oder die Menschen in Westfalen. Und auch die Landschaften haben etwas, was nicht so zugänglich ist und nicht so selbstverständlich ist für ihn. Die Farben sind teilweise dunkler, gebrochener, aber er kann sein künstlerisches Schaffen fortsetzen und es gibt eines seiner größten Bilder sehr bekannt, Quartierswald im Osten das ist ein ganz, ganz großes Format und das wird er sicherlich eingerollt in einer, Rolle zurück nach Dresden geschickt haben. Da wissen wir, das ist, an einem kalten Novembertag in der Nähe des Nordsees, das ist im heutigen nördlichen Belarus entstanden ist,

Und da finde ich die Frage schon ganz faszinierend, wie an einem solchen Ort, in einer solchen Kälte, ein solches Bild entstehen kann, dass es eben bis noch heute, Es ist auch heute noch gibt, das erhalten ist und, Das sind eben wirklich Geschichten, die natürlich eine ganz große Dramatik haben, aber für den Künstler ist auch eine Art von.

Überlebensstrategie weiterhin tätig sein zu können. Das lenkt ihn ab von den vielen Dingen, die wir aus seinen Briefen kennen, unglaublich schockieren im Krieg, die ihm wirklich schwer treffen, das Leid der Menschen, schreibt er immer wieder das Leid der unbeteiligten Frauen und Kinder. Er sieht sich in zunehmendem Maße, in den Jahren 19hundertsiebzehn, 18 in einem europäischen Schlachthaus, wie er es schreibt, womit er eigentlich gar nichts zu tun hat und gar nichts zu tun haben will.

Es kommt auch dadurch, dass sein Schwager Konrad Felix Müller ihn, Mit Briefen sehr intensiv über die Entwicklung der kommunistischen Ideen und, Der gesellschaftlichen Umstürze unterrichtet und er eigentlich immer stärker auch mit den politischen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen dieses Krieges konfrontiert ist, Und das ist tatsächlich fürn Böckstiegl schon eine Zeit, wo er auch wirklich mit seinen Bildern engagiert, Arbeitet für die Idee des Friedens und, Er selber hat das große Unglück, dass er erst im April 1919 aus der Ukraine, wo er stationiert ist am Ende, zurück nach Dresden kommen kann.

Weil die Wege aus dem Osten so abgeschnitten sind, dass seine Einheit dort ausharren muss am Schwarzen Meer. Also er hat wirklich eine lange Zeit im Krieg verbracht und. Am Ende heilfroh und zeitlebens davon gekennzeichnet, Gerade im Zweiten Weltkrieg ist die Angst, noch einmal als Soldat eingezogen zu werden, eine ganz große Sorge des Künstlers. Hannah und er haben sich wahrscheinlich über Konrad Felix Müller kennengelernt, waren während des Krieges noch nicht verheiratet und dann kommt er zurück Ja genau, also Böckstieg kommt nach Dresden zurück heiratet Hannah am 5. Juli 1neunhundertneunzehn, Die beiden beziehen eine kleine Wohnung, die bekommen eine kleine Tochter Sonja am gleichen Tag am 12. Februar. Fünf Jahre später wird Vincent geboren. Also das ist für ihn.

Ein ganz entscheidender Punkt, denn er kommt in eine Stadt zurück nach Dresden, wo dann sein Schwager, Konrad Felix Müller eigentlich, Mit Otto Dix und anderen im Mittelpunkt des Kunstlebens steht. Es gibt die berühmte Dresdner Sezessiongruppe neunzehnhundertneunzehn, da ist Böckstiege Mitglied und er ist in diesem inneren Zirkel eigentlich der Arrongard in Dresden, Und er ist in einem politisch und kulturell sehr aufgeheizten sehr unruhigen Dresden und, Er bekommt die ganzen intellektuellen und politischen Diskussionen mit und das Leben in so einer Künstlergruppe und das ist eine Zeit, die für ihn, sehr prägend ist, weil er zum einen einfach das Leben in dieser Stadt wahrnimmt als etwas, was,

sehr unruhig aufgeheizt und künstlerisch aber überhaupt nicht inspirierend für ihn ist. Also diese Zeit in der Dresdner Session 1919 die ist kurz und man kann glaube ich feststellen, dass sie ihm, zu intellektuell, zu politisch, zu Gruppenartig ist, er versucht, Relativ schnell wieder an das anzuknüpfen, was vor dem Ersten Weltkrieg wichtig war. Er verlässt Dresden nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg sehr schnell wieder und kommt dann hier nach Westfalen.

Das, was er hier sieht, rund um sein Elternhaus, die Landschaften, die Menschen, das bäuerliche Leben, das prägt ihn dann und das wird in Zeitlebens prägen, Also dieses kurze Intermezzo in der Dresdner Avongarde das ist natürlich für die Kunstgeschichte sehr schön und wichtig und Böckstiegl war mittendrin und, Durch seinen Schwager Konrad Felix Müller blieb das auch so. Hm aber er selber hat sich da eigentlich immer versucht, ein bisschen rauszunehmen, hat dann davon gesprochen, dass er, die Stadtluft von sich abschütteln müsse, um auf das Land zu kommen, um eben auf dem Land auch wirklich die kreative Energie zu erfahren, die ihm in der Stadt einfach abging. Es gibt von Böck Stiegel drei Lithografien von neunzehnhundertdreizehn, wo er sich mit Dresden beschäftigt.

Und dann gibt's neunzehnhundertneunundvierzig. Zwei Bleistiftzeichnungen, die das zerstörte Dresden zeigen. Ansonsten interessiert ihn diese Stadt, die ja nun wirklich sehr schön ist und Künstler seit Jahrhunderten gereizt hat. Interessiert ihn eigentlich gar nicht. Es gibt kein Dresdner Eervere von Böckstiege und ich bin mir sehr sicher, dass auch wenn immer wieder Werke von ihm auftauchen, auch jetzt noch, dass wir, kein Gemälde von ihm finden werden, das da heißt die brüllische Terrasse mit dem Blick auf die Hofkirche oder der Zwinger von Dresden, gemalt von Peter August Böckstiege. Das gibt's nun mal nicht. Und dann ist er in den Sommermonaten hier nach Arode zurückgekehrt. Ich vermute auch um die Eltern in ihrem bäuerlichen Schaffen zu unterstützen. Die Frau bleibt mit den Kindern in Dresden. Am Anfang kommt sie ja mit. Mhm. Und wird dann immer weniger mitkommen, wenn die Kinder schulpflichtig sind.

Also das ist wirklich dieses. Hin und her zwischen Stadt und Land, zwischen künstlerischem Input, Böckstiegel besucht die Museen. Er kennt die Galerien in Dresden, die wirklich zu dieser Zeit sehr, sehr gut sind. Da gibt's mehrere. Er besucht das Theater, Konzerte, und kommt dann hier im Sommer aufs Land, was tatsächlich ganz wichtig auch für ihn ist, dieses bäuerliche Leben, Nicht nur zu malen, sondern auch zu leben. Also er hilft bei der Ernte. Er berichtet davon, wie er überhaupt nur so malen kann, wie er malt, weil er eben, weiß, wie es ist, wenn man bei sengender Hitze auf dem Feld steht. Da gibt's wunderbare Zitate von ihm, wo man merkt, das ist nicht nur irgend so eine Art von Image, dass er sich gibt.

Das ist wirklich etwas, was ihm wichtig ist und der westfälische Bauernmaler, wie er sich selber nennt, Was nach heutigen Maßstäben vielleicht ein bisschen sehr provinziell und sehr einengend klingt, das war für ihn eine Art von Ehrentitel. Also der westfälische Bauernmaler, Das ist für ihn etwas, der das Leben und Arbeiten dieser Menschen ehrlich und offen wiedergibt.

Wenn Work Stiegel malt, dann spricht er bei einem Bild, das ihm gelungen scheint, auch nicht von gut oder, gelungen, sondern das Bild ist dann wahr und klar, Das hat Kraft und Stärke. Das sind Begriffe, mit denen er hantiert und die Sprache auch in seinen Briefen ist so ein bisschen wie seine Malerei in den frühen zwanziger Jahren wirklich zupackend. Also wenn man wirklich das Gefühl hat, er arbeitet mit dem Material, Farbe als etwas, was man haptisch auch, wahrnehmen kann auf der Leinwand. Das ist ein Material, mit dem man mit den Fingern, mit den Händen, mit dem Handrücken wird damit gearbeitet, dann ist das etwas, was man auch in seiner Sprache merkt und die ist auch sehr klar und direkt und,

nicht in irgendeiner Form weder intellektuell noch besonders fein. Also man könnte ja auch ganz klug oder sehr, fein über Kunst sprechen, sondern es ist für ihn wirklich etwas, was er mit den Händen macht, Und was eben auch Dinge darstellt, die Feldarbeit zum Beispiel, die man mit den Händen macht. Und die Materialien, die er verwendet, sind es auch Materialien hier aus der Gegend. Also erstmal ist es relativ klassisch. Er hat ja Malerei studiert. Er ist in Bielefeld, dann bei Otto Gussmann und Oskar Zwinscher in Dresden und er ist ausgebildet.

In der Ölmalerei, er kann Lithografieren, er kann radieren, er macht Holzschnitte. Er zeichnet sehr gerne mit dem weichen Zimmermanns-Bleistift, weil das dann so übers Papier gleitet. Er aquarelliert, er nutzt, Mit großer Vorliebe eigentlich immer große Formate Es gibt also keine Skizzenbücher, die er überliefert hat. Es gibt keine kleinen Zeichnungen auf irgendwelchen Schmierzetteln, wo man das Gefühl hat, na da probiert das erstmal und, dann später im großen Format. Er nutzt eigentlich immer das große Format und setzt dann seine Zeichnungen auf das Papier. Also da ist er schon sehr.

Entschieden in der Materialwahl und es ist auch ganz oft, das stimmt, ein Material, was dann zum Inhalt der Bilder passt. Also, Ob die Ölfarbe aus Westfalen kommt, das glaube ich nicht. Das ist in dem Sinne etwas, was er im Atelier anrührt oder was er dann eben auch erwirbt als Material, aber einen ganz großen, wichtigen Punkt in seinem Werk spielen die Rahmen, die dann eben hier, Direkt in der Nachbarschaft, in einer Tischlerei entstehen, wo wir eben wissen, dass Böckstieg sich sehr wohl damit beschäftigt hat, wie diese Rahmen, Aussehen vom Profil, von der Wirkung, von einer wirklich auch Massivität, Diese Rahmen sind ganz wichtig für ihn und später, als er dann ab 1929 auch als Bildhauer tätig ist,

benutzt er eben kein feines Ebenholz oder ein Marmor oder eben eine Bronze um seine äh Plastiken entstehen zu lassen, sondern er benutzt einen sehr schweren Lehmboden, den es hier in Wärter nun mal gibt und der, neben seinem Elternhaus in einer Lehmgrube abgetragen wird für die hiesige Ziegelei. Und das ist dann für ihn ein Heimatboden schwerer Ton, wie er es nennt, den er in der Ziegelei im Ringofen brennen lässt, zu sehr massiven, auch sehr schweren, Und auch wirklich sehr beeindruckenden Köpfen, die er gestaltet von seiner Familie und von den Nachbarn, Das ist für INA 1929 auf einmal eine ganz neue künstlerische Herausforderung als Bildhauer aktiv zu sein, Liegt auch ein bisschen daran, dass Böckstiege tatsächlich Bildhauer mindestens so stark verehrt wie den Maler Vinzent van Koch, nämlich wir wissen, dass er Wilhelm Lehmbruck

sehr verehrt hat, dass er ernst Barlach sehr verehrt hat, dass er Georg Kolbe und August Gaul den Tierbildhauer sehr verehrt hat. Das sind alles Künstler, die in seiner privaten Kunstsammlung auftauchen. Die hat sich auch erhalten und das sind Künstler, hindern vielleicht auch so wie Leitsterne dann später zu seinem eigenen bildhauerischen Schaffen bringen. Wie passen denn da diese zarten Meißenfiguren rein? Ja, es gibt hier im Museum dann eben in seiner Kunstsammlung, die sich erhalten hat, auch mehrere sehr große Porzellane, die aus der meisten Manufaktur stammen.

Überraschenderweise, das sind Arbeiten aus dem 18. Jahrhundert von Johann Joachim Kendler, Also wirklich mit einer sehr sehr guten kunsthistorischen Provinienz. Die passen dementsprechend zu Böckstiege, dass er Kunst eben gesammelt hat, aber eben auch Kunst vermittelt hat, Aus unterschiedlichen Aspekten, nämlich zum einen, weil er Kunst gerne besitzen wollte, die er sehr schätzt, Böckstiege gehörten, Anfang der zwanziger Jahre drei Werke von Wilhelm Lehmbruck, die wir heute leider nicht mehr haben. Wir haben nur noch einen, sehr schönen Kopf des emporsteigen Jünglings. Hier waren mal drei Werke. Er hat mehrere Werke von Lehmburg nach Bielefeld vermittelt, Er hat aus Dresden später in hundertfacher Anzahl Werke von Robert Sterl, einem sehr bedeutenden Dresdner Impressionisten nach Westfalen vermittelt. Er hat,

Meißner Porzellan nach Westfalen vermittelt und zwar zum einen, weil er Dinge in seiner westfälischen Heimat wissen wollte, die hier das Kulturleben stärken und nach vorne bringen. Das war ganz dezidiert sein Anspruch. Es hat ja unter anderem mit Heinrich Becker, dem sehr bedeutsamen Leiter des Bielefelder Kunsthauses gemacht. Die beiden waren in Eckerabstimmung, schätzten die gleichen Künstler?

Und das hatte zum anderen auch gemacht, um damit in schwierigen Jahren, nämlich der Zeit des Zweiten Weltkrieges, auch während der Nazi-Diktatur, tatsächlich seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es gibt vorhin die Möglichkeit, Werke zu vermitteln, unter anderem von Robert Sterl, Und dann tut er das mit einer unglaublichen Energie, also, Es gibt Robert Sterl, wirklich ein toller Künstler, da gibt's sehr viele Werke in Dresden und rund um Dresden. Dort gibt's auch ein Robert-Stell-Museum. Aber, mindestens so viele und auch sehr gute Werke gab es und gibt es hier rund um Bielefeld und in Westfalen, weil der Künstler als Vermittler auftritt und das ist eine unglaublich spannende Facette in.

Weil man tatsächlich merkt, Kunst ist für ihn etwas, was ein unglaublich wichtigen ästhetischen Anspruch hat und eine, Also wirklich, was ihn antreibt, sowohl seine Kunst als auch die Kunst, die er schätzt und gleichzeitig ist Kunst etwas, wovon er leben muss. Sowohl seine eigene Kunst als auch die Kunst, die er besitzt, In seiner Sammlung waren früher wunderbare Werke von Emil Nolde, von Max Pechstein, Aquarelle, Unikate, wie gesagt, Wilhelm Lehmbruck, von denen muss er sich trennen und das tut er auch.

Die wirtschaftliche Situation schwierig ist, dann ist das für ihn eine, wie er es schreibt in seinen Briefen Atempause und dann verkauft er, Zum Beispiel Rheinolder Aquarell, an Heinrich Becker oder an andere seiner Kunstsammler, weil er sie dort auch in guten Händen weiß. Das ist ihm wichtig. Ich frage mich auch so ein bisschen, hier in der Region sehr bodenständig. Wie wurde er wahrgenommen? Ja, ich glaube, dass, diese Idee, dass der Bauernsohn auf einmal Künstler wird, dass das natürlich hier in das, geprägt war, dass natürlich vom Landleben, von den Landarbeit geprägt war, Da war die Idee, dass da jemand am Feldrand steht und malt nicht wirklich vorgesehen und Back Stiegl hat sicherlich äh zeitlebens hier gegen viele Mauern und gegen viele Vorurteile ankämpfen müssen.

Und in dem Sinne ist das ja auch ein bisschen die Dramatik seines Lebens, dass, obwohl er ein anerkannter Künstler war, obwohl er eben viele Werke auch während seiner Lebzeit hat, verkaufen können an private oder an öffentliche Sammler, berühmte Sammler wie von der Hydro in Wuppertal oder, natürlich auch äh Leute in Dresden und Bielefeld, dass er natürlich immer um Anerkennung in seiner Heimat gerungen hat und das hat er auf unterschiedlichste Art und Weise auch versucht, Zeitlebens, Und ich glaube, dass.

Wirklich schicksalhafte ist natürlich, dass in dem Jahr seines Todes 1951 das in dieser Zeit ja auch begonnen worden ist, die Künstler, Besonders zu rehabilitieren, die während der Nazi-Diktatur eben als sogenannte entartete Künstler gelitten haben. Und das Böckstiegl leider nicht in die erste Riege der Künstler gehörte, die dann großer Anerkennung erfahren haben. Also erst einmal wurden Kirchner und Beckmann und Schmidt-Rottluff und Heckel gewürdigt und wiederentdeckt und, wieder geehrt und die Anerkennung von Böckstiege im größeren konzistorischen Kontext, in den 1980er Jahren eigentlich und bis dahin hatten regionale oder, weniger berühmte Künstler wie Böckstiege oder auch viele, viele, viele andere Namen. Ein eher relativ schweren Stand und,

Da hat tatsächlich hier vor Ort und das kann man gar nicht hoch genug anerkennen, haben eben die Witwe Hanna, aber eben auch die beiden Kinder, Sonja und Vincent dafür gesorgt, Werke des Künstlers weiterhin in große Sammlungen kam, dass der Name hochgehalten wurde, dass Ausstellungen stattgefunden haben, Auch natürlich gegen den Kunstgeschmack der Zeit, also zum Beispiel die Abstraktion in den 50erjahren. Es gibt Briefe, in denen Hannah Böckstiegel sich bei Werner Hafmann darum bemüht, dass ihr Mann noch bitte auf der Documenta zu sehen ist neunzehnhundertfünfundfünfzig, weil da natürlich auch Expressionisten hängen in diesem Jahr und sie sah ihren Mann als selbstverständlich ein Teil dieser Ausstellung.

In diesem Jahrzehnt, Es ist die abstrakte Kunst in den 60er Jahren. Es ist die Pop-Art. Dann kommen Minimalart und ähnliche Dinge und da hat es einen Künstler wie Böckstiegl natürlich noch einmal schwerer gehabt mit seiner ganz bewusst, Regionalen, ich sage mal auch Lokalpatriotischen Haltung, gegen eine immer internationaler werdende Kunstauffassung und auch einen Kunstmarkt anzustehen, also es gibt verschiedene Gründe, warum es, glaube ich, auch nach Böckstiegls Tod immer noch Schwierigkeiten gab, seine Bedeutung oder sogar sein Schaffen anzuerkennen.

Hier rings um sein Elternhaus in seiner Heimat. Er hatte doch auch nie eine Galerievertretung oder? Also er hatte keinen festen Galeristen wie andere Künstler das gehabt haben, wie Felix Müller zum Beispiel, der sehr, sehr viel klüger agierte nach heutigen Maßstäben des Kunstmarktes. Börg Stiegl hat im Ersten Weltkrieg, nicht nur an Hannah geschickt, sondern auch an Galeristen und die haben ihn tatsächlich wohl so betrogen und so schlecht behandelt, dass er danach.

Immer eigentlich eine Aversion gegen den Kunsthandel gehabt hat. Er hat Ausstellungen gehabt in den drei großen Galerien in Dresden bei Arnold, bei Richter, also es gab Kontakte zum Kunsthandel, Aber es gab eben keine feste Verbindung, Und das ist sicherlich auch ein Aspekt, der ihm wirtschaftlich und auch vom künstlerischen Ansehen her in den 1920er Jahren nicht gerade zum Vorteil gereicht hat Zeichnet sich das im Werk wieder? Also, Was wir sagen können, aber das liegt nicht nur an dieser Sorge und das liegt nicht nur im Zweiten Weltkrieg, sondern natürlich auch mit der Nazi-Diktatur, hängt es zusammen, dass Peter August Stiegl in den 40er Jahren immer weniger produktiv wird, weil tatsächlich die Sorge um sein Lebenswerk in den späteren Jahren des zweiten Weltkrieges dazu führt, dass er seine Werke aus der Dresdner Innenstadt, wo er sein Atelier hat am Antons Platz,

auslagert in die Umgebung von Dresden. Da haben wir Hertha. Da gibt's ganz viele andere Dinge, unter anderem die Vermittlung von Kunstwerken aus Dresden nach Westfalen. Einfach ein bisschen davon abhalten, so produktiv zu sein wie in den Jahren zuvor. Es ist für ihn eine Zeit, in der diese vielen Bedrängnisse wirtschaftlicher, politischer, der Zweite Weltkrieg ihn in seinem Schaffenhem. Das schreibt er auch so und ich glaube auch, dass man als ein Künstler, der wie er, Eine Art von Idealwelt dargestellt hat für ihn das bäuerliche Leben in Westfalen, das war für ihn etwas, was, Trotz aller Arbeit etwas friedliches, etwas, was Tutopisches hatte, dass das in den Jahren des Zweiten Weltkrieges auch nicht mehr so einfach darstellbar war, weil es einfach auch nicht mehr so war. Wie war denn seine Rolle während der NS-Zeit?

Also seine Rolle während der NS-Zeit war hier im Museum Thema der Ausstellung im Jahr 220. Das war das erste Mal, dass wir uns damit beschäftigt haben, weil mich doch sehr gestört hat, diese, sehr holzschnittartige, sehr grobe, Erzählungen, die es immer gegeben hat über den Maler, der natürlich die Bauern malt und über den Maler, der natürlich sich mit Themen beschäftigt, die auch in der, von den Nationalsozialisten geschätzt wurden, weshalb es immer wieder auch Versuche gegeben hat, Böckstiege in die Ecke zu drängen als einen, ja, westfälischen Bauernmaler, der sich.

Angenähert, wenn ich gar angebiedert hat. Dem sprach immer entgegen, dass man genau wusste, er war zeitlebens ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei und hat eigentlich, In seinen Briefen, die wir jetzt ja kennen, die man über viele Jahrzehnte nicht kannte, sich schon sehr früh dagegen ausgesprochen, sich in seiner Kunst vereinnahmen zu lassen von den, Nationalsozialisten und tatsächlich mit der Ausstellung 220 und dem Katalog. Da kann man, glaube ich, sehr schön nachvollziehen, dass das ein sehr facettenreicher und ein sehr nuancenreicher Abschnitt in seiner Biografie ist. Also die, Zwölf Jahre Nazi-Diktatur sind für ihn schon sehr früh davon gekennzeichnet, dass er merkt, seine Werke nicht mehr so geschätzt werden und in Dresden, wo sehr schnell die äh Nationalsozialisten ihre ersten kulturpolitischen Pflöcke einschlagen,

Da wird schon sehr früh ein großes Gemälde von Böckstiege aus den staatlichen Kunstsammlungen abgehängt, Vom Thema her fürchterlich harmlos ist. Das ist ein Stilleben mit einem Bauernmädchen, ganz großes, typisches Böckstieg der frühen zwanziger Jahre. Ich glaube, das wird gar nicht so sehr wegen der expressiven Malerei abgenommen, sondern.

Deshalb weil in Dresden schon sehr früh reaktionäre Kräfte, sich an denjenigen Künstlerinnen und Künstlern rächen wollen, die nach dem Ersten Weltkrieg einfach Avagarde waren, also, Ottodex ist der prominenteste Name, aber auch Konrad Felix Müller und Peter August Böck Stiegel eben die, die zuvor in dieser avangardistischen Dresdner Sezession waren, an denen rächen sich die, ehemals belächelten, aber jetzt eben einflussreichen Kräfte. Und das Merkböckspiegel und er beklagt, dass sich immer mehr eigentlich die Stimmung zuspitzt, dass sich immer mehr eigentlich eine Kultur des Streits und der Missgunst eben ausbreitet in den Dresdner Künstlerschaft, Und er wird dann eben im Laufe der dreißiger Jahre auch 92 Werke aus deutschen Museumssammlungen verlieren. Die werden beschlagnahmt,

Im Rahmen der Aktion in Artede Kunst. Die allermeisten davon müssen als verloren gelten. Das ist nicht so wahnsinnig viel auf den ersten Blick 92 Werke, wenn man an Zahlen denkt von Nolde Beckmann oder Kirchner, die er in die Hunderte, Tausende gehen. Man muss allerdings natürlich auch daran denken, dass Böckstiegl nicht so wahnsinnig viele Werke wie diese Künstler in deutschen Sammlungen hatte und wenn dann 92 Werke geraubt werden, dann sind alle Werke verloren, Die im deutschen Museumssammlungen bis dahin zu sehen waren und das ist für ihn natürlich ein unglaublicher und gar nicht zu verstehender Verlust Also er merkt sehr schnell die Repressalien, dass seine Kunst und das sagt er auch so, dass seine Kunst nicht mehr,

verständlich ist, was natürlich bedeutet, dass er genau weiß, dass seine frühen, expressionistischen und seine dann expressiveren Werke der zwanziger Jahre. Die haben einfach keine Chance mehr im Ausstellungskontext, in der Kunstideologie der Nationalsozialisten, Und das bedeutet aber eben nicht und das macht es eben facettenreich und auch wichtig zu sagen, dass er in den 30er Jahren in irgendeine Form der inneren Immigration sich zurückzieht. Das ist auch häufig so, gesehen worden, dass er dann hier nach Arode geht, nach Werter, in sein Elternhaus und sich künstlerisch ganz zurückzieht.

Das ist es eben auch nicht. Er kann sehr wohl an Ausstellungen teilnehmen während der Nazi-Diktatur. Er kann mit seinen Grafiken Wenn sie realistischer sind in der Zeichnung, er kann mit seinen Stilleben, kann er auf Ausstellungen aktiv sein und er kann sie auch verkaufen. Und das ist ein bisschen wie bei Nolde, die späten dreißiger Jahre sind tatsächlich wirtschaftlich gesehen, sogar sehr erfolgreich, weil ein, großen und auch sehr treuen Kreis an Kunstfreunden hat, an privaten Kunstfreunden, die ihm unter anderem seine Blumenstilleben wirklich wie geschnitten wurde aus der Hand kaufen, Also es sind erfolgreiche Jahre für ihn im Hinblick darauf, dass er sein privates Netzwerk nutzt Und dass er weiter malt, aber es sind natürlich für ihn entscheidende und dramatische Jahre in der öffentlichen Wahrnehmung, in der er dann kaum noch,

Oder nur unter anderen Vorzeichen, als ihm das lieb wäre, wahrgenommen wird. An seiner Frau und die Kinder, wo sind die in der Zeit? Also seine Frau und die Kinder, die sind eigentlich bis sie dann irgendwie, Als junge Erwachsene auch eigene erste Pläne haben, sind die an seiner Seite Hannah sowieso. Hanna begleitet ihn, voller Rode, von Werter nach Dresden und zurück und trägt diesen Lebenswandel und trägt auch die schwierigen Jahre der Weltwirtschaftskrise um neunzehnhundertdreißig.

Und sie erträgt auch die künstlerisch schwierigen Jahre der Nazi-Diktatur mit ihm, Aber seine Tochter Sonja, die wird irgendwann in den späten Dreißigerjahren dann als Schauspielerin aktiv, hat den verschiedenen Städten Engagements und Vincent ist ab 1942 dann zusehends auf dem Weg, ein Fotograf und, Im Filmgeschäft tätig zu werden in diesen frühen Jahren und da ist dann die Familie ja so die Wege trennen sich langsam Anfang der 40er Jahre Fotograf zu werden, klingt jetzt erstmal ungewöhnlich, woher kam denn seine Liebe zum abgelichteten Bild? Das ist eine gute Frage, also wir wissen aus den Briefen nur, dass plötzlich, nämlich neunzehnhundertzweiundvierzig.

Der Wunsch da gewesen sein muss, eine Fotokamera zu besitzen. Vincent hat, das wissen wir, jetzt nicht wie andere ein ein künstlerisches, überragendes Talent in seinen Kinderzeichnungen zum Beispiel oder er scheint auch nicht Maler, zu wollen, sondern auf einmal mit siebzehn Jahren taucht dann dieser Wunsch nach einer Fotokamera auf, die tauscht Böckstiege der Vater dann mit einem befreundeten Händler gegen ein Gemälde, Also Kamera gegen Kunst, Und dann wird Vincent Böckstiegl in Dresden dabei sein, wenn dort in der noch intakten Altstadt mehrere Filme gedreht werden. Also so NS-Filme, Revue-Filme, Zirkusfilme, solche Schmunzetten, da ist er dann dabei, wenn diese Dreharbeiten in Dresden stattfinden und sammelt erste Erfahrungen hinter der Filmkamera mit dem Produktionsleiter, mit dem Kameramann,

Und dass er dann vom Film zum Fotofach vollständig wechselt, das passiert eben nach neunzehnhundertfünfundvierzig. Und Peter August Böckstieg hat seinen Sohn, zeitlebens unterstützt, hat ihn in dieser kreativen Aufgabe auch wirklich gefördert, so wie er es erfahren hat von seinen Eltern. Böckstiegl hat seine Eltern nicht umsonst, Dutzendhaft, hundert Mal in seiner Kunst dargestellt und, Mit den wärmsten und pathetischen Worten seine Beziehung zu seinen Eltern geschildert, leben aus Dankbarkeit für die Unterstützung, die er erfahren hat.

So wie er sie erfahren hat, möchte er sie, glaube ich, auch an Vincent seinen Sohn weitergeben. Vincent ist am 12. Februar fünfundzwanzig geboren 45 war der Krieg zu Ende. Da war er 20. Musste er an die Front. Also ihm ist es erspart geblieben als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen zu werden, was, Immer wieder wie so ein Damoklesschwert über ihm gehangen hat und durch verschiedene Versuche seines Vaters bei den entsprechenden Stellen, dann immer wieder zurückgestellt. Mal war er krank, mal musste er sein Abitur noch machen, mal wurde dann auch die fotografische Arbeit als wichtig anerkannt.

Also er musste nicht in den Krieg und das ist tatsächlich etwas, was glaube ich auch der Familie, dem Vater, sehr, sehr wichtig gewesen ist, dann kommt es ja zu diesem fürchterlichen Einschnitt im Leben der Familie, dass die Dresdner, Innenstadt, also ganz Dresden, aber vor allem die Dresdner Innenstadt ja durch die Bombenangriffe unglaublich zerstört wird und tausende von Menschen sterben, auch bedeutet, dass die Bombenangriffe auf die Stadt einen ganz großen Teil von Work Stiegelsberg zerstören, für mich und meine Arbeit ist es mindestens so schlimm, dass Kunstwerke zerstört worden sind, Dass die ganzen Aufzeichnungen des Künstlers verloren sind. Und wenn welches Bild verkauft, alle mögliche Dokumentationen, die in seinem Atelier sicherlich erhalten war,

ist in diesen Bombennächten im Februar fünfundvierzig verloren gegangen und das ist ein Moment, wo Vincent dann eben auch mit der Familie hier zurück nach Werther kommt und zwar vollständig, weil die Familie ist in, Dresden ausgebombt, ist sowohl obdachlos als auch das Peter Augustböckstieg sein Atelier verloren hat. Also wenn der Künstler, also Peter August Böckstiege, Neunzehnhundertachtundvierzig, neunundvierzig, fünfzig, auf einmal beginnt eine große Serie von Portraits von Vertriebenen zu schaffen.

Die nach dem Krieg nach Wertha gekommen sind, dann ist das sicherlich ein Schicksal, das er auch mit seinem eigenen verbunden sieht. Also diese Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind wirtschaftlich und auch menschlich, glaube ich, für Peter August Böckstiegl sehr schwierig und, Das sieht man in seinen Bildern. Die haben eine andere Farbigkeit, die haben eine andere einen anderen Zugriff auf die Motive, Erscheint die Menschen nicht mehr so aufgesucht zu haben wie vorher, sondern verlässt sich zunächst ganz auf Stilleben und geht dann wieder in die Landschaft.

Also da ist dann Vincent Birk Stiegel, der als Fotograf so die ersten Schritte macht als etwas jüngerer Mensch vielleicht eher in der Lage, die die Trauwartei des Krieges hinter sich zu lassen. Wenn man als junger Mensch Anfang zwanzig, man macht vielleicht grade erste Erfahrungen in der Filmbranche, ist alles ganz spannend. Wer weiß, was mit der Liebe grade los ist? Und dann, Wird man ausgebombt und kehrt aufs Land kennt diesen Ort vielleicht aus der Kindheit, aus den Sommerferien? Welchen Bezug hat er denn hier und wie konnte er sich entwickeln? Also ich glaube, Vincent hat den Ort hier Wärter, das Elternhaus hat er sehr geschätzt. Es gab auch wirklich enge Freunde, die ihr dann nach dem.

Krieg und in den Nachkriegsjahren dann hier wieder getroffen hat aus seiner Kindheit, also der Sohn des äh Bielefelder Museumsdirektors Arnold, der Sohn, eines der wichtigsten Sammler von Peter August Böckstiege Rudolf Feldmann, Peter, das sind zeitlebens Freunde von ihm, die dann auch hier in Bielefeld zu Hause waren. Also er kommt hier hin, er kommt auch wieder an.

Aber was glaube ich wirklich entscheidend ist, ist, dass Dresden seine Heimatstadt ist. Und mit dieser Stadt fühlt er sich verbunden. Und sowohl privat als auch beruflich gelingt es ihm eben auch nach 49 und während der Deutsch-Deutschen Teilung diese Verbindung einigermaßen aufrecht zu erhalten. Also sein Vater stirbt ja recht schnell nach neunzehnhunderteinundfünfzig, aber Vincent wird dann auch für sich, seine Mutter und seine Schwester versuchen eben die alten Kontakte nach Dresden zu halten, zu Freunden der Familie, zu Künstlern, zu Bernhard Kretschmer, das ist ein langjähriger Freund seines Vaters und das kann er sowohl privat.

Als auch dienstlich, also als Prince Stiegel dann, Als Fotograf tätig ist unter anderem für die Zeitung unsere Kirche oder für den evangelischen Presseverein für Westfalen und Lippe kann er immer wieder auch in die ehemalige DDR reisen, hinter den eisernen Vorhang, Und kann dann so ein bisschen an das anknüpfen, was vorher war. Also dieser Ortswechsel, Westfalen, Sachsen.

Das ist ja etwas, was auch für Peter August Böckstiege nach dem Zweiten Weltkrieg erst einmal wie abgeschnitten ist und was er wirklich auch versucht wiederzubeleben, weil das für ihn wichtig war und ich glaube, das ist auch für Vincent Böckstiegl wichtig gewesen. Immer ein bisschen einen Draht zu halten zu Dresden. Konnte Hannah während der deutsch-deutschen Teilung auch Kontakte nach Dresden halten? Das konnte sie und natürlich war es für sie ganz, ganz entscheidend, dass sie auch Kontakt zu ihrem Bruder Konrad, Konrad Felix Müller hat eine längere Zeit noch nach 1949 in der ehemaligen DDR verbracht, Ist dann aber neunzehnhundertsiebenundsechzig im Alter von 70 Jahren nach Berlin gegangen.

Und ist auch später in Westberlin gestorben. Also da war's dann vielleicht wieder ein bisschen leichter, zumindest postalisch oder auch hin und wieder bei Besuchen sich zu sehen, Aber diese Verbindung nach Dresden, diese Sehnsucht nach Dresden. Das ist etwas, was also was für mich sowieso nicht nachvollziehbar ist als Mensch, der viel später und in einem ganz anderen Land großgeworden ist.

Aber was, glaube ich, für Menschen, die diese Biografie haben und dieses Schicksal, Ist das etwas, was einen nie richtig loslässt? Also es gibt einen schönen Kommentar von einem Dresdner Künstlerfreund, der dann nach dem zweiten Weltkrieg über Peter August Böckstiegl spricht und sagt, er stände zwar mit beiden Füßen auf der westfälischen Erde, aber mit dem Kopf, Wäre eigentlich immer in Dresden und das ist etwas, was für die ganze Familie, glaube ich, gilt und 1950 hat Böckstiegl dann eine große Sonderausstellung in den, staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das ist eine der letzten Ausstellungen expressionistischer Künstler, bevor dann, des sozialistischen Realismus eigentlich dazu führt, dass auch Künstler wie Böckstiege dann in Dresden eigentlich nicht mehr,

groß zu sehen sind und diese Ausstellung 1950 und die Verleihung oder die Vermittlung eines Ehrenateliers in der Dresdner Kunstakademie, das sind für Böckstiege so kleine Hoffnungsschimmer. Das ist auch nach 45 wieder weitergeht mit diesem, Westfalen, Sachsen, Dresden, Werther. Das ist natürlich utopisch, wenn man weiß, wie die deutsch-deutsche Geschichte weitergeht. Ganz aktuell sehen wir im Museumsbau fünf Werke von Peter August.

Und wie viele Werke von Vincent? Also das ist ja eine Ausstellung, die zum hundertsten, Geburtstag von Vincent Böckstiege hier ausgerichtet wird. Hm, das ist für uns natürlich ganz persönliches, privates Anliegen, dass wir den Künstlersohn ehren wollen. Da kommt man gleich schon zum Punkt, Künstlersohn so ist er auch noch genannt worden, als er schon hoch in den Siebzigern oder den 80ern war und man hat dann leider immer ein bisschen vergessen, Das Vincent Workstieg eben zeitlebens, ein Fotojournalist und Fotografer, der mit einem sehr guten Auge und einem hohen Anspruch, Auch einem künstlerischen Anspruch glaube ich, Fotografien gemacht hat.

Das wusste man und das wussten viele Menschen, aber das ist eben nach und nach in den Hintergrund getreten und ich fand zum 100. Geburtstag könnte man, Dass dann doch auch mal wieder und zum ersten Mal hier retrospektiv zeigen, Und fünf Werke von Peter Augustböck Stiegel hängen in dieser Ausstellung, weil es natürlich viele Bilder gibt, die, zeigen, dass der mal eine oder zeichnende Vater, sehr gerne seinen Sohn als Modell genommen hat. Also es gibt einen kleinen Einstieg in die Ausstellung mit Werken von Peter August Böckstieg, die den Sohn zeigen.

Ob das Vincent Work Stiegel so recht gewesen wäre, weiß ich gar nicht, weil der hat eigentlich zeitlebens immer versucht, ein bisschen Distanz zu halten zwischen dem, des Vaters und seinen eigenen Fotografien. Ich glaube, er hat den Namen Weckstiegl künstlerischerweise. Eindeutig mit dem Werk des Vaters verbunden gesehen und seine eigenen Arbeiten, Aufgaben Fotografien, Eben nicht in diesem Fahrwasser hat sehen wollen. Der hat auch zeitlebens keine Ausstellungen gewollt. Der wollte kein Aufhebens um sich als Künstler, Und wir wollen ihn in dieser Ausstellung eben auch nicht als einen Fotografen präsentieren als einen Künstler, Fotografen, Der jetzt in irgendeiner Form die Geschichte der Fotografie im 20. Jahrhundert neu umgeschrieben hat oder deine eigene Handschrift entwickelt hat, die bahnbrechend war,

Sondern wir wollen ihn eben als das zeigen, was er war, als einen guten. Ich finde sehr guten Fotografen, der eben aus der, bild-journalistischen Schiene kommt. Wann finge an zu reisen? Also wenn sie einen Workshig als erste Reise, das war im Jahr neunzehnhundertdreiundfünfzig, da reist er mit einem ganz wichtigen Mentor. Das ist Fokuypsen, das ist der Leiter des evangelischen Pressedienstes zu dieser Zeit, nach Israel und Palästina. Die erste Reise ins Ausland, von der Vinzenz seiner Mutter ganz begeistert, berichtet, aber auch ganz schockiert von den Zuständen und auch den Konflikten, die er dort in Jerusalem und in der, Umgebung sieht, das ist eine erste Reise in dieses Land und in diese Region.

Die Zeit lebens immer wieder für ihn wichtig wird. Also Israel und Palästina bereits der ganz besonders oft, aber dann eben im Auftrag eben seiner Arbeitgeber vor allem der Zeitung unsere Kirche eine sehr auflagenstarke und sehr bedeutsame Zeitung reist er eben in den 60er- und 70erjahren ganz oft auf den afrikanischen Kontinent, nach Asien, aber auch nach Amerika, London und Paris. Also ich würde ihn nicht als einen Reisefotograf bezeichnen, denn er macht diese Reisen nicht aus Lust am Reisen oder aus, irgendeiner Art von Weltflucht, ja? Es ist jetzt nicht jemand wie Paul Goggär, der in die Südsee reist, um sich inspirieren zu lassen, sondern es ist für ihn wirklich die Begegnung mit Menschen immer vor dem Hintergrund, dass das Aufträge sind.

Er macht Fotografien als Bildjournalist für Berichte von Journalistinnen und Journalisten für Zeitschriften, Zeitungen, Publikationen, Und da geht's ihm eben dadrum, wirklich möglichst gute Fotografien zu schaffen, Aber man hat auch immer das Gefühl, er weiß ganz genau, wenn er es schafft, ein Foto so zu schaffen, dass es eine Allgemeingültigkeit hat, Und etwas, was über das bloße Motiv hinausgeht.

Dann ist es für ihn ein gutes Foto, weil dann kann es auch häufiger eingesetzt werden, auch noch mal in einem späteren Kontext, in einer späteren Ausgabe. Also es geht jetzt gar nicht so genau darum, Aus welchem Land stammt diese Mutter mit ihrem Kind und aus welchem Jahr, Es geht vielmehr darum, ein Bild von Mutterliebe, ein Bild von Nähe zu geben und das sieht man in manchen Fotos ganz deutlich. Man sieht auch gar keine Jahreszahlen unter den Bildern. Ach so Vincent hat nicht wirklich Titel gegeben für seine Fotografien, ganz selten gibt es eher beschreibende Beschriftungen auf den Rückseiten und es gibt auch große Schwierigkeiten damit, die Fotografien, die uns, erhalten sind und das sind tausende zu datieren genau. Was natürlich hilfreich ist, ist ein Veröffentlichungsdatum in einer Zeitung, dann kann man es ungefähr eingrenzen

manchen Fotos weiß man es auch, aber bei vielen, vielen, vielen Fotografien, auch in der Ausstellung, gibt's einfach noch Fragezeichen. Erkennt man Parallelen in Vincent und in Peter August Böckstieglswerk? Also ich glaube, dass nicht versucht hat, motiviersch seinem Vater, irgendwie nachzueifern, wie gesagt, es gab da ganz andere Aufgaben und auch Interessen, aber man hat manche Motive, wo man denkt, ja ich glaube.

Da gibt es schon schon auch den Blick des Sohnes auf das Werk des Vaters, wenn er zum Beispiel sich sehr dezidiert beschäftigt mit, Familien, Mütter mit ihren Kindern, wenn er Alter und Jugend, das ist der Titel eines Werkes von Peter Augustberg Stiegel, also besonders alte Menschen in den Fokus nimmt, aber auch besonders Kinder und Jugendliche, Dann ist das etwas, wo man einerseits motivisch eine Nähe herstellen kann, wenn man das möchte. Für mich ist viel wichtiger, dass man bei beiden eine Art von, Ähnlichkeit erkennen kann, die sich im Zugriff auf das Motiv, im Zugriff auf das Modell zeigt, nämlich ein sehr nahbarer, ein sehr ehrlicher, ein sehr zugewandter Blick auf den Menschen, also nichts herabsetzendes, nichts Bösartiges, nichts in irgendeiner Form distanziert ist, sondern eine sehr, sehr genaue und eine sehr zugewandte Art, den Menschen zu sehen,

Das ist bei Peter August Böckstiegl immer wichtig, weil wenn er die Bauern seiner Nachbarschaft malt, dann malt er Menschen, die in ihrem Leben wahrscheinlich, nie verstanden haben, warum ihr Bart jetzt violett und die Stirn grün und die Nase gelb ist. Vincent Böckstegel begegnet in seinem Leben Menschen, die ihm schon deshalb fremd, weil er, Die verschiedensten Kontinente bereist und alle möglichen Länder bereist und auf Menschen trifft, Bei denen er erst einmal eine Nähe herstellen muss, bei denen er eine Verbundenheit herstellen muss, um überhaupt in die Gelegenheit zu kommen, ein Foto zu machen. Also beide, Vater und Sohn, brauchen ein ganz besonderes Quäntchen. Heute würde man sagen, Empathie, um ihre Kunst so entstehen zu lassen,

Wie sie dann am Ende wirklich auch ist, wenn sie gelungen ist. Bei Böckstiegl merkt man sofort, wenn er den alten Nachbarsbauern malt und wenn es auch zum zehnten oder zwölften Mal ist, dass ihm diese Menschen wirklich die Welt bedeutet haben. Der Podcast heißt die Leichtigkeit der Kunst. Was verbindest du mit Leichtigkeit und Kunst? Tja, ich glaube, was ich bei Peter Augustböckstieg gelernt habe, ist, dass, Kunst ist vor allem Arbeit und das meine ich jetzt gar nicht von wegen leiden und Mühe, sondern Kunst kommt eben nicht von ungefähr, sondern dafür braucht's, Viel Arbeit, das macht Mühe, das ist zeitintensiv, das geht glaube ich jedem schaffenden Künstler so, jedem arbeitenden Künstler, aber das geht auch jedem so, der mit der Kunst arbeitet.

Und es mag sicherlich die Leichtigkeit der Kunst geben, wenn man damit täglich arbeitet, Es ist aber hoffentlich eher eine Leidenschaftlichkeit und meistens gar nicht so leicht, Also es ist ein harter Job, ein sehr schöner Job, aber ich glaube im Unterschied zu dem, was sich viele Menschen von einer Arbeit im Museum oder mit der Kunst vorstellen.

Es ist nicht nur ein bezahltes Hobby, sondern man muss sich sehr intensiv mit den Dingen und vor allem auch mit vielen, vielen Menschen beschäftigen, Deshalb ist es schön, dass es einen Podcast gibt, der die Leichtigkeit der Kunst heißt und ich wünsche vielen, vielen, vielen Menschen, dass sie in der Begegnung mit der Kunst eine Leichtigkeit verspüren, Das geht mir auch manchmal so, aber mit dem Blick auf die Arbeit mit der Kunst selten Leichtigkeit. Vielen vielen Dank lieber David für dieses, Hochinteressante Gespräch über Peter August Böckstiegl, sein Sohn, das Haus. Es hat mir große Freude gemacht, dich hier zu besuch.

Music. Leichtigkeit der Kunst gerne auf deiner, Wenn dir diese Folge gefallen hat und dir auch die weiteren Episoden zusagen, dann hinterlasse doch gerne fünf Sternchen sowie eine wohlgesonnene Bewertung, Ich freue mich auch über Empfehlungen, Fragen, Kritik und natürlich auch weitere Themenvorschläge oder Gesprächspartnerinnen. Dazu kannst du gerne die Social Media Kanäle von die Leichtigkeit der Kunst nutzen, oder eine E-Mail an folgende Adresse schreiben. Info at die Leichtigkeit der Kunst Punkt DE. Danke fürs Zuhören und tschüss.

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