Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast· Folge 3

Prof. Dr. Walter Gödden: Literaturland Westfalen

Freitag, 28. März 2025 · 47 min

MP3

Shownotes

Was macht eine Region literarisch aus? Sind es die Landschaften, die Sprache oder die Geschichten, die über sie erzählt werden?

In dieser Folge von Die Leichtigkeit der Kunst spreche ich mit dem Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Kurator Prof. Dr. Walter Gödden über das Literaturland Westfalen – seine Geschichte, seine Vielfalt und seine Stimmen.

Walter Gödden war maßgeblich an der Gründung des Museums für Westfälische Literatur auf Haus Nottbeck (kulturgut-nottbeck.de) beteiligt, hat das Westfälische Autorenlexikon (lexikon-westfaelischer-autorinnen-und-autoren.de) mit über 2.400 Einträgen herausgegeben und kennt wie kaum ein anderer die feinen Unterschiede zwischen Klischee und literarischer Realität.

Wir reisen von Annette von Droste-Hülshoff bis zur Popkulturfigur John Sinclair, sprechen über vergessene und neu entdeckte Autor:innen wie Elina Penner, tauchen ein in das Schmallenberger Ereignis (1956) und das Festival lila we (literaturlandwestfalen.de) – und stellen die Frage:Was kann Literatur für die Identität einer Region leisten – und was nicht?

Ein Gespräch über Literatur, Erinnerung und die Kraft der Perspektive.

Gast:Prof. Dr. Walter Gödden (lwl.org/marsLWL/de/instance/ko/Prof-Dr-Walter-…)Literaturwissenschaftler | Herausgeber | Kurator | Initiator des Museums für Westfälische Literatur (Haus Nottbeck)

Themen dieser Folge:

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Das Museum für Westfälische Literatur auf Haus Nottbeck

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Das Westfälische Autorenlexikon

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Westfälische Literaturlandschaften: von Droste-Hülshoff bis Elina Penner

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Schmallenberger Ereignis: Wendepunkt der westfälischen Literaturgeschichte

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Literatur & Identität: Gibt es eine „westfälische Literatur“?

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Satiriker & Stimmen: Wiglaf Droste, Fritz Eckenga u. v. m.

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lila we: Das Literaturfestival als Spiegel westfälischer Vielfalt

•
Neue literarische Formate: Literatur Outdoor, Literatourrouten

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Die Rolle von Popkultur in der Regionalliteratur

Empfehlungen & Bücher aus der Folge:

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Wenn ich euch verraten könnte – Lea Dräger

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Spunk – Michael Roes

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Nachtbeeren – Elina Penner

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Querbeet 8 – 61 literarische Beiträge zur westfälischen Literatur (Nyland-Stiftung)

Ort der Aufnahme:Haus Nottbeck, Oelde-Stromberg (kulturgut-nottbeck.de)

Veranstaltungsübersicht: aufbrüche – literaturfestival [lila we:] 2025 (literaturlandwestfalen.de/kalender)

Von März bis Mai 2025 feiert das Netzwerk Literaturland Westfalen mit dem neuen Festival aufbrüche die Literatur in all ihren Formen. In über 60 Veranstaltungen in 37 Städten erwarten Literaturfreund:innen Lesungen, Workshops, Ausstellungen und interaktive Formate für alle Altersgruppen. Ziel ist es, neue Impulse für eine vielfältige, zugängliche Literaturvermittlung zu setzen.

Höhepunkt des Festivals: Das große fest der aufbrüche – am 05. April 2025 auf dem Kulturgut Haus Nottbeck:Ein Tag voller Lesungen, Workshops, Performances und Poesie – von Bestsellerautor:innen über Slam-Poet:innen bis zu jungen Stimmen und experimentellen Formaten. Mit dabei: Elisa Aseva, Lina Atfah, Antonia Wesseling, Oliver Uschmann, Sandra Da Vina u. v. m.

Ausgewählte Veranstaltungen im Überblick:

22.02.–29.06.2025 | OeldeDer Gruselklassiker – Fünf Jahrzehnte John Sinclair

Sonderausstellung im Museum für Westfälische Literatur zum 80. Geburtstag von Helmut Rellergerd (alias Jason Dark) und zum 50-jährigen Jubiläum des Kultgeisterjägers John Sinclair.

02.04.2025 | Unna, UhrKein Reben-, sondern ein Reckenland …

Eine dialogische Lesung mit Walter Gödden und Carsten Bender über Westfalenbilder in der Literatur – von Tacitus bis Wiglaf Droste. Ein launiger Abend zwischen Ernst, Ironie und Identität.

05.04.2025 | Haus Nottbeck (Oelde)Fest der Aufbrüche

Das Herzstück des Festivals – ein buntes Literaturfest mit Lesungen, Poetry, Musik, Gesprächen und Mitmachaktionen.

Weitere Informationen:

Das gesamte Programm sowie alle Veranstaltungsorte und Termine findest du auf der offiziellen Website von Literaturland Westfalen (literaturlandwestfalen.de)

Kooperation

Diese Podcast-Reihe wird gefördert von der LWL-Kulturstiftung (lwl-kultur.de/de)und entsteht in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Mehr zum Jubiläum unter: 1250jahrewestfalen.de oder auf Instagram unter @lwlkulturstiftung (instagram.com/lwlkulturstiftung).

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Music. Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem Podcast der Leichtigkeit, Mein Name ist Claudia Linzel. In Zusammenarbeit mit der LWL-Kulturstiftung Wir in diesem Podcast Spezial genau Westfalen, Geschichte, Kultur und Identität dieser einzigartigen Region ins Rampenlich, im Themenjahr 1250 Jahre Westfalen beleuchten 44 geförderte in Westfalen-Lippe Ausstellungen, Bühnenshows, Lesungen, Konzerte, Filme und vieles mehr, Identität, Herkunft, Zugehörigkeit und die Geschichte Westfalens. Von der Ersterwähnung im Jahre siebenhundertfünfundsiebzig, in die Gegenwart. Was prägt die Identität einer Region? Landschaft, Geschichte oder die Geschichten, die wir uns über sie erzählen?

Literatur kann heimatgefühl schaffen oder liebgewonnene Vorstellungen ins Wanken bringen, Welche Erzählungen haben unser Bild von Westfalen geprägt und wann begann sich dieses Bild zu wandeln? Wo tri, auf neue literarische Stimmen und wie divers und vielschichtig ist das Westfalen der Literatur heute, mein heutiger Gast weiß das ganz genau. Ich freue mich sehr Professor Doktor Walter Gönnen begrüßen zu.

Literaturwissenschaftler, Herausgeber und leidenschaftlicher Kenner der westfälischen Literatur, als Kurator und Initiator des Museums für westfälische Literatur auf aus Nordbeck hat er unzählige Texte zusammen, zeigen, wie vielfältig Westfalen in der Literatur erscheinen, gemeinsam erkunden wir, was diese Region literarisch ausmacht, welche prägenden Figuren und Texte wir kennen sollten, Westfalen auch immer wieder Thema für Satire ist. Lieber Wald, Schön, dass du da bist. Vielen Dank für die Einladung. Sehr, sehr gerne. Lass uns am Anfang gerne über dich sprechen. Wann hat dich die Literatur, Ja, das ist eigentlich, erst im Studium passiert, muss ich sagen, also die Zeit, in der man sich dann viel, viel intensiver mit literarischen Texten beschäftigt.

Und irgendwann mal auch das Examen vor Augen hat und auch eigentlich alles aufgearbeitet haben möchte, was man da unbedingt wissen sollte und ja, das war für mich tatsächlich so die Initialzündung und ich hatte dann die Gelegenheit, in die Droste Hülshoff-Forschung einzusteigen, Und das hat natürlich nochmal einen neuen Zugang zur Literatur.

Bewirkt, indem ich dann speziell Literatur des 19. Jahrhunderts sehr intensiv aufgearbeitet habe und so ging das dann Stufe für Stufe weiter. Du hast gerade was ganz Interessantes gesagt, was man wissen sollte. Was denn wissen? Ja, das ist eben im Studium ja die Textkenntnis gar nicht mehr so im Vordergrund steht und die Liebe zur Literatur ja eigentlich nicht, das ist nicht der eigentliche Fokus, sondern man lernt es, Literatur wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu sezieren.

Während ich eigentlich immer viel und gerne gelesen habe und das auch als großes Privileg empfunden habe, die Zeit mit lesen verbringen zu können. Was natürlich dann auch ein freiwilliger Akt war. Ich hätte es glaube ich, wenn man Examen nicht unbedingt in dieser Breite gebraucht. Auch schon als Kinder und Jugendliche. Eigentlich gar nicht so unbedingt. Man hat so Karl May gelesen und ja so die üblichen Dinge, aber es kommen nicht aus einem literarischen Elternhaus. Mein Vater war Handwerker, meine Mutter hat in einem Geschäft gearbeitet.

Das war jetzt nicht so, dass da die Bücherregale vor mir standen und ich nur mich bedienen konnte, sondern das war eigentlich eher das, was der Bertelsmann Lesering so anbot und weil meine Eltern das bestellen, vergessen hatten, gab's dann immer so die Sachen, die immer übrigblieben und das war jetzt nicht gerade spannend. Von früher.

Ja, so im Elternhaus war das also nicht unbedingt vorbereitet und. Das ergab sich dann in der späteren Zeit. Aber warum denn dann das Studium der Literaturwissenschaft? Ja, also das muss ich sagen, also meine Abizeugnis war auch nicht so glänzend, dass ich jetzt wirklich jedes Fach hätte studieren können und dann bis dann bei Literatur und Germanistik und Geschichte, Pädagogik mit dem Ziel ja das Lehramt zu ergreifen und ich hatte eigentlich noch Geografie gerne äh studieren können, aber da war der Numerus Clausus dann doch wieder schon unerreichbar und ja, also die schulischen Leistungen waren nicht so, dass man da vielleicht schon eine glänzende wissenschaftliche Karriere hätte ableiten können.

Ich glaube, das lässt viele jetzt aufatmen. Also vor kurzem hat noch jemand dann gesagt, es ist ja doch noch was aus dir geworden und das mich jetzt nicht getraut zu sagen. Nee, das fand ich dann irgendwie auch wieder ganz amüsant. Mhm. Habe gesagt, schön, dass es mal einer gemerkt hat. Ja. Sag, du bist in Aalen in Westfalen aufgewachsen, hat dich damals schon die westfälische Literatur irgendwie mal berührt? Überhaupt nicht. Nein, gar nicht. Also da in Aalen selbst ist ja auch.

Literarisch hat das nicht unbedingt viele Autorinnen und Autoren, die man kennen müsste, weil sie dort geboren sind. Es gibt einige, das ist nicht unspannend. Dieser Herbert Berger beispielsweise ein Arbeiterdichter, Nicht vor gut zwei Jahren nochmal ein Buch gemacht habe. Aufrechter gestalten, die eben gar nicht so die klassische, die hohe Literatur gepflegt haben, sondern, wirklich auch Bücherleser waren und das habe ich eigentlich immer bewundert. Also grad die einfachen Menschen, die sich der Literatur widmen Und dann kamst du nach dem Studium direkt zu einer, ich würde sagen, der Hochliteratinnen von Droste Hülshoff.

Auch das war Zufall, wirklich. Also mein Prüfer damals, der war nämlich das Examen gemacht hatte, der äh leitete in Münster die Droste Forschungsstelle unter wurde eine Stelle frei und er fragte mich dann, ob ich da Lust habe zu arbeiten und das war mir auch ganz recht wenn wir alles Recht, was jetzt nicht unbedingt schnell auf die schulische Laufbahn zusteuerte und da bin ich dann tatsächlich hängen geblieben, also als erst normale studentische Hilfskraft, dann wissenschaftliche Hilfskraft und so ging das dann, Stück für Stück weiter bis zur Promotion und dann habe ich praktisch die münstersche Zweigstelle der Droste Forschungsstelle betreut und im Rahmen der Werkausgabe die Briefe der Dichterin herausgegeben und kommentiert.

Was sollten wir über Annette von Droste-Hülshoff wissen, was vielleicht gar nicht so bekannt ist? Ich habe ein Buch geschrieben, die andere Annette und das ist auch tatsächlich, wörtlich zu nehmen. Also es gibt ja die Ikone, die durch die Literaturgeschichte geistert, auch oft klischeebehaftet und, Durch die Beschäftigung mit den Briefen ist sie mir völlig anders begegnet. Also als wirklich fast normaler Mensch.

Gar nicht auf den Sockel hieven muss mit den Alltagssorgen mit der ein oder anderen Intrige, die sie da gesponnen hat und das hat sie mir absolut sympathisch gemacht und da lag mir jetzt wirklich nicht daran, also an diesem Denkmal. Weiterzuarbeiten, sondern mal genau das Gegenteil zu machen. Also was hat diesen Menschen geprägt, welche Schwierigkeiten hatte die, im realen Leben, wie wurde sie getriezt konnte sie überhaupt Schriftstellerisch frei arbeiten, das war ja gar nicht so gewährleistet.

Sie musste ihre Neffen und Nichten unterrichten und Krankenpflegedienste leisten und dass überhaupt so viel geschrieben hat, verwundert dann fast. Aber so dieses Alltagsleben hat einen ganz anderen Blick auf die Droste geöffnet. Intrigen? Ja, in den Briefen. Also das ist wirklich so, dass sie die Person da auch gegeneinander ausspielt und da gab es ja diese schwierige Geschichte mit Levin Schücking und die hat sich ja so ein bisschen so als seine Ziehmutter gefasst und, Wollte ihn dann ja auch entsprechend den Start ins Leben äh erleichtern oder auch ein bisschen das damit regieren, aber das hat er ja alles nicht gewollt. Er hat sich dann, verliebt in eine in eine spätere Frau auch und so weiter. Und das fand sie in Maßen,

gut und dann sieht man also, wie sie da auch in den Briefen so antischambriert und ihm da auch was vorspielt und so weiter, das will ich jetzt hier aber auch nicht so für Absolutieren. War ja nur ein Beispiel dafür, dass man ja über diese privaten Dokumente einen anderen Blick für eine Person erlangt. Wie hat sie denn das Bild westfalens Ja, sie gilt ja so als die Naturdichterin, aber vor allen Dingen auch als die katholische Dichterin und.

Das hat man lange Zeit in der Wirkungsgeschichte auch sehr gern so rezipiert und auch in den Vordergrund, Heute wird das also völlig anders dargestellt und sie ist die frühemanzipierte Autorin, sehr eigenwillig war in ihrem Schreiben und das ist ein viel modernerer Blick, der heute auf See geworfen wird und dass andere spielt auch natürlich noch eine Rolle und aber auch wie sie jetzt ihre Naturdichtung inszenierte. Auch da findet man ja dann auch sehr sehr eigenständige Ansätze, aber das ist nicht mehr dieses rückständige, katholische, vermiefte, Was man heute an ihr sieht und das ist auch gut so, dass man sie als wirklich moderne Autorin auch wahrnimmt. Glaubst du, dass Autorinnen eine gewisse Verantwortung tragen, wie eine Region wahrgenommen wird?

Verantwortung ist glaube ich da bisschen zu hoch gegriffen und ich glaube, das muss jeder für sich auch ausmachen, welchen Themen man sich zuwendet. Literaturdidaktisch wird, hat das für mich gleich so eine fast negative Komponente. Viel entscheidender ist ja eigentlich, wie man gestaltet und, welche Formen man findet und wie innovativ man dann auch in seinem Schreiben ist. Innovativ bist du auf jeden Fall auch als Ausstellungsgestalter. Da muss ich, sprechen äh habe in Anführungsstrichen nur die Inhalte hier, und ich hätte zum Glück mit Robert Ward ein Gestalter, der auch noch aus Amerika kam und auch noch ein Schüler von war der äh sich hier wirklich ausgetobt hat. Wir befinden uns ja hier im Museum für westfälische Literatur

Und wenn man hier durchgeht, sieht man das auch, dass eine sehr moderne Handschrift hier zum Tragen kommt und das war mir sehr recht. Dass man hier mit viel Licht Inszenierung und so weiter das Thema auch einigermaßen spannend rübergebracht hat. Es ist ja so, hier im Museum, man hat nicht so viel Platz und man muss das sehr stark komprimieren, dieses weite Themengebiet, Und dann kann man weniger erzählen.

Als andeuten und das Schöne ist, dass Robert Ward es geschafft hat, einfach durch die Inszenierung und das Interesse zu wecken und sich Themen dann ja weiter zu widmen und ich sehe das Museum ja auch nur als, Anfangspunkt, um dann Themen in Form von Ausstellungen oder anderen Publikationen weiter zu vertiefen und dann, sich sozusagen das Museum entfalten zu lassen in anderen Formen.

Und ja, das habe ich dann hier ja auch gemacht im Rahmen von Jazz und Lyrik Konzerten, vielen, vielen Ausstellungen und so weiter. Und das war die eigentliche Herausforderung dann über die Urkonzeption hinaus. Das Literaturmuseum Haus Nord holen wir doch mal all die HörerInnen ab, die von weit und weiter entfernt kommen und möglicherweise vielleicht noch gar nichts von dem Literaturmuseum Haus Nord gehört haben. Ursprünglich war es ein Rittergut. Genau, ein Rittergut, aus dem, ich glaube 16. Jahrhundert und wir befinden uns hier wirklich auf dem platten Land. Eingebettet zwischen das ist eben ja für manche auch sage ich mal Anfang das Argument gewesen, da geht doch keiner hin, das ist zu weit ab vom Schuss und das habe ich komplett anders gesehen. Also zur Literatur gehören ja auch Rückzugsorte und wer hier hinkommt und sich das Museum anschaut, bringt in der Regel auch Zeit mit und

man ja widmet sich dann eben auch der der Lektüre der der Exponattexte oder hört sich viele Sachen an. Das ist hier ein wichtiger Aspekt. Man kann die Literatur über verschiedenste Tonquellen sich auch anhören. Ja, auf dem Platten lande und das ursprüngliche Befürchtung, dass hier niemand hinkommt, hat sich absolut nicht bewahrheitet, sondern im Gegenteil, es sind ja so im Jahr zwanzig, 25.000 Besucher.

Die hier ja sich das einfach mal anschauen oder auch das schöne Ambiente des Kulturguts genießen. Es ist hier nicht das akademische Publikum, das sich hier so die Klinke in die Hand gibt, sondern es ist ein allgemein kulturell interessiertes Publikum und das finde ich ist schon sehr sehr schön, dass man, dann doch ja auch den etwas zurückbekommt und die Leute sagen, ach das ist ja sehr spannend und wir wussten ja gar nicht, dass die westfälische Literatur so viel zu bieten hat und genau das war das Anliegen, das mal zeigt, also diese literaturgeschichte, die hat doch sehr viele spannende Asp und das geht bis in den Bereich der Musik hinein. Songs, Kabarett und so weiter. All das wird hier also gezeigt und.

Cornelia Funke und so weiter. Also viele Autorinnen und Autoren identifiziert man ja auf den ersten Blick auch gar nicht mit dieser Region und ist dann doch verwundert, dass sie eben aus dieser Gegend stammen. Magst du mit mir gedanklich mal durch das Museum gehen und die einzelnen Räume mal erklären? Also im Erdgeschoss gibt es einmal die Bibliothek. Das ist so ein bisschen die Wissenszentrale, da kann man eben auch viele Nachschlagewerke finden. Auch das Gästebuch, da bin ich eigentlich immer besonders stolz drauf, dass man das ja, Ich kann dir ja viel erzählen, wie die Resonanz ist, aber das Gästebuch spiegelt eigentlich die Zufriedenheit der Besucher. Das ist eben nicht gesteuert, sondern das ist immer schön zu hören, dass man sich hier wirklich

gerne aufhält Und dann beginnt eigentlich der Rundgang durch die westfälische Literatur von den Anfängen bis zum Jahr äh neunzehnhundert. Das geht dann chronologisch durch die Epochen von den ersten Erwähnungen ganz wichtig ist ja Rolewins Buch vom zum Lobewestfalens, dass du so eine gewisse westfälische Identität ja auch zum ersten Mal angesprochen hat. Es geht über die Barockliteratur, über die Abteilung Kuriosa. Es geht um die Literatur des 18. Jahrhunderts, in den Kreis von Münster und so weiter. Die politische Dichtung, also da werden schon sehr viele unterschiedliche Themen angesprochen.

Es gibt so Schober, die kann man herausziehen und hat dann doch mal ein vertieftes Wissen zu einzelnen Gebieten, Auch schon zur Droste natürlich und kenne 20 Mark Schein hier auch noch mal sehen, der ja mittlerweile, fast in Vergessenheit geraten ist, der ihr Konter freiziert und so weiter. Das war natürlich das beste Marketinginstrument, sage ich mal, um sie bekannt zu machen.

Ja und dann gelangt man eigentlich auch schon ins Obergeschoss und das ist dann ganz anders aufgebaut. Hier gibt es Themen, Räume. Und der erste Themenraum beschäftigt sich mit dem Thema Heimat. Von glühender Westfalenbegeisterung bis zur Westfalen Kritik, und wir werden mit Autorinnen und Autoren bekannt gemacht, die sich literarisch mit der Region befasst haben, also Gegenwartsautoren.

Über Westfalen geschrieben haben und auch eine teilweise sehr kritische Blick auf Westfalen geworfen haben, aber wir haben auch den Aspekt des Nationalsozialismus. Da gab es Vorzeige, Autorinnen, vor allen Dingen aus der Region. Die ja also wirklich Werke geschrieben haben, die die heute wirklich im hohen Maße abstoßend sind.

Wir haben dann den Aufbruch westfalens nach fünfundvierzig. Der sich allmählich andeutet und dann im Schmallenberger Dichter treffen, seinen Ausdruck fand, als die jungen Autoren maßgeblich Autoren den Aufstand gegen die ältere Generation geprobt haben, erfolgreich geprobt haben dann zu einer neuen Literatur gefunden haben. Die gibt es dann hier in einem weiteren Raum. Die Klassiker der Moderne so ab neunzehnhundert, Und auch dann Autoren wie Ernstmeister oder Peter Paul Althaus, die so nach 45 die auch die größere und literaturgeschichte mitgeprägt haben. Dann haben wir noch einen Raum.

Wir uns hier gerade befinden, das ist der Raum der visuellen Poesie, also auch ein bestimmtes Steckenpferd von mir, wo sich Schnittstellen zwischen Literaturen bildender Kunst, ergeben. Ich blicke hier gerade auf ein Dominostein mit dem Schema vier vier drei drei. Und wer sich ein bisschen in der Literatur auskennt, Setan, das ist ja eigentlich das Klassische, so nett die klassische Form ist so ein Netz und so weiter. Tim Ulrichs, Karlrier, also ganz spannende Autorinnen, Autoren, deren Werke hier angetippt werden und den Abschluss des Rundgangs hier im oberen Bereich bildet die Ausstellung, ich schreibe weil es ist Teil der Dauerausstellung und man kann dort Autorinnen und Autoren kennenlernen, die heute schreiben und über ihr Schreiben berichten, also warum sie in Westfalen leben, was ihre Themen sind und

Der Hintergrund ist einfach, dass ich zeigen wollte, dass diese Schriftstellerinnen und Schriftsteller ganz normale Menschen sind. Die man hier durch kleine Filme kennenlernen kann und auch einen persönlichen Bezug dazu, aufbauen kann. Im Kellergeschoss, da waren wir jetzt noch gar nicht, gibt es die Kinder- und Jugendliteratur und noch so ein Werkraum, dem Kinder und Jugendliche experimentieren können mit Sprache und Mann.

Hat dort Werke von Ralf Teenor das ist einmal das kleine Schlossgespenst, so ein ein Buch für Erstleser und dann die Nacht der Sprayer und diese Texte sind in einer Lesung von Ralf Tenior ganz eng aneinander geschnitten und da müssen die Jugendlichen oder die Kinder immer gucken, in welchem Text befinde ich mich da gerade, also auch ja so ein bisschen so ein kleines Rätsel, was da mit eingebaut ist. Ja und dann haben wir natürlich im Außenraum noch Hörstationen, an denen man sich grad Texte meist zu den aktuellen Ausstellungen anhören kann und wir haben ein wunderschönes Gartenhausatelier, das eben auch für Ausstellungen genutzt wird. Also das ganze Rareal ist wirklich Folge mit Literatur auch die Obstwiese mit Texern demnächst wird es hier wieder einen kleinen Umbau geben und der Poesie-Garten wird dann wieder umgestaltet,

Also man hat ja auch die Möglichkeit, Literatur zu erwandern. Und einen Bereich hast du völlig unterschlagen. John Sinclair. John Sinclair, das ist jetzt die aktuelle Ausstellung hier. Der Klassiker der Gruselserien eigentlich, Und wir haben einen Raum hier grade für Sonderausstellungen und der ist jetzt eben Claire beziehungsweise Helmut Reller Gerd dem Verfasser gewidmet. Weiß nicht, hunderte Millionen Auflage haben diese, Hefte, es gibt Verwertungen in Form von wunderbar gemachten Hörbüchern und so weiter, Und reagiert ist einfach eine spannende Figur. Er stammt aus dem Sauerland, ist in Dortmund aufgewachsen, wohnt heute in Bergisch Gladbach und, Hat es wirklich fertiggebracht, ob das heute noch so ist, weiß ich nicht, aber wirklich jede Woche so einen Heftroman herauszubringen und hat begeisterte Fans und.

Ja unser aktueller Gestalter Jeremias hat das einfach einmalig. Ich finde hier inszeniert so eine richtige große Welt und, Man erstaunt immer, wie dieser eher sterile Ausstellungsraum sich immer wieder völlig neu präsentiert und das ist dann eben die hohe Kunst der Gestaltung, die das ermöglicht. Sag mal, aber du bist auch so ein Jon Sinclair, oder? In der Bücherei habe ich ganz viele Bücher gesehen von Walter Götthen. Ja, aber das ist keine, fährt auch Groß und Wirtschaft. Nein auskennen.

Ja, also um dieses Museum herum, ich habe das eben schon mal kurz angedeutet, gibt es eben auch Buchprojekte und CD-Projekt. Fange ich mal mit der westfälischen Bibliothek an. Also jeder Autor, jede Autorin, die hier präsentiert wird, sollte eigentlich durch ein Lesebuch nochmal gesondert präsentiert werden, also ein Lesebuch, das so die, wichtigsten Texte von ihr, von ihm noch mal nachlesbar, macht, dann gibt es CCD-Reihe live auf dem Kulturgut mit absoluten Highlight Produktionen, mit Peter Rümkow, mit ja viel zu Peter Paul Althaus, Rosemarie Vendel hat da ein Programm gemacht mit Jazz-Projekt auch insgesamt, ich glaube so mittlerweile über 20 Projekten, Dann gibt es eine eigene Lyrik-Reihe des des Hauses, die Ralf Teenor und ja ich unter anderem mitinitiiert haben Edition, Lyrik, Edition roter Faden, die mit dem Haus zu tun hat und,

Da haben wir einerseits bekanntere Lyriker und Lyrikerinnen, aber auch unbekannte Stimmen vorgestellt. Und dann gibt es noch so eine Reihe, die nebenher läuft und die ich eigentlich besonders spannend finde, es Top and Read. Ich bin der Musikfan auch und es gibt äh eine mittlerweile auch verschiedene Reihen, wo Musiker beispielsweise an einer Tankstelle, Stopp einlegen und ein paar Lieder spielen und das ist mittlerweile zu Markenzeichen geworden und, gedacht, warum macht man das nicht in der Literatur und habe dann eben Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen, doch mal vorbeizukommen und hier eine Visitenkarte abzugeben in Form eines Kurzvideos. Das haben wir hier aufgezeichnet, Und ja, das sind so kleine Appetithappen für Menschen, die eben auch noch mal diese Person ganz nahbar erleben möchten und,

Ich muss natürlich sagen, es sind vor allen Dingen immer spannende Projekte und daran lag es mir und das hat mir das ganze Literaturmuseum auch immer sehr, nahe gebracht, dass man Schriftstellerinnen und Schriftsteller kennenlernt, mit denen gemeinsam, Projekte macht und das hat ja auch über 20 Jahre weit über 20 Jahre sehr gut funktioniert. Wie kam es denn zu der Gründung des Haus Northbeck? Ja das war am Anfang also wirklich eine eher spinnerte Idee.

So eine Schnapsidee und Ich habe immer bedauert, dass man, wenn man Ausstellungen macht, diese Ausstellungen danach entsorgt werden, einfach weggeschmissen werden. Das fand ich immer sehr bedauerlich. Es ist vieles schönes Material, was teilweise mühsam erarbeitet wird, was dann aber eigentlich aufm Sperrmüll landet.

Und das hat dann so den Gedanken wachgerufen, ob man nicht ein Museum mal andenken kann, Und dann gab es weder den Zufall, ne, dieses Kulturgut hier stand leer. Es war auch baufällig und man suchte eine Nutzung. Und der damalige Kulturdezernent, der kurz vor der Pensionierung stand und vielleicht auch deshalb sehr mutig war, kannte dann noch den Chef der Nordrhein-Westfalen-Stiftung und beide waren passionierte Radfahrer und sind hier, einfach mal mit dem Fahrrad vorbeigeradelt und haben Gefallen gefunden. Es war wohl offensichtlich ein schöner Sommertag. Die Stimmung war gut und all das war dann letztlich so ein bisschen der Türöffner für, erste Ideen, die mit dem Haus zu tun hatten, das gehört ja dem Kreis Warendorf und der Kreis hatte auch nicht unbedingt die zündende Idee, was man mit diesem Haus anfangen könne,

Und war dann aber wirklich bereit, auf diesen Gedanken eines Literaturmuseums einzusteigen, Das war so ein bisschen die Notlösung, muss man sagen. Hat so wirklich gar nicht mit dem Gedanken gespielt, dass es mal ein Erfolgsmodell werden könnte, was es dann aber tatsächlich auch wurde und so ist das Ganze dann mit äh Fördermitteln des Landes, diversen.

Finanzquellen, die es da gab, Städte, Bauentwicklungen und was auch immer. Ems-Regionale waren wichtiger Punkt. Zweitausendvier, so die zweite Ausbaustufe, am Anfang war's dann wohl dieses Haupthaus hier und dann, Zuge der Emsregionale konnten dann die Veranstaltungsscheune hergerichtet werden, das Kulturcafe und auch Übernachtungsmöglichkeiten.

Ja und so ist das dann gewachsen und wie gesagt, die Zahl der Besucher habe ich ja schon genannt, so um die zwanzig, 25.000 Besucher pro Jahr. Es gibt hier einen Büchermarkt, der immer sehr gut besucht. Es gibt hier Ferienakademien, es gibt äh viele Schulprojekte. Also da ist immer mehr drum herum entstanden. Es ist eben nicht nur die Literaturgeschichte, sondern auch die lebendige Form der Literto-Vermittlung, die hier immer mehr in den Vordergrund auch gerückt Ich habe jetzt den Eindruck, dass Literatur in Westfalen eine riesige Bedeutung hat. War das schon immer so?

Es wäre ja schön, wenn's so wäre. Aber als ich angefangen bin und das ist jetzt kein Eigenlob, war das Thema überhaupt nicht im Gespräch und eigentlich konnte sich auch niemand was unter westfälischer Literatur würde ich vorstellen, vielleicht also die Droste, klar, kannte man als Namen Grabe dann so im Bereich Detmold eher im ostwestfälischen Freilichtgrad vielleicht noch. Kreis von Münster hatte man vielleicht mal gehört, aber alles, war also wirklich Terrain, Inkognita und das war die große Herausforderung auch.

Dieses Thema überhaupt zu bespielen, das heißt wirklich Grundlagenforschung zu betreiben von den Anfängen bis heute, Und da war das westfälische Autorenlexikon, was ich mit meiner Kollegin Iris Kamp herausgegeben habe, eigentlich so das Bindeglied. Wir haben 2000 Autorinnen und Autoren erfasst, Gibt's das übrigens online, kann jeder auch mal selbst mal reinschauen und dadurch hatte man dann auch zum ersten Mal einen Überblick, wer denn hier gelebt hat und geschrieben hat, und ja, immer wieder Überraschungen, also wie groß die Zahl der Schreibenden gewesen ist und auch wie groß sie heute ist. Also mittlerweile ist Literatur in Westfalen ein wirklich ein Thema.

Und eine zeitschriftliche Herausgebe heißt auch Literatur in Westfalen Beiträge zur Forschung. Also westfälische Literatur, das westfälische will ich in Anführungszeichen setzen. Es gibt die Literatur und es gibt die Literatur und die Literatur, aber es gibt jetzt nicht die bayerische und die westfälische, sondern es es die Literatur, die zählt und nicht aus welcher Region sie stammt.

Du da nicht auf die Begriffe starten, Bildung, Magna, Kater in den Ring geworfen? Ja, also ironisch. Mhm. Äh das muss man, glaube ich, schon schon wissen, dass man eine gewisse Selbstironie auch, glaube ich, da immer besitzen sollte und das auch nicht die Literatur zu hoch hängen sollte die Riteratur an der Region ist da ebenbürtig und es ist jetzt nicht so ganz mannschaftlich gedacht nach dem Motto, also gerade was man hier.

In Westfalen eine Literatur ist so, das Nonplusultra und das ist es nicht das Schöne ist und das ist auch wieder alles mit dem Museum und mit Publikation verbunden, das immer genauer hinschauen kann, Wer lebt hier? Wer schreibt hier? Was schreiben die Personen? Und das hat dann oft auch einen sozialhistorischen Hintergrund und ist in der Form auch erhellend, Und das ist die Stärke der regionalen Literatur, dass sie genauer hinschauen kann. Wir haben uns ja eben ausführlich über Annette von Droste-Hülshoff unterhalten. Du hast anhand, der einzelnen Räume hier im Museum schon bestimmte Namen fallen lassen. Wo stehen wir denn heute Schmallenberger Eklat neunzehnneunundfünfzig?

Sind dann in der Modernen angekommen, was ist heute zeitgenössische Literatur hier in Westfalen? Ich glaube, es ist, die Vielfalt, die diese Literatur ja auszeichnet. Und man kann wirklich sagen, es gibt spannende Lyriker. Es gibt im Bereich Kabarett sowieso spannende Namen. Die politische Dichtung ist eigentlich nicht mehr on Vogue, muss man sagen, also, sehr spannende Sachen gibt's im Bereich der literarischen Blogs, also auch der der neuen Literaturformen Erzähler gab es immer schon starke Stimmen, Ja und so würde ich sagen, vervollständigt, ständigt sich so das Mosaik, dass dann irgendwie einen doch, ich finde, attraktives Gesamtbild, hinterher ja zeigt. Also die Themen sind zum Glück sehr offen geworden. Früher gab's eher Trends und heute würde ich sagen ist alles,

sehr divers auch grade auch leibliches Schreiben ist ein großer Faktor. Wir haben hier eine Ausstellung gemacht. Engel im Haus töten. Da ging es um 39 Autorinnen, ne, das ist ein Zitat gewesen, die wirklich auch mal ausschließlich Autorinnen, gezeigt hat in den oft schwierigen Lebens- und Schreibverhältnissen, die diese Damen hatten und zwar auch vom 18. Jahrhundert bis in die Gegend wart und dann gab's eine Ausstellung zu Thema Science-Fiction. Also kannte ich vorher überhaupt wenig zu dem Bereich ein bisschen was, da, wenn man schaut, absolut spannende Autoren, die in der gesamten Science-Fiction Literatur Deutschland und sogar drüber hinaus eine Rolle spielen.

Ausstellung zum Thema 9zehnhundertachtundsechzig, also wie diese Studentenbewegung, wie HC abgefärbt auf das Land. Auch da gab's dann hinter eine Publikation mit 600 Seiten. Also man ist überrascht, wenn man mal sucht, was so ein bisschen meine Leidenschaft, was man dann alles findet, eine Ausstellung zum Thema Wandern, habe ich vor zwei Jahren oder drei Jahren gemacht.

Da findet man erstaunliche Quellen Hans-Jürgen von der Wense, jemand, der eigentlich pausenlos zu Fuß unterwegs war und, Kartographiert hat, geschrieben hat ohne Ende und dessen Werk ist gerade neu idiert wird und er hat Westfalen durchwandert auch nur ein Beispiel und es gab dann das spannende Thema Film und Fernsehen, auch da gibt es spannende Autorinnen und Autoren im Bereich Drehbuch, oder Cornelia Funke mit Tim Tintenherz dieser Verfilmung, dann der Vorleser, ne, dieser Film, da ist der Autor ja auch aus Westfalen und wenn man mal anfängt zu suchen, gibt's eigentlich kein Ende. Du und warum wird denn die Region auch gerne, für Sortiere genutzt. Wen gibt's denn da?

Ja, ist natürlich ein Klassiker, hätte ein äh ein eigenes Programm gemacht. West-Failion Aliens und einen Text über das tünselige Ostwestfalen, aber es ist eigentlich ganz liebevoller Text, also ist ja eigentlich ein beinharter Polemiker, der immer, Und das ist so eine Hassliebe, die er zu Westfalen empfand, erlebt er ja auch eigentlich in Berlin und anderswo, na ja, aber ich fand es dann doch schön, dass er sich auch immer wieder an seine Anfänge hier erinnert hat. Er hat ja auch mehrfach gelesen, er hat eine eigene Reihe hier gehabt sogar eine Lesebühnenreihe.

Mit dem Titel Notback City Limits. Es gibt von Tina Turner diesen Song Notbusch City Limits. Mhm. Und den hat er abgewandelt in Not Back City Limits und am Anfang einer jeden Lesebühnenveranstaltung hat er erstmal diesen Song gesungen. Er hätte auch mal gerne gesungen. Also dann hatten wir hier die Notback City Limits mit Harry Rowald zum Beispiel. Harry Rowold, der hier, ich weiß nicht, drei Stunden Programm gemacht hat und dabei, eifrigst getrunken hat, Aber es war grandios. Der Saal tobte und Hans Zippert hat hier gelesen, auch das war ein also das sind so grandiose Abende, die wir hier hatten. Hans Zippert ist ja eigentlich, mit einer der prominentesten Satirika Deutschlands und jeden Tag es war in der Zeitung die Welt mit seiner Glosse Zipper-Zapf vertreten und,

Ja, das Schöne ist, dass all diese Autoren und Autoren einen sehr nahen Bezug hier zu diesem Haus entwickelt haben. Fritz Jeckenger möchte ich noch nennen, der hier oft gelesen hat und. Ja, über Westfalen lässt sich treffend spötteln. Das ist auch gut so und das gehört auch zur Selbstironie. Wir haben uns eben ganz kurz über den Schmallenberger Eklat unterhalten, der jetzt 59 Jahre zurückliegt wenn du in die Zukunft schaust, könntest du dir vorstellen, dass es so ein Eklat nochmal geben wird? Nein, also das denke ich nicht. Also wir denken heute viel pluraler, und Literatur ist eben auch nicht mehr eingeengt und damals war das ganz anders. Also da sind die, sind zwei Generationen aufeinander getroffen. Einmal die tatsächlich noch,

Die NS-Autoren, die nach 45 wieder publizieren konnten und das auch fleißig taten und die jüngeren Autorinnen und Autoren, die. Anfangs noch sehr moderat mit den Älteren umgegangen sind, aber dann irgendwann ging es einfach nicht mehr und, So ist dieser Streit dann entstanden, Man hat also die die Jungen eigentlich auflaufen lassen und wollte sie auch wirklich am liebsten ausgrenzen, aber das war dann auch nicht mehr möglich, weil Autoren wie Paul Schalik oder Hans-Dieter Schwarz im literarischen Leben an immer größeren Einfluss nahmen.

Hatte dann schon den Drostepreis erhalten und so weiter und da gab es also ganz klare Fronten und die sehe ich heute nicht mehr. Also das es gibt. Äh so dieses Westfalenbewusstsein, was diese ältere Generation hat, auch vor sich hergetragen hat, grade zum Militant ist ja heute nicht mehr denkbar. Es gibt das vielleicht noch die Enthusiasten, okay, aber es gibt eben viele, viele andere Richtungen, die, mindestens genauso wichtig sind und in der Hierarchie garantiert auch oben stehen und das ist auch gut so. Ja, also so ein Streit wie damals, der sich ja über Jahrzehnte wirklich erstreckt hat mit immer wieder neuen Nachtreten auch der älteren Generation das ist so ein Lehrstück über sozialgeschichtliche Phänomene

und auch das Ende einer Ära eigentlich, Aber heute ist das passe. Na mal gut, dass dann eine Art übersäischer Frieden eintrat. Ja, kann man sagen. Also das ist dann auch irgendwann ist dieser ältere Literaturlinien ja auch ausgelaufen, also mit westfälischen Heimat, es gab hunderte, ja? Muss man sich vorstellen, kaum eine Region ist so oft mit Romanen in Anführungsstrichen gesegnet worden, wie Westfalen und, das war immer das gleiche Bauernschicksal, so ein bisschen, wenn man's von Bayern kennt, vielleicht auch und.

Birkenkickerturm und Gutshöfe, die miteinander im Clinch waren und so weiter, aber das ist ja, als Thema irgendwann auch mal totgelaufen, ja und die Jungen haben sich dann der Industriewelt, sie haben sich an der französischen Existenzialismus orientiert und so weiter, die hatten ganz andere Themen, Und äh so ist da auch eine viel größere Farbigkeit in Literatur reingekommen und es ländliche Prägung, die wirklich lange, lange Zeit die westfälische Literatur aus machte, war dann vom Tisch.

Und das ist dann also sehr diversifiziert worden. So ab dem Schmallenberger Dichterstreit eigentlich. Dann sag mir doch in dem Zusammenhang mal, was ein Bunk ist. Ja, das ist ein Romantitel von Michael Rös, ja, Und das ist ein sehr vielfältiger Begriff, aber es steht auch für einen Samenerguss. Ach du oh huch und so hat er ihn auch gebraucht in seinem Roman. Also er hätte seinen ersten Spuk und das war seine persönliche Befreiung und das ist ja die Geschichte eines Homosexuellen Jugendlichen.

Die nach diesem Spuk sozusagen, ja, da fand er dann eher zu seiner sexuellen Orientierung. Wenn du das meinst. Das ist eben auch ein Begriff, der den gibt's in ganz unterschiedlichen Ausprägungen, aber bei ihm hat er eben genau diese Bedeutung und soll eben auch für eine etwas schnodderige, westfälische Sprache stehen.

Die er in seinem Buch auch zitiert, mit der er groß geworden ist, Also man muss jetzt natürlich unterscheiden zwischen dem Autor und der literarischen Figur und die literarische Figur, wird eben in einem Handwerkerhaushalt groß, in dem eben solche Schnodderlichkeiten, also dieser westfälische Rolle spielt ähm ja. Wenn ich euch verraten könnte, Ja. Lea Drager Ein eindringliches Buch. Das ist ein Buch von einer Autorin, die eigentlich vom Theater kommt und sehr radikal schreibt und sie, erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich.

Ja, im Grunde genommen im Leben, in ihrer Haut nicht wohlfühlt und sich, permanent eigentlich Schaden zufügt. Diese Ritzereien und sowas wie verweigert sich zu essen und so weiter und das ist so eine Alptraumartige aus der Innenperspektive geschildert äh Roman der auch eine bis dahin völlig unbekannte Autorin nun zum ersten Mal bekannt gemacht hat in Westfalen und, Ja, das ist immer der Blick, den ich auch haben muss, weil ich ja eben auch journalistisch arbeite, auf das, was ja an neuen Talenten noch noch nachkommt.

Ja und es ist bei diesem Roman eben auch der Fall, der auch kein Happy End hat oder so was, muss er auch nicht, soll er auch nicht aber vor allen Dingen sehr eindringlich die Seelennöte dieser Protagonistin beschreibt, die auch einen familiären Hintergrund haben durch eine sehr schillernde Familiengeschichte mit den Großmüttern und so weiter, die sehr fromm waren und, Geht dann auch so ein bisschen skurrile hinein, aber, Es ist sehr spannend erzählt und gibt eben auch die Sicht einer heutigen Jungfrau wieder. Elina Penne. Migrantenmouté und.

Eine auch bis dahin wenig Wahrgenommene Person in der westfälischen Literatur, die einen Block betreibt, Und in dem ja geht sie sehr provokant eigentlich mit dem also es ist eine russlandstämmige Autorin und sie ist ganz anders sozialisiert. Schaut aus einer Menoidenfamilie. Und sie wundert sich eigentlich nur, über diese westlichen äh Vorzeigemuttis, die dann in einer Konsumwelt leben und sie haut richtig drauf und das finde ich wirklich sehr erfrischend, mit welchem satirischen, witzigen Blick sie also übers heutige Elterndasein schreibt?

1250 Jahre Westfalen feiern wir in diesem Jahr. Auch das Haus Nordbeck ist dabei. Ich mache dann mit dem Schauspieler Karsten Bender, mit dem ich viele Programme eigentlich schon gemacht habe so ein so eine Art literarische Revue. Die beginnt eigentlich schon bei Tacitus und seinen Germanenbild und setzt sich dann eigentlich durch die Jahrhunderte fort mit Armenius mit Videokind bis zur heutigen Autorinnen und Autoren, die über Westfalen schreiben und es ist einfach so, der Wandel des Westfalenbildes, der dort auf, eher unterhaltsame Art und Weise porträtiert wird.

Und ja auch noch mal diese Vielfalt zeigt, also Voltaire zum Beispiel, der der große Spötter und Aufklärer hat sich ja, wiederholt über Westfalen, niederschmetterns geäußert und in seinem Konditorroman, der spielt ja auch noch ausgerechnet, beginnt in Westfalen, also all solche Zeugnisse mal zusammenzufassen und so ein Reigen darum zu spinnen, Und mit dem Schauspieler haben wir so eine eigene Dialogform gefunden. Der eine weiß etwas mehr als der andere. Das ist ein Gesprächspartner.

Ist dann vielleicht der, der Grundkenntnisse hat, aber die andere fragt immer und es interessiert und übernimmt so ein bisschen auch die Rolle des Publikums, das über diese vielen Zusammenhänge ja gar nicht so viel weiß. Aber die Rolle kenne ich. Nee und so oft ist er niederschwelligen Ebene glaube ich, kann man sehr gut Informationen übermitteln, ohne dass es zu dogmatisch ist oder so lehrreich, sondern ist eher unterhalten Und das ist eben das Schöne daran, dass man über diese Form auch durch äh umfassenden Themen, vermitteln kann. Die Daten, die schreibe ich natürlich in die Shownotes, aber erzähle doch noch ein bisschen mehr aus dem Programm. Du sprachst grad schon Frontazitus. Das Kuriose ist ja, dass,

im Grunde genommen die Germanen eigentlich als trinkfreudige, lustlose. Kampfunfähige ja wirklich, also das dargestellt hat, also kulturlose Banausen, äh Barbaren, aber das Seltsame ist, dass man Diese Tacitus-Schilderungen dann hinterher so als Sinnbild für ein positives Westphalenbild genommen hat. Der Kabarettist Erwin Grosche hat diesen Tacitus Text Germania ja einfach einfach mal eingelesen. Das ist Satire pur.

Und da konnten wir natürlich Honig raus saugen aus diesen Stellen und, Kurioserweise beriefen sich dann auch spätere Historiker immer wieder auf Tacitus, was wörtlich seltsam ist, weil die haben natürlich im Vergleich zu der Kultur jetzt dieser der römischen Kultur, fallen sie einfach deutlich ab und, Ja und das ist dann auch bei späteren Westfalen Enthusiasten immer so der Fall. Also was der eine lobt, der Rolewin zum Beispiel wird vom anderen extrem kritisch reflektiert und kritisiert und ja und und das zieht sich also genau dieser Zug, dieser Westfalen Lob, wird von anderen eben genau als Westfalenkritik hingestellt und das ist so ein bisschen der Ansatzpunkt, dass man einfach mal was gegenüberstellt und das hat dann eben auch seine kuriosen Zeiten, ja. Kein Reben, sondern Reckenland ist Teil des

lila W-Festivals. Ja. Lila-Weh-Festival Ja, also es ist Lila W ist ja ein Verbund von Veranstaltungsstätten aus Westfalen. Das ist ein sehr schönes Netzwerk und in diesem Rahmen treten wir eben auch auf. Aber das ist nicht jetzt der eigentliche Initiator gewesen, sondern man hat das mit in dieses Programm aufgenommen, was uns natürlich freut, weil wir dadurch auch noch mal eine zusätzliche Vermarktung in Anführungszeichen haben und das gemacht wird, ne und was der Kollege Remmert dort in Unna mit dem Literaturbüro macht, ist natürlich eine tolle Sache und das, zeigt eben auch, dass dieses Netzwerk Literatur Westfalen, was ja seit zehn, 15 Jahren nun auch das kann ja nur funktionieren, wenn die Literatur auch interessant genug ist. Ja und das,

ist eins das beste Beispiel dafür, dass man auch über diese Festivals nochmal auch wieder aufmerksam macht auf die vielen. Facetten der westfälischen Literatur. Verstehe, lila. Wie steht also für Literatur Landwestfalen? Genau, das ist das Alliteration, ne? Literatur, Land, Westfalen, genau, Lila das gab damals eine intensive Diskussion, wie das Projekt denn heißen soll und das hat sie sich dann durchgesetzt. Was mich natürlich total interessieren würde, ich weiß, dass du total verschwiegen bist.

Aber wenn man hier an den Mauern entlangschweift, sieht man immer mal wieder Fotos von zeitgenössischen Künstlerinnen, die hier schon zu Gast waren. Würdest du von der ein oder anderen Anekdote berichten Ja, vielleicht mal ein bisschen aus dem Nähkästchen, also Marianne Sägebrecht hat hier gelesen und ich saß in der ersten Reihe und ich weiß ja, sie ist eine wirklich brillante Volksschauspielerin und der Saal war voll.

Und ja, sie waren null vorbereitet. Sie blätterte so ein bisschen da in ihren Ordner rum und ich versank immer tiefer im Sessel und denke oh Gott, das kann doch nicht gut gehen. Wie soll sie jetzt anderthalb Stunden hier über die Bühne bringen? Und sie hatten mal hier, wo wir zugeplaudert und zu jedem Thema aber völlig unstrukturiert und hat auch gar nicht gelesen, nichts, So und dann brandete der Beifall auf und am nächsten Tag hatten wir eine fast eine ganze Seite in der hiesigen Presse, ja?

Das zeigt eben auch die unterschiedliche Wahrnehmung von Literatur und das musste ich hier auch lernen, ja. Also wenn man hier einen bekannten Namen präsentiert, Sinterberger ist ja so ein Name, Cornelia Funker hat ja gelesen. Und so weiter, dann sind das Selbstläufer, ja. Und das Publikum ist blind gegenüber den Texten. Man sieht die Leute, man kann darüber berichten und das ist auch alles okay so. Also habe ich überhaupt keine Probleme damit, aber es ist eben eine völlig andere Wahrnehmung, als die, die man vielleicht als Literaturwissenschaftler, und bei Marianne Segeberg, das ist eigentlich das da Musterbeispiel dafür, dass man geblendet ist von der Persönlichkeit, die sich dann hier mal verirrt in die Provinz.

Und die Leute glücklich nach Hause gehen und bei Sinter Berga war's natürlich auch so. Also sie hat einen eine Novelle, der Droste lädt wiener, Ich glaube, kein Mensch wusste hinterher überhaupt, was sie gelesen hat bisschen pointiert, aber äh alle waren beglückt, höchst beglückt und sie hat das wirklich mit Scham und mit absoluter Professionalität präsentiert. Das war schon ein Ereignis, muss man sagen und.

Aber man darf natürlich auch nicht die vielen anderen vergessen, die hier Lesungen gemacht haben, verbindet Daitma beispielsweise wir Krimiautorin. Wir hatten hier damals ja noch nicht den großen Veranstaltungssaal, sondern man saß sich hier in einem kleinen, Damals noch Werkraum fast aufm Schoß, so so eng war das und die Autoren und Autoren fanden Hassen-Notbeck auch gar nicht, heute ist es ja alles viel einfacher, durch die Autobahnauffahrt aber damals war das so verloren und dann Beispielsweise Frank Gosen hatten wir am Telefon und er fand einfach nicht dieses Kulturgut hier. War denn da schon ein Netz hier aufm Land?

Genau und da stand irgendwo an so einem Gatter. Ich weiß nicht weiter und dann hat das dann doch noch geschafft und unter dem Jubel des Publikums ist er dann hier eingezogen und das sind solche Momente, die natürlich auch, mit der Geschichte des Literaturmuseums zu tun haben. Die sind mir auch sehr lieb, muss ich sagen.

Lieber Walter, vielen vielen Dank, dass du die Hörerinnen und mich hier auf eine schöne westfälische Literatur. Mit U mitgenommen hast. Wir dank dir viel erfahren konnten, hier das wunderbare Haus Modbeck ein Stück weit besser kennenlernen konnten. Vielen Dank für deine, Dankeschön, es hat Spaß gemacht. Mir auch.

Vielen Dank, dass ihr bei dieser besonderen Folge von Die Leichtigkeit der Kunst genau Westfalen dabei wart. Diese Podcastreihe entsteht im Rahmen des Förderschwerpunkts 1250 Jahre Westfalen, der LWL-Kulturstift, Kooperation mit der LWL-Kulturabteilung und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Ein großes Dankeschön an die LWL-Kulturstiftung, die dieses, Ihr möchtet mehr über das Jubiläum 1250 Jahre Westfalen erfahren? Dann schaut doch mal vorbei unter WWW, 1350 Jahre Westfalen Punkt DE oder folgt der LWL-Kulturstiftung auf Instagram unter at LWL Kulturstück, Vielen Dank fürs Zuhören und tschüss bis zum nächsten Mal, eure.

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