
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 7
Geschmackssache – Wie Küche zur Kultur wird | Großer Kiepenkerl
Freitag, 25. Juli 2025 · 45 min
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Shownotes
Großer Kiepenkerl und die Leichtigkeit der Kunst x Genau! Westfalen!
Diese Episode ist Teil der Reihe „Genau! Westfalen!“ im Themenjahr 1250 Jahre Westfalen, gefördert von der LWL-Kulturstiftung und der LWL-Kulturabteilung.
Küche ist mehr als Versorgung. Sie prägt Biografien, Rituale und Zugehörigkeit. Gerichte tragen Erinnerungen, erzählen von Herkunft und verändern sich mit den Menschen, die sie kochen und weitergeben. In Gasthäusern verdichten sich diese Erfahrungen – als Alltagspraxis und als kultureller Raum.
Die Folge Geschmackssache x Großer Kiepenkerl richtet den Blick auf Esskultur als Teil gesellschaftlicher Identität. Es geht um Küche als gelebte Tradition, um Wandel und um die Frage, wie Essen Gemeinschaft stiftet – heute ebenso wie über Generationen hinweg.
Zu Gast sind Wilma und Regina Gräfin von Westphalen, Gastgeberinnen des Gasthauses Großer Kiepenkerl in Münster. Mutter und Tochter sprechen über westfälische Küche, Verantwortung in der Gastronomie und darüber, warum bestimmte Speisen ein Gefühl von Zuhause auslösen.
Geschmack und Identität
Wer einen Gastraum betritt, begegnet nicht allein Speisekarten und Rezepten. Es sind Haltungen, Routinen und Erwartungen, die den Ort prägen. Küche wird hier als Ausdruck von Identität sichtbar – zwischen Tradition und Gegenwart.
Der Große Kiepenkerl steht dabei für eine Küche, die sich ihrer Herkunft bewusst ist und zugleich offen bleibt für Veränderung.
Blicke, Wege, Prägungen
Im Gespräch erzählen Wilma und Regina Gräfin von Westphalen von familiären Prägungen, von Intuition in der Küche und von Entscheidungen, die Gastronomie heute verlangt. Essen erscheint als biografische Erzählung – weitergegeben, angepasst, neu gelesen.
Deutlich wird ein Verständnis von Gastlichkeit, das Verantwortung einschließt: für Produkte, für Menschen, für Atmosphäre.
Küche als kulturelle Praxis
Esskultur ist mehr als Geschmack. Sie verbindet Handwerk, Zeit und Gemeinschaft. Im Großen Kiepenkerl wird Küche als Alltagspraxis sichtbar, die Werte transportiert – leise, selbstverständlich, wirksam.
Regionale Zutaten, vertraute Gerichte und neue Impulse stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern im Dialog.
Wandel, Haltung, Verantwortung
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist der Wandel. Essgewohnheiten verändern sich, Erwartungen ebenso. Fragen nach Nachhaltigkeit, nach zeitgemäßer Küche und nach gesellschaftlicher Verantwortung gehören heute zur gastronomischen Praxis.
Küche wird hier zu einem Ort, an dem Werte verhandelt werden – nicht theoretisch, sondern im Tun.
Warum Westfalen?
Westfalen bildet den konkreten Rahmen dieser Folge. Die Stadt, ihre Geschichte und ihre Alltagskultur prägen den Ort ebenso wie die Menschen, die ihn tragen. Das Restaurant Großer Kiepenkerl wird so zur Bühne und bietet Raum für größere Fragen zum Thema Identität, Gemeinschaft, Zusammenhalt und Identität.
Themen dieser Folge
Großer Kiepenkerl · Esskultur · Identität · Küche als Kultur · Gastlichkeit · Gemeinschaft · Wandel
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Links & Credits
Großer Kiepenkerl (grosser-kiepenkerl.de)
1250 Jahre Westfalen (lwl-kulturstiftung.de/1250-jahre-westfalen)
LWL-Kulturstiftung (lwl-kulturstiftung.de)
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Diese Episode ist als persönliches Gespräch vor Ort entstanden.Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.
Wilma und Regina von Westpfahlen und Claudia Linzel im Gespräch über den Großen Kiepenkerl, 1250 Jahre Westfalen sowie Geschmack und Identität für den Podcast Die Leichtigkeit der Kunst x Genau! Westfalen!
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Müt und satt, wie schön es, Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast die Leichtigkeit, Mein Name ist Claudia Linzel. In Zusammenarbeit mit der LWL-Kulturstift Wir in diesem Podcast Spezial genau Westfalen, Geschichte, Kultur und Identität dieser besonderen Region ins, im Jubiläumsjahr 1250 Jahre Westfalen feiern 44 geförderte, dieser Region. Mit Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Filmen und vielen Gelegenheiten, Wandel und Zugehörigkeit neu zu entdecken. Was prägt die Identität eines Ortes?
Womöglich der Geschmack? Ein Gericht, das Kindheit bewahrt? Ein Brot, das mit Großmutters Händen gebacken wurde, ein Kohlgericht, das über Generationen weitergereicht wird, wie ein Stück Erinnerung auf dem Teller, oder ein Gasthaus, in dem über Jahrzehnte hinweg Familienfeste gefeiert wurden. In dieser Folge, Frauen, die ein traditionsreiches Haus führen und dabei Haltung, Herkunft und Handwerk in einen Sti.
Begleiterinnen für eine Küche, die mehr ist als bloße Versorgung. Denn Ernährung, das ist nicht nur, was wir essen, was wir erzählen, was wir weitergeben und manchmal auch, was wir neu lernen müssen. Welche Erinnerungen tragen, Welche Zutaten braucht es, um ein Gefühl von Geborgenheit zu erzeugen? Was bleibt, wenn der Geschmack sich wandelt, Und wie gelingt es, eine Küche zu bewahren, ohne sie einzumauern?
Und was würde der Kiepenkerl heute in seiner Kippe tragen zwischen Hafermilch, Mettwurst und moralischer Feind, Herzlich willkommen, liebe Wilma und Regina Gräfen von Westfalen. Mutter und Tochter, Gastgeberinnen, wie schön das ich bei euch wirklich und wortwörtlich zu Gast sein darf. Der Name von Westfalen, der, perfekt hier in diese Podcastreihe genau Westfalen. Vielen Dank. Was hat der Name für eine Bedeutung Also es ist so, dass es ein sehr sehr alter Familienname ist und unsere Familiengeschichte, die geht also bis ins 12. Jahrhundert zurück. Unsere, ich sage jetzt mal, direkten Vorfahren waren im sauerländischen beheimatet und mein Urgroßvater ist relativ früh Wittwar geworden.
Und hat dann eine Gräfin aus Luka geheiratet, also die Contessa, die Lukisini und dadurch haben wir eben dieser Zweig der Familie ja auch noch dieses italienische Gen irgendwie in sich, was ich total charmant finde und wo ich so denke, das hat dann noch mal vielleicht auch mit besonderer Lebensfreude auch dann irgendwie zu tun. Wie seid ihr?
Eigentlich einst auf den Geschmack gekommen meine Mutter, die ursprünglich aus München kommt, hat für ihr Leben gerne gekocht und sie hat, weil sie mit einem Westfalen einem Herrn von Westfalen verheiratet war, immer einen Spagat finden müssen zwischen den bayrischen Süßspeisen und auch den. Ja den bayrischen Gewürzen wie zum Beispiel Kümmel und die aber dann in Verbindung mit einem quasi westfälischen Kohlgericht zu bringen, wo sie dann eben den Kümmel zum Beispiel eingesetzt hat.
Und insofern war das bei uns immer eigentlich eine eher bayrisch dominierende Küche zu Hause, aber eben mit den Einflüssen aus Westfalen. Dann war der Pickertentrosin ja eigentlich schon genau richtig oder? Genau. Dass es eben immer diese Symbiose, die sich dann irgendwie aus auch diesen unterschiedlichen Kulturteilen ergänzend ausgeweckt hat. Und je älter ich wurde, habe ich für mich selber da so ein eigenen Stil entwickelt, indem ich eben gesagt das eine bewahre ich mir, eben gerade auch aus diesen doch tradierten Werten auch meiner Mutter, aber eben genauso eben war es so, dadurch dass ich meinen Lebensmittelpunkt nun in Westfalen habe und hatte, dann eben mich auch dieser Küche vielmehr zu widmen.
Und die hat eine gewisse Deftigkeit und das muss man eben auch mögen und man muss eben auch die Dinge, die hier auf den Äckern wachsen, auch wertschätzen können. Wann hast du gemerkt, dass du deine Lebensfreude geschmacklich in die Welt tragen möchtest? Wann ging dein beruflicher Weg? Im Fokus des Genusses bloß. Bereit als Kind habe ich total gerne Dinge zubereitet, worüber sich die ganze Familie schon immer amüsiert hat, wenn ich mit Handserviette überm Arm, weil ich das im Fernsehen gesehen damals schon in Farbe übrigens, dass ich dann eben bestimmte Dinge so hergerichtet habe und wirklich wie, als wenn wir ein Restaurant zu Hause hätten, habe ich das dann serviert.
Mein Vater, der Steuerberater war natürlich da eher nüchtern auch unterwegs, aber meine Mutter fand das irgendwie immer ganz toll, wie ich dann auch Servietten schon gefaltet habe und für mich stand relativ früh, dass eigentlich dieser Hotellerie, Gastronomie Hintergrund irgendwie schon auch für mein berufliches Lebensbild eine große Rolle spielen könnte und Insofern habe ich sehr früh schon eine Ausbildung, also, unter 20 Jahren begonnen und war auch natürlich während der Ausbildung zur Hotelfachfrau ja ein gutes halbes Jahr in der Küche Das hat mich natürlich dann eben auch nochmal ja irgendwie total motiviert, ja mich mehr auszuprobieren und da war es aber sehr klassisch, also wirklich eine westfälische Küche,
Liebe Regina und du, wann hast du das erste Mal gemerkt? Oh, der Geschmack spielt in meinem Leben doch eine größere Rolle. Ich glaube, das war schon recht früh auch als Kind bei mir. Total viel Freude an Essen gehabt und habe super gerne Kochbücher studiert, wenn man so möchte und habe mich total gern am Herd ausprobiert Du hast ja zu Geburtstagen als kleines Kind schon Kochbücher schenken schon auf deiner Christkindwunsch genau und das ist mir bis heute geblieben.
Also ich habe einen ganzen Schrank voller Kochbücher und diverser Küchen, nicht nur der Westfälischen. Und ja koche super super gerne. Wir unterhalten uns ja hier in großen Kiekenkern. Es gibt auch noch den kleinen. Den Kippenkälbern ist er dir denn das erste Mal begegnet? Wir sind als Familie, ab und an natürlich auch dann mal ausgewiesen, essen gegangen und waren tatsächlich auch hier. Also ich kann mich an den ein oder anderen Geburtstag meines Vaters erinnern, den wir hier gefeiert haben und das war immer ein Platz, der, für Lebensfreude gestanden hat. Das Gasthaus selber hat irgendwie schon damals so eine ganz hohe Anziehungskraft auf mich ausgewirkt und, meine mich zu erinnern, dass wir damals auch sehr ja eben so eine deftige Menüs oder so dann gegessen haben. Welche Wege, welche Meilensteine musstet ihr bewältigen um hier,
niederzulassen. Mein Mann, der quasi auf der anderen Straßenseite, also schräg gegenüber des Kiepen-Kerls ein Feinkostgeschäft betreibt, hat damals die Möglichkeit gehabt dieses Haus zu pachten, weil die alten Pächter, die das 16 Jahre gemacht haben und ganz toll auch betrieben haben, die sind in den Ruhestand gegangen und und ich war zu dem Zeitpunkt beruflich eben gar nicht so gastronomisch aktiv.
Habe aber natürlich ihn in diesem Prozess begleitet und fand das ganz toll und habe aufgrund familiärer Situation meiner Mutter ging's damals gesundheitlich nicht so gut gedacht ach irgendwie wär's vielleicht doch ganz gut, wenn ich meine Reisetätigkeit aufgebe, die ich beruflich eben so inne hatte und kommen hier an den heimischen Standort zurück und habe eine vierwöchige Auszeit genommen aus meinem damaligen Beruf Um mich hier dann während dieser quasi Eröffnungsphase hier auch auf diesen neuen Unternehmenszweig meines Mannes zu konzentrieren und nach vier Wochen, das war ein Sonntagabend und ich musste am Montag früh wieder eigentlich auf die Autobahn, habe ich Rotz und Wasser geweint, dass diese Zeit viel zu schnell vorübergegangen ist und ich jetzt
zu entwurzelt wäre. Und das hat irgendwie dann in der Komplexität dann dazu geführt, dass ich irgendwie gesagt habe, nee, ich mache das jetzt hier wirklich zu 100 Prozent und verzettle mich jetzt nicht, weil am Anfang habe ich dann so einen Spagat eben aus dem einen Beruf und dem anderen dann irgendwie so kombiniert und.
Und bin dann zu hundert Prozent hier rein und habe eben mich so langsam hier auch so in dieses große Haus, was mir damals ganz viel Angst gemacht hat, weil ich gesagt habe, das sind eigentlich also nicht nur eine, sondern ich glaube schon gleich auch mehrere Schuhgrößen zu groß für mich, weil das eben so eine Institution auch in Münster ist und wir eben natürlich auch einen hohen Mitarbeiterstab hatten von damals und auch für Münster. Genau dieses Kulturgut ja irgendwie in gewisser Weise auch zu hegen und zu pflegen und und das aber auch mit Den eigenen persönlichen Werten zu verbinden. Das fand ich damals total herausfordernd und einerseits total spannend und andererseits hatte ich auch schon sehr Respekt davor. Aber ich habe gemerkt, dass im Laufe der Zeit
A war es so, dass wir ein ganz tolles Team hatten, was eben auch mich als Chefin sehr getragen hat und mich unterstützt hat. Und ich dann eben gemerkt habe, okay, durch den Rückhalt kann ich auch viele Dinge auch jetzt implementieren, die mir wichtig sind und die es zu beachten gibt und im Jahr zweitausendsiebzehn Wir waren damals dann schon eben auch auf doppelt so viele Mitarbeiter gewachsen und also es war schon eben alles etwas runder geworden.
Ist Regina aus München, obwohl sie damals beruflich Station machte, dann nach Münster gezogen und habe dann eben das Ganze einfach nochmal. Mit mir im Schulterschluss nochmal anders auch aufgebaut und ja, dafür bin ich extrem dankbar, weil ich glaube, eben so zwei Köpfe und vier Hände, die machen dann eben an der Stelle, in der wir sind, in der Geschäftsleitung eben natürlich noch mal deutlich mehr Sinn. Vielen Dank fürs Kompliment. Ich empfinde das ganz genauso. Ich finde, wir ticken an den wichtigen Stellen gleich und fühlen gleich und an den Stellen, die irgendwie uns weiterbringen, fühlen wir anders und ich glaube, das ist genau auch gut, weil uns das weiterbringt, Wilma Wunder. Ja, genau, das war meine Station zuvor.
Ich habe für die Enchillada Franchise in München gearbeitet und München hatte immer so einen besonderen Wert für mich, weil ich zu Wilmas Mutter, also meiner Oma, auch ein ganz enges Verhältnis hatte und sie war eben Münchenerin. Deswegen war für mich irgendwie klar, ich möchte unbedingt nach München und ich habe Betriebswirtschaft studiert.
Mein Herz schlug aber schon, wie ich ja eben berichtet habe, viel länger eigentlich für Kochen, Gastronomie und habe Dann, als ich das gemerkt habe, dass das immer noch durchkommt eine Bachelorarbeit und Masterarbeit jeweils über die Lebensmittelwirtschaft und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelwirtschaft geschrieben und das war bei uns an der Uni sehr untypisch, weil wir also es waren schon viele, die diesen Wunsch hatten, ins Investmentbanking oder in die Unternehmensberatung zu gehen und da habe ich schon einen anderen Weg auf jeden Fall eingeschlagen.
Musst du mir dafür auch einen Lehrstuhl suchen, der das auch wirklich unterstützt. Hatte eine ganz tolle Professorin, die das total toll fand. Und habe dann gedacht, als ich fertig war mit meinem Master. Nee, also diesen klassischen Weg Das mache ich nicht, das fühle ich gar nicht. Hatte kurz vorher noch bei PB zehn Praktikum in der Steuerberatung gemacht. Kann ich ganz toll, aber irgendwie, Es hat sich nicht richtig angefühlt und dann bin ich ja an die Entila-Gruppe geraten, die in München ihr Franchise Quarter hat und von dort aus durfte ich ein ganz tollen Job ausüben und zwar ein neues Konzept von der Pike auf mitentwickeln. Ja und das war wie immer Wunder und es äh war so ein bisschen die Aufgabenstellung, dass sich die Zielgruppe,
der Frauen da mehr durchsetzt, der das hat unglaublich viel Spaß gemacht und nach nun sieben, acht Jahren, die ich jetzt noch nicht mal in Münster gelebt habe. War irgendwann der Wunsch, doch da irgendwann auch wieder in die Heimat zurückzukehren. Und das war zweitausendsiebzehn Was verbindet ihr mit dem Gefühl von Äffen? Also für mich ist Essen nicht nur das Essen selbst, sondern wirklich auch das Zusammenkommen. Ich esse super ungern alleine, liebe es, wenn wenn wir zu mehreren einfach zusammenkommen und gemeinsam essen, Ich mag es auch zu kochen, aber meistens fehlt mir leider selber dafür die Zeit und da wir so eine gute Infrastruktur dann auf der zurück, die dann schon zubereitet hier man wird's auch nicht leid, also wir sind sieben Tage die Woche hier und man ist
eben auch gerne täglich eben hier. Aber dieses Essen ist einfach auch eben dieses zusammenkommen, dieses Austauschende, dieses vermittelnde Essen ist natürlich auch interkulturell, weil wir möglicherweise eben jetzt heute wird vielleicht unser Küchenchef der und Obelgel, Herr Singen, vielleicht gleich kommen und sagen, ich habe gerade ein ganz frisches Curry und dann tauschen wir uns darüber aus, weil das dann wieder eben natürlich ganz andere Geschmack Richtung sind. Ich finde auch also das, was ich schön finde am Essen ist auch Zusammenkunft und Austausch, Also ich weiß gar nicht, wie ich das anders formulieren soll, aber es ist voller Genuss. Für mich ist das was, auch andere Länder mit ihren Geschmacks-Nuancen und Dimensionen kennenzulernen. Das ist für mich was ganz besonderes. Ich war vor.
Oder fünf Jahren mit meinem Mann in Israel und das war für mich so ein Lebenstraum zum Beispiel, weil ich diese Küche so toll finde, die ja auch ganz oft wirklich eben auch fleischlos so wie asiatische Küchen zum Beispiel auskommen und es ist für mich ja wirklich sehr emotional, weil also Essen ist für mich pur Emotion, so glaube ich, kann man's vielleicht zusammenfassen, der Kiepenkerl hier vor eurem Gasthaus steht. Es ist einer von zweien, der erste wurde im Krieg zerstört, der zweite wurde 53 wieder aufgestellt.
Wer ist denn der eigentlich? Und was ist eine Kiepe? Also es war äh wir ganz früh ein Berufsstand, ein westfälischer Berufsstand. Darf ich dich da immer unterbrechen, auch in den Niederlanden gab es genau. Also nicht nur reinwestfälisch, aber schon sehr ja in die Region eingebundener sind wir noch nicht von Iserlanden entfernt. Stimmt. Genau und seine Tätigkeit bestand daraus, dass er Im Prinzip, als es noch keine Infrastruktur gab zwischen Stadt und Land hin und hergereist ist und er trug eine Kiepe und das würde man heute wie so ein Bass-Rucksack bezeichnen und vom Land brachte er dann Lebensmittel mit, Kartoffeln, Weizen und von der Stadt brachte er die Neuigkeiten mit. Also was hat sich jetzt gerade Neues aufgetan in der Stadt? Ein Kulturvermittler
Total und er war wie so ein Handlungsreisender. Also er hat auch dann mal vielleicht auch Tauben dabei in der Keeper. Er hatte Briefe dabei, äh war also der Briefträger, der dann auch dann von Hof zu Hof irgendwas dann transportiert hat und heute würde man alles mit dem Lastenrad machen Aber damals war er mit diesem schweren Rucksack zu Fuß unterwegs, und dazu war so seine, also so muss man sich das so vorstellen, sein Outfit sozusagen, seine Kleidung war in so einer auch typisch westfälischen so ein rotes Halstuch und dann blau karierte oder beziehungsweise auch mit so Münsterstoffen Hemden an und eine weite Hose und dann eben so ein bisschen auch diese.
Die man eben auch so ja aus den Niederlanden kennt. Und eine Pfeife glaube ich. Zumindest meint man mit Pfeife rum, die ich auf ich könnte mir vorstellen, dass der Kiepenkerl damals, der ist ja nun von Hof zu Hof gelaufen und hat nicht nur die Neuigkeiten, sondern auch eben die Lebensmittel, auch zum Teil im Tauschjahr auch gebracht und das durchaus auch Dinge von weiter, also wie Gewürze oder Ähnliches, auch wirklich im Tausch, beispielsweise von Hof zu Hof, das was der eine vielleicht angebaut hat, der andere aber nicht hatte und der hat das dann transferiert. Und die Geschichte des großen Kiepenkerls das Kiepenkerlviertel, wo wir ja nun wirklich an zentraler Stelle uns befinden, war, Damals schon im Mittelalter ein Händlerquartier und da durfte die Infrastruktur gegen Hunger und Durst natürlich nicht fehlen.
1891 entstand hier dann der Neubau der bekannten Germania Brauerei. Viele Münsteraner Innen kennen das Gebäude, was dann an der Gräfener Straße dann hinterher entstand und ähm nach zwei Umzügen ist aber diese Brauerei in den 50er Jahren hier an diesem Kiepenkerlplatz zurückgekehrt. Und erst ich glaube, das war 1984 als dann, ein Münsteraner Hotelier, der in Hiltrup beheimatet war, die Familie Kraut Krämer, die hat dann hier dann überhaupt erstmalig Gastronomie in dieses Haus gebracht, was eigentlich ein Haus der Germania Brauerei gewesen ist. Was macht denn das Gefühl von einem heimischen Essen aus. Eine meiner besten Freundinnen hat einen Satz geprägt, der aber aus dem Munde ihres Opas ursprünglich stammt,
müt und satt, wie schön ist das? Und irgendwie trifft es das hier so genau auch zu. Also wenn ich an die westfälische Küche denke, dann also es hat vielleicht sogar einen eher einen herbstlichen, winterlichen Anmutung und es hat was Dampfen ist, es hat was Deftiges, wenn man sich so vielleicht das vorstellt, man geht im November eben durch Nebelpappelalleen, wir haben Eichenwälder hier.
Genau, so ein bisschen auch manchmal vielleicht auch so morbide Szenen, aber man Kommt dann zum Essen zusammen und dieses Zusammengefühl ist, glaube ich, auch so etwas typisch-westfälisches viele große Familien auch immer noch und gab es auch damals und so. Man kommt zusammen, man ist zusammen. Ja und dann stehen die Töpfe auf dem Tisch und es dampft und es gibt dir das Gefühl von Glück und von Heimat und Dankbarkeit auch für das, was du aufm Tisch hast auch wieder.
Gibt es denn ein Gericht, was etwas über diese Region hier erzählt? Ist auch sowas ganz typisch-westfälisches. Ich verbinde immer mit Westfalen die Kartoffel. Das ist wie so ein. Heute würde man Gratin sagen, Kartoffelauflauf, der aus ruhen und gekochten Kartoffelscheiben und Pumpernickel nach Geschmack auch besteht und eher Pfefferpot hast denn eigentlich, genau. Pfeffer erklärt sich Pfeffer und Podcast ist eigentlich eher eine Beschreibung für den Pott Pfefferpott und hast, steht für Fleisch noch aus der früheren Begrifflichkeit und da ist es so, dass es eben ein Rindfleisch ist, was in so quaderförmige Würfel geschnitten wird und das wird ganz langsam geschmort und Das Interessante an diesem Gericht ist, das wird hinterher mit hellem Brot abgebunden, so dass also eine sämige Soße ist, die aber so eine ja
helle gräuliche Farbe, so muss man sich's glaube ich vorstellen, dann besitzt und dann eben dieses gekochte Rindfleisch und dieser Pfefferprotest wird klassischerweise typischer Westfalen mit Rote Beete serviert. Also man kann dann mal entweder dazu essen, eine schöne rote Beete ausm Ofen, die dann schon wirklich auch so erdig schmeckt und sehr symbiotisch zu diesem Pfefferpot hast. Man kann aber auch natürlich sich so einen knackigen Rote-Bete-Salat zum Beispiel äh dazu machen.
Schön dann eben klassisch mit Essigöl, man kann aber auch ein bisschen Preiselbeeren noch zum Beispiel unterheben oder so, was dann die Farbe noch mal besser rausstellt und nochmal ein bisschen Süße dran gibt. Aber das ist eigentlich so dieser Pfefferpodcast und da natürlich die westfälische Salzkartoffel.
Was wahrscheinlich eben nun keine Gemüseart aus früheren Zeiten war, aber ist natürlich der Spargel, der in der Nachkriegszeit dann auch langsam sich etablierte und da wahrscheinlich nur einer bestimmt Bevölkerungsschicht möglich war, diesen zu erwerben, aber heutzutage ist natürlich Spargel gehört zu uns, wie nur was und wir haben die Böden dafür und haben eine hohe Affinität dann zu diesem ja doch sehr hohen Kulturgut. Was hat die westfälische Küche einst ausgezeichnet?
Also als westfälische Küche würde ich sagen, ist es nicht unbedingt eine Küche, die jetzt für die Upper Class oder sich daraus entwickelt hat, sondern eher ich in Anführungsstrichen eben auch ein bisschen eine arme Leute Küche, wo es Schmorgerichte gab, die aber eben abgebunden wurden, wo wahrscheinlich eben auch damals auch nicht das Geld dafür da war, jetzt eben das Beste vom Fleisch zu nehmen, sondern dann vielleicht auch Teile, die eben natürlich weniger, wertvoll waren, die aber dann über längere Zeiten, geschmort worden sind, damit sie dann aber auch gut zu kauen, gut zu essen waren und eben auch wieder die Menschen mit Kraft versorgt haben. Eine Küche, die.
Häufig auch aus ja, heute will man sagen, so eher den weniger attraktiven Teilen eines Tieres hergestellt wurden, also wo man ein Kalbskorb mit auch dem. Schweinsschwänzchen zusammengegeben hat, wo dann eben einfach eher sozusagen in Anführungsstrichen die Reste eines Tieres auch dann vielleicht verarbeitet wurden.
Also so ein typisches Gericht hierzulande ist zum Beispiel das und dieses Töttchen ist so ein ganz feines Ragout, hat so eine eher braun-graue Farbe. Ist also jetzt nicht auf den ersten Blick hochattraktiv, was jetzt so die Farbgebung genau, heute wird das aus viel besseren Teilen eines Tieres gekocht. Also da ist jetzt dann eben nicht mehr unbedingt der Kopf noch mit verarbeitet.
Weiter, wir haben einen ehemaligen Mitarbeiter gehabt, der leider irgendwann in Rente gegangen ist und der hat unseren Gästen immer gesagt, wenn die das Törtchen bestellt haben und die gefragt haben, die kamen dann vielleicht auch, wann waren Touristen, Touristinnen in der Stadt und die haben gesagt, ja und was ist denn das Tötchen?
Ja, das äh typische Westfälisch, da ist alles drin außer Wimpern. Äh damit hatte er, fand er alles geschafft aber heute sind das dann auch eher natürlich Premiumteile, die da verarbeitet werden, aber es ist immer noch in der kleinen Ragout gekocht und es wird mit viel Pfeffer und Salz nachher gewürzt und klassischerweise wird es mit Graubrot serviert. Ich habe auch den Eindruck, wenn ich mir so diese typisch-westfälischen Gerichte anschaue, die haben irgendwie immer was mit einer langen Lagerfähigkeit zu tun, also man hat viel geräuchertes es wird so gekocht, dass man alle Zutaten in einen Pott schmeißen kann und es ist ein Essen der Gegensätze. Eben sprachst du ja schon von der gegensätzlichen Küche deiner Mutter. Die Weizenspeise mit den Rosinen, was mhm.
Ostern, Karfreitag als ja, total. Gut, ich finde so ein ganz typisches, westfälisches Gericht, ist ja beispielsweise auch diese traditionelle Quarkspeise, die mit Pumpernickeln und Kirschen hergestellt wird. Und dieses Pumpernickel, das wird so geröstet und dann kommt aber Kirschwasser noch drauf und du hast also so herzhaft mit Süß zum Beispiel kombiniert und das hast du öfters und auch bitter so ne? Genau. Und das Poper Niklas ja auch wieder interessant. Das ist glaube ich Brot, was auf der ganzen Welt als typisch-westfälisches Boot bezeichnet ist und auch das ist ja für die lange Haltbarkeit genau. Mhm. Was sagt denn ein Gericht über eine Region und vielleicht auch über die Menschen, die es zubereiten oder kochen? Die Gerichte
spiegeln natürlich das wieder, was also wenn sie regionalen Ursprungs sind, was dir Wald, Wiesenfelder auch gerade geben und wir sind in einer Region, die die sehr viel uns eben dafür zur Verfügung stellt, weil eben wir da diese Fülle haben, aus der wir. Schöpfen können und wenn man sich anguckt, wie viel Obst, Wiesen, Streuobstwiesen, wie viel Rhabarber im Frühjahr, wie die Erdbe Saison ist, wann die Zwetschgen kommen. Das ist schon hier wirklich, wir können im Prinzip auch jede Speisekarte, die wir monatlich anpassen immer mit den jetzigen Körben sozusagen auch füllen wie der Kippenkell da.
Sehr schlecht ein total schönes Bild, wenn ich mir grade vorstelle, wenn uns der Kiepenkerl jetzt hier besuchen würde, was würde er uns mitbringen, was würde er heute sagen? Würde er uns auch etwas über Haltung verraten, was wir mitnehmen müssen oder würde er sagen, Mensch, das was sich hier erlebe, das möchte ich mit in meine Keeper und in die Welt raustragen? Er würde mit Sicherheit die Lebensfreude, die wir nicht nur hier bei uns im Gasthaus und auf dem Platzhammer in ganz Münster so erleben, diese Offenheit also das, was eben auch einfach vielleicht jetzt gar nicht so als Substanz mit da reinzupacken ist aber, sondern ich glaube, dass er eben eher vielleicht auch so emotionale Werte auch transportieren könnte.
Und auch der Blick auf unsere Gegenwart. Also ich höre raus, ihr seid so der Kunstwerkmann zeigt gymnastisch. Also schon auch die Tradition wahrend, aber eben die Anforderungen der Zeit. Integrierend. Wir müssen nachhaltiger denken. Wir müssen werteorientierter denken, wir dürfen die Ressourcen nicht so ausnutzen. Wie war denn das Haus damals aufgestellt als du das Haus übernommen hast? Das Haus war damals, ich würde mal sagen, sehr traditionell, was jetzt zum Beispiel die Gerichte, die im Angebot waren, betraf. Es war auch, ich würde sagen, von der Gästestruktur waren das eher gut situierte, etwas ältere Gäste. Ich glaube, das hat sich total gut gematcht und mein Anspruch oder unser Anspruch auch der meines Mannes muss ich natürlich auch auf jeden Fall dazu sagen, war einfach, dass wir gesagt haben, wenn wir Fleisch oder bestimmte Lebensmittel zum Einsatz bringen, dann müssen die mit unseren Werten total kongruent sein.
Und Konkurrentis für uns zum Beispiel, dass wir nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung anbieten dass wir nachhaltig gefischten Fisch haben, dass wir eine regionale, saisonale Karte im Angebot haben, die eben auch natürlich. Bestimmte Dinge ausschließt, wo Lebensmittel irgendwie vom anderen Ende der Welt jetzt hier irgendwie hingeflogen werden müssen. Und das war der Prozess oder die Aufgabenstellung, dass hier umzusetzen.
Vom ersten Tag im Prinzip an und dann halt natürlich immer feinjustierter und das war eigentlich das, was ich vorgefunden habe, war eben ursprünglich konventionelle Haltungsformen das war das mir das Köche-Team, was wir damals übernommen haben und gesagt haben, ja wir hatten bisher hier bestimmte Seewasserfische auf der Speisekarte.
Können wir das nicht jetzt mal wieder machen? Das ist ja sehr eindimensional, wenn Sie sagen, Sie möchten gerne hier nur Regionalität, Saisonalität, Dinge die sozusagen in einem bestimmten Umkreis verfügbar dann eben vielleicht dann eben wirklich aus Indien und ich habe da also im Prinzip so die Basis oder das Fundament geschaffen. Es liegt so ein bisschen daran, dass ich selber als bevor ich jetzt das Gasthaus übernommen habe oder wir das Gasthaus übernommen haben, bin ich sehr viel beruflich Reisende unterwegs gewesen und wenn man dann.
Diese unfassbaren Tiertransporte, die europäische Autobahnen kreuzen oder auch nur innerdeutsch, wo Schlachthof Bedingungen unfassbar sind, Tiere bei der Hitze. Wir haben heute hier achtunddreißig Grad, wo wir die Aufnahme machen. Und wenn man dann auf der Autobahn steht, dem klimatisierten Auto und man sieht aber diese Tiertransporter beispielsweise, dann überlegt man sich schon, das überhaupt eigentlich alles Sinn macht und ich habe sehr wenig Fleisch früher gegessen und ich habe es eigentlich nur hier gegessen oder eben aus den Küchen meines Mannes, wo ich wusste eben, auch da ist artgerechte Tierhaltung kein Greenwashing Wort, habe aber dann eben auf diesen Autofahrten für mich entschieden,
ich werde kein Fleisch mehr essen, weil ich kann halt nur ein bisschen was in meinem ganz kleinen Radius tun, aber das ist ein Statement. Ich mochte Fleisch, aber ich habe mich dagegen entschieden und habe dann auch hier mit diesem Hintergrund angefangen zu sagen, was geben die regionalen Äcker denn beispielsweise her? Was haben wir hier in den Sommermonaten von Ostern an bis Mitte Juni irgendwie für einen tollen Spargel? Was haben wir für tolle Kohlsorten? Was haben wir für tolle.
Kochen dann beispielsweise eben eine Rotkohlroulade und füllen die. Oder machen seit Regina, das ist so irgendwie ihr Ding damals gewesen, ein Signature-Gericht für alle unsere Betriebe zu entwickeln wie ein Möhrenlachs, der eben vegan sogar eben mit einer Agavensoße ist, dass wir eben gucken, was ist auch da machbar und welches Spektrum eröffnet sich uns als alternativer Küche, um einfach aus ökologischer Sicht, aber eben natürlich auch aus tierfreundlicher Sicht. Unsere Gäste zu motivieren heute mal kein Rumpsteak zu essen. Bei mir hat sich die Ernährung so ein bisschen umgestellt, als ich mich mit meiner Massearbeit beschäftigt habe, weil es da eben auch wirklich um diesen ganzen Lebensmittelsekt
geht und eine komplette Lieferkette sozusagen zu betrachten und ich mich vorher schon sehr stark mit Büße Siegeln auch auseinandergesetzt habe und was auch Greenwashing so bedeutet und danach habe ich mich eine Zeit lang auch mal vegan ernährt, habe mich dann aber konsequent eher vegetarisch ernährt. Ich würde mich jetzt heute eher als Flexitarierin bezeichnen, also wenn ich weiß, wie das Tier gehalten wurde greife ich auch mal darauf zurück, aber es ist superselten. Und das war so ein bisschen dann mein Antrieb, mich damit auch mit dieser Küche, es ist ja doch, also wie wir auch immer wieder hier feststellen, auch im Köcheteam, es ist viel leichter einen Steak zu braten quasi.
Klack wie ein ehemaliger Koch von uns immer gesagt hat. Als ein Möhrenlachs eben zuzubereiten. Man mit KS. Richtig. Auf die aktuelle Speisekarte geguckt. Sie haben extra. Es braucht viel mehr Handgriffe, es dauert im Zweifel viel länger, um deine kreative Küche auch anzubieten. Und ja, als ich mich dann damit beschäftigt habe, es ist dann doch wirklich ein neues Feld, was sich irgendwie so auftut und, Ja und davon habe ich versucht, hier auch ein bisschen in mich einzubringen. Erleben bestimmte Zutaten bei euch gerade eine Renaissance? Also was uns beide, Verbindet ist das sogenannte Maggikraut. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Das ist Liebstöckel. Jeder, der also noch äh irgendwie bei seiner Mama, wenn er eine Brühe gekocht würde, dann da gefühlt so ein halber Liter Maggi reingeschüttet wurde. Der
weiß genau, wie die Aromenlage da so ist und das ist eben Liebstöckel und Liefstöckel hat uns beide, unser ganzes Leben begleitet, weil meine Mutter hat in Westfalen, würde man sagen, die Hochzeitssuppe immer gekocht. In Bayern war's dann eben. Meine Mutter hat immer gesagt Bouillon und das hat sie immer in so einem Dampfkochtopf getan, eben mit frischen Diebstöckel. Und das ganze Haus roch extrem nach Liebstöckel. Also das hat mich meine Kindheit und mein Älterwerden geprägt.
Regina ist im selben Haus geboren und ist viel eben auch bei meinen Eltern aufgewachsen und kennt es genauso. Und wir haben hier dieses Diebstöckelkraut, was wir privat gerne beim Kochen irgendwie, wenn wir Gäste haben, zum Einsatz bringen. Auch außerhalb der Bouillon oder der Hochzeitssuppe der westfälischen, tun wir das an unterschiedliche Dinge dran.
Ihr hat es so seit diesem Jahr wieder, dass wir das Meer in den Fokus gerückt haben und gesagt haben, wir machen jetzt mal aus Liebstöckeln Öl und tun das über verschiedene ein Kartoffelpüree zum Beispiel. Das würde dann mit Pette dann ein bisschen Liebstöckelöl oder im Moment haben wir relativ viel gehackten Liebstöckel, weil wir so eine westfälische Ministrone, also man kennt die aus der italienischen Küche, wir wandeln die mit Den Ackerbohnen und so weiter von hier ab und dann kommt ganz viel gehackter, frischer Liebstöckel drauf. Und das sind zum Beispiel so Dinge, die wir uns dann, wo wir sagen, und das ist jetzt mal grade jetzt unser Thema oder eben die Steckrübe, damit haben wir uns letztes Jahr total befasst und haben immer weiter uns da hintergeklemmt, dass wir den besten vegetarischen Sauerbra.
Als der Grübe machen und man konnte es wirklich Optisch aufm Teller gar nicht richtig unterscheiden. Aber da muss man eben auch sagen, da das war inspirierend ein Sternekoch aus der Schweiz, über den ich gelesen hatte der das Experiment gemacht hat. Wo ich gedacht habe, sehr cool, das muss ja nicht nur in der Sternegastronomie zu genießen sein und wir machen veganen Schmalz in den Wintermonaten, der dann auch die Anmutung eines westfälischen Schmalzes hat, aber eben Ohne tierische Fette, ohne tierische Produkte auskommt und das eben dann selbst gemacht, aber eben so, dass wir da die Idee reingeben und sagen, und das ist jetzt gerade unser Herzensthema und da wir so tolle Mitarbeitende haben, sind die dann auch immer
offen und sie versuchen uns da auch wirklich so zu unterstützen und das dann so hinzubringen, dass es dann am Ende auch wirklich auch für den Gastitale das sehr so ein Wow im Moment dann auch gibt Gibt es etwas, was eure Gäste immer wieder wünschen, was ihr auf keinen Fall fehlen darf? Was vielleicht der Begriff von Heimat oder von westfälischer Küche beschreibt Das ist unsere Herrencreme. Ähm die dürfte nicht von der es ist auch der eine mag's lieber glaube ich, wenn die Schokolade so ein bisschen feiner ist. Der nächste mag's lieber. Also bei uns sind's eher so.
Dicke Schoki-Chunks würde man heute in eurem Cappuccino. Ja genau. Lecker. Noch dicker. Und da wird's ein riesen Aufschrei geben, wenn wir die jemals von der Karte nähen. Und kann man sagen, dass das ein typisch westfälisches Gericht ist? Auf jeden Fall wir haben. Immer wieder ja auch Gäste aus der ganzen Welt, die dann beispielsweise von Gastgebenden dazu aufgefordert, jetzt bestell doch mal eine Herrencreme. Und wenn wir manchmal eben Dann feststellen wie ja es war asiatische Gäste. Diese Herrencreme erstmal nur beäugen, weil die ist ja jetzt auch nicht so auf den ersten Blick wie eine so schön geformte Mousse au Chocolat, sondern es hat was von Pudding und dann ist der erste Geschmack, wenn man die zu sich nimmt, ist so ein
ja, Vanillepudding, der eben so sehr viele Rumaromen dann auch besitzt. Und das muss man natürlich auch mögen und sich drauf einlassen. Aber es ist typisch, was fehlt und eigentlich entspricht doch eure moderne Küche. Der traditionellen westfälischen Küche. Wenn man das Fleisch ein wenig ausklammert. Also ich habe gehört, dass Gemüse, Getreide hier eine sehr, sehr große Rolle spielen und durch diesen neuen Ansatz, ich finde immer noch diesen Möhrenlachs so super.
Wird diese traditionell westfälische Küche auf eine ganz neue Ebene gehoben, ohne sich zu verleugnen, oder? Ich glaube, das ist der Spagat, den wir irgendwie versuchen, auch tagtäglich so umzusetzen, also dass wir im Prinzip tradierte Werte beibehalten und uns aber auch der Modernen widmen und und sich da auch wiederzufinden irgendwie in dem Essen.
Ohne aber die westfälische Küche zu verleugnen. Also das ist glaube ich ja dieser Spagat, den wir versuchen zu leisten. Und klar, wir versuchen immer regionale Produkte zu benutzen und das zum Beispiel ist eben mit einem Möhrenlachs uns glaube ich ganz gut gelungen. Klar, da kommt auch Alge mit rein, aber das Grundprodukt ist eben, Der Lachs, der aus Karotte gemacht wird und äh das finde ich ist irgendwie ein ganz schönes Beispiel dafür. Hm, mir würde jetzt noch ergänzend das Selleriesteak einfallen.
Also wir machen ein Selleriekopf, den du einfach nur in den Ofen schiebst und dann sticht so ein paar Mal mit der Gabel vorher rein und dann wird der mit Öl und so groben Meersalz einbalsamiert. Und dann ist der relativ lange im Ofen bei so einer niedrigeren Temperatur und wenn er dann richtig gar ist, durch diese Löcher, die dann reingestorben sind, karamellisiert so ein bisschen auch das Innere und du schneidest das dann auf als Steak.
Also du machst im Grunde genommen gar nicht viel dazu und dann kommt eine gute Butter eben auch ne Wir haben hier so tolle Betriebe, die eben auch einfach diese wunderbaren Grundnahrungsmittel uns liefern und dann machst du eine wunderbare Butter mit Kräutern und irgendwie was da rein und hast dann hinterher ein ganz, ganz wunderbares, eben Steak vom Sellerie. Kein Steak takt wie der ehemalige und es wird dann eben bei uns nochmal so ein bisschen alla Minüt dann eben braten und ein bisschen so quasi modifiziert.
Hast du eben einfach eine ganz tolle Alternative, die eben die moderne westfälische Küche wieder unser Sauerbraten von der Steckrübe auch so ein ähnliches Produkt. Also einfach auch eben ohne diese Ersatzprodukte, wie du ja eben auch schon gesagt hast, versuchen wir In der Regel zu arbeiten, bis auf unser Schnitzel, was wir auch selber machen, was besteht aus Erbsenprotein, aber wir versuchen eigentlich wirklich uns immer auf das Gemüse zu besinnen, was wir hier vor Ort haben und die Gerichte so umzusetzen, dass man eben keine.
Ja keine Geschmackskompromisse irgendwie eingehen muss, wenn ich mich jetzt für das Alternativ, vegetarische Alternativprodukt entscheide. Ähm Gäste generell eine bestimmte Erwartung, ein Gasthaus wie dieses. Ja. Haben sie, ich glaube, die Aspekte, die mit unseren Werten einhergehen, dass wir sagen, wir möchten ressourcenschonend arbeiten, no Wasted arbeiten, from Noise to tail, also die ist auch ganze Tierverwertung et cetera et cetera. Das sind so unsere Herzensthemen, aber nicht unbedingt die der Gäste. Wenn die Gäste hier mit einer Erwartungshaltung hinkommen, dann sagen sie häufig, wir erwarten den Pfefferpodcast. Wir erwarten eine Roulade oder einen Sauerbraten oder einen.
Oder so, also häufig die Erwartungshaltung ist schon, dass wir als typisch-westfälisches Gasthaus, auch eben so bestimmte Signature-Gerichte auch wirklich anbieten. Und wie geht ihr damit um? In Kombination mit eurer Haltung? Die Gerichte, die wir dann anbieten, haben dann den Anspruch, dass das Tier artgerecht gehalten wurde, dass es keine langen Wege zur Schlachterei gibt, dass wir gesehen haben und uns davon überzeugt haben, kein antibiotischer Einsatz, keine kopierten Schwänze, sondern die die Schweine kommen aus Aktivstellen, wo sie eben oder durften draußen eben scharren, Freilandhaltung ist für uns ein Riesenthema, wenn wir das Strohgehalten werden, Hühner haben, dann sind das Maishähnchen, die eben auch Offenstallhaltung hatten und und und. Also das sind eigentlich dann die Themen, dass wir sagen, wenn wir das Gericht anbieten, dann muss das auch
absolut. Unseren Werten übereinstimmen. Mir fällt gerade dazu ein Beispiel ein, wir haben ein Pärchen und die kommen zu uns und die ernähren sich normalerweise vegetarisch. Und die sagen, wenn sie hier Essen kommen, dann die haben so großes Vertrauen in unsere Unternehmensethik, dass sich als einzigen Betrieb hier essen sie Fleisch.
Und das finde ich ist irgendwie auch ein schönes Kompliment, also dass da das Vertrauen da ist, dass wir, Produkt nach bestem Wissen und Gewissen auswählen und gerade eben, tierischer Herkunft. Wir sprachen eben schon die indischen Gewürze an. Wir haben Ansprüche aus allen Ländern dieser Welt. Zeichnet sich das eigentlich auch bei euch im Team wieder?
Wir haben ein superbuntes Team, was total schön ist, weil sich daraus ganz viele Ideen ergeben. Also man denkt auch bunter, irgendwie habe ich so das Gefühl und zum Beispiel, wenn ich jetzt an unser Köchinnenteam denke, Dann haben wir es jetzt gar nicht ad hoc, wie viele Nationen, also ich kann's gar nicht an einer Hand, glaube ich, abzählen. Also bei 130 Mitarbeitenden haben wir momentan an die vierzig, genau. Und zum Beispiel jetzt unsere Küchenchefs kommen aus Portugal, Syrien, Indien.
Und im Münsterland genau und das ist eben auch total schön, weil wir diese. Auch tradierten Rezepturen natürlich wahren, aber es kommen auch teilweise, ne, es kommt auch mal irgendwo ein bisschen Kreuzkümmel an zwischendurch dran, so und das ist aber eben die bayerische Mama. Oma. Und das ist dann der moderne Twist auch da wieder. Wie entwickelt ihr denn neue Rezepte Regina ist so die, ich würde mal sagen, da die ähm der Kopf der des Kreativteams und ist auch da sehr akribisch immer, dass wir da ja auch Geschmackstiefen herstellen. Man muss sich bei uns vorstellen, dass wir natürlich nie für kleine.
Gästemengen kochen, sondern bei uns sind das so wie früher für die Großfamilien ganz großen Töpfe, die ab morgens um sechs, halb sieben aufstehen und dampfen und machen und da musst du natürlich sehen, dass dir der Geschmack nicht verloren geht, also gerade auch was Menge anbetrifft. Von daher sind wir eben so die Ideen gebenden, würde ich mal sagen, aber wir haben ganz, ganz regelmäßig wirklich alle, drei Wochen kann man sagen, genau ein Rezeptmeeting, in dem wir auch nicht nur unsere Küchenchefs mit einbeziehen, sondern auch sehr viele andere Mitarbeitende aus der Küche, zum Teil auch manchmal eben auch Hier aus dem Marketing und aus anderen Bereichen, die dann eben sagen, ich habe übrigens letzte Woche selber einen ganz, ganz tollen Salat so und so gemacht. Habt ihr nicht Lust in der Küche, dass wir den jetzt mal umsetzen und auf die nächste Speisekarte bringen? Also es ist hier sehr, sollen wir mal basisdemokratisch,
und jeder darf sich einbringen, aber wenn grad wieder so ein bisschen weißlich, wenn sich dann die Saison verändert, vielleicht müssen wir die Kartoffelsorte mal eben wieder verändern. So, also es ist äh genau, jeder kann sich wirklich basisdemokratisch hier einbringen, stimmt. Ist denn die Möglichkeit auch ein Ort hier in Münster aufzusuchen, in den ich rein vegetarisch auf meine Kosten komme? Also aus unserer Überzeugung heraus hat sich tatsächlich, wir haben jetzt Fünfjähriges unsere Beachfeste aufgetan, eine rein vegetarisch vegane Dependants, nur zwei Fußminuten sozusagen von hier entfernt.
Und so schön auch diese regionalen Produkte sind, die wir hier haben und auch diese saisonale Küche. Aber nichtsdestotrotz, wie ich eben schon ansprach, es gibt, so viele tolle andere Küchen auf dieser Welt, die ganz oft schon ohne Fleisch und Fisch auskommen und ich esse super gerne westfälisch Aber ich esse auch super gerne asiatisch oder eben israelisch nach östlich. Das finde ich super spannend und die Beetschwester ist der Ort, wo genau eben wir uns aus allen Kochtöpfen der ganzen Welt bedient. Was bedeutet für euch Leichtigkeit beim Essen. Klingt ja erst mal nach Widerspruch. Genau, das klingt nach Widerspruch und bei mir, ich bin ja nun etwas korpulenter Leichtigkeit beim Essen sind dann auch
ausgerichte, die vielleicht auch eben weniger buttrig und fett und eben äh jetzt grade bei Wetter wie heute äh super schön leicht sind, aber auch die Leichtigkeit würde ich jetzt mal so im übertragenen Sinne sehen. Leichtigkeit, was die Gespräche anbetrifft, Leichtigkeit eben ja neugierig. Ja und irgendwie so offen aufgeschlossen ja auf neue Kompositionen zu treffen und ja ebenso wie man anderen Menschen begegnet immer eher neugierig und auch interessiert ist, also neugierig im positiven Sinne, interessiert an dem anderen Menschen.
So würde ich sagen, ist es auch irgendwie so eine Leichtigkeit beim Essen einfach Dinge irgendwie zu testen und zu gucken und Spaß dran zu haben. Ich würde das jetzt auch auf den geheiltes Essens beziehen und eher auch wirklich so eine heute haben wir zum Beispiel, wie du ja schon angesprochen hast, heute sind's achtunddreißig Grad, eine Tomaten Gazpacho als erstes genau.
Heute und rein vegetarisch. Als zweites ein Kartoffelsalat von der Pellkartoffel in einem Buttermilchdressing, also auch was Schönes erfrischendes mit Kapern und Gewürzgürkchen und irgendwie auch so ein so ein Gericht, was einem, Ja man hat ja nicht so viel Hunger bei der Hitze jetzt, aber irgendwie man möchte ja trotzdem was. Also mir geht das auf jeden Fall so, ich brauche da nie was Salziges und was einem dann nicht so schwer im Magen liegt.
Ich bin gespannt. Ehrlich gesagt, mir knurrt der Magen, Wir essen jetzt erstmal, oder? Möhren, Lachs und Rote Beete und Co. Und so ich bedanke mich ganz herzlich bevor mein Magen so laut knurrt, dass er hier die Aufnahme übertönt möchte ich mich ganz herzlich bei euch für eure Zeit bedanken, für eure Einsichten und freue mich mehr über euch, über den großen, über den Kiepen-Kerl, Dankeschön. Bei dir Claudia.
Vielen Dank ehe bei dieser besonderen Folge von Die Leichtigkeit der Kunst genau Westfalen dabei war, Podcastreihe entsteht im Rahmen des Förderschwerpunkts 1250 Jahre Westfalen, der LWL-Kulturstift, mit der LWL-Kulturabteilung und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Dankeschön an die LWL-Kulturstiftung, die dieses Projekt möglich macht, Ihr möchtet mehr über das Jubiläum 1250 Jahre Westfalen erfahren? Dann schaut doch mal vorbei unter WWW Punkt, 250 Jahre Westfalen Punkt DE oder folgt der LWL-Kulturstiftung auf Instagram unter at LWL Kulturstift, zum nächsten Mal eure.
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